Beschreibung des Oberamts Neckarsulm/Kapitel A 3

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Einwohner.


A. Bevölkerungsstatistik.[1]


1. Stand und Bewegung der Bevölkerung im Allgemeinen.

Abgesehen von den Veränderungen, welche mit Aufhebung des früher mit dem Großherzogthum Baden bestandenen Kondominats Widdern eingetreten und welche in den Anmerkungen zu der Tabelle auf S. 76 f. aufgeführt sind, hat der Bezirk nach der Zählung von 1875 noch dieselben Ortschaften wie am 1. November 1812. Ohne die Stadt Widdern, welche vor 1806 und bis 1846 nur theilweise württembergisch war, sind darunter 10 altwürttembergische Gemeinden begriffen: Neuenstadt a. K. (an der Linde), Cleversulzbach, Brettach, Gochsen,

(Fortsetzung S. 78.)

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Übersicht über den Stand der Bevölkerung in den 34 Gemeinden des Oberamtsbezirks Neckarsulm,
und zwar in den Jahren
Gemeinden 1812
am 1. November
1834 1834 1846 1852 1855 1871 1875 Flächenmaß
der
Markungen
in Hektar
Ortsan-
gehörige
Ortsan-
wesende
Ortsan-
gehörige
nach der
Aufnahme
vom
15. Dez.
Ortsan-
wesende
nach der
Zollvereins-
zählung v.
15. Dezbr.
Ortsanwesende nach den
Zollvereinszählungen
am 3. Dezember
nach den Zählungen
des Deutschen Reichs
am 1. Dezember.
01. Neckarsulm 2125 2120 2364 2261 2472 2707 2581 2576 2640 1120,41
02. Bachenau 326 328 392 381 378 393 415 359 360 354,53
03. Binswangen 493 479 623 576 638 600 597 612 631 518,70
04. Bittelbronn 1) 247 275 252 246 249 455,46
05. Böttingen 249 235 322 313 343 333 340 311 317 384,12
06. Brettach 853 848 953 986 1111 1193 1115 1165 1178 1351,78
07. Bürg 257 282 244 282 298 299 296 292 277 502,47
08. Cleversulzbach 547 543 625 602 688 671 621 652 655 526,81
09. Dahenfeld 401 398 477 459 481 502 492 539 530 561,60
10. Degmarn 322 323 369 333 383 403 383 388 375 361,35
11. Duttenberg 2) 346 344 456 489 503 547 535 466 496 596,39
12. Erlenbach 941 939 1026 995 1072 1085 1053 1067 1103 753,39
13. Gochsen 652 635 756 784 822 843 865 742 751 856,13
14. Gundelsheim 842 857 1141 1179 1198 1182 1167 1156 1222 1576,78
15. Hagenbach 240 237 283 255 297 296 297 306 307 229,25
16. Höchstberg 410 418 495 512 589 666 563 538 561 420,75
17. Jagstfeld 336 329 534 590 662 640 668 941 945 329,44
18. Jagsthausen 1162 1149 1226 1219 1167 1140 1036 966 996 1276,97
19. Kochendorf 994 979 1461 1454 1644 1674 1549 1630 1621 934,18
20. Kochersteinsfeld 629 619 679 725 738 782 781 740 760 1112,88
21. Kocherthürn 470 473 546 528 629 653 639 644 657 840,69
22. Lampoldshausen 559 552 644 634 725 693 725 797 759 1585,05
23. Möckmühl 1503 1536 1737 1768 1682 1824 1612 2025 2103 2013,26
24. Neuenstadt a. K. 1273 1274 1415 1399 1535 1568 1472 1452 1444 1221,38
25. Ober-Griesheim 351 355 391 383 462 456 443 423 419 433,21
26. Oedheim 1557 1549 1561 1475 1595 1602 1600 1647 1717 1788,26
27. Offenau 548 564 704 758 851 837 793 820 802 565,34
28. Olnhausen 3) 412 398 445 462 473 459 444 441 471 491,16
29. Roigheim 722 731 824 809 839 827 859 952 1000 1401,34
30. Siglingen 798 776 850 911 968 964 970 1000 974 1215,55
31. Tiefenbach 376 382 430 453 469 461 487 550 538 496,95
32. Unter-Griesheim 355 355 352 369 407 401 408 429 452 428,44
33. Widdern 4) 1134 1134 1371 1298 1229 1241 1182 1305 1293 1668,46
34. Züttlingen 480 492 588 581 726 868 1073 853 865 1135,93
Summe des ganzen Bezirks 5) 22.663 22.633 26.284 26.223 28.321 29.085 28.313 29.030 29.468 29.508,41
| Anmerkungen zu der Übersicht über den Stand der Bevölkerung auf S. 76 u. 77.

1. Zu Gemeinde Nr. 4. Bittelbronn war vor 1846 der Gemeinde Möckmühl zugetheilt;

2. zu Gemeinde Nr. 11. Duttenberg. Parzelle Heuchlingen gehörte 1812 noch zu Untergriesheim;

3. zu Gemeinde Nr. 28. Olnhausen. Die Parzelle Rossach gehörte früher der (jetzt badischen) Gemeinde Unterkessach an, dann zu Olnhausen, bis sie in Folge des Gesetzes vom 12. April 1855 (Reg.-Bl. S. 94) an die Gemeinde Schönthal OA. Künzelsau fiel. Ihre Bevölkerung ist daher schon von 1812 an beim Oberamt Neckarsulm weggelassen;

4. zu Gemeinde Nr. 33. Widdern ist, der späteren politischen Eintheilung entsprechend, ohne Berücksichtigung des schon vor 1812 und bis 1846 mit dem Großherzogthum Baden noch bestandenen Kondominats, von 1812 an mit seiner ganzen Bevölkerung aufgeführt. Dagegen wurden die mit Aufhebung des Kondominats Widdern gleichzeitig zum badischen Gebiet gekommenen Orte: Korb mit den Parzellen Dippach, Hagenbach, und die Gemeinde Unterkessach von Anfang an weggelassen;

5. zur Summe vom ganzen Bezirk. Der Oberamtsbezirk zählt in den Jahren

1812 1834
Ortsangehörige Ortsanwesende Ortsangehörige Ortsanwesende
nach der Tabelle 22.663 22.633 26.284 26.223.
Rechnet man hiezu die Bevölkerung der damals dazu gehörigen, aber durch den Staatsvertrag vom 7. März 1846 (Reg.-Bl. von 1846 S. 128) an Baden abgetretenen Orte:
Gemeinde Korb samt Parz. Dippach und Hagenbach mit 486 479 578 574
und Unterkessach mit 371 373 340 386
Personen, so hatte derselbe incl. des Kondominats Widdern Einwohner 23.520 23.485 27.202 27.183.

(Fortsetzung von S. 75.)

Kochersteinsfeld, Lampoldshausen, Siglingen, Möckmühl, Bittelbronn und Roigheim, welche einen zusammenhängenden Komplex von Markungen bilden. Die übrigen 22 Amtsorte und Neckarsulm gehörten theils dem Deutschorden, theils der reichsfreien Ritterschaft, daher über die früheren Bevölkerungsverhältnisse des ganzen jetzigen Oberamtsbezirks keine genügende Auskunft gegeben werden kann.

| Die Bevölkerung des Oberamtsbezirks, welche im Jahr 1812 aus 22.633 Ortsanwesenden bestand, hat sich bis 15. Dezember 1834 auf 26.223 und bis 15. Dezember 1846 auf 28.321 Personen vermehrt, somit in 34 Jahren um 25,13% oder jährlich um 0,74%. Von 1846 bis 1852 zeigte sich gleichfalls noch eine Zunahme, aber nur um 2,70% oder 0,45% jährlich, wogegen die Bevölkerung des Bezirks an ihrem Stand von 1852 mit 29.085 Personen bis 1855 772 verlor, also auf 28.313 zurückgieng oder um 2,65% und jährlich um 0,44% sich verminderte.

Der Oberamtsbezirk Neckarsulm gehört zu denen, in welchen die Theilung des Grundbesitzes zwar weit fortgeschritten ist, doch nicht so weit geht, als in manchen andern Bezirken. Vielmehr nehmen die Wirthschaften von mehr als 5 ha über die Hälfte des landwirthschaftlichen Areals ein und überdies ist er einer der fruchtbarsten Oberamtsbezirke[2] (sehr gute Landwirthschaft, Wein- und Waldbau), daher auch die wirthschaftliche Krisis der 1850er Jahre hier weder eine sehr große Zahl von Gantfällen noch eine bedeutende Bevölkerungsabnahme zur Folge hatte.[3]

In den 20 Jahren 1855 bis 1875 aber nahm die Bevölkerung nur um 1155 Personen oder 4,08% zu und jährlich um 0,20%, so daß sie am 1. Dezember 1875 mit 29.468 Personen nur 383 Personen mehr betrug als am 3. Dezember 1852. Diese Zunahme war mithin viel geringer als die Zunahme in den Jahren 1812 bis 1846 mit 0,74% jährlich. Es scheint daher, daß bei der großen Fruchtbarkeit des Bezirks und der vorherrschenden landwirthschaftlichen Produktion jene günstigen Einflüsse, welche im dritten und vierten Jahrzehnt dieses Jahrhunderts hauptsächlich eine Vermehrung der landwirthschaftlichen Bevölkerung Württembergs bewirkten (gute Ernten, namentlich ergiebiger Kartoffelbau und leicht zu erhaltender Kredit auf Liegenschaften)[4], hier früher gleichfalls eine ansehnliche Bevölkerungszunahme zur Folge hatten, daß aber ebendeshalb später bei ihrem Wegfallen auch der Fortgang der Bevölkerungsvermehrung ein viel langsamerer wurde.

| Die Zunahme in dem ganzen Zeitraum 1812–75 beträgt für den Oberamtsbezirk 30,20% und jährlich 0,48%. Bei Voraussetzung einer gleichmäßigen Fortdauer dieser Zunahme würde sich dessen Bevölkerung hienach in 145 Jahren verdoppeln, was mit der im Jahrgang 1874 der Jahrbücher I S. 198 aus der Bevölkerungsvermehrung von 1813/67 berechneten Verdoppelungsperiode von 138 Jahren nahe übereinstimmt.

Ebendaselbst ist auch die Verdoppelungsperiode für die Nachbarbezirke Heilbronn, Künzelsau und Mergentheim berechnet, wovon das erstere mit nur 76 Jahren zu den Oberämtern mit raschester, die beiden letzteren mit 631 und 314 Jahren zu denen mit langsamer Zunahme zählen würden. Hiezu trägt beim Oberamt Heilbronn hauptsächlich die Stadt Heilbronn bei.

Die Zunahme der Bevölkerung der Oberamtsstadt Neckarsulm ist in der gleichen 63 jährigen Periode von 1812/75 mit 24,53 und 0,39% jährlich etwas geringer, als die der übrigen Gemeinden zusammengenommen bei 30,79% und jährlich 0,49%. Die Zunahme ist aber bei diesen eine sehr ungleiche und beträgt in einer Anzahl von 7 Gemeinden über 40%, nemlich in

Jagstfeld 187,23 %
Züttlingen 75,81%
Kochendorf 65,58 %
Duttenberg 44,19%
Gundelsheim 42,59 %
Offenau 42,20 %
Tiefenbach 40,84%.

Die drei Orte Jagstfeld mit Saline und Soolbad, Züttlingen mit einer Zuckerfabrik und Kochendorf (Cigarrenfabrikation) stehen also obenan.

In 24 weiteren Gemeinden beträgt die Zunahme weniger, nemlich 9,76 bis 38,92%; in den Gemeinden Bürg und Jagsthausen aber zeigt sich eine Abnahme von 1,77 und 13,32 %.

Die Bevölkerung des Bezirks vertheilt sich so über denselben, daß

|
1. auf die Oberamtsstadt Neckarsulm 2640 Einw.
auf die Stadt Möckmühl 2103 Einw.
somit auf 2 Gemeinden mit mehr als 2000 Einwohnern 4743 Einw. = 16,10 %
      entfallen.
2. Auf 7 Gemeinden mit 1000 bis 2000 Einwohnern, worunter 3 weitere kleine Städte, Gundelsheim, Neuenstadt a/K. und Widdern begriffen sind, entfallen 9578 Einw. = 32,50 %.
3. Auf 15 Gemeinden mit 500 bis 1000 Einwohnern kommen 11.424 Einw. = 38,77 %,
4. auf 10 Gemeinden mit weniger als 500 Einwohnern 3723 Einw. = 12,63 %.
Zusammen 34 Gemeinden mit 29.468 Einw. = 100 %.

Die Bevölkerung der größeren Gemeinden von mehr als 1000 Einwohnern ist also bei 48,60 % der Gesammtbevölkerung fast ebenso stark als die der kleineren Orte mit 51,40%. Im Oberamtsbezirk Mergentheim dagegen hat die der kleineren Gemeinden mit 66,75 % entschieden das Übergewicht und in dem benachbarten Oberamtsbezirk Heilbronn, welcher 1875 41.397 Einwohner zählte, entfällt auf die einzige Stadt Heilbronn mit 21.208 Einwohnern oder 51,23 %, gegenüber den übrigen 16 Dorfgemeinden, die größere Hälfte der Bevölkerung.

In allen drei Bezirken herrschen die geschlossenen Ortschaften vor, denn es kommen auf eine Gemeinde Parzellen oder einzelne Wohnplätze:[5]

im Oberamt Heilbronn 1,41
im Oberamt Neckarsulm 1,76
im Oberamt Mergentheim 1,88
im Landesdurchschnitt dagegen oder in ganz Württemberg 4,30
im Oberamt Welzheim z. B. 16,58
im Oberamt Wangen 31,75
Das Oberamt Neckarsulm gehört zu den dichter bevölkerten des Landes, wo die Bevölkerungs-Dichtigkeit zwar das Landesmittel übersteigt, aber doch viel geringer ist als in dem benachbarten| Oberamt Heilbronn, denn sie beträgt nach der Zählung vom 1. Dezember 1875:[6]
pro Qu.-Meile pro Qu.-Kilometer
in Württemberg 5311 97
im Oberamt Heilbronn 12.033 219
im Oberamt Neckarsulm 5497 100
im Oberamt Künzelsau 4174 76
im Oberamt Mergentheim 3760 68.

Die Bevölkerung des Bezirks ist eine vorherrschend landwirthschaftliche, gleichwie im Bezirk Mergentheim, doch ist in einzelnen Theilen des Bezirks auch die Industrie ansehnlich vertreten, z. B. in Jagstfeld durch die großartige Saline Friedrichshall, welche nach der Gewerbeaufnahme von 1875 durchschnittlich 250 Arbeiter beschäftigt, in Züttlingen durch die Zuckerfabrik, welche durchschnittlich 100, und in Kochendorf und Gundelsheim durch die Cigarrenfabrikation, welche nach dem Steuerkataster 66 Arbeiter beschäftigt, sowie in anderen Gemeinden durch verschiedenartige Fabriken und Etablissements.

