Beschreibung des Oberamts Mergentheim/Kapitel B 37

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37. Rinderfeld,
Gemeinde III. Klasse mit 499 Einw., worunter 1 Kath. a. Rinderfeld, Pfarrdorf, 242 Einw.; b. Dunzendorf, Weiler, 73 Einw.; c. Streichenthal, Weiler, 184 Einw. Die Kath. sind nach Laudenbach eingepfarrt.


Der freundliche Ort liegt in der flachen Mulde des hier beginnenden gegen Oberndorf ziehenden Rinderbacher Thales und besitzt eine sehr alte, wenn auch mannigfach veränderte Kirche, davor eine große Linde, auch von hohem Alterthum. Über dem | Westeingang der Kirche steht 1607, doch sieht man oben am Schiff noch das alte romanische Gesims und auf dem Kirchenboden am ostwärts stehenden Thurm die alte Dachschräge. Der vierstockige in ein vierseitiges Zeltdach endigende Thurm hat im dritten Geschoß schöne romanische Schallfenster mit Würfelknäufen und weitausladenden Aufsätzen. Im Innern der Kirche erhielten sich noch die romanischen Kämpfer des (abgebrochenen) Triumphbogens, ein gothisches Sakramenthäuschen mit hübschem Eisengitter und ein fast lebensgroßes gothisches Krucifix. Von den drei Glocken hat die größte die Umschrift:

osanna heis ich.
zu gottes er leut ich.
bernhart lachaman gos mich. 1520.

Die beiden andern Glocken sind 1832 und 1871 gegossen worden von König in Langenburg. Die von der Stiftungspflege zu unterhaltende Kirche steht erhöht in dem mit alter starker Mauer umgebenen Friedhof, in der Schießscharten und ein frühgothisches Fenstermaßwerk über dem Eingang sich befinden.

Das schöne, 1859 ganz aus Stein erbaute Pfarrhaus ist ebenfalls von der Stiftung zu unterhalten.

Das Schulhaus enthält auch die Wohnung des Schulmeisters; neben der Volksschule ist auch eine Industrieschule vorhanden. Das Rathhaus wurde 1876 zu seinem jetzigen Zweck umgebaut, ein kleines Armenhaus besteht.

Gutes Trinkwasser liefern stets hinreichend 3 laufende, 32 Pump- und 4 Schöpfbrunnen; in jedem der Orte besteht eine Wette; auch die Markung ist nicht arm an Quellen; westlich vom Ort, beim sogenannten Weidensee, ein alter überwölbter Brunnen.

Vicinalstraßen gehen von hier nach Creglingen, Ober-Rimbach, Wildenthierbach, Wermutshausen und Laudenbach.

Die Gemeinde samt den Weilern gehört unter die wohlhabenderen der Gegend; der größte Grundbesitzer hat 100 Morgen Feld und 19 Morgen Wald, 3/4 der Grundbesitzer haben 45–95 Morgen, die ärmeren Leute 16–32 Morgen. Die Haupterwerbsquellen sind Feldbau und Viehzucht, der Obstbau ist der rauhen windigen Lage wegen schwierig. – Vier Schildwirthschaften und ein Kramladen bestehen.

| Der Boden ist mittelfruchtbar, das Klima nicht mild, schädliche Frühlingsfröste kommen vor, kalte Nebel wegen der hohen Lage weniger, starke Winde wehen das ganze Jahr über. Die Gewitter sind häufig und sehr heftig. Bei Streichenthal ein Steinbruch mit guten Bausteinen.

Der Zustand der Landwirthschaft ist befriedigend, verbesserte Ackergeräthe haben Eingang gefunden; über den eigenen Bedarf können noch nach außen verkauft werden 540 Schffl. Dinkel, 600 Schffl. Gerste, gegen 400 Schffl. Haber, 20 Schffl. Weizen und 500 Schffl. Roggen, welch letzterer am besten gedeiht. Der Futterkräuterbau mit Wiesenklee, Luzerne und Esparsette, ist bedeutend, der Wiesenbau ausgedehnt, das Futter gut. Die Wiesen sind z. Th. dreimähdig, 100 Morgen davon können bewässert werden; vom Futtererzeugnis wird noch nach außen verkauft. – Das Obst geräth nicht gern.

