Beschreibung des Oberamts Oehringen/Kapitel B 9

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Eschenthal,
mit Einweiler,
Gemeinde III. Klasse, 236 Einw. – Ev. Pfarrei.
Der nicht große Ort liegt 5 Stunden östlich von der Oberamtsstadt am Anfange des engen Eschenthals, das bei Döttingen in| das Kocherthal einzieht. Die Gebäude, welche zum Theil ansehnliche Bauernwohnungen sind, liegen ziemlich gedrängt an den mäßig hohen, jedoch steilen Thalgehängen und sind gegen den Zutritt der Winde, mit Ausnahme der von Westen herkommenden, geschützt. Die alte, baufällige Kirche liegt in der Mitte des Orts und sieht dem Abbruch entgegen; die Baulast derselben liegt gegenwärtig im Prozeß zwischen dem Staat und der Gemeinde.

Der Begräbnißplatz liegt um die Kirche.

Das 1515 erbaute Pfarrhaus ist ziemlich klein, jedoch in gutem baulichen Zustande.

Freundlich gelegen ist das 1837 erbaute Schulhaus; es enthält ein Lehrzimmer und die Wohnung des Schulmeisters. An der Schule, die gegenwärtig von etwa 100 Kindern besucht wird, unterrichten ein Schulmeister und ein Lehrgehülfe. Das Nominationsrecht zur Schulstelle hat der Fürst von Hohenlohe-Waldenburg-Schillingsfürst. Filiale in kirchlicher Beziehung sind: Bauersbach, Braunoldswiesen, Reisachshof, Stegmühle, Goggenbach, Brachbach, Rüblingen, Einweiler, Herdlingshagen, Rückershausen und Laiblinshof, die mit Ausnahme von Rüblingen auch in den Schulverband gehören. Eine Industrieschule und Stiftungen für Kirchen- und Armenzwecke im Betrag von 2000 fl. sind vorhanden.

Vicinalstraßen führen über Goggenbach nach Kupferzell und über Einweiler nach Hall.

Der Ort hat Mangel an gutem Trinkwasser, indem ein schwacher Rohrbrunnen und einige Pumpbrunnen nur nach Regen schlechtes Wasser liefern, so daß in trockenen Jahreszeiten der Wasserbedarf von Außen herbeigeführt werden muß.

Die Einwohner finden ihre Haupterwerbsquelle in der Landwirthschaft, nebenbei sind ziemlich viele, für das örtliche Bedürfniß arbeitende Handwerker vorhanden; ihre Vermögensumstände gehören nicht zu den besten der Kupferzeller Ebene, indem nur vier größere Bauerngüter vorhanden sind, von denen das bedeutendste 80 Morgen hält und die übrigen nur 60 Morgen betragen.

Die nicht große Markung gehört, mit Ausnahme des schroff eingefurchten Eschenthals, zur Kupferzeller Ebene und hat im allgemeinen einen ergiebigen, theils lehmigen, theils kalkreichen Boden, in welchem die gewöhnlichen Cerealien und Brachgewächse mit gutem Erfolg gebaut werden. Der Ertrag der Felder ist etwas geringer als in Eschelbach und der Verkauf an Feldfrüchten nicht bedeutend. Die Ackerpreise bewegen sich von 100–300 fl. per Morgen.

| Die Wiesen sind trocken und ertragen durchschnittlich 25–30 Centner Futter; ihre Preise bewegen sich von 200–300 fl. per Morgen.

Der Weinbau ist vor einigen Jahren vollends ganz abgegangen und die Obstzucht läßt noch manches zu wünschen übrig.

Die aus Laub- und Nadelhölzern bestehenden Waldungen sind in geringem Zustande und Eigenthum von Privaten.

In mittelmäßigem Zustande ist die Rindviehzucht und ganz unbedeutend die Schafzucht; eigentliche Schweinezucht wird nicht betrieben.

Über das Vermögen der Gemeinde- und Stiftungspflege siehe Tabelle III.

Etwa 1/8 Stunde nordöstlich vom Ort stand auf einer bewaldeten Bergspitze die sog. Günzburg, von der noch zwei kleine Gewölbe und zwei halbkreisförmige Wälle sichtbar sind.

Grundherr war Hohenlohe-Schillingsfürst-Waldenburg. Neben diesem hatte der Johanniterorden grundherrliche Rechte und die Nomination zur Pfarrei. Die Zehnten waren getheilt zwischen Hohenlohe-Waldenburg und dem Staate, als Rechtsnachfolger des Johanniterordens; ferner hatte die Pfarrei Zehnten und die Freiherren von Stetten Handlohn und Sterbfall zu beziehen. Die Baulast der Kirche ist streitig zwischen Hohenlohe-Waldenburg und der Pfarrgemeinde.

In dem Cod. hirsaug. wurden als Zeugen in der Schenkung Diemars von Röttingen 1103 genannt Udalricus und sein Bruder Hartheroch von Eskendal.

Anno 1278 schenkte Walther Schenk von Limpurg und seine Gemalin Elisabeth mit Einwilligung seines Sohnes Friderich und Brüder, das Patronatsrecht der Kirche von Eschenthal der Johanniterordens-Kommende in Hall, wobei er seine Mühle Unter-Limpurg als Pfand einsetzt.

Der Heilige von Eschenthal bekam Güter in Kupferzell 1408 durch Kauf von Anna Eberweinin, Wittwe Konrads Adelmann zu Neuenbronn, welche 1438 an Graf Kraft von Hohenlohe verkauft wurden.

Zu der Gemeinde gehört:

Einweiler (früher Auweiler), 1/4 Stunde südlich vom Mutterort, auf der Hochebene gelegen. Es waren früher 4 Bauernhöfe, jetzt bestehen nur noch drei, von denen einer 120 Morgen, der andere 80 Morgen und der dritte 40 Morgen Flächengehalt hat.| Die landwirthschaftlichen und natürlichen Verhältnisse sind wie im Mutterort, nur ist der Boden etwas minder ergiebig.


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