Beschreibung des Oberamts Maulbronn/Kapitel A 7

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VII. Geschichtlicher Überblick und Alterthümer.


1. Politischer Zustand.

Seit dem Ende des ersten Jahrhunderts n. Chr. gehörte unsere Gegend zu der römischen Provinz Obergermanien, gegen den Schluß des dritten wurde sie von den Alemannen eingenommen; um das Jahr 500 aber kam sie unter die Obergewalt der Franken, welche hier im Norden der Provinz, der den Namen Deutsch-Francien erhielt, eine strengere Unterordnung als im Süden mit sich brachte. Der nördliche Theil des jetzigen Oberamts gehörte zum Kraichgau, der größere südliche und östliche zum Enzgau. Die Grenze zwischen beiden Gauen lief vom nordwestlichen Ende des Strombergs, wo der Zabergau anstieß, auf der Wasserscheide der Zuflüsse des Salzbachs und der Enz zum Sauberg und auf den Höhen fort zum Eichelberg, wo sie die jetzige Landesgrenze erreichte, und so weiter in südwestlicher Richtung. Ein Cent des Enzgau’s war der Schmiechgau (Smecgowe pagus 771), von dem Schmiechflüßchen benannt.

Einzelne Orte dieser Gaue sind besonders aus den Schenkungsbüchern der Klöster Lorsch und Weißenburg bekannt. Im Kraichgau werden nur Elfingen (789) und Knittlingen genannt, letzteres als Zugehör der Grafschaft Bretten, zu der im zwölften Jahrhundert dieser Gau gehörte (Stälin, Wirt. Gesch. 2, 417; Württ. Jahrb. 1844, S. 165). Im Enzgau finden wir Dürrmenz (779), Enzberg (1100), Lomersheim (800), Mühlacker (769), Ötisheim (791), Zaisersweiher (1100), und zugleich in diesem und im Schmiechgau Illingen (765. 771) und Lienzingen (766. 777).

Die frühesten bekannten Kraichgaugrafen gehörten zum salischen Fürstengeschlecht und verwalteten auch benachbarte Gaue, wie den Enzgau Walaho, Abt in Reichenau 888–902, und Wolfram 1024 bis 1056 (Württ. Jahrb. 1844, S. 166), und daher kommt es, daß einige Enzgauorte, Dürrmenz (787. 791) und Ötisheim (837. 846), auch im Kraichgau und der Enzgauort Schützingen (1023) allein in diesem Gau angeführt wird, dagegen Elfingen (1101) im Enzgau.

Die Nachfolger dieser Grafen waren aus dem stammverwandten Geschlechte der Grafen von Ingersheim. Heinrich, Graf von Laufen, | der Sohn Arnolds und der Adelheid, der Tochter des eben genannten Grafen Wolfram, wird als Verwalter der Grafschaft Bretten genannt (Stälin, Wirt. Gesch. 2, 417), der Enzgau aber später ausdrücklich zur Grafschaft Ingersheim gerechnet (eb. 374).

Die Besitzungen dieser Grafen im Oberamt kamen an ihre Nachkommen. Derdingen erhielten die Grafen von Calw und vererbten es an die Grafen von Eberstein-Zweibrücken und Kazenelnbogen, von denen es namentlich die Herren von Wiesloch und Helmsheim zu Lehen trugen; die Grafen von Vaihingen erhielten die Oberherrschaft über Dürrmenz, Mühlacker, Enzberg, Illingen und Lienzingen, auch den Besitz von Gündelbach.

Zum Reichsgut gehörte Eilfingen, vermuthlich auch Diefenbach, Füllmenbach, Eckenweiher, Freudenstein und Hohenklingen, Knittlingen, Lomersheim, Ölbronn, Ötisheim, Erlenbach, Schmie, Schützingen, Steinbach, Wiernsheim, Wurmberg, Zaisersweiher. Dieses Gebiet wurde mit der Zeit unter geistliche und weltliche Herren mehrfach vertheilt.

Im zwölften und dreizehnten Jahrhundert stand der Besitz etwa folgendermaßen: Die Grafen von Vaihingen hatten Gündelbach, die von Calw und Eberstein Derdingen; die Herrn von Bretten hatten Knittlingen, die Herrn von Enzberg die Orte Enzberg, Dürrmenz und Mühlacker als Lehen von Vaihingen, Ölbronn und Ötisheim zum Theil, ebenso von Vaihingen die Orte Illingen und Lienzingen, welche sie aber, wie auch Schmie, Schützingen und Zaisersweiher mit den Herrn von Roßwag theilten; die Herrn von Iptingen hatten Wiernsheim und Wurmberg, die von Lomersheim diesen Ort; die von Roßwag als Lehensherrn der Herrn von Freudenstein hatten noch Diefenbach, Freudenstein und Hohenklingen; die Herrn von Sternenfels hatten diesen Ort; das Kloster Maulbronn hatte Maulbronn, Eckenweiher, Eilfingen, Füllmenbach, Steinbach und einen Theil von Ölbronn und Ötisheim.

Dieses Kloster erwarb dann vom 12.–15. Jahrhundert den größten Theil des Oberamts, nämlich alle genannten Orte außer Derdingen, 3/8 von Freudenstein und Hohenklingen und 3/8 von Diefenbach, was an Herrenalb kam, Sternenfels und 3/4 von Enzberg, was ritterschaftlich blieb.

Württemberg war schon im 12. Jahrhundert vorübergehend im Oberamt begütert, und zwar in Eilfingen. Sein jetziger Besitz begann mit der Erwerbung der halben Burg Sternenfels von den Herrn von Liebenstein 1320. Mit der Grafschaft Vaihingen erlangte es 1339 und 1369 ober- und lehensherrliche Rechte. Die zur Burg Neuroßwag gehörigen Besitzungen in Illingen, Lienzingen, Schmie, Schützingen und Zaisersweiher erwarb es durch Heimfall nach dem Aussterben der Herrn von Roßwag 1341, übergab sie | aber an das Kloster Maulbronn 1394. Die Oberherrschaft über die geistlichen Güter erlangte es durch die Erwerbung der Schutzvogtei über Herrenalb 1347 und Maulbronn 1504, den Vollbesitz durch die Reformation. Zuletzt wurden 1685 noch die 3/4 von Enzberg von den Herrn von Stein zum Rechtenstein erworben.

