Beschreibung des Oberamts Mergentheim/Kapitel B 17

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17. Hachtel,
Dorf III. Klasse, mit 367 Einw., worunter 127 Evang., diese sind nach Wachbach eingepfarrt. Kath. Vikariat.


Der lieblich im grünen obstbaumreichen Wachbachthälchen gelegene kleine Ort zeigt sich mit seiner schönen erst 1861/63 im reinen gothischen Stil von der Gemeinde erbauten Kirche gar freundlich und einladend. In einer Nische über dem Portal des Thurmes die Statue der gekrönten Himmelskönigin. Die Gemeinde hat die Unterhaltung der Kirche, der Friedhof liegt nordöstlich von derselben. In seiner Mitte steht ein steinernes Kreuz mit dem Bilde des Gekreuzigten, darunter die schmerzhafte Mutter Gottes. Das Schulhaus samt Lehrerwohnung ist mit dem Rathhaus vereinigt.

Ort und Markung sind mit Trinkwasser reichlich versehen, das im Ort ein laufender, in hölzernen Deucheln hergeleiteter | Brunnen und 12 Pumpbrunnen liefern. Eine Vizinalstraße führt von hier nach Wachbach, drei steinerne, von der Gemeinde zu unterhaltende Brücken gehen über den das Ort durchfließenden, und in dessen Nähe entspringenden Wachbach.

Die Vermögensverhältnisse der Einwohner sind gut bestellt, der größte Grundbesitzer hat 100 Morgen, der Mittelmann 36–40 Morgen; auf angrenzenden Markungen besitzen die hiesigen Bürger 150 Morgen. Die Haupterwerbsquelle ist der Feldbau, die Gewerbe sind ganz untergeordnet, zwei Wirthschaften und zwei Kramläden bestehen.

Die ziemlich ausgedehnte Markung hat einen mittelfruchtbaren, hitzigen Lehmboden, der nicht tiefgründig und ziemlich steinig ist. Das Klima gehört zu den milden, doch schaden Frühlingsfröste und kalte Nebel häufig, Hagelschlag ist sehr selten. Die Landwirthschaft wird mit Eifer und unter Anwendung von verbesserten Ackergeräthen betrieben, doch stehen einer ausgedehnteren Behandlung die schlechten Wege entgegen; man pflanzt die gewöhnlichen Getreidearten, am meisten Dinkel, von dem jährlich 1000–1500 Centner nach außen verkauft werden können, von Gerste ebensoviel, von Haber 800–1000 Centner. Der Wiesenbau ist ausgedehnt und liefert ein gutes Futter, die Wiesen sind meist einmähdig, 30 Morgen davon bewässerbar. Es wird noch Futter nach außen verkauft.

Der Weinbau ist unbedeutend; man pflanzt 1200–1500 Stöcke auf den Morgen, die den Winter über bezogen werden. Der höchste Ertrag ist 2 Eimer, der höchste Preis 90 M. Dagegen wird die Obstzucht in ausgedehnter Weise betrieben und nimmt noch zu, das Obst (meist Mostobst und Zwetschgen) geräth gerne; ein Baumwart ist aufgestellt, und in günstigen Jahren werden gegen 1000 Simri verkauft.

Die Gemeinde besitzt 250 Morgen Wald, vorherrschend Laubwald, der jährlich 16 Klafter und 5000 Stück Wellen abwirft; die Wellen werden an die Ortsbürger vertheilt, das Klafterholz zu Gunsten der Gemeindekasse verkauft. Außerdem besitzt die Gemeinde 50 Morgen Weide, die samt der Brach- und Stoppelweide 1000 Gulden der Gemeinde einträgt, die Pferchnutzung 4–500 Gulden.

Die Pferdezucht (verschiedene Racen) zählt zu den besten des Bezirks und ist im Zunehmen, auch die Rindviehzucht ist bedeutend; man hält zwei Zuchtfarren von Schweizer Schlag; die Viehmastung ist unbedeutend.

| Ein fremder Schäfer läßt im Sommer 400, im Winter 200 Bastardschafe auf der Markung laufen.

Schweine werden zum eigenen Bedarf gemästet, die Geflügelzucht, namentlich der Hühner, ist ziemlich ausgedehnt, der Verkauf geht nach Mergentheim.

