Beschreibung des Oberamts Maulbronn/Kapitel B 1

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B.


Ortsbeschreibung,


in alphabetischer Reihe der den Oberamtsbezirk bildenden 23 politischen Gemeinden oder Schultheißereien; jedoch unter Voraussetzung des Oberamtssitzes.

Die am Schluß beigefügten Tabellen gewähren übersichtliche Zusammenstellungen: I. der Bevölkerung, der Gebäude und des Viehstandes, II. des Flächenmaßes nach den verschiedenen Bestandtheilen, und III. des Steuerkatasters, des Gemeinde- und Stiftungshaushaltes.


Maulbronn,
mit Eisenbahnstation und Bahnwärter Haus, Gemeinde III. Klasse mit 867 Einw., wor. 9 Kath. a. Maulbronn, Pfarrdorf, Oberamtssitz, mit Marktrecht, 762 Einw., b. Eilfingerhof, Weiler, 48 Einw., c. Eilfinger Berghaus, Haus, 6 Einw., d. Scheuelberg, Weiler, 15 Einw., e. Seidenhof, Hof, 22 Einw., f. Schleifhäusle (Seehaus), Haus, und Sägmühle, Haus, zus. 14 Einw. – Evang. Pfarrei; die Kath. sind nach Michaelsberg, O.-A. Brackenheim, eingepfarrt.[1]


Maulbronn liegt unterm 26° 28′ 35,39″ östlicher Länge und 49° 0′ 4,58″ nördlicher Breite (Klosterkirchthurm), 101/4 geom. Stunden nordwestlich von Stuttgart. Die Erhebung über das Mittelmeer beträgt 890 württ. Fuß = 254,98 Meter (Erdfläche an der Kirche).

Der Ort ist der Sitz des Oberamtsgerichts mit dem Gerichtsnotariat, des Oberamts mit dem Oberamtsphysikat, des Kameralamts, des Revieramtes, einer Postexpedition, des Oberamtswundarztes, der zugleich prakticirender Arzt ist, des Oberamtsthierarztes und des Oberamtsgeometers; auch besteht eine Apotheke. Ferner befindet sich in Maulbronn eines der vier niederen evangelischen Seminarien.

Die Eisenbahnstation liegt 3/4 Stunden südwestlich vom Ort.

Seit dem 23. April 1838 ist Maulbronn eine selbständige bürgerliche Gemeinde.

| In dem abgeschiedenen, scharf eingeschnittenen, engen Salzachthale, dessen nördliche Gehänge meist mit üppigen Laubwäldern bestockt, die steileren südlichen aber mit Reben bepflanzt sind, liegt wie hineingezwängt das noch rings ummauerte Kloster. Gegen oben (Osten) verengt sich das Thal noch mehr und gestattet nur dem zunächst oberhalb des Klosters angelegten langestreckten Tiefensee die ganze Thalbreite auszufüllen, bis es sich in eine zwischen flachem Ackerland hinziehende, scharf eingefurchte Rinne verläuft, während es unterhalb Maulbronn, nach Westen hin, sich mehr und mehr erweitert und mit seinen frei vortretenden Waldbergen und rebenreichen Vorsprüngen anmuthige Landschaftsbilder gewährt.

Ausgedehnte Fernsichten bieten sich nirgends, ja kaum eine günstige umfassende Ansicht des Klosters, aber viele schöne Spazierwege führen durch die nahen üppigen Laubwaldungen und um die großen, schon von den Mönchen in der Nähe des Klosters angelegten Weiher, welche, zwischen Feldern oder an einsamen Waldsäumen liegend, die Stille und den träumerischen Ernst der Landschaft noch vermehren.

Der Ort besteht theils aus dem mit einer Mauer umfriedigten, zu dem ehemaligen Kloster gehörigen Gebäudecomplex, theils aus zwei nicht großen Häusergruppen, die sich im Westen und Osten desselben außerhalb der Mauer angesiedelt haben; zu der östlichen Gruppe gehört auch der ehemalige Kloster-Schafhof, dessen Gebäude mit einer besonderen Mauer umschlossen und wohl von den wenigen waren, die ursprünglich außerhalb der eigentlichen Klostermauern lagen.

Selten ist eine Klosteranlage so vollständig und so gut erhalten, wie Maulbronn, man vermag sich hier noch ganz in das klösterliche Leben mit Allem was dazu gehörte hinein zu versetzen, denn nicht bloß die Kirche und die eigentlichen Klosterräume stehen noch aufrecht, nein auch alle die stattlichen Nebengebäude, die einst den reichen Klosterhaushalt vermittelten, sind noch vorhanden, und daß sie noch stehen, verdanken sie zuvörderst wieder dem weitherzigen gediegenen Sinne des Mittelalters, der Alles wie für ewige Dauer herstellen ließ. Von welcher Seite man sich nun auch nähert, so erscheint die Klosterkirche, obwohl sie keinen Thurm, nur einen Dachreiter über der Vierung besitzt, beherrschend und zwar durch ihre Größe, wie durch den Ernst ihrer Verhältnisse und die Reinheit ihrer Linien. Sie liegt im Südosten der ganzen Klosteranlage, nördlich stößt an sie das eigentliche Kloster und westlich reihen sich im weiten Hof umher die verschiedenen Nützlichkeitsbauten, und Alles dieß wird umschlossen von hoher mit Thürmen besetzter Mauer und einem tiefen, jetzt zu Gärten benützten Graben. Die ganze Anlage tritt also noch heute als ein fest abgeschlossener Bezirk dem Wanderer entgegen.

Der vom Bahnhof Maulbronn her das Salzachthal heraufkommende | trifft zuerst einige neuere Wohnhäuser an der Straße, dann aber sofort das malerische Klosterthor, das bei der Südwestecke der Umfassungsmauer liegt, und linkshin zieht hinter dem breiten Graben die hohe Klostermauer; auf ihr erhebt sich eine Reihe alter Gebäude
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und ihre Nordwestecke wird flankirt von einem schönen hohen Thurme. Das Thor selbst stammt noch aus romanischer Zeit und ist vorne mit einem Rundbogenfries geschmückt; über seinem inneren (spitzen) Bogen finden sich schwache Spuren eines alten Freskobildes: es stellte vor Christus am Kreuz mit Maria und Johannes, daneben der heil. Bernhard und der heil. Benedikt; oben stand die Jahreszahl 1519. Tritt man durch das Thor herein, so dehnt sich der weite Hof aus, um den die steinernen Nebenbauten mit ihren schlanken von Steinblumen bekrönten Giebeln stehen, und im Grunde des Hofes erscheint hinter großen Lindenbäumen die Schauseite der Kirche mit ihrer prachtvollen Vorhalle und dem nördlich daran stoßenden, sehr ausgedehnten Kloster. (S. auch den untenstehenden Situationsplan).

Betrachten wir zuerst die Klosterkirche, die im Jahre 1146 gegründet und den 14. Mai 1178 eingeweiht wurde. Die ohne die Vorhalle außen 240 württembergische Fuß lange, bis zum First 82′ hohe Kirche streckt sich als eine dreischiffige, im Osten mit Querschiff | versehene Pfeiler-Basilika hin, und zwar als ein vollkommenes lateinisches Kreuz, denn Hauptschiff, Querschiff und Chor sind von gleicher Höhe, die beiden letztgenannten einschiffig und gerad abgeschnitten, und nur das Langschiff wird von niedrigen Abseiten (Nebenschiffen) begleitet. Dem nördlichen Seitenschiff ist der Kreuzgang, dem südlichen eine spätgothische Kapellenreihe angebaut, allein das Hochschiff und die drei östlichen Kreuzarme (Querschiff und Chor) erhielten sich fast unversehrt und beherrschen durch ihre streng romanischen, einfachen, festen und klaren Formen den ganzen Bau.

Gehen wir ins Einzelne und fassen zuerst die Schauseite (Westseite) der Kirche ins Auge, die auch noch ganz erhalten ist, wenn auch in ihrem untern Geschosse theilweise verdeckt durch die prächtige, im spätesten romanischen Stil erbaute Vorhalle, und betrachten wir zugleich, zum Verständniß der ursprünglichen Anlage, die nördlich daran stoßende Westseite des Klosters, die nun auch zum großen Theil verstellt ist durch einen an das Paradies sich anschließenden spätgothischen Hallengang und ein nördlich daran liegendes neueres Gebäude.

Wenn man sich aber im Anfang des 13. Jahrhunderts dem Kloster von Westen her näherte, so erblickte man die Schauseite der Kirche mit ihren drei Rundbogenportalen und dem über die Seitenschiffe hoch hinaufragenden Mittelschiffe, Alles belebt durch Lisenen, Rundbogenfriese und kräftige Gesimse, und daneben erblickte man, in ganz gleicher Weise behandelt, als Fortsetzung links hin die langgedehnte Schauseite des Klosters, im Ganzen, die Kirche mitgerechnet, in einer Länge von 307 württemb. Fußen. Kein Theil springt hier vor oder zurück, als eine zusammenhängende Fläche ist die über 300′ lange Schauseite gehalten und streng aber wohlthuend eingetheilt durch Rahmenwerk, das die tiefeingeschrägten Rundbogenfenster und die mehrfach sich eintreppenden Rundbogenportale umfaßt. Wieviel von dieser großartigen Fassadenbildung noch übrig ist, wird die Besprechung der einzelnen Räume zeigen.

Treten wir nun an die prachtvolle Vorhalle der Kirche, an das sog. Paradies, das dem Stile nach in den Jahren 1215–1220 erbaut wurde, als eine ganz im Rundbogen gehaltene, innen rippenkreuzgewölbte, außen mit Strebepfeilern besetzte Halle von weiten und schönen Verhältnissen (innere Länge 72′, Breite 26′, Höhe 25′) und von stolzen und edlen Formen, die eine große Freiheit des Baumeisters bekunden. In der Hauptsache folgt er dem glänzend ausgebildeten Stile damaliger Zeit, dem Übergangsstile von der romanischen zu der gothischen Bauart, und zwar dem rheinischen Übergangsstile; neu aber und ganz sein Eigenthum ist seine Behandlung der Arkadenfenster. Es sind Doppelfenster, die je zu zweien und | sehr eng aneinandergerückt neben dem auch gedoppelten Eingange die hohe von einem Konsolenkranzgesims geschlossene Westwand mächtig durchbrechen; sie sind so nahe beisammen, daß nur noch ein von vier schlanken gewirtelten Rohrsäulen umstellter Bündelpfeiler dazwischen steht, von ihm gehen dann die beiden großen schönprofilirten sie umrahmenden Rundbögen aus. Die beiden Arkadenfenster selbst werden getheilt von einer gar schlanken ungewirtelten Rohrsäule, und ihr halbrundes Bogenfeld wird erfüllt von einer starken Steinplatte, in die von unten her reichprofilirte unten offene Dreiblätter ausgemeißelt sind, und zwischen diesen herrlichen Kleeblättern ist die Steinplatte durch eine eben so profilirte Rundöffnung erleichtert. Die Gliederung dieser noch urthümlichen Art von Fenstermaßwerken geht hauptsächlich in die Tiefe, durchsetzt die Steinplatte ihrer ganzen Dicke nach, was von prachtvoller und lebendigster Wirkung ist. Die Säulen, sehr schlanke unverjüngte Rohrsäulen, haben den plattgedrückten scharfen attischen Fuß, der zuweilen mit schwungvollem Eckblatt belegt ist, und in der Mitte des Schaftes (mit Ausnahme der Säulchen in den Fenstern) Wirtel von ganz ähnlicher Bildung; die Kapitelle, unten herauf schlank und kelchförmig, breiten sich gegen oben weit hinaus nach der viereckigen weich und voll gegliederten Deckplatte und sind umhüllt von schönen wechselnd geformten Blättern, die an den Spitzen sich umschlagen oder aufrollen. Die Arbeit hat einen genialen Zug, daneben wurden ganz feine Zierden nicht vergessen, die Blattrippen ciselirt, mit Perlen oder Diamanten besetzt, u. s. f. Das etwas aus der Mitte, zu viel nach Süden gerückte, zweimal sich einstufende Portal ist in ähnlichem Sinn, wie die Fensterarkaden, nur einfacher und massiger behandelt; es wird in der Mitte durch einen Pfeiler mit vorgestelltem Säulchen getheilt, von dem die beiden Rundbögen ausgehen, und über beide schlägt sich ein großer Rundbogen; die beiden Bogenfelder sind voll und zeigen keinen weiteren Schmuck als je eine große schön ausgemeißelte Blätterrosette. Den eigentlichen Sturz bildet ein gerades Kleeblatt, eine Form, der wir hauptsächlich im Spätgothischen und in der Renaissance wieder begegnen, und merkwürdiger Weise, die Gliederung der Innenseite des Portals erinnert an deutsche Renaissance. Zwischen Fenstern und Portal und an den Ecken stehen die fast ungegliederten Strebepfeiler, die man ihrer Gestalt nach mit Schilderhäuschen vergleichen könnte; sie tragen schwere von lilienförmigem Kamm bekrönte Satteldächer; an den Ecken stehen sie je zu zwei und zwar so, daß die eigentliche Ecke frei bleibt. Von schöner Wirkung ist das zierliche Konsolenkranzgesimse, das sich rings um die Vorhalle zieht und auch an andern hiesigen Klosterbauten auftritt. Die Schmalseiten durchbricht ein schmäleres und darum spitzbogiges Kleeblattfenster (um dieselbe Höhe zu gewinnen) und daneben |
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Westfaçade der Kloster-Kirche
| gegen Norden eine spitzbogige Pforte, gegen Süden eine mit geradem Kleeblattsturz, und an der Südostecke erhebt sich ein rechteckiges Thürmchen mit einer auf den Dachboden des Paradieses führenden Wendeltreppe; seinen Giebel schmückt ein sehr schönes und großes durchbrochenes Steinkreuz, auch in spätromanischen Formen gehalten.

Innen wird die Halle von drei Rippenkreuzgewölben überspannt, deren kraftvolle Rippen von sehr reichen Säulenbündeln ausgehen, und deren Kreuzrippen viel tiefer herabreichen, d. h. auf viel kürzeren Säulen beginnen, was dem ganzen Gewölb eine große Kühnheit verleiht. Die drei Schlußsteine der durchaus im Halbkreis geführten Bögen (weßhalb auch die Kreuzrippen so weit herabreichen) zeigen reiche, tief unterschaffte Blätterkränze, ganz ähnlich denen außen am Portal. An Rippen und Kappen sind noch Spuren von Bemalung im spätesten gothischen Stil, mit dem schon Renaissanceformen sich mischen, so erblickt man noch jetzt eine nereidenartige Gestalt; es war auch das Jahr dieser Ausmalung angeschrieben: In laudem Summi Regis Triumphatoris MDXXII. Dann sah man hier (nach Tob. Wagner evangel. Censur der Besold’schen Motiven, S. 652) eine Gans gemalt, an welcher „eine Flasche, Bratwürste, Bratspieß etc. hingen, neben einer zur nassen Andacht gar wohl komponirten Fuga, folgenden Tenors, mit ihrem unterlegten Text, gleichwol nur den initialibus litteris“: A. V. K. L. W. H. (d. h. All Voll. Keiner Leer. Wein Her.).

Die große Zahl der an dieser herrlichen Halle verwandten Säulen, es sind ihrer 74, beweist schon die Fülle des baulichen Lebens, das hier glänzend aber durchaus maßvoll sich ausbreitet, imgleichen die Bildung der Fensterarkaden und Gewölberippen, und wie geben diese flüssigen und fleischigen Formen einen Gegensatz zu den harten, stumpfen, beinahe steifen Formen der drei großen aus der Gründungszeit des Klosters stammenden Rundbogenportale, die vom Paradies in die Kirche führen. Ein Zeitabschnitt von 60–70 Jahren, und wie sehr hat sich die Baukunst umgestaltet, entfesselt möchte man sagen: aus den breiten, platt an die Wand gedrückten und damit verwachsenen Wulsten sind frei vor die Wand gestellte rohrschlanke Rundsäulen geworden, aus den schweren Gewölbrippen rechteckigen Querschnitts wurden halbrunde Wulste, in die zu Seiten tiefschattige Kehlen eingerissen sind und deren Scheitel durch einen zarten Steg wirksam markirt wird. Am augenscheinlichsten ist der Unterschied an den Säulenkapitellen, statt ganz in sich geschlossener Würfelknäufe, die bescheiden mit Linien oder arabeskenhaftem Blatte belebt sind, erscheinen hohe Kelchkapitelle, an denen rundausgezackte sehr schwungvolle Blätter keck und vielfach hinaustreten; ferner die Füße der Säulen: früher die attische Basis mit steilen Rundstäben und Kehlen zwischen schweren Plättchen, an den späteren, an denen des Paradieses, | dieselben Glieder und in derselben Ordnung, aber gleichsam wie gepreßt und aus dehnbarem Stoffe, so daß die Plättchen dünn werden, die Kehlen tief sich einziehen, die großen Rundstäbe birnförmig scharf herausquellen.

Die bauliche Ausführung dieser Vorhalle ist bewunderungswürdig genau, das gelbliche Sandsteinquaderwerk fein zusammengefügt, aller Zierrat so sauber als prächtig geschafft und besonders die Gliederungen sind von einer Durchbildung, einer vollendeten Kraft, die Verhältnisse von einer lichten Weite, daß man dieses Bauwerk das reinste und schönste des ganzen Klosters und damit eines der besten überhaupt nennen muß. Traulich steht es bei den alten Linden und die harmonisch ergreifende Stimmung seiner Halle steigert sich noch durch die grüngoldige Dämmerung, die von den nahen Zweigen der Lindenbäume darin verstreut wird. Auf dem Boden liegen viele Grabplatten (s. unten).

Betrachten wir die Kirche selbst; zuerst von außen. Ihre Schauseite zeigt, wie schon gesagt, drei Rundbogenportale; das mittlere, das Hauptportal, außen 19′ breit und 24′ hoch, im Lichten 6,8′ breit, 16′ hoch, stuft sich vielfach gegliedert zweimal tief und bedeutend ein, ist von Lisenen und breiten Wulsten mächtig umrahmt und in den Ecken der Einstufungen mit starken Dreiviertelssäulen besetzt; diese haben schwere kämpferartige blätterlose Kapitelle und steile attische Basen mit Eckknollen. Das halbrunde Bogenfeld wird durch eine Steinplatte ausgefüllt, auf der ein sehr vergangenes Freskobild vom Jahre 1424 zu schauen ist, darstellend die Widmung des Gotteshauses an Maria, dabei stand folgende Inschrift:

Anno domini M. centesimo trigesimo octavo nono Kald. Aprilis Mulibrunnum per Guntherum Spirensem construit
     Fridericus Caesar. Waltherus.     
Auch die halbrunden Bogenleibungen des Portals sind bemalt, und zwar mit Blumen und Blättern, gleichwie das Innere der Kirche, das auch im J. 1424 ausgemalt wurde. Die Thüre selbst ist mit Leder überzogen und über und über mit schönen romanischen Schmiedeisenbeschlägen und Knöpfen bedeckt, eines der merkwürdigsten Beispiele dieser Art. Die Nebenportale, 11′ breit, 14′ hoch, stufen sich nur einmal ein, sind schlicht und ohne Säulen und werden wie das Hauptportal von jenem breiten Wulst umfaßt, der den bedeutendsten Theil des Sockels der Klosterfassade bildet, um alle Eingänge sich zieht und, wie schon oben bemerkt, die Fassade ihrer ganzen Länge nach durch ein großartiges rechteckiges Rahmenwerk gliedert. Dieses geht an der Fassade der Kirche bis zur Höhe der Seitenschiff-Traufe, und muß einst samt den Portalen, ähnlich wie an der Fassade der Alpirsbacher Basilika (eingeweiht 1098), von höchst feierlicher Wirkung | gewesen sein. Darüber läuft die wohlgegliederte Stockwerksgurte hin, an den Halbgiebeln der Seitenschiffe steigt ein Rundbogenfries samt Kantenzahnschnitt empor, ebenso am Giebel des Hochschiffes und wagrecht unten umher. Die schlank hinaufragende Wand dieses Schiffes wird von zwei ziemlich nah zusammengerückten Rundbogenfenstern durchbrochen, der Giebel selbst von einer schönen sechsblättrigen Rosette, und bekrönt von einer Steinkugel, die früher ein griechisches Kreuz trug; dahinter erhebt sich jetzt leider ein Glockenthürmchen aus neuer Zeit.

Beinahe ganz unversehrt blieben auch die drei hohen östlichen Kreuzarme der Kirche, die noch mit dem ganzen Ernst ihrer feingefügten Quaderwände in den Prälatengarten hereintreten, ihre drei Fronten sind auch mit Giebeln bekrönt; der gegen Osten, der des Chors, gleicht ganz dem der Schauseite, die beiden andern entbehren des aufsteigenden Rundbogenfrieses; ein solcher aber zieht sich wagrecht unter den Giebeln und überhaupt um Chor, Querschiff und um das ganze Hochschiff, hat über sich einen Kantenzahnschnitt, der das unterste Glied des schönen, mit Rundstäben und steiler Kehle gegliederten Kranzgesimses ist. Um den südlichen Querschiffarm ziehen sich unten Blendarkaden hin, deren Rundbögen auf stark anlaufenden mit Kämpfern geschmückten Wandpfeilern ruhen, und die Ostwand des Chors entlastet ein einziger mächtiger Rundbogen, unter dem einst ein Freskobild prangte. Auch er ruht auf solchen Wandpfeilern, man erkennt aber noch dahinter die ursprünglichen dünnen, senkrechten Lisenen; auch die Ostwand selbst wird von zwei Wandpfeilern verstärkt, die alle ihrer ganzen Art nach kurz nach der Erbauung der Kirche angefügt wurden. – An der Südecke der östlichen Chorwand ist etwa 15′ über dem Boden in sehr alter Schrift eingemeißelt: Hermann und dabei ein großes Steinmetzzeichen, und zwar steht der Name auf dem Kopf, ein Beweis, daß die Inschrift in den Stein, ehe daß er aufgesetzt war, gemeißelt wurde und jedenfalls so alt wie dieser Eckpfeiler ist; wir haben hier wohl den Namen eines der Baumeister.

Ferner steht am Pfeiler der Nordecke folgende neuere Inschrift:

Hae aedes sacrae a Walthero de Lamersheim equite nobili P. mem. Anno 1148 exstructae in fundamento ruinosae factae, sub Abbate Augustino Hochstettero reparatae sunt. Ao. 1741.

Die Giebelseiten der Querschiffarme haben nur wenige kleine Öffnungen, die Nordwand des Chors dagegen zeigt schön gruppirte, tiefe, reich gegliederte Rundbogenfenster, die jetzt vermauert sind, in die Süd- und Ostwand des Chores aber ist je ein großes gothisches Prachtfenster gebrochen, der Arbeit nach aus der Zeit des großen Fensters der Cisterzienkirche zu Bebenhausen, das dort im Jahre 1335 in die ebenfalls gerad geschlossene Ostwand des romanischen Chores eingesetzt wurde. Diese Prachtfenster waren einst mit Glasgemälden | erfüllt und mußten eine herrliche Wirkung thun, wenn sie auch einen leichteren und fremdartigen Ton in die alte Basilika brachten. Im Jahre 1421 kam aber Abt Albrecht auf den Gedanken, die Kirche gothisch verbreitern und einwölben zu lassen; Baumeister war Laienbruder Berchtold, ein in seiner Kunst wohl erfahrener Mann, und dieser überspannte die bis dahin außer Querschiff und Chor flachgedeckte Basilika mit Rippengewölben und legte an das südliche Seitenschiff eine Reihe von zehn rippenkreuzgewölbten Kapellen. Die Gewölbe des Hochschiffes stützte er durch Strebebögen, die er an hohe, aus den Umfassungswänden der Seitenschiffe aufsteigende Spitzsäulen anfallen ließ, und so sieht man aus den Pultdächern der beiden Abseiten eine Reihe mit Blumen besetzter Spitzsäulen sich erheben. Das schon genannte Kapellenschiff erscheint gegen außen als ziemlich niedrige Wand mit zehn breiten, von großlöcherigem spätgothischem Maßwerk erfüllten Spitzbogenfenstern, zwischen denen einst wasserspeiende Thiergestalten herausragten. Alle diese Änderungen und Anbauten sind aus rothem Keuperwerksteine, während der alte Bau ganz aus dem schönen grünlichgelben, warmtonigen Keuperwerksteine besteht. Aber nicht bloß durch die Farbe, auch durch die Ausführung sticht der alte Bau bedeutend ab gegen das nicht untüchtig ausgeführte Neuere; namentlich die Oberwände des Mittelschiffes mit ihren zehn großen glatt eingeschrägten Rundbogenfenstern, darüber dem klaren Rundbogen- und Zahnschnittfriese und dem schönen Kranzgesimse scheinen in ihrer ganz feinen Fugung und ganz trefflichen Arbeit wie erst seit gestern gemacht. Die nun theils verdeckte, theils verschwundene Umfassungsmauer des südlichen Seitenschiffes hatte ein schlichtes Kranzgesims und schlanke Rundbogenfenster; von beiden sind noch Spuren vorhanden.