Was nun die politische Eintheilung der Orte unter Württemberg betrifft, so kam Sternenfels zum Amt Güglingen, bei dem es bis zu dessen Vereinigung mit Brackenheim 1808 blieb, worauf es 1816 zu Maulbronn kam. Enzberg wurde 1685 mit Einschluß des Maulbronner Viertels zu einem Stabsamt gemacht.

Die übrigen Orte gehörten zu den beiden Klosterämtern, deren Bestand nach dem Landbuch von 1623 folgender war. Zu Maulbronn gehörte die Amtsstadt Knittlingen, die Dörfer und Weiler Diefenbach, Dürrmenz mit Mühlacker, Flacht, Glattbach, Gündelbach, Illingen, Iptingen, Lienzingen, Lomersheim, Ölbronn, Öschelbronn, Ötisheim, Roßwag, Ruith, Schmie, Schützingen, Weißach, Wiernsheim, Wimsheim, Wurmberg, Zaisersweiher, die Höfe Eckenweiher, Eilfingen, Erlenbach, Füllmenbach, Steinbach, Steingrube (d. i. der Schafhof bei Maulbronn). Die Orte Freudenstein und Hohenklingen waren mit Herrenalb theilbar, Enzberg mit den Herrn von Neuneck, Dürrn mit Baden und denen von Neuneck (das Kloster hatte 1/16 in letzterem Ort), Kieselbronn mit den Herrn von Hirschhorn, Gölzhausen mit Herrenalb. Unter-Öwisheim und Zaisenhausen standen unter kurpfälzischem, Lußheim unter bischöflich Speier’schem Schirm. Ein Amts- und Zehnthof war in Zaisenhausen, Pfleghöfe in Speier, Wiernsheim, Ötisheim und Illingen.

Zum Klosteramt Herrenalb und dessen Amt Derdingen gehörte Ober-Derdingen (mit Pfleghof) und Unter-Derdingen, nebst dem Herrenalb’schen Antheil an Freudenstein und Hohenklingen.

Die Waldenserorte, seit 1699, kamen zum Amt Maulbronn, ebenso Neu-Bärenthal 1717; nur Sengach kam zum Stabsamt Enzberg.

Nachdem 1748 die kurpfälzische Hälfte von Unter-Öwisheim gegen Abtretung von Zaisenhausen, Gölzhausen und Spranthal erworben war, kam auch sie zum Amt Maulbronn, später aber wurde aus ihr mit Lußheim und Bahnbrücken das Stabsamt Unter-Öwisheim gebildet.

1762 kamen Illingen und Roßwag ans Oberamt Vaihingen, 1769 aber wieder ans Oberamt Maulbronn zurück.

1806 wurde ein eigener Kreis Maulbronn gebildet. Zu ihm gehörten die Ober- und Stabsämter Maulbronn, Vaihingen, Enzberg, Mühlhausen, Weil der Stadt, Heimsheim, Merklingen, Leonberg, Güglingen, Derdingen, Ochsenberg, das Stabsamt Unter-Öwisheim aber zum Kreis Heilbronn.

Den Kreis Maulbronn aber hob man schon 11. Nov. 1806 | wieder auf, und die Ämter Maulbronn, Enzberg und Derdingen kamen zum Kreis Ludwigsburg.

Durch den Vertrag vom 17.–18. Oktober 1806 wurde an Baden abgetreten das Stabsamt Unter-Öwisheim, und durch den vom 2. Oktober 1810 Kieselbronn, Öschelbronn, Ruith und der Rothenberger Hof.

25. April 1807 wurden die Stabsämter Derdingen und Enzberg mit dem Oberamt Maulbronn vereinigt, Weißach aber dem Oberamt Leonberg zugetheilt.

27. Oktober 1810 kam das Oberamt Maulbronn zur Landvogtei an der Enz und trat ab Flacht und Wimsheim ans Oberamt Leonberg, Roßwag an Vaihingen.

1816 erhielt es Sternenfels.

18. Nov. 1817 kam das Oberamt zum Neckarkreis.

6. Juli 1842 trat es Großglattbach und Iptingen an Vaihingen ab und erhielt so seinen jetzigen Bestand.


2. Kirchliche Verhältnisse.
a. Vor der Reformation.

Unser Bezirk gehörte ins Bisthum Speier, und zwar fast ganz unter das Archidiakonat St. Guido; in dessen Landkapitel Bretten fallen: Derdingen, Diefenbach, Freudenstein, Knittlingen, Maulbronn, Ölbronn, Sternenfels; ins Landkapitel Pforzheim: Dürrmenz, Enzberg, Illingen, Lienzingen, Lomersheim, Ötisheim, Schützingen, Wiernsheim, Wurmberg, Zaisersweiher. Nur Gündelbach gehörte ins Landkapitel Vaihingen und Archidiakonat St. Trinitatis.

b. Seit der Reformation.

Nach der Reformation bildeten seit 1547 Maulbronn und Derdingen ein Dekanat, welches unter dem Generalat Maulbronn stand. Der Dekan saß bis 1692 in Knittlingen, nach Verbrennung dieser Stadt in Iptingen, hierauf in Roßwag; 1703 aber wurden 2 Dekanate gebildet, das obere mit dem Sitz in Roßwag 1703–1744, dann in Dürrmenz, das untere mit dem Sitz in Knittlingen, bis jenes 1828 wieder aufgehoben ward.