Die von Gewerbe und Handel lebende Bevölkerung ist daher zwar viel geringer als im Oberamt Heilbronn, wo nach der Aufnahme von 1871 von der damaligen Gesammtbevölkerung mit 37.924 Personen 19.839 also fast 52,31 % auf die genannten Berufszweige entfielen,[7] doch ist sie etwas bedeutender als im Oberamt Mergentheim, wie aus der nachstehenden Übersicht erhellt. Denn von 100 Einwohnern entfielen nach der Zählung von 1871 auf die Berufsklassen:

|
A.
Landwirth-
schaft,
Forstwirth-
schaft
B.
Industrie
und Bergbau
mit Bauwesen
C.
Handel und
Verkehr, auch
Wirthschafts-
gewerbe
D.
Dienstleistende
ohne
Angabe der
Berufsgruppe
E.
Armee und
Kriegsflotte
F.
Übrige
Berufsarten
G.
Personen
ohne Berufs-
ausübung
Die absolute
Anzahl der
gezählten
Einwohner
beträgt:
im Oberamt Neckarsulm
43,57 32,62 6,29 6,32 0,01 4,91 6,28 29.008
darunter Selbstwirthschaftende
37,21 30,11 5,09 9,48 0,06 5,43 12,62 6665
im Oberamt Mergentheim
50,83 26,33 8,92 5,11 0,08 5,33 3,40 28.336
darunter Selbstwirthschaftende
42,92 18,39 7,02 8,12 0,32 4,27 8,96 5925
| Unter den 38,91% (bezw. im Oberamt Mergentheim 35,25 %) gewerbe- und handeltreibender Bevölkerung sind aber auch viele solche Haushaltungen begriffen, von welchen zugleich Landwirthschaft betrieben wird, so daß der landwirthschaftliche Ertrag die Hauptsache und Grundlage, oder doch wenigstens einen nicht leicht zu ersetzenden wesentlichen Theil des Einkommens bildet. Dies dürfte bei der bedeutenderen gewerblichen Thätigkeit des Oberamts Neckarsulm wahrscheinlich noch mehr der Fall sein, als im Oberamt Mergentheim, weil im Oberamt Mergentheim das von Landwirthschaft lebende Bevölkerungsprozent 1871 auf 50,83 im Oberamt Neckarsulm dagegen nur auf 43,57 berechnet ist.

Da ferner im Oberamt Neckarsulm auch ansehnlicher Weinbau besteht, und zwar im Neckarthal hauptsächlich in den Gemeinden Neckarsulm und Gundelsheim, im Brettachthale bei der Gemeinde Brettach, sowie im Sulm- und Weinsberger Thal von den Gemeinden Binswangen und Erlenbach, endlich im Jagstthal zu Möckmühl, Widdern und Jagsthausen betrieben wird; so ist es leicht erklärlich, daß der Grundbesitz in dem zur westlichen Landeshälfte gehörigen Oberamt Neckarsulm im Ganzen weit mehr getheilt ist, als in den zur östlichen Landeshälfte zählenden benachbarten Oberämtern Künzelsau und Mergentheim, aber auch beträchtlich weniger als in dem benachbarten, zur westlichen Landeshälfte gehörigen Oberamt Heilbronn, wo dem Weinbau noch weit größeres Areal eingeräumt ist und Handel und Industrie zugleich einen weit größeren Theil der Bevölkerung beschäftigen als im Oberamt Neckarsulm. Nach der Grundbesitz-Aufnahme vom 10. Januar 1873 entfallen nämlich:

auf 100 ha
landwirthschaftl.
Areals
Wirthschaften
O.-Z. und kommen auf
1 Wirthschaft
ha
O.-Z.
im OA. Heilbronn 38,66 45 2,59 20
im OA. Neckarsulm 29,99 30 3,33 35
im OA. Künzelsau 20,88 24 4,79 41
im OA. Mergentheim 17,36 17 5,76 48
in Württemberg 26,50 3,77
|
Ferner entfallen von je 100 ha
auf die
Wirthschaften von
und sind unter je
100 Wirthschaften
solche begriffen von
5 ha u.
weniger
5–10
ha
mehr
als
10 ha
5 ha u.
weniger
5–10
ha
mehr
als
10 ha
im OA. Heilbronn 48,01 23,69 28,30 87,94 09,10 02,97
im OA. Neckarsulm 36,51 26,50 36,99 81,09 12,97 05,94
im OA. Künzelsau 24,33 24,76 50,91 70,10 17,06 12,84
im OA. Mergentheim 20,41 20,17 59,42 65,15 16,75 18,10
in Württemberg 32,99 20,89 46,12 80,10 11,41 08,49

Dabei ist jedoch zu bemerken, daß die Oberamtsbezirke Neckarsulm und Heilbronn, indem sie zu den fruchtbarsten des Landes gehören, zugleich diejenigen sind, in welchen verhältnismäßig am meisten landwirthschaftliches Areal verpachtet ist, nemlich:

O.-Z.
im Oberamt Heilbronn von 100 ha 27,85 64
im Oberamt Neckarsulm von 100 ha 22,90 63
im Oberamt Künzelsau dagegen von 100 ha blos 7,90 39
und im Oberamt-Mergentheim von 100 ha blos 4,93 16

Dies ist zum Theil der Erhaltung einzelner, sehr großer Wirthschaften von über 100 ha zuzuschreiben (worunter namentlich ritterschaftlicher Grundbesitz). Denn im Oberamt Heilbronn sind 7, im Oberamt Neckarsulm 9 solcher sehr großer Wirthschaften von über 100 ha bei der Aufnahme vom 10. Januar 1873 gezählt worden, während in der ganzen Bezirksgruppe III „Unterer Neckar“ 25, in der westlichen Landeshälfte 100, und im ganzen Land 213 bestehen.

Bei einer im Verhältnis zu den benachbarten, zur östlichen Landeshälfte zählenden Oberämtern Künzelsau und Mergentheim schon weiter gehenden Theilung des Grundbesitzes ist, dem vorherrschend landwirthschaftlichen Charakter des Erwerbslebens entsprechend, auch die Zusammensetzung der Haushaltungen derart, daß diejenigen mit mittelmäßiger Anzahl von 2–5 Personen vorherrschen, deren Bestand sich alsdann aus einer ansehnlichen Kinderzahl bei wenigen Dienstboten zusammensetzt.

| Unter 100 Haushaltungen sind nemlich solche mit
1 Person. 2–500
Personen.
6 und mehr
Personen.
im Oberamt Neckarsulm 7,35 62,07 30,58
im Oberamt Mergentheim 6,89 55,10 38,01
in Württemberg 7,49 62,47 30,04

und auf 100 Haushaltungen kommen

in
Württemberg.
im Oberamt
Neckarsulm.
im Oberamt
Mergentheim.
1. Vorstände, und zwar:
      a) Eheleute 148,34 147,73 152,08
      b) sonstige Haushaltungsvorstände 24,99 26,57 23,21
2. Kinder 182,47 208,12 195,28
3. Dienstboten 28,27 29,75 42,44
4. Gehilfen, Lehrlinge 25,67 7,98 30,24
5. Verwandte, Gäste und sonstige Hausgenossen 42,60 37,21 47,57
6. Personen im Ganzen 452,34 457,36 490,82
Die absolute Gesammtzahl dieser Personen beträgt: 1.798.644 29.070 28.291.

Im Vergleich mit dem Bezirk Mergentheim, wo noch ansehnliche Bauernwirthschaften in relativ größerer Anzahl bestehen, ist namentlich auch die in Neckarsulm viel kleinere Prozentzahl an Gehilfen, Lehrlingen und an Verwandten, Gästen und sonstigen Hausgenossen hervorzuheben.

Bei den vorstehend geschilderten Grundlagen der wirthschaftlichen Verhältnisse gehört der Oberamtsbezirk Neckarsulm bezüglich des allgemeinen Charakters der Bevölkerungsbewegung im Ganzen zu denjenigen Bezirken des Landes, welche bei mittelmäßiger Anzahl von Eheschließungen und Geborenen einer (für württembergische Verhältnisse) niederen Kindersterblichkeit und bei mittelmäßiger Gesammtsterblichkeit einen unter dem Landesmitttel stehenden natürlichen Volkszuwachs durch den Überschuß der Geburten über die Todesfälle aufweisen, wie in den folgenden Abschnitten 2–5 näher nachgewiesen werden soll.

(Siehe die im Jahrgang 1874 der Württemb. Jahrbücher I, S. 29 beigegebene vergleichende Tabelle).

| Schließlich ist insbesondere dem Abschnitt 2 noch Folgendes über die Vertheilung der Bevölkerung nach dem Glaubensbekenntnis vorauszuschicken:

Es wurden gezählt:

im Jahr Evangelische. Katholiken. von anderen
christlichen
Konfessionen.
Israeliten. von anderen
Religionen.
im Ganzen
Ortsangehörige.
1812 11.565 10.442 109 435 22.551 [8]
1846 15.234 13.003 87 478 28.802
1858 14.971 12.847 108 388 28.314
1871 15.530 13.085 99 316 29.030
1875 15.689 13.367 99 309 4 29.468
In Prozenten der Gesammtbevölkerung ausgedrückt, betrug 1875 die Verhältniszahl für obige Rubriken:
im Oberamt Neckarsulm 53,24 45,36 0,34 1,05 0,01
in Württemberg 68,92 30,17 0,22 0,68 0,01

Die Bevölkerung evangelischer Konfession ist also zwar etwas stärker als die katholische, doch hat sie nur ein geringes Übergewicht und sitzt hauptsächlich in den altwürttembergischen Landestheilen, so daß man den Bezirk nach der beigegebenen Karte in eine westliche, neuwürttembergische und vorherrschend katholische und in eine östliche, altwürttembergische, vorherrschend evangelische Hälfte eintheilen kann.

Die israelitische Bevölkerung ist mit 1,05% ziemlich stark vertreten, noch mehr aber in den benachbarten Oberämtern Heilbronn bei 2,50 %, Künzelsau bei 2,32 und Mergentheim bei 3,35 %. Die evangelische Bevölkerung ist im Oberamt Heilbronn mit 83,43, im Oberamt Mergentheim mit 60,17 und im Oberamt Künzelau mit 57,83 überwiegend.

2. Trauungen insbesondere.
Nach der älteren Trauungsstatistik von 1838/57 wurden während dieser 20 Jahre im Oberamtsbezirk getraut: 3625 Paare, wovon|
1935 Paare der evangelischen,
1658 Paare der katholischen,
32 Paare der israelitischen

Kirche angehörten. Unter den Evangelischen kamen hiebei 47, unter den Katholiken 73 gemischte Ehen vor, bei den Israeliten keine, und von der Gesammtzahl der 120 gemischten Ehen waren 53, bei welchen der Bräutigam evangelisch und 67, bei welchen er katholisch war.

Bezüglich des früheren Familienstandes der Getrauten vertheilen sich die Trauungen in folgender Weise:

Trauungen von a) mit
Jungfrauen
b) mit
Witwen.
c) mit
geschied.
Frauen.
Zusammen.
1. Junggesellen 2830 198 4 3032
2. Witwern 516 70 3 589
3. Geschiedenen Männern 3 1 4
3349 269 7 3625

Hinsichtlich des Alters der Getrauten ergibt sich nachstehende Übersicht. Die Prozentzahl der Getrauten, bei welchen

a) der Bräutigam alt war:
berechnet sich weniger
als volle
25 Jahre.
25 bis
mit 30
Jahre.
30 bis
mit 40
Jahre.
Über
40 Jahre.
in Württemberg auf 8,39 44,04 33,24 14,33
im Oberamt Heilbronn 8,99 49,94 30,14 10,94
im Oberamt Neckarsulm 7,83 45,71 34,40 12,05
im Oberamt Künzelsau 6,62 38,61 39,34 15,42
im Oberamt Mergentheim 5,04 35,61 42,21 17,14
b) die Braut alt war:
berechnet sich weniger
als volle
20 Jahre.
20 bis
mit 25
Jahre.
25 bis
mit 30
Jahre.
Über
30 Jahre.
in Württemberg auf 5,06 33,37 31,57 30,00
im Oberamt Heilbronn 5,47 41,29 29,19 24,05
im Oberamt Neckarsulm 5,60 34,92 32,47 27,01
im Oberamt Künzelsau 4,41 31,70 33,33 30,56
im Oberamt Mergentheim 3,04 24,81 34,86 37,30

(Fortsetzung S. 90.)

|
Übersicht über die Frequenz der Trauungen in den Jahren 1838/57.

[WS:] Aus technischen Gründen wurde Spaltenbeschiftungen teilweise aus der Tabelle ausgelagert.

Es bedeuten:
[1] Trauungen
[2] ortsanwesenden Einwohner
[3] Trauungen auf je 1000 Einwohner
Es beträgt I. in der 8jährigen
Periode von 1838/45
die durchschnittliche
Zahl der
II. in der 10jährigen
Periode von 1846/55
die durchschnittliche
Zahl der
III. in den 2 Jahren
1856 und 1857
die durchschnittliche
Zahl der
IV. in der 20jährigen
Periode 1838/57
die durchschnittliche
Zahl der
[1] [2] [3] [1] [2] [3] [1] [2] [3] [1] [2] [3]
im Oberamt Neckarsulm 199 27.761 7,17 170 28.803 5,90 167 28.314 5,90 181 28.263 6,40
im Oberamt Mergentheim 202 27.348 7,39 189 27.614 6,84 176 27.657 6,36 193 27.509 7,02
in Württemberg 12.737 1.663.026 7,66 10.436 1.691.849 6,17 10.267 1.676.780 6,12 11.339 1.647.956 6,88
| (Fortsetzung von S. 88.)

Hienach steht die Prozentzahl der Trauungen von jüngeren Brautleuten am meisten über dem Landesmittel im Oberamt Heilbronn, wo die große gewerb- und handeltreibende Bevölkerung der Stadt mitzählt, und sie nimmt in der Richtung von Westen nach Osten ab, je mehr mit der abnehmenden Theilung des Grundbesitzes (vergl. S. 84 und 85) auch die landwirthschaftliche Bevölkerung das Übergewicht gewinnt; dagegen ist umgekehrt die Prozentzahl der älteren Paare im Oberamtsbezirk Mergentheim am höchsten, im Oberamt Heilbronn am niedersten und steht hinter dem Landesmittel merklich zurück.