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Treten wir in die Kirche selbst ein, so empfangen wir auch hier trotz aller gothischen Eingriffe den Eindruck eines Baues aus einem Gusse; die hier erscheinenden Hauptformen sind zu einfach, kraftvoll, ruhig und wahr. Starke rechtkantige, an der innern Seite von kräftiger Halbsäule besetzte Pfeiler tragen die zehn tiefen halbrunden Arkadenbögen, welche das Hauptschiff mit seinen halb so hohen Seitenschiffen verbinden und auf denen die hohe Wand des Hauptschiffes ruht, oben durchbrochen von der das volle Tageslicht spendenden Reihe zehn hoher Rundbogenfenster. Statt der einst reichvergoldeten flachen Holzbalkendecke spannt sich jetzt ein scharfrippiges Netzgewölbe über diesen Fenstern; der Chor hat noch das alte romanische Rippenkreuzgewölbe, und so herrscht in der ganzen Deckenbildung dieses hohen und tief hinabreichenden Raumes Einheit und Harmonie, die alte Decke wird kaum vermißt, dazu der prachtvolle Abschluß des Chores durch das große gothische Fenster und in der Mitte des Hauptschiffes vor dem Lettner jenes gewaltige sandsteinerne Krucifix, das dunkel und | schwermuthsvoll aufragt. Die ziemlich breiten jetzt rippenkreuzgewölbten Seitenschiffe wirken auch wesentlich mit, namentlich das südliche, welches durch die zehn gothischen Kapellen noch bedeutend erweitert und erhellt wird, und doch war gewiß der frühere Abschluß durch die schlichte, von zehn schlanken Rundbogenfenstern durchbrochene Wand des Seitenschiffes schöner. Das nördliche Seitenschiff bringt kein Licht, weil hier der Kreuzgang angebaut ist.

Gar nicht in Betracht bei der Gesamtwirkung der Basilika kommen die beiden Arme des innen 122′ langen Querschiffes, weil sie niedrig sind und nur mit einem schmalen Rundbogen gegen das Hauptschiff sich öffnen; jeder Arm zerfällt nämlich in einen 13′ breiten, 42′ langen Gang gegen Westen und in je drei ebenso tiefe quadratische Kapellen gegen Osten; alles von Kreuzgewölben, die sich durch massige Rundbögen von einander trennen und meist von stämmigen Ecksäulen ausgehen, übersprengt; die Gewölbe des südlichen Armes sind spitzbogig und rippenlos, die des nördlichen rundbogig und mit Rippen von schwerer rechteckiger Leibung. Düster und dumpf, aber von großem malerischem Reize sind diese niedrigen Hallen. Licht kommt nur durch die in spitzbogige vergrößerten Fenster der Ostwand, aus den Sandsteinmauern dringt überall Feuchtigkeit und hat sie ganz mit dunkelgrünen Flechten und weißlich schimmerndem Sinter überzogen. An der Südwand des rechten Querarmes sieht man eine trefflich mit Schmiedeisenwerk beschlagene Thüre; vom linken Querschiffarm aus führt eine bequeme (zum Theil noch aus romanischer Zeit stammende) Treppe nach dem Dorment, einst die Wohnung der Mönche, jetzt der Zöglinge des Seminars.

Von einfachen Maßverhältnissen der Kirche scheint wohl soviel erwähnenswerth: ihre innere Gesamtbreite beträgt 72′, die Breite des Mittelschiffes 29′, die des südlichen Seitenschiffes 18′, des nördlichen 17′, die der Pfeiler 4′; die innere Gesamtlänge 232′.

Die Breite des Mittelschiffes samt der Pfeilern beträgt also 37′, die der beiden Seitenschiffe 17′ + 18′ = 35′, die Gesamtbreite 72′. Wäre die nördliche Pfeilerreihe nur um 1′ hereingerückt, so hätten wir vollständige Viertheilung mit der Grundzahl 18, der Breite des südlichen Seitenschiffes. Ferner beträgt aber die Entfernung einer Pfeilermitte von der andern 171/2′ (das Mittel aus beiden Seitenschiffen), d. h. die Breite des Mittelschiffes verhält sich zur Pfeileraxenentfernung wie 5 zu 3, und hieraus bilden sich aus 5 Pfeilerabständen im Mittelschiff 3 Quadrate, und in den Seitenschiffen 5 (beinahe quadratische) Rechtecke, und zwar solche, welche im gegebenen Fall dem Quadrat am nächsten kommen. Wir sehen also bei den einmal angenommenen Breitenverhältnissen in der Entwicklung der Längenverhältnisse die möglichste Regelmäßigkeit. Elfmal, genau bis an den Triumphbogen, wiederholen sich diese Pfeilerabstände, der Chor | selbst bildet für sich ein durch den breiten Triumphbogen von der Vierung getrenntes, großes, fast quadratisches Rechteck. Der Lettner liegt gerade in der Mitte zwischen der Westwand und der östlichen Querschiffwand. Bei den andern hiesigen Klosterbauten kommen auch auffallend einfache Zahlenverhältnisse vor.

Gehen wir noch mehr ins Einzelne.

Die Pfeiler sind einfach rechteckig und nur an der Innenseite mit einer Halbsäule besetzt, diese entwickelt sich mit einem Eckknollenfüßchen aus der hohen attischen Basis der Pfeiler und trägt in der Kämpferhöhe derselben einen scharf umränderten Würfelknauf, von dem aus die Form der Halbsäule als Wulst in der Arkadenleibung sich umherschwingt. Die Kapitelle der Pfeiler, ganz wie die der Wandpfeiler außen an der Ostseite gebildet, sind aus Welle und Wulst zusammengesetzt und von ihnen steigt, die tiefen Arkadenbögen rechteckig umrahmend, ein wohlprofilirtes Leistenwerk auf. An der gegen die Nebenschiffe gekehrten Seite der Pfeiler laufen halbachteckige, im Jahr 1424 angesetzte Dienste, bei denen sich der damalige Baumeister dem Stile jener romanischen Halbsäulen anschloß; er versah z. B. ihre Füßchen auch mit Eckknollen, behandelte diese aber, ganz bezeichnend für die Zeit, höchst frei und abweichend, nämlich als schwungvoll gehaltene, feine, tiefunterschaffte Darstellungen von Fröschen, Krebsen, Skorpionen, Blättern, Zweigen und Früchten. Diesen Diensten entsprechen an den Umfassungswänden der beiden Seitenschiffe hübsche Konsolen, und darüber spannen sich gothische Rippenkreuzgewölbe mit Schlußsteinen; am bemerkenswerthesten ist wohl die erste Konsole des linken Seitenschiffes, darstellend die treffliche vorkauernde Gestalt eines bärtigen Mannes, eines Baumeisters, der in der rechten Hand einen Hammer hält; ohne Zweifel Meister Berchtold selbst. Das netzartige, mit zwanzig Schlußsteinen geschmückte Rippengewölbe des Mittelschiffes geht auch von Konsolen aus; die Schlußsteine aller drei Schiffe, sowie der zehn südlich angebauten Kapellen zeigen theils reiches Blattwerk, theils Thierfiguren, ferner die vier Evangelistensymbole; ähnlich sind die meisten Konsolen behandelt. Der große Schlußstein der Vierung enthält ein Agnus Dei. Der Chor, 30′ breit, 32′ tief, durch den mächtigen halbrunden, 5,7′ tiefen Triumphbogen von der Vierung getrennt, hat sein ursprüngliches, kräftiges, romanisches Rippenkreuzgewölbe, dessen Rippen (von breiter, rechteckiger, an den Kanten gekehlter Leibung) auf gestreckten, mit Würfelknäufen besetzten Ecksäulen ruhen. Die schlanken, tiefeingeschrägten Fenster der drei Schiffe sind einfach, die des Hauptschiffes noch ganz erhalten, die der Seitenschiffe sehr verändert; die des südlichen Seitenschiffes sind bis auf das östlichste durch die später eingefügten Kapellen unten sehr verkürzt; im nördlichen finden sich gar verschiedene Formen, rundbogige kurze, runde, oben und unten | zugespitzte, und nur die beiden westlichsten sind unverletzt; sie gehen jetzt sämtlich auf den Dachboden des nördlich angebauten Kreuzganges; die beiden noch ganz erhaltenen beweisen, daß das ursprünglich hier anstoßende Gebäude ziemlich niedriger, einstockig, war.

Den baulichen Eindruck des Inneren bestimmt auch der 103′ vom Eingang entfernte, sich zwischen den sechsten Pfeilern quer durch das Hauptschiff ziehende steinerne Lettner, ganz im Geiste der Basilika, namentlich der Westfassade, gehalten, belebt von rundbogigen, mit starken Wulsten und Kehlen umsäumten Durchgängen und Flachnischen, und bekrönt von kräftigem, mit dem Schachbrettmuster geziertem Gesimse. Die mittlere Nische, die größte, trug einst ein bedeutendes Freskobild, daneben öffnet sich je eine schöne rundbogige Pforte und eine schmale Nische, die südliche mit einer romanischen Freske, der h. Dorothea mit dem Christkind, auf einem Teppichmuster. Als dieser Lettner noch ganz in Fresken und Vergoldung schimmerte, muß er von ungewöhnlich schöner Wirkung gewesen sein, jetzt ist er roth angestrichen und großentheils verstellt. Die mit ihm durch ihren starken attischen Sockel genau verbundenen Arkadenpfeiler haben an den Würfelknäufen ihrer Halbsäulen reichere Zierden als die andern, nämlich feines Blattwerk. Im nördlichen Seitenschiff, ob auch im südlichen ist nicht mehr zu erkennen, lief eine romanische Steinbrüstung in der Flucht des Lettners hin, sie zeigt an der gegen den Chor gewandten Seite Theile eines prächtigen Rundbogenfrieses. In gothischer Zeit wurde vor dieser Brüstung ein Baldachin, von dem aber nur ein Theil der auf der Brüstung ruhenden Ostwand noch erhalten ist, sowie zwischen ihm und dem Arkadenpfeiler eine sehr schöne, reichgegliederte, gothische Pforte errichtet. An dieser Pforte links oben sieht man nun jene schon oft gedeuteten Bildwerke, nämlich einen Arm mit schwörender Hand, um den sich ein Strick schlingt, ausgehauen, und an der mit schönem Stabwerk belebten Rückseite an einer Konsole einen listig lächelnden Mönch mit einem wilden Thier, an einer andern einen reichgewandeten Laien von edlem Gesichtsausdruck, vermuthlich der Baumeister dieses dem Stile nach vor 1400 errichteten Werkes. Es soll eine Versinnlichung der Sage von der Überlistung der Räuber durch die bauenden Mönche sein. Räuber, welche sich dem Bau widersetzten, hätten sich auf die Zusage der Mönche, das Kloster nicht auszubauen, zurückgezogen, als aber endlich doch das Glöcklein durch das Thal tönte und jene herbei eilten, die Meineidigen zu strafen, wiesen diese auf das Fehlen eines Steins in dem Bau, und die Räuber schonten die listigen Brüder. Der Lettner samt seinen Schranken schloß die Laienkirche, den Bruderchor, 103′ lang, von dem der Klostergeistlichkeit vorbehaltenen größeren (127′ langen) Raum, dem Herrenchor, ab und ist einer der wenigen aus dieser frühen Zeit.

| Vor seiner größeren mittleren Bildnische steht jetzt der dreitheilige, stark zertrümmerte Levitenstuhl, einst für den celebrirenden Priester und seine Leviten (diaconi ministri) bestimmt, und früher beim Hochaltar im Chore stehend. Er ist von Eichenholz und von noch reicherer Arbeit als das Gestühl im Chore und endigte in drei hohe, jetzt stark zerstörte Baldachine. Besonders prächtig und ganz erhalten sind seine Lehnen und Brüstungen. An den hohen Seitenlehnen des Stuhlschrankes steigt üppig rankendes Rebenlaub mit Trauben, von Thierchen und von kleinen Weingärtnern bevölkert, empor, an der andern Seite großartiges langblättriges Distelgewächse; oben sind die Wappen der beiden Gründer des Klosters (Leiningen und Lomersheim) groß angebracht. An der vordern Brüstung sieht man reiches, gleichsam wie flammendes Blattgewirre, in das Löwen, Drachen, Hirsche, Vögel, Armbrustschützen u. s. w. und ein großes Spruchband hineingeschlungen sind, auf diesem steht: Vinea Domini Sabaoth. Flores virtutum carpite o sacra concio! An den Seitenbrüstungen wächst wieder herrliches Weingewinde und anderes Laubwerk, unten kniet je ein schöner Engel mit dem Wappen von Maulbronn und dem von Cisterz, und oben an der südlichen Seitenbrüstung kniet vorne ein Männlein, der Stifter, vor sich seinen leider unkenntlich gewordenen Wappenschild. Auch die dreigetheilte Rücklehne wird von Maßwerk und weiter oben von schönem Laubwerk verziert, in welchem auf drei Bändern steht: Quis iste est rex glorie? Ego sum qui sum. Vere Deus absconditus.

(S. auch die treffliche Aufnahme und Ergänzung von C. Beisbarth im VIII. Jahreshefte des Württemb. Alterthumsvereins).

Vor dem Levitenstuhle steht der Laienaltar und an diesem erhebt sich das 12′ hohe, aus Einem Keuperwerksteinblock gearbeitete Krucifix; der Kreuzesstamm ist holzartig behandelt und trägt an der Rückseite C. V. S. 1473. Christus erscheint von schöner, etwas voller naturwahrer Körperbildung; sein Haupt ist fast zu groß, etwas ältlich, mit gedämpftem Wehausdruck und ausgezeichnet durch seine herrlichen Locken. Das Schamtuch flattert in prächtigem Fluge weit hinaus. Vor dem Laienaltare liegt der mit Kreuz und Wappen geschmückte Gedenkstein des ersten Stifters und darauf steht in tiefgeschaffter großer gothischer Minuskelschrift: Hie lit bruder walther ein fryr von lamersheim. der erste anfahn und stifter diser geistlichen sammenunge. des seele ru im friden.

Noch sind zu erwähnen die beiden spätgothischen steinernen Altarbaldachine, die je vor dem dritten Arkadenpfeiler stehen, von hübschen gewundenen Säulen getragen und von einem schönen noch ganz bemalten Sterngewölb überspannt werden; der nördliche, dessen Altar der heil. Anna geweiht ist, hat den Kremper’schen und Gaisberg’schen Wappenschild und die Inschrift: Conradus Gremper Civis de Vaihingen. | 1501. Die unscheinbare Kanzel, theilweise mit spätestgothischen Formen, lehnt sich an den vierten südlichen Arkadenpfeiler, trägt die Jahreszahl 1560, und die Orgel, auf der an der Westseite sich erhebenden Empore stehend, die Jahreszahl 1612. Im nördlichen Seitenschiffe ziehen sich gut geschnitzte Chorstühle hin, dem Stile nach aus der Zeit der Erneuerung der Kirche im Jahre 1424.

Betrachten wir nun den Theil der Kirche hinter dem Lettner; hier treten uns vor allem die in zwei stolzen Doppelreihen den ganzen Raum zwischen Lettner und Vierung erfüllenden Chorstühle entgegen, 92 an der Zahl. Sie sind ziemlich gut erhalten, aus Eichenholz im Stile des 15. Jahrhunderts (etwa um 1450) geschnitzt und zeigen folgende bildliche Darstellungen: Noahs Trunkenheit, den Tanz Davids vor der Bundeslade, das Opfer Kains, den Stammbaum Christi aus der Brust Jesses aufsprossend, das Einhorn im Schoße der Maria, die Opferung Isaaks, Moses am feurigen Busch, Simsons Kampf mit dem Löwen; auch sind an den westlichen Seitenlehnen der innern Stuhlreihe die Brustbilder zweier bärtiger Männer mit Mützen angebracht, welche nicht mehr entzifferbare Spruchbänder halten; es sind dieß die Bildnisse der leider unbekannten Meister dieser reichen und sehr tüchtigen Arbeit; schönes Laubwerk und kräftige Thierfratzen sind in Fülle angebracht und die hohe Rücklehne der hinteren Reihe ist oben durch feines gothisch durchbrochenes Gitterwerk belebt.

Die Partie der schmalen Vierung und des niedern dumpfigen Querschiffes steht in starkem Gegensatze zu dem hochgesprengten quadratischen Chor mit seinen zwei gothischen Prachtfenstern; beides ist in seiner Art von außergewöhnlicher Wirkung, besonders die breiten Massen der hier anstehenden Pfeiler, die schweren, engen trüblastenden Bögen, oft von Würfelknaufsäulen oder Würfelknaufkonsolen ausgehend. Der Chor selbst hat natürlich von seiner Grundstimmung verloren durch die beiden Prachtfenster; das östliche, erst kürzlich erneuerte ist sechsgetheilt durch scharfe mit schönen Rundstäben besetzte Pfosten und entwickelt sich in drei hohe, reich gefüllte Spitzbögen, welche zwei gefüllte Vierpässe und darüber einen gefüllten Dreipaß tragen. Das südliche, fast noch geschmackvollere, ist viergetheilt und trägt mit zwei gefüllten Spitzbögen einen gefüllten Dreipaß. Diese Fenster werden gegenwärtig mit farbigen Scheiben versehen. Am Scheidebogen steht: Anno Domini MDX tempore Domini Michaelis Scholl Abbatis renovatum.

In der Südwand des Chores sind einige frühgothische Sakramentnischen angebracht, und am Triumphbogen stehen sich gegenüber die einst liegend aufgestellten Grabmäler der beiden Speirer Bischöfe. Am südlichen Pfeiler dasjenige Günthers, die flacherhobene Gestalt in strengem großartigem frühgothischem Stil, wenn auch von etwas gezwungener und gespreizter Bewegung. Es stellt den Bischof | in reich mit gothischen Stickereien gesäumtem Gewande dar, in der Linken hält er den Bischofsstab, in der Rechten das Evangelium, sein langlockiges Haupt ruht auf prächtigem Kissen. Vom rechten Arm herab hängt ihm die reiche Stola. Unten umher kriecht traubenschweres Rebengewinde, und oben steht in sehr ausgebildeter gothischer Majuskelschrift: Gunther. spiren. epc. fundator h’: dom’: Der Grabstein ist trapezförmig.

Das andere, ohne Zweifel eine Nachbildung aus dem Anfang des 16. Jahrhunderts, zeigt auch die flach erhobene Gestalt des Bischofs, schlanker und besser gearbeitet, aber auch weniger ausdrucksvoll. Die Platte ist rechteckig und die Inschrift in gothischen und lateinischen Majuskeln lautet: Ulricus. positus. spirens. episcopus. hic. est.

Auf dem Boden liegen zwei Platten mit schönen Kreuzen und auf diesen steht in spätgothischer Minuskelschrift: Praesul Guntherus Pater est fundaminis hujus, auf dem andern weniger abgetretenen Kreuze steht: Ulricus positus Spirensis Episcopus hic est. Diese beiden Kreuzesplatten sind gleichzeitig mit dem Grabmal Ulrichs.

Der große Hochaltar steht jetzt ganz leer, an ihm befanden sich einst die jetzt in der 9ten Kapelle aufgestellten Holzbilder, sowie ein Gemälde, das 1394 von Bischof Ludwig von Abalo in Burgund eingeweiht wurde. (S. Klunzinger, Geschichte der Abtei Maulbronn, Regesten S. 44). Die zum Theil mit dem Umbau gleichzeitige Ausmalung der Kirche durch den Laienbruder Meister Ulrich hat viel dazu gethan, den Eindruck der Ungleichheit zu mildern, indem sie auf hellsteinfarbigem Grunde mit weißen Mörtelstreifen den wichtigsten romanischen und gothischen Gliedern die gleiche kräftig graurothe Färbung mit geschmackvollen Mustern in Grün, Blau, Braun und Weiß (meist Blumen und Blättergeschlinge), den Deckenfeldern einen reichen Blumenschmuck in diesen Farben gab.

Dann ziehen sich über den Arkaden des Mittelschiffes aufgemalte zum Theil verwischte Wappenschilde der Wohlthäter des Klosters hin, mit Überschriften in altgothischen fast romanischen Majuskeln, sie mögen aus dem 13. Jahrhundert stammen. Auf der Südseite sind zu sehen: 1) Fünf Schilde, jeder mit einer Rose in rothem Feld, welche 5 goldene Blätter und einen blauen Butzen hat, Roßwag. 2) Zwei unkenntliche Schilde. 3) Vier Schilde, wovon jeder einen goldenen mit einem Rubin besetzten Ring auf Blau enthält, darüber steht Durmenz. 4) Zwei Schilde, jeder mit einem sitzenden silbernen Bracken in rothem Feld, Brackenheim. 5) Zwei Schilde mit einem Widderkopf. 6) Zwei Schilde mit zwei silbernen Widderhörnern auf schwarzem Grunde. 7) Drei Schilde, jeder mit zwei halbkreisförmigen, abwechselnd silbernen und rothen von einander abgekehrten Bändern in blauem Feld, darüber steht zweimal Küngespach. 8) Fünf Schilde, jeder mit rechts durchschnittenem in der Oberstelle goldenem, in der | Unterstelle schwarzem Feld, darüber steht Brmb. Bromburg. 9) Zwei Schilde, jeder mit einem aufrechten silbernen Krummhorn in schwarzem Feld, darüber steht Zutern. 10) Zwei Schilde, jeder mit einer Lilie. 11) Zwei Schilde, jeder mit zwei sich kreuzenden silbernen Lilienstäben auf rothem Feld, darüber steht Remchingen.

Auf der Nordseite sind zu sehen: 1) Ein Schild mit schwarzem Adler auf Gold, Iptingen? 2) Ein Schild mit drei gelben Schildchen, wovon jedes einen schwarzen Schrägbalken enthält. 3) Zwei Schilde, wovon jeder in schwarzem Feld einen silbernen rechten Schrägbalken führt, der mit drei Paaren von einander abgekehrten rothen Halbmonden besetzt ist, darüber steht Stogsberg. 4) Ein Schild mit goldenem Feld, worauf ein kleiner silberner Schild mit schwarzer Einfassung sich befindet, darüber steht Brethain. 5) Ein Schild mit einem wagrechten schwarzen Balken in silbernem Feld, darüber steht Wissenstain. 6) Ein Schild mit einer Raute in goldenem Feld, darüber steht Glattbach. 7) Zwei Schilde, jeder mit fünf runden silbernen Scheiben auf schwarzem Feld, Sickingen. 8) Drei unkenntliche Schilde. 9) Drei Schilde, jeder mit drei silbernen Ringen in rothem Feld, Neipperg. 10) Zwei Schilde, jeder mit zwei senkrechten, von einander abgekehrten goldenen Streitbeilen in blauem Feld, Sturmfeder. 11) Zwei Schilde, jeder mit einem goldenen Schwanenhals in rothem Feld, Freudenstein. 12) Drei unkenntliche Schilde. 13) Zwei Schilde mit drei silbernen Sparren in blauem Feld, Ubstat. 14) Zwei Schilde, jeder mit drei blauen Querbalken in goldenem Feld, Gemmingen. 15) Ein unkenntlicher Schild. 16) Zwei Schilde, jeder mit zwei senkrechten von einander abgekehrten Halbmonden in rothem Feld, Magenheim. 17) Zwei unkenntliche Schilde.

Mehrere von den angeführten jetzt unkenntlichen Schilden waren zur Zeit Gabelkovers († 1616) noch kenntlich, er nennt noch folgende: Das Wappen der Göler von Ravensburg, der von Sachsenheim, der von Neuffen, der Grafen von Vaihingen, der von Dalhaim, der von Helfenberg, der von Sternenfels.

Eigentliche Fresken sind, wenn auch beschädigt, erhalten: auf dem Schlußstein des Chorgewölbes Maria mit dem Jesuskinde, die Schutzherrin des Klosters wie überhaupt aller Cisterzienser Klöster, in dem erhabenen großlinigen Stile des Meisters Ulrich, dann die großen kaum noch sichtbaren Sinnbilder der vier Evangelisten in den vier Gewölbe-Feldern des Chores, an der südlichen Wand daselbst kolossal der heil. Christophorus, weiterhin an den beiden Wänden der Vierung, nördlich die Anbetung der Weisen mit langer Inschrift, südlich die Darbringung der Kirche durch die Stifter Walther von Lomersheim und Bischof Günther von Speier; sie bringen das Kirchenmodell der Maria und dem Christuskinde dar mit den Worten:

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Suspice Guntheri Virgo cum Prole Maria,
Nec non Waltheri, sic duo vota, pia.