18. Oktober 1823 kamen beide Dekanate, da das Generalat Maulbronn aufgehoben wurde, unter Heilbronn, wohin das jetzt einzige Dekanat Knittlingen noch gehört, dem seit der Anstellung eines ständigen Pfarrverwesers 22. Okt. 1842 auch Maulbronn, das zuvor nur unter den Prälaten stand, einverleibt wurde. Die obere Diöcese umfaßte die Orte südlich von der Enz, nebst denen im Enzthal selbst und Illingen, nämlich (J. 1800) Dürrmenz, Illingen, Lomersheim, Wiernsheim, Wurmberg, Öschelbronn, Flacht, Wimsheim, Groß-Glattbach, Iptingen, Roßwag, Weißach, Mühlhausen; die untere: Knittlingen, Diefenbach, Gündelbach, Lienzingen, Ölbronn, | Ötisheim, Freudenstein, Schützingen, Zaisersweiher, Derdingen, Kieselbronn. Öschelbronn und Kieselbronn kamen 1810 an Baden; Flacht und Wimsheim wurden 1823 dem Dekanat Leonberg, Roßwag, Weißach und Mühlhausen 1828, Groß-Glattbach und Iptingen 1842 dem Dekanat Vaihingen zugetheilt.

Enzberg war Filial von Niefern (badisch) und wurde erst 1818 zu einer eigenen Pfarrei erhoben, der bis 1827 nur ein ständiger Pfarrverweser vorstand. Schmie, zuvor Filial von Lienzingen, hat seit 30. Januar 1845 einen ständigen Pfarrverweser. Sternenfels, ursprünglich Filial von Kürnbach, dann von Leonbronn, war bis 1664 beim Dekanat Güglingen, dann bis 1732 bei Brackenheim, bis 1811 wieder bei Güglingen; 1816 bekam es einen eigenen Pfarrverweser und wurde dem Dekanat Knittlingen zugetheilt; seit 1866 hat es einen Pfarrer.

Die Waldensergemeinden waren in kirchlicher Beziehung selbständig, nur über die äußeren Kirchenangelegenheiten führte die Waldenserdeputation zu Stuttgart die Aufsicht. 1809 kamen sie unter das damals gegründete, 1823 wieder aufgehobene reformirte Dekanat. Es bestanden im Bezirk ursprünglich vier solche Pfarreien: 1. Schönenberg mit Dürrmenz, Corrès und Sengach, wovon bald Dürrmenz der Hauptort wurde, bis durch Consistorialerlaß vom 7.–19. Sept. 1823 die dortige Waldenserpfarrei mit der deutschen vereinigt, Schönenberg und Corrès nach Ötisheim, Sengach nach Enzberg eingepfarrt wurden; 2. Groß-Villars mit Klein-Villars, welches seit 1826 zu Ölbronn gehört, und den Waldensern zu Gochsheim und Diefenbach bis 1795; 3. Pinache mit Serres; 4. Lucerne mit Neu-Bärenthal, welche in Folge des erwähnten Erlasses mit Wurmberg vereinigt wurden. Die noch bestehenden Pfarreien Pinache und Groß-Villars gehören seit 1823 zum Dekanat Knittlingen.

Die Katholiken von Maulbronn, Dürrmenz, Enzberg, Freudenstein, Illingen, Klein-Villars, Knittlingen, Lienzingen, Lomersheim, Ölbronn, Ötisheim sind nach Michaelsberg, Dekanats Neckarsulm, die von Derdingen und Sternenfels nach Stockheim, desselben Dekanats, die von Pinache und Wurmberg nach Weil der Stadt, Dekanats Stuttgart, eingepfarrt.


3. Besondere Schicksale.
Spuren von Verwüstung durch Krieg im früheren Mittelalter weist unsere Gegend in einigen Namen bald abgegangener Ortschaften auf (s. bei Eilfingen), wie in der Nachricht von der Verwilderung des Hofs Füllmenbach und des Orts, wo Maulbronn gegründet wurde. Später theilte fast der ganze Bezirk die Schicksale dieses Klosters (s. dessen Geschichte). Seine Unterthanen waren es, die in den Kriegen des 14. Jahrhunderts von Seiten der Städte und der Schlegler, sodann in den Streitigkeiten zwischen den beiden Schutzmächten | des Klosters, Pfalz und Württemberg, vielfachen Schaden litten, so in den Jahren 1460–1462, besonders aber 1504 bei der Eroberung des Klosters durch H. Ulrich. Eilfingen, Zaisersweiher, Schützingen, Gündelbach, Lomersheim, Mühlacker, Dürrmenz, Wiernsheim, Hohenklingen wurden damals von den Württembergern verbrannt, Ötisheim geplündert und um fünfzehnhundert Gulden gebrandschatzt, sowie Illingen und Lienzingen um dreizehnhundert. Knittlingen, das pfälzische Besatzung hatte, sich aber schnell ergab, blieb, wie es scheint, verschont. – 1360 zerstörte Pfalzgraf Ruprecht auf einem Zug gegen Württemberg mehrere Orte des Bezirks, worunter Knittlingen und Sternenfels. – Derdingen wurde 1417 von Dienern des Pfalzgrafen Otto von Mosbach beschädigt, welche viele Rosse wegtrieben. – Am Aufstand des armen Conrad 1514 betheiligten sich die Einwohner von Sternenfels, die dafür mit Geld und dem Verbot offener Zeche gestraft wurden. – 1519 nahmen die bündischen Scharen den Bezirk ein. – Im Bauernkrieg kam derselbe leidlich weg. Ein Theil des Stocksberger Haufens plünderte im April 1525 die Herrenalb’sche Pflege in Derdingen und fiel dann in Gemeinschaft mit Bauern des Klosters Maulbronn in dieses ein. Auch Jäcklein war am 29. April daselbst, und in demselben Monat ein dritter Schwarm von Gundelsheim her. Ein kleines Nachspiel des Bauernkrieges ereignete sich 1535 zu Derdingen, indem die Bauern daselbst, wahrscheinlich im Zusammenhang mit den wiedertäuferischen Bewegungen, schwierig wurden und durch den Obervogt von Vaihingen zur Strafe gezogen werden mußten.

