Beschreibung des Oberamts Mergentheim/Kapitel B 44

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44. Vorbachzimmern,
Gemeinde III. Klasse, evang. Pfarrdorf, mit 694 Einw., worunter 7 Kath., Filialisten von Laudenbach.


Der Ort liegt freundlich, von Obstbäumen umgeben, im lieblichen Vorbachthal, meist auf der rechten Seite des Baches, beim Einfluß des unbedeutenden Hundsbaches; der auf der linken Thalseite gelegene Theil des Orts heißt Trinsbach.

| Die höchst unförmliche Kirche besteht aus einem sehr alten schwerfälligen Ostthurm, der ohne Zweifel der Überrest einer hier gestandenen sehr alten Kapelle ist und zugleich zur Vertheidigung, Sperrung des Vorbachthales diente, wie ja auch an der Kirchhofmauer noch zwei weitere, runde Thürme standen. Über einem Fenster dieses alten Ostthurmes steht 1778, das Jahr des Umbaues und der Erweiterung der alten Kirche. Innen im Thurm sieht man auf der ersten Empore eine alte Skulptur eingemauert, ein bärtiger Mann, der die Hände faltet; das Schiff der Kirche besitzt ein gutes spätgothisches Gemälde fränkischer Schule, früher Flügel eines Altars, dessen Schrein sich noch auf der Kirchenbühne befindet, darauf Christus mit der Weltkugel, die Rückwand, ganz verdorben, trug, – soviel noch zu vermuthen ist, – das Bild einer Heiligen (Maria). Die größte Glocke ist 1863, die zweite 1868 von König in Langenburg gegossen, die dritte alt und inschriftlos. Die Unterhaltung der Kirche ruht auf der Stiftung. Gegenüber der Kirche an der Straße steht ein altes Steinkreuz.

Der 1816 angelegte, 1855 erweiterte Friedhof liegt außerhalb des Orts. Das Pfarrhaus, 1786/87 erbaut, ist ebenfalls von der Stiftung zu unterhalten. Das 1834 erbaute Schul- und Rathhaus enthält auch die Lehrerwohnung. Ein kleines Armenhaus besteht.

Gutes Trinkwasser liefern stets reichlich 3 laufende und 34 Pumpbrunnen; nebendem sind noch 3 laufende Brunnen außerhalb des Orts, davon 2 am Rinnenweg.

Die Vizinalstraße von Laudenbach nach Niederstetten führt durch den Ort, eine steinerne Brücke im Ort über den Vorbach.

Die Vermögensverhältnisse der Einwohner sind befriedigend, der Mittelstand herrscht vor. Der größte Grundbesitz beträgt 55 Morgen, der des Mittelmanns 18 Morgen, der ärmeren Klasse 3 Morgen Feld. Auf den angrenzenden Markungen haben die hiesigen Bürger etwa 150 Morgen Güter.

Die Haupterwerbsquellen bestehen in Feldbau, Viehzucht, besonders aber im Weinbau, der sehr stark betrieben wird. Die Gewerbe sind untergeordnet. Zwei Mahlmühlen befinden sich innerhalb des Orts, eine mit drei Mahlgängen und einem Gerbgang, die andere mit zwei Mahlgängen und einem Gerbgang, desgleichen eine Sägmühle. Zwei Schildwirthschaften und zwei Kaufläden bestehen.

| Der Boden ist nicht besonders tiefgründig und manchmal steinig, das Klima mehr mild als rauh, schädliche Frühlingsfröste und kalte Nebel kommen häufig vor, seit 1862 wiederholt sich fast alle fünf Jahre der Hagelschlag stärker oder schwächer; es soll dies seinen Grund in der Ausreutung der umliegenden Wälder haben.

Die Landwirthschaft ist in gutem Zustand, doch fehlt es wegen vielen Weinbaues an Dünger, auch sind die besseren Äcker weit und hoch gelegen. Verbesserte Ackergeräthe, namentlich Futterschneidmaschinen, sind eingeführt. Von den Getreidefrüchten können noch nach außen verkauft werden 100 Schffl. Dinkel, 300 Schffl. Gerste, 80 Schffl. Haber. Der Futterkräuterbau, mit blauem Klee, Wiesenklee und Esparsette, ist ziemlich voran, der Wiesenbau durch das enge Vorbachthal beschränkt und es muß noch ziemlich viel Futter zugekauft werden; die Wiesen sind zweimähdig.

Der Weinbau dagegen ist ausgedehnt, aber nicht im Zunehmen; man pflanzt 2/3 Grobschwarz, 1/3 Gutedel und Österreicher. Die mittleren und höheren Lagen übertreffen die niederen an Güte; der Wein ist meistens sehr kräftig, ziemlich gerbstoffhaltig, dauerhaft, und wird in den entferntesten Gegenden gern getrunken; in den letzten 10 Jahren war der höchste Preis eines Eimers 150–170 Gulden, der niederste 20 Gulden. Der höchste Ertrag eines Morgens Weinberg beträgt 8 Eimer. Der Weinbau wurde hier seit uralter Zeit ohne Unterbrechung getrieben und nach Aussage älterer Leute früher noch weit stärker wie jetzt.