Unter dem Gemälde steht eine lange Inschrift in lateinischen Distichen, die von der Gründung und dem Weiterbau des Klosters spricht, und als Baumeister im Jahre 1424 an der Kirche thätig den Berchtold, als Maler daselbst den Meister Ulrich bezeichnet. Unter den Stiftern sind ihre Wappen. Das Günthers führt einen mit Silber durchkreuzten Schild, welcher im ersten und vierten Viertel ein silbernes Kreuz in blauem Feld, im zweiten und dritten Viertel einen goldenen Doppeladler, gleichfalls in blauem Feld, enthält. Das Wappen Walthers ist gespalten und hat in der Oberstelle drei rothe Pfähle in goldenem Feld und in der Unterstelle ein blaues Feld.

Außer diesen Fresken des Meister Ulrich findet sich noch eine, auch stark beschädigte, vielleicht von derselben Hand, an der Ostwand der ersten jener zehn südlich angebauten Kapellen. Es ist Christus am Kreuz (mit ungekreuzten Beinen), daneben Maria und Johannes und je ein Bischof; drei kelchhaltende Engel umschweben den Heiland. Die Gestalten sind schlank, lebhaft und edel gehalten, Johannes noch mit der alten Geberde des Schmerzes, die Hand an die Wange legend.

In der neunten Kapelle, die von einem Netzgewölbe mit vier schönen Schlußsteinen bedeckt wird, stehen verstümmelte Holzbilder aus dem 15. Jahrhundert, sie befanden sich einst auf dem Hochaltar und geben Scenen aus der Leidensgeschichte in halblebensgroßem Maßstabe, ferner eine Madonna mit dem halbbekleideten Kinde, lebensgroß und ausgezeichnet durch ihren hohen Stil.

Die zehnte Kapelle war auch ganz mit Fresken erfüllt, wovon sich leider nur die in den Rippenkreuzgewölbefeldern erhielten, und schwache Spuren an der Westwand, hier die Vorgänge in Gethsemane darstellend. Die vier Felder des Gewölbes aber zeigen in ganz trefflicher Zeichnung acht musicirende langgeflügelte Engel.

Das sehr schlanke und zierliche über der Vierung sich erhebende Dachreiter hat die Spitze seines mit Lilien besetzten schmiedeisernen Kreuzes beinahe 200′ über dem Boden, wurde in gothischer Zeit errichtet und enthält drei Glocken, wovon die beiden größeren umgegossen sind. Die größte trug die Inschrift:

Convocat hoc signum fratres, turbatque malignum,
Ut psallant digne flagrantes pneumatis igne.
Ave Maria gracia plena.
Annis millenis quadragenis
In Nurnberg fusum, Mulebrun sibi vindicat usum.
Magister Conradus Gnockhammer me fudit.
Abbas Johannes de Wormacia.
J. N. R. J. Sanctus Stephanus. Sanctus Nicolaus. Sanctus Lorencius. Sanctus Bernhardus.

| Unter den Namen dieser Heiligen waren ihre Bilder, Christus selbst am Kreuze dargestellt, neben ihm Maria und Johannes. Die Glocke wurde 1832, weil sie zersprungen war, von Neubert in Ludwigsburg umgegossen und darauf der Vers aus Schillers Lied von der Glocke gesetzt: Nur ewigen und ernsten Dingen, u. s. f.

Die mittlere Glocke hatte die Inschrift: Die Vesper Glock heiß ich. Peter zur Glocken zu Spier gos mich. Anno Dni MCCCCCVI Jar. Auch sie wurde umgegossen von Neubert in Ludwigsburg 1804.

Die kleinste und älteste Glocke hat in schöner Majuskelschrift:

Cunrat Fuldensis nos fecit. Virgo perennis
Signa tue laudis audis nec viscera claudis.
Johannes. Lucas. Marcus. Matheus. Adonay.

Nördlich an die Kirche stößt das eigentliche Klostergebäude mit dem großen Kreuzgang, einem Quadrate von 132′ Seitenlänge, während eine Seite des Kreuzgartens 95′ mißt, was genau die innere Länge des Sommerrefektoriums ausmacht. Man muß wohl annehmen, daß der nun stehende Kreuzgang nicht ganz der ursprüngliche ist, denn an der (gegen Osten schauenden) Rückwand des westlichen Flügels, die zugleich die Umfassungswand des Kellers und des Laienrefektoriums, zieht sich unten jener hohe romanische Sockel hin, der auf der andern Seite, d. h. an der Klosterfassade, die Jahreszahl 1201 trägt; ferner erblickt man eben an jener Rückwand eine Reihe von weiten gespitzten Entlastungsbögen, und darunter sieht man kurze Stützen weggespitzt, so daß sich ein auf niedrigen Stützen ruhender weitgesprengter Hallengang vermuthen läßt. Er zog sich nur an Einer Seite hin, denn an der Nordwand der Kirche findet man keine Spuren. Als aber mit dem fortschreitenden dreizehnten Jahrhundert ein unwiderstehlicher Baugeist die Menschen ergriff, begann man gleichzeitig mit noch anderen herrlichen hiesigen Bauten, namentlich mit dem Paradiese und dem Sommerrefektorium, den an die Kirche stoßenden Theil, sowie den gegenüberliegenden samt der Brunnenkapelle. Alles Übrige des Kreuzganges zeigt spätere Formen.

Prachtvoll ist nun dieser südliche, ganz im Stil des Paradieses gehaltene, vielleicht von demselben Baumeister ausgeführte Theil des Kreuzganges, 16′ breit, 20′ hoch, mit seinen starken sechskappigen Rippengewölben, der Menge der herrlich kapitellirten Säulen, (die Zahl der Säulen dieses Flügels beträgt 140), und den hohen gedoppelten Bogenfenstern; diese, von gewirtelten Säulen umrahmt, füllen den Raum zwischen den ganz wie am Paradies gestalteten Strebepfeilern vollkommen aus und bilden eine Schauseite, die an strenger Schönheit und reizender Anordnung ihres Gleichen sucht. Die wohlprofilirten Bögen der Fenster sind schwach zugespitzt und reichen bis an das Konsolenkranzgesimse, das dem des Paradieses gleich und auch an seinen hübschen Konsolen mit Halbmonden geziert ist. An der inneren Seite der Umfassungswand tragen | je fünf, ja in den Ecken je sieben schlanke scharfgewirtelte Säulen die vollen und lebhaft profilirten Gewölberippen, (die Querrippen von breitem, die Kreuzrippen von mehr birnförmigem Querschnitt); die Schlußsteine bestehen aus reichen und kraftvollen Blätterkränzen. An der inneren Wand, die zugleich die alte romanische der Kirche, gehen die Säulen nicht bis herunter, sondern ihre sehr kurzen Schäfte sind theils unten nur mit einem Ring umgeben und einfach zugestutzt, theils mit einem Füßchen versehen, das von einer wieder mit den Halbmonden geschmückten Konsole getragen wird. Diese zwei von einander gekehrten Halbmonde kommen sowohl auf den in der Kirche gemalten Wappenschildern als auch auf den sehr alten Grabplatten, die hier im Kreuzgange liegen, vor, und stammen aus den Wappen der Magenheim und Stocksberg (s. u.), sie treten außerdem noch auf an den Konsolen des Paradieses und des Sommerrefektoriums, lauter Bauten aus dem Beginn des dreizehnten Jahrhunderts, und merkwürdiger Weise finden sich an einer Konsole bei der Südostecke des Kreuzganges statt der Halbmonde zwei Lilienstäbe, aus dem Wappen derer von Remchingen.

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Die reichen und herrlichen Formen des Südarmes setzen sich an Ost- und Westseite je mit einem Gewölbejoche fort, nur sind die Öffnungen an der Westseite etwas anders gebildet, mit Säulen nämlich statt der Fenstergewände, und mit Kleeblattfüllung. Noch ein Strebepfeiler und der Anfang eines neuen Bogens, (sowie ein urthümlicher Wasserspeier, der einzige am ganzen Kreuzgang), ist hier an der Westseite zu sehen, dann wird die Wand um ein wenig schmäler und ganz andere Formenbehandlung tritt ein. Über ein halbes Jahrhundert liegt dazwischen, die Sechstheilung der Gewölbe wird verlassen und es erscheinen einfache Kreuzgewölbe mit reichen birnförmigen Rippen und mit Schlußsteinen, auf denen Thiergestalten aus Blätterkränzen schauen. Die Doppelfenster werden beibehalten, aber nun die beiden Fenster von einem großen etwas gedrückten Spitzbogen umfaßt und durch eine starke Mittelsäule verbunden, um die sich vier Dreiviertelsäulchen reihen; die Spitzbögen der Fenster enthalten dünnes durchsichtiges Maßwerk, wogegen die Wand zwischen den Fenstern und dem Umfassungsbogen nur in der Mitte und zwar von einer tiefen Fünfblattrosette durchbrochen wird. Diese prächtigen Fenster der Westseite, fünf an der Zahl, füllen die Flächen zwischen den Strebepfeilern fast vollständig aus und nehmen den Westarm vollends ein. Die Rippen der Gewölbe ruhen an der Fensterwand auf Dreiviertelssäulen, die mit je fünf Dreiviertelssäulchen (Diensten) umstellt sind, an der andern Wand aber auf reich skulptirten breiten Konsolen von der Form einer Viertelskugel. Der bedeutende Umschwung des Stils zeigt sich namentlich auch am Ornamentalen: hatten die Kapitelle des Südarmes streng aus der Kelchform des Kapitells heraustreibende | Blätter und Knospen und diese selbst wieder gehaltene wenn auch reich abwechselnde Formen, so sind hier um die glockenförmigen Kapitelle ganz aus der Natur genommene Blätter, Blumen, Früchte, Vögel u. s. w. nur lose hingeklebt, so daß die Kernform des Kapitells hindurchscheint. Man sieht Röschen, Eichenlaub, Buchenlaub, Disteln, Kleeblätter, Rebenlaub, Immergrünblüthe, Sumpfpflanzen u. s. w., auch Ergötzliches, z. B. ein nacktes Mönchlein, Trauben essend und auf einer Traube reitend. Über dem Kapitell des dritten dieser Fenster steht außen an der Umrahmung eingehauen GOTSCHLAG, daneben ein jetzt abgeschlagenes Männlein. Von großer Zierlichkeit sind auch die großen Konsolen; die erste, (von Süden gerechnet), zeigt ein herrliches Netz von Weinreben, an deren Trauben viele Vögel picken; an der nächsten hebt sich aus schönem Wasserlaub das ausdrucksvolle Brustbild eines Priors und um ihre Krönung steht in gothischen Majuskeln:

Hie sol mit rehter andaht
Des Prioles Walther werden gedaht
Wan er hat disen bu vollebraht.
      Valete in domino.

Ein Prior Walther kommt 1303 urkundlich vor.

Die dritte Konsole stellt einen Löwen mit einem Ungethüm im Kampfe dar, die vierte das auch aus Wasserlaub sich hebende Brustbild eines Laien, über ihm sind drei Rosen ausgemeißelt und man liest: ROSEN SCHÖPHELIN. Also Prior Walther baute mit Hilfe der Laienbrüder Gotschlag und Rosenschöphelin den westlichen Theil des Kreuzganges, und zwar an der Stelle der ältesten Kreuzgangshalle, wie die Spuren an der Rückwand beweisen.

Der nördliche Flügel, an dem die schöne neunseitige Brunnenkapelle heraustritt, hat ganz dieselbe Eintheilung wie der südliche und der westliche, nämlich acht fast quadratische Gewölbefelder, freilich mit vier, nicht mit sechs Kappen, und er muß fast gleichzeitig mit dem südlichen begonnen worden sein, denn an seiner innern Wand, welche zum Theil die Umfassungsmauer des Sommerrefektoriums ist, läuft eine spätromanische Pfeilerreihe hin. Es sind viereckige Pfeiler mit eigenthümlichen spätromanischen Blätterkapitellen, die Blätter von jenem etwas maurischen Schnitte; neben in den Winkeln der Pfeiler stehen Rundsäulchen mit dem gepreßten attischen Fuß und ähnlichem, einen Würfel tragenden Kapitell. Die Fensterwand stammt aus späterer Zeit, meist einfach kapitellirte Rundsäulen tragen an ihr die Birnstabrippen der Kreuzgewölbe, deren Schlußsteine aus Blätterkränzen ragende Masken zeigen. Ohne Zweifel aber deutet die dem Eingang ins Refektorium genau gegenüberliegende Brunnenkapelle bis zur Fensterhöhe auch auf spätromanische Zeit, was ihre runde Form und selbst ihre Dimensionen (s. u.) beweisen, und eben so alt ist die | darin stehende Brunnenschale. Die jetzige Gestalt dieses nördlichen Flügels samt Brunnenkapelle gehört aber schon dem vierzehnten Jahrhundert an, seine weiten viertheiligen Fenster haben an ihren mit Rundstäben besetzten Pfosten die Kapitelle abgeworfen und verzweigen sich in prächtigen Maßwerken. Und zu ganz außerordentlicher Zierlichkeit
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und Anmuth steigert sich dieser Stil in der in ihrem Aufbau neunseitigen Brunnenkapelle, die von schöner neunrippiger Sterngewölbekuppel übersprengt wird; auf ihrem großen Schlußstein ist ein Adler ausgemeißelt. Die sehr spitzen Fenster haben edles Maßwerk, der weite halbrunde vom Kreuzgang her führende Eingang nimmt zwei Seiten des Neuneckes ein und ist mit feinen Zacken gezahnt und der ganze Bau bildet eine gar luftige, das vollste Tageslicht in sich einströmen lassende Rundhalle. Die Gewölbe sind noch bemalt mit lebhaftem und fröhlichem, schon halb im Renaissancegeschmack sich haltendem Geranke mit Putten u. dgl. vom Jahre 1511, außen am Schlußstein umher steht: Anno domini MDXI foderunt in torrente, repererunt aquam vivam. Gen. XXVI. Aber ältere gothische Malerei, goldene Sterne auf blauem Grunde, schimmert hindurch. Aus romanischer Zeit stammt auch die kolossale aus Einem Sandstein geschaffte Brunnenschale. Ihre Weite (111/2′) beträgt die | Hälfte des Durchmessers der Kapelle (21′), und dieser die Hälfte der Breite des Sommerrefektoriums. Die auf diese Schale gehörige kleinere, samt dem auch spätromanischen, bleiernen rundbauartigen Aufsatze befindet sich jetzt auf dem nördlich vor dem Herrenhause stehenden Brunnen (s. u. S. 170). Außen zeigt die Kapelle feine, mit spitziger Stirn vorspringende Strebepfeiler; der nun auf ihr lastende hölzerne Aufbau wurde von dem berühmten Baumeister Schickard erbaut und dient jetzt zu einem Lehrsaal.

Am zusammengesetztesten und unordentlichsten erscheint der gleichzeitig mit dem Kapitelsaal und zwar auch kurz nach 1300 begonnene Ostflügel des Kreuzganges, der neun Gewölbejoche von verschiedener Größe hat; seine zwei südlichsten gehören noch, wie schon bemerkt, zu jenem prächtigen Bau im Übergangsstil, dann folgen zwei lange Gewölbejoche und dann vier auffallend schmale, die sich an das quadratische mit dem Nordflügel gemeinschaftliche anschließen. Die Fenster, meist viertheilig, haben regelrecht gebildete gothische Maßwerke auf Pfosten ohne Rundstäbe, am vierten Feld (von Norden gerechnet) führt die einzige Pforte in den Kreuzgarten, ein großes Kleeblatt belebt ihren schlanken Spitzbogen; die Strebepfeiler sind, wie alle übrigen, schlicht.

Die Rippen der Kreuzgewölbe ruhen auf starken Rundsäulen, die Kapitelle der an der inneren Wand stehenden sind alle mit Blattwerk umflochten, die an der Fensterwand haben Konsölchen, ähnlich denen im Kapitelsaal. Nahe der Nordostecke steht eine von acht Diensten umstellte, die Gewölberippen tragende Säule ganz frei vor einem Fenster. Aus den meist mit schönen Kränzen geschmückten Schlußsteinen ist der am Kapitelsaal hervorzuheben, auf dem der alterthümlich strenge, thronende Christus mit dem Evangelium-Buch und segnend erhobener Rechten ausgemeißelt ist. Die innere Wand dieses Flügels wird gar schön belebt: erstens greifen im südöstlichen Theil zwei Joche des reichen Übergangsbaues herein, und umschließen eine zierlich ausgezackte gothische Pforte, dann öffnet sich die Wand mit herrlichen Säulenfenstern und weitem Doppelportal in den prächtigen Kapitelsaal hinein, (S. Holzschn. nächste Seite), weiterhin wieder eine schöne Pforte, in der Nordostecke selbst jene malerische reichgeländerte steinerne Treppe und drei brillante Fensterrosen an den Mauern umher vertheilt. – Sämtliche Fenster des Kreuzganges, ausgenommen die gegen Osten schauenden, haben Fälze für Glasscheiben. Die zum Theil noch erhaltene Bemalung der Gewölbe rührt auch aus dem Anfang des 16. Jahrhunderts.

Über den Hallen des Kapitelsaals und des östlichen Kreuzgangflügels läuft ein zweites Geschoß hin, es zieht sich weiter über das gegen Norden weit vortretende Kellergebäude (95′ lang, 40′ breit) und bildete einst in einer Länge von 210′ die eigentliche Wohnung der | Mönche, das Dorment; nur die südlichste Zelle ist noch vorhanden (s. auch S. 157). Eben dieses Kellergebäude hat unten noch alte Gewölbe, im zweiten Stock noch altspitzbogige Fenster, namentlich auch an
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seinem gegen Norden schauenden sorgsam ausgeführten steinernen Giebel; diese Fenster zogen sich am ganzen Dormente hin, sind aber jetzt zum größten Theil geradgestürzten gewichen. Vom Dorment aus kann man auch in das zweite Geschoß des anstoßenden Querschiffarmes gelangen; es birgt die alte Schatzkammer, später durch Abt Burrus bei seiner zweiten Amtsführung (1519–21) zum Bibliotheksaal eingerichtet, mit hoher kunstreicher Decke, die aus zwei spitzbogigen, auf Pfeilern ruhenden Tonnengewölben besteht. Hier zeigt man noch die 1450 gemalte, 1616 erneuerte Stiftungstafel aus der ehemaligen Herrenstube, und ein sehr beschädigtes aber gutes Altargemälde vom Jahre 1432: die Kreuzigung Christi. Im Dachstuhl über dem Dormente war einst ein großer, vielleicht für Laienbrüder bestimmter Saal.

Wenden wir uns nun zu den um den Kreuzgang sich reihenden Räumen. An der Südseite liegt die Kirche, an der Westseite stößt an diese ein großer jetzt als Keller benützter Raum, innen 69′ lang, 36′ breit, von sechs romanischen Rippenkreuzgewölben überspannt, die Rippen von breiter rechteckiger Leibung, die Quergurten breit spitzbogig; früher vielleicht vermöge seiner Lage ein sehr wichtiger Raum, sein Haupteingang, ein romanisches Portal, liegt an der Westfront. Daneben gegen Norden hin, nur durch den tonnengewölbten Durchgang davon getrennt, dehnt sich weit hinaus gegen Norden das | Winterrefektorium, ursprünglich wohl das Laienrefektorium, der größte bedeckte Raum des Klosters, 125′ lang, 36′ breit, 18′ hoch, also 31/2 mal so lang als breit, während seine Breite, wie die des Kellers, die Hälfte von derjenigen der Kirche. In der Mitte wird es durch sieben Doppelsäulen getheilt, die auf ihren reizvollen Blätterkapitellen rippenlose Kreuzgewölbe tragen. Die beiden ursprünglichen Eingänge führten vom Klosterdurchgang her durch zwei jetzt vermauerte Pforten mit mächtigen geraden Oberschwellen. Der Raum ist in jeder Hinsicht großartig, die Fenster, überall gedoppelt, innen gradgestürzt, außen halbrund, haben in der Mitte über sich ein Rundfenster und werden samt diesem umfaßt von einem sehr spitzen, kaum aus der inneren Seite der Wand herausragenden Entlastungsbogen. Diese gingen früher weiter herab und ruhten auf breiten, jetzt von der Wand weggespitzten Konsolen. Die Gewölbe hatten wohl ursprünglich Rippen, wofür auch der in der Nordwestecke sich befindliche, von Sailen umflochtene spätromanische Tragstein spricht. In neuester Zeit wurde die Halle unter großen Schwierigkeiten, weil jetzt auf ihr das mehrstockige Oberamtsgerichtsgebäude ruht, tüchtig erneuert, doch vermißt man an den neuen Kapitellen der Säulen die ganz ausgezeichnete Durchführung der alten, erhaltenen und in den Fensternischen aufgestellten. Außen gliedert sich das Winterrefektorium in demselben Geiste und bildet gegen Westen mehr als die Hälfte der schon oben (S. 131) besprochenen Klosterfassade. Von bedeutender Wirkung sind hier die tief eingeschrägten Rundbogendoppelfenster mit dem Rundfenster darüber, sozusagen der erste Keim des Maßwerkfensters, das wir an dem um vielleicht 20 Jahre späteren Paradies auch noch in sehr massigen Formen, aber schon prachtvoll gebildet sehen. Rechteckig umfassende und von breiten Wulsten begleitete Lisenen ziehen sich um das Gebäude und gehen, wie auch schon oben bemerkt wurde, an der ganzen Westfront des Klosters hin, die mit der ebenso behandelten Fassade der Klosterkirche im innigsten Zusammenhange steht, aber freilich stark verstümmelt und verbaut ist. Die Nordwestecke des Winterrefektoriums verdeckt ein modernes Gebäude und rechts davon vor der Außenseite des nun als Keller benützten Raumes läuft jener aus rothen Keuperwerksteinen erbaute spätgothische Hallengang hin, man sieht aber doch an seiner Rückwand noch die romanischen Lisenen, Rundbogenportale und kleine sich tief einziehende Rundbogen- und Rundfenster; ja unter dem Wulste der vierten Lisene, von der Kirche an gezählt, steht sogar eine der ältesten Inschriften, die wir besitzen, und welche die Erbauung des Gebäudes angibt. ANNO . AB . INCARNACIONE . DNI . MCCI.

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Jener spätgothische Hallengang, eine Art Fortsetzung des Paradieses, wurde im 15. Jahrhundert mit schlichten Rippenkreuzgewölben, den romanischen nachgeahmten Pfeilerarkadenfenstern, und starken, in | hohe blumige Spitzsäulen ausgehenden Strebepfeilern errichtet; der ans Paradies anstoßende Theil ist einstockig, weiter gegen Süden wird er zweistockig und von einem hohen, mit großer Kreuzblume bekrönten Giebel geschmückt. Sein zweites Geschoß dient jetzt als Holzstall, hier aber sieht man an der Rückwand noch einen Theil des zweiten Stockwerks der alten romanischen Klosterfassade. Man sieht noch das alte, kraftvolle Dachgesimse, bestehend aus hoher, oben mit starkem Rundstab besetzter Hohlkehle, dann vier schlanke Rundbogenfenster, sowie dazwischen ein großes, schwer umwulstetes, rundbogiges Portal, in dessen ebenes Umrahmungsglied viele Sternrosettchen und auch Fratzenköpfe eingemeißelt sind. Nach dem unten umhergehenden Gurtgesimse zu schließen, befand sich vor dem Portal ein hölzerner Altan (Austritt); auf diese Weise läßt sich auch allein ein großes Rundbogenportal im zweiten Stockwerk der Fassade erklären. Darunter, in dem spätgothischen Hallengang, erblickt man auch den eigentlichen Klostereingang, nämlich das Portal des an der Nordwand des Sommerrefektoriums hinziehenden tonnengewölbten Durchgangs. Es ist rundbogig, eingetreppt, mit Wulst, Karnies und Rundstab belebt und zeigt auf dem äußeren glatten Umrahmungsglied auf jedem Bogenstein eine Lilie, auf dem innern ein W. Ganz dieselbe Form hat die in den Westarm des Kreuzganges mündende Pforte dieses Durchgangs, auch ganz dieselben sorgsam ausgeführten Steinmetzzeichen und wurde gewiß von der gleichen Hand gemacht. Das W kommt auch sonst an der Westfront des Klosters häufig vor. Der Durchgang samt seinen Portalen hat große Ähnlichkeit mit dem im Kloster Bebenhausen (gegr. 1188).

