Beschreibung des Oberamts Riedlingen/Kapitel A 3

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III. Natürliche Beschaffenheit.

1. Gebirge und Berge.

Der nordwestliche Theil des Oberamts gehört noch der Alp an, der übrige größere Theil jenseits der Donau, besteht in einer hügeligen Fläche, ohne eigentliche Berge oder Gebirge, mit Ausnahme des Bussen.

Der Alpbezirk erhebt sich noch zu beträchtlicher Höhe, jedoch ohne besonders ausgezeichnete Berge. Die bedeutendsten Berge sind:

1) Die Kugelhalde, 2) der Steigacker, 3) der Kohlhau, 4) die Katzensteig, sämmtlich in der Gegend von Upflamör und nicht sowohl durch ihre Höhe an sich, als durch ihre hohe Lage ausgezeichnet, wodurch sie immerhin 2800 bis 3000 W. F. erreichen; 5) der Habsberg, welcher von der Alp gegen das Warmthal hinzieht und sich hier in 3 besondere Berge theilt: die Stubenhalde, noch auf Sigmaringischem Gebiete bey Langen-Enslingen, den Burgberg mit steilem Abhange und den Schloßberg, ein steiler Kegel, der von dem Gebirge getrennt ist und auf seiner sehr beschränkten Spitze das Schloß Habsburg trug.

| 6) Der Andelfinger Berg, bey dem Dorfe gleiches Namens mit großer Aussicht. Er wird durch den Altbach von dem Österberge und durch das Pflummernthal von der Alp getrennt, mit der er nordwestlich zusammenhängt. Die Anwohner behaupten, in seinem Innern zuweilen ein dumpfes Gebrülle zu vernehmen. Gegen Süden ist der Berg kahl, auf der andern Seite ist er mit Wald bedeckt.

7) Der Österberg. Er liegt 1/2 Std. westlich von Riedlingen, ist ein einzelner, von der Alp gegen Osten in die Ebene von Grüningen und Riedlingen vorspringender, Berg, dessen Name, wie der des Österbergs bei Tübingen, ohne Zweifel so viel als Ostberg bedeutet. Durch seine abgesonderte Lage und kugelichte Gestalt fällt er sehr in die Augen und gewährt eine weite und schöne Aussicht. Der Berg ist ganz unbewaldet, nachdem er vor wenigen Jahren ausgehauen und zum Anbau unter die 4 Markungen, Riedlingen, Grüningen, Pflummern und Altheim vertheilt worden ist. Auf seinem Rücken steht ein großes Kreuz. Seine Höhe beträgt 2251 W. F.

8) Der Reifersberg. Es ist ein hoher mit der Alp bey Friedingen zusammenhängender und an den Teutschbuch, wovon später die Rede seyn wird, angränzender waldiger Bergstock.

9) Der Bussen. Er liegt 1 Meile östlich von Riedlingen und ist der ausgezeichnetste Berg nicht nur des Oberamts, sondern überhaupt von Ober-Schwaben, daher auch von Alters her der Schwabenberg, Mons suevus, auch blos Schwabe genannt. Er erhebt sich frey und weithin sichtbar in der großen Donauebene bis zu einer Höhe von 2364 P. oder 2680 W. Fuß. Da aber seine Grundfläche schon sehr hoch liegt, sein Fuß überdieß sehr breit ist, so erreicht man jene Höhe ganz unvermerkt und mit aller Gemächlichkeit. Um den Berg her liegen eine Menge größere und kleinere Orte, und das Dorf Offingen-Bussen reicht bis an den Scheitel des Bergs hin. Die Abhänge sind gegen| Norden und Osten bewaldet, auf den andern Seiten theils angebaut, theils öde. Der in die Länge gestreckte Scheitel des Berges hat eine ziemlich geräumige Oberfläche, welche durch einen tiefen Graben in 2 Theile getheilt ist. Auf dem vordern Theile steht die alte Pfarrkirche Bussen, auf dem hintern liegen die Ruinen der Burg Bussen, Denkmäler der grauesten Vorzeit. S. Offingen. Unvergleichlich ist die Aussicht, die man auf dem Berge rund umher hat: ganz Oberschwaben, bis an den Bodensee, den man selbst noch auf dem Kirchthurm erblickt und das Land bis tief nach Bayern hinab, liegt wie eine unermeßliche Ebene vor Augen und in einer unübersehbaren Kette ziehen im Hintergrunde die Tyroler- und Schweizeralpen hin, oft so deutlich und klar sich darstellend, daß man jeden einzelnen Berg mit bloßem Auge und bey günstigem Lichte, selbst die Landhäuser von St. Gallen unterscheiden kann[1]. Eine unzählbare Menge von Ortschaften – das erwähnte Panorama stellt ihrer über 500 dar – belebt die ungeheure Landschaft. In Schwaben kann nur die Waldburg dem Bussen den Vorzug der Aussicht streitig machen. Mehr s. in der 2ten Abthlg. und bey Gebirgsarten.


2. Thäler.
Das Donauthal ist das Hauptthal. Es durchschneidet das Oberamt in ziemlich gerader nordöstlicher Richtung. Anfänglich breit und flach und bey Hundersingen und Binswangen 1 Stunde und noch mehr breit, wird es von Riedlingen an abwärts enger und von Zell an, wo es in die Jurakalkformation einschneidet, ganz eng und tief und von steilen Wänden zusammengedrängt. Die schmälere Einfurchung bey Riedlingen ist indeß nur ein Thal im Thale, das| vom Fuße der Alp hinter Grüningen bis an die jenseitigen Anhöhen geht und so über 1 Stunde breit ist. Die Länge des Thals von einem Ende des Oberamts bis zum andern beträgt 81.700 Fuß oder stark 3 Meilen. Malerisch kann man das Thal im Allgemeinen zwar nicht nennen: aber der Blick des, an beschränktere Gegenden gewöhnten, Beobachters fühlt sich durch die weiten Flächen, die man überschaut, und durch die überall freundlich entgegenblickenden Dörfer, sehr gehoben und angezogen. Nur vermißt das Auge den Obstbaum, der die weiten Flächen belebte, und deßwegen erscheint ihm Thal und Flur etwas öde. Im Übrigen ist das Thal von derselben Beschaffenheit, wie es bey Ehingen beschrieben worden, und wird auch, wie dort, gemeiniglich Ried genannt. Es ist häufig sumpfig, mit einem schwammigen Moor- und Torfgrund bedeckt, von vielen Altwassern, Krümmungen und Auswüchsen der Donau, hauptsächlich oberhalb Riedlingen, durchschnitten, und wird fast alljährlich von der Donau überschwemmt. Dieß ist auch wohl der natürliche Grund, warum fast kein Ort im Thale selber, sondern wie die Karte zeigt, fast alle zur Seite und an den Hängen liegen. Übrigens sind die Riede neuerlich auch hier großen Theils urbar gemacht und in Wiesen und Ackerfeld umgeschaffen worden. Alle andere Thäler des Oberamts laufen in das Donauthal ein, und zwar sind
a) Nebenthäler auf der rechten Seite.

1) Das Schwarzachthal. Es ist ein breites, flaches Wiesenthal, das von der Schwarzach bewässert, in nördlicher Richtung, fast durch lauter aufgeschwemmtes Land, von Saulgau herabzieht, und bey Ertingen in das große Donauried ausläuft, übrigens größten Theils zum Oberamt Saulgau gehört.

2) Das Erisdorfer Thälchen, ein kurzer, von Erisdorf gegen Neufra herablaufender und dort ausmündender, aber durch seinen Wasserkessel und seine Tuffsteinlagen merkwürdiger Einschnitt.

3) Das Kanzachthal. Es beginnt bey Obervolloch| in der Nähe des Federsees, streicht von da, am Fuße des Bussen hin, in nördlicher Richtung gegen das Donauthal hinab, und mündet in dieses unterhalb Unlingen aus. Es hat eine Länge von 2 Meilen, ist ein enges Wiesenthal, von sanften, meist angebauten Anhöhen begränzt. In dem Thale liegen die Orte Kanzach, Dürmentingen, Burgau, Hailtingen, Göffingen und Unlingen, der Vollochhof und die Vollochmühle.