Was die Frequenz der Trauungen anbelangt, so stand dieselbe nach der Tabelle auf S. 89 beim Oberamt Neckarsulm in der zwanzigjährigen Periode 1838/57[9] unter dem Landesmittel, während sie im Oberamt Mergentheim das Landesmittel etwas überstieg. Dabei ist zugleich ersichtlich, daß die wirthschaftliche Krisis der 1850er Jahre im Bezirk Neckarsulm einen etwas größeren Rückgang in der Anzahl der Trauungen zur Folge hatte, als im Oberamt Mergentheim, indem ihre Verhältniszahl dort von 7,17 in der Periode 1838/45 bis auf 5,90 in den Jahren 1846/55 und 1856/57 zurück gieng, hier nur von 7,39 auf 6,84 und 6,36 per 1000 Einwohner.

Über die spätere Zeit von 1857 bis 1876 fehlt eine genaue Trauungsstatistik, doch können aus den bei der Auszählung der Bevölkerung nach dem Lebensalter in den Jahren 1861, 1867, 1871 und 1875 gemachten Erhebungen die folgenden Verhältniszahlen über Anzahl und Lebensalter der Verheirateten vorgemerkt werden.

Es berechnete sich:

1. das Lebensalter der mittleren
Verheirathungs-Wahrscheinlichkeit
für das Oberamt
Neckarsulm
für Württemberg
bei den
männl. weibl. männl. weibl.
Personen Personen
a) nach der Zählung v. 1861 auf Jahre 31 30 31 29
b) nach der Zählung v. 1867 auf Jahre 32 28 30 29
c) nach der Zählung v. 1871 auf Jahre 29 27 30 28
d) nach der Zählung v. 1875 auf Jahre 29 26 28 26
|
2. die Zahl der Verheirateten
und der verheiratet Gewesenen
unter je 1000 Einwohnern
für das Oberamt
Neckarsulm
für Württemberg
bei den
männl. weibl. männl. weibl.
Personen Personen
a) nach der Zählung v. 1861 auf Personen 363,0 375,0
b) nach der Zählung v. 1867 auf Personen 371,0 384,0
c) nach der Zählung v. 1871 auf Personen 400,0 396,0
d) nach der Zählung v. 1875 auf Personen 406,0 406,5
3. die Zahl der verheirateten männlichen
und weiblichen Personen unter je 100
Einwohnern von 25–30 Jahren
a) nach der Zählung v. 1861 auf 32,0 47,0 31,3 44,7
b) nach der Zählung v. 1867 auf 30,0 50,0 33,5 46,7
c) nach der Zählung v. 1871 auf 41,0 57,0 39,5 52,0
d) nach der Zählung v. 1875 auf 41,7 64,2 44,3 58,5
4. die Zahl der unverheirateten männlichen
und weiblichen Personen unter je 100
Einwohnern von 40–45 Jahren
a) nach der Zählung v. 1861 auf 17,0 17,0 12,2 17,4
b) nach der Zählung v. 1867 auf 22,0 23,0 15,9 21,1
c) nach der Zählung v. 1871 auf 14,0 22,0 13,6 20,6
d) nach der Zählung v. 1875 auf 13,3 19,6 11,1 17,6

Aus diesen Zahlen ergibt sich, daß von 1861 bis 1875 die relative Zahl der Verheirateten, wie in ganz Württemberg, fortwährend zugenommen, und daß dabei das Lebensalter der mittleren Verheiratungswahrscheinlichkeit abgenommen hat.

Die Anzahl der verheirateten männlichen und weiblichen Personen im Alter von 25–30 Jahren ist beträchtlich gestiegen, dagegen hat sich die Anzahl der unverheirateten Personen im Alter von 40–45 Jahren nur bei den Männern vermindert, bei dem weiblichen Geschlecht dagegen hat sie sich wie in ganz Württemberg, so auch im Oberamt Neckarsulm vermehrt, was mit dem allgemeinen Überwiegen des weiblichen Geschlechts in Württemberg zusammenhängen dürfte.

Nach den neuen vom Bundesrath des Deutschen Reichs eingeführten bevölkerungsstatistischen Erhebungen kommen im Durchschnitt der 8 Jahre 1871/78 auf je 1000 Einwohner Trauungen

in Württemberg 9,10
im Oberamt Neckarsulm 8,36
im Oberamt Mergentheim 8,19
| und unter je 100 Trauungen sind solche, bei welchen
der Bräutigam die Braut
alt war
unter
30 Jahr
30 und
mehr Jahre
unter
25 Jahre
25 und
mehr Jahre
in Württemberg 55,60 44,40 37,58 62,12
im OA. Neckarsulm 54,45 45,55 39,62 60,38
im OA. Mergentheim 44,48 55,52 31,38 68,62

Auch hienach steht die Frequenz der Trauungen im Oberamt Neckarsulm etwas unter dem Landesmittel, ist aber jetzt etwas größer als im Oberamt Mergentheim, was mit der Zunahme der gewerblichen Bevölkerung des ersteren Bezirks zusammenhängen dürfte.

Die Anzahl der jüngeren Brautleute ist, wie nach der früheren Trauungsstatistik, im Oberamt Neckarsulm beträchtlich größer, die der älteren Brautleute erheblich geringer, als im Oberamt Mergentheim.

Im Ganzen aber hat die Zahl der Trauungen in Folge der Aufhebung der polizeilichen Beschränkungen der Eheschließung wie in ganz Württemberg so auch im Oberamt Neckarsulm erheblich zugenommen.

3. Geburten.

Das Verhältnis der Geborenen, einschließlich der Todtgeborenen, zur Bevölkerung berechnet sich auf:

in der Periode in Württemberg im Oberamt Mergentheim im Oberamt Neckarsulm
1812/66 1:25,18 = 3,97 % 1:30,95 = 3,23 % 1:26,84 = 3,73 %
1867/70 1:30,9500 4,35 % 1:30,9500 3,64 % 1:30,9500 4,20 %
1871/78 1:30,9500 4,59 % 1:30,9500 3,84 % 1:30,9500 4,37 %
| Für den Zeitraum von 1812/66 können auch die Verhältniszahlen für die Oberamtsbezirke Heilbronn und Künzelsau angeführt werden, welche sich bei 1:24,53 und 1:28,70 auf 4,08 % und 3,48 % berechnen,[10] so daß in der Reihe der verglichenen vier Oberämter Heilbronn, mit der größten gewerblichen Bevölkerung, der am weitesten gehenden Theilung des Grundbesitzes und der größten Prozentzahl jüngerer Brautleute, auch in der Geburtenzahl voransteht, Mergentheim mit vorherrschender Landwirthschaft, größerem Grundbesitz und größter Prozentzahl älterer Brautleute in der Zahl der Geborenen hinter den übrigen zurücksteht.

Die Verhältniszahl der Geborenen berechnet sich ferner bei dem Oberamtsbezirk Neckarsulm für die einzelnen Abschnitte in der Periode 1812/66 folgendermaßen:[10]

O.Z.
und zwar für 1812/22 56 auf 1:29,50 = 3,39 %
f" 1822/32 55 a" 1:29,50 = 3,39 %
f" 1832/42 43 a" 1:24,20 = 4,13 %
f" 1842/52 34 a" 1:25,12 = 3,98 %
f" 1812/52 51 a" 1:27,08 = 3,69 %
f" 1846/56 38 a" 1:27,10 = 3,69 %
f" 1858/66 48 a" 1:25,30 = 3,95 %.

Sie erreichte also im Jahrzehnt 1832/42 den Eingangs S. 79 erwähnten Verhältnissen entsprechend den höchsten Stand, welcher von 1842/52 und bis 56 erheblich zurückgieng und auch pro 1858/66 nicht mehr jene Höhe erreichte, so daß diese erst in der Folge und zwar von 1867/70 und 1871 bis 1878 überschritten worden ist.

Die Verhältniszahl der unehelich Geborenen war in den Perioden 1812/52:

in Württemberg 11,70
im Oberamt Mergentheim 11,83
im Oberamt Neckarsulm 11,60
mit der Ordnungsziffer 31. Eine mittelmäßige Verhältniszahl scheint bei unserem Bezirk sich auch in der Folgezeit und bis 1862 ergeben zu haben, da derselbe bei 6 Aufnahmen in dem| Dezennium 1852/62 in dieser Beziehung weder zu den am wenigsten, noch zu den am meisten günstig gestellten Bezirken gerechnet ist.

In der Periode 1871/78 kommen auf 100 Geborene unehelich Geborene

in Württemberg 9,07
im Oberamt Mergentheim 7,84
im Oberamt Neckarsulm 6,17.

Die Zahl der unehelich Geborenen hat sich also wie im ganzen Land, so auch im Oberamt Neckarsulm neuerer Zeit vermindert.

Nach dem Geschlecht der Geborenen kommen auf 100 weiblich Geborene männlich Geborene

in der Periode in
Württemberg
im Oberamt
Mergentheim
O.Z. im Oberamt
Neckarsulm
O.Z.
1842–52 106,28 103,73 57 106,40 32
1846–56 106,31 106,61 26 105,91 39
1871–78 105,26 106,16 103,36

Hienach hätte also der Knabenüberschuß im Oberamt Neckarsulm neuerer Zeit, bei gleichzeitiger Zunahme der Zahl der Eheschließungen, zumal von jüngeren Brautleuten, und der Zahl der Geborenen überhaupt bedeutend abgenommen, und er erscheint namentlich auch geringer als im Oberamt Mergentheim. Dabei berechnet sich der Knabenüberschuß, wie aus nachstehender Tabelle hervorgeht,

(Fortsetzung S. 95.)

1. Auf 100 ehelich weibl. Geborene kommen ehelich männl. Geborene
in der Periode in
Württemberg
im Oberamt
Mergentheim
O.Z. im Oberamt
Neckarsulm
O.Z.
1842–52 106,51 104,15 56 105,14 46
1871–78 105,45 106,21 102,75
|
2. Auf 100 unehel. weibl. Geborene kommen unehel. männl. Geborene
in der Periode in
Württemberg
im Oberamt
Mergentheim
O.Z. im Oberamt
Neckarsulm
O.Z.
1842–52 104,57 100,40 53 116,16 3
1871–78 103,37 105,62 113,18

in beiden Perioden von 1842/52 und 1871/78 bei den unehelich Geborenen des Oberamts Neckarsulm viel höher als bei den ehelich Geborenen, während im Oberamt Mergentheim das männliche Geschlecht bei den ehelich Geborenen vorschlägt, gleichwie im Durchschnitt bei ganz Württemberg.

Die Zahl der Geborenen verhält sich zu der Zahl der über 14 Jahre alten weiblichen Personen

in
Württemberg
im Oberamtsbezirk
Mergentheim O.Z. Neckarsulm O.Z.
a) in der Periode 1846/56
wie
1:9,39 1:11,43 60 1:9,53 39
b) im Durchschnitt
d. Jahre 1871/78 wie
1:7,71 1:8,99 1:7,81

Die Verhältniszahl für die Fruchtbarkeit des weiblichen Geschlechts steht also beim Oberamtsbezirk Neckarsulm etwas hinter der des ganzen Landes zurück, aber nicht so sehr als die des Oberamtsbezirks Mergentheim.

Dagegen ist in letzterem Bezirk nach der folgenden Zahlenreihe die Verhältniszahl für die Mehrgeburten größer als im Bezirk Neckarsulm, und steht in beiden Oberämtern über dem Landesmittel.

Die Zahl der Todtgeborenen ist im Oberamt Neckarsulm nach den neueren Erhebungen pro 1871/78 geringer als das Landesmittel und als im Oberamt Mergentheim, während sie in der Periode 1846/56 höher war.|
Es berechnet sich in
Württemberg
im Oberamtsbezirk
Mergentheim Neckarsulm
1. die Zahl d. Mehrgeborenen und Mehrgeburten wie folgt:
Im Durchschnitt der 8 Jahre 1871/78
waren unter 100 Geborenen Mehrgeborene
2,71 3,09 2,86
und in der Periode 1846/56
waren unter 100 Geburten Mehrlingsgeburten
1,29 1,53 1,36
2. die Zahl d. Todtgeborenen. In der Periode 1871/78
waren von je 100 Geborenen Todtgeborene
3,78 3,94 3,64
und in der Periode 1846/56 desgl. 4,07 4,25 4,60

4. Todesfälle.

Das Verhältnis der Gestorbenen zur Bevölkerung berechnet sich:

in
Württemberg
im Oberamtsbezirk
Mergentheim Neckarsulm
Für die Periode 1812–66 wie 1:31,52 = 3,17 % 1:37,28 = 2,68 % 1:33,95 = 2,95 %
für die 4 Jahre 1867–70 auf 1:37,2800 3,33 % 1:37,2800 2,80 % 1:37,2800 3,28 %
und im Durchschnitt der 8 Jahre 1871–78 auf 1:37,2800 3,34 % 1:37,2800 2,60 % 1:37,2800 3,01 %

Die Sterblichkeitsziffer war somit in den oben bezeichneten Perioden im Ganzen unter dem Landesmittel, doch bedeutender als im Oberamtsbezirk Mergentheim.

Innerhalb der 40 Jahre 1812/52 berechnet sie sich für die einzelnen Jahrzehnte je auf 2,86, 2,59, 3,31 und 3,05, somit war sie von 1832/42 am höchsten, in welcher Periode auch die Geburtsziffer nach oben S. 93 gegenüber den übrigen| 3 Jahrzehnten am bedeutendsten war. Weil nemlich in den ersten Lebensjahren die Sterblichkeit am bedeutendsten ist, so hat schon die Zahl der Geborenen an und für sich großen Einfluß auf die Zahl der Sterbfälle.

Von 1846/56 berechnet sich die Prozentzahl der Gestorbenen auf 2,93, für 1858/66 auf 3,05, für 1867/70 dagegen, der bedeutenden Zunahme der Zahl der Geborenen entsprechend, auf 3,28, während sie für 1871/78 bei noch etwas höherer Geburtsziffer nur 3,01% ausmacht. Für 1812/66 kann auch die Sterblichkeitsziffer der oben, bei der Zahl der Geborenen zur Vergleichung gebrachten weiteren zwei Oberämter Heilbronn und Künzelsau angegeben werden, und sie berechnet sich auf 1:30,37 = 3,29% und 1:34,98 = 2,86%. Somit ist dieselbe der angeborenen Geburtsziffer entsprechend in Heilbronn am höchsten, in Mergentheim am niedersten.

