Beschreibung des Oberamts Maulbronn/Kapitel A 6

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VI. Gesellschaftlicher Zustand.


1) Grundherrliche Verhältnisse.[1]
A. Grundherren.

Grundherren waren in den letzten Jahrhunderten, seitdem das Kloster Maulbronn den Besitz derselben an sich gezogen, keine mehr im Bezirk.

Die Staatsdomäne Eilfingerhof bei Maulbronn wird von Zeit zu Zeit verpachtet; sie ist ein sehr altes Besitzthum des Klosters.

Vom Kloster Herrenalb rühren verschiedene Güter auf der Markung Derdingen her, welche je auf eine Reihe von Jahren verpachtet werden. Ebenso ist es in Maulbronn selbst der Fall.

Auch in andern Orten befinden sich Güter, die früher im Besitz geistlicher Stellen waren, wie z. B. die sog. Frühmeßgüter.

B. Vormalige Lehen- und Leibeigenschaftsreste.
a) Ritterlehen waren keine vorhanden;
b) Falllehen ebensowenig;
c) Erblehen wurden seit 1818 allodificirt und die jährlichen Abgaben seit den jüngsten Gesetzen abgelöst. Gefälle von Lokal- und Personal-Leibeigenen sind früher, wie in Klosterorten gewöhnlich, vorhanden gewesen, jedoch in Folge der Gesetzgebung theils aufgehoben, theils abgelöst worden. Mit den Frohnen verhält es sich ebenso.
C. Grundlasten.

Hiebei verhält es sich wie oben ad B.

D. Zehentrenten,

wovon der kleine gewöhnlich der Pfarrei zugetheilt war:

01) Maulbronn, in früherer Zeit gehörte aller Güterbesitz dem Kloster. Zehenten wurden erst aufgelegt, seitdem die Güter in Privathände kamen. Kleiner Zehenten fand hier nicht statt.

02) Derdingen, mit großem, kleinem und Weinzehenten gehörte dem Kloster Herrenalb, welches auch den Zehenten bezog.

03) Diefenbach, mit Füllmenbacherhof, mit großem, kleinem und Weinzehenten, gehörte zu Maulbronn und reichte dem Kloster den Zehenten.

04) Dürrmenz, mit großem, kleinem und Weinzehnten, gab seine Abgaben zum Kloster Maulbronn.

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05) Enzberg mit großem, kleinem und Weinzehenten; der Zehente wurde theils vom Kloster Maulbronn, theils von der Domainen-Verwaltung Pforzheim bezogen, wegen der Pfarrei Niefern, von wo die geistlichen Verrichtungen in Enzberg besorgt wurden. Die Zehenten sind abgelöst.

06) Freudenstein mit großem, kleinem und Weinzehenten reichte den Zehenten theils zum Kloster Maulbronn, theils nach Herrenalb.

07) Gündelbach, mit großem, kleinem und Weinzehenten, dort bezog das Kloster Maulbronn den Zehenten.

08) Illingen, mit großem, kleinem und Weinzehenten, desgl.

09) Klein-Villars; eine Waldenser Ansiedlung auf Gütern des Orts Ölbronn, Knittlingen reichte zum Kloster Maulbronn den Zehenten.

10) Knittlingen, großer, kleiner und Weinzehenten, war dem Kloster Maulbronn zehentpflichtig.

11) Lienzingen, großer, kleiner und Weinzehenten, desgl. dem Kloster Maulbronn.

12) Lomersheim, großer, kleiner und Weinzehnten, desgl.

13) Ölbronn, großer, kleiner und Weinzehnten, desgl.

14) Ötisheim mit Corrès, großer, kleiner und Weinzehenten, desgl.

15) Pinache, großer und kleiner Zehenten, ein Waldenser Ort auf der Markung von Wiernsheim und zum Kloster Maulbronn zehntpflichtig.

16) Schmie, großer, kleiner und Weinzehnten, zu Maulbronn zehntpflichtig.

17) Schönenberg, ein Waldenser Ort, auf der Markung von Ötisheim, wie dort.

18) Schützingen, großer, kleiner und Weinzehenten, zum Kloster Maulbronn zehentpflichtig.

19) Serres, wie Pinache.

20) Sternenfels, großer, kleiner und Weinzehnten; früher rentkammerlich und dahin zehentpflichtig;

21) Wiernsheim, großer und kleiner Zehnten, dem Kloster Maulbronn zehentpflichtig.

