Beschreibung des Oberamts Neresheim/Kapitel B 27

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Röttingen.
Gemeinde III. Kl. mit 520 Einw. a. Röttingen, Pfarrdorf, 502 Einw., b. Freudenhöfe, Weiler, 12 Einw., c. Kahlhöfe, Hof, 6 Einw. – Kath. Pfarrei, die Evang. sind nach Bopfingen eingepfarrt. Die Parzelle b. ist nach Lauchheim eingepfarrt. 4 Stunden nordwestlich von der Oberamtsstadt gelegen.

Am östlichen Fuß eines gegen Norden sich hinziehenden Rückens des weißen Jura, liegt ziemlich hoch und freundlich der ansehnliche von Südost nach Nordwest in die Länge gedehnte, etwas unebene Ort, dicht umgeben von schönen Obstbaumgärten und von Schutz gewährenden Höhenzügen, die nur gegen Südosten eine mäßige Aussicht erlauben. An den breiten gut unterhaltenen Ortsstraßen lagern sich in mäßigen Abständen die freundlichen, reinlichen, meist aus Stein aufgeführten Häuser, die auf den ersten Blick die Wohlhabenheit der Einwohner verrathen. Durch Vicinalstraßen nach Baldern, Lippach und auf die Bopfingen–Aalener Landstraße ist der Ort mit der Umgegend hinlänglich in Verbindung gesetzt.

Die dem hl. Gangolf geweihte Kirche steht inmitten des Dorfes im noch ummauerten Friedhof und ist ein sehr schönes und zierliches spätgothisches Bauwerk, errichtet im letzten Jahrzehnt des fünfzehnten Jahrhunderts aus dem feinen, schöngelben, etwas leicht verwitternden Sandstein des in hiesiger Gegend anstehenden braunen Jura. Der gothische Stil erscheint hier schon an seiner äußersten Grenze, aber von einer Lebhaftigkeit, Anmuth und einer genialen Freiheit, die uns mit allen Ausschreitungen reichlich versöhnt; die Gothik scheint überhaupt gerade vor ihrem Erlöschen noch einmal von jugendlichem Leben durchdrungen worden zu sein. – Sehr große Ähnlichkeit hat der Stil unserer Kirche mit dem an der großartigen Georgenkirche im nahen Nördlingen, dort wird als Kirchenbaumeister von 1495–1505 Stephan Weyrer genannt. Zum Bau der Kirche wurde das romanische Schiff der früheren benützt; man sieht noch Theile des alten Quaderwerks, sowie das romanische Sockelgesims, alles Andere ist aus einem Guß und mit größter Sorgfalt gefertigt. Die Spitzbogenfenster des Schiffes verloren ihre Maßwerke und die Westseite ist ganz kahl, dagegen ist der halbachteckig schließende Chor mit dem nördlich daran stehenden Thurm ein Meisterwerk spätgothischer Zierkunst und beinahe vollständig erhalten. Seine schlanken Spitzbogenfenster sind trefflich gefüllt und seine hohen Strebepfeiler von reichstem und dabei phantastischem Schmuck. Sie kanten sich gegen oben rechteckig vor, von herrlichem Astwerk und Blumengeranke belebt, und trugen darüber einst Heiligen-Bildsäulen, die unter reichen noch erhaltenen, von einer Fiale überragten Baldachinen standen. Alle Schrägen, Dächelchen und Giebelchen sind geschwungen und mit Blumen, mit Drachen und anderem Gethier belegt. Auf der unteren Schräge des ersten Strebepfeilers (von | Südwesten aus gerechnet) stehen Veronika mit dem Schweißtuch und ein Engel mit dem Schenkenstein’schen Wappenschild, auf der des zweiten sieht man die Darstellung des Todes (Gerippe, Brustbild) und ein Frauenbrustbild, auf der Schräge des dritten Pfeilers liegen zwei Hunde, auf denen des vierten und fünften andere verstümmelte Gethiere. – In die Kirchenmauer sind auch sogenannte „wachsende Steine“ eingemauert. Der von einem Wendeltreppenthürmchen flankirte Thurm ist in den drei untern Geschossen viereckig und hat unter jeder Stockwerksgurte einen prachtvoll reichen gefüllten Bogenfries mit Lilienenden oder Wappenschildchen. Das dritte Geschoß trägt einen Umgang mit schönem steinernem Fischblasengeländer, an dem unten vier Dachspeier weit hinausragen, und von hier aus geht der 1499 vollendete Thurm durch vier strebenbogenartige Pfeiler auf den vier Ecken in das Achteck über, das leider nicht mehr den alten schlanken Helm, sondern eine Zwiebelkuppel trägt. Am Achtecksgeschoß ist das Schenkenstein’sche Wappen sehr schön ausgehauen.