1534, nach 1. Mai, bezogen die österreichischen Truppen, welche den Einfall H. Ulrichs zuerst von der pfälzischen Seite her erwarteten, eine Stellung bei Illingen. Eine Abtheilung rückte bis nach Knittlingen vor, machte Verhaue beim Knittlinger Wald und Verschanzungen bei der dortigen Steige. Von hier aus zogen sie dann am 11. Mai durch den Zabergau nach Laufen. – Im Juli 1543 führte K. Karl V., damals in guter Freundschaft mit H. Ulrich, 11.000 Mann Spanier und Italiener durch das Herzogthum nach den Niederlanden. In den Städten am Wege, so in Knittlingen und auch in Maulbronn, wurden die Thore mit je 60 Mann aus den Ämtern besetzt, um namentlich zu verhüten, daß Feuer ausgehe. Es lief auch alles gut ab.

Im dreißigjährigen Krieg hausten schon 1621 Mansfelds Scharen übel im Amte, noch schlimmer im folgenden die ligistischen. In Ölbronn wurde 26. Juli 1622 ein Theil des Landesausschusses nebst über 400 Einwohnern von den Croaten niedergehauen, auch viele Häuser durch Raub und Brand beschädigt, so daß der Schaden auf 64.000 fl. geschätzt wurde. Winter 1631–32 kosteten die Lothringischen Truppen nur in 4 Tagen dem Amt 48.900 fl., das | innerhalb 2 Jahren bei anderthalb Tonnen Goldes Schaden hatte. – 7. Januar 1632 nahmen die Schweden das Kloster ein. – Im August aber rückten die kaiserlichen Obersten Ossa und Montecuccoli mit 25 Kompagnien Reiter und etlichen 1000 Mann zu Fuß vom Rhein her gegen Württemberg vor. Am 15. August standen sie vor Knittlingen, das durch eine Kompagnie Landesauswahl besetzt war. Der dieselbe befehligende Offizier rechnete darauf, von dem mit über 6000 Mann bei Durlach stehenden H. Julius Friedrich entsetzt zu werden, und rüstete sich daher zu standhafter Vertheidigung. Aber die feindlichen Dragoner saßen ab und bemächtigten sich der Thore; die mit Schießbedarf schlecht versehene Besatzung warf nun die Gewehre weg und wurde nebst einer großen Anzahl Einwohner beinahe ganz niedergehauen. Bei 300 Personen sollen getödtet worden sein. Knittlingen wurde ganz ausgeplündert und dann in Brand gesteckt, so daß nur 3 Häuser unversehrt blieben. Julius Friedrich war unterdessen über Enzberg vorgerückt und drängte den Feind an der Knittlinger Steige dreimal zurück, der nun dem Rhein zueilte. – Sowohl vor als nach der Schlacht von Nördlingen litt unsere Gegend bedeutend. So hatte Dürrmenz-Mühlacker nach 1634 noch 11 Bürger, Enzberg war fast verödet, Sternenfels von 1643 an ganz verlassen. – In den letzten Kriegsjahren wurde das Amt Maulbronn besonders von der Philippsburger Besatzung bedrängt, welche es zu ihrem Unterhalt ausbeutete und dem katholischen Abt des Klosters in seinen Streitigkeiten mit Württemberg und den Amtsangehörigen Vorschub leistete. Noch im Jahr 1648 wurden solche von den Franzosen in Pforzheim einige Zeit schwer eingekerkert, andere mußten nach Vaihingen und Leonberg fliehen, um Exekutionen auszuweichen. Ja noch 1649 fielen 24 französische Reiter in Mühlacker, Schmie und Lienzingen ein und nahmen 8 Personen nebst 2 Pferden weg, die sie aber, von dem im Kloster liegenden württembergischen Lieutenant Binder durch eine blinde Salve zerstreut, zurücklassen mußten. Bei der neuen Huldigung des Klosters an Württemberg waren noch 373 erwachsene Amtsangehörige übrig.

Die weiteren Kriege des 17. Jahrhunderts brachten der Gegend in Folge ihrer gegen Frankreich besonders ausgesetzten Lage wiederum schwere Beschädigung. (Vom Jahr 1674 an geben die im Kameralamt zu Maulbronn aufbewahrten Klosterrechnungen manchen Aufschluß über die Schicksale des Amts, wobei nur zu bedauern, daß bei Aufhebung der Klosterverwaltung nicht gerade die geschichtlich merkwürdigen Jahrgänge, sondern eben nur je der zehnte Band erhalten, die andern der Papiermühle überliefert wurden).

Im zweiten niederländischen Krieg wurde 1673 ein Theil der Landesauswahl bei Maulbronn und Knittlingen aufgestellt. Württemberg blieb aber zunächst vom Krieg verschont. Dagegen plünderten | 1674, 13. Juni, die befreundeten kaiserlichen und lothringischen Truppen in Ölbronn, Schmie, Hohenklingen, Diefenbach und Freudenstein, so daß der Herzog schnell seine Truppen und die Landesauswahl hieher verlegen mußte. Zu Maulbronn wurde ein starkes Blockhaus im Zwinger gebaut, Faustthurm und Pfründhaus in Vertheidigungsstand gesetzt, auch eine Garnison eingelegt. Nach dem ungünstigen Treffen bei Sinsheim machten die kaiserlichen, brandenburgischen, lüneburgischen, sächsischen, lothringischen und münsterischen Völker Schaden. Viel Proviant mußte ins kaiserliche Lager nach Gölzhausen geliefert werden.

1675 hatte das Land und auch unser Amt hauptsächlich durch Einquartierung und Durchmärsche zu leiden. So hatte 12. Nov. Montecuccoli sein Hauptquartier zu Lienzingen.

Beim Franzoseneinfall 1688 kam dieses auch nicht unbeschädigt weg. Z. B. wurde die Wohnung des Forstmeisters zu Dürrmenz von Pforzheim aus verbrannt. In Ötisheim wehrten sich die Bürger und erschossen zwei Franzosen.