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Am Nordflügel des Kreuzganges, der Brunnenkapelle gegenüber, liegt kühl gegen Mitternacht der Sommerspeisesaal, das Sommerrefektorium, verketzert „Rebenthal“ genannt, eine stolze rechteckige Halle, 95′ lang, 42′ breit, 36′ hoch, der Länge nach durch sieben Säulen, drei starke und vier schlankere, in zwei Schiffe getheilt, die übersprengt werden von starken sechskappigen Rippenkreuzgewölben und zwar gehen die großen, im Halbkreis geführten Kreuzrippen von den drei starken Säulen aus. Über den Kapitellen der einzelnen Säulen strecken sich noch kanellirte Halbsäulen hinan und tragen hoch in das Gewölbe hinaufgehende halbrunde Bögen von demselben Querschnitt. Alle Säulen haben einen Schaftring und eigenthümlich platte, tiefgekehlte Füsse, die bei den stärkeren Säulen auf viereckigen, einst mit Eckblättern geschmückten, an den schwächeren auf achteckigen Sockeln ruhen. Ihre Kapitelle, mit reichen achtseitigen Deckplatten, sind schlank und meist von umgebogenen Blättern umhüllt, deren Ränder fein diamantirt sind, an den schwächeren Säulen greifen die Blätter weit und kühn, in stolzem Schwunge hinaus, an den Enden sich aufrollend; einige dieser Kapitelle sind | unübertreffliche Muster von Schönheit. Den Säulen entsprechen an den Wänden wieder kurze, auf Konsolen ruhende Säulenbündel, ganz wie die im Kreuzgang gebildet. Die sehr lebhaft, mit starken Rundstäben profilirten Gewölberippen sind dazu noch mit Reihen prächtig wirkender Diamanten besetzt, und erinnern, wie überhaupt der ganze
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Raum, an die Formen des südlichen Kreuzgangsflügels. Die acht Schlußsteine zeigen wieder kraftvoll schöne Blätterkränze. Hohe, schlanke Rundbogenfenster von trefflichen Verhältniß durchbrechen, vollstes Licht spendend, die drei freien Seiten des Saals, über ihnen sprengen sich spitzbogige Entlastungsbögen als kräftige Wulste vortretend. An der Westseite steht ein Treppenthürmchen, an der Ostseite ein rechteckiger Ausbau, auch mit Resten einer Wendeltreppe, die auf einen gegen den Saal herausgehenden steinernen Austritt führte: von hier herab geschah die tägliche lectio mensae. Die steinernen Träger des Austritts sind jetzt abgeschlagen, an dem Thürchen darunter sieht man wieder die Halbmonde angebracht. Spuren von der im Anfang des 16. Jahrhunderts fast in allen Räumen des Klosters vorgenommenen Ausmalung sind noch deutlich sichtbar; vor wenigen Jahren wurde der früher verwahrloste Raum wieder hergestellt und ausgegraben, denn die Sockel der Säulen stacken tief im | Schutte. Die hohen Fenster sind jetzt wohlthuender Weise mit Scheiben, worin gelbe Halbmonde, erfüllt, aber freilich es fehlt noch viel zu der ursprünglichen Pracht, da die Fenster wie kostbare Teppiche in feurigen und doch wieder gedämpften Farben erglühten, Kapitelle und Gliederungen vergoldet, Wände und Decken mit Fresken bemalt waren; und ein Blick hinaus zum offenen Westportal fiel draußen im zartgewölbten luftigen Quellhaus auf die silbernen Wasser, die von Schale zu Schale fröhlich herabrauschten, dahinter der sonnige Klostergarten, umschlossen von den grauen Mauern des Kreuzganges und der Kirche.

Das Äußere des Sommerrefektoriums stellt sich als eine schlichte gediegene Masse dar, schön sind daran die hohen Rundbogenfenster, je zu zwei zwischen den einfachen Strebepfeilern; und namentlich die von vier solchen Fenstern durchbrochene Giebelseite (Nordseite), welche an beiden Ecken durch die in Einer Flucht mit ihr hinaustretenden Strebepfeiler verbreitert wird; beide Giebel tragen Steinkreuze und das steinerne Dachgesimse ruht auch hier auf Halbmondkonsolen. Die zwei an der Ostseite im jetzigen sog. Kalefaktorium hervortretenden Strebepfeiler, sowie ein jetzt halbvermauertes Fenster beweisen, daß das Gebäude gegen Osten einst ganz frei stund. Vom Kreuzgang herein geht ein großes, von zwei Säulen besetztes rundbogiges Portal, dessen halbrundes Bogenfeld (ähnlich wie am Paradiese) von einer großen Blätterrosette geschmückt ist.

Zwischen beiden Refektorien befand sich die alte Küche, wo der Sage nach auch Doktor Faust gehaust habe; das Volk beruft sich dabei auf einen in der Nähe der Nordwestecke des Kreuzganges eingemeißelten romanischen Drachen. Östlich am Sommerrefektorium liegen einige gewölbte Räume, der eine von zweifelhafter Bestimmung, der andere wohl die Feuerstätte für die darüberliegende, durch Röhren mit ihr verbundene, auch gewölbte Rauchkammer, das sogenannte Kalefaktorium. Daneben, an der Nordostecke des Kreuzganges, liegt malerisch die schon genannte gothische Treppe, schön überwölbt und mit zierlichem Steingeländer versehen. Sie führt durch eine Pforte, die im Bogenfelde den Gekreuzigten ausgemeißelt hat, und dann in zwei auch von Rippenkreuzgewölben übersprengten Armen hinauf nach dem vom nördlichen Querschiff der Kirche in einer Länge von 210′ sich ausdehnenden, schon oben genannten Dorment, und vorher noch in untere Räume, links in die Rauchkammer, rechts in eine rippengewölbte, von Rundsäulen gestützte Halle des Ostflügels, wahrscheinlich die Bibliothek; Bilder von weisen Männern an der Wand, darunter das des Empedokles, deuten darauf hin. Dann sieht man hier neben dichtem grünem Laubwerksgeschlinge eine große Freske, Christus predigend unter Bischöfen und Pilgern. An diesen Raum stößt, einst mit ihm zusammenhängend, die sog. Geißelkammer. | Ein Freskobild, Christus mit Ruthe und Rohrstab, ist noch sichtbar; die hier hinabführende Treppe heißt die Höllenstiege.

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Hat man so viele Räume schon durchschritten, so glaubt man die Möglichkeit neuer schöner Bauformen erschöpft, aber wieder ganz andere und außerordentlich schöne treten auf an dem vom östlichen Flügel des Kreuzganges aus sich öffnenden Kapitelsaale; hier ist die Frühgothik in ihrer anmuthigsten Art: hohe Schlankheit der Verhältnisse, sehr feine Durchführung und Ausbildung der Gliederungen und Ornamente, dabei noch Alles körperhaft gediegen, nicht dünn und trocken, an Holzarbeit mahnend; dies beweisen schon das vom Kreuzgang hereinführende Doppelportal und die großen Fenster daneben: schlanke Rundsäulen tragen auf ihren Kapitellchen das strenge und geistvolle Maßwerk. Der auch gegen Osten durch schöne Maßwerkfenster erhellte Raum ist innen 27′ breit und war einst noch einmal so lang, ehe an seiner Südseite ein schmaler Streifen abgetrennt wurde. Seine äußere Breite ist gleich der des Querschiffes. Drei schlanke, die Mitte des Saals entlang stehende Säulen breiten von sich prächtige Sterngewölbe, deren Schlußsteine mit den vier Evangelistensymbolen und herrlichen feinen, tief ausgezackten Blätterkränzen geschmückt sind. Die Rippen senken sich an den Wänden auf Blätterkonsolen von großer Schönheit; weniger zu loben sind die Kapitelle der Freisäulen, die ein Kranz von Konsölchen umgibt. Dieselben Kapitelle sind an der Fensterwand des hier anstoßenden Kreuzgangsflügels, während die Kapitelle der Säulen der inneren Wand zu den schönsten gehören; an ihrem Blattwerk, gleichwie an dem der Konsolen im Kapitelsaale sind natürliche Blätter in reizendster Weise verwendet, namentlich Blätter von der Eiche, dem Ahorn, der Platane, dem Bärenklau, dem Epheu, der Rose u. s. w. Um das Kapitell der Säule des Doppelportales sitzen Vögel. Die gegen Osten hinausgehenden, jetzt mit farbigen Scheiben erfüllten Spitzbogenfenster haben ihre schönen Maßwerke aus lauter Drei- und Vierblättern (ohne Umfassungskreise) zusammengesetzt, und an der Südostecke baut sich die so zierliche halbachteckige, außen mit zarten Strebepfeilerchen besetzte Johanniskapelle vor, die unter sich eine halbverschüttete Krypta birgt; vielleicht war es auch nur ein Gruftgewölbe zur Ausstellung der Leichen gestorbener Klosterbrüder. Jedenfalls stammt aber dieser halb unterirdische Theil aus der Zeit der Erbauung des Sommerrefektoriums, denn einige breite, reich diamantirte Gewölberippen spätromanischen Stils überspannen den niedrigen, von ganz kleinen Rundbogenfensterchen erhellten Gruftraum, der sich gegen den Kapitelsaal mit einem weiten, auch diamantirten Stichbogen öffnet. Die Kapelle selbst wird von fünf schönen Spitzbogenfenstern durchbrochen und ihr feines Sterngewölbe strahlt wieder in reichem Blätterschlußsteine zusammen. Wozu der östlich zwischen Kapitelsaal | und dem Querschiff der Kirche sich hinziehende schmale Gang diente, ist unbekannt, gegen Süden hat er ein trefflich gefülltes frühgothisches Fenster und gegen den Kreuzgang jene sehr schöne mit Lilienzacken besetzte Pforte. Im Norden läuft dagegen ein 13′ breiter Verbindungsgang hin, ganz im edlen Stile des Kapitelsaales gehalten und von zwei auf Säulen ruhenden Rippenkreuzgewölben bedeckt. Seine westliche Pforte hat im Bogenfelde zierliches Maßwerk, seine östliche ein erhaben gearbeitetes Agnus Dei, und diese führt in das schief (gegen Nordost) hinziehende Parlatorium, eine 88′ lange, 20′ breite und ebenso hohe Verbindungshalle zwischen dem Kloster und dem Herrenhause. Hier allein im Sprechsaale, dessen reiche Fischblasenfenster gegen den Garten hinausgehen, durften die Mönche untereinander und mit Fremden sprechen, er wurde im Jahre 1490 u. f. errichtet in höchst wohlthuenden Verhältnissen und mit einem viel- und scharfrippigen, tonnenartigen Netzgewölbe, das noch lebhaft bemalt ist; an der Ostwand sieht man eine große und großartig aufgefaßte, leider halbvergangene gothische Freske: Maria mit dem Kinde, rechts ein Bischof. In der Südwestecke steht ein steinernes Wendeltreppenthürmchen mit der Inschrifttafel:

Divae virgini Mariae ac posteritati bene merenti Johannes Burrus de Brethen Abbas per F(ratrem) Conrad Conversum de Schmye hoc opus erigens a fundamentis consummavit.

Anno Domini MCCCCLXXXXIII.
L(aus) O(ptimo) D(eo).

Darunter steht: Restaurirt Anno Domini 1862.

Die schön gearbeitete Treppe führt hinauf in das Oratorium. Dieses liegt gerade über dem Sprechsaal, ist aus derselben Zeit und von derselben Größe; sein reiches und kräftiges, von Konsolen getragenes Sterngewölbe hat schöne Schlußsteine, worauf die ausdrucksvollen Brustbilder der vier großen Kirchenväter Augustin, Ambrosius, Hieronymus und Gregor, und des h. Bernhard von Clairveaux, dann Maria mit dem Kinde, schöne Blattkränze und ein Engel mit Wappenschild, worauf ein Abtstab und I O B. Die Gewölbe wurden in unserer Zeit wieder bunt bemalt und vergoldet, die hohen Maßwerkfenster mit verzierten Glasscheiben versehen. Am Äußern des zweistockigen Gebäudes steigen (nunmehr auch erneuerte) Strebepfeiler mit gedoppelten Spitzsäulen hoch empor.

Das Herrenhaus, im Äußern 104′ lang und halb so breit, ursprünglich mit Herrengemach, Fürsten-Tafelstube und Herrenbad für Besuche des Schirmherrn eingerichtet, später weltlichen Beamtungen zugewiesen, wurde nach Abbruch der westlich anstoßenden Prälatur die Wohnung des evangelischen Prälaten und Vorstandes der Klosterschule, und wird jetzt von dem Ephorus und einem der Professoren des Seminars bewohnt. Das Gebäude stammt in | seinen untern Mauern noch aus dem zwölften Jahrhundert, wieder einer von den Beweisen, daß das Kloster gleich zum Beginn in ganz umfassender Weise angelegt wurde; am besten erhielt sich der an der Südseite hinziehende Gang, der sich gegen Süden, gegen den Garten hin noch mit zwei romanischen Arkadenfenstern öffnet und an seiner Rückwand romanische Thüren und Fenster zeigt. Die eigentlichen Umfassungsmauern haben Fensterchen aus ziemlich frühgothischer Zeit. Im Erdgeschoß aber ist ein großer, unter Abt Entenfuß erbauter Saal, dessen aus starkem Eichengebälk gezimmerte flache Decke auf sehr schönen Steinsäulen vom spätesten gothischen Geschmacke ruht. Sie haben Würfelknäufe, reich umflochten von gothischem Stab- und Blumenwerk, das sich auch an den Säulenschäften in wechselndem Spiel herabzieht. Die Nordseite des ausgedehnten Gebäudes schmückt ein sehr zierlicher halbachteckiger steinerner Erker; der Schlußstein seines Gewölbes trägt, gleichwie eine jener Säulen, einen den Abtstab haltenden Entenfuß, das Wappenzeichen des Abtes Entenfuß, der im Jahr 1517 in der vom Parlatorium mit dem Herrenhaus gebildeten einspringenden Ecke auch die schöne, 1868 erneuerte Wendeltreppe mit hohler Spindel erbauen ließ; die Inschrift daran lautete:

Anno domini MCCCCCXVII sub venerabili Domino Domino Johanne Entenfus Abbate arte et ingenio fratris Augustini hoc opus erigitur.

Westlich stieß in geradliniger Fortsetzung an das Herrenhaus die alte Prälatur, wahrscheinlich die von Abt Heinrich II. (1384–1402) errichtete domus abbatialis, abgebrochen im Jahre 1751 und bis dahin Wohnung der Äbte oder Prälaten. An der noch theilweise stehenden nördlichen Mauer ist eine Stabwerks-Pforte mit der Jahreszahl 1497.

Hinter dem Herrenhaus und den Ostarmen der Kirche dehnt sich ein großer schöner Garten hin, der frühere Herrenkirchhof. Hier liegt beim Herrenhaus der in unserer Zeit reich mit gothischem Steinwerk umfaßte Scheerbrunnen, an dem früher die Tonsur der Mönche vollzogen wurde, und am Südostende des Gartens steht halbversteckt von den vollen Kronen hoher Laubbäume der malerische, bis hinauf von Epheu übergrünte Faustthurm. Auch hier habe Doktor Faust sein Wesen getrieben, wie in der Klosterküche, die sein Laboratorium gewesen sei, und wie in jenem düsteren kreuzgewölbten Gemach zwischen Dorment und Kirche, wo ihn der Teufel geholt haben soll.

Noch sind zu erwähnen die vielen Grabplatten, die den Boden verschiedener Räume bedecken, freilich z. Th. stark oder fast ganz abgetreten sind, vor hundert Jahren aber abgezeichnet und in einem Band in der Ephoratsregistratur niedergelegt wurden. Es sind die | Monumenta Monasterii Mulifontani, primum collecta et delineata labore Eberh. Frid. Jenisch. Al. Mulifont. Anno 1769. Dank dieser fleißigen Arbeit ist es möglich, die stark abgetretenen zu ergänzen, oder auch die Umschrift mancher jetzt leider entfernter Grabplatten anzuführen.

Auf dem Boden des Paradieses sind noch zu erkennen:

Eine Grabplatte ohne Umschrift mit einem Wappenschild, worauf zwei Seiher (?) sich kreuzen, dazwischen eine fünfblättrige Rose.

Eine mit dem Neipperg’schen Wappenschild; drei Ringe.

Eine mit dem Sturmfederschen; zwei von einander abgekehrte Streitbeile.

Eine mit dem Wappenschild derer v. Remchingen; zwei gekreuzte Lilienstäbe.

Eine Platte mit folgender Inschrift und dem reichverzierten helfensteinschen Wappenschild:

Anno domini MCCCCCXXXII uf den VII. Tag Januarij ist gestorben der wolgeborn h. her rudolff grav zu helffenstein. Des sel ruwe in friden. Diese und die folgenden in gothischer Minuskelschrift.

Vor dem Hauptportal liegen zwei große Platten, auf einer steht: Her Günther bischof zu speier und grav zu lyningen stiffter dis gotshus lit in der sanct heren chor begraben. des sele ruve in dem friden. Dabei sein Wappen.

Auf der andern Platte steht: Her walther frye von lamersheim ein mitstifter dis gotshus lyt in der bruder chor begraben. des sele ruve in dem friden. Dabei der Lomersheimer Wappenschild.

Ferner eine Grabplatte: Anno domini MCCCCLXII in der niderlag der heren zu seckenheim starb der jung her Jörg von der Wüttenmüln. des sele ruve in dem friden. Dabei sein Wappenschild (mit Mühlstein).

Dann eine Grabplatte mit der Umschrift: Als man zalt 1570 jar uf den 3. tag junii starb der edel und vest Balthassar von Essendorf. Der letzte seines Stammens. Dem Gott gnedig sey.

Dann nicht mehr lesbar die Grabplatte eines Hans Georg von Baldersheim, Kommendator zu Winenden, † 14. Nov. 1574.

Außer diesen sind vollständig abgetretene Platten vorhanden, von denen uns Jenisch die Wappen aufbewahrt hat, und die zu den ältesten gehören. Es sind Wappenschilder ohne Umschriften, von Dürrmenz, Freudenstein, Göler, Vaihingen, Sickingen, Lomersheim, Wappen, die uns schon an den Wänden des Oberschiffes der Kirche begegneten.

Die merkwürdigste Reihe von Grabplatten befindet sich im Kreuzgange, im südlichen und im östlichen Flügel; wir beginnen mit denen im südlichen.

Eine schmale Sandsteinplatte mit einem Kreuz mit Lilienenden | und einem Wappenschild, worin zwei gegen einander gekehrte Fische; die Umschrift in gothischen Majuskeln lautet: Anno domini MCCCLVIII. idibus januarii octave epiphanie obiit iohannes vocatus hormich piscator civis spirensis. requiescat in pace.

Eine sehr schmale Platte mit einem Wappenschild, worauf eine schöne große heraldische Lilie, darunter steht im Quadrat umher in altgothischen Majuskeln:

Clauditur hoc tumulo conradus cum ludovico.

Eine Platte mit einem Wappenschild, worauf der Riß einer Burg dargestellt ist, und der Umschrift in gothischen Majuskeln:

Anno domini MCCCLXXIX III idus ianuarii obiit rudolfus de offenburg. civis spirensis. amicus huius coenobii. requiescat in pace.

Eine Platte mit der Aufschrift in gothischen Minuskeln: Anna Zum Lamme. anno domini MCCCCXXXVIII V calend. Marcii obiit in spira.

Eine Grabplatte mit dem Schauenburgischen Wappenschild (darauf ein großes Andreaskreuz über einem kleinerem Schilde, der von geschuppten Wolken umgeben ist), um die Platte steht in gothischen Minuskeln: Anno domini MCCCCLXII obiit junckher jörg von schauenburg. bernharts von schauenburg sone. uff sant dionisius tag.

Eine Platte mit Abtstab und der Umschrift in gothischen Minuskeln: Anno domini MVCXXV pridie nonas februarias obijt venerabilis dominus ioannes entenfus de ewesheim. quandoque hujus monasterii abbas. cujus anima requiescat in pace.

Eine ganz ähnliche mit der Umschrift: Anno domini MDVI. XV kalendas julii obiit venerabilis praesul ac dominus iohannes riescher de laudenburg, in mulbronne quandoque denuo abbas. cujus anima requiescat in pace.

Eine Grabplatte mit dem Sickingenschen Wappenschild, der fünf runde Scheiben enthält, und der Umschrift in gothischen Minuskeln: Anno domini MCCCCXXXI pridie kalendas augusti obiit jungher Leonhard von Sickingen. her swickers son. voit zu brethein.

Eine Platte mit demselben Wappenschild, nur schief gestellt, und der Umschrift: Als man zalt von crist geburt 1478 jare uff den fierden tag des monats augusti ist gestorben der vest junkher swicker von sickingen. faut zu brethein. des sele ruge in dem fried. amen.

Eine Grabplatte mit folgender Umschrift in altgothischen Majuskeln: Anno domini M.....VI cal. sept. obiit dominus cunrad de bernhusen. spirensis canonicus. qui mortis poenas exsolvens hic sepelitur. (er lebte vor 1277, s. Zeuss, traditiones Wizenb. S. 306).

Eine sehr alte und sehr schmale Grabplatte ohne Schrift, oben mit dem Magenheimschen (zwei senkrecht von einander abgekehrte | Halbmonde) unten mit dem Neuffenschen Wappen (drei wagrechte Hifthörner).

Eine Platte mit (nach der Breite des Steins gelegtem) Abtstab und der Umschrift in gothischen Minuskeln: Anno domini MCCCCXCII obiit dominus stephanus otinger, cujus anima requiescat in pace.

Eine Platte, worauf eine große, in Kreuzesarmen blühende Lilienpflanze mit der Umschrift in gothischen Minuskeln: Anno domini MCCCCXXIX obiit Elin virgo de Spira. fautrix hujus Monasterii.

Ganz dieselbe mit der Umschrift: Anno domini MCCCCXXVII obiit Elsabeht virgo de Spira. fautrix hujus Monasterii.

Eine alte Platte mit fünfblättriger Rose (Roßwag).

Eine Platte mit dem untern Theil eines Leuchters und der Umschrift in gothischen Minuskeln: Anno domini MCCCCXIIII II nonas decembris obiit venerabilis et egregius frater johannes Mulberg. sacerdos in basilea. professor ordinis fratrum predicatorum. cujus anima requiescat in pace.

Eine Platte mit dem Roßwagschen Wappenschild und der Umschrift in gothischen Minuskeln: Otto de rosswag hic requiescit.

Eine Platte mit der Darstellung eines Priesters und Arztes, der in der Rechten einen Kelch, in der linken ein Buch hält, unten ein Wappenschild mit einem Hirschkopf. Die Umschrift lautet in gothischen Minuskeln: Anno domini MCCCCVIII nonis januarii obiit venerabilis magister burkard de waltorf sacerdos et phisicus. hujus cenobii fidelis amicus. cujus anima requiescat in pace sempiterna. amen.

Eine Platte, worauf ein Arm, der einen Abtstab hält; die Umschrift in doppelter Reihe in gothischen Majuskeln lautet: Anno domini MCCCLXXXVI XV cal. jan. obiit dominus albertus de ruxingen venerabilis abbas hujus cenobii.

Eine Platte mit dem Stocksbergischen Wappenschild.

Eine schmale Platte mit dem Wappenschild derer von Dürmenz.

Eine Platte mit Abtstab und der Umschrift in zwei Reihen in gothischen Minuskeln:

Bis septingentis domini septem quater annis,
Abbas albertus ex outensham venerandus,
Cum bene bis denis rexisset sex simul annis,
Junius hunc ternis dedit intumulare calendis.
Gaudeat ante deum qui praestitit hic jubeleum.
Gaudeat ante deum Amen.

Eine Platte, mit Abtstab und einer Umschrift in leoninischen Hexametern in gothischen Minuskeln, vom Abbas Bertholdus, .. natus de Rosswag villa († 1462).

Eine Platte mit einem Wappenschild, worauf zwei Lilien sich | kreuzen, und der Inschrift in gothischen Minuskeln: Conradus de Remchingen.

Eine Platte mit gothischer Majuskelschrift, die sowohl rings herum als auch in wagrechter Reihe den halben Stein bedeckt; darunter ist ein Kreis eingeritzt, worin zwei Stäbe mit Blumenenden sich kreuzen. Die Inschrift lautet: Anno Domini MCCCLX V cal. februarii obiit Pela Gutae Domina . in Domino requiescat. Amen. Anno MCCCLX II cal. februarii obiit Pela, filia ejus, et Anno Domini MCCCLI X cal. augusti obiit Guta, filia praedictae Gutae, et Anno MCCCLXXXVII XV cal. april. obiit Irmela, soror Pelae et Gutae immediate praescriptae. Requiescant in pace. Amen.

Eine Platte, worauf ein Arm einen reichverzierten Abtstab hält, die Umschrift in gothischen Minuskeln lautet: Anno domini MDXXI XI calend. decembris obiit reverendus in cristo pater ac dominus dominus Joannes Burrus de Brethein, precipuus religionis amator et cultor, abbas hujus monasterij bene meritus, cujus anima requiescat in pace.

Eine Platte mit einem Wappenschild mit rechts durchschnittenem Feld, das Wappen von Bromburg.

Eine Platte mit unleserlicher Majuskelschrift in mehreren Reihen, und der Jahreszahl 1313.