4) Das Dobelthal. Es streicht, nach der Wendung des Hauptthals sich richtend, in östlicher Richtung, von der Gegend von Dobel und Uigendorf aus, über Ober- und Unterwachingen, nach dem Oberamt Ehingen hinab, wo es bey Emerkingen ausläuft, und ist ein von dem Dobel- oder Mühlbache bewässertes, enges und in seiner obern Hälfte von ziemlich hohen Bergwänden bekleidetes Wiesenthal.

5) Das Uttenweiler Thal. Es beginnt oberhalb Uttenweiler und läuft von da, von dem Reutibache bewässert, in nördlicher Richtung nach Sauggart hin, wo es in das Oberamt Ehingen eintritt, in dessen Beschreibung es unter dem Namen Grunzheimer Thal in seinem weitern Zuge bezeichnet ist. Es ist ein sehr romantisches Wiesenthal, besonders zwischen Uttenweiler und Sauggart.

b) Nebenthäler auf der linken Seite.

1) Das Biberthal, ein breites Wiesenthal, das bey Altheim sich in der großen Donauebene verliert, und von da, von der Biber bewässert, nach Andelfingen hinaufzieht, dort in mehreren, in die Alp eingreifenden, Ästen sich vertheilt, wovon wir 3 Hauptäste bemerken:

a) Das Heiligkreuzthal, auch Soppen- oder Saupthal genannt, ein schmales Wiesenthälchen, das von dem Soppenbach bewässert, über Heiligkreuzthal hinaufläuft und still und einsam in den Waldungen vom Dollhofe sich verliert; b) das Wilflinger Thal, das in einem großen Kessel, bey Wilflingen sich endet, von da übrigens noch verschiedene Einschnitte macht; c) das Warmthal, in dessen Ende die Warmthaler Höfe und der Schloßberg liegen, ein enges Alpthal, das sich gegen Enslingen herab erweitert und den Hauptstamm des Biberthals bildet. Ein Zweig desselben ist das gegen Friedingen hinziehende Kimmithal.

2) Das Achthal, ein Querthal der Alp, das aber das| Oberamt kaum noch auf der Markung von Zwiefaltendorf berührt, und schon bey Münsingen beschrieben ist.

3) Das Pflummern-Thal, ein an dem Teutschbuche, von der Donauebene hinter Grüningen in die Alp einschneidendes Thal, durch das die Gamertinger Straße über Pflummern hinauf zieht. Es ist ein ziemlich schmales und tief eingeschnittenes, anfänglich nicht unfruchtbares und obstreiches Thal, das oberhalb Pflummern in unbekannten trockenen Krümmungen gegen Friedingen hinläuft, wo es sich weiter in mannigfaltigen, zum Theil sehr felsigen Klüften, insbesondere gegen Ensmad hin, verzweigt.

4) Das Friedinger Thal, das mit dem vorigen zusammenhängt, und von Friedingen aus nordöstlich, theils enger, theils weiter, bald aber in eine öde, wilde Felsenschlucht sich verengend, gegen Zwiefalten und in das Achthal hinläuft, nachdem es vorher das von Ohnhülben herabziehende Waldstetter Thal aufgenommen hat.


3. Ebenen und besondere Bezirke.

Ebenen gibt es, außer vielen hügeligen Flächen, jenseits der Donau, welche in der Ferne Ebenen gleichen, hauptsächlich folgende:

1) Das Federseeried, eine der größten Ebenen des Königreichs, welche sich um den Federsee her, und von Buchau aus weit über die Gränzen des Oberamts gegen Waldsee hinauf ausdehnt und meist aus einem sumpfigen Moor- und Torfboden besteht.

2) Das Donauried, von Riedlingen gegen Mengen hinauf, das übrigens schon oben als Donauthal näher beschrieben worden ist.

Bezirke mit besondern Namen sind zu bemerken:

der Teutschbuch. Er wird gemeiniglich auch, aber unrichtig, Tautschbuch genannt; denn in ältern Schriften wird der Name immer saltus teutonicus übersetzt. Der Name bezeichnet ein ziemlich ausgedehntes, zum Theil angebautes und bewohntes Waldgebirge zwischen Riedlingen und Zwiefalten, das einen Theil der Alp ausmacht und von dieser durch die Thäler von Pflummern, Friedingen und Zwiefalten| abgeschnitten, vorwärts aber von dem Donaubecken begränzt wird. Auf dem Teutschbuche liegen der Teutschhof und das Dorf Mörsingen. Ein großer Theil des Berges „Tutisbuch“ wurde schon von den Grafen von Achalm dem Kloster Zwiefalten bey seiner Stiftung geschenkt. In dem Bauernaufruhr 1525 hatten sich 12.000 Bauern auf dem Teutschbuch gelagert, von wo sie dem Kloster Zwiefalten hart zusetzten, bis sie von Georg von Waldburg in die Flucht geschlagen wurden. Vergl. auch S. 23.

Das Gäu. „Im Gäu“ nennt das Volk den Bezirk von Zell, Taugendorf, Bechingen, Orte, die wir oben als Schauplatz der alten Gaugrafen kennen gelernt haben, im weitern Sinne aber alle bessern und im Thale gelegenen Orte.


4. Erdfälle und Höhlen.

Erdfälle kommen auf der Alp, jedoch seltener, als weiter hin, vor.

Höhlen von Bedeutung gibt es nur eine; der Alternzopf bey Emerfeld, von dem Wege nach Ittenhausen einwärts im Walde. Die Höhle öffnet sich in einem Halse von der Größe eines Schöpfbrunnens und zieht senkrecht in die Tiefe. Im Jahre 1796, da die Einwohner darauf bedacht waren, ihre Habseligkeiten vor den Franzosen zu flüchten, wurde ein Mann an Seilen in die Höhle hinunter gelassen, und bey dieser Gelegenheit zeigte sichs, daß die Höhle 110 Fuß tief ist, und auf dem Grunde in mehrere Kammern, von der Größe einer gewöhnlichen Wohnstube, sich erweitert. Außerdem befindet sich in dem Friedinger Thal eine kleine Felsenhöhle, die Heidenküche genannt. Sie ist 15 Fuß lang und 12′ breit. Auch befinden sich einige unbedeutende Höhlen in dem Sandstein bey Reutlingendorf.


5. Gewässer.
a. Quellen.
Nur die Alporte Egelfingen, Ittenhausen, Dürrenwaldstetten nebst Ohnhülben haben Mangel an Quellwasser,| und müssen sich mit dem Dachwasser behelfen; alle andere, und selbst das hochgelegene Upflamör, sind hinlänglich damit versehen. Als bemerkenswertheste Quellen zeichnen sich aus:

der Blasienbrunnen in Grüningen. Er quillt aus Felsen in solcher Fülle hervor, daß er nicht nur den Wasserbedarf des ganzen Orts sichert, sondern auch bey dem Orte eine Mühle, und weiter abwärts eine zweite, die Zollhäuser Mühle, treibt. Das Wasser ist äußerst hell und wohlschmeckend, im Sommer ganz kalt, im Winter (scheinbar) lau, d. h. es verliert seinen Wärmegrad nicht, so daß es dampft, und auch bey der größten Kälte nicht gefriert, so wie es auch bey der größten Dürre nicht abnimmt;

der Mühlbrunnen und das Mühlweiherlein bey Alleshausen, 2 Quellenkessel, deren Tiefe kaum zu ergründen ist;

die neun Brunnen, auf dem Donauriede, zwischen Hundersingen und Blochingen auf der Oberamtsgränze, welche ebenfalls nie gefrieren. Sie liegen neben einander und vereinigen sich zu einem Bächlein, welches aber schon nach einem Laufe von 300 Schritten sich in die Donau ergießt.