In Ansehung des Geschlechts der Gerstorbenen ergeben sich folgende Zahlen:

Auf 100 weibliche Gestorbene
kommen männliche Gestorbene
in
Württemberg
im Oberamt
Mergentheim
im Oberamt
Neckarsulm
in der Periode 1842–52 104,66 098,69 107,31
in der Periode 1846–56 103,08 100,69 103,88
in der Periode 1871–78 108,12 105,41 107,70

Die Zahl der männlichen Gestorbenen war somit in den verglichenen Zeitperioden im Oberamt Neckarsulm immer größer als im Oberamt Mergentheim, und übersteigt pro 1842/52 und 1846/56 auch das Landesmitttel.

Die Sterblichkeit nach Jahreszeiten erscheint der folgenden Übersicht gemäß, wie in Württemberg überhaupt, in den Herbst- und Wintermonaten größer als im Frühjahr und Sommer.

Von 100 Gestorbenen incl. Todtgeborene entfallen auf die Monate:
April bis Juni Juli bis September Oktober bis Dezember Januar bis März
in Württemberg 23,63 24,16 24,76 27,45
im Oberamt Neckarsulm 21,52 24,59 25,64 28,25
| Unter 100 Gestorbenen excl. Todtgeborene waren
in
Württemberg
im Oberamt
Mergentheim
im Oberamt
Neckarsulm
Verunglückte 0,85 0,78 1,44
Selbstmörder 0,36 0,39 0,42
und kam
1 Unglücksfall auf Einwohner 3872 1.5310 2505
1 Selbstmord 9270 10.621 8472

Die Zahlen für das Oberamt Neckarsulm sind somit ungünstiger als diejenigen für den Durchschnitt des Landes und namentlich auch ungünstiger als die des Oberamts Mergentheim.

Hinsichtlich der Benützung des ärztlichen Beistandes ist für 1846/56 berechnet, daß:

Von 100 Gestorbenen excl. Todtgeborene
in
Württemberg
im Oberamtsbezirk
Mergentheim Neckarsulm
1. ärztliche Hilfe genossen haben 45,36 59,85 49,27
2. keine solche genossen haben 54,64 40,15 50,73

Die Zahl derjenigen, welche ärztliche Hilfe genossen haben, steht im Oberamtsbezirk Neckarsulm somit zwar über dem Landesmittel, aber beträchtlich hinter derjenigen für den Oberamtsbezirk Mergentheim zurück.

Unter 100 Gestorbenen excl. Todtgeborene standen im Durchschnitt der 10 Jahre 1846/56

im 1. im 2.–7. im 8.–14. im 15.–20. im 21.–45. im 46.–70. über d. 70.
Lebensjahre
in Württemberg 42,18 09,99 2,39 1,91 10,83 20,69 12,01
im Oberamt Mergentheim 29,68 09,54 2,31 1,59 12,49 25,70 18,69
im Oberamt Neckarsulm 37,70 11,04 2,28 1,84 10,81 23,81 12,52
| Hinsichtlich der Sterblichkeit nach Altersklassen ergibt sich somit, daß die Sterblichkeit, in Prozenten der Gestorbenen berechnet, beim Oberamt Neckarsulm im ersten Lebensjahr geringer, im 2.–7. größer, im 8.–45 Jahr wieder geringer und vom 46. Jahre an wieder größer war als im Landesdurchschnitt, während sie beim Oberamt Mergentheim im ersten und bis zum 20. Jahr geringer, in allen folgenden Altersklassen aber höher sich berechnet als das Landesmittel.

Die Prozentzahl der im ersten Lebensjahr gestorbenen Lebendgeborenen berechnet sich auf 100 Lebendgeborene überhaupt

in
Württemberg
im Oberamt
Mergentheim
im Oberamt
Neckarsulm
für die Periode 1812 bis 66 auf 33,99 24,71 28,94
für die Periode 1871 bis 78 auf 31,90 21,15 27,43
Bei den Lebendgeborenen betrug ferner
die Prozentzahl der im 2.–15. Lebensjahr
Gestorbenen v. 1871–78
09,12 09,32 07,94

Somit war die Kindersterblichkeit im Oberamtsbezirk Neckarsulm zwar immer etwas größer als im Oberamt Mergentheim, stand jedoch wie in diesem durchgängig unter dem Landesmittel.

Auch die Zahl der vom 2.–15. Lebensjahr Gestorbenen war unter dem Landesdurchschnitt, während sie im Oberamtsbezirk Mergentheim diesen überstieg.

In den einzelnen Gemeinden des Oberamtsbezirks Neckarsulm bewegte sich die Kindersterblichkeit nach der Übersicht auf S. 100 f. über den Gang der Bevölkerung in den 8 Jahren 1871/78 zwischen 14,45% der Lebendgeborenen bei Hagenbach (O.-Z. 1) und 39% bei Erlenbach (O.-Z. 34).

(Fortsetzung S. 102.)

|
Übersicht über die Bewegung der Bevölkerung in den 34 Gemeinden des Oberamtsbezirks Neckarsulm
nach den Aufnahmen von den Jahren 1871–78.


Nummer
im
Staats-
hand-
buch
Namen
der
Gemeinden
Ein-
wohner-
zahl
Es beträgt die durchschnittliche Anzahl der
Trau-
ungen
Geborenen
inkl.
Todt-
geborene
Gestorbenen
inkl.
Todt-
geborene
Gestorbenen
exkl.
Todt-
geborene
Todt-
geborenen
Lebend-
geborenen
im 1.
Lebensjahr
gestorbenen
Lebend-
geborenen
1 2 3 4 5 6 7 8 9 10
1 Neckarsulm 2608,5 22,25 120,13 82,63 79,50 3,13 117,00 30,38
2 Bachenau 359,5 4,25 14,63 8,88 8,63 0,25 14,38 4,00
3 Binswangen 621,5 5,25 24,75 18,75 17,75 1,00 23,75 7,13
4 Bittelbronn 247,5 1,88 12,00 6,25 5,37 0,88 11,12 3,00
5 Böttingen 314,5 0,75 13,63 10,13 9,75 0,38 13,25 4,13
6 Brettach 1171,5 10,75 57,5 40,25 37,25 3,00 54,5 14,00
7 Bürg 284,5 1,38 10,88 6,33 5,63 0,75 10,13 1,50
8 Cleversulzbach 653,5 6,75 37,00 25,63 24,00 1,63 35,37 10,50
9 Dahenfeld 534,5 5,38 23,50 17,50 17,12 0,38 23,12 7,00
10 Degmarn 381,5 3,25 13,25 11,38 11,38 13,25 4,13
11 Duttenberg 481,5 3,50 16,00 9,13 9,00 0,13 15,87 2,88
12 Erlenbach 1085,5 9,13 47,88 38,13 37,38 0,75 47,13 18,38
13 Gochsen 746,5 7,00 32,25 24,13 21,75 2,38 29,87 7,00
14 Gundelsheim 1189,5 10,75 53,13 42,25 40,75 1,50 51,63 16,25
15 Hagenbach 306,5 1,88 10,38 4,88 4,88 10,38 1,50
16 Höchstberg 549,5 5,88 24,88 16,39 15,26 1,13 23,75 7,00
17 Jagstfeld 943,5 5,88 38,75 21,5 21,00 0,50 38,25 7,38
18 Jagsthausen 981,5 6,50 37,00 28,63 27,50 1,13 35,87 8,13
19 Kochendorf 1625,5 16,38 69,50 43,25 39,00 4,25 65,25 15,50
20 Kochersteinsfeld 750,5 7,50 37,63 26,25 25,5 0,75 36,88 11,13
21 Kocherthürn 650,5 4,25 23,75 16,00 15,37 0,63 23,12 6,38
22 Lampoldshausen 778,5 7,50 41,13 31,63 30,25 1,38 39,75 15,13
23 Möckmühl 2064,5 15,75 99,00 69,38 65,13 4,25 94,75 29,25
24 Neuenstadt a. K. 1448,5 9,50 53,75 45,00 42,37 2,63 51,12 12,75
25 Ober-Griesheim 421,5 4,50 13,75 10,25 10,00 0,25 13,50 2,75
26 Oedheim 1682,5 12,88 78,13 50,25 48,37 1,88 76,25 23,00
27 Offenau 811,5 4,63 31,25 22,63 21,13 1,50 29,75 8,63
28 Olnhausen 456,5 3,75 22,25 13,75 13,37 0,38 21,87 5,50
29 Roigheim 976,5 9,00 50,38 28,13 25,50 2,63 47,75 11,88
30 Siglingen 987,5 8,63 41,13 27,13 25,50 1,63 39,50 10,25
31 Tiefenbach 544,5 4,00 18,25 13,50 12,87 0,63 17,62 4,88
32 Unt.-Griesheim 440,5 4,38 21,75 11,75 11,12 0,63 21,12 3,88
33 Widdern 1299,5 11,88 56,38 35,00 32,50 2,50 53,88 14,88
34 Züttlingen 859,5 7,63 33,13 23,00 21,25 1,75 31,38 8,00
OA. Neckarsulm 29.249 244,50 1278,63 879,63 833,13 46,50 1232,13 338,00

[Anmerkung WS-Bearbeiter: minimale Abweichungen zwischen Summen der Einzelposten und ausgewiesenen Endsummen, vermutlich auf Rundungsfehler zurückzuführen]

| [WS: Übersicht über die Bewegung der Bevölkerung ... Fortsetzung]


Nummer
im
Staats-
hand-
buch
Namen
der
Gemeinden
Es kommen auf 100 Einwohner Es kommen im
ersten Lebensjahre Gestorbene
Geborene
inklus.
Todt-
geborene
O.-Z. Gestorbene
inklus.
Todt-
geborene
O.-Z. mehr
Geborene
als
Gestorbene
O.-Z. Todt-
geborene
O.-Z. auf 100
Lebend-
geborene
O.-Z. auf 100
Gestorbene
exklus.
Todtgeborene
O.-Z.
1 2 11 12 13 14 15 16
1 Neckarsulm 4,61 11 3,17 24 1,44 16 0,12 15 25,97 16 38,21 14
2 Bachenau 4,07 22 2,47 7 1,60 11 0,07 7 27,82 21 46,35 29
3 Binswangen 3,98 23 3,02 22 0,96 27 0,16 19 30,02 25 40,17 17
4 Bittelbronn 4,85 8 2,53 9 2,32 1 0,36 34 26,98 17 55,87 34
5 Böttingen 4,34 16 3,23 25 1,11 24 0,12 16 31,17 30 42,36 23
6 Brettach 4,91 6 3,14 29 1,47 15 0,26 29 25,69 14 37,58 11
7 Bürg 3,82 26 2,24 3 1,58 12 0,26 31 14,81 2 26,64 1
8 Cleversulzbach 5,63 1 3,92 33 1,74 7 0,25 28 29,69 24 43,75 25
9 Dahenfeld 4,40 15 3,27 27 1,13 23 0,07 8 30,28 28 40,89 20
10 Degmarn 3,47 30 2,98 19 0,49 34 1 31,17 31 36,29 10
11 Duttenberg 3,33 33 1,90 2 1,43 18 0,03 3 18,15 3 32,00 6
12 Erlenbach 4,41 14 3,51 31 0,90 29 0,07 6 39,00 34 49,17 32
13 Gochsen 4,32 18 3,23 26 1,09 25 0,32 33 23,43 8 32,18 7
14 Gundelsheim 4,47 13 3,55 32 0,92 28 0,13 17 31,47 32 39,88 16
15 Hagenbach 3,39 31 1,59 1 1,80 6 2 14,45 1 30,74 5
16 Höchstberg 4,53 12 2,98 18 1,55 13 0,21 26 29,47 23 45,87 28
17 Jagstfeld 4,11 21 2,28 4 1,83 5 0,05 4 19,29 5 35,14 9
18 Jagsthausen 3,77 27 2,92 17 0,85 31 0,12 13 22,67 7 29,56 3
19 Kochendorf 4,28 19 2,66 10 1,62 10 0,26 30 23,75 9 39,74 15
20 Kochersteinsfeld 5,02 4 3,50 30 1,52 14 0,10 11 30,18 27 43,65 24
21 Kocherthürn 3,65 29 2,46 6 1,19 21 0,10 10 27,60 18 41,51 22
22 Lampoldshausen 5,29 2 4,07 34 1,22 20 0,18 21 38,06 33 50,02 33
23 Möckmühl 4,80 9 3,36 28 1,44 17 0,21 27 30,87 29 44,91 26
24 Neuenstadt a. K. 3,71 28 3,11 23 0,60 33 0,18 22 24,94 11 30,09 4
25 Ober-Griesheim 3,27 34 2,43 5 0,84 32 0,06 5 20,37 6 27,50 2
26 Oedheim 4,65 10 2,99 20 1,66 8 0,11 12 30,16 26 47,55 31
27 Offenau 3,85 25 2,79 15 1,06 26 0,18 23 29,01 22 40,84 19
28 Olnhausen 4,88 7 3,02 21 1,86 4 0,08 9 25,15 12 41,14 21
29 Roigheim 5,16 3 2,88 16 2,28 2 0,27 32 24,88 10 46,59 30
30 Siglingen 4,17 20 2,75 14 1,42 19 0,17 20 25,95 15 40,20 18
31 Tiefenbach 3,35 32 2,48 8 0,87 30 0,12 14 27,70 20 37,92 13
32 Unt.-Griesheim 4,94 5 2,67 11 2,27 3 0,14 18 18,37 4 34,89 8
33 Widdern 4,34 17 2,69 13 1,65 9 0,19 24 27,62 19 45,78 27
34 Züttlingen 3,86 24 2,68 12 1,18 22 0,20 25 25,49 13 37,65 12
OA. Neckarsulm. 4,37 3,01 1,36 0,16 27,43 40,57
| (Fortsetzung von S. 99.)

Dabei haben von denjenigen 17 Gemeinden, welche mit O.-Z. 18–34 die höchste Kindersterblichkeit (von 27,60% bis 39,00%) im Bezirk aufweisen, die meisten, nemlich 12, auch eine für Neckarsulm hohe Gesammtzahl Gestorbener, welche sich innerhalb der O.-Z. 18–34 zwischen 2,98 und 4,07 bewegt und daher der größeren Kindersterblichkeit zugeschrieben werden kann.

Während aber Gemeinden und Oberämter mit höherer Kindersterblichkeit in der Regel nur extreme Geburtsziffern aufweisen, sind hier unter den 17 Gemeinden mit größerer Kindersterblichkeit nur sieben begriffen, welchen eine sehr hohe oder sehr niedere Geburtsziffer innerhalb der Ordnungsziffern 1–9 und 27–34 zur Seite steht, die weiteren 10 Gemeinden zeigen eine mittlere.

Denn wie im ganzen Oberamtsbezirk Neckarsulm überhaupt nur 2 Gemeinden sind, Lampoldshausen und Erlenbach, in welchen das Landesmittel der Kindersterblichkeit mit 31,90 überschritten wird, so herrschen im Ganzen auch die mittelmäßigen Geburtsziffern vor.