Eine Platte mit der Umschrift in gothischen Minuskeln: Anno domini MCCCCXIX III cls. octobris obiit venerabilis magister Petrus de Prega, eximius doctor in medicinis studii padauviensis, hs. cenobii fidelis amicus, cujus anima requiescat in sancta pace.

Eine Platte mit Abtstab und der Umschrift in gothischen Minuskeln:

Mille quadringentis domini decies tribus annis
Abbas Gerungus o (obiit) vicena luce novembris,
De Wilperg natus, regnet sine fine beatus.

Eine Platte mit Abtstab und der Umschrift in gothischen Minuskeln:

Aethere sit dignus hic pausans carne Boyngnus
Abbas in euterne qui spiram basiliense
De synodo rediens deficiebat ibi.

Eine Grabplatte mit langer Inschrift in Hexametern. Pater Heinricus de Gernstein † 1442, ist nicht mehr vorhanden.

Eine verstümmelte in Minuskelschrift:

De Bretthem genitus saxo qui premor ab isto
Abbatis quondam munere functus eram.
Me cedere fecit podagre noxia lues,

|

Nec amplius lustro patitur esse patrem.
Vos, qui transitis, requiem Nicolao precantes
Dicite sistentes : o super astra vivas!
     Obiit XII Calendas Maji MCCCCLXXV.

Eine ähnliche, auch verstümmelte, mit der Inschrift:

Inclytus orator, abbas quandoque Johannes
Olim magnanimus nunc jacet exanimus.
Qui de Geilhausen oriundus, Basiliensis
Concilii missus, cepit amore Dei
Unius ad fidei cultum revocare Bohemos,
Cui lux aeterna luceat in patria. Amen.
Cui lux aeternaObiit 1443.

Dann sind noch vorhanden drei neuere Grabplatten mit großer lateinischer Schrift:

Anno domini MDCXLIII V Idus Januar. obiit F. Mattias Amman Sancte Gallensis, Helvetius, Conversus Lucellensis et Cellerarius Maulbrunensis. Requiescat in pace. Amen.

Anno Domini MDCXXXV. 24 Octobris obiit venerabilis P. F. Joannes Berod, Lucellensis Professus, post restitutionem hujus monasterii Prior, cujus anima vivat Deo.

Anno Domini MDCXXXV. IVto 8bris obiit venerabilis P. F. Rudolfus Stulmiller, Lucellensis Professus et post hujus monasterii restitutionem Cellararius. Requiescat in pace.

Die Grabplatten im anstoßenden Kapitelsaale sind i. J. 1849 leider entfernt worden, es befanden sich hier die ältesten und merkwürdigsten; nur noch ein rauhgeschaffter sandsteinerner Sarkophag ohne Deckel ist zu sehen.

Hier ruhten die Äbte Konrad III. von Thalheim, († 1353), Heinrich II. von Renningen († 1402), Johann IV. von Winsheim († 1467), Albrecht V. († 1475), Heinrich von Nördlingen († 1557).

Ein Abt der Restaurationszeit Christoph Schaller aus Sennheim im Elsaß († 1642).

Dann ein Abt Eggehard vom Kloster Neuburg († 1273), ein Canonicus von Speier Helfric de Dalheim († 1291), ein Priester und Rechtskundiger von Speier, Anshelmus de Hergesheim († MCCC...), eine Schwester Mergarthis († 1276), ihre Grabplatte hatte die Inschrift:

Hujus amica domus ipsa fidelis erat.
Conferat aeternae Deus illi gaudia vitae.
Conferat aeternaeAmen.

Eine Frau Ella Swrenin von Speier († 1345); eine Schwester Jutida.

| Endlich noch zwei Grabschriften, beide in gothischen Majuskeln:

Petra conditur hac Ulrich cognomine Melsag
Terris sublatus Christo sit consociatus.

Die andere lautet:

O bonitas Christi, succurre, precor, michi tristi
Ottoni sceleratorie peccata luenti,
Cancellam regni moderans virtute potenti,
Qui vermis nunc atque cinis vocor ista legenti.
Unde pater venie veniam de te sicienti,
Me saciens, te pane fruens, in luce frequenti.

Von den vielen Grabplatten und Grabmälern im südlichen Seitenschiff und namentlich in den Kapellen der Kirche, die alle aus jüngerer Zeit stammen, nennen wir nur die von einigem Kunstwerth. Die ganze Reihe der Prälaten liegt in der Kirche begraben.

In der zweiten Kapelle das zierliche Renaissance-Grabmal des Abtes Johann Melchior Nicolai † 1675 (derselbe hat auch eine Grabplatte im Mittelschiff), und das des Abtes Johannes Zeller, † 1694. Auf dem Boden liegen die Grabplatten der Frau des Verwalters Mathias Bliderheuser, † 1576, und seiner Tochter, † 1581.

In der dritten Kapelle das Grabmal des Abtes Joh. Valentin Harpprecht († 1761) und des Abtes Adam Lederer († 1774). Auf dem Boden eine hübsche Platte mit großem, gut gearbeitetem Wappen mit der Inschrift: Anno 1605 den 20 januarij starb allhie die ehrn und tugentsam Maria Chastin Christof Binders Abts zu adelberg wittib. ihres alters 82 jahr. Der Gott gnädig sei.

Dann die Grabplatte des Joh. Albr. Neuffer, Bruder des Klosterverwalters, † 21 Jahre alt. 1588.

In der vierten Kapelle:

Das Grabmal des Abtes Josef Christof Weinland, † 1788, und des Abtes J. Chr. Mieg, † 1807. Auf dem Boden die Grabplatten des Prälaten Jacob Schroppius, † 1594, und seiner Frau, † 1583.

In der fünften Kapelle:

Die Grabmäler der Äbte Hochstetter († 1748) und Schlotterbeck († 1669).

Im Herrenkirchhof an der Nordostecke des linken Querschiffes liegen einige halbzerschlagene, halbleserliche, verwendete Grabplatten. Anno domini MCCCLXXIV pridie ... Maii obiit Dominus Bertoldus (von Nordingen) und der mit schönem Kreuz gezierte des Abtes Swiggherus de Hemertin. Beide in Majuskelschrift.

Ferner befindet sich an dem Strebepfeiler der Nordostecke eine Grabschrift und daneben ein Abtstab:

|

Anno milleno ter C cum septuageno
Septimo, cum celebris crucis est inventio cunctis,
Heu pater emoritur venerandus et hic sepelitur
Abbas antiquus, domus hujus fidus amicus,
De Rotwil genitus. Deus hinc devote precandus
Sedulo per fratres. Pauset cum pace Johannes.

(S. auch, besonders über die Inschriften, K. Klunzinger, Artistische Beschreibung der vormaligen Cisterzienser-Abtei Maulbronn. 4. Aufl. 1861.)

Steinmetzzeichen kommen überall an Kirche und Kloster häufig vor und gehen vom 12.–16. Jahrhundert. In den letzten Jahrzehnten wurde Kirche und Kloster im Auftrag des Staats von den Architekten Schöll, Kapf und Berner in sehr tüchtiger Weise restaurirt.

Was die übrigen zu dem ehemaligen Kloster gehörigen Gebäude betrifft, so beginnen wir mit der Beschreibung derselben am Klosterthor und wollen sie von hier aus der Reihe nach verfolgen. Ehe wir zu dem Klosterthor gelangen, steht rechts an der Straße, diesseits des Klostergrabens das frühere Försterhaus, an welchem die Jahrszahl 1469 angebracht ist; zu Klosters Zeiten soll hier der Kloster-Schuhmacher gewohnt haben. Ohne Zweifel war es ursprünglich die Wohnung des Thorwarts, da gerade an dem Haus das äußere Klosterthor stand, welches die Jahrszahl 1472 trug. Durch dieses Thor gelangte man zu der über den Klostergraben angelegten Zugbrücke, die jetzt in eine steinerne Brücke umgewandelt ist und zu dem zweiten eigentlichen Klosterthor (s. o.) führt. Über demselben scheint ein kräftiger Thorthurm gestanden zu sein, der später sichtlich erniedrigt und mit einem Walmdach gedeckt wurde; aber immer noch gewährt er mit seinem rundbogigen Durchgang, über dem ein Rundbogenfries hinläuft und seinen aus Buckelquadern errichteten Mauern einen imposanten Anblick und bekundet die romanische Periode als Zeit seiner Erbauung. An dem Thorthurm sieht man noch die Fälze, in welche die aufgezogene Fallbrücke eingriff und das Thor schloß, auch sind noch die Öffnungen vorhanden, in denen die Ketten zum Aufziehen der Brücke liefen. Überdies scheint noch ein Fallrechen zunächst hinter dem Eingang angebracht gewesen zu sein, der zur weiteren Verwahrung des Thors herabgelassen werden konnte. Im Durchgang selbst sind auf beiden Seiten rundbogige Nischen angebracht und über dem inneren in den Klosterhof hinausführenden Spitzbogen sieht man noch Reste von Freskomalereien, sprechende Zeugen der früheren Prachtliebe, die sogar an dem Durchgang in den Klosterhof Malereien anbrachte; wie reich mögen die übrigen Gebäude und Gelasse geschmückt gewesen sein!

Durch den Thorthurm in den Klosterhof eingetreten, sah man |
Kloster Maulbronn.
[WS 1]
| rechts (südlich) an der Klostermauer die 1813 abgebrochene Kapelle zur heil. Dreieinigkeit, von der noch die unteren Theile von zwei eingeschrägten Fenstern und schwache Spuren ehemaliger Wandmalereien sichtbar sind. Sie war schon 1328[2] im Gebrauch; eine spätere, an ihr angebrachte Inschrift lautete: Anno Domini 1480 sub Domino Johanne Riescher de Laudenburg; ohne Zweifel wurde sie unter diesem Abt renovirt.

Links (nördlich) beim Eintritt in den Klosterhof steht die Apotheke, welche 1767 in einem Theil der ehemaligen Klosterwagnerei, von der man 60′ in der Länge benützte, eingerichtet wurde; sie enthält in ihrer massiven Giebelseite noch drei, aus der Übergangsperiode stammende schlanke Spitzbogenfenster.

An die Apotheke grenzt gegen Osten ein kleiner Anbau, der nach den an ihm befindlichen zugemauerten Pfeilerarkaden und den Steinmetzzeichen der romanischen Bauzeit angehört und dessen ursprüngliche Bestimmung aber nicht mehr enträthselt werden kann. An diesen Anbau, gleichsam mit demselben verbunden, stößt das ehemalige Meßpriesterhaus, jetzt Wohnung des Kameralamtsdieners, ein reizendes romanisches Gebäude, das noch an der östlichen Giebelseite und an der nördlichen Langseite romanische Rundbogenfenster enthält, während ähnliche an der südlichen Langseite in geradlinige Fenster verändert wurden.

An der Nordseite des Gebäudes erhebt sich in Form eines niedlichen romanischen Thürmchens ein Kamin mit schlanken rundbogigen fensterähnlichen Öffnungen, die unter dem steinernen Spitzhelm herumziehen und dem Rauch den Ausgang gestatten. Das Kamin beginnt im unteren Stockwerk des Hauses mit einem schön gearbeiteten romanischen Kaminschos, an dem auch das Wappen der Herren von Magenheim angebracht ist. Das Gebäude steht im Staatseigenthum.

Wir setzen unseren Weg im Innern des Klosterhofes, und zwar an der Westseite desselben fort, wo wir im Rücken der Apotheke noch den Rest der ehemaligen Klosterwagnerei treffen, unter der sich der sog. Eilfinger Keller befindet. Das ganz massive uralte Gebäude zeigt noch auf der dem Klosterhof zugekehrten Seite den ehemaligen, jetzt zugemauerten romanischen Rundbogeneingang. Eigenthum des Staats.

An die Wagnerei stößt die ehemalige Klosterschmiede, ein dreistockiges Holzgebäude mit steinernem Unterstock, an dem sich ein spitzbogiges Pförtchen erhalten hat.

Nach der Schmiede folgen in gleicher Flucht zwei alte aus Buckelquadern erbaute Ökonomiegebäude; von dem der Schmiede | zunächst stehenden, welches Eigenthum des Staats ist, gehen unter beinahe rechten Winkeln gegen den Klosterhof hinein der ehemalige Marstall, jetzt Rathhaus, und der ehemalige Haberkasten.

Das Rathhaus, ein langes, massives, zweistockiges Gebäude mit schönen Renaissancegiebeln enthält im unteren Stockwerk die Gelasse für den Gemeinderath und Magazine, im oberen die Wohnung des Oberamtspflegers. Über einem Fenster des zweiten Stockwerks steht: H. P. M. Verwallter. Das Gebäude ist Eigenthum der Gemeinde und wurde 1839 für seine gegenwärtige Bestimmung eingerichtet; früher war es auch eine Zeitlang die Amtsschreiberei.

Der sog. Haberkasten, ein langes zweistockiges Gebäude mit steinernem Unterstock, zeigt an der östlichen Giebelseite einen schönen Holzbau mit verziertem Balkenwerk.

An das zweite, oben genannte Ökonomiegebäude stößt nun unter einem rechten Winkel der sog. Melkerstall, auch Eichelboden genannt, und bildet die nordwestliche Ecke des Klosterhofs; es ist ein dreistockiges massives, in seinen unteren Theilen aus Buckelquadern errichtetes Gebäude mit spitzbogigem Eingang.

An die Ostseite des Melkerstalls grenzt die großartige, ganz aus Buckelquadern erbaute Klostermühle; ein herrliches Gebäude mit 4′ 5″ dicken Mauern und schönen Giebelblumen auf den spitzen Giebeln; die Mühle hat einen spitzbogigen Eingang und einen jetzt zugemauerten romanischen, der wie auch die an den Mauersteinen häufig vorkommenden Steinmetzzeichen das hohe Alter des Gebäudes nachweist.

Zwischen der Mühle und dem ehemaligen Haberstall steht frei die ehemalige Pfisterei, aus starkem Eichenbalkenwerk mit steinernem Unterstock errichtet. An der gegen die Mühle gekehrten Seite befinden sich über den Thüren der ehemaligen Eselsställe zwei Wappenschilde; der eine enthält zwischen den Buchstaben J. B. einen Abtsstab und auf einem Spruchbande steht: Anno domini 1520, der andere zeigt einen Eselskopf. Über der hölzernen Thüre im zweiten Stockwerk der westlichen Giebelseite ist in den Sturzbalken ein Spruchband mit der Inschrift: Pax huic domui. Anno 1521 schön eingeschnitten. Eigenthum des Staats.

Beinahe in der Mitte des Klosterhofes steht frei auf der Stelle des alten Verwaltungsgebäudes das dreistockige, an den Giebelseiten vierstockige, 1742 erbaute Kameralamt, welches im unteren Geschoß die Kameralamts-Kanzlei, im mittleren die Wohnung des Kameral-Verwalters und im oberen die Wohnung des Revierförsters enthält. Eigenthum des Staats.

Hinter dem Kameralamtsgebäude befindet sich das ehemalige Gesindehaus, jetzt im Besitz des Kaufmanns Straub, mit der Inschrift: „1550 Hans Remer von Schmir (Schmie)“; das Innere des Hauses | enthält eine achteckige Säule, an deren Kapitell eine Rosette und ein bärtiger Kopf angebracht sind. Zunächst dabei steht die ehemalige Speißmeisterei, jetzt in Privathänden.

Wir gelangen nun zu den eigentlichen Klostergebäuden (s. hier. oben) und haben hier nur noch zu bemerken, daß die oberen Räume des Klosters zu Wohnungen für Professoren, Repetenten, Seminaristen und für Hörsäle, Bibliothek etc. eingerichtet sind. Über dem ehemaligen Laienrefectorium an der nordwestlichen Ecke des Klosters wurde im Jahr 1831 das Oberamtsgericht mit der Wohnung des Oberamtsrichters hergestellt. Zunächst dabei steht ein neueres Gebäude, welches von dem Kloster gegen Westen hinausragt und in seinem untern Stockwerk den Speisesaal für die Seminaristen, im oberen die Wohnung eines Professors enthält; an seiner Treppe ist ein spätgothisches Steingeländer, entnommen einer Wendeltreppe, die vom Laienrefektorium hinauf zum Winterspeisesaal führte und 1515 gebaut wurde.

Hinter (nordöstlich) dem Kloster steht frei, dem Herrenhaus gegenüber, das ehemalige 1588 erbaute herzogliche Schloß, jetzt Oberamtei und Wohnung des Oberamtmanns, ein zweistockiges, auf den Giebelseiten vierstockiges, im einfachen Renaissancestil gehaltenes Gebäude, das an den beiden Ecken der Vorderseite von runden Thürmchen, deren spitze Dächer über das Hausdach hinausreichen, flankirt wird; überdies ist in der Mitte des Gebäudes, an der Vorderseite ein schlanker, thürmchenähnlicher Aufbau mit Renaissancebedachung angebracht. Über dem wohlverzierten Eingang steht die Inschrift: Mandato illustriss. princip. D. Ludovici ducis a Wirtemberg erecta est haec domus sub abbate Jacobo Schroppfio Vaihingensi anno 1588. Oben an der östlichen Giebelwand: Hans Marx Neifer Verwalter alhie anno 1588. Die gleiche Jahreszahl steht auch an der nordöstlichen Ecke und über der Thüre in das Arbeitszimmer des Oberamtmanns. Das Gebäude ist Eigenthum des Staats. Eine Mauer des ehemaligen Klosterzwingers, jetzt Oberamteigartens, enthält das gut gearbeitete herzogl. Württemb. Wappen mit der Jahrszahl 1562.

Von hier hinüber an die östliche Klostermauer treffen wir das ehemalige Pfründhaus, als nosodocheum, in welchem arme Kranke wohl auch praebendarii (Pfründner) Aufnahme und Pflege fanden, 1430 von Abt Johann II. erbaut. Das großartige, dreistockige, übrigens sehr vernachläßigte Gebäude zeigt einen sehr reichen Holzbau mit vorstoßenden Stockwerken und steinernem Unterstock; es enthält neben Privatwohnungen im Erdgeschoß noch eine Badeinrichtung. Innerhalb des Gebäudes führt eine schön gehaltene gothische Thüre in den Keller. Das Gebäude ist jetzt in Privathänden und wird von mehreren Familien bewohnt.

| Das Schulhaus, früher die Behausung des Hof- und Weingartmeisters, worauf auch die an der nordwestlichen Ecke angebrachte Traube hinweist, steht zunächst der Kirche an der südlichen Klostermauer und enthält außer den zwei Lehrzimmern noch die Wohnung des Schulmeisters und des Lehrgehilfen. Eigenthum der Gemeinde.

Zunächst (westlich) an dem Schulhause erhebt sich, ebenfalls an der südlichen Klostermauer, der Fruchtkasten mit Kelter und einem sehr ausgedehnten Keller, ganz aus Stein erbaut mit uraltem Unterbau, der noch schmale, gedoppelte, meist zugemauerte Spitzbogenfensterchen aus der Übergangsperiode enthält. An der Südwand steht über einem der geradgestürzten oberen Fenster: Mathias Bliderheiser Verwalter 1580; die gleiche Jahrszahl kommt noch zweimal an dem Gebäude vor und verräth die Zeit, in welcher dieser großartige, aus dem Anfang des 13. Jahrhunderts stammende Bau eine bedeutende Veränderung erlitten hat. Über einem später an der Nordwand eingebrochenen Eingang steht 1786. Das Gebäude ist Eigenthum des Staats.

Westlich von dem Fruchtkasten gelangen wir endlich an das ursprüngliche Abtsgebäude (nach anderen die ehemalige Küfermeisterei) jetzt Privatwohnung; das hübsche Gebäude wurde an der Nordseite modernisirt, während sich die östliche Giebelseite mit ihrem spitzbogigen Eingang und ihren spitzbogigen Fenstern noch ziemlich unverdorben erhalten hat; auch die westliche Giebelwand enthält noch zwei Spitzbogenfenster. Von diesem Gebäude kann man noch auf den Umgang der südlichen Klostermauer, an die es hingebaut ist, gelangen.

Außer den angeführten Gebäuden sind innerhalb der Klostermauer noch einige Privatwohnungen und kleinere Nebengebäude.[3]

Der ganze Gebäudecomplex nebst sehr ausgedehntem Klosterhof und einigen Gartenanlagen ist von einer starken Mauer, die einen sog. Umlauf hatte, und einem tiefen, ausgemauerten Graben, an dessen Außenseite eine zweite (jetzt abgebrochene) Mauer lief, umfangen; der Graben konnte mittelst Schwellung der Salzach ganz unter Wasser gesetzt werden. An der inneren Klostermauer standen zur weiteren Befestigung Thürme, von denen sich außer dem schon angeführten Thorthurm noch folgende erhalten haben: 1) Der südöstliche Eckthurm der Klostermauer, welcher 1604 in einen Lustthurm verwandelt wurde und gewöhnlich der Faustthurm genannt wird, weil auch hier nach der Volkssage Dr. Faust sein Wesen getrieben haben soll; ursprünglich war er ein viereckiger Vertheidigungsthurm, zu dem man auf dem Umgang der Klostermauer gelangen konnte. Laut Inschrift | wurde ihm im Jahr 1604 ein rundes Treppenthürmchen angebaut und ein hölzerner, jetzt leider sehr in Abgang gekommener Aufbau mit geschweiftem Bohlendach aufgesetzt. Was die Menschen hier vernachläßigen, ersetzt in reichem Maße die herrliche Vegetation, die zunächst des Thurms und theilweise an ihm hinaufrankend sich so malerisch ausbreitet. Eigenthum des Staats.

2) An der nordwestlichen Ecke der Klostermauer steht der viereckige, ganz aus Buckelquadern erbaute Hexenthurm, auch Haspelthurm genannt; er ist mit dem auf ihm sitzenden vierseitigen Zeltdach etwa 100′ hoch und hat im unteren Stockwerk 12′ dicke Mauern, die sich gegen oben zu einer Dicke von 8′ verjüngen. Etwa 50′ über der Erdfläche befindet sich ein rundbogiger Austritt und über demselben im 4. Stockwerk läuft ein Rundbogenfries hin. Von dem Umlauf auf der Klostermauer gelangte man zu dem Eingang in den Thurm. An der nordwestlichen Ecke des Thurms ist 15′ über der Erdfläche folgende Inschrift scharf eingehauen: Anno Domini 1441 opus hoc cum domo contigua patratum est sub Domino Johanne de Wormatia. hujus Monasterii Abbate.

3) Der viereckige nicht hohe Mühlethurm bei der Klostermühle.

Endlich ist noch eines kleinen Thürmchens (Halbrondel) zu erwähnen, das sich im Oberamteigarten befindet und ohne Zweifel zur Vertheidigung des dort in den Klostergraben führenden Thors diente.

Abgegangen ist zu Anfang dieses Jahrhunderts der an der Südostseite der äußeren Klostermauer gestandene Eselsthurm, ein Thorthurm, über dessen Durchgang ein Maulesel in halberhabener Arbeit angebracht war, daher sein Name.

Außer dieser starken Befestigung um das Kloster bestand noch eine Mauer, die außerhalb derselben angelegt war und einen namhaften Theil der nächsten Umgebung des Klosters einschloß; sie lief oberhalb der Klosterweinberge hin, weiter über den Damm am tiefen See bis zu dem sog. Judenthurm, der Anfangs der zwanziger Jahre abgebrochen wurde, von da hinunter gegen die Landstraße nach Illingen, wo sie an dem Hause des Sattlermeisters Hübsch noch sichtbar ist, weiter über die Landstraße, wo der Eselsthurm stand, bis zu der sog. Schießmauer, dann oberhalb den Kapellengärten hin bis zum Klosterthor; hier schloß sie sich den inneren Befestigungen des Klosters an und diese beim Hexenthurm wieder verlassend, lief sie wieder die Klosterweinberge hinauf. Die Figur dieser äußersten Umfriedigung nähert sich einem Quadrat.

Das vollständige Klosterwappen ist: Ein Zwerchbalken mit rothen und silbernen Rauten durchschneidet den quartierten Schild nach links. Im 1. Quartier ist ein Brunnen auf Gold, im 2. und 3. ein schwarzes Feld, das 4. Quartier hat im 1. und 3. Viertel einen silbernen Fisch auf Gold, im 2. und 3. eine goldene Krone mit | goldenem Kreuz auf blauem Feld. (Chorographie von Württemberg, 2. Theil 1591, von David Wolleber. Manusc. der öffentl. Bibliothek in Stuttgart).

Durch den Ort führt die früher sehr frequente Stuttgart-Frankfurter Landstraße, überdies bestehen Vicinalstraßen nach Zaisersweiher, von der eine weitere nach Freudenstein ablenkt, ferner nach Knittlingen (ehemalige Landstraße) und nach Ötisheim; von der letztern zweigen ab die Vicinalstraße nach Ölbronn und eine kurze Straße zu der 3/4 Stunden südwestlich von Maulbronn gelegenen Eisenbahnstation an der Stuttgart-Bruchsaler Linie; hiedurch ist dem Ort sein Verkehr nach allen Richtungen hinlänglich gesichert. Die sehr abgeschieden im Wald gelegene Eisenbahnstation besteht aus einem hübschen, einfachen Bahnhofgebäude und der nahe gelegenen Restauration.