Die Gemeinde besitzt 6 Morgen Nadel- und Laubwald, was ihr von Zeit zu Zeit 120 M. einbringt; aus 11/2 Morgen Güter löst sie jährlich 20 M. An die der Gemeinde gehörigen 70 Morgen Weide haben die Bürger das Benützungsrecht, ebenso an die als Äcker und Wiesen benützten Allmanden. – Hohenlohe-Jagstberg besitzt auf hiesiger Markung gegen 370 Morgen Wald.

Die Pferdezucht ist im Zunehmen, etwa 100 Pferde sind in der Gemeinde, die Rindviehzucht so gut als sonst im Bezirk, man hält zwei Farren vom Neckarschlag. Mit Mastvieh besteht ein sehr ausgedehnter Handel. Private lassen Sommers und Winters 1000 Stück Landschafe auf der Markung laufen. Die Geflügelzucht wird ziemlich schwunghaft betrieben, Hühner, Gänse und Eier werden viel verkauft.

Von dem ehemaligen Weiler Wieset (s. auch bei Münster und Oberrimbach) finden sich noch deutliche Spuren der früheren Häuser und der durchgehenden Gasse, im Volk „Hoffährtle“ und „alte Gasse“ genannt; von hier aus geht der „Todtenweg“ über die Markungsgrenze nach Lichtel, wohin Wieset eingepfarrt war.


Rinderfeld hatte, wenn die unten stehenden Regesten 1288–1323 nicht auf Groß-Rinderfeld im bad. BA. Tauberbischofsheim zu beziehen sind, bis ins 14. Jahrhundert neben der Herrschaft Hohenlohe eigenen Ortsadel, der sich um diese Zeit nach Würzburg verlor. Dann kam es von Hohenlohe an | Konrad v. Weinsberg, welcher es nach mehrfacher Verpfändung 1443 an Rosenberg verkaufte, woneben auch die v. Finsterlohe Einiges besaßen. Da Hohenlohe jenen Kauf anfocht, trug Rosenberg die Erwerbung mit der ganzen Herrschaft Haltenbergstetten dem Hochstift Würzburg zu Lehen auf. Dieses belehnte damit nach dem Aussterben der Rosenberg die Familie Hatzfeld, nach deren Erlöschen 1794 die Herrschaft wieder an Würzburg fiel, um schließlich durch den Reichs-Deputations-Hauptschluß 1803 dem Fürsten von Hohenlohe-Bartenstein als Entschädigung zugewiesen zu werden.

Das kirchliche Patronats- und Aufsichtsrecht war lange zwischen Ansbach und Würzburg streitig. Aber Würzburg und, solange Hatzfeld von ihm belehnt war, dieses übten es unbeschränkt aus. Der Zehnten gehörte Ansbach. In der Kirche des Orts bestand eine von den Edelleuten der Gegend gestiftete Bruderschaft zum h. Sebastian.

Pfarrer: Marquardus, plebanus (U. Fr. 13, 193 wird von Würzburg für Beerdigung eines ohne Beichte Verstorbenen absolvirt.) Veit Rott um 1540. M. Johs. Hartmann vor 1611 (später Diak. in Rothenburg). Eberh. Löscher 1631. Nikol. Rosenbach 1645. Hein. Stock 1650. Wilh. Jak. Bent 1661. Joh. Ge. Freund 1665. Ernst Joh. Faber 1680. Ernst Christof Abr. Hofmann 1715. Joh. Gottfr. Moser 1749. Christof Mich. Moser (Sohn des Vorigen) 1777. Joh. Matthä. Wolf, 1796 von Würzburg ernannt, nachdem er in W. examinirt worden. Carl Friedr. Wilh. Wolf, Sohn des Vorigen, 1829. Ernst Gottl. Schüle 1872.


1288. Eckehardus marschalcus de Rindervelt Leistungsbürge bei einem Verkauf Weiprechts v. Zimmern. O.R. 18, 304.

1293. Heinricus Rindervelt unter den scabini ville Mergintheym bei einem Schiedsgericht zwischen Kloster Gerlachsheim und denen v. Hartheim. W. F. 5, 109.

1298. Heinricus de Rindervelt (bei den Mertin, Lesch und Reich) Zeuge in einer Mergentheimer Urk. W. F. 4, 121.

c. 1303. Simon v. Rinderfeld Würzburgischer Lehensträger. Arch. d. h. V. v. U. Fr. XXIV, 1, 57. 94.