1689 beim Beginn des Reichskriegs gegen Frankreich wurde in Maulbronn wegen Fortificationen die Ziegelhütte abgebrochen. – 1691, 1. Sept., stand das kaiserliche Heer bei Dürrmenz.

Besonders verhängnißvoll aber sollte das Jahr 1692 werden. Zur Deckung des Landes gegen den französischen Marschall de Lorge, der bei Berghausen zwischen Durlach und Bretten stand, hatte der Herzog Administrator Friedrich Karl im September mit etwa 6 bis 8000 Mann deutscher, worunter auch württembergischer Truppen eine vortheilhafte Stellung auf dem Wurmberg zwischen Ötisheim und Mühlacker bezogen, die sich auf das befestigte Ötisheim, sowie ohne Zweifel auf den Landgraben stützte, der in diesem Jahr unter dem Eilfinger Hof durchgeführt wurde. Als aber die Franzosen nach Eroberung von Pforzheim rasch gegen ihn vordrangen, trat er (17. Sept.) aus Mißtrauen gegen seine meist neugeworbenen Leute sogleich den Rückzug an, der sich bald in Flucht auflöste. Vergeblich suchte der Herzog noch einen Theil des Heeres zum Stehen zu bringen und den Rückzug zu decken. Von allen verlassen ward er gefangen. Der Verlust der Reichstruppen betrug 50 Todte und ungefähr 160 Gefangene. Darauf wurden Ötisheim, Knittlingen, Mühlacker von den Franzosen geplündert, die beiden ersten Orte verbrannt. (S. Martens, Kriegsereignisse, auch im Anhang). – 1693, 21. und 22. Juli, standen die Franzosen unter dem Dauphin bei Illingen. Im September zog der Markgraf Ludwig von Baden durchs Amt und war am 16. in Ötisheim. – 1694 flüchteten die benachbarten Flecken ihr Eigenthum ins Kloster; der Eilfinger, Scheuelberger und Schafhof wurden Zerstörung halber verlassen. – Um die drohende Exekution für die von den Franzosen geforderten Kontributionen abzuwenden, | wurde öfters zum schwarzen Peter, einem Dolmetscher in Weingarten geschickt, der in Philippsburg das Beste für das Kloster zu reden hatte. Andererseits mußte 26. Mai 1694 Leutnant Hattich mit 26 Mann vom Horn’schen Regiment eingelegt werden, um die Insolentin der deutschen Parteien, welche täglich Wein und Brod erpreßten, zu verhüten. – 15. Mai 1696 sammelten sich die deutschen Truppen bei Dürrmenz. – Der Pfarrer von Ölbronn hatte seine Wohnung im Speisesaal des Klosters aufgeschlagen. – In diese Zeit fällt die Erbauung der großen verschanzten Linie, welche, ohne Zweifel mit Benützung des alten Landgrabens, der Markgraf von Baden zur Deckung der Grenze von Heilbronn bis in den Schwarzwald ziehen ließ, und wovon besonders in unserer Gegend noch sehr deutliche Spuren sich finden. Im August 1696 arbeiteten 4000 Mann schwäbischer Kreistruppen daran zwischen Dürrmenz und Sternenfels.

Vom Jahr 1699 an wurden die verwüsteten Gegenden des Amtes mit Waldensern besetzt (s. Groß-Villars und die andern Orte; vergl. F. C. v. Moser, Actenmäßige Geschichte der Waldenser. Zürich 1798. A. Keller, Kurzer Abriß der Geschichte der Wirtembergischen Waldenser. 1796. [Klüber.] Übersicht der Wanderungen und Niederlassungen französischer, savoyischer und niederländischer Religionsflüchtlinge. Karlsruhe 1854).

Aus dem spanischen Erbfolgekrieg ist nur von Durchmärschen berichtet.

Am 10. Juni 1704 zogen von den gegen Frankreich verbündeten Truppen über Maulbronn, am 20. Sept. über Illingen. Im Mai 1705 zogen die württembergischen Truppen durch das Amt an den Rhein. Am 26. Mai 1707 vereinigten sich der Markgraf von Baden und der Herzog von Württemberg bei Mühlacker. Am 5. Juni waren die Franzosen unter Villars bei Illingen und lagerten am 2. Juli auf ihrem Rückzug abermals daselbst.

1732 mußte im Kloster wegen von Seiten der Gauner ergangener Drohbriefe gewacht werden.

Der polnische Erbfolgekrieg führte neue Drangsale herbei. Nach dem 13. Mai 1734 plünderten 4 Regimenter Franzosen in Knittlingen, Groß- und Klein-Villars und Ölbronn. Eine Abtheilung kam auch nach Maulbronn. Hier aber fanden sie das Thor verschlossen, die Brücke aufgezogen und die Bewohner in Bereitschaft, mit Hilfe einer Schutzwache, Gewalt durch Gewalt zu vertreiben, weßhalb sie sich zurückzogen. Die Schutzwachen von beiden Seiten kosteten viel Geld und Naturalien, und durch Fouragieren wurde großer Schaden gethan. Zur Abweisung der deutschen Fouragiers richtete man Schlagbäume und Säulen mit dem herrschaftlichen Wappen auf.

| Auch der österreichische Erbfolgekrieg brachte 1741 einen Durchzug der Franzosen, die aber diesmal bessere Ordnung hielten.

Zum letztenmal wurde das Amt in den Kriegen der französischen Republik mitgenommen. Zwischen 1795 und 1796 verlangte der österreichische Kommandant von Philippsburg einen Wasserabfluß aus den Klosterseen (was auf eine gewisse Abhängigkeit der Wehrfähigkeit dieser Festung von jenen Seen hinweist, welche vielleicht auch die frühere lästige Theilnahme der Franzosen für das Kloster mit erklärt). – 14. Juli 1796 kam das österreichische Heer unter Erzherzog Karl auf dem Rückzug über Enzberg, Ötisheim und Lienzingen. 1796/97 gab es Sauvegardekosten, Sommer 1797 ein österreichisches Kantonirungsquartier. 1796 nahmen die Franzosen in Maulbronn Quartier (vergl. Just. Kerner, Bilderbuch 200 ff.). Neben Requisition von Schuhen und Strümpfen entführte der General Le Grand dem Professor Mayer einen Atlas im Werth von 150 fl. und der Oberst Vatrin dem Klosterjäger Georgii ein Gewehr im Werth von 37 fl.