Das Innere der Kirche wurde leider im Jahre 1769 verzopft, mit Stuckaturen und großen Fresken geschmückt, doch blicken im Chor noch Theile des alten Netzgewölbes aus der dicken Tünche hervor, sowie noch einige Träger der Wandsäulen (Dienste), darunter das schöne Brustbild eines Mannes mit einem Kranz von Rosen auf dem Kopfe, und ein Schild, worauf steht: Sancte gangolfe miserere nobis 1495, dabei das Zeichen des Baumeisters. An der Westwand des Schiffes führt eine Wendeltreppe auf eine schöne steinerne Empore, die von fünf auf achteckigen Pfeilern ruhenden Kreuzgewölben getragen wird, Das erste Geschoß des Thurmes ist netzgewölbt und daneben liegt ein kreuzgewölbtes Kapellchen mit dem Aufgang zur Kanzel. Außerdem enthält die Kirche noch ein sehr altes Krucifix, eine alte Pieta und einen spätgothischen achteckigen Taufstein; dann im Chor drei Todtenschilde, der eine mit der Umschrift: Anno 1504 den 10. Juni starb der Edelfest Kaspar Schenk zum Schenkenstein in Bissingen. der Seel Gott gnädig sein wolle. Auf dem zweiten steht: Anno 1517 den 24. April starb die Edelfest Fraw Schenk zum Schenkenstein. Gott sei ihr gnädig. Auf dem dritten steht: Anno 1543 den 28. Januar starb der Edelgestreng Herr Kaspar Schenk zum Schenkenstein, Ritter zu Hohenburg. Gott sei ihm gnädig. Auch liegen auf dem Chorboden zwei Erzplättchen mit dem Schenkenstein’schen Wappen und den Unterschriften: Cristof schenck. – Sixt Schenck.

Von den drei Glocken auf dem Thurm hat die größte die Inschrift:

Von hier in’s Vaterland
Haben uns 3 Schwestern mit ihrer Hand
Verfertigt nach Röttingen in Schwaben.
Zu Dinkelsbühl gegossen uns haben
Anno 1724.

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Als Nicolaus Arnold und Alexander
Zwei Brüder aus Lothringen miteinander
Wollten gehn von hier.

Die zweite, eine dieser Schwestern, trägt auch die Jahreszahl 1724, die dritte wurde 1868 umgegossen. Am Glockenstuhle steht: Johannes weber zimmermeister in baldern. Ao. 1716. – Eine Erneuerung der Kirche im ursprünglichen Stil wäre von hohem Werth. Die Unterhaltung derselben ruht auf der Gemeinde.

Beim Eingang in den Friedhof liegt eine Auftrittplatte, auf der das stark abgetretene Flachbild eines Löwen (aus römischer oder aus romanischer Zeit) zu sehen ist.