Periodische Quellen, s. g. Hungerbrunnen finden sich 1) bey Grüningen, 1/4 St. von dem Ort. Dieser soll sich in den Jahren 1816 besonders stark ergossen haben; 2) bey Emerfeld, 3) bey Mörsingen; 4) bey Friedingen. Der letztere befindet sich auf der Markungsgränze gegen Upflamör, am Fuße eines Berges, unter einer Eiche und steht als Verkündiger von Theurung oder Hungersnoth bey den Anwohnern in großem Ansehen. Obgleich in der Regel, und nach der Behauptung, selbst bey hohem Wasserstande in der Umgegend, trocken, fließt die Quelle doch zuweilen so stark, daß sie ein Mühlrad treiben könnte. Dieß soll der Fall gewesen seyn 1770 und 1816, weniger 1815.

Mineralquellen giebt es keine im Oberamte, wenn nicht die Uttenweiler Quelle hieher gerechnet werden will, der das Volk Heilkräfte für Hautausschläge zuschreibt. Sie liegt| nahe bey dem Orte, ist 4 Fuß tief, und war noch vor 15 Jahren in einen Kasten gefaßt. Auch war früher ein Badehaus darüber gebaut, und die in der Nähe liegenden Wiesen werden die Badewiesen genannt. Häufig wird auch jetzt noch das Wasser von den Einwohnern nicht ohne Erfolg gegen Hautausschläge gebraucht.
b. Flüsse und Bäche.

Die Donau ist der Hauptfluß, der mitten durch das Oberamt geht und alle übrigen Gewässer desselben aufnimmt. Sie tritt oberhalb Hundersingen, auf der Markung von Beuren in das Oberamt ein, und verläßt es wieder unterhalb Zwiefaltendorf. Ihre Hauptrichtung in dem Oberamt ist nordöstlich, sie macht aber, wie die Karte zeigt, mancherley Krümmungen auf ihrer Bahn und überschwemmt deßwegen um so schneller das Thal. Mit den Krümmungen beträgt die Länge ihres Laufs 9970 Ruthen, oder fast 4 Meilen, also gerade 1 Meile mehr, als die Länge der Thalbahn. Flößerey oder Schiffahrt findet so wenig, als weiter abwärts bis Ulm, darauf statt; ihr Bett ist viel zu seicht dazu. Mühlen treibt sie nur zu Riedlingen: 1 Mahlmühle und einige andere Mühlen. Der Nutzen der Uferbekleidung ist ebenfalls gering, da sie deren, wie abwärts, fast ganz entbehrt. Ihre Fische werden später genannt werden. Die Zahl der Orte, welche unmittelbar an der Donau liegen, ist gering, sie sind: Hundersingen, Binswangen, Riedlingen, Zell und Zwiefaltendorf, und auch diese liegen zum Theil mehr an den Abhängen. Sechs Brücken führen über den Fluß, bey den ebengenannten Orten und bey Taugendorf.

Wie in dem Oberamt Ehingen, so und noch mehr sind auch hier die Ufer der Donau sehr nieder und flach, und der Fluß richtet deßwegen um so größere Verwüstungen an. Am größten sind diese zwischen Landau und Riedlingen. Man ist deßwegen vor einigen Jahren ernstlich mit einer Correktion umgegangen. Da aber die Kosten derselben auf 67.000 fl.| sich berechneten, und die Gemeinden, welche daran tragen sollten, unter sich nicht einig werden konnten; so unterblieb die Ausführung des Plans.

Der Fall des Flusses beträgt vom Landauhofe bis zum Riedlinger Wehr, nach einer, von dem Herrn General von Seeger vorgenommenen, Abwägung 30′ 8″. Weitere Nivellements hat man nicht. Nach den, unten mitgetheilten Barometerbeobachtungen aber ist das Gefälle des Flusses in Würt. Fußen folgendes.[2]

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Punkte. Entfernung Fall des
Flusses.
Mittl. Fall auf 1000 F.
nach der
Flußbahn
nach der
Thalbahn
nach der
Flußbahn
nach der
Thalbahn
Scheer unter
der Brücke.
0    0    0    0    0   
Hundersingen,
Ostrachmd.
38.000' 28.800' 52'  1,36 1,80
Bey Landau 22.500' 19.200' 36   1,60 1,87
Riedlingen,
Schwarzach-
mündung.
25.600' 19.700' 30   1,17 1,52
Kanzachmdg. 15.400' 14.400' 32   2,08 2,22
Zwiefalten-
dorf Achm.
23.800' 17.400' 17   0,71 0,97
Rechtenstein
Wehr.
28.600' 22.100' 13,6 0,5  0,6 
Obermarchthl.
Wehr.
7.200' 5.800' 5,4 0,7  0,9 
Lautermündg. 4.800' 4.500' 11   2,3  2,4 
Schmiechen-
mündung.
83.900' 61.000' 35   0,41 0,57
Illermündg. 114.600' 77.300' 52   0,5  0,7 
Zusammen 364.400'
= 28 St.
270.200'
= 203/4 St.
284 F. 0,78 1   

Augenscheinlich nahm einst der Fluß das ganze Donauried von Riedlingen bis Scheer und abwärts die Fläche bis gegen die Alp hinüber ein, und bildete so einen großen See, bis das vorspringende Alpgebirge bey Zell durchbrochen ward. Nachdem dieß geschehen war, stand die erhöhte Ebene unter Riedlingen, gegen den Teutschbuch hin, vom Wasser entblößt da; aber es blieb jetzt noch ein zweyter See zurück, der das eigentliche Donauried von Riedlingen aufwärts einnahm, und so lange stand, bis der Fluß in dem Einschnitt unter Riedlingen sich sein tieferes Bett gegraben hatte.

| In die Donau ergießen sich
a. auf der rechten Seite.

1) Die Ostrach, welche durch das Oberamt Saulgau herkommt und das diesseitige Oberamt nur noch auf der Gränze berührt, wo sie Hundersingen gegenüber in die Donau fällt. An derselben ist eine, nach Hundersingen gehörige Mahlmühle erbaut.

2) Die Schwarzach. Sie kommt ebenfalls aus dem Oberamt Saulgau, tritt auf der Markung von Marbach in das diesseitige Oberamt ein, fließt dann eine Zeit lang auf der Gränze von beyden Oberämtern hin, an Ertingen vorbey, durch das Donauried hinab und bey Riedlingen in die Donau. Eigentlich aber vereinigt sie sich schon bey Neufra mit der Donau, und es ist nur ein gemeinschaftlicher Ausguß beyder Flüsse, was unter dem Namen Schwarzach noch weiter hinabläuft. Die Schwarzach macht eine Menge Krümmungen und Auswüchse, und trägt dazu bey, das sumpfige Donauried noch mehr zu verwüsten. Die Bahn, welche sie innerhalb des Oberamts durchläuft, hat eine Länge von 3 Stunden, den Krümmungen der Flußbahn nach aber gerechnet, von mehr, als dem Doppelten. Die Wassermasse der Schwarzach ist etwas geringer, als die der Ostrach. Auf ihrem Laufe treibt sie in dem Oberamte 4 Mahlmühlen, und 3 andere Mühlen. In die Schwarzach fallen:

