Beschreibung des Oberamts Mergentheim/Kapitel B 36

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36. Rengershausen,
Gemeinde III. Klasse, kath. Pfarrdorf, mit 510 Einw., worunter 13 Ev., Filialisten von Dörzbach, OA. Künzelsau.


Der Ort liegt in der äußersten Südwestecke des Oberamts, tief in dem nach Dörzbach hinabziehenden Thale, da wo von Westen her eine schroffe Schlucht hereinbricht. Die einfache, dem h. Leonhard geweihte Kirche wurde im Jahr 1792 vom Deutschorden neu erbaut und ist von der Gemeinde zu unterhalten, und enthält drei Grabsteine der Familie von Muggenthal aus der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts. Die Glocken auf dem Thurm sind neu, alle drei laut Umschrift gegossen 1874 von Konrad Zoller in Biberach; auf der ersten steht ferner noch: St. Leonharde, patrone ecclesiae, ora pro nobis, dabei das Bild des h. Leonhard; auf der zweiten: Ave Maria gratia plena, dabei das Bild der Gottesmutter, auf der dritten: O bone pastor, implera nobis pietatem et tutelam pecudum, dabei das Bild des h. Wendelin.

Der Kirchhof wurde 1835 außerhalb des Ortes angelegt; das 1844 erbaute Pfarrhaus wird von den Erträgnissen der Pfarrstelle unterhalten. Das 1842 erbaute Schulhaus enthält ein großes Lehrzimmer und die Wohnung des Schullehrers; das Rathhaus ist im früheren Schulhaus eingerichtet. Ein Armen- und ein Schafhaus besteht.

| Gutes Trinkwasser liefern in Menge ein Pumpbrunnen und zwei Schöpfbrunnen, dann führt vom oberen Thalbrunnen her, der etwa 2000 Schritte vom Ort entfernt ist, durch den größeren Theil des Ortes eine Wasserleitung mit eisernen Röhren und speist 5 laufende Brunnen. Zu nennen ist (wegen sehr guten Wassers) der Kirchbrunnen, dann weiter auf der Markung das „Katzenbrünnlein“ und 3 Hungerbrunnen, einer am Lustbronner Weg und zwei im oberen Thal.

Die Staatsstraße von Mergentheim nach Dörzbach geht durch den Ort; zwei steinerne Brücken führen im Ort über den Bach, zwei gegen Laibach und Ailringen hin über die Klingen.

Die Vermögensverhältnisse sind ziemlich befriedigend, der größte Gutsbesitzer hat 50, der Mittelmann 20, die ärmere Klasse 4 Morgen Feld. Auf angrenzenden Markungen besitzen die hiesigen Bürger 30 Morgen. Feldbau, Viehzucht und wenig Weinbau sind die Erwerbsquellen. Außerhalb des Orts besteht eine Mühle mit zwei Mahlgängen und einem Gerbgang.

Der Boden ist mittelfruchtbar, theils lehmig, theils steinig, schwer und großentheils naßkalt, nicht tiefgründig; das Klima etwas rauh, kühle Sommernächte, schädliche Frühlingsfröste, kalte Nebel und Gewitter sind häufig; Hagelschlag ist selten.

Mit der Landwirthschaft ist es im allgemeinen gut bestellt, doch sollte die Jauche sorgfältiger gesammelt werden; verbesserte Ackergeräthe sind eingeführt. Nach außen können verkauft werden 200 Schffl. Dinkel, 170 Schffl. Gerste, 200 Schffl. Haber. Der Futterkräuterbau ist bedeutend, besonders mit blauem und Luzerneklee und mit Esparsette. Flachs und Hanf, und selbst Hopfen, Mohn und Tabak wird gepflanzt. Der Wiesenbau ist minder ausgedehnt, die Wiesen aber sind gut und zweimähdig; ebenso der Weinbau, das Gewächs ist rauh gegenüber dem der Nachbarorte; seit 50 Jahren geht derselbe zurück. –

Die Obstzucht dagegen ist im Zunehmen, man pflegt besonders Luiken, Palmischbirnen, Zwetschgen und Kirschen. Ein Baumwart ist aufgestellt und zwei kleine Privatbaumschulen bestehen.

Die Gemeinde besitzt 300 Morgen gemischten Wald und 90 Morgen Nadelwald, der erst in den sechziger Jahren auf verkauften Ödungen und Steinriegeln angelegt wurde. Der Erlös von Oberholz, mit 7–800 Gulden, fließt in die Gemeindekasse, die Wellen, je 60–70 Stück, werden an 86 berechtigte Bürger vertheilt. Zudem löst die Gemeinde aus der | Brach- und Stoppelweide 120, aus der Pferchnutzung 5–600 Gulden, und aus Allmanden, die an die 86 berechtigten Bürger vertheilt sind, von jedem derselben 6 Gulden.