Ebendeshalb haben von jenen 17 Gemeinden auch nur 10 (innerhalb der Ordnungszahlen 18–34) einen geringeren Geburtenüberschuß von 1,22 bis 0,49, die weiteren 7 (innerhalb der O.-Z. 1–17) gleichwohl einen höheren von 1,44 bis 1,74.

5. Der natürliche Zuwachs durch den Überschuß der Geborenen über die Gestorbenen und die wirkliche Zunahme.

Der natürliche Zuwachs berechnet sich

für
Württemberg
für den Oberamtsbezirk
Mergentheim Neckarsulm
1. in der Periode 1812 bis 66 auf 0,81 0,55 0,79
2. in den 4 Jahren 1867/70 auf 1,02 0,84 0,92
3. in den 8 Jahren 1871/78 auf 1,25 1,24 1,36
| Der größeren Zahl der Geborenen entsprechend ist im Oberamt Neckarsulm auch der natürliche Zuwachs und der Geburtenüberschuß in den sämmtlichen 3 Perioden etwas bedeutender als im Oberamt Mergentheim, doch bleibt er in den ersten beiden Zeitperioden von 1812/70 unter dem Landesmittel, und nur von 1871/78 übertrifft er dasselbe wegen der oben S. 96 bemerkten mäßigen Gesammtsterblichkeit.

Für 1812/66 kann auch die Zuwachsziffer für die oben bei den Geburten und Sterbfällen schon verglichenen 4 Oberamtsbezirke angegeben werden.[11]

Sie beträgt nemlich auf je 100 Einwohner

beim Oberamt Heilbronn0      0,82
beim Oberamt Neckarsulm     0,79
beim Oberamt Künzelsau       0,63
beim Oberamt Mergentheim 00,55

Die Reihenfolge dieser Bezirke ist demnach ganz ihrer Reihenfolge nach den Geburts- und Sterblichkeitsziffern entsprechend.

Im Durchschnitt der 66 Jahre 1812/78 beträgt der natürliche Zuwachs durch den Überschuß der Geburten über die Todesfälle im Oberamt Neckarsulm per Jahr 0,86%, während die wirkliche Vermehrung nach dem Durchschnitt der Jahre 1812/75 (s. S. 80 oben) jährlich nur 0,48% betrug, so daß der Bevölkerung des Bezirks an obigem Geburtsüberschuß 0,38% nicht zugewachsen sind. Von je 10000 Einwohnern sind mithin jährlich 38 in andere Oberamtsbezirke oder in das Ausland weggezogen. Das Ergebnis des ganzen Ganges der Bevölkerung stellt sich also fast ebenso ungünstig heraus als im Oberamt Mergentheim.[12]

Neckarsulm hatte für das Verhältnis der Auswanderung zur Gesammtbevölkerung die hohen Ordnungsziffern

14 für 1842/52
17 für 1853
07 für 1854,
| war also gerade in jener Zeit wirthschaftlicher Noth und massenhafter

Auswanderung eines derjenigen Oberämter, welche die meisten Auswanderer lieferten.

6. Weitere Angaben über Alter und Geschlecht der Bevölkerung, sowie über besondere Gebrechen.

Das am Schluß des vorigen Abschnitts sich ergebende Verhältnis, daß von dem jährlichen Geburtenüberschuß des Oberamts Neckarsulm ein beträchtlicher Theil anderen Landestheilen oder dem Ausland zuwächst, wird auch durch die Zählungen der württ. Bevölkerung nach Altersjahren vom 3. Dezember 1861, 1. Dezember 1871 und 1. Dezember 1875 bestätigt, welche in der Übersicht auf S. 105 zusammengefaßt sind.

Denn hieraus ist zu ersehen, daß nach allen 3 Zählungen die Altersklasse der 16–30jährigen hinter dem Landesmittel zurückbleibt.

Dies sind aber gerade diejenigen Altersjahre, in welchen Viele die Heimat verlassen in der Absicht, sich anderswo eine angemessene Lebensstellung zu erringen.

Die jüngeren Altersklassen von 1–15 Jahren sind mit Ausnahme der 11–15jährigen vom Jahr 1871 oder der 1857 bis 1861 Geborenen numerisch stärker als das Landesmittel für Württemberg. Ebenso die 31–40jährigen vom Jahr 1861 und 1871, während die 31–40jährigen der Zählung von 1875 oder die 1836–45 Geborenen nicht so stark vertreten sind als im Durchschnitt des Landes.

Was die über 40 Jahre alten anbelangt, so zeigt sich ferner, daß die 1812–21 Geborenen, welche bei der Zählung von 1861 die Altersklasse der 41–50jährigen und 1871 die der 51 bis 60jährigen bildeten, in der Zahl hinter dem Landesmittel zurückstehen, wovon vielleicht die Ursache darin liegt, daß die Zahl der Geborenen von den Jahren 1816 und 1817 hier besonders gering war. (Vergl. Jahrgang 1876 der Württemb. Jahrbücher I, S. 132.)

Sonst sind die Altersklassen der im 40.–70. Jahre stehenden numerisch stärker als im Landesmittel mit Ausnahme der 61- bis 70jährigen bei der Zählung von 1875, oder der in den Jahren 1806–15 Geborenen.

(Fortsetzung S. 106.)

|
Auf je 10.000 Einwohner entfallen nach den Zählungen vom
3. Dezember 1861 1. Dezember 1871 1. Dezember 1875
Personen im
Oberamt
Neckar-
sulm
in
Württem-
berg
Personen im
Oberamt
Neckar-
sulm
in
Württem-
berg
Personen im
Oberamt
Neckar-
sulm
in
Württem-
berg
im
Alter
von
Jahren
geboren
in den
Jahren
im
Alter
von
Jahren
geboren
in den
Jahren
im
Alter
von
Jahren
geboren
in den
Jahren
1–05 1861–57 1314 1261 1–05 1871–67 1332 1259 1–05 1875–71 1407 1334
6–10 1856–52 965 939 6–10 1866–62 1124 1088 6–10 1870–66 1226 1145
11–15 1851–47 1041 1028 11–15 1861–57 948 962 11–15 1865–61 1012 982
3320 3228 3404 3309 3645 3461
16–20 1846–42 1045 1090 16–20 1856–52 777 807 16–20 1860–56 792 856
21–25 1841–37 905 910 21–25 1851–47 753 849 21–25 1855–51 570 721
26–30 1836–32 709 718 26–30 1846–42 782 818 26–30 1850–46 732 752
31–40 1831–22 1247 1244 31–40 1841–32 1384 1359 31–40 1845–36 1413 1426
3906 3962 3696 3833 3507 3755
41–50 1821–12 1058 1100 41–50 1831–22 1088 1055 41–50 1835–26 1063 1031
51–60 1811–02 948 944 51–60 1821–12 882 889 51–60 1825–16 910 864
61–70 1801–1792 544 535 61–70 1811–02 655 643 61–70 1815–06 575 600
71–80 1791–82 195 199 71–80 1801–1792 240 233 71–80 1805–1796 258 252
81–90 1781–72 28 31 81–90 1791–82 34 37 81–90 1795–86 42 36
über 90 71 u. früher 1 1 über 90 81 u. früher 1 1 über 90 85 u. früher 1
2774 2810 2900 2858 2848 2784
10.000 10.000 10.000 10.000 10.000 10.000
| (Fortsetzung von S. 104.)

Die Verhältniszahlen bei den über 70 jährigen sind bei der geringen Anzahl der Überlebenden zur Vergleichung mit dem Landesmittel weniger geeignet.

Theilt man die Bevölkerung nach dem Alter und hinsichtlich der hienach zu bemessenden Produktivität in 2 Hälften, so daß auf die eine Seite die Jüngeren und noch nicht, oder noch nicht vollständig Produktiven im Alter von 1–20 Jahren mit den nicht mehr, oder nicht mehr vollständig Produktiven von mehr als 60 Jahren zu stehen kommen, auf die andere Seite aber diejenigen, welche im produktiven Alter von 21–60 Jahren stehen; so ist nach der Zählung von 1875

die Anzahl der
Produktiven Unproduktiven Produktiven Unproduktiven
im Oberamt Neckarsulm. in Württemberg.
4688 5312 4794 5206
oder in Prozenten
47 53 48 52
Nach der Zählung von 1871 berechnet sich dieselbe auf
49 51 49,7 50,3
und nach der Zählung von 1861 auf
49 51 49 51

Die Verhältniszahl der Produktiven hat also im Oberamtsbezirk Neckarsulm noch etwas mehr abgenommen als im Landesdurchschnitt, wozu hauptsächlich die große numerische Stärke der jüngeren Altersklassen von 1–15 Jahren beitragen dürfte.

Was das numerische Verhältnis der Geschlechter anbelangt, so ist Neckarsulm keiner von denjenigen Oberamtsbezirken, welche ein für Württemberg verhältnismäßig großes Übergewicht des weiblichen Geschlechtes aufweisen, denn nach den 7 Volkszählungen, welche von 1855 bis 1875 vorgenommen worden sind, kommen auf 100 männliche Personen im Oberamt Neckarsulm blos 104 weibliche, im Landesdurchschnitt 107. –

Schließlich folgt noch eine Übersicht über die Geisteskranken, Taubstummen und Blinden nach den Zählungen von 1853[13] und 1875[14].

| Es wurden gezählt:
im Oberamt
Neckarsulm
O.-Z. im
Neckarkreis
in
Württemberg
auf je Einwohner
1) nach der Zählung von 1853
           1 Irre 994 36 871 943
           1 Kretine 231 5 462 484
     somit 1 Geisteskranker 187 6 302 320
2) nach der Zählung von 1875
           1 Irre 501 41 455 465
           1 Idiot 433 24 481 482
      somit 1 Geisteskranker 232 30 234 237
3) nach der Zählung von 1853
           1 Taubstummer 745 17 906 962
           1 Blinder 1147 26 1165 1194


B. Stamm und Eigenschaften der Einwohner.

I. Physisches.[15]

II. Charakter der Bevölkerung.
Die Bewohner des Bezirks gehören im großen Ganzen dem fränkischen Stamm an; doch ist derselbe, da der Bezirk Grenzbezirk ist und geschichtlich und geographisch mit Altwürttemberg und dem pfälzischen Gebiet in Beziehung stand und steht, mit schwäbischen und pfälzischen Elementen versetzt. „Die Bewohner des unteren Jagstthales“, schreibt ein Kenner von Land und Leuten dieses Gebiets, „sind hinsichtlich des Stammes, der Sprache und Sitte eine schöne Mischung, in der das abgeschliffenere Wesen des Pfälzers das Rauhe und Derbe der Schwaben gemildert hat“. Die Bevölkerung ist im allgemeinen lebhafter, gewandter, im Verkehr umgänglicher als die von Altwürttemberg; die Leute sind höflich, zuvorkommend, gefällig. Dagegen vermißt der Schwabe manche jener Eigenschaften, welche er von| Alters her sich gerne nachrühmen läßt. Ein gewisser Antagonismus gegen schwäbisches Wesen, theils politischen, theils konfessionellen Ursprungs, zeigt sich z. B. auch darin, daß in einzelnen Gegenden „Schwåb“ als Schimpfwort erscheint. Im allgemeinen sind die Bewohner ordnungsliebend, fleißig, arbeitsam, besonders die Bewohner der krummen Ebene und des Kocherthals, die ackerbauende Bevölkerung. Hier sind auch in der Regel die Vermögensverhältnisse geordnet, es sind meist wohlhabende, zum Theil sehr wohlhabende Gemeinden; aber auch bei der unvermeidlichen Armut wird dieser Sinn für Ordnung, Fleiß und Sparsamkeit gerühmt. Und auch da, wo die altgermanische Lust zu trinken, mit den sogleich weiter zu erwähnenden Mißständen, schon Unordnung, Streit- und Prozeßsucht, sowie finanzielles Herunterkommen im Gefolge gehabt hat, zeigt das Beispiel einzelner Gemeinden, wie in wenigen Jahrzehnten, ja sogar Jahren durch die Energie tüchtiger Ortsvorsteher im Zusammenwirken mit treuen Geistlichen die Bevölkerung wieder emporgehoben werden kann. Die Kleinheit der Markung, beziehungsweise deren Einengung durch andere Besitzer, und all die Nachwirkungen der alten Feudal-Verhältnisse und der früheren Abgetrenntheit eines beträchtlichen Theils des Bezirks vom größeren Verkehr, endlich die Abhängigkeit eines nicht kleinen Theils der Bevölkerung von den zahlreichen Juden im Bezirk (er nimmt in dieser Hinsicht die 14te Stelle unter den 64 Oberamtsbezirken ein) – das alles sind eben schwer zu bekämpfende Hemmnisse des ökonomischen und moralischen Fortgangs, wie andererseits auch wieder ausgedehnte Gemeindewaldungen mit ihrem „Gaben“-genuß oft keineswegs bloß zum Segen gereichen; die Übelstände im Leben reiner Fabrikbevölkerungen dagegen sind immer nur in geringem Maß zu Tage getreten. Es verdient erwähnt zu werden, daß nie eine einzige Gemeinde des Bezirks, auch nicht während der gedrücktesten Zeit in den 1850er Jahren, die gar viele zur Auswanderung trieb, unter Staatsaufsicht gestellt werden mußte. Ihrer Beschäftigung nach besteht die Bevölkerung größtentheils aus Bauern und Weingärtnern; das Kleingewerbe ist hauptsächlich in den Städtchen vertreten, deren wir außer der Oberamtsstadt vier zählen. Im Allgemeinen bildet der Bezirk das Hinterland von Heilbronn, von wo die meisten und hauptsächlichsten Bedürfnisse von der Landbevölkerung bezogen werden, wie denn der Bezirk auch zu Heilbronns stark besuchten Märkten| ein bedeutendes Kontingent stellt. Der Verkehr des Hinterlandes ist durch die schon im Jahr 1869 eröffnete Eisenbahn vom Neckar ins Jagst- und Seckachthal gefördert worden; seit neuester Zeit ist auch der Eisenstrang Neckarabwärts fertig gestellt, so daß die Bewohner des Kocherthals vollends mit neidischen Blicken hinüber zu den mehr bevorzugten Nachbarn blicken. Von Heilbronn bezieht der Bezirk auch größtentheils seine politisch-publizistische Nahrung, er selbst besaß bis in die neueste Zeit kein eigenes politisches oder Amtsblatt. Die Heilbronner „Neckarzeitung“ ist Amtsblatt auch für den Oberamtsbezirk Neckarsulm. Erst seit 1880 erscheint in der Oberamtsstadt auch ein eigenes Blatt, „Der Sulmbote“. In Kleidung und Tracht findet sich im Bezirk nichts Eigenthümliches: die ländliche Volkstracht ist überall von der städtischen verdrängt worden. In einzelnen Ortschaften, wird gesagt, sei besonders bei dem weiblichen Geschlecht die Sucht groß, sich städtisch, beziehungsweise nach der Mode zu kleiden, was vielfache Ursache zu Schuldklagen gebe. Auch in Beziehung auf Sitten und Gebräuche ist nahezu alles Alte und Eigenthümliche dem modernen Verflachungssystem zum Opfer gefallen. Von einigen Gemeinden (Neckarsulm, Binswangen, Degmarn, Duttenberg, Höchstberg, Jagstfeld), wird noch die Sitte der Johannisfeier berichtet. Es ist die Schuljugend, die sich an diesem Tag mit dem „Feuerhopfen“, mit Springen über das „Kanzenfeuer“ (Sankt Johannisf.) belustigt; in Jagstfeld rufen die Kinder vor den Häusern: ’s wohnt e gute Frau im Haus, werfet e Büschele Reisich raus, oder wir lasse de Marder ins Haus. In Offenau, Höchstberg, Duttenberg, Bachenau, Untergriesheim und Jagstfeld fand früher der Maithauritt statt. Am 1. Mai Morgens schon um 1 und 2 Uhr ritten die Bursche in den Wald hinaus. Da ward gepfiffen und wurden kirchliche und sog. Mailieder gesungen. Die zu Fuß lagerten sich und waren guter Dinge, dieweil die Reiter sich am Waldessaum tummelten, bis Sonnenaufgang. Später wurde ein bloßer Wirthshausritt in benachbarte Orte daraus. (Birlinger, Volksth. 2, 93. 98.) Die allgemeinste und überall zu findende Belustigung der männlichen Bevölkerung ist das Kegelspiel, das hauptsächlich an den Nachmittagen der Sonn- und Feiertage in der guten Jahreszeit betrieben wird. Während des Winters beschränkt sich die Unterhaltung wie überall auf möglichst enges Zusammensitzen im qualmgefüllten Wirthschaftszimmer. – Scheibenschießen wird nur in Neuenstadt und| Möckmühl gepflegt, wo sich Schützengilden befinden, die einen Schießstand haben. – Tanz findet, außer bei besonderen Veranlassungen, fast überall an denselben Tagen im Jahr statt, am allgemeinsten an der Kirchweihe, (nur Kochendorf hat keine solche s. u.) sonst auch noch am Ostermontag und theilweise in der Ernte (Höchstberg und Tiefenbach), vereinzelt auch am Pfingstmontag oder am Markt. In Gochsen werden die Mädchen zu solchem Tanz von den ledigen Burschen in den Häusern abgeholt, und es geht dann im Zuge zum Wirthshaus.