22) Wurmberg, großer und kleiner Zehenten, desgl.

23) Zaisersweiher, großer, kleiner und Weinzehenten, desgl.


2. Staats- und kirchliche Einrichtungen.
A. Eintheilung der Ämter.
a) Weltliche.
Der Oberamtsbezirk bildet einen Bestandtheil des Neckarkreises und steht als solcher in gerichtlicher Hinsicht unter dem Gerichtshof | in Heilbronn, in administrativer Beziehung unter der Kreisregierung in Ludwigsburg.

Von den Bezirksbehörden haben das Oberamtsgericht, das Oberamt und das Kameralamt ihren Wohnsitz in Maulbronn; das evangelische Dekanatamt in Knittlingen, das Forstamt in Bönnigheim und Leonberg.

a. Oberamtsgericht. Diesem sind untergeordnet das Gerichtsnotariat in Maulbronn für die Gemeinden: Maulbronn, Diefenbach, Freudenstein, Gündelbach, Lienzingen, Ölbronn, Schmie, Schützingen, Sternenfels, Zaisersweiher; das Amtsnotariat Dürrmenz für die Gemeinden Dürrmenz-Mühlacker, Enzberg, Illingen, Lomersheim, Ötisheim, Pinache, Schönenberg, Serres, Wiernsheim, Wurmberg; das Amtsnotariat Knittlingen für die Gemeinden Knittlingen, Derdingen, Klein-Villars.

b. Das Oberamt mit dem Oberamtsarzt, Oberamtswundarzt, Oberamtsthierarzt, der Oberamtspflege, dem Oberamtswerkmeister, Oberamtsfeuerschauer und Oberamtsgeometer. In Beziehung auf Straßen- und Wasserbau ist der Bezirk der Straßenbauinspection Ludwigsburg zugetheilt.

c. Dem Kameralamt in Maulbronn ist der ganze Bezirk zugetheilt; das Umgeldscommissariat hat seinen Wohnsitz in Vaihingen.

d. Forstämter:

1) dem Forstamt Bönnigheim gehört der ganze Oberamtsbezirk (mit Ausnahme der Parzelle Dürrmenz, Gemeindebezirks Dürrmenz-Mühlacker, Pinache, Serres, Wiernsheim, Wurmberg und theilweise Lomersheim) mit den Revierämtern Maulbronn, Derdingen und Zaisersweiher.

2) zum Forstamt Leonberg gehören die in Punkt 1 ausgenommenen Gemeinden mit dem Revieramt Wiernsheim.

Die Unterpfandsgeschäfte besorgen theils die Notare, theils die Verwaltungsactuare und theils die Schultheißen.

Die Verwaltungsgeschäfte besorgen die Verwaltungsaktuare, mit Ausnahme einiger Gemeinden, in welchen die Schultheißen die Steuerumlagen fertigen. Verwaltungsaktuare sind im Bezirk 7.

Gemeinden zählt der Oberamtsbezirk 23, nämlich 9 zweiter und 14 dritter Klasse.

Zusammengesetzte Gemeinden sind: Maulbronn mit seinen Höfen; Ober-Derdingen mit Unter-Derdingen und dem kleineren Theil von Groß-Villars; Enzberg mit Sengach; Ötisheim mit Corrès, Knittlingen mit dem größern Theil von Groß-Villars, Wurmberg mit Bärenthal.

An der Spitze jeder Gemeinde steht ein Schultheiß, beziehungsweise Stadtschultheiß, welcher seinen Wohnsitz im Hauptorte hat. Für | die Verwaltung des Gemeindevermögens sind besondere Rechner, Gemeindepfleger, bestellt.
b) Kirchliche.

Der Oberamtsbezirk, dessen Bevölkerung fast durchaus der evangelischen Religion angehört, besteht aus 21 Pfarreien. Katholiken befinden sich im Oberamtsbezirk ca. 110, welche in den hienach ersichtlichen, verschiedenen Gemeinden des O.-A.-Bezirks zerstreut sind. Zur Pfarrei Michaelsberg, O.-A. Brackenheim, kath. Dekanats Neckarsulm gehören die Katholiken von Maulbronn, Dürrmenz-Mühlacker, Enzberg, Freudenstein, Illingen, Klein-Villars, Knittlingen, Lienzingen, Lomersheim, Ölbronn, Ötisheim. Zur Pfarrei Stockheim, O.-A. Brackenheim, kath. Dekanats Neckarsulm die Katholiken von Derdingen und Sternenfels, und zu der Pfarrei Weil der Stadt, O.-A. Leonberg, Dekanatamts Stuttgart die Katholiken von Pinache und Wurmberg.