Die nicht bedeutende Obstzucht nimmt zu; die kalten Nebel im Frühling schaden fast jedes Jahr der Blüthe. Ein Baumwart ist aufgestellt und es hat der hiesige Schultheiß eine Baumschule mit 7000 Stämmchen angelegt.

Die Gemeinde besitzt nur 16 Morgen Laubwald, der Ertrag wird an die Bürger vertheilt; aus der Brach- und Stoppelweide bezieht die Gemeinde jährlich 1460, aus dem Pferch 700 Mark, aus einigen Wiesen 150 Mark.

Die Viehzucht (gemischter Schlag von Neckar- und Frankenrace) bildet keinen Erwerbszweig; zwei Farren sind zur Nachzucht aufgestellt. Ein Pachtschäfer läßt 220–250 Stück Bastardschafe auf der Markung laufen. – Das Fischrecht im forellenführenden Vorbach hat Hohenlohe-Jagstberg.

| Von Stiftungen sind vorhanden: die Andreas Pflüger’sche, gestiftet 1827 mit 60 fl., die Zink’sche, gestiftet 1853 mit 400 fl., und die Pfarrer Lampart’sche mit 100 fl.

Im Lindenviertel soll ein Freihaus gestanden sein, in welchem flüchtige Verbrecher Straflosigkeit fanden; es sei im Anfang dieses Jahrhunderts abgebrochen worden und fürstliches Eigenthum gewesen. – Der sog. Herrgottsweg, der nach Ebertsbronn führt, war der Wallfahrtsweg zur Herrgottskirche bei Creglingen. Die „alte Straße“, auch „Rothenburger Straße“, ist der nächste Weg nach Wildenthierbach. – An dem Weg nach Niederstetten lag früher ein großer Stein, „an welchem regelmäßig die Pferde scheu wurden und ein schwarzer Pudel über den Weg lief.“


Vorbachzimmern d. h. Zimmern, holzgezimmerte Wohnungen, am Forbach oder Vorbach (altdeutsch entweder von foraha, Föhre, Forche, oder von forahana, Forelle) gehört zu den ältesten Orten des Bezirks, wenn es das Zimberen ist, in welchem, wie in den Nachbarorten Oberstetten, Niederstetten und Laudenbach, Kloster Fulda schon im neunten Jahrhundert Eigenthum hatte. Würzburgische und Hohenlohische Lehensträger, zu der ausgedehnten Familie der Leschen gehörig, saßen daselbst im Beginn des 14. Jahrhunderts, wenig später die von Finsterlohe und die Wernitzer von Rothenburg. Auch die Klöster Schäftersheim (1345) und Tückelhausen (1474) hatten Güter und Rechte in Vorbachzimmern, ebenso die Rosenberg (s. 1587). Nachdem die Finsterlohe ausgestorben waren, zog Würzburg die Herrschaftsrechte wieder an sich, so daß diese fortan zwischen ihm, Hohenlohe-Neuenstein und Hohenlohe-Bartenstein getheilt waren. Würzburg belehnte mit seinem Theil Hatzfeld, zog ihn nach dem Aussterben dieser Familie wieder an sich und mußte ihn 1802 mit dem ganzen Amt Haltenbergstetten an Hohenlohe-Jagstberg abtreten. Die 3 obengenannten Herrschaften übten die Gerichtsbarkeit in halbjährigem Turnus aus. Über die vorübergehende bayerische Besitzergreifung 1806 s. S. 306.

Ursprünglich Filial von Haldenbergstetten, dessen Frühmesser V. versah, erhielt der Ort später eine eigene, unter Anderem von dem berühmten Rothenburger Bürgermeister Toppler mit Gilten bedachte Frühmesserei. Schon 1524 sollen die Herren von Finsterlohe einen evangelischen Pfarrer eingesetzt haben, dessen Ernennung bald an Hohenlohe übergieng, unter Einsprache Würzburgs,| welches auch die Reformation wieder rückgängig zu machen suchte, aber mit einer jährlichen Abgabe von Seiten des Pfarrers sich begnügen mußte. Vom Zehnten bezog Würzburg die Hälfte, Hohenlohe-Neuenstein und -Bartenstein je 1/4.

Pfarrer: Johs. Khien 1564. Dan. Knapp 1577. Lud. Hermann um 1600. M. Joh. Velcurio 16 . . Marcus Freund 1626 (guter Astronom, von dem die sog. Marcus Freunds-Kalender, welche noch in der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts zu Nürnberg gedruckt wurden, den Namen haben sollen.) Gottfr. Rabus 1652. Joh. Adolf Kohl 1654. Ge. Günzel 1656. Hein. Kern 1656. Joh. Lüder 1665. Ge. Lud. Muck 1682. Joh. Ge. Reichard 1696. Mich. Kopp 1700. Joh. Bernh. Wagner 1721. Joh. Pet. Bauer 1736. Joh. Phil. Burk 1747. . . Joh. Ge. Phil. Schnell von Pfitzingen 1796. Franz Fried. Majer 1844. Theod. Speier 1853. Manfred Mehring 1862. Hein. Krockenberger 1873. Eug. Sieglin 1876.