1319. Heinrich v. Rinderfeld, Fleischschlachter, Bürger in Würzburg. Mon. bo. 39, 121.

1323. in Vsteten curia Heinrici dicti Ryndervelt ebend. 224.

1343. Elisabeth, Witwe Gottfrieds v. Hohenlohe, verkauft ihre Güter zu Rinderfeld und Streichenthal an 2 Bürger in Rothenburg, Seyfried Zuckmantel und Heinrich Hartrat. Wib. 4, 123.

| 1356. Fritz v. Leutzenbronn hat als Hohenlohe-Hohenlohisches Lehen das Weiler zu Peyertal bei Rinderfeld. Hoh. Arch. 1, 364.

1360. Kraft v. Hohenlohe und seine Gemahlin Anna stellen den Geistlichen ihrer Herrschaft Weikersheim, darunter dem Pfarrer von Rinderfeld, einen Schutz- und Schirmbrief für Leib und Gut aus. Wib. 2, 302.

1363. Fritz Zobel v. Rinderfeld wird von Hohenlohe-Hohenlohe mit dem Hof zu Beyertal, der gelegen ist bei Rinderfeld, belehnt. Hoh. Arch. 1, 374.

1370. Heinrich und Friedrich v. Rothenburg verkaufen an Frau Irmgard v. Hohenlohe, verwitwete Gräfin v. Nassau, ihre Gilten zu Rinderfeld. Wib. 4, 109.

1396. Rinderfeld und Streichenthal werden von Hohenlohe mit Neubronn (s. o.) Wermutshausen etc. an Konrad v. Weinsberg verpfändet. Wib. 1, 158.

1403. Zu der von Konrad v. Weinsberg und seiner Gemahlin Anna v. Brauneck gestifteten Bruderschaft (s. Weikersheim) gehört auch der Pfarrer von Rinderfeld. Wib. 1, 128.

1422. Konrad v. Weinsberg verpfändet mit andern Orten der Gegend auch Rinderfeld und Streichenthal an Mainz und Würzburg. Ludewig, Rel. msc. 12, 615.

1423. Konrad v. Weinsberg verkauft sein Viertel an der Vogtei in Rinderfeld und Dunzendorf an den Pfalzgrafen, Otto unter Vorbehalt des Rückkaufs. O.R. 9, 434.

1428. Rinderfeld zählt mit Dunzendorf 18 Familien. W. F. 7, 134.

1443. Kunz v. Rosenberg kauft von Konrad v. Weinsberg die Dörfer Rinderfeld, Streichenthal, Wermutshausen, Neubronn und Oberndorf, und trägt, weil Hohenlohe Einsprache erhebt,

1458 die Erwerbung dem Hochstift Würzburg zu Lehen auf. W. F. 9, 201. 202.

1512. Konrad Meuder von Rinderfeld, Theilnehmer an einer Fehde Götzen v. Berlichingen und derer v. Thüngen wider Rothenburg, wird gefangen und enthauptet. W. F. 7, 134.

1559. Hans Zobel v. Giebelstatt verkauft sein Eigenthum in Rinderfeld, Dunzendorf und andern Orten, wie er es von seiner Mutter Brigitta v. Finsterlohe ererbt hatte, an Hans v. Finsterlohe. Biederm. Altmühl 250.

1858 f. Das Pfarrhaus wird neu erbaut.


Der Weiler Dunzendorf, eine Viertelstunde südlich vom Mutterort.

Dunzendorf = Dorf eines Tunto, Dunzo (vgl. Duntzenheim bei Straßburg, im 8. Jahrh. Tunteshaime) hatten die von Finsterlohe als Würzburgisches Lehen; aber auch Hohenlohe hatte Eigenthum daselbst (1388). Nach dem Aussterben der Finsterlohe wurde es mit der übrigen Herrschaft Haltenbergstetten zuerst | Hatzfeldisch, 1641–1794, dann Würzburgisch bis 1802 und schließlich Hohenlohe-Bartensteinisch.

