Beschreibung des Oberamts Oehringen/Kapitel B 10

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Feßbach,


Gemeinde III. Klasse 660 Einw., wor. 65 Kath. a. Feßbach, Weiler, Filial von Kupferzell, 186 Einw., b. Kubach, Weiler, Filial von Kupferzell, 70 Einw., c. Künzbach, Weiler, Filial von Künzelsau, 157 Einw., d. Rüblingen, Weiler, Filial von Eschenthal, 247 Einw. – Die Kath. sind nach Kupferzell eingepfarrt.

Der Flächengehalt des durchaus auf der Kupferzeller Ebene liegenden, fruchtbaren Ackerfeldes, ist der größte unter den Gemeinden des Bezirks; er beträgt 3465 Morgen, wovon 2815 angebaut sind, und zwar mit Mengfrüchten 506 Morgen, mit Haber 415 Morgen, mit Gerste 315 Morgen, mit Dinkel 260 Morgen, mit Roggen 210 Morgen, mit Kartoffeln 230 Morgen, mit Reps 210 Morgen und mit dreiblättrigem Klee 332 Morgen. Diesem ausgedehnten Grundbesitz entspricht ein bedeutender Pferde-, Rindvieh- und Schafstand, wie auch die im Oberamtsbezirk zweithöchste Anzahl Schweine (283 St.). Der Ertrag der Äcker ist wie in Eschenthal und bei den Wiesen etwa 35 Centner Futter per Morgen. Die Preise bewegen sich bei den Äckern von 100–300 fl. und bei den Wiesen von 200–300 fl. per Morgen. Getreidefrüchte werden viele auf der Schranne in Hall und Reps nach Heilbronn abgesetzt.

Die Obstzucht ist ziemlich ausgedehnt und das Obst geräth gerne.

Die Pferdezucht beschäftigt sich mit einer durch englische Landbeschäler veredelten Landrace und die Rindviehzucht mit einem tüchtigen Neckarschlag.

Ochsen-, Hammel- und Schweinemastung wird in großem Umfange betrieben.

Unter diesen günstigen Verhältnissen ist es erklärlich, daß in dem ganzen Gemeindebezirk ein sehr wohlhabender Bauernstand getroffen wird.

a. Feßbach, ein großer, ziemlich gedrängt gebauter Ort, der an einem gegen Süden sanft geneigten Thalabhange eine gesunde, freundliche Lage hat. Die schulpflichtigen Kinder besuchen die Schule in dem nur 1/4 Stunde westlich gelegenen Kupferzell, von wo eine neue Staatsstraße nach Döttingen führt. Gutes Trinkwasser ist hinreichend vorhanden. Die Entfernung von der südwestlich gelegenen Oberamtsstadt beträgt 4 Stunden. Feßbach hat das fruchtbarste Ackerfeld in dem Gemeindebezirk.

| b. Kubach liegt etwa 20 Minuten nördlich von Feßbach und ist theils auf die Anhöhe, theils an einen sanften, südlichen Abhang gegen eine ganz leicht eingefurchte Mulde hingebaut. Das nöthige Trinkwasser ist vorhanden. Die Kinder besuchen die Schule in Kupferzell, das 1/2 Stunde südwestlich vom Ort liegt. Die Markung ist zur Hälfte naß, die andere gegen Kupferzell hin gelegene Hälfte besteht aus sehr guten Feldern. Es bestehen 11 Bauernhöfe, von denen drei je 70 Morgen, die übrigen je 50–60 Mrg. groß sind.

c. Künzbach, ein ziemlich ansehnlicher Weiler, liegt 1 Stunde nördlich von Feßbach auf einem Flachrücken der Hochebene. Von den Bauern besitzt der vermöglichste 90 Morgen, der zweite 80 Mrg., drei haben je 60 Mrg. und die übrigen je 20–30 Mrg. Ein Armenhaus, das gegenwärtig einige Bedürftige beherbergt, ist vorhanden. Der Ort gehört in den Schulverband von Haag.

d. Rüblingen, ein ansehnlicher Weiler mit einer baufälligen Kirche, worin jährlich 5 Gottesdienste gehalten werden, und einem 1839 erbauten Schulhause, das ein Lehrzimmer und die Wohnung des Schulmeisters enthält. Die Schule besuchen gegenwärtig 44 Kinder. Der Begräbnißplatz liegt außerhalb (nordwestlich) des Orts. Der freundliche Ort hat eine angenehme, sommerliche Lage am Anfang eines kleinen, in das Eschenthal eingehenden Thälchens und ist 3/4 Stunden von dem westlich gelegenen Feßbach entfernt. Gutes Trinkwasser ist hinreichend vorhanden.

Die Feldgüter sind etwas weniger fruchtbar als in Feßbach; es bestehen gegen 20 Bauernhöfe, von denen einer 115 Morgen groß ist, sechs haben je etwa 80 Mrg., die übrigen je 50–60 Mrg. Flächengehalt. Außer diesen sind sechs kleinere Gutsbesitzer mit je 15–20 Morgen vorhanden. Das Armenhaus beherbergt gegenwärtig 8–10 Unbemittelte.

Feßbach kommt 1319 vor als „Velselsbach“. Ritter Gernot von Gabelstein verkaufte in diesem Jahre seine von Hohenlohe zu Lehen empfangenen Besitzungen in Feßbach und Rüblingen an Herrn Kraft von Hohenlohe.

1346 wird genannt Seitz von Kubach, Burger zu Waldenburg.

1347 Friederich, Stadtschreiber zu Rotenburg und Anna von Neuenstein, seine Hausfrau, verkaufen an Kl. Gnadenthal Güter zu Rüblingen.

1387 kauft Herr Kraft von Hohenlohe von Hermann Lechers Wittwe zu Hall Güter zu Geilenkirchen, Feßelbach, Rüblingen, Künzbach etc. um 1026 Pfund Heller.

| 1486 Contz Strecker und Adam Gundel, Heiligenpfleger zu Ryblingen … der Kapellen zu Ryblingen 2 Güter zu Holzhausen.

1483 verkauft der Abt Andreas von Komburg nebst Konvent an die Grafen Albrecht und Kraft von Hohenlohe ihre Gerechtigkeit und Dorf und Markt Cüntzelsau, Gaisbach, Etzlinsweiler, Kemmaten, Nagelsberg, Haag, Ober-Kuhbach, Morspach, Schupperg etc. mit allen Renten, Gülten, Keltern, Zehnten etc. um 6000 Rh. Gulden mit Wiederlosung, dessen sie sich aber noch in diesem Jahre verziehen, mit Bewilligung des Bischofs von Würzburg und des Pabstes. Die Sache wurde nach mehr als 100 Jahren im Prozeßwege wieder vorgenommen und gegen weitere 6000 fl. und 6 Wägen Wein (1666) im Vergleichswege das Ganze an Hohenlohe bestätigt.

1454 kaufte die Heiligenpflege zu Rüblingen einige Gülten zu Junggoltshausen vom Kloster Gnadenthal um 24 Goldgulden. Graf Albrecht von Hohenlohe wechselte diese Güter 1486 mit Erlaubniß des Pfarrers von Eschenthal gegen andere aus.

Ein abgegangener Ort ist Hefenhofen mit noch bestehender Markung. Hevenhofen genannt in der Bestätigungsurkunde Bischof Sigfrieds von Würzburg (1149) der Schenkung Mechthilds für Komburg.


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