Sämtliche evangelische Gemeinden des O.-A.-Bezirks gehören zu dem Dekanat Knittlingen und dem Generalat Heilbronn.

Die Gemeinde Klein-Villars gehört in den Kirchenverband Ölbronn, Schönenberg in den von Ötisheim, Serres in den von Pinache; Groß-Villars hat einen eigenen Pfarrer.

Unter den bestehenden 21 ev. Pfarreien sind begriffen 19 ständige und 2 unständige.

B. Anstalten.
a) Schulanstalten.

In Maulbronn ist ein niederes evangelisches Seminar mit einem Ephorus, zwei Professoren, zwei Repetenten und einem Musik- und Turnlehrer.

Lateinische Schulen, keine; Realschulen: befindet sich eine in Knittlingen mit einem Lehrer. Mit dieser Schule ist auch eine Turnanstalt verbunden.

Volksschulen zählt der Bezirk 28 mit 35 Schulmeistern, 2 Unterlehrern und 15 Lehrgehilfen, die Lehrgehilfenstellen sind jedoch in letzterer Zeit blos mit 9 Lehrgehilfen besetzt.

Die Gesamtzahl der Schüler belief sich 1869 auf 3844.

Gewerbliche Zeichenschulen bestehen in Knittlingen, Maulbronn, Ötisheim, Dürrmenz und Illingen.

Landwirthschaftliche Fortbildungsschulen befinden sich nirgends.

Winterabendschulen sind in 11 Orten mit 14 Lehrern und 291 Schülern vorhanden.

Arbeitsschulen bestehen beinahe in allen Orten.

In Dürrmenz besteht eine Mittelschule mit einem Lehrer und ca. 41 Schülern.

Kleinkinderschulen bestehen in Enzberg.

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b) Wohlthätigkeitsanstalten.

An solchen sind zu erwähnen:

a. Der Bezirkswohlthätigkeitsverein in Maulbronn, welcher der Centralleitung des Wohlthätigkeitsvereins in Stuttgart untergeordnet ist.

b. Der Bezirksverein zur Fürsorge für entlassene Strafgefangene.

c. Armenhäuser befinden sich in 18 Gemeinden und in einer Theilgemeinde.

d. in Maulbronn befindet sich, neben einem Armenhaus, auch ein sog. Bezirkskrankenhaus.

c) Gewerbliche Anstalten.

Der gewerblichen Zeichenschule ist oben Erwähnung gethan.

In der Gemeinde Dürrmenz-Mühlacker besteht eine Gewerbe- und Vorschußbank.

d) Landwirthschaftliche Anstalten.

Der landwirthschaftliche Bezirksverein, welcher nach mehrjähriger Unterbrechung im Jahr 1857 wieder neu aufgenommen wurde, zählt 150 Mitglieder. An der Spitze desselben steht ein Ausschuß von 12 Mitgliedern. Jährlich werden mindestens zwei Generalversammlungen gehalten. Seine Thätigkeit erstreckt sich auf alle Zweige der Landwirthschaft, einschließlich des Weinbaus, sowie die Verbreitung guter Ackergeräthschaften, vorzugsweise aber auf Beförderung der Viehzucht, wie denn durch seine Bemühungen schon zweimal Original Simmenthaler Vieh eingeführt wurde, wodurch die Viehzucht des Bezirks auf eine höhere Stufe gebracht worden ist.

Der Obst- und Weinbau ist schon seit Jahrhunderten im hiesigen Bezirke einheimisch.

Zur Erlernung der Obstbaumzucht haben mehrere junge Männer mit Unterstützung des landwirthschaftlichen Bezirksvereins Unterricht in Hohenheim genossen.

Es befinden sich in einigen Gemeinden des Bezirks Gemeindebaumschulen, dagegen ist eine Bezirksbaumschule nicht vorhanden.

Die Rindviehzucht, welche, wie oben bemerkt wurde, in einem blühenden Zustande sich befindet, wird durch Aufstellung von tüchtigen Zuchtstieren, meist Simmenthaler Race, bewirkt; in keiner Gemeinde des Bezirks ist die Farrenhaltung in eigener Administration derselben.