a) das Ertinger Bächlein, das auf seinem kurzen Laufe 3 Öhlmühlen treibt;
b) der Röthenbach, von seinen Fischen auch Forellenbach genannt, der bey Erisdorf in einem merkwürdigen Quellenkessel entspringt, gleich nach seinem Ursprung eine Mühle und eine zweyte in Neufra treibt, wo er in die Schwarzach geht;
c) der Sautenbach, auch Mühlbach genannt, der aus dem Oberamt Saulgau herkommt, und auf der linken Seite bey Ertingen in die Schwarzach fließt, übrigens ganz unbedeutend ist.
3) Die Kanzach. Sie gehört ganz dem Oberamt an. Ihr Ursprung wird gemeiniglich von dem Federsee abgeleitet, er liegt aber entfernter, zunächst in dem bey Ödenalen entspringenden und unter dem Namen Ah, Ach, unweit Tiefenbach in den Federsee fallenden Bächlein[3], sodann in| dem unten bemerkten Bierstetter Bache, mit dem sie sich nach ihrem Austritte aus dem Federsee vereinigt. Nach dieser Vereinigung fließt sie unter dem Namen Kanzach, in nördlicher Richtung, durch das Kanzachthal und die Orte Kanzach, Dürmentingen, Hailtingen, Göffingen und an Unlingen vorbey, nach dem Donauried hin, wo sie Taugendorf gegenüber in die Donau fällt. Von dem Federsee an gerechnet, beträgt ihre Bahn, ohne die Krümmungen, ungefähr 5 Stunden. Auf dieser Bahn treibt sie (ohne Cappel) 8 Mahl- und 16 andere Mühlen. Ihre Wassermasse ist am Ende jener der Schwarzach gleich. Ihr Fall beträgt nach den genauen Abwägungen des Hrn. Oberlieutenant Duttenhofer vom Federsee an bis zur Mündung 196 Fuß, und zwar bis
Volloch   4′   
Kanzach 10   
Obere Mühle 14   
Untere Mühle 55   
Dürmentinger Brücke 15   
Mießach-Mündung 35   
Hailtingen, untere Mühle 38   
Ausmündung     25   
  196   

Einflüsse der Kanzach.

a) Der Mühlbach, welcher aus dem Reichenbacher Riede, Oberamts Waldsee, herkommt, und zu Kappel, wo er eine Mahlmühle und eine Öhlmühle treibt, in den Kanal geht.
b) Der Bierstetter Bach, der bey Bierstetten im Oberamt Saulgau entspringt, und an Dürnau vorbey, bey Kanzach einfließt. Dieser Bach wird auch für die Kanzach selbst ausgegeben. Bey Dürnau nimmt er den Braunenweiler Bach auf, der zu Braunenweiler 1 Mahl- und 1 Öhlmühle treibt.
c) Die Miesach, vermuthlich so viel als Moosach. Sie entspringt hinter Betzenweiler auf den Brunnenwiesen, fließt durch den, nun trocken gelegten, Stotzinger See über Betzenweiler auf die Wolfartsmühle, und geht unterhalb Burgau in die Kanzach.

4) Die Stehenwasser.

a. Der Reutibach. Er entspringt aus einer, 5 Klafter tiefen Quelle an der Wasserscheide bey Uttenweiler, geht durch das Dorf, wo er Mahl- und andere Mühlen treibt, von da in nordöstlicher Richtung durch das anmuthige Thälchen, wo er die Runkenmühle| treibt, nach Sauggart, wo er wieder 1 Mahlmühle treibt, und dann, unter dem Namen Weiherbach, über Grunzheim, in die Stehe. S. Ehingen. In denselben ergießen sich aa) der Weiherbach in Sauggart, bb) der Sulzbach in Grunzheim; beyde kommen ebenfalls von der Wasserscheide zwischen Ahlen und Uttenweiler her. Sie sind unbedeutend, der Sulzbach aber kommt öfters als Jurisdictionsgränze in Urkunden vor.

b. Der Dietershauser Bach, Mühlbach, der bey Dietershausen entspringt, durch Dieterskirch fließt, die Herlighofer Mühle treibt und dann über die Gränze nach Hundersingen und der Stehe zugeht. S. Ehingen.

5. Der Dobelbach. Er entspringt am Bussen, geht an Uigendorf, wo er 1 Mahl- und 1 Öhlmühle treibt, an Dobel und Oberwachingen vorbey nach Unterwachingen, und im Oberamt Ehingen in die Donau. S. Ehingen

b. Donaueinflüsse auf der linken Seite.

1) Die Biber, Biberach, Bibera. Sie kommt aus dem Weiher zu Langen-Enslingen, und geht durch ein breites fruchtbares Wiesenthal, über Andelfingen und Altheim, oberhalb Riedlingen in die Donau. Zu Andelfingen und Altheim treibt sie 4 Mahl-, 3 Öhlmühlen und 1 Sägmühle. In die Biber ergießen sich:

a) der Langwatte, die eigentliche Quelle der Biber, die in Urkunden auch noch Biber genannt wird, und am Warmthal entspringt;
b) der Holzbach, welcher von Wilflingen herkommt, und
c) der Soppenbach, auch Saupach und in Urkunden Seippe genannt, der in dem sogenannten Soppenhau bey dem Dollhof entspringt, und durch Heiligkreuzthal geht. Beyde Bäche vereinigen sich vor Andelfingen und gehen am Ende des Orts in die Biber. Der Soppenbach treibt zu Heiligkreuzthal eine Mahlmühle.
d) Der Altbach, der von Pflummern zwischen dem Österberg und dem Andelfinger Berg herfließt und zwischen Andelfingen und Altheim in die Biber fällt, übrigens unbedeutend ist, dennoch aber zu Pflummern 1 Mahlmühle und 1 Öhlmühle treibt. Er kommt in den Lagerbüchern auch unter dem Namen Marbach vor, weil er die Markungsgränze zwischen den Dörfern Altheim und Andelfingen macht.

2) Das Grüninger Bächlein, das seinen Hauptursprung in dem Blasienbrunnen hat (s. o.) und bey Riedlingen in die Donau fällt. Es treibt 2 Mahlmühlen.

| 3) Das Bechinger Bächlein, das aus verschiedenen Weihern am Fuße des Teutschbuchs zusammenfließt, und ganz unbedeutend bey Bechingen einfällt.

4) Die Ach, Zwiefalter Ach, die von Zwiefalten herkommt und zu Zwiefaltendorf, wo sie noch 1 Mahl- und 3 andere Mühlen treibt, in die Donau fällt. S. Münsingen. Sie ist nebst der Ostrach, Schwarzach und Kanzach, der bedeutendste Einfluß in dem Oberamte.

c. Seen und Weiher.
Der Federsee ist der einzige See von Bedeutung. Er liegt in dem südöstlichen Theile des Oberamts, 1760 P. oder 1996 W. Fuß über dem Meere, beynahe auf der Wasserscheide zwischen der Donau und dem Rhein und in gleicher Wage mit den, ungefähr 11/2 St. entfernten, und in das Rheingebiet abfließenden Quellen der Schussen[4]. Der See hat seinen Namen von den an und in demselben in Menge wachsenden Feder- oder Wollgräsern und deren federartigem Samen oder Wolle. Wie unsere Karte zeigt (auf allen andern ist er unrichtig gezeichnet), hat er eine fast einem verschobenen Vierecke ähnliche Gestalt, und ist, den Bodensee abgerechnet, der größte See des Königreichs. Seine größte Länge beträgt 11.750 Fuß oder 3/4 Reisestunden, seine größte Breite 5500 oder anderthalb Viertelstunden, und| sein Umfang 27.050 F. oder ungefähr 2 Stunden. Der ganze Flächenraum seines Wasserspiegels hält 8115/8 Morgen. Seine größte Tiefe beträgt 18 Fuß. Der Grund ist meist schlammig, in der Richtung gegen Tiefenbach hin aber beobachtet man Kiesgrund. Das Becken des Sees besteht blos in einer flachen Vertiefung auf ebenem Lande, ohne bestimmte Uferbegränzung. Ehemals, da der See noch seine alte Ausdehnung hatte, war er wenigstens gegen Osten von einem ansehnlichen Gestade begränzt. Die Umgebung ist sumpfig und schwammig, so daß es schwer ist, in die Nähe des Sees zu kommen, und der Boden bey jedem Fußtritt weit umher schwankt. Sein Wasser erhält der See theils von der einfließenden Ach, theils von Quellen und aus der durchaus von Wasser geschwängerten Umgegend. Er ernährt, wie wir weiter unten finden werden, mancherley Fische, worunter sich insbesondere der, jetzt übrigens seltene, Weller auszeichnet. Um den See her breitet sich eine große Ebene aus, nur östlich und nordöstlich steigt das Land an. Das Buchauer und andere Riede sind Theile dieser Ebene, deren Boden meist aus Moor und Torf mit einer lettigen Unterlage besteht. Das zunächst an den See angränzende Land bildet mit dem See die sogenannte Seemarkung, welche mit dem See einen Flächenraum von 34751/8 Morgen einnimmt (S. die Karte). Diese Seemarkung war noch in dem vorigen Jahrhundert ganz von dem See bedeckt, und die Gränzen derselben werden deßwegen auch jetzt noch die Seemauer und das davon eingeschlossene Land der Seeboden genannt. Damals gränzten die 8 um den See gelegenen Orte alle an den See, und die Fahrt von Buchau noch Oggelshausen, welche jetzt zu Land gemacht wird, mußte zu Wasser gemacht werden, und die „Fahr über See“ war Lehen der Fürstin Äbtissinn. Jene 8 Orte sind: Buchau, Kappel, Oggelshausen, Tiefenbach, Seekirch, Alleshausen, Brackenhofen und Moosburg, welche jetzt mehr oder weniger vom See entfernt liegen. Das Eigenthumsrecht der Markung war vormals zwischen der Stadt Buchau, dem Kloster Marchthal und dem| Grafen von Stadion-Warthausen in gleiche Theile getheilt. An die Stelle des Klosters ist der Fürst von Thurn und Taxis und an die von Warthausen neuerlich der Staat getreten. Die erwähnten Eigenthumsherren wurden die 3 Seeherrschaften genannt. Zur Ausübung ihrer Herrschaft, welche sich hauptsächlich auf die Benutzung der Seemarkung bezog, waren 12 Bottmeister, je 1 Ober- und 3 Unterbottmeister aufgestellt. Kraft des Vertrags von 1760 wechselte das Direktorium unter den Herrschaften ab, und der Oberbottmeister der dirigirenden Seeherrschaft war der Direktorial-Oberbottmeister.