Gutes Trinkwasser, das in eisernen Deucheln hergeleitet wird, liefern in Fülle 10 laufende und 2 Pumpbrunnen, als besonders gut wird das Wasser des Scheerbrunnens, des Oberamteibrunnens und des im Walde entspringenden Studenten- oder Kapuzinerbrünnleins bezeichnet. Der Oberamteibrunnen, welcher ursprünglich der obere Theil des Brunnens in der Brunnenkapelle im Kreuzgang war, und ungeschickter Weise an seine gegenwärtige Stelle versetzt wurde, besteht aus einer runden, aus Einem Stein gefertigten großen Schale, die auf einem Postament aus neuerer Zeit ruht; aus ihr erhebt sich eine runde Säule, die eine zweite Schale von Bronze trägt und aus dieser erhebt sich ein bleierner, thürmchenartiger Aufsatz mit gothischen Fensterchen und einem Kegeldach. Von dem Thürmchen fließt aus 6 Öffnungen das krystallhelle Wasser in die obere bronzene Schale, welche es aus acht Löwenköpfen in die untere steinerne Schale und diese endlich mittelst einer starken Röhre in einen neben stehenden großen steinernen Brunnentrog abgiebt. Um die Bronzeschale steht: „Lieber Heir und eweiger God, wir loben Dich, und danken Dir umb alles des Gudes, das Du uns armen Meinsen (Menschen) dusth und noch dun solt. Amen.“ Zwischen den einzelnen Wörtern sind abwechselnd in Relief gegossene früher bemalte Abtsstäbe, Löwen und Wappenschilde, sog. Wecken enthaltend, angebracht, woraus erhellt, daß diese Schale zur Zeit der pfälzischen Schirmvogtei (1358–1504) gefertigt wurde.

Der vierröhrige Brunnen beim Kameralamt hat eine Renaissancesäule mit der Jahreszahl 1707.

Auch die Markung ist sehr reich an Quellen, unter denen die sog. Milchhäuslesquelle als die bedeutendste angegeben wird. Überdies entspringt die Salzach etwa 1/8 Stunde nordöstlich vom Ort; sie wird zunächst ihres Anfangs zu dem oberhalb des Orts gelegenen tiefen See geschwellt, dessen Abfluß mit einer Schleuße versehen ist, welche die Inschrift: Sub Domino Johanne Burrus de Brethem | Abbate. Anno Domini MDI. trägt. Der Abfluß des tiefen Sees, die Salzach, fließt theils durch den Klostergraben, theils wird sie in unterirdischen Kanälen durch das Kloster, wo sie die Klostermühle treibt, geleitet und kann mittelst angelegter Schleußen in die ihr angewiesenen Rinnen geleitet werden.

Außer dem 8 Morgen großen tiefen See liegen noch auf der Markung der 36 Morgen große Roßweiher, der 7–8 Morgen große Hohenacker See, welcher 1/8 Stunde südöstlich vom Ort im Wald Milchhäusle liegt, und der 52 Morgen große Aalküsten-See bei der Aalküsten-Mühle; auch besteht ein kleiner Weiher im Oberamteigarten.

Überdies hatten die fischliebenden Mönche noch mehrere Weiher angelegt, die trocken gelegt und zu Wiesen- oder Gartenland umgewandelt wurden, wie der erst 1865 trocken gelegte Eilfinger See beim Eilfinger Hof, der Abtsee und der Hechtsee im Salzachthal westlich von Maulbronn und endlich der Binsensee, welcher östlich vom Ort lag.

Die Erwerbsquellen der Einwohner bestehen in Feldbau, Weinbau, Viehzucht und Gewerben; von den letzteren sind zu nennen: 2 Kaufleute, 1 Krämer, 4 Schildwirthschaften, 2 Bierbrauereien, eine Mühle mit 3 Mahlgängen und einem Gerbgang innerhalb, und eine Sägmühle mit Ölmühle und Hanfreibe außerhalb des Orts; überdies sind die nöthigsten Handwerker vorhanden, von denen Schneider und Schuhmacher auch nach außen arbeiten. Von Bedeutung sind die nahe beim Ort angelegten 6 Keuperwerksteinbrüche, aus denen vortreffliche Platten, Bau- und Werksteine gewonnen und weithin, namentlich auch in das Badische abgesetzt werden, was den Ortseinwohnern theils Gelegenheit zum Verdienst, theils eine namhafte Einnahme sichert. Die Vermögensumstände der Einwohner gehören zu den mittelmäßigen; der vermöglichste Bürger besitzt 78 Morgen, der sog. Mittelmann 20 Morgen und die ärmere Klasse 2–4 Morgen Grundeigenthum. Nur 3 Personen erhalten gegenwärtig Unterstützung von Seiten der Gemeinde.

Auch auf den angrenzenden Markungen Knittlingen, Ölbronn und Zaisersweiher haben einige Ortsbürger sich Grundstücke angekauft.

Die ziemlich große, jedoch über 2/3 mit Wald bestockte Markung hat mit Ausnahme der Thalgehänge eine ebene Lage und einen mittelfruchtbaren Boden, der theils aus einem sandigen Lehm, theils aus den schweren thonigen Zersetzungen des unteren Keupermergels besteht; in der Thalebene unterhalb Maulbronn ist der Boden theilweise moorgründig.

Das Klima ist sehr mild, jedoch die Luft etwas feucht, was theils von den nahe gelegenen Seen und ehemaligen Seegründen, theils von dem Umstand herrührt, daß das Thal nur gegen Westen geöffnet und den von dieser Richtung herkommenden feuchten Winden zugänglich ist. Schädliche Frühlingsfröste kommen auch hier zuweilen vor, dagegen ist Hagelschlag selten.

| Die Landwirthschaft wird gut, jedoch nicht so ausgedehnt, wie in anderen Orten getrieben. Der Brabanter und der Suppinger Pflug ist allgemein eingeführt und weitere verbesserte Ackergeräthe, wie die eiserne Egge, die Walze und die Repssäemaschine sind bei den größeren Güterbesitzern im Gebrauch.

Zum Anbau kommen die gewöhnlichen Cerealien und von diesen vorzugsweise Dinkel, ferner Kartoffeln, Futterkräuter, Kraut, Angersen, Zuckerrüben, Hanf und Reps; letzterer namentlich in großer Ausdehnung auf dem Eilfinger Hof. Von den Felderzeugnissen können mit Ausnahme der größeren Hofgüter nur etwa 200 Scheffel Haber und etwas Reps nach außen verkauft werden; dagegen wird ziemlich viel Mehl eingeführt.

Der Wiesenbau ist im Verhältniß der Gesamtmorgenzahl des angebauten Landes ausgedehnt und liefert mit Ausnahme einiger saurer Wiesen ein gutes Futter, von dem sehr viel, namentlich in das Badische, abgesetzt wird. Neben dem Gemüsebau für den eigenen Bedarf sind mehrere hübsche Gartenanlagen vorhanden, unter denen der Ephoratsgarten die erste Stelle einnimmt.

Der Weinbau spielt eine hervorragende Rolle und liefert in den besten Lagen (Eilfinger Berg) einen Wein, der zu den vorzüglichsten des Landes gezählt wird; man pflanzt unter Anwendung des Bogenschnitts hauptsächlich Drollinger, Rißlinge, Portugieser und weiße Burgunder, diese hauptsächlich in dem Eilfinger Berg, in den übrigen Weinhalden auch noch Elblinge, Sylvaner etc. und erzielt einen feurigen, lagerhaften Wein, der in den letzten 10 Jahren seinen höchsten Preis, im Jahr 1865 mit 150 fl. (Eilfinger) pr. Eimer erreichte, der geringste Preis war 1867 mit 40 fl. der Eimer. Auf den Morgen kommen 3200 Stöcke zu stehen. Bischof Günther von Speyer verschaffte dem Kloster Maulbronn ums Jahr 1153 den Eilfinger Hof; dahin setzten die Mönche alsbald mehrere Laienbrüder, welche sofort den Eilfinger Weinberg mit tüchtigem Terrassenbau anlegten. Nach der Sage soll der hier erzeugte Wein den Mönchen so gut gemundet haben, daß sie bei der ersten Probe ausriefen: „Nach diesem Wein soll man nicht blos 10, sondern 11 Finger lecken“, daher der Namen Eilfinger Weinberg. Abgesehen von dieser mährchenhaften Sage war der Eilfinger Wein seit vielen Jahrhunderten ein Labetrunk nicht nur der Mönche, Äbte und Prälaten des Klosters, sondern auch eine Zierde der fürstlichen Tafeln, wie denn Herzog Ulrich von Württemberg den 20. Februar 1542 einige seiner Räthe an den König Ferdinand nach Hagenau mit einem Wagen Eilfinger Wein abordnete, um diesen zu bewegen, daß er den mit Klosterschätzen entwichenen Abt Johann IX. veranlassen möchte, mit den Schätzen wieder zurückzukehren. Der König ließ sich den Wein gut schmecken und versprach seinen Mundschenken bald nach Stuttgart zu | senden, um dort noch mehr Eilfinger auszuwählen; der Abt aber kehrte nicht zurück. Ein Dichter des Mittelalters besang die guten Weine Württembergs und stellte den Eilfinger oben an. Nikodemus Frischlin sagt 1575 in einem Gedicht aus Veranlassung der Vermählung des Herzogs Ludwig von Württemberg:

„Sodann der starke Eilfinger,
So müd Bein macht, die Zunge schwer.“

Mit dem Kloster Maulbronn kam auch der Eilfingerberg an Württemberg, wurde später der Staatsdomäne einverleibt und blieb in deren Selbstadministration bis zum Jahr 1822; in diesem Jahr wurde er im Aufstreich verkauft und kam in die Hände des Tabakfabrikanten Rapp in Mühlacker, des Kaufmanns Anderwerth in Canstatt, des Bäckermeisters Weiß in Stuttgart und des Amtsschreibers Gmelin in Maulbronn um 8300 fl. Gegenwärtig ist der Eilfinger Berg im gemeinschaftlichen Besitz des Oberamtspflegers Seeger in Maulbronn, des Kunstmüllers Kettner in Berg, der Julius Maiers Erben in Stuttgart und des Tabackfabrikanten Rapp in Mühlacker. Das 434/8 Morgen, 27 Ruthen große zusammenhängende Gut wird daher auch auf gemeinschaftliche Kosten unter Aufsicht eines Weingartmeisters, der in dem sog. Berghaus wohnt, gebaut. Der Wein, sowohl vom Eilfinger Berg, als auch von den übrigen Weinbergen, wird meist im Lande, theilweise auch nach Baden abgesetzt.

In gutem Zustande und immer noch im Zunehmen begriffen ist die Obstzucht, welche sich vorzugsweise mit guten Mostsorten und Zwetschgen beschäftigt und in ganz günstigen Jahren noch einen kleinen Absatz nach außen erlaubt.

Gemeindewaldungen sind keine vorhanden, dagegen etwa 20 Morgen Weide, die nebst der Brach- und Stoppelweide 424 fl. abwerfen, während die Pferchnutzung 220–250 fl. der Gemeindekasse jährlich einträgt; überdies besitzt die Gemeinde neben einzelnen Grundstücken ein zusammenhängendes Hofgut von etwa 145 Morgen (ein Theil des ehemaligen Klosterguts), das sie an die Ortsbürger, je 1 Morgen Acker und 1/2 Morgen Wiesen, verpachtet, was ihr eine jährliche Rente von 1200 fl. sichert.

Die Pferdezucht ist nicht von Bedeutung und die Rindviehzucht wird in mäßiger Ausdehnung getrieben; man hält verschiedene Racen (Neckarschlag, Holländer und Allgäuer Race), die zwei aufgestellten Zuchtstiere sind von Neckarschlag und Simmenthaler Kreuzung. Der Handel mit Vieh ist nicht bedeutend.

Auf der Markung läßt ein Ortsschäfer den Sommer über 150 bis 200, den Winter über 250–300 Stück Bastardschafe laufen. Die Wolle wird meist nach Frankreich abgesetzt.

Von Belang ist die in den Seen betriebene Fischerei, die sich mit Karpfen, Hechten und Schleien beschäftigt und die Fische hauptsächlich | ins Badische absetzt. Das Fischrecht hat in dem Roßweiher und im tiefen See der Staat, der es verpachtet, in dem Aalküstensee der Eigenthümer der Aalküstenmühle.

Der Ort hat das Recht, in den Monaten Mai und September je einen Krämer- und Viehmarkt abzuhalten.

An besonderen Stiftungen sind vorhanden: Die von Probst Lang mit 50 fl. und die von Gerichtsnotar Gmelin Wittwe mit 1000 fl.; die jährlichen Zinse werden nach dem Willen der Stifter zu Kostgeldern, Kleidungsstücken und Lebensmitteln für Ortsarme verwendet.

Was nun die Spuren aus grauer Vorzeit betrifft, so haben wir hier, außer den schon beschriebenen, noch anzuführen, daß eine Römerstraße, unter den Benennungen „alte Straße, rothe Straße, Kaiserstraße“ von Lienzingen herkommend, etwa 1/4 Stunde östlich von Maulbronn an der Markungsgrenze zwischen letzterem Ort und Zaisersweiher hinzog, sich bei der Zaisersweiher-Knittlinger Vicinalstraße theilte und einerseits nach Knittlingen, andererseits gegen Diefenbach führte. Die ursprüngliche Pflasterung der Straße ist an vielen Stellen noch deutlich sichtbar.

Auch ein römischer Altar, auf dem Merkur, Pallas, Vesta und Diana dargestellt sind, wurde bei Maulbronn aufgefunden und befindet sich im K. Antiquarium zu Stuttgart (s. hier den Abschnitt „Alterthümer“). Der Aufenthalt der Römer zunächst Maulbronn ist hiedurch hinreichend erwiesen.

Zunächst (südlich) am Ort soll auf den Kapellengärten eine Kapelle gestanden sein und nördlich von der Sägmühle stand eine Ziegelhütte.

Von dem sog. Landgraben haben sich noch deutliche Spuren erhalten im Walde nördlich von dem Salzacker und bei dem 1/8 Stunde südöstlich von Maulbronn gelegenen „Schänzle“. Eine viereckige Schanze, die zu gleicher Zeit mit dem Landgraben aufgeführt wurde und zu dem damals angelegten Fortificationssystem gehörte, befindet sich auf der 1/4 Stunde nördlich vom Eilfinger Hof gelegenen Reichshalde.

Geschichte des Klosters[4] und des Orts Maulbronn.
Walther von Lomersheim, ein tapferer Kriegsmann aus altem freiem Geschlecht, wurde der Gründer des ersten Cisterzienserklosters im jetzigen Württemberg. Angeregt ohne Zweifel durch die Predigt | des h. Bernhard, beschloß er, Gott zu dienen, bat den Abt Ulrich zu Neuburg bei Hagenau, einer Stiftung von Barbarossas Vater, Friedrich dem Einäugigen, angelegentlich um Überlassung von Mönchen und erhielt mit Mühe deren zwölf und einige Laienbrüder unter Führung des Abtes Diether, die er auf seinem Gut Eckenweiler bei Mühlacker unterbrachte. Wann dies geschah, ist nicht genau bekannt, jedenfalls bis 1143, da der in diesem Jahr verstorbene Pabst Innozenz II. den Mönchen Zehntfreiheit gab. Die späteren Cisterzienser nahmen den 24. März 1138 als den Tag des Einzugs an. Der Ort sagte ihnen aber nicht zu, er erschien wohl zu offen, auch fehlte es an Wasser, daher Walther sich an den neugewählten Bischof Günther von Speier, einen Grafen von Henneberg, wandte, selbst einen Augenschein zu nehmen. Dieser überzeugte sich vom Grunde der Klagen und verlegte daher die Ansiedlung an den Ort im Salzachthal, der nun den Namen Mulenbrunnen[5] erhielt, zwischen 23. August 1146 (Todestag seines Vorgängers Siegfried) und Frühjahr 1147, wo zum erstenmal eine Stiftung, die des Kirchensatzes zu Löchgau, für die Kirche zu Maulbronn vorkommt (vorausgesetzt, daß der Stifter, Beringer von Löchgau, der sich eben zu dem Kreuzzug dieses Jahres rüstete, demselben sich gleich bei seinem Beginne anschloß). Dieser Ort lag im Pfarrsprengel von Knittlingen und war damals, wohl in Folge von kriegerischer Verwüstung, mit dichtem Wald bedeckt, welcher Straßenräubern – die alte Römer-, dann Kaiserstraße von Canstatt nach Bruchsal führte nahe vorüber – zum Schlupfwinkel diente. Die Speirer Kirche besaß dort 7 Huben, welche Günther von Wernhard von Thane und einigen andern Lehensleuten zurücklöste. Walthers Schwester Ida schenkte ebendort 31/2, Bertha von Grüningen mit ihren Söhnen Walther, Conrad und Ruger 2, Wernher von Roßwag, ein treuer Helfer mit Rath und That, eine Hube. Dazu erwarb Günther durch Tausch vom Kloster Hirschau noch eine Hube und später (1157) sein ganzes Besitzrecht (21/2 Huben hatte dieses um 1100 von Walther von Horrheim geschenkt erhalten. Cod. Hirs. 32 a.) Von diesen Ländereien war ein Drittel der Pfarrei Knittlingen zehntpflichtig, ein anderes dem Wernher von Roßwag, eines zur Hälfte dem Conrad von Lomersheim, zur Hälfte der Bertha von Grüningen und ihren Söhnen. Zwei Drittel trug Berchtold von Bretten, der Bruder Altmanns, Pfarrers in Knittlingen, zu Lehen. Günther brachte es dahin, daß | der ganze Zehnte gegen eine jährliche Abgabe von 10 Schillingen dem Kloster überlassen wurde. Nun wurde auch sogleich der Bau des Klosters auf dem früher Hirschau’schen Platze begonnen, dessen Vollendung aber Günther († 16. August 1161) nicht mehr erlebte; denn erst 14. Mai 1178 weihte Erzbischof Arnold von Trier die Kirche ein. Daß jedoch das Kloster 1157 schon bewohnbar war, erhellt aus der in diesem Jahr vom Pfalzgrafen Conrad dort ausgestellten Urkunde wegen Eilfingens. So lange aber der Bischof lebte, widmete er dem Kloster die eifrigste Fürsorge. Er erwarb ihm den Besitz von Eilfingen (s. daselbst), gestattete allen Geistlichen und Laien seines Sprengels, darein zu treten und es zu beschenken, und verlieh ihm Zehntfreiheit, was Papst Eugen III. in seiner Schutzbulle für das Kloster 29. März 1148 bestätigte. Beim Kaiser Friedrich I., dem Sohne des Gründers von Neuburg, dem Neffen Otto’s von Freising, der selber Abt im Cisterzienserkloster Morimund gewesen war, wirkte er ihm den Reichsschutz, Bestätigung seiner Zehntfreiheit und seines schon beträchtlichen Güterbesitzes aus, 8. Jan. 1156, Speier. Auch beschenkte er es reichlich (26. August 1152 gab er ihm einen Hof in Diefenbach, vor 8. Januar 1156 Weinberge zu Hagenbach in der Pfalz, 1158 eine Hube zu Honscheit im Bisthum Straßburg, 1. Jan. 1159 sechs Bauhöfe bei St. Leon, Lußheim, Ketsch, Otterstadt, Marrenheim und Dudenhofen nebst 1200 Schafen, 1159 eine Hofstatt in Speier, um dieselbe Zeit ein Gut zu Frechstadt und eins zu Schröckh, auch in nicht bekanntem Jahr ein solches zu Germersheim) und sorgte durch kluge Verordnungen und Einrichtungen für einen sicheren Ertrag der Güter, indem er namentlich Schafzucht und eisenbeschlagene Pflüge, sowie Weinbau, z. B. auf dem schon 1152 dem Kloster gehörigen Hof Füllmenbach, einführte.

Darum wurde Günther auch als der Hauptstifter des Klosters geehrt und gleich Walther von Lomersheim in der Kirche begraben. Sein Beispiel munterte auch andere, so den oben genannten Beringer von Löchgau, den Grafen Ludwig von Wirtemberg (s. Eilfingen), zur Freigebigkeit gegen das Kloster auf, welches dadurch bald zu bedeutendem Wohlstand kam.

Bei Günthers Tod besaß es außer dem schon Angeführten noch einen Hof in Knittlingen (1156), später auch die Kirche, einen Hof in Lienzingen (1156) und einen in Löchgau von den Geschwistern Beringers (1156), Güter in Weißach von Graf Egeno von Vaihingen (1157), ferner am Ende des Jahrhunderts den Hof Steinbach (1178 von der größeren Kirche zu Speier, wozu 1179 von Gelphrad von Horrheim ein Gut, 1183 von Speier der Zehnte kam), weitere Güter zu Weingarten (bei Karlsruhe) und zu Schröckh | (1181 von Diemar von Lomersheim), Güter zu Iptingen, Wurmberg, Wiernsheim und Henkelberg (1194 von Ulrich von Iptingen).

Zeugniß von seinem Gedeihen gibt neben dem großartigen Kirchenbau auch der Umstand, daß schon 1151 und wieder 1157 das Kloster Bronnbach und im letzteren Jahr das Kloster Schönthal von Maulbronn aus bepflanzt werden konnte. Bronnbach blieb unter Maulbronn bis 1537, wo es dem Kloster Ebrach provisorisch zugetheilt wurde (definitiv erst 1573). Schönthal kam schon 1282 unter Kaisersheim. Durch Adoption erhielt Maulbronn 1452 das nun in ein Priorat verwandelte Kloster Päris und behielt es bis 1588. Ferner hatte es unter sich Frauenzimmern 1246–1418, wo es an Bebenhausen kam, und später wieder zeitweise, ebenso theils zeitweise, theils mit andern Klöstern gemeinschaftlich Heilsbruck, Königsbruck, Lichtenstern, Lichtenthal und Rechenshofen. Dagegen stand Maulbronn in Abhängigkeit besonders vom Mutterkloster Neuburg, ferner von Lützel, Clairveaux, Cisterz und im 15. Jahrhundert von Altenberg.

Das Kloster vermehrte und sicherte seinen Besitz, indem es auf seinen Gütern Kolonien aus Laienbrüdern unter der Aufsicht von Mönchen anlegte und stets eifrig bemüht war, Orte, in denen es einmal einiges Besitzthum erlangt hatte, zu seinem gänzlichen Eigenthum, auch mit dem Patronatsrecht und der Vogtei samt ihren Rechten zu machen, wodurch viele Streitigkeiten mit Laien abgeschnitten wurden.

Auch die Nachfolger Günthers auf dem Bischofsstuhl zu Speier bewiesen sich dem Kloster fast ohne Ausnahme freundlich.

An päbstlichen, kaiserlichen und königlichen Gnadenbriefen fehlte es Maulbronn nie. Päbstliche Bullen, die ihm Privilegien gewährten oder bestätigten, den Schutz des heil. Stuhls zusagten, Kirchen incorporirten, Schulden bei Juden erließen etc., erhielt es: von Alexander III. 21. Dez. 1177 und 3. April 1179 (St. arch.), von Innozenz III. 18. Juni 1213, Honorius III. 27. April 1224, Gregor IX. 20. und 31. Jan. 1229, Innozenz IV. 8. Apr. 1243 und 25. Dec. 1244, Alexander IV. 25. Aug. und 9. Sept. 1255 und 13. Juni 1256, ebenso 5. und 25. Juni 1259, Clemens IV. 30. Apr. 1268, Nikolaus IV. 13. und 20. Jan. und 28. Febr. 1289, Bonifaz VIII. 21. März 1299, Johann XXII. 27. März 1319, Benedikt XII. 22. und 25. April 1336, Urban VI. 3. Aug. 1380, Gregor XII. 10. Mai 1407, Martin V. 14. März 1418, Eugen IV. 29. Mai 1438, Pius II. 22. Okt. 1461 und 3. Juni 1462, Sixtus IV. 22. Aug. und 20. Dez. 1479, Innozenz VIII. 30. Aug. 1487, Leo X. 13. März 1513.