4. Alterthümer.
A. Römische.

Wie in allen innerhalb des römischen Grenzwalls liegenden Gegenden von Württemberg die Römer mehr oder weniger Spuren hinterlassen haben, so hat auch unser Bezirk gerade nicht besonders viele, doch einzelne aufzuweisen, die den ehemaligen Aufenthalt dieses großen Volkes hinlänglich bekunden.

Wir beginnen mit den römischen Straßen, welche durch den Bezirk führten und als solche nachgewiesen werden können.

1) Die unter den Benennungen „alte Straße, rothe Straße, Kaiserstraße“ von Lienzingen herkommende Römerstraße, führte über die Höhe 1/4 Stunde östlich von Maulbronn, wo die alte Anlage und die Pflasterung derselben noch deutlich zu erkennen ist, bis an die Maulbronn-Zaisersweiher Vicinalstraße; hier theilte sie sich und ein Arm lief zwischen dem Scheuelberg und dem Reuth durch auf das Diefenbacher Feld, wo sie einige 100 Schritte westlich von Diefenbach vorbei nach Sternenfels und weiter nach Kürnbach im Großherzogthum Baden zog. Der andere Arm lief über den Salzacker nördlich von Maulbronn weiter durch den Staigwald den Steinweg hinunter nach Knittlingen und von da über den Burgweg nach Bretten.

2) Von Sternenfels liefen über die beiden Rücken des Strombergs sog. Rennwege, der eine nach Bönnigheim, der andere nach Gündelbach, wo er unter dem Namen Heuweg (d. i. Höhweg) das | Metterthal überschritt und gegen Horrheim (O.A. Vaihingen) fortsetzte. Ein weiterer Römerweg ging vermuthlich von Sternenfels gegen den Heuchelberg und vereinigte sich dort mit der über denselben führenden römischen Heerstraße.

3) Eine Römerstraße in der Richtung von Pforzheim herkommend zog nahe (östlich) unter dem Namen Rennweg an Ölbronn vorüber, weiter zwischen dem Aalküstensee und dem nun abgegangenen Eilfingersee hindurch an den westlichen Fuß der Reichshalde, wo er Herrenweg (d. i. Heerweg) genannt wird, von hier führt er 1/4 Stunde östlich an Knittlingen vorüber an den Fuß des Bohnenbergs, weiter nach Groß-Villars und von da an unter dem Namen „alter Postweg“ nach Flehingen im Großherzogthum Baden.

4) Von Pforzheim führte eine römische Straße, die sog. Hohestraße nach Ötisheim und von da vermuthlich über Lienzingen, Gündelbach, dort die sog. Römersteige hinauf über den Stromberg hinüber nach der römischen Niederlassung bei Güglingen (Oberamt Brackenheim).

5) Eine ebenfalls von Pforzheim herkommende Römerstraße lief bei Mühlacker über die Enz und unter den Benennungen „kleines Sträßle, Aarweg“ südlich an Illingen vorüber nach Bietigheim etc.

6) Von Öschelbronn im Großherzogthum Baden und weiter vermuthlich von Pforzheim her führte eine römische Straße, alter Postweg genannt, am nördlichen Ende von Pinache vorüber auf die Höhe zwischen der Enz und dem Grenzbach nach Enzweihingen (O.A. Vaihingen).

Weitere alte Straßen, deren römischen Ursprung wir jedoch nicht verbürgen können, sind: der sog. Römerweg, welcher von Wurmberg in das Kirnbachthal führt und nach Niefern gezogen und von Mönsheim hergekommen sein soll.

Von Lienzingen führt der sog. Schelmenweg auf den Sauberg und soll weiter über den Eichelberg nach Ölbronn gezogen sein.

Von Mühlacker zieht der sog. alte Weg auf den Sauberg, ob er sich hier mit dem oben angeführten Schelmenweg vereinigte oder nach Maulbronn führte, konnte nicht mehr erforscht werden.

Der von Groß-Glattbach herkommende sog. Wallfahrtweg geht 1/4 Stunde unterhalb Lomersheim über die Enz und weiter nahe (östlich) an Eckenweiher vorüber nach Lienzingen.

Außer den römischen Straßenzügen sind bis jetzt an folgenden Stellen Spuren abgegangener römischer Wohnplätze entdeckt worden:

1) Bei Mühlacker in der Nähe der Ziegelhütte, ferner im Garten des Ochsenwirths Belser und hauptsächlich auf den südlich vom Ort gelegenen Frohnäckern, wo man allenthalben auf Grundmauern römischer Gebäude und Gebäudeschutt mit vielen Bruchstücken römischer Ziegel, Amphoren, Heizröhren, Gefässe etc. stößt; auch römische | Münzen sind schon öfters aufgefunden worden. Nach all diesen Andeutungen scheint hier an der Stelle, wo die Römer eine Straße über die Enz führten, eine sehr namhafte römische Niederlassung gestanden zu sein.

2) Nahe (nördlich) von Diefenbach und einige 100 Schritte westlich vom Ort auf den sog. Ziegeläckern waren römische Wohnplätze.

3) Etwa 1/2 Stunde westlich von Enzberg will man auf dem sog. Schanzgraben Spuren von einer römischen Niederlassung getroffen haben.

4) Im Maurenthal bei Gündelbach, das seinen Namen von den hier aufgefundenen Grundmauern abgegangener römischer Gebäude erhalten hat.