Die Benutzung des Sees besteht in der Fischerey und in der Riednutzung. Die Fischerey wird von einer eigenen, unter besondern Gesetzen stehenden Fischereyzunft, in die sich übrigens jeder Bürger einkaufen konnte, in den Seeorten ausgeübt; sie hat aber in neuern Zeiten, seitdem der See niederer gelegt worden ist, sehr abgenommen. Die Riednutzung besteht in Futter und Streue, welche die Sumpfgräser und andere Gewächse gewähren. Anfänglich durfte jeder Bürger vom 25. Mai bis Johannis 1 Schiff, und von Johannis an 2 Schiffe voll Gras holen; i. J. 1500 wurde festgesetzt, daß vom 8. Juni an, von jeder Familie 1 Person, den ersten Tag vom Morgen bis an Abend, die folgenden Tage von Sonnenaufgang bis Mittag 11 Uhr mähen und dörren dürfe, und es wurde dazu ein Zeichen mit der Glocke gegeben. Die Wahl des Platzes stand den Berechtigten frey, und Streitigkeiten kamen selten vor. Seit 1823 ist die Markung, vor der Hand versuchsweise auf 6 Jahre, unter die berechtigten Seeorte vertheilt, wozu sämmliche um den See gelegene Ortschaften mit Ausnahme von Brackenhofen und Moosburg (Ansiedlungen späterer Zeit) gehören.

Das Geschäft der Riedernte war immer mit großen Schwierigkeiten verknüpft. Die Arbeiter mußten sich gemeiniglich Bretter unter die Füße binden, und doch sanken sie oft in dem sumpfigen und schwankenden Boden bis unter die Arme ein. Die Ernte wurde auf Haufen zusammengebracht,| und, wenn nicht ein trockener Jahrgang ein früheres Einholen begünstigte, erst im Winter, bey gefrornem Boden, eingeheimst. Ein gelinder Winter, der den Boden nicht hinlänglich zum Frieren brachte, raubte den ganzen, mit Mühe gewonnenen Ertrag wieder. In neuern Zeiten ist durch die Fällung des Sees so viel gewonnen worden, daß man das Ried auch im Sommer befahren kann. Der Nutzen, welchen die Seeherrschaften von der Seemarkung gezogen haben, bestand einzig in den Strafgefällen und darin, daß ihnen von den Fischern ihrer Orte die vorzüglichen Fische für einen festgesetzten Preis zum Kauf angeboten werden mußten. Jede Herrschaft hatte zwar das Recht, auch einige Gulden von den Fischern und, für die Grasnutzung, von den Gemeinden einzuziehen; dieses Recht blieb aber in der Regel unausgeübt. Es ist bereits bemerkt worden, welche Ausdehnung der Federsee noch im vorigen Jahrhundert hatte, und noch vor 1787 war Buchau eine Insel. Es ist aber nicht zu zweifeln, daß der See in ältern Zeiten eine noch weit größere Ausdehnung hatte, und daß der jetzige Federsee nur der Rest eines ehemals mehr als zehenmal größern Sees, ja, wenn wir mit den Geognosten auf die ältesten Zeiten zurückgehen, nur ein Rest eines Sees, der einst ganz Oberschwaben und einen großen Theil von Baiern bedeckte und selbst mit dem Bodensee zusammenhing, war[5]. Wann und wie der See auf den Stand der bezeichneten Seemarkung eingeschränkt worden sey, davon hat man keine Nachrichten, man weiß nur von 2 künstlichen Fällungen, wodurch er endlich auch von jenen Markungsgränzen zurückgedrängt wurde. Die eine von diesen Fällungen wurde i. J. 1787/88, die andere 1809 vorgenommen. Die erstere geschah, auf Betrieb des damaligen Stift-Buchauischen Geh. Raths von Scheffold. Mittelst eines Abzuggrabens nach der Kanzach wurde der Wasserspiegel um 3 Fuß erniedrigt,| und dabey eine Strecke Landes von mehr als 1300 Morgen frey gemacht, in Folge dieser Fällung 1789 auch die Landstraße von Buchau nach Oggelshausen angelegt. Zu der 2ten Fällung wurden schon i. J. 1803, nachdem der F. v. Thurn und Taxis in den Besitz von Buchau und den Marchthalischen Orten gekommen war, von Seiten der damaligen Fürstl. Regierung Anstalten getroffen; die Ausführung unterblieb aber, und erst in den Jahren 1808 und 1809 ist auf den eifrig betriebenen Antrag des K. Würt. Kreissteuerraths Zäb, das Werk auf Befehl Königs Friedrich ausgeführt worden. Die Leitung des Geschäfts wurde dem jetzigen Herrn General-Major von Seeger, die unmittelbare Ausführung Herrn Zäb übergeben. Der Plan war, den See um 10 Fuß zu fällen, wodurch man eine neue Strecke Landes von ungefähr 2000 Morgen zu gewinnen, und eine sumpfige Umgebung von ungefähr 6000 Morgen ganz zu entwässern und vollkommen kulturfähig zu machen hoffte. Die Kosten sollten durch das gewonnene Land gedeckt werden, und da man mit den Seeherrschaften nicht gleich wegen ihrer Theilnahme übereinkommen konnte, so wurde die Staatskasse einstweilen zum Vorschuß der Kosten angewiesen. Zur Ausführung des Werks war hauptsächlich nöthig, einen neuen, tiefern Abzugskanal zu graben, und dieß geschah mit Überwindung von mancherley Schwierigkeiten. Aber bald fing man an, den gehofften Gewinn zu bezweifeln, und man begnügte sich vorläufig mit einer Fällung des Sees von 5½ Fuß, die aber durch Vernachlässigung des Kanals bald wieder um 1½ Fuß vermindert wurde. Indeß ist durch diese neue Fällung doch dem See wieder eine Fläche von 1350 Morgen abgenommen und somit, durch diese und die frühere Fällung der Seespiegel von 3475 Morgen auf 811 Morgen vermindert worden. Wenn auch der gewonnene Boden bis jetzt wenig Kulturfähigkeit gezeigt hat und man den Morgen nicht für 30 kr. anzubringen vermochte, so ist einstweilen durch die neuere Fällung wenigstens so viel gewonnen worden, daß der entferntere alte Seeboden mehr | entwässert und zur Kultur fähiger und nach der Erfahrung die Gegend gesünder geworden ist. Freilich hat diese dadurch auch eine große Zierde verloren, und wenn man bedenkt, wie viele ähnliche ungebaute Flächen Oberschwaben und selbst die nächste Umgebung des Federsees hat, Flächen, die man nicht erst dem Wasser abtrotzen darf; so möchte man zweifeln, ob das Unternehmen für jetzt wenigstens in Beziehung auf Kultur des Aufwandes werth war. Sämmtliche Kosten beliefen sich, mit Einrechnung der Versetzung einer Mühle (Volloch) auf 24.000 fl., über deren Vertheilung man erst vor kurzer Zeit endlich ins Reine kam. S. Buchau.