Auf der Markung lagen die beiden jetzt verödeten Weiler Igelstrut, von dem noch der gewölbte Brunnen vorhanden ist, und Ozendorf, wo auch noch eine reichliche Quelle fließt. In genau südlicher Richtung läuft östlich von Hachtel und Ozendorf die „alte Straße“ am „Centbaum“ vorüber nach Hollenbach.


Hachtel, verderbt aus altem Habs = Habichtsthal, war, nachdem Hohenlohe-Brauneck gegen Ende des 13. Jahrhunderts seine dortigen Einkünfte an die Klausnerinnen zu Wachbach abgetreten, bis zum Anfang des 15. Jahrhunderts hauptsächlich in den Händen theils der Reich und Mertin v. Mergentheim, theils der genannten geistlichen Frauen, sowie ihrer Schwestern zu Neunkirchen. 1408 gieng der Besitz der letzteren an den Deutschorden über und 1470 verkaufte ein Mertin seine Güter und Zehnten in Hachtel gleichfalls an die Deutschherren; was die Neunkircher Frauen und nach ihnen das Nonnenkloster Heidingsfeld besessen, kam 1534 an den Spital zu Mergentheim. Wann die in Wachbach seßhaften Herren v. Adelsheim zu dem Drittel von Hachtel kamen, welches sie schließlich innehatten, während Deutschorden zwei Drittel besaß, ist nicht bekannt. Centbar war der Ort zum Neuhaus; von den Ordensunterthanen waren diejenigen, welche dem Hause Mergentheim zugehörten, nach Mergentheim, die hinter dem Spital Mergentheim sitzenden gen Markelsheim, diejenigen, welche dem Heiligen zu Ailringen zustanden, dahin an das Gericht gewiesen. Im Bauernkrieg hielten sich die von Hachtel besonders übel.

1607 wurden die Katholiken des Orts nach Stuppach eingepfarrt, 1667 nach der Errichtung der Pfarrei Roth dorthin. 1861 ff. wurde eine eigene katholische Kirche erbaut. Eine Schule wurde 1839 für die Kinder beider Confessionen mit einem evangelischen Lehrer errichtet, 1853 in eine katholische Schule verwandelt, und die evangelischen Kinder in die Schule zu Dörtel gewiesen.


| 1291. 1296. Gebhard v. Brauneck überläßt der Klause zu Wachbach um seiner Tochter willen Gilten zu Habsthal, Igelstrut etc. W. F. 1853, S. 83. 4, 108.

1342. Rüdeger Reich v. Wachbach verkauft den Klausnerinnen zu Wachbach seine Gilten auf dem Gut zu Habsthal um 21 Pfd. Hllr. W. F. 1849, S. 86.

1344. Ebenso eine weitere Gilt um 80 Pfd. W. F. 4, 108.

1346. Hans v. Maienfels und seine Brüder, letztere im Kloster Murrhard, verkaufen ihre Gilten in Hauchtel u. a. O. an einen Mergentheimer. Ebend.

1348. Rüdiger Reich verkauft seine Gilten zu Lillstatt und die Gilt von des Mekers Gut zu Hachtel um 80 Pfd. an die Frauen zu Wachbach. W. F. 1849. S. 86.

1404. Witwe Holzschuherin zu Mergentheim verkauft Gilten in Hachtel an Heinrich Topler, Bürgermeister von Rothenburg, dieser schenkt sie der Frühmesse Vorbachzimmern.

1404. Beringer Reich v. Mergentheim zu Wachbach verkauft an Hermann Federolfs zu Hachtel das Gut daselbst, zwischen der Klingen und einem Gut Federolfs gelegen, um 10 Gulden. W. F. 1849, S. 88.

1408. s. Wachbach.

1470. Karl Mertin v. Mergentheim verkauft seine Güter und Zehnten in Hachtel an den Deutschorden. St.A.

1501. Bürgermeister und ganze Gemeind zu Hachl setzen in einem Gemeinbüchlein alle Buß, Straf, Nutz und Einung fest. W. F. 4, 103.

1501. Das Stadtgericht Mergentheim erkennt, daß die von Hachtl nach wie vor ihre Läutseile: zwo Garben, eine Korn und eins Habern, dem Meßner von Wachbach zu geben haben. W. F. 4, 105.