Kaiserliche und königliche Gnadenbriefe bekam das Kloster von Friedrich I. außer dem schon genannten noch um 1153 und 1178, | von Heinrich VI. 28. Januar 1194, 20. Mai 1196, Philipp 4. Februar 1206, König Heinrich VII. 29. Juni 1231, Wilhelm 2. Februar 1255, Richard 16. Juni 1257, Rudolph, der das Kloster selbst besuchte, 15. December 1273 und 5. Februar 1276, Adolf 1. September 1297, Kaiser Heinrich VII. 11. und 13. Juli 1309, durch Friedrich den Schönen 24. Juni 1327 ein Vermächtniß von fünfzig Mark Silbers, weitere Gnadenbriefe von Karl IV., dessen Gemahlin in M. war (Jäger, Heilbronn 1, 148), 29. März 1349 und 25. Oct. 1376, Wenzel 28. Aug. und 29. Sept. 1381, Ruprecht 3. und 4. August 1401, Sigmund 25. März 1415, 27. Jan. 1418, 31. Juli 1434, Friedrich III. 26. April 1444 und 25. April 1446, ebenso 2. und 3. Dec. 1488, Maximilian 14. Juni 1494, Karl V. 2. Febr. 1521, Ferdinand 6. März 1536.

Die meisten dieser Briefe enthalten die Zusicherung der Schirmvogtei des Reichs, die K. Friedrich I. übernommen hatte. Das hinderte aber nicht, daß das Schirmrecht auch von andern, dem Kloster näher liegenden Gewalten beansprucht und theils mit, theils gegen den Willen desselben geübt wurde; ja, es knüpft sich an seine Handhabung und die Streitigkeiten darüber fast die ganze äußere Geschichte des Klosters bis zum Untergang seiner Selbständigkeit.

Dem Ursprung des Klosters, wie den Statuten seines Ordens entsprach es, daß die Bischöfe von Speier ein Vogtrecht übten (obwohl Juli 1231 Bischof Beringer bekannte, quod monasterium Mulbronn nullum alium advocatum in bonis suis habere debeat praeter regem Romanorum, St. arch.), wie denn K. Wilhelm, nachdem er am 2. Februar 1255 dem Kloster versprochen, den Schirm nicht ohne sein Begehren zu veräußern, schon am 23. März dieses Versprechen auf die Beschwerde des Bischofs zurücknahm und dem Bisthum das Recht bestätigte, jenem einen Vogt zu setzen. Auch K. Rudolph befahl 1280 dem Bischof den Schutz des Klosters, und noch K. Karl IV. bestätigte dem Bisthum seine Rechte über dasselbe 8. Sept. 1366. Der Bischof übertrug vor 1236 die Unterschirmvogtei an Heinrich von Enzberg (s. Enzberg), woraus ein langer Streit des Kloster mit dieser Familie entstand.

Zwar der Genannte war ihm wohlgesinnt, aber bereits sein Sohn Heinrich bedrängte es, und noch mehr dessen Söhne Heinrich, Conrad, Gerhard und Albrecht. Sie tödteten einen Laienbruder, verwundeten Mönche und andere Laienbrüder tödtlich, sengten und raubten, weßwegen Bischof Heinrich II. sie befehdete und zum Verzicht auf das Vogtrecht zwang (vor 1270). Doch wurden die Enzberger noch 2. Juli 1325 zum Schutz des Klosters verpflichtet.

K. Karl IV. übertrug die Vogtei, welche er vor 31. Mai 1361 von den Grafen von Wirtemberg, denen sie verpfändet war, einlöste, an Kurpfalz, wodurch das Kloster später zum Zankapfel zwischen | dieser Macht und Wirtemberg wurde, welches in den Klosterorten, die auf seinem Gebiet lagen (besonders von dem Anfall der Grafschaft Vaihingen herrührend), das Schirmrecht übte, wie nicht minder die Markgrafschaft Baden innerhalb ihres Gebiets. – In den Kriegen des 14. Jahrhunderts litt das Klostergebiet Schaden von Seiten der Städte, weßwegen 6. März 1393 die Stadt Weil Abbitte leisten mußte, sodann durch die Schlegler, obenan die Schlegelkönige Friedrich und Reinhard von Enzberg, denen dieses Verhalten, sowie das Streben gegen Landfrieden und Fürstenmacht überhaupt, ihre Burg Enzberg kostete, welche Pfalzgraf Ruprecht II. vor 14. Sept. 1384 brach. – Mit Berufung auf die Landesunsicherheit befestigte das Kloster seit 1373 die Kirchhöfe in mehreren seiner Orte und verstärkte seine eigenen, um 1360 erbauten Mauern, was die Pfalzgrafen, denen es als ein Bollwerk gegen Wirtemberg erschien, begünstigten (vgl. die Urk. K. Ruprechts 14. April 1407). Seit 1457 wurde denn auch Maulbronn in den Kampf der beiden Mächte verflochten. Im August dieses Jahrs lagen Pfalzgraf Friedrich der Siegreiche (der böse Pfälzer Friz) und Graf Ulrich der Vielgeliebte, jener in Bretten, dieser in Vaihingen, mit Heeresmacht einander gegenüber, als der berühmte Markgraf Albrecht von Brandenburg, Schwager des mit Friedrich verbundenen Markgrafen Karl von Baden, im Kloster, wo er sich mit wohl 200 Pferden eingelagert hatte, am 25. des Monats für jetzt den Streit vermittelte. Nachdem aber der Reichskrieg gegen die Pfalz wirklich entbrannt war, überfiel Graf Ulrich in den ersten Märztagen 1460 mit 2–3000 Mann Maulbronn, brandschatzte es um 7000 fl., worauf er demselben unter dem 6. März von Lienzingen aus einen Schirmbrief ausstellte. Neuen Schaden erlitt es von den Wirtembergern im Dezember 1461, trotz der beweglichen Vorstellung, daß ja der Graf als kaiserlicher Hauptmann und ihr Schirmherr vielmehr zu ihrer Hilfe verpflichtet wäre. (Schreiben des Pfalzgrafen vom 25. Jan. 1462 an die Stadt Speier, daß Ulrich das Kloster geplündert habe; Klage desselben eben darüber bei Markgraf Karl von Baden 23. Februar 1462, Quellen zur bayerischen und deutschen Geschichte, Bd. 2, 376 f.). 26. April 1462 ergieng von K. Friedrich ein Mandat an seine Hauptleute, das Kloster, von dem aus der Pfalzgraf vielfachen Schaden anstifte[6], zu des Reiches | Handen zu nehmen. Geschehen ist das schwerlich, auch nur für kurze Zeit; denn jene zogen (im Juni) von Pforzheim aus über Heidelsheim nach der Pfalz, um bei Seckenheim Niederlage und Gefangenschaft zu finden. So blieb die Schirmvogtei des Klosters, das nun gerade den Höhepunkt seiner äußeren Blüthe erreichte, der Pfalz, um so mehr, als der jugendliche Regent des andern wirtembergischen Landestheils, Eberhard im Bart, mit seinem Oheim, dem Pfalzgrafen Friedrich, sich gut zu stellen wußte, wie er denn mit demselben 14. Nov. 1467 zu Maulbronn ein Bündniß auf 5 Jahre schloß. Auch mit dem Kloster pflegte er freundschaftliche Verbindung und im Parlatorium desselben ist noch sein Wappen nebst Palmbaum und der Inschrift: ich habs im Sinn, zu sehen. Friedrichs Nachfolger aber, Pfalzgraf Philipp, verwandelte das Kloster durch Basteien und Bollwerke in eine förmliche Festung (bis zum Jahr 1761 stand nach einer damals aufgenommenen Karte auf der Ostseite des Klosters, jenseits des Schafhofs ein Stück Mauer mit dem „Eselsthor“ und dem „Judenthurm“, woraus zu entnehmen, daß die Befestigung sehr umfassend war, s. o. die Ortsbeschreibung) und ließ sich darin durch wiederholte Abmahnungen des Kaisers, der ihm das Schirmrecht kündete und 8. Juni 1489 den Hauptleuten des schwäbischen Bundes befahl, das Kloster zu des Reiches Handen zu nehmen, auch 20. Oct. 1492 den Abt anwies, ihm keinen Gehorsam zu leisten und seine Basteien abzubrechen, nicht irre machen; er antwortete vielmehr mit der Errichtung eines hölzernen Bollwerks auf der den Zugang zum Kloster beherrschenden Höhe beim Steinbruch, welches den Namen Trutzbund erhielt, und versah den Platz mit Besatzung und Lebensmitteln.

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So wurde Maulbronn ein Opfer, und zwar das erste, des neuen Reichskriegs, der sich 1504 gegen die Pfalz – um das bairische Erbe – entspann, und den der jugendliche Herzog Ulrich von Wirtemberg mit großer Macht im Frühjahr dieses Jahrs eröffnete. Bei seinem Anrücken entfloh der Abt mit den meisten Brüdern nach Speier. Der Herzog aber eroberte nach lebhaftem Widerstand am zweiten Tag den Trutzbund, wandte seine Geschütze gegen das Kloster, dessen Mauern und Thürme stark beschädigt wurden (auch die Kirche zeigt auf der Ost- und Südseite heute noch mehrfache Kugelspuren), bis die Besatzung am siebenten Tage (4. Juni) den Platz gegen freien Abzug übergab. (Ausführlich bei Heyd, Herz. Ulr. 1, 103 ff., zumeist nach dem Briefe eines Priors von Päris vom 21. Juni.) Die zurückgebliebenen Mönche und Laienbrüder wurden bis zum Ende des Kriegs ins Augustinerkloster nach Tübingen verwiesen und am 2. und 2. Juli zu Knittlingen dem Herzog das Kloster samt dem eroberten Gebiet (s. o. politischer Zustand des O.-A.) vertragsmäßig abgetreten, worauf am 1. August K. Maximilian ihm Schirmrecht | und weltliche Obrigkeit darüber zuwies. Der Herzog befahl nun dem Abt und Convente zurückzukehren, was dieselben aber eine Zeitlang hinausschoben. Inzwischen starb der Abt, und es entspann sich ein Streit zwischen dem Kloster und dem Herzog über die Neuwahl, wobei jenes sein Schirmrecht gar nicht anerkennen wollte, bis sie auf den Rath ihres Superiors in Neuburg nachgaben und gemäß dem Vorschlag des Herzogs einen geborenen Wirtemberger, den bisherigen Abt Michael von Herrenalb, zum Abte wählten. Dieser mußte bei seinem Amtsantritt 21. Oct. mit dem Convent einen Revers ausstellen, kraft dessen sie den Herzog als ihren erblichen Schutz- und Schirmherrn unwiderruflich annahmen, dieser aber sich die weltliche Obrigkeit, die Geleite, die Wildbänne, hohe und niedere Gerichte, Bußen und Frevel und das Recht, dem Kloster einen Vogt zu bestellen, vorbehielt und ihnen die Befugniß, ihre Amtsorte sich huldigen zu lassen, ihre Renten, Gilten, Zinse, Gefälle, Hauptrechte, Frohndienste, Mannsteuern und andere Steuern und Gerechtigkeiten zusicherte. Dem Abt wurde die Stelle unter den Prälaten auf Landtägen und sonst, den Dörfern aber als einem besonderen Amt die unter den Städten und Ämtern der Landschaft angewiesen und die Streichung des Klosters aus der Reichsmatrikel durchgesetzt. Doch wurde der Abt noch wiederholt vom Kaiser auf Reichstage geladen. 13. Nov. 1512 verzichtet endlich auch Pfalz völlig auf das Kloster.

Nachdem aber 1519 H. Ulrich vertrieben worden, wollte 18. Apr. Pfalzgraf Wilhelm dasselbe, das sich ihm gutwillig ergeben und für 8000 fl. verbürgt hatte, wieder in seinen Schirm nehmen, der schwäbische Bund litt jedoch nicht, daß dieses edle Kleinod dem Fürstenthum Wirtemberg entzogen werde. Dagegen K. Karl V. stellte 2. Febr. 1521 dem Abte die Vogteigerechtigkeit frei zu. Franz von Sickingen, der für seine Vermittlung mit dem Pfalzgrafen vom Kloster eine namhafte Summe erhalten, ließ es am 10. Mai 1519 wieder genießen, daß seine Vorältern darin begraben lagen, brandschatzte seinen Hof zu Heilbronn, doch nicht höher als um 1200 fl. für sich und 100 fl. für seinen Schreiber, „der etwan – zuweilen – sein Schererknecht was“ (Stumphart, s. Sattl. Herz. 2, Beil. 21). Bei dem vergeblichen Einfall, den H. Ulrich noch im gleichen Jahr in sein Land machte, huldigte ihm Maulbronn vorübergehend wieder 9. August.

Auch im Bauernkrieg kam das Kloster verhältnißmäßig glimpflich weg. Statthalter und Regent hatten trotz ergangener Bitte versäumt, dasselbe mit gehöriger Besatzung zu schützen, und so fiel denn um den 18.–21. April 1525 ein Theil des Stocksberger Haufens darin ein und ließ es sich mehrere Tage wohl sein, doch ohne die Gebäude wesentlich zu beschädigen. Am 29. April hatte Jäcklein | Rohrbach sein Lager daselbst. Ein dritter Schwarm kam um dieselbe Zeit von Gundelsheim her. Die Folge von allem war, daß die Abtei sich eines Theils ihrer Güter – wohl bis zum Werth von 30.000 fl. – entäußern mußte.

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Nach H. Ulrichs Rückkehr im Jahr 1534 gieng sein ganzes Bestreben darauf, Maulbronn völlig an sich zu bringen und die Reformation in demselben, sowie in den Amtsorten einzuführen. In den letzteren gelang dies unschwer, so daß 1547 aus dem Bezirk von Maulbronn und Derdingen ein evangelisches Dekanat gemacht werden konnte. Doch wurden erst 1551 die letzten Pfarreien Zaisersweiher und Lienzingen, deren Patronat Stift Sinsheim hatte, mit evangelischen Pfarrern besetzt. Dagegen wehrte sich das Kloster selbst verzweifelt gegen jene Versuche und wurde darin vom Reichskammergericht, sowie von Erzherzog Ferdinand trotz eines ihm 1542 von Ulrich übersendeten Wagens mit Elfinger Wein, unterstützt, doch ohne von jenem die Anerkennung der Reichsunmittelbarkeit erlangen zu können. Der Abt, dem Ulrich die Hälfte seines Einkommens abverlangte, floh mit den Kostbarkeiten nach Speier. Der Herzog besetzte das Kloster und ließ inventiren. Eine kleine Partei der Mönche war für ihn. Einige traten aus und wurden mit Leibgedingen abgefertigt. 1535 befahl er den der Reformation abholden Mönchen seines Landes, sich in Maulbronn zu sammeln, und setzte ihnen in dem Conventualen Conrad Weis einen Lesemeister der heiligen Schrift. 1537 (Urk. vom 28. Sept. d. J.) verlegte der Abt das Kloster nach Päris. Aber nach dem schmalkaldischen Krieg, 6. August 1548, befahl K. Karl V. dem Herzog, die alte Ordnung wieder herstellen zu lassen, der Abt kehrte zurück, und der in diesem Jahr eingetretene Conventuale Jakob Schropp von Vaihingen mußte das Kloster räumen, weil er bei Mondschein in der deutschen Bibel gelesen hatte. Neue Verhandlungen führten zu keinem Ziel, und erst unter H. Christof wurde 22. Jan. 1551 der Abt durch den Kaiser mit jenem verglichen. H. Christof verfuhr schonend, bis ihm der Augsburger Religionsfriede das Recht zur Reformation gab. 29. Juli 1557 wurde ein derselben geneigter Abt gewählt, und am 19. Jan. 1558 machte er den Valentin Vannius von Beilstein, der schon bald nach dem Bauernkrieg als Mönch in Maulbronn zur lutherischen Lehre übergetreten war, zum ersten evangelischen Abt und Generalsuperintendenten daselbst und verwandelte um diese Zeit das Kloster in eine evangelische Klosterschule. (Die innere Geschichte dieser als theologisches Seminar noch heute bestehenden Anstalt findet sich mit Angabe der Quellen in einem Maulbronner Programm des Ephorus Bäumlein von 1859, wo auch die Klosterverwaltung unter den evangelischen Prälaten geschildert ist. Die Namen der letzteren bis 1774 gibt Sattler Topogr. S. 550. | Später folgen noch Joh. Christoph Weinland 1785, Joh. Christoph Ludwig Mieg 1788, Jo. Friedr. Schelling 1803, Ge. Heinr. Müller 1812, Heinr. Wilh. Gottfr. Dopp 1814, unter welchem 1823 die Stelle eines Generalsuperintendenten von der des Seminarvorstandes getrennt wurde, Ephorus Karl Friedr. Hauber 1824, Wilh. Friedr. Ludw. Bäumlein 1845, gest. 1865, Karl Georg Krafft seit 1866. Über die Prälaten bis zum 30jährigen Krieg bietet ein Manuscript des Prof. Hartmann in Maulbronn für die württemb. Gelehrtengeschichte wichtige Notizen. Unter den neueren Schulvorständen ragt Bäumlein als Lehrer der griechischen Sprache und als Pädagog hervor. In den Schülerverzeichnissen glänzt ein Stern erster Größe, Johannes Kepler, der zwischen 1586 und 1589 drei Jahre hier zubrachte und nach einer seiner Schriften 1588 daselbst eine Mondsfinsterniß beobachtete. Von namhaften Theologen, welche Schüler in Maulbronn waren, sind anzuführen: Ge. Conr. Rieger, Friedr. Gottlob Süskind, Christian Friedr. Schnurrer, Eberh. Gottlob Paulus, Christian Friedr. Klaiber, Christian Friedr. Schmid, Ferd. Christian Baur, von sonst hervorragenden Männern: Graf Reinhard, französischer Pair, Schelling, Pfister, Pauly, Friedr. Römer, Mebold, Eduard Zeller, Herm. Kurtz, Ge. Herwegh, Ferd. Hochstetter).

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Werfen wir nun, nachdem das eigentliche Klosterleben zu Maulbronn sein Ende erreicht, einen Blick auf den inneren Gang desselben, so bietet sich uns ein im ganzen erfreuliches Bild. Religiosität, Zucht und Sitte wird zu den verschiedensten Zeiten vom Kloster gerühmt, und daß sie auch noch im 15. Jahrhundert nicht geschwunden war, beweist neben ausdrücklichen Zeugnissen sowohl der Umstand, daß der Höhepunkt des Reichthums und der Frequenz erst in diese Zeit fällt, als die Thatsache, daß Maulbronn nie einer Reformation bedurfte, vielmehr seine Äbte mehrfach in andern Klöstern zu reformiren hatten. Auch das freundliche Verhältniß, worin Eberhard im Bart zu ihm stand, spricht dafür. Erst am Anfang des 16. Jahrhunderts lehnten sich die Mönche gegen die alte strenge Klosterzucht auf und zwangen deßhalb 1503 den Abt Johann VI. zur Abdankung, aber nur um ihn 15 Jahre später, nach der üppigen Verwaltung des Abts Johann VIII., nochmals zu wählen. – Der Schwerpunkt der cisterziensischen Thätigkeit lag in der Landwirthschaft, und so erwarb sich denn auch unser Kloster um den Anbau der ihm zugehörigen Ländereien von Anfang große Verdienste (vergl. o. Bischof Günther und die Orte Wurmberg, Füllmenbach, Diefenbach, Eilfingen), welche heute noch in dem Zustand der Waldungen um Maulbronn, in den Weinen von Eilfingen, Roßwag, Hohenhaslach u. a., die sie zuerst gepflanzt, hervortreten. Besondere Kunst verwandten sie auf die Anlagen von Fischseen, die zugleich der | Bewässerung und Entwässerung der Gegend dienten. Das Lagerbuch des Klosters von 1572 führt ihrer auf Maulbronner Markung 137 Morgen, dazu noch in der Nähe weitere 27 an. Gärten enthielt die Markung 83 Morgen, außer dem Zwinger, darunter besonders Nußgärten, und im Schatten der Abtei 3 kleine Gärtlein zu Arzneikräutern. Für den Absatz ihrer Produkte waren den Mönchen ihre Höfe in Heilbronn, Stuttgart und Speier sehr förderlich; auf dem Rhein durften sie seit 1299 jährlich ein Schiff, mit Wein, Weizen und anderem beladen, zollfrei zu Thal und Berg führen. Auch das Gewerbe muß im 15. Jahrhundert in Maulbronn geblüht haben, wenn gleich die Beschreibung davon, die Felix Hämmerlin dem Abt Berthold III. in den Mund legt, und die eine Menge nöthiger und unnöthiger Beschäftigungen aufführt, sehr übertrieben scheint. – Am glänzendsten aber stehen heute noch die durch ein günstiges Geschick fast völlig erhaltenen Denkmäler der Baukunst in Maulbronn da, und es kann sich an Bedeutung derselben kein Kloster diesseits der Alpen mit dem unsrigen messen. – Dagegen tritt die Wissenschaft sehr zurück. Wohl hatte schon B. Günther der Abtei die nöthigsten Bücher geschenkt; aber erst an der Grenze des 15. und 16. Jahrhunderts wird die Errichtung einer förmlichen Bibliothek erwähnt. Im 15. Jahrhundert zuerst werden Äbte von gelehrter Bildung angeführt, und nur ein einziger gelehrter Mönch kommt vor, Leontorius, geb. zu Leonberg 1460, ein Schüler und Freund Reuchlins, Herausgeber des Bibelwerks von Nikolaus a Lyra. – Im übrigen beweist die Fertigkeit in leoninischen Versen, die sich vom 14. Jahrhundert an reichlich im Kloster finden, doch eine gewisse literarische Betriebsamkeit der Mönche. – Noch einen berühmten gelehrten Namen, welcher freilich fast nur eben ein Name ist, verknüpft die Sage mit Maulbronn, den des Schwarzkünstlers Johannes Faust, der, unzweifelhaft in Knittlingen geboren, um 1516 bei Abt Entenfuß hier gewesen sein soll, vermuthlich um ihm Gold zu machen. Die Sage, welche Sattler Topogr. 549 auf „gute Nachrichten“ zurückführt, und die sich in einem Äbteverzeichnisse auf dem Archiv zu Stuttgart aus der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts findet, hat nichts Unwahrscheinliches, während die Localitäten in Maulbronn, die Fausts Namen tragen, der Faustthurm, die Faustküche und das Faustloch, wohl erst später auf ihn bezogen worden sind.

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Von Rechtsalterthümern des Klosters ist Folgendes bekannt. Es war nach der Urkunde K. Karls IV. vom 25. Okt. 1376 von jeder weltlichen Gerichtsbarkeit, als der des Kaisers und Königs, gefreit. Der Abt war Gerichtsherr in Illingen, Lienzingen, Ötisheim und Mühlhausen und bildete die zweite Instanz. In Weißach hatte er das Wildfangsrecht; hier und in Ölbronn wurde von einer jeden Person, die dem Kloster leibeigen war, der jedesmalige Werth | einer Salzscheibe an Geld als Brautlauf und Gürtelgewand eingezogen. Von König Heinrich VII. hatte das Kloster 29. Juni 1231 das Recht erhalten, diejenigen von seinen Leibeigenen zu beerben, welche sich in einer Stadt ansiedelten und keine mit einer Stadtbürgerin erzeugten Kinder hinterließen. Mit Graf Eberhard im Bart machte es 14. Nov. 1485 einen Vertrag, daß die beiderseitigen Leibeigenen unter einander heirathen dürfen (die Ungenossenschaft aufgehoben sein solle). Nach dem Lagerbuch von 1572 geben des Klosters leibeigene Mannspersonen in den Amtsflecken von Altersher keine Leibsteuer, dagegen die außerhalb derselben und die in den theilbaren Flecken Dürrn, Enzberg und Kieselbronn, hinter andern Vogtsherrn gesessen, geben je 2 Schilling, Wirtemberger oder Pfalzgräfer, jedes Ortes Währung. Die leibeigenen Frauen hatten jährlich je eine Leibhenne zu leisten, die der Hühnervogt einzog. Vom verstorbenen Leibeigenen wurde 1572 in den wirtembergischen Vogteien oder andern fremden Herrschaften von 100 Pfund Heller 1 fl. Landeswährung, deßgleichen sein best Oberkleid als Hauptrecht eingezogen, von Frauen nur das Kleid. Die Kleider fielen dem einziehenden Hühnervogt zu. Der Erbschaftsabzug erfolgte nach dem Tübinger Vertrag, die Ausländischen aber, so des Tübinger Vertrags nicht fähig, hatten, wenn sie etwas ererbten, dem Kloster den zehnten Pfennig zu Abzug oder Nachsteuer zu geben. Das Bürgerrecht kostete 2 fl., einen dem Flecken, einen dem Kloster, dasselbe der Abzug in ein anderes Fürstenthum. Die sieben Orte: Freudenstein mit Hohenklingen, Ölbronn, Schmie, Lienzingen, Zaisersweiher, Diefenbach, Schützingen hießen Burschtflecken; sie waren Handfrohnen zur Bebauung der Klostergüter, des Jahrs 8 Tage, schuldig.