Kleinere Seen und Weiher hat es mehrere in dem Oberamt, doch bey weitem nicht so viele, als weiter aufwärts. Die meisten liegen um den Federsee, die bedeutendern sind: der blinde See im Dürmentinger Walde; der Oggelshäuser Weiher; der Dürmentinger Weiher; der Brasenberger Weiher, ehemals groß, nun größtentheils angebaut; der Tiefenbacher Weiher; der Uttenweiler Weiher; der Uigendorfer, der Sauggarter und der Wilflinger Weiher. Von denselben enthält der erstere als der größte 28 Morgen. Weit mehr Seen und Weiher aber gab es in früherer Zeit[6].


6. Höhe und Abdachung.
Im Allgemeinen hat der Oberamtsbezirk von beyden Seiten seine Abdachung gegen die Donau hin. Er gehört somit ganz dem Donaugebiete an. Auf der rechten Seite| der Donau zieht eine untergeordnete Wasserscheide hin, welche von der östlichen Gränze bey Ahlen herläuft, nördlich an Minderreuti und Brasenberg vorbey und bey Bischmanshausen quer über den Thalgrund nach dem Bussen, und von da zwischen Dietelhofen und Möhringen nach der Donau hinläuft, ihre Wasser aber von beyden Seiten der Donau zuschickt.

Die höchsten Bezirke des Oberamts sind die der Alp; die höchsten Orte auf dieser Seite: Ittenhausen, Upflamör und Ohnhilben. Jenseits auf der rechten Seite der Donau ist, nächst Bussen, Braunenweiler einer der am höchsten gelegenen Orte. Der niederste Ort des Oberamts ist Zwiefaltendorf, dieser liegt 1600, Ittenhausen 2389 P. F. über der Meeresfläche. Wir theilen hier noch einige nähere, auf Barometerbeobachtungen gegründete, Höhenbestimmungen mit:

Ittenhausen, M. 2389 P. F. 2709 W. F.  
Upflamör, M. 2345
2659
Bussen, S. [7]. 2310
2619
Österberg bey Riedlingen, M. 1985
2251
Buchau an der Kirche, M. u. R. 1850
2098
Feedersee, nach D. 1760
1906
Riedlingen bey der Post, M. 1701
1932
Zwiefaltendorf, S. u. D. 1600
1814
Donau, beym Einfluß der Ostrach, M. 1670
1893
  –    beym Landauhof M. 1653
1874
  –    Schwarzachmündung bey Riedlingen, M. 1617
1833
  –    beym Einfluß der Kanzach 1587
1800
   –       –      –           –   Ach, M. 1571
1783
  –    bey Mittenhausen [8], D. 1568
1777
  –    bey Rechtenstein über dem Wehr. 1561
1769
  –    bey Obermarchthal, D. 1556
1764
Donau, beym Einfluß der Lauter, D. 1547
1753
    –       beym Einfluß der Schmiechen Mr. 1515
1718
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7. Gebirgsarten und Boden.

Der auf der linken Seite der Donau gelegene Theil des Oberamts gehört beynahe ganz der Alp und somit der Jurakalkformation an, der jenseitige hingegen besteht theils in dem neuern Gebilde des tertiären Sandsteins (Molasse), theils in aufgeschwemmtem Lande von den bekannten Geschieben. Doch setzt der Jurakalk auch zum Theil noch über die Donau herüber fort, während auf der andern Seite der Sandstein auf dem linken Ufer der Donau gefunden wird. Außerdem findet man auch an mehreren Orten Süßwasserkalk. Der Jurakalk zeigt sich namentlich noch am Bussen, dessen Kern und Spitze daraus besteht. Eben daselbst aber kommt auch der tertiäre Sandstein, um den Fuß des Berges her gelagert, vor, während weiter hinauf das Vorkommen von Süßwasserkalk beobachtet wird. Der erwähnte Sandstein zeigt sich besonders deutlich auch an der Höhe hinter Reutlingendorf, und aufwärts von dem Bussen werden wir ihn später sehr häufig in dem Oberamt Saulgau wieder finden, von wo er sich ohne Zweifel bis an den Bodensee und weiter erstreckt[9]. Daß er aber auch auf dem linken Donauufer am Fuße der Alp vorkommt, ist schon in der Beschreibung des Oberamts Ehingen gezeigt worden. In dem diesseitigen Oberamt zeigt sich dieß besonders deutlich bey Binswangen, das zum Theil selber darauf steht, sonst aber in seiner Umgebung überall noch den Jurakalk hat. Sowohl dort, als bey Reutlingendorf ist der Stein mit einer mächtigen Sandschichte bedeckt, welche die Farbe des Steins hat, die bey Binswangen grünlich grau, bey Reutlingen gelblich grau ist.

| Kalktuff kommt in dem Walde bei Oberwachingen, bey Andelfingen, hauptsächlich aber bey Erisdorf und Neufra, und noch mehr bey Zwiefaltendorf vor. S. u. Mit Gerölle, Sand und Leimen ist nicht nur das Land jenseits der Donau größtentheils, sondern zum Theil auch noch diesseits, in dem Kessel hinter Riedlingen bedeckt. Eben so sind auch ansehnliche Bezirke des Oberamts, sowohl diesseits der Donau, um Grüningen herum und an der Biber hin, als noch mehr jenseits, hauptsächlich die ganze Umgebung des Federsees mit Moor- und Torfland bedeckt. Unter demselben liegt entweder wieder das Geschiebe, oder aber ein mächtiges Lettenlager. Der Boden ist, in Übereinstimmung mit der Gebirgsart, auf der Alp von derselben Beschaffenheit, wie er schon früher beschrieben worden ist. Nur findet man hier und besonders in der an Eisenerzen reichen Gegend um Egelfingen, Emerfeld etc., mehr röthlichen Lehmboden, und der Kies, womit die Felder bedeckt sind, besteht in viel größern Geröllen, als weiter einwärts auf der Alp, was auch weiter hinab am Rande des südlichen Abhangs der Alp, namentlich auf den luth. Bergen der Fall ist. Am Fuße der Alp ist der Boden sehr verschieden: in den höhern Lagen von Binswangen, Hundersingen, Beuren besteht er größtentheils in einem fruchtbaren, graubraunen ziemlich schwarzen Lehmboden, der, je höher er steigt, desto mehr mit Sand vermischt ist. In der Gegend von Altheim, Riedlingen, Grüningen etc. nimmt er die Natur des leichten Moorbodens an, sieht an dem ersten Orte häufig wie Asche, an dem letztern und in dem Donauriede wie schwarzes Pulver aus. Vergl. Ehingen. Von ähnlicher Beschaffenheit sind auch die Federsee- und andere Riede: unter einem leichten meist versumpften und sauren Moor- und Torfgrunde liegt entweder Kies oder Letten. Dagegen zeichnen sich die über diese Riede und Moorböden sich erhebenden Gegenden durch einen sehr fruchtbaren, aus einem Gemenge von Thon, Sand und Kies bestehenden Ackerboden| aus; insbesondere ist dieß der Fall zu Heudorf und diesseits der Donau zu Beuren. Im Allgemeinen kann man den Boden unter der Alp und jenseits der Donau immer zu den fruchtbaren rechnen; auf der Alp hingegen ist er von ziemlich undankbarer Natur, insbesondere in der Gegend von Dürrenwaldstetten. Ein wild zerrissenes Land bietet hier dem Auge fast nichts, als dürre Öden, Steinhügel und trockene Muhlden und Schluchten dar. Außer der Alp fehlt es nicht an Beyspielen, besonders in der Gegend von Riedlingen, Heiligkreuzthal, Beuren, wo der Morgen Ackers 10 bis 14 Schl. Dinkel gibt.