1527. Beim Strafansatz für die aufständischen Bauern wird in Wachbach und Hachtel, die sich besonders übel gehalten, jeder Herdstatt 6 Gulden aufgelegt. Schönhuth Merg. 60.

1534. Der Spital in Mergentheim erwirbt von Kloster Heidingsfeld (bei Würzburg) unter den Besitzungen, welche an dieses von der Klause zu Neunkirchen gekommen waren, auch solche in Hachtel. Schönh. Merg. 36.

1584. Ein Hirt in Hachtel wird von seinem Weibe ermordet, sie haut den Leichnam in Stücke und verscharrt sie im Hause. W. F. 7, 491.

1585. Dorfordnung von Hachtel. W. F. 4, 109.

1607 s. Stuppach.

1631. Polizeiordnung von Hachtel. Ebend. 108.


Igelstrut, alt Igilistruoth, Igelstruot = Igel-Buschwald, kam frühe, mit Azendorf, Ozendorf (= Dorf des Azo, oder Elsterndorf), wohl als Reichslehen, an die Hohenlohe-Brauneck, welche es schon im ersten Viertel des 13. Jahrhunderts theilweise an den Deutschorden überließen. Anderes kam, wahrscheinlich aus derselben Hand, an die Klause zu Wachbach, wieder Anderes durch die von Dörzbach theils an den genannten Orden, | theils an Kloster Gnadenthal, und durch die Familie Reinhard von Mergentheim an das Kloster Schönthal. Die Verödung des Weilers scheint frühe eingetreten zu sein, man weiß schon aus dem 15. Jahrhundert nichts mehr von ihm.


1054 Juli 10. Donauwörth. Kaiser Heinrich III. belehnt seinen getreuen Emehard mit dem Eigenthum an Gütern, welche der geächtete Hermann im Tauber- und Jagstgau zu Lehen gehabt, darunter in Igilistruoth. U.B. 1, 272.

[c. 1114. Das St. Michaelskloster zu Bamberg kauft von einem gewissen Ebo um 67 Pfd. Güter bei Röttingen und Ilstrot (?); da des Genannten Sohn Ulrich, der zur Zeit des Kaufs gefangen war, nach seiner Befreiung denselben anfocht, zahlte das Kloster 15 Pfd. darauf. Reg. bo. 4, 733. – Diese Urkunde scheint sich eher auf Strüth bei Röttingen, bayr. BA. Ochsenfurt, zu beziehen.]

1219. Die Brüder Heinrich und Friedrich v. Hohenlohe übergeben bei ihrem Eintritt in den DO. zu Mergentheim diesem ihre sämmtlichen Güter, darunter solche in Igelstrůt. U.B. 3, 95.

1222. Die Brüder Konrad und Gottfried v. Hohenlohe sichern dem DO. in Mergentheim eventuell statt des Zehntens in dieser Stadt ihre Güter an mehreren Orten, darunter in Igelstrut, zu. U.B. 3, 126.

1291 s. Hachtel.

1300. Würzburg erneuert die Belehnung von Hohenlohe-Brauneck mit der Vogtei über Igelstruet und Acendorf. Mon. bo. 38, 244.

1316. Margareta, Johanns v. Dörzbach Witwe, verkauft ihre Güter zu Igelstrut und Ozendorf um 34 Pfd. und 71/2 Schill. Hllr. W. F. 5, 7.

1329. Sofie v. Dörzbach verkauft zu Igelstrut 18 Schill. Gilt, 32 Käse, 6 Hühner an Kl. Gnadenthal. W. F. 9, 49.

1345. Heinrich Reinhard, Bürger in Mergentheim, und seine Hausfrau verkaufen von ihrem Hof zu Igelstrut an Kl. Schönthal 5 Pfd. Hllr. Gilt und 1 Fasnachtshuhn für 50 Pfd. Hllr. Schönhuth, Schönth. 78.

1348. Die Klausnerinnen zu Wachbach übergeben ihr Besitzthum in Igelstrut dem Heinrich Reinhard, Bürger in Mergentheim, als Erblehen. (B.)

c. 1350. Heinrich Reinhard, Bürger zu Mergentheim, hat als Hohenlohe-Weikersheimsches Lehen den Zehnten zu Igelstrut. Hoh. Arch. 1, 345.

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