Am Ende des Weilers stand noch im Anfang dieses Jahrhunderts eine alte dem Einsturz nahe, mit ansehnlichen Kapitalien und Grundstücken ausgestattete Kapelle, dem hl. Laurentius geweiht, in welcher zu Behauptung des öffentlichen und alleinigen Rechts der Religionsübung der Pfarrer von Laudenbach im Beisein des Würzburgischen Beamten und mehrerer Laudenbacher jährlich am Weihtag der Kapelle eine Messe und Predigt abhielt, worauf die Dunzendorfer jenen Personen eine Mahlzeit abreichen mußten. Bundschuh, Lex. v. Franken 1,660. Früher war der Weiler nach Wildenthierbach eingepfarrt.


1319. Apel v. Finsterlohe wird von Würzburg mit dem Weiler und Zehnten zu Dunzendorf u. A. belehnt. Biederm. Altmühl, 246.

1339. Konrad v. Finsterlohe verschreibt Hansen v. Wilhelmsdorf (B.A. Neustadt a. d. Aisch) den Zehnten zu Dunzendorf. Ebend. 147.

1346. Die Gemahlin Weiprechts v. Finsterlohe, Else, Hansen v. Wilhelmsdorf Schwester, wird auf den Zehnten zu Dunzendorf verwiesen, Ebend. 246.

c. 1360. 1373. Konrads Sohn Götz v. Finsterlohe hat ein Viertel Zehnten in Dunzendorf. Ebend. 247.

1387. Kraft v. Reinsbronn verkauft mit seiner Gemahlin Elsbeth die Gilt zu Dunzendorf etlichen Unterthanen daselbst. Biederm. Steigerwald 241.

1388. Götz und Albrecht v. Finsterlohe kaufen von Friedrich v. Hohenlohe Leute und Gilten zu Dunzendorf und a. O. Reg. boica 10, 218.

1395. Albrecht v. Finsterlohe wird mit Zehnten zu Dunzendorf belehnt. Bied. Altm. 248.

1401. Ebenso Götz und nach dessen Tod Fritz v. Finsterlohe. Ebend. 246. 247.

1407. Peter v. Finsterlohe verweist seine Gemahlin auf das was er in Dunzendorf u. a. O. hat. Ebend. 248.

1415. Hans v. Finsterlohe besitzt Zehnten in D. Ebend. 247.

1428 s. Rinderfeld.

1430–1467. Götz v. Finsterlohe ist mit Theilen des Zehnten in Dunzendorf belehnt. Bied. 249.

1443. Ebenso Konz v. Finsterlohe. Ebend. 248.

1467. Desgleichen Peter v. Finsterlohe. Ebend. Dieser verpfändet ihn

1471–76 an Hans v. Finsterlohe. Ebend. 249.

1492 Kunz von Finsterlohe hat ein Viertel,

1496 Weiprecht v. Finsterlohe den halben Zehnten,

1515 Wilhelm v. Finsterlohe einen Theil. Ebend.

1522. Philipp v. Finsterlohe ist belehnt. Ebend. 250.

1559. s. Rinderfeld.

1559. Dunzendorf leidet durch einen starken Brand. W.F. 7, 134.

| 1641. Der Würzburger Bischof, Franz v. Hatzfeld, verpfändet an seinen Bruder, den kaiserlichen Feldmarschall Grafen Melchior von Hatzfeld, den er mit der Herrschaft Haltenbergstetten belehnt, Laudenbach, Dunzendorf etc. W.F. 4, 218.


Der ansehnliche Weiler Streichenthal eine halbe Stunde nordöstlich von Rinderfeld. Zwischen ihm und dem Mutterort steht an der Straße das „Vaterunserbäumlein“, an dem, wenn eine Leiche vorbei geht, dieselbe anhält und das Vaterunser gebetet wird. – Auf der Markung sind die Flurnamen „Burgweg“, „Burgwasen“, „Thurm“ zu erwähnen.

Streichenthal, d. i. nach Dr. Buck Thal mit oder bei den Strichen = Bifängen (vgl. oben S. 47 f.) oder Thal eines gewissen Streich, war Hohenlohe-Brauneckisch (Wib. 1, 146) und gieng weiterhin durch dieselben Hände wie Rinderfeld (s. dieses 1343. 1396. 1422. 1423. 1443. 1458). Den Zehnten hatte Ansbach.

1334. Reinhard Krumlein v. Bütthardt verkauft Zinsen und Gilten in Streichenthal und Queckbronn an das Kloster Schäftersheim um 69 Pf. Heller.


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