5) Auf den Hofäckern westlich von Illingen ist man nicht allein bei Anlage der Eisenbahn, sondern auch schon früher auf römische Gebäudereste, Ziegel, Bruchstücke von römischen Gefässen etc. gestoßen; auch entdeckte man daselbst einen rund ausgemauerten römischen Brunnen.

6) Auf der Flur Feierabend 1/4 Stunde östlich von Knittlingen, unfern einer dort vorüberziehenden Römerstraße (s. oben) stand ein römischer Wohnplatz, von dem man immer noch Spuren findet.

7) Einige 100 Schritte östlich von Corrès standen ebenfalls römische Gebäude, von denen man öfters schon Gebäudeschutt, römische Ziegel, Gefässereste etc. aufgefunden hat.

8) Endlich wurde bei Maulbronn die obere Hälfte eines vierseitigen römischen Altars, der im K. Antiquarium in Stuttgart aufbewahrt wird, aufgefunden; der Stein ist 1′ 9″ hoch und 2′ 2″ dick und zeigt auf der einen Seite Mercurius den Beutel in der Rechten haltend, auf der zweiten Pallas mit Spieß und Sturmhaube, auf der dritten Vesta mit Schleier und Vogel und auf der vierten Diana mit dem Halbmond.

Außer den angeführten Wohnplätzen, welche sich sämtlich durch aufgefundene entschieden römische Überreste, wie Gemäuer, römische Ziegel, Bruchstücke von Heizröhren, Gefässen, Münzen als solche nachweisen lassen, kommen noch einige Stellen vor, auf denen ohne Zweifel römische Ansiedelungen standen, die aber theils überbaut, oder von der Kultur so sehr vertilgt wurden, daß keine greifbaren Beweise mehr für diese Annahme geliefert werden können; wie z. B. Knittlingen, dessen Lage sich vorzüglich zu einer römischen Niederlassung eignete; überdieß führt eine Römerstraße durch den Ort und eine zweite in der Nähe desselben vorüber. Auch die sog. Niederburg 1/4 Stunde unterhalb Lomersheim scheint ursprünglich eine Befestigung der Römer gewesen zu sein.

Ebenso auf den Haselwiesen bei Ölbronn, wo nach der Sage eine Stadt Roth-Salmbach gelegen sein soll, stand ohne Zweifel eine | Anlage der Römer; auf dieser Stelle ist man schon öfters auf Gemäuer und Gebäudeschutt gestoßen, auch zeigt man dort noch einen Brunnen, welcher der Stadtbrunnen gewesen sein soll. Zunächst bei Ötisheim kam man öfters in den Krautgärten auf Mauerreste, Gebäudeschutt, Ziegel etc., welch letztere nach der Beschreibung römischen Ursprungs waren; auch Pflaster wurde schon aufgedeckt und von dieser Stelle ging eine Römerstraße (Hohestraße) nach Pforzheim, was die Vermuthung, daß hier ein römischer Wohnplatz gestanden sei, kräftig unterstützt. Endlich auf der 1/4 Stunde südwestlich von Wurmberg gelegenen Flur Hub, wo nach der Sage eine Stadt gestanden sein soll, befinden sich kleine Erhöhungen und beim Pflügen an dieser Stelle stößt man zuweilen auf Mauerwerk.
B. Deutsche.

Altgermanische Grabhügel sind bis jetzt an folgenden Stellen gefunden worden:

Auf der Markung Dürrmenz im Walde Stockach bei Sengach 1;
in der Nähe wurde auch ein aus Stein gefertigter Hammer aufgefunden.
Gündelbach nahe beim Ort ein sehr großer Hügel.
Illingen, im Schelmenbusch 2.
und in den Walddistrikten Vorhacken und Brand 7, von denen Oberförster Graf von Üxküll mehrere öffnen ließ (s. die Ortsbeschreibung von Illingen).
Lienzingen, im Schelmenwald 1.
Ötisheim, im Schanzhau 2.
im Hirschwald 2.
bei Corrès 1.

Sogenannte Reihengräber, welche nicht unter aufgeworfenen Hügeln sich befinden, sondern in den gewachsenen Boden reihenweise eingesetzt sind und einer späteren Periode als die Grabhügel angehören, wurden bis jetzt nur hinter der Pfarrkirche in Dürrmenz und bei Erlenbach entdeckt; die bei Dürrmenz waren mit Steinplatten umfriedigt und enthielten neben den menschlichen Skeletten Waffen und Schmuckgegenstände, während die bei Erlenbach etwa die gleichen Inlagen aber keine Umfriedigung hatten.

Von Schlössern, Burgen und Klöstern haben sich noch erhalten: das Kloster Maulbronn und das ehemalige Schloß, jetzt Oberamtei, daselbst; ferner das sog. Schlößchen in Enzberg, jetzt Privatwohnung.

Theilweise oder ganz abgegangen sind folgende Schlösser, Burgen, Klöster, Kirchen und Kapellen:

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Auf der Markung Maulbronn: auf den südlich von Maulbronn gelegenen Käpelesäckern stand eine Kapelle.
Dürrmenz: die Ruine der Burg Löffelstelz.
Enzberg: die beinahe ganz abgegangene Burg der Herren von Enzberg.
Freudenstein: die abgegangene Burg der Herren von Freudenstein.
Gündelbach: auf dem Steinbacherhof stand eine Kapelle.
Illingen: im Sulzbach-Thälchen stand ein Lollhardenhaus.
Lomersheim: die Ruine der Burg Lomersheim.
Ölbronn: etwa 1/2 Stunde nordwestlich von Ölbronn stand eine Burg, von der noch Graben, Wall und einiges Gemäuer sichtbar sind.
Schützingen: die bis auf die Gräben und Wälle abgegangene sog. Lienzinger Burg.
Sternenfels: die abgegangene Burg Sternenfels und ein Waldbruderhaus im Gemeindewald Riesenbühl.
Wurmberg: bei Bärenthal stand eine Kapelle.

Näheres über die angeführten Schlösser, Burgen etc. findet sich in den Ortsbeschreibungen.