Westlich vom Dorf, auf der Anhöhe, steht bei zwei Linden die St. Wendelinskapelle, zu der noch immer weither gewallfahrtet wird. In ihrem Altärchen wurde im vorigen Jahrhundert ein Dokument gefunden, worin stand, daß die Kapelle früher ein heidnischer Tempel gewesen sei. Auch geht die Sage, das alte aus Holz geschnitzte Heiligenbild auf dem Altar sei ein Götzenpriester. Man hat von hier aus eine herrliche Aussicht an die so malerischen freistehenden Berge der Umgegend, Baldern, Ipf, Flochberg, Sandberg u. s. w.

Eine andere Kapelle, zu St. Gangolf, wurde im Jahr 1728 in dem Thal zwischen den Kahlhöfen und Finkenweiler erbaut.

An die westliche Seite des Begräbnißplatzes lehnt sich der Pfarrhof mit seinem stattlichen Pfarrhaus nebst Garten; es wurde an der Stelle des früheren 1533 erbauten Pfarrhauses im Jahr 1866 von der Gemeinde, welche von dem Ablösungskapital hiezu verwendete, ganz neu aufgeführt; die Unterhaltung hat jetzt die Gemeinde. Unfern des Pfarrhauses steht das zweistockige, 1837 mit einem Gemeindeaufwand von 3500 fl. gut erbaute Schulhaus, das außer einem Lehrzimmer und der Wohnung des Schulmeisters auch die Gelasse für den Gemeinderath enthält.

Gutes Trinkwasser liefern außer dem St. Gangolfbrunnen fünf öffentliche laufende Brunnen und mehrere Privatbrunnen, unter denen zwei laufende sind. Nie versiegende frische Quellen entspringen in den südwestlich vom Ort gelegenen Rennwiesen, von denen das Wasser seit dem Jahr 1791 in den Ort geleitet wird; überdieß befinden sich mehrere Quellen auf der Markung und in der Nähe des Orts entspringt der Schenkenbach, der sich bei Aufhausen mit der Eger vereinigt. Über die Markung zieht auch die europäische Wasserscheide zwischen dem Donau- und Rheingebiet; sie ist auf dem 1/2 Stunde südlich vom Ort gelegenen Bildwasen, unter dem der Eisenbahn-Tunnel durchführt, so schmal, daß man mit einem Fuß in das Donau-, mit dem andern in das Rheingebiet treten kann.

Die ziemlich große Markung hat eine theils bergige, theils flachwellige Lage und im allgemeinen einen fruchtbaren Boden, der im | Westen und Süden der Markung (Erbisberg, Kapellenberg, Barrenberg) aus den Zersetzungen des weißen Jura, im übrigen Theil aus denen des braunen Jura besteht; die letzteren sind etwas schwer, lettig, zuweilen sandig und eignen sich vorzüglich für den Dinkelbau. Es bestehen zwei Steinbrüche, einer im braunen Jura, der vortreffliche Bau- und Werksteine, der andere im weißen Jura, der Straßenmaterial und Bausteine liefert; letztere wurden auch bei dem nahe gelegenen Tunnelbau verwendet, was den Gemeinderechtsbesitzern, denen beide Steinbrüche gehören, namhafte Summen eintrug.

Das Klima ist gesund und wegen der geschützten Lage ziemlich mild; Hagelschlag kommt selten vor und auch Frühlingsfröste stellen sich weniger ein als in andern Orten.

Die geordneten fleißigen Einwohner, von denen gegenwärtig 5 Personen 80 Jahre und darüber alt sind, befinden sich in erfreulichen Vermögensumständen und sichern sich durch Feldbau und Viehzucht ihr gutes Auskommen; der vermöglichste Bürger besitzt 160 Morgen, der sog. Mittelmann 30–50 Morgen und die weniger bemittelte Klasse 3–4 Morgen Grundeigenthum. Nur 3 Familien genießen Gemeindeunterstützung. Überdieß besteht ein Gemeinderecht, nach dem jeder Bürger, der ein ganzes Gemeinderecht besitzt, 6–7 Morgen Felder zur Benützung hat; es sind 80 solcher Gemeindegerechtigkeiten vorhanden. Außer den gewöhnlichen, dem örtlichen Bedürfniß dienenden Gewerben sind zu nennen 2 Schildwirthschaften mit Bierbrauerei und Branntweinbrennerei und 2 Kramläden.