8. Klima.
Die Luft und Witterung der Alporte ist, wie wir sie schon früher bey andern Oberämtern kennen gelernt haben, scharf und rauh, und der Einfluß des Gebirgs und der Gebirgsformation spricht sich auch hier insbesondere darin aus, daß der Schnee sich länger hält, und bis in den Sommer hinein Reifen und Frost erscheinen. Das letztere ist indeß auch der Fall in den Bezirken auf dem linken Donauufer, da dieselben, wie wir gesehen haben, in einer Höhe über der Meeresfläche liegen, welche den Hochebenen der Alp wenig nachgibt, und da überdieß hier die starke Ausdünstung des feuchten Bodens nachtheilig einwirkt. Die Niederungen und insbesondere das Donauthal sind zwar milder, leiden aber desto mehr von Reifen und starken Nebeln, welche sich mit Ausnahme der Monate Juli und August fast täglich in den Frühstunden darüber lagern, und im Winter oft mehrere Wochen lang die Sonne nicht erblicken lassen. Somit gehört das Klima aus 2 Gründen – einmal wegen der schon ziemlich beträchtlichen Höhenlage des Bodens, sodann wegen der vielen Dünste und Nebel – nicht zu den günstigsten. Es kann aber auch nicht zu den schlechten gerechnet werden, da nicht nur die gewöhnlichen Feldfrüchte, sondern auch häufig noch die zärteren Gartengewächse gut fortkommen, und kein Ort in| dem Oberamte ist, wo man nicht auch noch Obstbäume fände. In dem Klostergarten zu Heiligkreuztahl reiften sogar, im Sommer 1826, Melonen im Freyen.

Die Alporte und zum Theil auch die Gegend um den Federsee werden häufig von Wetterschlag heimgesucht, dagegen bleiben die Donaubezirke in der Regel damit verschont, weil die Gewitter entweder dem Zuge der Alp folgen, oder aber über den Federsee hinziehen. Die Ernte tritt gemeiniglich hier schon etwas später ein, als in dem tiefer gelegenen Oberamtsbezirk Ehingen.


9. Naturerzeugnisse.
1. Mineralreich.

Metalle. Eisenerz ist das einzige Metall, das man in dem Oberamtsbezirke findet. Es kommt als Bohnerz in den Markungen von Egelfingen, Emerfeld, Ittenhausen, Wilflingen und Pflummern, am häufigsten aber an ersterm Orte vor, in großer Menge auch in dem Kronwald Wiedbruk bey Friedingen und in der Brandhalde bey Upflamör.

Steine, Kalksteine, Sandsteine von der oben bezeichneten Gattung, Tuffsteine und Gerölle verschiedener Art sind die im Oberamt vorkommenden Steine (s. o.), nirgends aber findet man gute Bau- und Werksteine, und man behilft sich zum Bauen mit den Kalksteinen und Geröllen. S. u. und S. 47.

Erden. Thon ist die Erde, welche man fast überall findet, für den technischen Gebrauch jedoch, wenigstens für den der Töpfer, nirgends sehr vorzüglich. Am besten soll noch der Lehm und Letten vom Dollhof seyn. Mergel gibt es in dem Alpbezirke, auch bey dem Hennauhof, unweit Buchau; Ocher in dem Erisdorfer Thälchen, eine Art von Mondmilch in der Heidenküche bey Upflamör und in andern Alpklüften.

Versteinerungen kommen in dem Jurakalk, aber, wie überhaupt am südlichen Abhange der Alp, selten vor. In den Steinbrüchen bey Riedlingen und bey Grüningen trifft| man schöne Ammoniten, in dem Kalktuff bey Zwiefaltendorf Pflanzenversteinerungen an.


2. Pflanzenreich.
a. Hölzer und Sträucher.

Die Waldungen sind meist gemischter Art, doch mit dem Unterschiede, daß diesseits der Donau auf der Alp, mit Ausnahme des Teutschbuchs, das Laubholz, jenseits aber, mit Ausnahme der Bussenumgebung, das Nadelholz vorherrschend ist. Nach den, von dem Hrn. Oberförster, Freyherrn von Moltke in Zwiefalten uns mitgetheilten, Notizen kommen in dem Oberamte vor:

a) Baumhölzer: die Traubeneiche (hauptsächlich jenseits der Donau), Weißbuche, Hag- oder Hainbuche, Birke, Sommerlinde, Maßholder, Vogelbeer, Aspe, Salweide, wilde Birne, wilde Apfel, Waldkirsche u. zwar diese in dem ganzen Oberamtsbezirke; ferner: Esche, Ulme, Ahorn, Sperberbaum, Elsbeer, Traubenkirsche, diese in den gebirgigen Theilen; sodann Erle, Pappelweide, in den Niederungen. Von Nadelhölzern kommen vor: die Rothtanne, Forche u. Lerche. Die Rothtanne ist, außer der Alp, wo sie nur durch künstliche Saat angezogen ist, allerwärts zu Hause, eben so die Forche; jenseits der Donau kommt, wiewohl seltner, auch die Weißtanne u. Lerche vor.

b) Sträucher: Berberisbeere, Traubenhollunder, gem. Hollunder, Schlingstrauch, Hartriegel, Pfaffenkäppchen, Alpranken, Weißdorn, Schwarzdorn, Kreuzdorn, Weißbeinholz (zu Besen benuzt), Haselnußstrauch, Stechpalme, (in Forstgärten), Seidelbast, Epheu, wilde Johannisbeer, Stachelbeer, Himbeer, Brombeer, Waldrebe, und sehr selten Pimpernußstrauch, aber fast überall Wachholderstrauch.

b) Krautartige Pflanzen, welche nicht überall vorkommen[10].
Circaea alpina; Lysimachia nemorum; Sanicula europ. Aquilegia vulg. Ranunc. lanug. Stachys alpina; Lathraea aquam, Hyoseris foet. Filago mon. Chrysanth. parth. – sämmtlich auf dem Bussen. Eriophorum vag. Myosurus min. Sedum vill. Comarum pal. Aconitum neomont. Carex panic. – bey Riedlingen, im Eichert etc. Athamantha Liban. Talictrum flav. Turritis glabra; Jasione mont. Corydalis fabasca, Ophrys| monorchis, Hydrocharis morsus ranae – im untern Steinbruch und der Umgegend. Pinguicula vulg. Schoenus ferrug. Sessleria coerul. Lithospermum off. Rimula farin. Gentiana verna; Chaerophyllum hirs. Ch. aureum. Tofdeldia pal. Trollius europ. Galeopsis cannab. Stachys alp. Pedicularis pal. Hieracium cymos. Carduus tub. Carex praecox – Im Laushölzle und in der Nachbarschaft. Poa aquat. Phellandrium aquat. Nymph. lut. Ceratophyllum demers. – in den Neufracher Stöcklen. Selinum carvifol. Laserpitium prutenicum; Hippuris vulg. Utricularia vulg. Scirpus acicul. Menyanthes trif. Cicuta virosa; Polygonum minus; Butomus umbell. Ranunc. lingua, Ran. heteroph. – im Eckartshäule und beym Baumgarten. Teucrium Botrys; Astragalis cic. Aster Amell. – am Stadtgraben etc.