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Der Besitz unseres Klosters ist merkwürdigerweise bis ins 16. Jahrhundert herein in fast stetiger Zunahme begriffen. Die im 13. Jahrhundert zweimal, 1244 und 1257, berichtete Geldarmuth war bald wieder verwunden, da sie hauptsächlich nur eine Folge der Betriebsamkeit im Bauen und Gütererwerben war. Im jetzigen Württemberg sind es etwa 60 Orte, wo das Kloster begütert war, und wovon ihm viele ganz gehörten. Außer den oben in der politischen Übersicht genannten und den weiteren bei Klunz. a. a. O. 1, 26 ff. aufgezählten sind noch anzuführen: Hofen O.A. Besigheim (ebd. 2, 54), Güglingen O.A. Brackenheim (Arch. urk. vom 6. Febr. 1253), Meimsheim, dess. O.A. (1260, Arch. urk., Klunz. Reg. 15), Merklingen O.A. Leonberg, 3. März 1335 (Mone, Zeitschr. 6, 218). – Im jetzigen Baden sind es etliche und vierzig Orte und zu den bei Klunz. angeführten nachzutragen: Brötzingen (Arch. urk. 1277), Gebrichingen 1357 (Gabelk.), Gemmingen 1283 (Arch. urk.), der abgegangene Hof Scheuren bei Liedolsheim (Arch. urk. 1248), Ottersweiler 1396 (Klunz. Reg. 44), Riechen 1287 (Arch. urk.), 1360 | (Klunz. Reg. 35), Hachenbach (Arch. urk. von 1156), Thalacker 1166–1176 (Cod. Hirs. 62 b), Wimmensheim (Arch. urk. von 1156). In Rheinbaiern ist zu den 16 bei Klunz. aufgeführten Orten hinzuzufügen: Hartheim 1379 (Klunz. Reg. 42). – In Rheinhessen hat das Kloster Güter zu Worms 1337 (Klunz. Reg. 30), endlich im Elsaß einen Hof zu Colmar (ebd. 62; 70).

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Die Äbte von Maulbronn bis zur Reformation sind folgende: Diether, um 1138 – nach 1168, (ob er noch die Einweihung der Kirche 1178 erlebte, ist zweifelhaft), 1178 B. oder D., 1192 E. oder F., 1196 – um 1216 Conrad I., 1219 M. 1232 Gozwin, 1234–1243 Sigfrid I., 1244–1251 Berthold I. Munt, 1253 H. d. i. wohl Heinrich I., 1254 und 1255 Gottfried, 1257–1268 Egenhard, später Abt von Neuburg, um seiner Rechtschaffenheit willen gerühmt, 1268 Albrecht I., 1276–1277 Hildebrand, 1280 Walther, 1281–1285 Sigfrid II., 1287–1292 Rudolf, 1294–1299 Conrad II., 1302–1305 Reinhard, um 1306 Albrecht II., vor 1313 Wilent, 1313–1325 Heinrich II. von Kalw, 1330–1353 Conrad III. von Thalheim, 1358–1359 Berthold II. Kuring, später Abt in Bronnbach, Ulrich von Ensingen, 1361–1367 Johann I. von Rotweil, er ummauerte das Kloster, wird als treuer Freund desselben gerühmt, 1376–1383 Albrecht III. von Riexingen, 1383 Marquard, 1384–1402 Heinrich III. von Renningen, ein tüchtiger Abt, 1402–1428 Albrecht IV. von Ötisheim, war Magister, führte das Kloster seinem Glanzpunkt entgegen und hatte 1420 die Klöster und Stifter der Rheinpfalz zu reformiren, 1428–1430 Gerung von Wildberg, 1430–1439 Johann II. von Gelnhausen, wegen seiner Beredsamkeit, Gewandtheit und seines Hochsinns vom Concil zu Basel 1431 zu Verhandlungen mit den Hussiten abgeschickt, 1438 von Pabst Eugen IV. durch Ertheilung der bischöflichen Insignien geehrt, 1439–1445 Johann III. von Worms, 1445–1462 Berthold III. von Roßwag, ein eifriger Prediger und Bewahrer der Klosterzucht, hatte hundert Mönche unter sich, 1462–1467 Johann der IV. von Wimsheim, Licentiat der Theologie und eifriger Prediger, hatte 1465 Klöster in Heilbronn zu reformiren, unter ihm waren es 135 Mitglieder, 1467–1472 Nikolaus von Bretten, 1472–1475 Albrecht V., 1475 – um 1488 Johann V. Riescher von Laudenburg, wurde 1504 wieder gewählt, aber von H. Ulrich nicht anerkannt, 1488–1491 Stephan Ötinger, 1491–1503 Johann VI. Burrus von Bretten, wurde nach Bruschius wegen seiner Strenge von den Mönchen zur Abdankung genöthigt, hatte etwa 100 Mönche und Laienbrüder unter sich, 1503–1504 Johann VII. Umbstatt, starb zu Speier auf der Flucht, 1504–1512 Michael Scholl von Vaihingen, 1512–1518 Johann VIII. Entenfuß von Unteröwisheim, mußte wegen üblen | Hausens abdanken, 1518–1521 Johann VI., zum zweiten Mal Abt, 1521–1547 Johann IX. von Lienzingen, Baccalaureus der Theologie, hielt 25. Mai 1522 zu Stuttgart eine lateinische Rede an Erzherzog Ferdinand, flüchtete 1534 nach Speier und verlegte 1537 die Abtei nach Päris, 1547–1557 Heinrich IV. Reuter von Nördlingen, kam um 1549 nach Maulbronn, 1555 zum Generalvicar seines Ordens in Deutschland ernannt, 1557 Johann X. Epplin, genannt Senger, von Waiblingen, zugleich Vorstand von Königsbronn, evangelisch gesinnt. – Dazu kommen noch die katholischen Äbte während des dreißigjährigen Krieges 1630–1632 und 1634–1642 Christof Schaller aus Sennheim im Elsaß, 1642–1648 Bernardin Buchinger aus Kiensheim im Elsaß.

Wir kehren zur Geschichte Maulbronns seit 1558 zurück. Vom 10. bis 17. April 1564 wurde daselbst im Winterspeisesaal ein Colloquium zwischen den lutherischen Theologen Wirtembergs und den calvinistischen der Pfalz über die Differenzpunkte in der Abendmahlslehre gehalten. Von Seiten Wirtembergs nahmen folgende Theologen Theil: Valentin Vannius, Abt zu Maulbronn, Johann Brenz, Probst zu Stuttgart, Jakob Andreä, Kanzler zu Tübingen, Theodor Schnepf, Professor daselbst, und der Hofprediger Balthasar Bidembach. Lucas Osiander, Prediger zu Stuttgart, führte wirtembergischer Seits das Protokoll. Von pfälzischen Theologen waren zugegen: der Hofprediger Michael Tiller, die Professoren Peter Boquinus, Caspar Olevianus, Zacharias Ursinus und Peter Dathenus. Die Führung des Protokolls war dem Professor der griechischen Sprache Xylander übertragen. Herzog Christof und Kurfürst Friedrich III., beide von weltlichen Räthen begleitet, nahmen an den Verhandlungen persönlich Antheil. Das Gespräch blieb resultatlos; beide Theile schrieben sich den Sieg zu. – Dagegen kam 1576 hier durch eine Berathung wirtembergischer, badischer und hennebergischer Theologen die Maulbronner Concordie, eine Vorarbeit der eigentlich so genannten Concordienformel, zu Stande.

Schon 1621 bekam Maulbronn die Schrecken des dreißigjährigen Krieges zu spüren, indem Mannsfelds Schaaren im Amte übel hausten. Durch das Restitutionsedikt von 1629 wurde das Kloster der katholischen Kirche wieder zugesprochen[7]; 4. Sept. 1630 besetzten es die kaiserlichen Commissäre mit bewaffneter Macht, und am 14. zog Christof Schaller als Abt mit einigen Mönchen von Lützel ein und befahl sodann den evangelischen Pfarrern des Amts, abzutreten. Die Klosterschule ward nach Urach versetzt. Er wurde zwar 7. Jan. 1632 durch die Schweden vertrieben und die Schule wieder | eingerichtet, aber bereits nach 6. Sept. 1634 konnte er in Folge der Schlacht von Nördlingen zurückkehren. Natürlich gab es viel Streit mit dem württembergischen Vogt, mit den evangelischen Pfarrern, denen ihre Besoldungen vorenthalten, und mit den Amtsorten, die in ihrer Religionsübung gestört, und von denen die Gefälle mit Härte eingetrieben wurden, weßwegen letztere 1640 den Herzog baten, sie doch von der Pfaffen Tyrannei zu befreien. 1636 bewies Besold durch Urkunden die Reichsunmittelbarkeit der Abtei, womit er sich aber wenig Dank von Österreich verdiente, das derselben vollends entfremdet wurde, als sie seit 1643 unter dem neuen Abt Bernardin Buchinger, der im Auftrag seines Ordens ungern die Stelle übernommen hatte, sich an Frankreich anschloß. Die Theilnahme Frankreichs bestand hauptsächlich in einer fortwährenden Bedrohung und Mißhandlung des Amtes durch die Philippsburger Besatzung, zu deren Unterhalt es beitragen mußte. Eberhard III. beschwerte sich darüber am französischen Hof, sowie bei Kurfürsten und Ständen, aber ohne Erfolg; auch die Abfindung der Befehlshaber von Philippsburg mit monatlich 1200 fl. half nicht auf die Dauer, ja nicht einmal der Friedensschluß brachte völlige Ruhe, daher 1648 eine schwedische, 1649 eine württembergische Besatzung ins Kloster gelegt wurde, die noch einen kleinen Philippsburger Einfall zurückzuschlagen hatte. Am 14. Okt. 1648 war nach endlosen Verhandlungen Maulbronn Württemberg zugesprochen worden, weil es schon 12. Nov. 1627 in dessen Besitz gewesen; Abt, Prior und Organist wichen als die letzten, zögernd und nicht ohne die Gebäude vorher noch zu beschädigen; 29. Januar 1649 erfolgte die Besitzergreifung und die Huldigung der noch übrigen 373 erwachsenen Amtsangehörigen unter großer Bewegung. 1656 wurde die Klosterschule wiederhergestellt.

Die Schicksale Maulbronns in den weiteren Kriegen des 17. und in denen des 18. Jahrhunderts sind zugleich mit denen des Bezirks oben erzählt. Daß der Ort selber wiederum ziemlich gut wegkam, verdankte er zum Theil seiner gegen die Marodeurs wohl ausreichenden Befestigung. – 1692 bis ums Jahr 1702 mußte die Klosterschule aufgehoben werden.

Im achtzehnten Jahrhundert wurde im Kloster, ohne Zweifel durch die Waldenser, auf Herrschaftskosten eine Seidenraupenzucht eingeführt, welcher der untere Stock des Herrenhauses, sowie vier Morgen zu Maulbeerbäumen eingeräumt waren. Letztere nebst sechs weiteren wurden im Rechnungsjahr 1734–35 der Seidenfabrik zu Stuttgart für 100 fl. auf 25 Jahr erblehenweise überlassen, die nun ein eigenes Manufakturhaus baute. Der Erfolg scheint kein günstiger gewesen zu sein. 1803 wurde die Schuldforderung des | Klosters an die ehemalige Seidenfabrik auf dem Vergleichsweg durch Zahlung von 150 fl. erledigt.

Unserem Jahrhundert verdankt der Ort die Entstehung einer eigentlichen Gemeinde. 1809 wurden nach der Bekanntmachung vom 5.–7. April 42 Wohn- und Ökonomiegebäude, 291/2 Morgen Weinberg, 72 Morgen Gärten und Länder, 3101/4 Morgen Wiesen und Sümpfe, 7731/2 Morgen Äcker, 201/4 Morgen Weidefeld, 1681/8 Morgen Seen und Fischwasser, sowie Weiderechte für 7 bis 800 Schafe von den herrschaftlichen Gütern zur Anlegung einer Kolonie verkauft und 23. April 1838 dieselbe zu einer Gemeinde erhoben. (Vergl. Württemb. Jahrb. 1833, S. 268).

In kirchlicher Beziehung wurde Maulbronn von der Klosterschule aus besorgt, und es war bis 12. Sept. 1791 nur über Ostern und Weihnachten, seitdem beständig ein Vicar aufgestellt, bis es 22. Okt. 1842 einen ständigen Pfarrverweser erhielt und dem Dekanat Knittlingen zugetheilt wurde. Über die Gründung einer förmlichen Pfarrei schweben schon seit längerer Zeit Unterhandlungen.

Geboren sind hier 1683 Andr. Christof Zeller, gestorben als Abt in Anhausen 1743, Ludw. Rud. Seubert 18. Jan. 1733, Professor der Medicin in Tübingen 1758, Physikus in Ludwigsburg 1786, Christian Märklin 1807, Sohn des damaligen Professors Märklin in Maulbronn (s. D. F. Strauß).

Zu der Gemeinde gehören:

b. Der Eilfinger Hof, Staats-Domäne, hat 3/4 Stunden westlich von Maulbronn an der Landstraße nach Knittlingen eine schöne anmuthige Lage in dem freundlichen wiesenreichen Salzachthale, an dem hier einerseits der rebenbepflanzte Eilfinger Berg andererseits der freistehende waldreiche Aschberg majestätisch aufsteigen. Die Entfernung bis zur Eisenbahnstation Maulbronn beträgt 1/2 Stunde.

Der Hof besteht aus der alten und neuen Pächterwohnung und großartigen Ökonomiegebäuden; überdies befinden sich hier noch 4 Wohnhäuser, die Eigenthum von 6 selbständigen Weingärtnerfamilien sind. Das ansehnliche neue Pächterhaus, mit Thürmchen und Glocke auf dem First, ist von dem Pächter bewohnt, während das alte zu Wohnungen der Dienstboten dient. Das große alterthümliche Viehhaus trägt über dem Eingang die Jahrszahl 1597 und die Buchstaben F. H. Z. W. (Friedrich Herzog zu Württemberg.) Der ganze Gebäudecomplex schließt einen sehr ansehnlichen Hofraum ein und war früher mit Mauer und Graben umfriedigt; noch wird ein Theil der östlich anstoßenden Gärten „im Zwinger“ genannt. Auch eine Kapelle scheint hier gestanden zu sein, von der ein kleiner, westlich am Ort gelegener See den Namen Käpelessee trägt. Mit gutem Trinkwasser ist der Hof hinlänglich versehen; auch finden sich noch Reste eines ausgedehnten Bewässerungssystems aus der Klosterzeit.

| Zu dem Hof, der eine eigene Markung hat und eine Theilgemeinde von Maulbronn bildet, gehören 2846/8 Morgen 37,8 Ruthen Güter, die gegenwärtig an Hermann Mährlen verpachtet sind; überdies gehört dem Staat der nunmehr mit dem Pachtgut verbundene, in den Jahren 1864/65 trocken gelegte, 362/8 Morgen 13,1 Ruth. große Eilfinger See. Die Trockenlegung war wegen der zahlreichen starken Quellen mit großen Schwierigkeiten verbunden, wurde aber von dem dermaligen Pächter Mährlen, der überhaupt das Gut sehr rationell bewirthschaftet, mittelst Anlage von Sickerdohlen-Drainage vollständigt bewältigt. Außer der obigen Fläche sind noch etwa 70 weitere Morgen vorhanden, die der Staat parzellenweise verpachtet.

Die Bewirthschaftung des Pachtgutes ist eine freie; theilweise Fruchtwechsel, theilweise verbesserte zwanglose Dreifelderwirthschaft.

Der Obstbau ist beträchtlich und gegenwärtig stehen gegen 700 Obstbäume auf dem Gut, die nicht selten sehr reichlichen Ertrag liefern; auch der Repsbau ist bedeutend und in neuerer Zeit wurde auch ein Hopfengarten angelegt. Der Futterbau ist sehr ausgedehnt und ermöglicht einen schönen, gegenwärtig aus 44 Stück bestehenden Viehstand (Kreuzung von Holländer- und Landschlag), der einen Milchverkauf nach Stuttgart von täglich 4–5 Imi zuläßt. Eine kleine Zuchtschäferei wird betrieben.

Eilfingen hieß früher Alaolfesheim, Alalolfincheim, Albincheim, Alalolfingen, Aalolfingen, Alaolfincheim, Alolfingen, Elvingen 1157, Eilfingen erst nach dem Mittelalter. Diese falsche Form dürfte wohl wieder aufgegeben werden.

Der Ort erscheint vom Jahr 789 an in den Schenkungsurkunden des Klosters Lorsch, welches hier Güter hatte (Cod. Laur. II., 427–431, 441, 442, 454, 457); daneben die jetzt abgegangenen Orte Hadandesheim (848), zwischen Eilfingen und Ötisheim etwas seitwärts gegen den Eichelberg hin gelegen, und Mühlhausen, westlich von Eilfingen, mit einer an die Knittlinger grenzenden Markung und eigener Kirche (801), welche später nach Eilfingen verlegt wurde. Beide Ortschaften mögen, wie so viele andere, beim Einfall der Ungarn 926 (Stälin, Wirt. Geschichte 1, 432, vergl. 602) zerstört worden sein, und ihre übrig gebliebenen Einwohner sich in benachbarte Orte, namentlich nach Eilfingen, begeben haben.

In früher Zeit hatte auch das Kloster Weißenburg im Elsaß hier Güter (Stälin, Wirt. Gesch. 1, 601); Trad. Wizenb. p. 290). Als Bischof Johann von Speier (1090–1104), der Sohn Wolframs, Grafen im Enz-, Kraich- und Pfinzgau 1024–1056, und der Azela, Schwester K. Heinrichs IV., zuvor selbst Graf im Kraichgau, das Kl. Sinsheim gründete und dasselbe der Kirche zu Speier übergab, gehörten zum Dotationsgut von Gütern in pago Enzgowi | in comitatu Brunonis (Graf im Elsenz-, Kraich- und Enzgau, Erzbischof von Trier 1102, Sohn des Grafen Arnold von Laufen und der Adelheid, einer Tochter obigen Wolframs), Zeizolfeswilre, Lenzingen, Durmenzi, und als Geschenk der Adelheid, Tochter von Johanns Bruder, dem Kraichgaugrafen Zeisolf, Güter in pago Enzgowi in comitatu Brunonis: Enzeberch und Aalolvingen, und der Klostervogt sollte dreimal jährlich nach Dürrmenz kommen, 6. Januar 1100 Speier (Württemb. Urk. B. 1, 318).

Sonst gehörte Eilfingen zum Reichsgut. Der rheinische Pfalzgraf Hermann (1141–1155) hatte es als Lehen, und von ihm Graf Ludwig von Wirtemberg als Afterlehen. Dieser überließ es auf Bitten des Bischofs Günther von Speier dem Kloster Maulbronn, nachdem er es durch K. Friedrich I., dem er dafür sein bisher freies Gut Brache (abgegangen, bei Asberg) zu Lehen auftrug, hatte allodificiren lassen, zum ewigen Gedächtniß des Königs, des Bischofs und des Grafen (Urk. K. Friedrichs im St. arch. zu Stuttgart, wahrscheinlich von 1153), und Pfalzgraf Conrad, des Königs Bruder, bestätigte die Schenkung 4. Juni 1157 (vergl. Stälin, Wirt. Gesch. 2, 235). Dazu erwarb Günther 1159 villam in Elvingen cum decimatione, von verschiedenen Herrn und Einwohnern ihre Rechte, vom Stift St. Guido in Speier das Investiturrecht der damals gerade erledigten Kirche, entfernte die früheren Bewohner und setzte fest, daß hier künftig ein von Laienbrüdern bewohnter und bebauter Hof sein solle, welcher vom Kloster aus gottesdienstlich besorgt würde, so daß die Pfarrei aufhörte, die Kirche aber dennoch als ein heiliges Gebäude erhalten blieb (Arch. urk.). Mai 1231 schenkte der Probst von St. Guido zu Speier dem Kloster Maulbronn das jus cathedraticum in der Kirche zu Eilfingen und Mühlhausen (s. o.). Von den Klosterleuten wurde zuerst vornehmlich Getreide, erst später auch Wein angebaut, dessen Güte z. B. 1542 von Erzherzog Ferdinand, dem Herzog Ulrich einen Wagen voll verehrt hatte, anerkannt ward. Wegen des Vogtrechts in Eilfingen gerieth das Kloster in Streit mit den Herren von Enzberg, welche aber in Maulbronn vor K. Rudolf darauf verzichten mußten, wie dieser 5. Februar 1276 zu Nürnberg erklärt; und nachdem 23. Juli 1285 Landrichter Swiker von Gemmingen sich für das Kloster ausgesprochen, verzichten sie darauf urkundlich 1. Aug. 1285; ebenso um diese Zeit ihre Verwandten Albert und Conrad von Niefern.

Im späteren Mittelalter hatte das Kloster der Dominikanerinnen zu Pforzheim hier Einkünfte (Pflüger S. 114), die ohne Zweifel von Baden an Württemberg kamen (s. Wiernsheim).

1504 wurde Eilfingen von dem wirtembergischen Heere verbrannt.

| 1675 wurde durch Brandenburger Marodeurs die Kelter abgebrannt (Lagerb.).

1694 oder 1695 mußte der Pächter den vom Krieg verheerten Hof verlassen (Klosterrechnung).

c) Eilfinger Berghaus, liegt oben am Rande der Eilfinger Weinberghalde und dient dem über den Anbau des Eilfinger Bergs gestellten Weingartmeister zur Wohnung.

d) Scheuelberg hat 1/2 Stunde nordöstlich von Maulbronn, am südlichen Fuß des Scheuelbergs eine abgeschiedene Lage. Das dazu gehörige, an sich geschlossene Gut mit 91 Morgen Äcker, 23 Morgen Wiesen, 22/8 Morgen Weinberg, 1/8 Morgen Gemüsegarten, 1/8 Morgen Weiher, 2/8 Morgen Weide ist unter 5 Bauern in etwa 160 Parzellen vertheilt.

e. Seidenhof, 1/8 Stunde nordöstlich von Maulbronn an der Straße nach Zaisersweiher gelegen. Das 765/8 Morgen große, zum Hof gehörige Gut ist unter 4 Besitzer in etwa 150 Parz. getheilt.

f. Schleifmühle (Seehaus), Haus, mit Sägmühle, ein sehr ansehnliches Gebäude, das 1/4 Stunde westlich vom Mutterort im Salzachthale liegt.


  1. Die Zahlen der Einwohner beziehen sich auf die ortsanwesende Bevölkerung.
  2. Den 25. Junius 1328 stiftete der Priester Kunrad von Aldingen 56 Pfund Heller Jahreszins für zwei Weltpriester in der Kapelle zur heil. Dreieinigkeit am Thor in Maulbronn und zu einem Jahrstag für ihn selbst.
  3. Der dem Staat gehörige, außerhalb (westlich) der Klostermauer stehende Gefängnißbau wurde 1862 im neuen modernen Stil aus Stein gebaut.
  4. Quellen und Hülfsmittel nebst Regesten zur Geschichte des Klosters und seines Gebietes bei Klunzinger Urkundliche Geschichte der vormaligen Cisterzienser-Abtei Maulbronn 1854. – Eine kürzere Darstellung gibt Lorent, Denkmale des Mittelalters in Württemberg. Erste Abtheilung 1866.
  5. Die verschiedenen Formen des Namens s. Klunz. a. a. O. 2, 83. Er ist ohne Zweifel als Mûlenbrunnen = Maulthierbrunnen zu verstehen, woraus sich die Fortbildung zu Maulbronn allein erklären läßt, während aus Mŭlenbrunnen = Mühlbronn eben diese Form hätte werden müssen, wie Mühlacker aus Mŭlnaker.
  6. Vergl. Tubing. Coenob. Blabur. 339: 1462 per palatinum monachi de monasterio Maulbrunn expulsi sunt (?), qui posuit illic clientes et milites, et facta est domus orationis domus spolii. Es scheint damit übrigens die Zeit nach der Schlacht von Seckenheim zu verstehen, so daß der Pfalzgraf jetzt erst das Kloster für eine Weile ganz als Festung behandelt hätte.
  7. S. über die katholische Episode K. (Klunzinger) im ev. Kirchen- und Schulblatt 1852 S. 289 und 393.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Transkription der Legende: 1. Thor. 2. Frühmeßhs. 3. Wagnerei. 4. Schmiede. 5. Öconomiegeb. 6. Hexenthurm. 7. Mühle. 8. Pfistermeisterei. 9. Marstall. 10. Rathhaus. 11. Gesindehaus. 12. Küfermeisterei. 13. Fruchtkasten u. Kelter. 14. Hof u. Weingartmeisterei. 15. Kirche. 16. Winterspeisesaal (Keller). 17. Laienrefectorium. 18. Küche. 19. Sommerrefectorium. 20. Calefactorium. 21. Kreuzgang. 22. Brunnenhaus. 23. Capitelsaal. 24. Geisselkammer. 25. Bibliothek. 26. Keller. 23–26: oben Dorment. 27. Parlatorium, oben Oratorium. 28. Herrenhaus. 29. Herzogliches Schloss. 30. Pfründhaus. 31. Faustthurm.
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