Die Landwirthschaft wird sehr eifrig und gut betrieben, wobei man sich des allgemein eingeführten Brabanterpflugs, der eisernen Egge und der Walze bedient; auch Heinzen und einfache Joche sind üblich. Zum Anbau kommen die gewöhnlichen Cerealien und von diesen vorzugsweise Dinkel und Gerste, ferner Kartoffeln, dreiblättriger Klee, Wicken, Erbsen, Stoppelrüben und Angersen. Von den Getreideerzeugnissen können jährlich für 6–7000 fl. nach außen abgesetzt werden. Der Wiesenbau ist etwas beschränkt, liefert aber ein gutes nahrhaftes Futter, das im Ort verbraucht wird. Die mit späten Mostsorten und Zwetschgen sich beschäftigende Obstzucht ist von einiger Bedeutung, befriedigt aber das örtliche Bedürfniß nicht vollständig; Nüsse gedeihen gerne. Eigentliche Weiden sind etwa 150 Morgen vorhanden; sie werden nebst der Brach- und Stoppelweide an einen fremden Schäfer, der 700 St. Bastardschafe laufen läßt, um 1025 fl. jährlich verpachtet; diese Pachtsumme wird nebst dem 5–600 fl. betragenden Pfercherlös an die Gemeinderechtsbesitzer vertheilt.

Die Rindviehzucht ist sehr beträchtlich; man züchtet eine Kreuzung von Simmenthaler und Landrace und hat 3 Farren von gleicher Race aufgestellt. Das entbehrlich gewordene Vieh wird auf nahen Märkten abgesetzt und überdieß ziemlich Butter und Schmalz verkauft. | Herbstaustrieb findet theilweise noch statt. Von der Geflügelzucht ist hauptsächlich die der Gänse von Belang; es werden etwa 300 Stücke gehalten und meist zum Verkauf gebracht.

Die Gemeinde besitzt etwa 1100 Morgen Waldungen, die von der Stiftung der Herrn von Schenkenstein herrühren und jährlich 240 Klafter und 30.000 Stück Wellen ertragen, von denen jeder gemeindeberechtigte Bürger, 80 an der Zahl, 3 Klafter und 250 Stück Wellen erhält.

Überdieß besteht eine Baldern’sche Stiftung (zur Unterstützung armer Handwerkslehrlinge) mit 1000 fl., hiermit die von Pfarrer Mayerhöfer in Pfrungen verbunden, ferner ein Schulfonds mit 330 fl.

Von den Schlössern und Burgen ehemaliger hier gesessener Adelsfamilien sind an der südwestlichen Seite des Dorfs noch sichtliche Überreste vorhanden; und zwar in dem Garten des Johann Mathäus Gaiß, Mündlesbauer (Mundlehensbauer) genannt, befindet sich die Anlage eines ehemaligen Wasserschlosses, bestehend aus einem im Viereck angelegten 15′ tiefen Graben, von dem je eine Seite 40 Schritte lang ist; an diese Verschanzung stößt ein 15′ hoher kreisrund angelegter Hügel, Ipfle genannt, der ebenfalls mit einem Graben umfangen ist und sich an den im Viereck angelegten anschließt. Innerhalb des Vierecks befinden sich noch Reste von Grundmauern. Zunächst dabei lag ein Weiher, von dem aus der Burggraben unter Wasser gesetzt werden konnte. Etwa 150 Schritte östlich von dieser Stelle befindet sich im Garten des Schreiners Joseph Weidmann eine ähnliche viereckige, mit Graben umgebene Anlage, von der jede Seite 20 Schritte lang ist. Der Graben wurde in neuerer Zeit größtentheils eingeebnet und der immer noch 15′ hohe Burghügel theilweise abgetragen, wobei man Grundmauern und einen rund ausgemauerten Brunnen auffand; auch hier konnte der Burggraben von dem Weiher aus mit Wasser angefüllt werden. Endlich stand eine dritte Burg, ebenfalls 150 Schritte von der letzteren entfernt, in dem Garten des Schloßbauers Dauser, die einen im Viereck aufgeworfenen, jetzt noch mit 10′ tiefem Graben umgebenen Hügel zeigt, von dem jede Seite 40 Schritte lang ist; auf dem Hügel steht das auf alten Grundmauern des ehemaligen Schlosses erbaute Schloßbaurenhaus. Der Burggraben konnte ebenfalls unter Wasser gesetzt werden. Im Jahr 1854 fand man im Hofraum alte Waffen, Sporen etc. Ohne Zweifel stammen diese Befestigungen ursprünglich aus der römischen Periode und wurden später im Mittelalter von adeligen Geschlechtern zu festen Wohnsitzen benützt. Auch wurde auf der Markung ein Reihengrab entdeckt, worin sich Reste eines Schwertes, eines Sachses und eine Speerspitze fanden.