An die Besitzer ausgezeichneter Exemplare von Rindvieh und Schweinen werden aus Anlaß des landwirthschaftlichen Bezirksfestes Prämien vertheilt.

Die Pferdezucht ist zur Zeit noch nicht von Bedeutung, sie wird sich aber dadurch heben, daß seit einem Jahr eine Beschälplatte in dem benachbarten Vaihingen sich befindet, wodurch ein längst gehegter Wunsch der Stutenbesitzer in Erfüllung gegangen ist.

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e) Anstalten für Handel und Verkehr.
1. Eisenbahnen.

Die im Jahr 1853 eröffnete Westbahn tritt, von Bietigheim her kommend, bei Illingen in den Bezirk und zieht über die Markungen Illingen, Dürrmenz-Mühlacker, Maulbronn und Ölbronn, wo sie in das Badische eintritt.

In Mühlacker zweigt eine im Jahr 1863 eröffnete, vom Staat Baden gebaute Bahn nach Pforzheim ab, welche unterhalb Enzberg Württemberg verläßt. In Mühlacker befindet sich ein württembergischer und ein badischer Bahnhof; letzterer für die Linie Mühlacker–Pforzheim. Eisenbahnstationen haben Illingen, Enzberg und Maulbronn.

2. Straßen.

Durch den Bezirk führen folgende Straßen:

a. Von Illingen über Mühlacker und Enzberg (Straßburger Route).

b. Von Illingen über Lienzingen, Maulbronn und Knittlingen (Frankfurter Route); diese beiden befinden sich in der Unterhaltung des Staats.

c. Eine Straße von Sternenfels über Dürrmenz-Mühlacker nach Wiernsheim, welche das Zaubergäu mit dem Schwarzwald verbindet.

d. Eine Nachbarschaftsstraße von Knittlingen über Derdingen und Sternenfels in das Zabergäu.

e. Die übrigen Straßen sind Vicinalstraßen (s. auch die Ortsbeschreibungen).

Die Straßen ad c. d. e. werden von den Gemeinden mit Unterstützung von Seiten der Amtskorporation unterhalten und stehen unter Aufsicht des Oberamts-Wegmeisters.

3. Posten und Boten.

Der Bezirk hat ein Postamt und zwar in Mühlacker mit einer Posthalterei ebendaselbst und eine Postablage in Zaisersweiher, sodann 6 Postexpeditionen und zwar in: Maulbronn Ort und Station, Enzberg, Illingen, Knittlingen und Sternenfels.

Von den aufgestellten 10 Landpostboten sind 5 dem Postamt Mühlacker, 4 der Postexpedition Maulbronn, Ort, und 1 der Postexpedition Knittlingen zugetheilt; sie haben ihre Wohnsitze in: Diefenbach, Gündelbach, Ölbronn, Ötisheim, Schmie, Lienzingen, Wurmberg, Lomersheim, Derdingen, Dürrmenz-Mühlacker.

Zugetheilt sind der Postexpedition Maulbronn: Maulbronn, Diefenbach, Freudenstein, Gündelbach, Schützingen, Schmie, Ölbronn, Klein-Villars; der Postexpedition Knittlingen: Knittlingen, Derdingen; | dem Postamt Mühlacker: Dürrmenz, Mühlacker, Zaisersweiher, Lomersheim, Schönenberg, Ötisheim, Lienzingen, Wurmberg, Wiernsheim, Pinache, Serres; der Postexpedition Enzberg: Enzberg; der Postexpedition Sternenfels: Sternenfels; der Postexpedition Illingen: Illingen.

Fahrpostverbindungen bestehen:

a. von Mühlacker täglich 2mal nach Sternenfels;
b. von Knittlingen 2mal auf die Station Maulbronn;
c. von Maulbronn deßgl.
4. Telegraphen.

Telegraphenstationen befinden sich in:

Maulbronn, Mühlacker, Illingen, Enzberg.
f) Sonstige polizeiliche Anstalten.
1. Gesundheitspolizeiliche.

Im Oberamtsbezirk sind angestellt: ein Oberamtsarzt, ein Oberamtswundarzt und Oberamtsthierarzt, sämtlich mit dem Sitz in Maulbronn; sodann ein Unteramtsarzt, in Dürrmenz. Außerdem befindet sich in Knittlingen ein Stadtarzt (praktischer Arzt).