Die Rindviehzucht (Heilbronner Schlag) ist bedeutend und im Zunehmen; zwei Farren sind aufgestellt. Sommer und Winter laufen 400 Stück fein- und rauhwollige Schafe auf der Markung. Von den hier aufgemästeten Schweinen (halbenglisch) werden auch nach außen verkauft; Hühner werden ziemlich viel gezogen.

Grabhügel, worin gefallene Schweden bestattet sein sollen, befinden sich im Stöckerbild drei, im Jungholz einer. –

Die alte Straße, Kaiserstraße, geht jetzt als Feldweg in den Fluren „Teufelshecke“ und „Heiligenäcker“; von letzteren bis zur Holzspitze zeigt sich Geisterspuk. Östlich vom Ort „hohe Burg“.


Rengershausen, alt Reingershusen, d. h. Behausung eines Reinger, hatte im 13. Jahrhundert eigenen Adel, war vom 14ten an im Besitz theils der Schenken von Limpurg, theils des Deutschordens, der Klöster Gnadenthal und Schönthal, der Seldeneck und anderer Herren, bis zuletzt Deutschorden in den Alleinbesitz tritt.

Die Kirche wurde vom Hoch- und Deutschmeister 1792 erbaut, das Pfarrhaus schon 1680 aus den Gefällen der erledigten Pfarrei.

Pfarrer: Weigand Serösser 1477. Ulr. Follin 1540. Karl Jak. Eberlin 1800–1830. Bernh. Herderer 1842. Matthä. Münst 1853. Xav. Wengert 1876.


1258. Cirlo de Reingershusen plebanus Zeuge in einer Würzburger Urk. U.B. 3, 417. (Würzburgisches in Rengershusen von einem conversus Wolframmus Abh. d. hist. Kl. d. Münch. Ak. 13, 3, 21.)

1307. Ulrich Schenk v. Limpurg rector parochialis ecclesie in Rengershusen. Wib. 1, 31.

1370 Goltstein v. Gattenhofen macht gegen Kloster Gnadenthal Ansprüche auf den Hof zu Rengershausen, Weinberge in Dörzbach und den Hof zu Meßbach, erscheint aber nicht vor dem Landgericht in Würzburg. W. F. 9, 56.

1374. Hans v. Berlichingen bekennt dem Kloster Gnadenthal 85 Pfd. schuldig zu sein von der Ansprache wegen, die das Kloster zu dem Hof in Meßbach und dem in Rengershausen hatte. Ebend. 57.

1381. Peter Stang, Edelknecht, verkauft die Mühle zu Rengershausen an DO. um 26 Pfd. St.A.

| 1415. DO. vertauscht das sogen. Tremelsgut in Rengershausen an das Kloster Schönthal gegen eine Hube zu Reisfeld. Schönhuth, Schönthal 111.

1422. Berenger v. Berlichingen wird von den Schenken von Limpurg mit 2 Theilen des Zehnten zu Rengershausen belehnt, welches Lehen von Poppo v. Domeneck sel. verfallen war. W. F. 6, 75.

1481. Die Gemeinde Rengershausen und Götz v. Berlichingen der Jüngere vertragen sich wegen dessen vermeinter Schaftriebs-Gerechtsame. St.A.

1494. Stift Neumünstersche Huben in Rengershausen.

1495. Unter den in einer Schatzung des Pfalzgrafen Philipp aufgeführten eigenen Leuten befinden sich 3 von Rengershausen. W. F. 7, 559.

1532. Philipp von Seldeneck, welcher Rengershausen schon früher in des DO.s Schutz und Schirm gegeben, verkauft es an denselben. W. F. 1848, S. 26. 8, 375.

1534. Unter den ehemals der Klause zu Neunkirchen gehörenden Gütern und Einkünften, welche der Spital zu Mergentheim vom Kloster Heidingsfeld kauft, sind auch solche in Rengershausen. Schönhuth, Mergentheim 36.

1540. König Ferdinand gestattet dem DO., sein peinliches Gerichtswesen neu zu ordnen; demgemäß wird Rengershausen dem Halsgericht in Mergentheim zugewiesen. W. F. 6, 246.

1585. Valentin v. Berlichingen zu Dörzbach hat von den Schenken von Limpurg Zehnten in Rengershausen zu Lehen. W. F. 8, 497.

1680. Die Pfarrei schließt mit den Herren v. Eyb in Dörzbach einen Vertrag, wornach letztere den der Pfarrei Rengershausen zustehenden Zehnten im Rohrthal (Röthel) Dörzbacher Markung, die Pfarrei den Eybschen Zehnten auf Rengershauser Markung beziehen soll.


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