Bei Taufen findet im Hause ein meist einfaches Essen mit Trunk statt, in Brettach „Taufsuppe“, in Binswangen „Kindszeche“ genannt; die ledigen Pathinnen, zum Theil auch die das Kind zur Kirche tragenden Kinder sind mit Kränzchen geschmückt. Meistens wird bei den Taufen auch geschossen, wie bei den Hochzeiten. Letztere finden fast nie im Wirthshaus, sondern regelmäßig im Hause der Braut statt, wo ein einfaches Essen gehalten wird, an dem die Verwandten theilnehmen. In Gochsen herrscht die Sitte, daß zu diesem Essen die Geladenen vorher Eier, Butter u. s. w. in das betreffende Haus schicken; in Bittelbronn hält der Schulmeister nach der Trauung eine Rede im Haus der Braut, wofür er ein baumwollenes Taschentuch bekommt; in Degmarn und andern Orten findet an dem auf die Hochzeit vom Dienstag folgenden Freitag feierlicher Einzug oder Umzug in die neue Heimat des Brautpaars statt unter Schießen und Gesang. In Neckarsulm wurden früher die Hochzeitessen auf dem Rathhaus gehalten, wo sich noch 2 Küchen befinden. Tanz findet, da die Hochzeit nicht im Wirthshaus ist, und in den Privathäusern meist die Enge des Raums ihn verbietet, selten und nur gelegentlich dabei statt, hier und da nach einem Klavier oder einer Ziehharmonika (Gochsen). – Die Neujahrsnacht wird mehr oder weniger durch Schießen gefeiert; in Neckarsulm singen in der Neujahrs- und Christnacht die beiden dort bestehenden Gesangvereine in der Stadt herum vor den Häusern der Beamten und Honoratioren, wofür ihnen zur Stärkung und Erwärmung ein guter Trunk gespendet wird.

Bei Leichenbegängnissen findet im Trauerhause ein Leichentrunk statt, doch nie und nirgends in der Art, daß eine Zecherei daraus entstände, vielmehr ist es eine meist einfache Bewirthung der Angehörigen. Kindern unter einem Jahr hält in der Regel der Schulmeister eine Grabrede, sog. Abdankung. In Gochsen besteht die Sitte, daß bei Leichenbegängnissen Erwachsener| außer den Schulkindern auch Ältere (männlichen Geschlechts) mit hinaussingen, bald in größerer, bald in kleinerer Anzahl, je nachdem der Verstorbene angesehen und beliebt war. Auf den Kirchhöfen sieht man in manchen Orten sauber gearbeitete steinerne Grabdenkmäler, welche zum Theil guten Geschmack zeigen und den Einfluß eines künstlerischen Elements (Bildhauer Zartmann in Neckarsulm) erkennen lassen.

Erwähnen wollen wir noch eine jetzt abgegangene Sitte, beziehungsweise Unsitte, die früher in Kochendorf herrschte, jetzt aber gänzlich aufgehört hat, das sog. „Elbenträtschenjagen“.[16] Die ledigen Bursche redeten einem beschränkten, oder auch habsüchtigen Menschen ein, am Hochstädterrain-Brünnlein (in der Nähe der Kochermündung) lasse sich zuweilen Nachts ein sehr werthvolles Thier, eine Art Fischotter, mit kostbarem Pelz fangen. Wenn dann der Mensch mit einem Korb und Messer versehen placirt ist, stellen sich die ledigen Bursche flußaufwärts in einer Linie auf mit Peitschen und knallen lustig, bis ihnen die Sache entleidet. Dann gehen sie heim und lassen den Menschen stehen, der hintendrein der Gegenstand des allgemeinen Gespöttes wurde. – Es heißt, die Sache habe durch ein förmliches Verbot aufgehört.

Was ferner den religiösen Sinn betrifft, so wird derselbe in den evangelischen, wie in den katholischen Gegenden, fast allgemein gerühmt; die Bevölkerung bethätigt ihren kirchlichen Sinn durch eifrigen Kirchenbesuch und Interesse für kirchliche Einrichtungen, Sammlungen etc. In manchen katholischen Orten, voran die Oberamtsstadt, geschieht nicht Unerhebliches zur äußeren Schmückung der Kirche, worin übrigens auch die evangelischen in neuerer Zeit nicht zurückbleiben. Zur Sektirerei scheint die Bevölkerung im Ganzen wenig geneigt; auch der altwürttembergische Pietismus findet einen magern Boden.

Wie überall, so läuft auch hier neben dem Glauben der Aberglaube in mehrfacher Erscheinung nebenher. Hexen- und Geisterglauben spukt zum Theil noch hier und dort, Geistererlösungen haben vor noch nicht langer Zeit eine Rolle bei einer Bevölkerung gespielt, bei der man solches nicht vermuthet hätte; Schatzgraben versuchte auch schon hier oder dort einer, sich zum Schaden| und Spott. In Krankheitsfällen wird stark Sympathie betrieben, und es werden alte Weiber, Schäfer, Schmiede, besonders aber Fuhrleute, die im Geruch des Helfenkönnens stehen, konsultirt. Ein Hexenmeister und Hauptsympathetiker Dollmann spielte lange in einer gewissen Gegend eine große Rolle und erfreute sich zahlreichen Zuspruchs, bis er selbst den Pocken erlag. Besonders bei Krankheiten des Auges, den Schußblattern etc. wird häufig Hilfe an der falschen Stelle gesucht. Bei Kindbetterinnen wird darauf geachtet, daß nichts aus dem Hause geliehen werde; will sich der krankhafte Zustand nicht heben, so wird „das Hühnle zum Dachladen hinausgelassen“ und angenommen, daß mit dem Huhn der böse Geist der Krankheit aus dem Hause getrieben werde. Bei Neugeborenen soll vor der Taufe der Kopf des Kindes auf einem untergelegten Gebetbuch ruhen, auch soll in der ersten Nacht ein Licht brennen, damit dem Kinde nichts beikommen kann. In Jagsthausen soll sich der Brauch, die Obstbäume, zur Erhöhung der Fruchtbarkeit, am Weihnachtsabend beim Betläuten mit Strohseilen zu umbinden, bis in die neuere Zeit erhalten haben. (Birlinger, Aus Schwaben 2, 13.)

Sagen.
Natürlich spukt es fast auf allen Markungen an der oder jener Stelle, wo man irregeführt wird, wie im Kocherwäldchen bei Jagstfeld, oder wo man eine weiße Gestalt sieht, wie am Salinenkanal auf Duttenberger Markung und am Kocher bei Gochsen, wo einmal ein Mord an einem Mädchen verübt worden sein soll. Auch auf Oedheimer Markung soll man bei Falkenstein einen Geist gesehen haben, das Falkensteiner Lichtle, sowie im Gemeindewald Diener oder Loch, wo früher ein Nonnenkloster gestanden habe, eine Nonne, das Lochfräulein genannt. „Das wilde Heer“ tritt ganz vereinzelt auf: auf Brettacher Markung, bei der nach Langenbeutingen führenden Vizinalstraße, will man es schon vernommen haben. Besonders im Wald ist es zum Theil nicht geheuer, so beim schönen Eichle im Hardthäuser Wald, einer in früheren Zeiten durch Räubereien unsicheren Gegend: im Lochwald, Kocherthürner Markung, soll das „Lohmännlein“ sein Wesen treiben, und der „Haldengeist“ rumort theils auf den südlichen Waldhöhen des Bezirks bei Cleversulzbach, theils treibt er auch auf der Ebene, in den Feldern des Kocherthals, sein Unwesen, wo er nächtliche Wanderer durch betrüglichen Irrlichtschein irreführt. In Zusammenhang mit ihm mag auch der „Ohrfeigenplatz“ auf Gochsener Markung stehen, an welchem der Nachts Vorübergehende von unbekannter Hand einen Schlag erhalten soll. In Gochsen erzählt man noch, daß in dem Tuffsteinfelsen am südöstlichen Hang gegen den Kocher, wo früher eine Art Höhle war, in alten Zeiten die „Wasserfrälich“ (– fräulein) gewohnt haben, welche öfters Nachts zu den Bewohnern Gochsens auf Besuch| gekommen seien, z. B. in den Lichtkarz, und es wird jetzt noch ein ganz bestimmtes Haus bezeichnet, in das sie gekommen seien. Nicht geheuer im allgemeinen soll es auch sein am steinernen Kreuz bei Bittelbronn, auf den Steinbachwiesen bei Kochersteinsfeld (früher Poppelesrain genannt), besonders an Orten wo früher angeblich Gebäude, Schlösser oder Klöster standen, auf der alten Burg bei Kochersteinsfeld, in den Gärten und Weinbergen hinter dem oberen Schloß zu Kochendorf. Auf der von Kochendorf nach Neuenstadt führenden Straße, da wo früher der Hardtwald gewesen, will man schon einen Reiter ohne Kopf auf einem Schimmel gesehen haben; er heißt der Hardtreiter und wird als Kinderschrecken gebraucht (Birlinger, Volksthüml. 1, 25). In Kochendorf wird erzählt, daß sich in früheren Zeiten in der Christnacht im Märzenbächle, das durch den Ort fließt, bei einem bestimmten Haus ein Fisch mit starkem Geplätscher gezeigt habe; gefangen und ins Haus gebracht, sei derselbe zu einem Gespenst geworden, das nur durch einen Geisterbanner wieder entfernt werden konnte. In Kochendorf gibt es auch noch Reminiscenzen an das früher dort ansäßige Geschlecht der Grecke. Einer derselben war ein wilder, roher Mensch und Bauernschinder, der seine Freude daran hatte, über die Felder der Bauern zu reiten und zu fahren und die Frucht und die Saaten schonungslos zu zertreten. So kam er einesmals am Kirchhof vorüber, als das Thor auffuhr und eine Stimme herausschallte: „Greck, Greck, heute Greck, morgen Dreck.“ Und Nachts darauf starb der wilde Herr eines jähen Todes. Ein anderer Greck verjagte den großen schwarzen Hund, der die Küche[ER 1] unsicher machte, dadurch, daß er in voller Kriegsrüstung eintrat und das Thier anschrie. Mit einem Steinkreuz, das auf Kochendorfer Markung steht, es ist halb versunken an der Straße nach Jagstfeld zwischen Waldau und dem Bahnübergang, wird die Thatsache in Verbindung gebracht, daß in Kochendorf keine Kirchweihe gefeiert wird. Die Sage berichtet: Einmal am Kochendorfer Kirchweihtag gabs Eifersucht zwischen zwei Burschen wegen eines Mädchens, und an der Stelle des Kreuzes haben beide einander erstochen. Seitdem hat Kochendorf keine Kirchweih mehr. Ebendaselbst sah ein Mann, der Nachts in die Mühle gieng, bei der Synagoge ein Reff mit gebleichtem Tuch; er nahm es mit, da wurde es ein Geist, der schwer zu bannen war.

Im Scheuerberg sollen große Keller sein, in einem derselben sei ein Schatz aufbewahrt, eine ganze Kiste von Geld. Ein schneeweißes Burgfräulein muß den Schatz hüten und geht mit einem Bund Schlüssel zu gewissen Zeiten auf den Trümmern der Burg umher. Wenn man sich viel Geld wünscht, sagt man nur: o könnt’ ich das Fräulein auf dem Scheuerberg erlösen. (Birlinger 75.) Zwischen Neckarsulm und Heilbronn ist das Pfannenkuchenhäusle, in dem man an einem gewissen Tag im Jahr Pfannenkuchen backen hört. (Ebendaselbst 299.)