| An der Stelle der jetzigen Wendelinskapelle soll ein römischer Tempel gestanden sein. An dem nördlichen Fuß des Erbisbergs befindet sich eine lang hinziehende Schanze.

Zu der Gemeinde gehören:

b. Freudenhöfe, 1/2 Stunde nordwestlich vom Mutterort unfern des Jagstthales gelegen.

c. Kahlhöfe, liegt hoch und frei 1/2 Stunde nördlich von Röttingen an der Vicinalstraße nach Baldern.

In Röttingen sind noch die Spuren von drei Burgen nachzuweisen, von welchen eine ein ansehnliches Wasserschloß mit Vorhof gewesen ist. Es werden auch schon 1262 Rabeno de Rotingen et Uzebo filius ejusdem genannt und 1281 Raban de Rötingen. Um 1350 lebte ein Rabano dictus Slaisse de Rötingen, der alt Sleiß, und Cunradus Schlaitz de Redingen, diese Herren waren aber im Ries begütert und saßen wohl auch da. Zu Röttingen finden wir zu der Zeit andere Familien, Gerung von Holheim sen. und Raban von Holheim heißen beide 1352 zu Röttingen gesessen. 1367 war Frau Kathrine, Herrn Sifrids von Züllhard Wittwe, Gerungs von Holheim Tochter „zu Röttingen gesessen“, und neben ihr Raban von Holheim, ihres l. Vetters Sohn, zu Röttingen gesessen. Raban von H. erscheint auch 1359. 74. 78; 1407–30 Lutz von Holheim zu Röttingen gesessen. Eine zweite Burg gehörte wohl zur selben Zeit der Familie Brun, 1363 auch in Zöbingen angesessen; 1354 heißt Fritz Brun zu Röttingen gesessen; 1378 Wilhelm von Brunn zu Röttingen gesessen, verkauft da Wiesen um 200 Pfund Heller und 1379 seinen Theil an Kirchsatz und Vogtei zu Dirgenheim. Ob auch Heinrich von Schopfloch zu Röttingen, mit einem Hof zu Ingersheim belehnt 1379, hieher gehört, ist nicht gewiß.

Im 15. Jahrhundert waren die Herren von Westerstetten im Besitz der einen Burg; Heinrichs von Westerstetten Wittwe schenkte Neresheim Güter in R., Hans von Westerstetten aber verkaufte 1471 das halbe Schloß R. um 300 fl. an Wilhelm von Schwabsberg. Doch war Hans von W. immer noch begütert, da er sich 1494 wegen eines Feldlehens zu R. reversirte; erst die Brüder Lorenz und Berthold von Westerstetten verkauften den Rest ihrer Besitzungen um 3335 fl. an Oettingen.

