Beschreibung des Oberamts Neuenbürg/Kapitel B 34

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Waldrennach,
Gemeinde III. Kl. mit 392 Einw., wor. 2 Kath.; Filialdorf von Neuenbürg.


An dem westlichen Rande des Plateaus zwischen dem Enz- und Nagoldthale, oder im engern Sinne auf dem Hochrücken zwischen dem Enz- und Größelthal liegt 3/4 Stunden südöstlich von der Oberamtsstadt der ziemlich große, in die Länge gebaute Ort, von dem man eine schöne Aussicht in die Rheingegend und an die Vogesen genießt. Die an den reinlich gehaltenen Ortsstraßen ziemlich nahe beisammen stehenden Gebäude sind meist noch mit Schindeln gedeckt und häufig an den Außenwänden mit Schindeln verkleidet, was dem Dorf den ächten Charakter eines Schwarzwaldortes aufdrückt.

Das in der Mitte des Dorfs stehende, im Jahr 1844/45 massiv erbaute, mit Thürmchen, Glocke und Uhr versehene Schulhaus enthält ein geräumiges Lehrzimmer, die Wohnung für den Schulmeister und die Gelasse für den Gemeinderath. Das frühere Schulhaus wird nun als Armenhaus benützt.

Ein öffentliches Backhaus, in welchem sich auch das Gemeindegefängniß befindet, ist vorhanden. Seit dem Jahr 1840 ist außerhalb des Orts an der Straße nach Neuenbürg ein ummauerter Begräbnißplatz errichtet, früher wurden die Verstorbenen in Neuenbürg beerdigt.

Trinkwasser liefern 10 Ziehbrunnen und überdieß sind noch 2 große Ziehbrunnen für das Vieh angelegt; das Wasser geht jedoch in trockenen Jahrgängen zuweilen aus.

Die Einwohner sind im Allgemeinen gesunde, kräftige Leute, die sich durch Fleiß, Sparsamkeit, geraden offenen Sinn besonders auszeichnen; ihre Erwerbsquellen bestehen in Feldbau, Viehzucht, hauptsächlich aber in Holzmachen und Taglohnarbeiten, wovon sich der größere Theil derselben nährt, während nur 2 Bürger von dem Ertrag ihres | Grundbesitzes leben können. Die Vermögensumstände sind gering und der reichste Ortsbürger besitzt nur 12 Morgen, der sog. Mittelmann 4–8 Morgen und die übrigen haben entweder 1–2 Morgen oder gar keinen Grundbesitz. Die Güter von den größeren Bauern sind meist zusammenhängende 5–6 Morgen große Stücke, die übrigen aber betragen nur 1/41/2 Morgen.

Das Klima ist rauh und die Luft häufig neblicht; die Ernte tritt um 8 Tage später ein als in dem nahe gelegenen Neuenbürg. Hagelschlag kommt selten vor. Auf der nicht großen, meist mit Wald bestockten Markung liegen die Felder ziemlich uneben und haben einen minder fruchtbaren, leichten, rothsandigen Boden, in welchem Hafer, Roggen und Kartoffeln gut gedeihen.

Die willkürlich betriebene Landwirthschaft ist unbedeutend; zur Besserung des Bodens wird außer dem Stalldünger auch die Jauche fleißig benützt, übrigens ist das Brennen der Felder immer noch üblich. Von den gewöhnlichen Cerealien baut man vorzugsweise Roggen und Hafer, während Dinkel nur selten zum Anbau kommt. Der durchschnittliche Ertrag eines Morgens beträgt an Dinkel 3 Schfl., an Hafer 3–4 Scheffel und an Roggen 11/2–2 Scheffel. Die Felderzeugnisse reichen nicht einmal für das eigene Bedürfniß. Die durchgängig 2mähdigen, nicht wässerbaren Wiesen sind ergiebig und ertragen pr. Morgen 25–30 Cent. Heu und 10–12 Cent. Öhmd. Die Preise eines Morgens Wiese bewegen sich von 300–400 fl., die der Äcker von 100–200 fl.

Die Obstzucht, welche sich meist mit späten Mostsorten und Kirschen beschäftigt, ist ziemlich gut; das Obst wird für den eigenen Bedarf theils gemostet, theils gedörrt und aus Kirschen, sowie Heidelbeeren Branntwein bereitet. Die Gemeinde besitzt 155 Morgen Waldungen, deren jährlicher Ertrag mit etwa 25 Klafter zu Gunsten der Gemeindekasse verkauft wird. Überdies beziehen die Ortsbürger das Abholz aus sämmtlichen Staatswaldungen der Umgegend unentgeldlich und die Gemeinde erhält 42 Klafter Holz von dem Staat, welche sie an die Bürger vertheilt.

Die mit einer Landrace sich beschäftigende Rindviehzucht ist nicht bedeutend und wird durch 2 Landfarren, welche ein Bürger gegen jährlich 50 fl. und der Nutzung von 4 Morgen Wiesen Namens der Gemeinde hält, unterhalten. Das Vieh wird größtentheils noch auf die Weide getrieben. Die Zucht der Schweine ist gering, indem die meisten Ferkel von Außen aufgekauft und für den eigenen Bedarf gemästet werden. Die Bienenzucht wird von einigen | Bürgern nicht ohne Erfolg betrieben. Von Gewerben sind außer einer Schildwirthschaft die nöthigsten Handwerker vorhanden.

Im Staatswald Hummelrain befindet sich eine Erzgrube (Brauneisenstein), die sich bis unter das Dorf ausdehnen soll; die Bau- und Werksteine werden von den los herumliegenden Trümmerfelsen gewonnen.

Durch den Ort führt die Straße von Neuenbürg nach Liebenzell.

Über den Gemeinde- und Stiftungshaushalt s. Tabelle III.

Der Feldbau scheint früher ausgedehnter gewesen seyn, hiefür zeugen alte Ackerbeete und Steinriegel in den Waldungen Hirschgarten, Hummelrain und Hundsthal; auch soll nach der Sage der Ort ehemals eine weit größere Ausdehnung gehabt haben.

In Beziehung auf seine Herren theilt Waldrennach die Schicksale Neuenbürgs.

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