In dem Wald bei Cleversulzbach, eine Viertelstunde südöstlich an der Grenze der Markung gegen Brettach, steht der sog. „Löffelstein,“ ein viereckiger, ungefähr 1/2 m hoher Stein, auf dessen oberer Seite ein (nicht sehr deutlicher) Löffel vertieft, ziemlich kunstlos, abgebildet erscheint; auf der Vorderseite des Steins sind die Buchstaben S B, auf der Rückseite die Zahl 1803 und die Buchstaben B R eingegraben. An diesen Stein knüpft sich folgende Sage: Bei einem Markungsstreit| zwischen den Gemeinden Brettach und Cleversulzbach habe ein gottvergessener Förster das strittige Terrain dadurch an Brettach zu bringen gewußt, daß er beschwur, so wahr ein Schöpfer über ihm sei, stehe er auf Brettacher Boden. Er beging aber dadurch eine Täuschung, vielmehr einen Meineid, daß er in seinen Hut, den er auf dem Kopf hatte, einen Löffel (Schöpfer) und in seine Stiefel Brettacher Erde gethan hatte. Zur Strafe für diesen Meineid muß er gehen: er ist der oben erwähnte Häldengeist. Man will ihn besonders am Stephanstag in grauem Jägerrock, von einem oder auch 12 Hunden begleitet, gesehen haben und hört öfter sein Rufen im Wald: Hau, Hau! – Da man ihn in letzter Zeit nicht mehr gesehen hat, greift natürlich der Glaube um sich, seine Straf- und Bußzeit sei nun vorüber und er zur Ruhe eingegangen. – Dieselbe Sage beansprucht übrigens auch Gochsen, ohne jedoch einen förmlichen Löffelstein zu besitzen. Dort ist es ein Streit zwischen Gochsen und Neuenstadt um die Flur „Halde“ gewesen, die ein Neuenstadter Jäger zu Gunsten Neuenstadts durch jenen Eid entschied; daher der Name „Häldengeist.“ Es ist eine jener Sagen, die zum Gemeingut der germanischen Stämme geworden sind. (Vgl. Ganzhorn in Wirt. Franken 9, 266. Birlinger, Volksthümliches 1, 222.)

In Neckarsulm wird die Entstehung der Gottesacker-Kirche und einer Kapelle so erzählt: Unter einem Steinhaufen zog man einstens ein Muttergottesbild hervor und stellte es in der Stadtpfarrkirche auf. Bald erhob sich dem wunderbaren Funde zu Ehren die Gottesackerkirche. Aber so oft man das Bild in dieselbe brachte, flüchtete es immer wieder zu dem Steinhaufen hinaus, bis man dort eine Kapelle baute. (Birlinger, Aus Schwaben 1, 64.) Der Hörnlesgeist bei Neckarsulm bläst ins Horn, wenn es Krieg geben soll. (Ebend. 206.) Wenn dort zur schwülen Erntezeit ein kühles Lüftchen geht, so sagt man: die Klosterfrauen beten. (Ebend. 401.)

Weiter erwähnen wir noch die Sage, die sich an den Michelsberg bei Gundelsheim und an die auf ihm stehende Kapelle knüpft. Als die Ufer des Neckars noch Wildnis waren, lebte in der Gegend ein heidnischer Jüngling, der eine Braut hatte, die Christin war. Nachdem diese lange vergeblich versucht hatte, ihren Bräutigam zu bekehren, entsagte sie ihm und zog sich zu stiller Gebetsübung in die Einsamkeit zurück, wo sie dahinwelkte, nachdem sie ihr Schicksal auf Steine und in Bäume eingegraben. Darauf kommt der heidnische Jüngling auf der Jagd an jene Stelle, wo er die Erinnerungszeichen der einstigen Braut findet. Tiefe Reue erfaßt ihn: er geht in sich, beschließt Christ zu werden und läßt sich vom Bischof in Worms taufen. Nun erbaut er sich auf dem Berge eine Einsiedlerhütte; der Ruf seiner Frömmigkeit wurde weit im Umkreis bekannt und viele Pilger suchten ihn auf. Eines Morgens fanden ihn die Waller entseelt und erbauten nun an der Stelle, wo sein Einsiedelhaus gestanden, seiner Bekehrung zu Ehren eine dem Satansüberwinder, St. Michael, geweihte Kapelle. Der Berg heißt in seinem südlichen Abfall heute noch „das Himmelreich.“ (Vgl. Jäger, Handb. f. Reis. in d. Neckargeg. Anh. 77 f.) – Auch die Sage vom Siebenrohrbrunnen (Heiligbrunnen) und der Erbauung der Kilianskirche in Heilbronn durch Kaiser Karl den Großen knüpft sich an unsere Gegend, sofern der Kaiser auf der Jagd am Scheuerberg| vom Durst getrieben die Quelle gefunden und dort durch einen Jünger St. Kilians die Anregung zum Bau des Gotteshauses erhalten haben soll. (Jäger, a. a. O. Anh. 74 ff.)

Mundart.

Die Mundart, welche im Bezirk gesprochen wird, ist nicht nur bedingt durch den Volksstamm als solchen, sondern auch durch seine Geschichte, das heißt durch die verschiedenen Herrschaften, die sich in seinen Besitz theilten oder ihn nach und nach inne gehabt haben, endlich dadurch, daß der Bezirk ein Grenzbezirk des Landes ist. Hieraus ergibt sich zunächst, daß die Sprache der Bevölkerung nichts Eigenartiges und Charakteristisches hat, vielmehr durchaus Mischungsverhältnisse aus dem fränkischen, schwäbischen und rheinpfälzischen Idiom aufweist, wobei zum Theil noch der Jargon des hebräischen Elements in etwas mitwirkt. Im allgemeinen haben wir einen modifizirten fränkischen Dialekt, gemischt mit schwäbischen und pfälzischen Elementen, wie sie einerseits die räumliche Nachbarschaft, andererseits der unvermeidliche Import durch nichtfränkische Beamte, Geistliche und Lehrer hereinbringen. Allgemein gut auch hier, was den Vokalismus betrifft, daß die Mundart dem Diphthongiren abgeneigt ist, namentlich die dunkeln Diphthonge verwischt und abschleift, wogegen andererseits wieder nach einfachen Vocalen e, o und u ein i, u und o diphthongenartig nachklingt. Der eigentliche Diphthong ei, der als ai und â im Fränkischen erscheint, wird zum Theil hell, wie im Schwäbischen gesprochen. Auf dem Gebiet der Konsonanten läßt sich wahrnehmen, daß in manchen Gegenden die im Fränkischen aspirirte Media g im Auslaut und zwischen zwei Vokalen nicht aspirirt gesprochen wird. Zur Kennzeichnung des im Bezirk herrschenden Idioms stellen wir eine Auswahl charakteristischer Wörter zusammen, wodurch sich seine besondere Art und seine Abweichung vom schwäbischen Dialekt einerseits und vom (ost)fränkischen andererseits am besten ergeben wird.[17]

| A. Vokale und Diphthonge.

a in kurzen und geschärften Silben wie im Hochdeutschen, zum Theil mit Dehnung, z. B. blaat (Blatt); an ist kurz als Präposition für sich, ânn in Zusammensetzungen. i kan, i hab.

a in langen Silben wird theils gekürzt, theils bleibt es lang, theils wird es zu o, z. B. vatter (vadder), (Vater); glâs, grâs, hâfə, (als Sammelplatz der Schiffe), dagegen haffə = Topf, hâs; auch garn, arm; aber war (wahr), hår (Haar), (ja), ål (Aal); somə (Samen); zann, ganns, Zahn, Gans; wårum, dårum, = warum, darum.

e ist theilweise e, theils ë oder ei.

ei oder ei = eben, klei Klee, schnei Schnee, eisəl Esel, (in anderen Gegenden reines e: klê, schnê, eben, beet) bëttə, gëwə, für beten, geben; während in einigen Gegenden sêl, lêwə, newl, lerər Seele, Leben, Nebel, Lehrer mit hellem e gesprochen wird (Gundelsheim), sprechen andere (Neuenstadt) sël, lëwə, nëwl, lërər. Überall: gërn, schtërn, gëld, rëcht, bërich (bërig) = Berg. – Verkürzt zu i in britt, billə = Brett, bellen.

In der Vorsetzsilbe ge fällt e immer aus, z. B. gschwind = geschwind, siehe unten bei g; die Vorsetzsilbe ver lautet entweder vr oder vər, z. B. vrlorə = verloren.

Die Endsilbe en wird ə, kumə = kommen.

In den Endsilben el und er wird e theils getrübt gesprochen = ə (Möckm. und Jagsth.), z. Th. ganz ausgeworfen, z. B. silwər, schneidər, flechl, gawl, für Silber, Schneider, Flegel, Gabel.

Die Diphthongen ö und ä werden theils wie helles e, bezw. ei, theils wie ä (besonders vor r) gesprochen z. B. (i), bês (is), trêstə (trêistə) = Höhe, böse, trösten; veichl Vögel (oder vegəl), leb für Löwe; dagegen här, wärter für: höre, Wörter; kês, glêsər, sebəl, schefər = Käse (in Möckmühl käs), Gläser, Säbel, Schäfer; gens, hent oder henn, kelt = Gänse, Hände, Kälte; aber bär, wärm; spât = spät; für Kröte sagt man allgemein krott. Mäckmihl = Möckmühl.

i und ie. Die Aussprache des Vokals i erleidet in gewöhnlichen kurzen Silben keine Änderung: stich, gift, disch (Tisch).

Vor r tritt regelmäßig Trübung in ä ein, also kärich, härsch, schärm, härt, wärt, härn (auch hiärn), stärnə, für Kirche, Hirsch, Schirm, Hirte, Wirt, Hirn, Stirn; Birne wird biärn.

Vor n, ng und m bleibt das i durchaus rein und hell, im Gegensatz zu der Trübung im Schwäbischen: ring, kind. ie bleibt theils lang, wie in schpîl, vîl, bîr, Spiel, viel, Bier, theils tritt Verkürzung und Schärfung ein, wie siwə, widdər, lichə, = sieben, wieder, liegen; vor | ch wird i eingeschoben in kellich, millich = Kelch, Milch; die Endung ung wird ing, z. B. klaiding; die Endung in wird e oder in z. B. keniche, wärte (-in) für Königin, Wirtin. Doch auch kaiser’n für

Kaiserin, „nicht“ lautet überall ned, i fällt aus in ə weng für „ein wenig.“

ei, eu und äu. Werden alle gleich behandelt, weshalb wir sie hier zusammenstellen können. Zum Theil findet sich in einigen Gegenden und in einigen Wörtern die Aussprache ei hell, wie im Schwäbischen, besonders in pfeife, weib, seide und seite, drei, z. Thl. auch fleisch; meist aber = ai, also ai, aiche, flaisch (flâsch) = Fleisch, auch fläsch.

Für „zwei“ zwên (zwâ, zwû); – ferner â, wie gâscht, schulmâschter, sâl, sâfə, für Geist, Schulmeister, Seil, Seife; erscheint ei in der Endung ein, so lautets mein, dein, sein für „mein, dein, sein“, Wein ist wein, dagegen für klein, Bein, Stein erscheint klân, n, schtân.

Vor m entsteht ebenfalls ein Nasallaut, wie nm, nmlich, = heim, heimlich. Dagegen in leim und beim ist meist wieder das helle, schwäbische ei.

Statt ân erscheint zum Theil auch än (Möckmühl) z. B. n und schtän für Bein und Stein.

Die Endung „heit“ erscheint immer als et: kranket.

Die Endung „keit“ ist „kait“, z. B. eiwichkait = Ewigkeit. „Arbeit“ lautet ärwət. – Über die Deminutivendung siehe unten.

Ebenso lautet eu zum Theil ei oder ai, z. B. ail, hai, lait, nai, daier, für Eule, Heu, Leute, neu, theuer; zum Theil â oder äi, wie frâd, fraid für Freude, schträi, schträ für Streu.

äu erscheint als ai, ä, ê, z. B. raiwər, laidə, kraidər, kêfər (kaifər), däfər, (daifər) für Räuber, läuten, Kräuter, Käufer, Täufer; bêm für Bäume.

o ist selten rein, wie zum Theil brod, meist wird es entweder å z. Thl. mit nachtönendem a z. B. in år = Ohr, oder mit nachtönendem u, als schtrou, toudt, auch broud für Stroh, todt, Brot. In kurzen oder geschärften Silben wird es zu u, z. B. frumm, kummə, summer, sunnə, dunnər, für fromm, kommen, Sommer, Sonne, Donner; aber auch dusə und wu für Dose und wo; „von“ ist theils vun theils von, vor bleibt. „Lohn“ ist bald loan bald laun oder n.

u bleibt (wie es bei i der Fall ist) vor n und m rein, in Abweichung vom Schwäbischen; vor r tritt Umlaut in o ein, außer in furcht, also dorscht, worscht, worm, dorrn, (auch durəm) für Durst, Wurst, Wurm, Thurm; (in Kochendorf bleibt auch hier das u); „gedurft“ wird von dürfen = därfengedärft“ oder därft.

In langen Silben ist zum Theil ein Nachklang von ə zu hören, in andern Gegenden bleibt u rein, z. B. in Neuenstadt buəch, ruə, huət, muəss, suəch, für Buch, Ruh, Hut, muß, such; Bube ist überall buə. In einzelnen Gegenden erscheint u gedehnt in lûft und dûft, für Luft und Duft. Einzelne kurze u werden ebenfalls zu o, wie in zopfen und ropfen für zupfen und rupfen. „Mutter“ wird mottər. Armut wird armət, Handschuhe überall händschich; aber ohne Zusammensetzung schuə, = Schuhe.

ü wird wie im Schwäbischen nicht gesprochen, sondern ist = i, z. B. kiwl, iwl, mil für Kübel, Übel, Mühle; (höchstens in lüchə und sündə = Lügen, Sünden); vor r wird es zu ä, z. B. wärscht,| wärflə, därfə, färchte, für Würste, würfeln, dürfen, fürchten; Fürst ist theils firscht, theils färscht. (i in Möckm., Neuenst., Kochend).

In langen Silben hört man z. Thl. einen Nachklang von ə, z. B. kiəfər, biəchər für Küfer, Bücher.

In manchen Wörtern erscheint wie im Schwäbischen u, wie luge für Lüge, gruwlə ausgrübeln.

au behält seinen Laut, wie in maul, gaul, maus, ein Mittellaut zwischen dem geschlossenen schwäbischen au und dem offenen hohenlohischen a-u; mittelhochdeutsch ow wird â, z. B. frâ, kâfə, glâwə, in Möckmühl gläwə für Frau, kaufen, glauben, ebenso dâfə, lâfə, taufen, laufen; dagegen a-uch und ra-uch für Auge und Rauch; zaun lautet nasal für Zaun. In einigen Wörtern wird für au gesetzt å wie in grå, blå, für grau und blau; klauə oder klåə für Klauen. In „auf, hinauf, herauf“ tritt überall kurzes u mit Schärfung ein: uff, nuff, ruff.