Wundärzte II. Abtheilung, die zugleich Geburtshelfer sind, je einer in Knittlingen, in Dürrmenz, in Illingen und in Ötisheim.

Thierärzte außer dem Oberamtsthierarzt je einer in Knittlingen, Derdingen und Dürrmenz.

Hebammen haben alle Gemeinden, die größeren Gemeinden 2.

Leichenschauer sind ebenfalls in allen Gemeinden aufgestellt.

Die öffentlichen Impfungen werden theils von Ärzten, theils von Wundärzten besorgt.

Apotheken bestehen je eine in Maulbronn, in Dürrmenz-Mühlacker und Knittlingen. In sämtlichen diesen Gemeinden ist Eis zu haben.

Ein Lokal zur Aufnahme von Geisteskranken befindet sich am Oberamtssitz.

Sämtliche Gemeinden haben eigene Begräbnißplätze, selbst Theilgemeinden.

Wasenplätze mit Wasenmeistern (Kleemeistern) befinden sich in Dürrmenz, Knittlingen und Sternenfels.

2. Sicherheitspolizeiliche Anstalten.

Das Oberamt und Oberamtsgericht haben je abgesonderte Gefängnißgebäude, in welchen auch die Wohnungen der betreffenden Amtsdiener eingerichtet sind.

Arrestlokale mit den erforderlichen Requisiten befinden sich in | sämtlichen Gemeinden; ebenso sind in allen eigene Polizeidiener aufgestellt.

Die Landjägermannschaft ist folgendermaßen im Bezirk vertheilt: in Maulbronn der Stationskommandant mit 2 Mann; in Dürrmenz-Mühlacker, Enzberg, Illingen, Knittlingen, Sternenfels, Wiernsheim je ein Mann.

3. Bau- und feuerpolizeiliche Anstalten.

Ortsbaupläne sind in sämtlichen Gemeinden vorhanden. Von der Amtskörperschaft ist ein Oberfeuerschauer gestellt mit dem Sitz in Mühlacker.

Die Baukoncessionsgesuche, welche das Oberamt zu erledigen hat, werden von dem hiefür bestellten Oberfeuerschauer begutachtet.

Kaminfeger befinden sich zwei im Bezirk: in Dürrmenz und in Knittlingen.

Feuerlöschmannschaften sind allenthalben organisirt; Dürrmenz-Mühlacker und Knittlingen haben freiwillige Feuerwehren, welche bei ihrer Konstituirung Beiträge von der Amtskorporation erhalten haben. Im Übrigen werden sie auf Kosten der betreffenden Gemeinde unterhalten.

Brauchbare Feuerspritzen, die meisten neuerer Konstruction, finden sich in 20 Gemeinden; in einer Gemeinde ist eine Tragfeuerspritze und in zwei Gemeinden sind Handfeuerspritzen. Handspritzen finden sich in sämtlichen Parzellen.

Im Ganzen befinden sich im Bezirke: 5 Saugspritzen (ganz neu), 24 Fahrfeuerspritzen, 2 Tragspritzen, 21 Handspritzen und 2 Buttenspritzen.

Andere Requisiten wie Butten, Eimer, Leitern, Hacken etc. sind überall vorhanden.

Brandfälle kommen im Ganzen selten vor; der letzte größere Brand fand im Januar 1868 in der Gemeinde Ötisheim statt.

Die Zahl der im Bezirke vertretenen Mobiliar-Versicherungsgesellschaften beträgt 18, für welche ungefähr 80 Agenten, worunter 3 auswärtige, thätig sind. Auf die einzelnen Gesellschaften kommen 1–12 Bezirksagenten.

Die Versicherung des Mobiliarvermögens hat in neuerer Zeit an Ausdehnung zugenommen und auch auf dem Lande mehr Eingang gefunden.

4. Gewerbepolizeiliche Anstalten.

Bezirkspfechtämter befinden sich in Knittlingen und Dürrmenz-Mühlacker; die Weinbautreibenden haben ihre eigenen Eichanstalten.

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Amtskörperschaft- und Gemeindehaushalt.
A. Amtskorporation.