9. Jahrh. Markwart und seine Ehefrau Perchthilt schenken dem Kloster Fulda all ihr Eigenthum in den 4 Weilern Niederstetten, Laudenbach, Zimberen und Oberstetten, wo die Kirche erbaut ist. Trad. Fuld. ed. Dronke 16.

c. 1303. Lescho de Vorpachzimmern trägt den Zehnten daselbst von Würzburg zu Lehen. Arch. d. h. V. v. U. Fr. XXIV, 1, 80.

1340. Würzburg belehnt den Ritter Burkart v. Seckendorf zusammen mit Konrad Lesch v. Vorbachzimmern mit einem Sechstel des Zehnten und dem kleinen Zehnten in Vorbachzimmern. Mon. bo. 40, 329.

1345. Alhus, Götzen Stegerwalds Witwe, und ihre Kinder Kunrat, Götz, Anna und Adelheid verkaufen etwas zu Vorbachzimmern an Kl. Schäftersheim. Wib. 2, 233.

1345. Konrad der Jung v. Finsterlohe in Zimmern und seine Ehefrau Anna. Schönhuth, Schönthal 77.

1346. Ebenderselbe kauft von Konrad Lesch und dessen Ehefrau die Fischweide zu Vorbachzimmern für 12 Pfd. Hllr. Reg. bo. 8, 62. (Biederm. Altm. 247 setzt diesen Kauf 1353 an.)

c. 1350. Rüdiger Lesch wird von Hohenlohe-Weikersheim mit der Hälfte dessen belehnt, was Konrad Lesch hatte „zu Zymmern in dem tal an der Forpach.“ Hoh. Arch. 1, 343.

1383. Dietrich Lesche v. Habelsheim und seine Frau Katharina verkaufen ihren Acker zu Forpachzimmern gelegen unter Beheim Wernczers Weingarten ob der Au und ihren Acker daselbst die Au genannt bei der Hohenwiesen an Arnolt Forssan von Forpachzimmern. Mon. bo. 43, 480.

1384. Götz v. Finsterlohe hat ein Zwölftel des Zehnten zu Vorbachzimmern, welches Margareta Leschin innegehabt, zu Lehen. Biederm. Altmühl 247.

| 1395. Derselbe hat einen Theil Zehnten in Vorbachzimmern und den Burgstall allda, wie ihn Hans Wernitzer, genannt Beham, Bürger zu Rothenburg, bisher innegehabt. Ebend.

1401. Da Götz v. Finsterlohe stirbt, erhält Fritz v. Finsterlohe einen Zehnten in Vorbachzimmern mit dem Burgstall. Ebend. 246. 247.

1404. Heinrich Toppler, Bürgermeister von Rothenburg, verkauft an die Pfleger der Frühmeßpfründe zu Vorbachzimmern Gilten von den Weingarten daselbst am Horn und der langen Wiese, die vordem Leschen war, um 16 Gulden Gold.

1404. Derselbe gibt die Güter, welche er von der Holzschuherin zu Mergentheim, in Dörtel, Hachtel und Wachbach gekauft, an die Frühmeß zu Vorbachzimmern gegen Fürbitte an Allerheiligen.

1474. Hans und Peter v. Finsterlohe und Leonhard Wernitzer vertragen sich mit dem Prior des Klosters Tückelhausen (BA. Ochsenfurt) wegen der Gerichtsbarkeit zu Vorbachzimmern. (B.)

1498. Peter v. Finsterlohe, Amtmann zu Bütthart, trägt gegen Eignung eines Zehnten dem Grafen Kraft v. Hohenlohe ein halb Theil des Dorfs Vorbachzimmern mit Gericht, Vogtei, Gilten etc. die er theils geerbt, theils vom Kloster Tückelhausen erkauft hatte, zu Lehen auf. Wib. 4, 119.

? 1524. Hans v. Finsterlohe führt die Reformation in Vorbachzimmern ein. W. F. 7, 132.

1540. Hohenlohe erwirbt von den Finsterlohe die Kollatur der Pfarrei Wib. 1, 187; ernennt aber erst 1573 erstmals einen Pfarrer ebend. 478.

1577. Die Gemeinde Vorbachzimmern bittet ihre beiden Hohenlohischen Herrschaften, daß ihren Kindern, mit welchen sie Gott in ziemlicher Anzahl gesegnet, ein Schulmeister möchte fürgesetzt werden, der sie neben dem Katechismo im Lesen, Schreiben und Singen nützlich unterrichten könne, zeigt sich auch geneigt, einen erklecklichen Theil der Kosten aufzubringen, da es ein gottselig Werk sei, und sucht um einen Beitrag nach. W. F. 8, 245. Drei Jahre später, 1580 wird ein Schulmeister Georg Englert genannt. 7, 132.

1587. Das Rosenbergsche Schlößlein wird versteint. W. F. 7, 132.

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