B. Konsonanten.

Verwandt mit dem Schwäbischen ist die Unterscheidungslosigkeit zwischen hartem und weichem Konsonant, beziehungsweise das Vorherrschen des letzteren; abweichend vom Schwäbischen ist aber die oben erwähnte Aspiration der Gutturalmedia g.

b und p. b wird zwischen 2 Vokalen erweicht zu w, z. Thl. mit Kürzung der Silbe, z. B. hawr, stuwə, gawl, grâwe, ei für Haber, Stube, Gabel, Graben, eben; aus Schwalbe wird schwalm, aus Wespe wëfze; p ist außer in Eigennamen, wie Peter, Paul und einigen andern Wörtern, im Anlaut ebenfalls weich, also bâr, buddl, bëch für Paar, Pudel, Pech. Die Aussprache des pf ist regelmäßig. Ähnlich ist es mit

d und t. Nach den liquidae wird d und t im Auslaut assimilirt, beziehungsweise unhörbar: ball, kinnər, Neuenstadt kinder, senn (sinn), gëll für bald, Kinder, sind, gelt (= nicht wahr); hemm für Hemd (Neuenstadt und Kochendorf: hemməd); Assimilation findet auch statt in hampfl = Handvoll. Dagegen nd für Hand und pfund. Aus Hochzeit wird hochzich. In den Endungen der Konjugation fällt die Endung et nach Tlaut weg, beziehungsweise das e aus: er rait, er schnaidt für reitet, schneidet. An einzelnen Wörtern wird hinten ein Laut angefügt: senft, laicht, anderscht (annerscht) für Senf, Leiche, anders.

t im Anlaut wird d; dôr, dâch, dorrn (durəm) für Thor, Tag, Thurm.

g und k. k im Anlaut vor Vocalen bleibt: kenich = König; vor l und r ist es weich, beziehungsweise fehlt, wie im Schwäbischen, die Unterscheidung zwischen kr, kl und gr, gl.

Im Inlaut ist zum Theil geschärftes k = gg: agger, buggel = Acker, Buckel. In der Vorsetzsilbe ge fällt wie im Schwäbischen das e immer aus: g’habt, g’hollt, g’hängt = gehabt, geholt, gehängt.

Während in den mehr fränkischen Theilen des Bezirks g im Auslaut und zwischen 2 Vokalen durchaus aspirirt gesprochen wird, z. B. bërch, burch, auch, frâch, rëchə, balch = Berg, Burg, Aug, Frage, Regen, Balg, ist es in andern Theilen nicht aspirirt: i, bërig, burig, balig für Regen, Berg, Burg, Balg. Die Endsilbe ig ist wie

im Schwäbischen immer aspirirt in: kênich, essich für König, Essig.| Die Neigung zur Aspiration geht sogar so weit, daß wie in kallich = Kalk, das k im Auslaut aspirirt oder wenigstens erweicht wird. (Andere: kâlich oder kalig.) Apotheke abodêg. In „Rabe“ und einigen andern Wörtern wird ein g vorgesetzt: = grabb. – g fällt aus in mâd = Magd.

h und ch. h wird im Inlaut und im Auslaut oft zu dem stärkeren ch: zîchə, hêcher. rûchə, vîch, hendschich für ziehen, höher, ruhen, Vieh, Handschuh; „sehen“ ist z. Thl. = sëə, z. Thl. = sëchə. ch im Auslaut wird häufig abgeworfen: î, , = ich, mich, dich; aber sich. nicht ist immer ned oder nett. wellər = welcher. ch in der Adverbialendung lich, z. B. zimlich, bleibt.

m und n. n wird vor Labialen und f theilweise zu m: embërə, vernumpft, samft für entbehren, Vernunft, sanft, (nicht überall); in der Silbe end und ent geht n meist verloren, wie aichətlich, ordəlich, effətlich für eigentlich, ordentlich, öffentlich: auch orntlich oder ornlich für ordentlich. – Über die Endungen en und in siehe oben bei e und i. Das n der Verbalendung und als Pluralzeichen nach Konsonanten wird abweichend vom Schwäbischen deutlich gesprochen: z. B. liffərn, liefern, fëddərn, Federn.

Aus „man“ wird z. Thl. , zum Theil mər. n als Endung des Stammes nach Vokalen erscheint fast immer nasal: an, n, n, (auch mann), wain für ein, nein. Mann, Wein. „Nein“ lautet in Möckmühl: ; „ein“ in der Zusammensetzung ist nasal: einladə = einladen; „hin“ wird nan.

l und r. l geht verloren in sodder für solcher, und in Formen des Hilfsverbums „sollen“. Siehe unten.

r steht pleonastisch am Ende mancher Wörter im Plural: schtânər, nər, dingər, für Steine, Beine, Dinge. Eingefügt wird es nach der adverbialen Vorsilbe da, dərvun, darnåch, dərzuə = davon, danach, dazu. Droben und drunten lautet in einigen Gegenden drobə und drundə, in andern mit Ausfall des r dowə und dunnə (Gundelsh.)

st im Anlaut ist immer scht, beziehungsweise schd: schdâb, schdëchə, schdên oder schdein für Staub, stechen, stehen. Im Auslaut bei Substantiven und Adjektiven (Superlat.) ebenfalls scht z. B. luscht, bruscht, moscht, dorscht für Lust, Brust, Most, Durst; in den Endungen der Konjugation geht das t in der Regel verloren: isch, bisch, håsch, kumsch, hêrsch oder härsch für: ist, bist, hast, kommst, hörst.

Der Artikel a) bestimmt, lautet: dr (mann), d’(frâ), ’s(kind), der Mann, die Frau, das Kind.

b) unbestimmt an (nasal, s. bei n), annər, anne (anni) ans, eine, einer, eine, eines (in Möckm.: änner, änne).

Zahlwörter: von 1–12. ans (anns. Möckm.: äns), zwâ (in Neuenst.: zwên mask, zwun femin.) auch zwai (Möckm.: zwän), drai, vîər, finf, sechs, siwə, acht, nein, (zêə) ëlf, zwelf; värzê (14), fuffzê (15); halb halwər.

Pronomen. î, ër, miər, diər (mər, dər) si, ich, er, wir, ihr, sie; für „dieser“ wird nur gebraucht „dër“, für jener, das die Sprache gar nicht hat: sëllər, in Verbindung mit dort; soddər = solcher; wellər = welcher interrogativ; als relativ: wu, dër wu; äbbər, äbbəs jemand,| etwas: niəmə, (Neuenst.: niəmərn, Möckm.: niəməd) und nix für Niemand und Nichts.

Konjugation:

a) von „sein“ und „haben“.

i bin, du bisch, ər isch, mər sinn, dər seid, si sinn (senn) „ich war“ wird nicht gebraucht; i bin gwë oder gwëə (Möckm. und Neuenst.), gwësst (Jagsthausen, Gundelsh.) ich bin gewesen.

i hab (håb), du hasch (håsch), ər hat (håt), mər hen, ir hend, si hen (si häbə) (in Jagsth.: mər häwə, dər hätt, si häwə); „ich hatte“ ist ungebräuchlich; i hab (håb) ghatt (katt).

b) Hilfsverba: können, dürfen, mögen, müssen, sollen, wollen.

i kann (Möckm. kann), kansch, kan, kenə, kənt, kenə. – kennt = gekonnt.
i därf etc. i hab därft.
i mâch, magsch, mâch, mêchə, ir mecht, si mêchə; g’mecht.
i muss, musch, muss, messə, messt, messə; g’misst.
i soll, sollsch, soll, sollə, sollt (sott) sollə; g’sollt. ich sollte i sott.
i will, willsch, will, wellə, wellt, wellə; gwellt.

c) Wir wählen die Konjugation des mit einem tiefen Diphthongen versehenen Verbums „laufen“, um die Verflachung und verschiedenfarbige Abschleifung des Diphtongen zu zeigen:

i lâf, du lâfsch, ər lâft, lâfə etc.; g’loffə (Neuenst.) oder i lâf, du läffscht, ər läfft, mər lâfə. (Jagst. Möckm.)

d) In der Fragform tritt zum Theil Verschmelzung mit dem Pronomen ein: semmər, håsch, mannsch oder mannscht (für: sind wir, hast du, meinst du?

Das Deminutiv lautet im Singular auf le, bîchle, kärwle (Möckm. kerble) häffile (häffəle), schissəle für Büchlein, Körblein, Häfelein, Schüsselein; im Pluralis auf lich: bîchlich, kärwlich, schissəlich. „Mädchen“ lautet mädle oder madle, Plur. madlich.

Abweichendes Geschlecht: dər bach (bâch) und die bach Bach; dər fërsə (färschə) Ferse; dər und das dël (dâl) Theil, aber immer das vorderdal; das denn (Tenne), di und dər luft (lûft), dər buddər Butter; dər und das dëllər (Teller), dər ratt (Ratte), das eck (Ecke), dər bank, dər zwiwəl (Zwibel), dər wolk (Wolke).

Schärfung des Konsonanten, abweichend von der Schriftsprache: wenning, fëddər, schemml, liffərn, haffə, häffəile, buddl, für wenig, Feder, Schemel, liefern, Hafen (als Geschirr), Häfelein, Pudel, ebenso schwëffl, schdiffəl, ləddər, bëttə für Schwefel, Stiefel, Leder, beten. Auch in hawər (habbr) und kuchl (Haber und Kugel) ist eine Schärfung, beziehungsweise Kürzung des Vokals wahrzunehmen.

Vater wird z. Thl. vâder, z. Thl. vaddər gesprochen.

Dehnung tritt z. Thl. ein in g’sâcht, Möckm. g’sât, lûft, dûft, bâch für: gesagt, Luft, Duft, Bach; schlîde für Schlitten, bêch für Pech.

Die Wochentage lauten: sundich, mendich (mêdich), dinschdich (denschdich), mittwoch, dunerschdisch, freidich, samsdich. – Werktag lautet wërdich.

| Besondere Ausdrücke und Redensarten.

alləwail = eben, in diesem Augenblick; allfort = immer, ununterbrochen; waile waile = schnell hurtig, eig. weidlich; zaggərn = pflügen; zundernëssə = vespern; grîchə = bekommen; gilfzə = ächzen; zërfə = necken; hurchlə, plumbə = fallen; nåre = vorwärts; nårdich = nachher; numə = nur; nimme = nicht mehr; êndər = eher; anəwëg = dennoch: nône = noch nicht; net gërn = unabsichtlich, unvorsätzlich; morn môrn = morgen früh; a woll = o nein, durchaus nicht; schtrandlə = zweifeln; achlə (hebr.), wicklə = essen; unsëlich = roh, grob und = unglücklich; unbedâmt = unverschämt, aber auch in gutem Sinn = furchtlos; wëddərgên oder wëdderfârn = aus Unvorsichtigkeit irgendwo anstoßen (im eigentlichen Sinn, z. B. mit einem Körpertheil, Wagen) oder = angehen, schlimm ankommen (i bin wëddərg’fârn) auch wêddərschnorrə; dər deihenkər hats g’sëə und: dên soll ə krott pfëzə, Ausdrücke des Ärgers; ums krottə hoar = fast; ə alte flachsfrâ = ein abgeschmackter Mensch; ə massion oder ə åləm (hebr.) = eine Menge; gåwattəl = Schneesturm, daher gåwattəln; knorrə = Fußgelenk; gickər = Hahn; wengərt = Weinberg; äbbirə = Kartoffeln; kärwe = Kirchweih; fassend = Fastnacht; bårscht = Kinder; gschtallîr = Schimpfrede, davon gschtallîrn; balkəg’schwäz = Klatsch, leeres Gerede; dralle = dummer Mensch; schwåb als Schimpfwort; Sillingə = Siglingen; Domenikəs = Dominikus (in Kocherthürn).



  1. Von Finanzrath Kull.
  2. Vergl. Jahrgang 1874 der Württemb. Jahrb. I S. 57.
  3. Vergl. ebendaselbst Übersichtskarte I und II zu S. 26 und S. 198.
  4. Vergl. die Beschreibung Württembergs vom Jahr 1863 S. 317.
  5. s. Jahrgang 1874 der Württemb. Jahrb. I S. 129.
  6. s. Jahrgang 1875 der Württemb. Jahrb. I. S. 240.
  7. s. Jahrgang 1876 der Württemb. Jahrb. IV H. S. 8. u. 9.
  8. Bei dem Kondominat Widdern fehlte die Angabe des Religionsbekenntnisses in der Bevölkerungsliste von 1812, und die dafür mitgezählte Bevölkerung der später badischen Orte Korb und Unter-Kessach ist um 277 Einwohner geringer, daher die Differenz gegenüber der auf S. 76 stehenden Tabelle.
  9. Für die Oberämter Heilbronn und Künzelsau sind die betr. Verhältniszahlen noch nicht berechnet.
  10. a b Siehe Jahrgang 1874 der Württemb. Jahrb. I. H. S. 12 und S. 6.
  11. Vergl. Jahrgang 1874 der württ. Jahrbücher I, S. 14.
  12. Vergl. die Beschreibung des Oberamts Mergentheim S. 103.
  13. S. Jahrgang 1855 der Württ. Jahrbücher S. 1–133.
  14. S. die Statistik der Geisteskrankheiten von Dr. L. A. Koch, Direktor der Pflegeanstalt in Zwiefalten. Württ. Jahrbücher von 1878, III, S. 1–231.
  15. Da dieser Abschnitt nicht rechtzeitig geliefert wurde, folgt er im Anhang.
  16. Die gleiche Sage in Mittel- und Oberschwaben, s. Meier Deutsche Sagen in Schwaben 88 ff. Zum Wort vergl. Grimm, Deutsche Mythologie 2. A. 412: Ölpe- Alber-Drelpetrütsch, Elpen-Tölpentrötsch, Trilpentrisch, Hilpentritsch etc., denkt man sich einen linkischen einfältigen Menschen, dem die Elbe (Geister) etwas angethan haben.
  17. Schema der Lautbezeichnung:
    a kurz a; e, i, o, u kurz e, i, o, u.
    â, ê, î, ô, û, lang a, e, i, o, u.
    å Mischlaut zwischen a und o.
    ë wie ä gesprochenes e.
    ä = ä.
    ə tonloser, kurzer Mischlaut aus a und e, z. B. in den Endsilben der Zeitwörter, kommə = kommen.
    an, on u. s. w. bedeutet nasale Aussprache.
    klein i und u und ə zur Bezeichnung des Nachklangs nach einem Vokal.
    Diphthongen: ai, au und ei = ai und au und ei. Andere kommen nicht vor.
Errata
  1. S. 113 Mitte statt Kirche lies Küche. Siehe Berichtigungen und Ergänzungen, S. XII.


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