Abgegangene Orte, von denen sich noch einige Spuren oder die Namen erhalten haben, kommen vor:

Auf der Markung Maulbronn: nördlich von der Sägmühle stand eine Ziegelhütte.
Derdingen: der Ort Bernhardsweiler.
Diefenbach: auf dem Häuslesbühl bei Füllmenbach stand ein Gebäude.
Dürrmenz: das Kloster bei Eckenweiher.
Enzberg: der abgegangene Ort Dagelfingen (Thailfingen) und eine abgegangene Mühle im Enzthal auf den Braitäckern.
Ölbronn: der abgegangene Ort Roth-Salmbach.

Überdieß kommen noch Flurbenennungen vor, die auf ehemalige Orte, Burgen etc. hindeuten und zwar:

Auf der Markung Derdingen: Wehrwarten.
Diefenbach: im alten Keller.
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Dürrmenz: Örlach, Ober-Hagen, Käpele.
Enzberg: vordere und hintere Stuben.
Gündelbach: Wachtkopf.
Illingen: Wagenburg, Lug.
Knittlingen: Groß- und Klein-Hegenach, Heslach, Altenhof, ob Oberhofen, Wartbühl, Stetten, Kalkofen.
Lienzingen, Heslach.
Ötisheim, Hegnach, Käpelesäcker, Kalkofen, Winterstall.
Schützingen, Hegenach.
Sternenfels: nähere Weiler, hintere Weiler, nähere Hofstatt, äußere Hofstatt, Kapelläcker.
Wurmberg: Birkhof, Kapelesäcker, Ziegelhaus, Hofstätten.

Noch sind die unter den Benennungen „Schanze, Ulmer-Schanze, Landgraben“ bekannten Überreste zu erwähnen, welche von einer während des Reichskrieges gegen Frankreich in den Jahren 1689 bis 1697 durch den Markgrafen von Baden, als damaligem Reichsfeldherrn, zu Deckung der nordwestlichen Grenze gezogenen Verschanzung noch vorhanden sind (s. v. Martens, Geschichte kriegerischer Ereignisse in Württemberg, S. 546). Die an vielen Stellen unseres Bezirks noch sichtbare und zum Theil wohlerhaltene Schanzlinie zieht, aus dem Oberamtsbezirk Brackenheim herkommend, bei Sternenfels in den Bezirk, von da durch den Wald zwischen Diefenbach und Freudenstein, weiter über den Scheuelberg in den Wald nördlich vom Salzacker bei Maulbronn, wo sie noch ganz gut erhalten ist; hier macht sie unter einem beinahe rechten Winkel eine Wendung gegen Süden, zieht ein kleines Thälchen hinunter und nur einige hundert Schritte unterhalb Maulbronn quer über das Salzachthal den Wald hinauf und wohlerhalten auf der Anhöhe fort durch die Waldungen Gairen und Wangenwald bis zu dem Sauberg; von da nach Mühlacker und gut erkennbar neben der Vicinalstraße von Dürrmenz nach Pinache, wo sie zunächst (westlich) am Ort hinläuft und an der Vicinalstraße bis Wiernsheim fortzieht.

Von Wiernsheim zieht die Schanze unfern (östlich) der Wiernsheim-Wurmberger Vicinalstraße durch den Wald Angelesbusch, kommt bald auf die Bezirksgrenze, an der sie noch eine kleine Strecke fortläuft und alsdann den Bezirk verläßt, um im Oberamtsbezirk Leonberg weiter fortzusetzen (s. die Beschreibung des Oberamts Leonberg).

Außer dieser fortlaufenden Verschanzungslinie treffen wir noch eine weitere ähnliche, deren Errichtung in die gleiche Zeit mit der oben beschriebenen fällt; sie beginnt an dem rechten Ufer der Enz gegenüber von Lomersheim, führt durch den Wald Tiefenweg, wo | sie sich gegen Westen wendet, durch den Wald Enkertsrain und an die Stelle, wo die Dürrmenz-Pinacher Vicinalstraße das Feld erreicht und die oben beschriebene Verschanzungslinie schneidet; hier stand nun ein Blockhaus, von dem noch deutliche Spuren vorhanden sind. Von dieser Stelle lief der Schanzgraben am südlichen Saum des Waldes Rothenberg hin bis an die Landesgrenze; hier macht sie einen stumpfen Winkel und lauft an der Landesgrenze fort bis an die Enz gegenüber von Enzberg. Auf der andern Seite der Enz finden sich keine Spuren mehr von dieser zweiten Verschanzung, mit Ausnahme des sog. Schanzgrabens, der auf der Markung Ötisheim an der Landesgrenze durch den Wald Schanzhau bis zu dem Eichelberg schnurgerade hinzieht. Auf dem Eichelberg trifft man eine viereckige Schanze (Redoute), ebenso auf der Reichshalde oberhalb des Eilfinger Hofs, eine im Steigwald, welche übrigens schon im Jahr 1534 aufgeworfen wurde (s. v. Martens, Geschichte kriegerischer Ereignisse in Württemberg, S. 239), ferner eine Sternschanze auf dem Sauberg bei Schönenberg und endlich noch eine sehr beträchtliche viereckige Schanze auf dem Hagenrain zwischen Derdingen und Sternenfels. Diese von der Hauptverschanzungslinie vorgeschobenen Schanzen, Redouten und Blockhäuser liegen sämtlich auf dominirenden Punkten und scheinen zur Überwachung der Gegend angelegt worden zu sein. Die Redouten sind im Viereck angelegt, wovon jede Seite 30 Schritte lang ist; die Höhe des Walls beträgt nach der Innenseite 4′, bis zur Sohle des außen hinziehenden Grabens 10′. Die durch den Bezirk führende Hauptschanze (Landgraben) besteht aus einem Wall, an dessen Außenseite ein Graben hinläuft; an noch erhaltenen Stellen ist der Wall gegen innen etwa 6′, gegen außen bis zur Grabensohle 10′ bis 12′ hoch.


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