Ansehnlich begütert waren besonders auch die Schenken von Schenkenstein; Schenk Hans verkaufte 1467 seine Hälfte der Burg um 210 fl. an die Brüder Wilhelm und Albrecht von Schwabsberg und Hans von Schwabsberg verkaufte 1512 die Burg mit Vorhof, ansbachisches Lehen, samt Äckern u. s. w. um 1900 fl. an Oettingen. Viele Güter und Unterthanen, gleichfalls (aufgetragenes) ansbachisches Lehen, besaßen die Schenken immer noch, welche an Ansbach zurückfielen und 1613 um 35.000 fl. an Oettingen verkauft wurden. | Schon 1461 erscheint als begütert, 1487 ausdrücklich auch als ges. zu Röttingen ein Bartholomäus v. Weyler; schon 1482 hat er den Burgstal (also wohl eine damals schon zerstörte Burg) und die Güter zu Röttingen dem Grafen Ludwig von Oettingen zum Lehen aufgetragen, so daß diese Grafen nahezu in den Besitz des ganzen Ortes kamen. Ein Heinrich von Reichen hatte 1303 u. a. auch 1 Hof zu Röttingen und 2 Lehen zu Michelfeld etc. an Oettingen vertauscht, welche Güter ihm zugefallen waren von seiner Frau, Eggehards von Rittebach (d. h. wohl Riepach, Gemeinde Thannhausen) Tochter.

Zwei Gütlein besaß Deutschorden, 3 Unterthanen hatte Bopfingen; Herr Hans Dechant zu Ellwangen hat 1398 eine Hube und eine Wiese an die Pfarrkirche zu Bopfingen verkauft und diese hat vielleicht auch die drei Lehen zu R. erworben, welche Pfaff Eberhard von Grünberg u. a. 1350 zu einer Frühmesse in Aalen verkaufte. – Die Gemeinde selbst besitzt schöne Waldungen, angeblich von den Schenken herkommend.

Die hohe Obrigkeit nahm Oettingen in Anspruch, was während des ansbachischen Mitbesitzes z. B. 1599 Streitigkeiten mit dem markgräflichen Vogt hervorrief. Ein Gemeindegericht war mit 12 Mann besetzt. Streitigkeiten dauerten übrigens auch zwischen den verschiedenen öttingen’schen Linien noch längere Zeit fort, bis Röttingen 1676 ganz von Oettingen-Katzenstein erworben wurde und wegen Mißhandlung brachten die Gemeinden Röttingen, Zöbingen und Lippach einen kaiserlichen Schutzbrief gegen ihre öttingen’sche Herrschaft aus 1675. Später theilte R. das Loos der übrigen öttingen’schen Besitzungen im Bezirk.

Bei den Freudenhöfen mag einst auch ein festes Haus gestanden sein, wenn Dom. Ulricus de Vreundertshoven et filius ejus 1262 (in einer wallersteinischen Urkunde) dahin gehören. Ein Hof „zu Waidland“ ist im 30jährigen Kriege abgegangen.

Schon 1239 wird ein Viceplebanus in Rotingen genannt und zwar wurde die Pfarrei wahrscheinlich von Bopfingen abgelöst; ein Herr Hans, Kammerer, Kirchherr zu Röttingen, kommt um 1408. 09 vor. Das Patronat besaßen die Schenken von Schenkenstein, welche die Kirche zum h. Gangolf stattlich erweitern und verschönern ließen und ihre Grablege da hatten. Brandenburg-Ansbach erbte das Patronatrecht, als sein Lehen, und scheint Reformationsversuche gemacht zu haben; denn der öttingen’sche Pfleger zu Kirchheim öffnete z. B. 1584 heimlich die Kirche, ohne Zweifel für eine Messe, und dagegen führte 1601 der Brandenburg’sche Verwalter in R. den Pfarrer gefänglich weg, ohne Zweifel einen dem Patron aufgedrängten katholischen Priester.

Juden waren einst auch zu Röttingen, noch heißt eine Dorfstraße die Judengasse.



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