Nach der letztgestellten und abgehörten Rechnung von 1868/69 bestand das Vermögen bei der Amtspflege in:

Kapitalien 10.280 fl. – kr.
Andere Forderungen 32 fl. – kr.
Rechners Remanet 5763 fl. 42 kr.
16.075 fl. 42 kr.
worauf haften:0
Passiva.
Zahlungsrückstände, noch zu verwendender Reinertrag der Scort.-Strafen 1867/68 129 fl. 54 kr.
Bleibt Vermögen      15.945 fl. 48 kr.
Von 1868/69 betrugen0
die laufenden Einnahmen 12.740 fl. 53 kr.
die laufenden Ausgaben 12.067 fl. 6 kr.
der Amtsschaden 9500 fl. – kr.
Korporationssteuer (Amtsschaden aus Kapitalien und Einkommen) 526 fl. 53 kr.

An Grundeigenthum besitzt die Amtskörperschaft

Gebäude:
a. das Polizeigefängniß mit Gefangenwärter-Wohnung und vier Arrestlokalen;
b. das Bezirks Kranken- und Irrenhaus mit drei Irrenlokalen, drei Krankenzimmern, eine Todtenkammer mit Krankenwärters Wohnung; mit angebauter Scheuer, Wasch- und Backhaus und ein Kellergebäude.
Güter:
zwei Gärten und ein Erdbirnenstück zum Krankenhaus gehörig.
B. Gemeindeverwaltung.

Vermöge der angehängten Tabelle über den Haushalt der einzelnen Gemeinden besaßen nach den Rechnungen pro 1868/69 sämtliche Gemeinden des Bezirks:

1) Neben 15.7911/2 Morgen Grundbesitz:
an verzinslichen Kapitalien 0349.062 fl. – kr.
an sonstigen Forderungen (incl. der Remanete der Rechner) 64.644 fl. – kr.
413.706 fl. – kr.
2) Die Passiven betrugen:
an verzinslichen Kapitalien 1782 fl. – kr.
an sonstigen Schulden 206 fl. – kr.
1988 fl. – kr.
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3) Die jährlichen Einkünfte betrugen 121.410 fl. – kr.
4) Die jährlichen Ausgaben betrugen 123.273 fl. – kr.
5) Der Amtsschaden 9500 fl. – kr.
6) Die Gemeinde-Umlagen, einschließlich der Schuldentilgungs-, beziehungsweise Grundstocksergänzungs-Quoten 7147 fl. – kr.
C. Stiftungspflegen.

Wie aus der Tabelle (III) ersichtlich, beträgt das Gesamtvermögen der Stiftungspflegen des Bezirks:

an Grundbesitz – fl. – kr.
Kapitalien 111.810 fl. – kr.
Schulden 321 fl. – kr.

Die laufenden Einnahmen der Stiftungen belaufen sich auf 7450 fl., die laufenden Jahres-Ausgaben auf 11.989 fl.


4. Kataster und Steuern.

Nach den Berechnungen auf das Etatsjahr 1869/70 sind Gegenstände des Oberamtskatasters:

Grundeigenthum, eingeschätzt zu einem Reinertrag von 239.814 fl. 47 kr.
Gefälle
Gebäude 2.647.733 fl. 0‒ kr.
Gewerbe 3477 fl. 20 kr.

Die in demselben Jahre zur Umlage gebrachten Steuern betragen:

vom Grundeigenthum 31.100 fl. 0‒ kr.
von den Gefällen ‒ fl. 0‒ kr.
von den Gebäuden 6433 fl. 0‒ kr.
von den Gewerben 3024 fl. 0‒ kr.
Zusammen 040.557 fl. 0‒ kr.

An indirekten Abgaben sind im Jahr 1868/69 erhoben worden.

1) an Wirthschaftsabgaben:
von Wein und Obstmost 16.495 fl. 41 kr.
Branntweinfabrik.-Steuer
Branntweinausschanksabg.
085 fl. 58 kr.
999 fl. 38 kr.
0 1085 fl. 36 kr.
vom Bier (Malzsteuer) 17.318 fl. 20 kr.
2) an Accise:
von Güterveräußerungen 7777 fl. 24 kr.
von Lotterien, Theatern etc. 54 fl. 40 kr.
von Markt- und Handelswaren 280 fl. 49 kr.
3) an Hundeauflagen, einschließlich des den Ortsarmenkassen gebührenden Antheils 1209 fl. 11 kr.
4) an Sporteln 5804 fl. 37 kr.
| Die Steuer aus dem Kapital-, Dienst- und Berufseinkommen betrug 1868/69:
für den Staat 7042 fl. 31 kr.
für die Amtskörperschaft und die Gemeinden 526 fl. 53 kr.

  1. Von Kameralverwalter Kind in Maulbronn.
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