Elymus europ. Lonicera alpigena, Viola mirabilis; Astrantia major, Bupleurum longif. Athamantha Liban. Laserpitium latif. Pimpinella magna; Staphylea pinn. Convallaria vertic. Rubus saxat. Actae spic. Aconitum lycoct. Ajuga Chamaep. Melittis melyssoph. Carduus defloratus; Arnica bellidiastrum; Orchys pyram. Epipactis ovata; Cypripedium calc. Carex alba, – auf dem Teutschbuch und in den angränzenden Waldungen und Feldern. Impatiens noli tangere, Hyoseris foet. im Wald und an der Straße nach Uttenweiler. Digitalis ochroleuca; Lotus siliquos. Arnica mont. Lycopodium clavat. im Tannenwald bey Dürmentingen.

Diesem Verzeichnisse fügen wir noch bey, als eine in der Gegend seltene Erscheinung: Digitalis purpurea, in dem Taugendorfer Bohnwald; ferner folgende Federseepflanzen, nach einer Mittheilung des Herrn Prof. Dr. Schübler: Eriophorum angustifol. und vaginatum, Wollgräserarten; Menyantes trif. Bitterklee; Festuca fluitans, Mannaschwingel, Typha latifol. Küferknospe zum Verstopfen der Fugen in den Fässern benutzt; Sparganium erectum, und Scirpus silv. – Binsenarten; Ranunculus sceleratus und lingua; Alisma plantago aquat. Pedicularis pal. Potamogeton natans, Callitriche verna und einige Myriophyllen, häufig; seltener Nymphaeen. In dem See selbst schwimmt in Menge das Potamogeton crispum.

3. Thierreich.
Wild, sowohl Hoch- als Niederwild gibt es in dem Oberamtsbezirke, hauptsächlich auf dem Teutschbuch und gegen die Sigmaringische Gränze hin, noch in ziemlicher Anzahl; nur das Schwarzwild ist verschwunden. Die Gattungen| und Arten von Wild sind dieselben, wie anderwärts. Unter dem Federwild ist diesseits der Donau nur das Haselhuhn, als ungewöhnlich zu bemerken, das bey Upflamör, Dürrenwaldstetten und in der Gegend nistet. Desto merkwürdiger ist die Gegend jenseits der Donau, und besonders die des Federsees durch ihr Wassergeflügel. Über dieses und andere Federwildarten, welche auf und an dem Federsee theils einheimisch sind, theils alle Jahre auf dem Striche, oder auch nur selten gesehen werden, und die sich meist auch über die Donaugegenden verbreiten, theilen wir folgendes, von dem Herrn Rath und Oberförster Häckel in Buchau verfertigte, Verzeichniß mit.

1) Einheimische: Tafelente; Krickente; Zirgente; rothbrüstige Säger; weiße Säger; kleine Taucher; Stockente; Löffelente.

2) Auf dem Striche erscheinen: Wildgans; Stockgans; große Rohrdommel; weiße Storch; Heerschnepfen; Mittelschnepfen; Kibitzen; punktirte Strandläufer; gemeine Strandläufer; Wachtelkönig; gem. Wasserhuhn; Strandpfeifer; gem. Meve; warzkopfige Meve; gem. Meerschwalbe; schwarze Meerschwalbe; Marchen.

3) Äußerst selten: Kranich; Nachtreiher; kleine Rohrdommel; schwarze Storch; stumme Schwan; rothfüßige Strandreuter; sichelschnabliche Nimmersatt oder türkische Schnepfe; ferner auch Seidenschwanz.

4) Von Raubvögeln finden sich: gem. Geyer; Milane; Mäuse-Bussarde; rauchbeinige Bussarde; Sumpfreiher; Hühnerhabicht; Sperber; Wanderfalke; Reiher; zuweilen auch Steinadler.

Fische. In der Donau finden sich die gewöhnlichen Weißfische und Barben, sodann Karpfen und Hechte, hier und da auch Forellen und Aale. Der Federsee führt außer den gemeinen Fischen, hier Speisfische genannt, ebenfalls Hechte und Karpfen, auch Schleyen, Berschinge, Brachsen und Wellen. Unter den seltenen Fischen des Federsees verdient auch noch die Moor- oder Meergrundel, Cobitis fossilis, Wetterfisch, Schlammbeißer genannt zu werden. Die kleinen Gewässer haben nichts besonderes, die Biber, noch mehr aber die Ach führen Forellen. Der größte und merkwürdigste Fisch ist der Weller, Wels, Silurus Glanis, der in dem Federsee vorkommt, und von diesem zuweilen auch in| die Kanzach herabsteigt. Er wird bis 100 Pf. schwer und darüber, gefangen, ist aber seit der Fällung des Sees sehr selten geworden. Edelkrebse gibt es nur sehr selten in der Schwarzach und in den Altwassern der Donau.
  1. Man vergleiche das demnächst in der J. G. Cotta'schen Buchhandlung erscheinende schöne Panorama von dem Bussen; von Scheffold.
  2. Wir stellen hier sämmtliche gemessene Punkte von Scheer bis zur Illermündung zusammen, theils zur Erleichterung der Übersicht, hauptsächlich aber, weil durch eine Verwechslung der Würtemb. Fuß mit Par. Fuß in der Oberamtsbeschreibung von Ehingen S. 23 und 28 Unrichtigkeiten eingeschlichen sind. Die Höhe des Donauspiegels bey Scheer ist nach unsern Barometermessungen zu 1720 Par. oder 1950 Würt. Fuß, die Illermündung nach Weiß zu 1469 P. oder 1666 Würt. F. angenommen. Die erstere Höhe stimmt schlecht mit einer ältern Bestimmung von Böckmann zusammen. Er fand nämlich das Pflaster zu Sigmaringen vor dem Pfarrhause 1795 P. F. hoch, und als Fall von da bis in die Donau bey der Mühle 103 P. F., so daß also die Donau bey Sigmaringen niedrer läge als bey Scheer. Allein nach einer kürzlich vorgenommenen Untersuchung, welche wir der Gefälligkeit des Herrn Obersten von Hövel zu Sigmaringen verdanken, beträgt jener Fall in Wahrheit nur 54 P. F. Es bleiben somit für für den Donauspiegel bey Sigmaringen statt 1692 Par. Fuß 1761 übrig, und diese Höhe stimmt dann, auch nach der vor einigen Jahren, zum Behuf eines Wasserbauwesens von Sigmaringen aus vorgenommenen Abwägung der Donau gegen Scheer hinab, mit der unter der Brücke zu Scheer gefundenen Höhe recht gut zusammen. – Die Strecke von Scheer bis zur Sigmaringischen Gränze beträgt noch, nach der Flußbahn 6000 W. F., nach der Thalbahn 3200 W. F.
  3. In alten Urkunden kommt auch eine Federach vor, die sich zwischen Buchau und Oggelshausen ergossen haben soll, nun aber ganz verschwunden ist.
  4. Der Boden zwischen dem Federsee und den Schussenquellen erhebt sich nicht mehr als 28 W. Fuß. In Vergleichung mit dem Bodensee liegt der Federsee 556 P. oder 630 W. Fuß höher, als jener, und in Vergleichung mit dem Neckar bey Canstatt um 1102 P. oder 1250 W. F. höher als dieser. Diese von dem Hrn. Oberlieutenant Duttenhofer durch genaue Nivellements, von Canstatt bis in den Federsee, und von dem Federsee bis in den Bodensee gefundenen Unterschiede sind zugleich eine schöne Bestätigung von der Meereshöhe von Canstatt und dem Bodensee, oder wenigstens von dem richtigen gegenseitigen Verhältniß, wie solche in Memmingers Beschreibung von Würtemberg angenommen sind. Auffallend ist, daß nach übereinstimmenden Barometerbeobachtungen des Herausgebers und des Herrn Forstkandidaten Rogg über die Höhe von Buchau der See um ungefähr 40 Fuß höher liegen müßte.
  5. Vergl. Südbaierns Oberfläche. V. J. F. Weiß. München 1820.
  6. Herr Rath und Oberförster Häckel zu Buchau zählt allein aus dem Umkreise des Federsees 18 Weiher auf, welche in neuern Zeiten trocken gelegt und in Äcker und Wiesen verwandelt worden sind: bey Dürnau der Heuweiher, der hintere Weiher, der Dürnauer Weiher; beym Ottobeurer Hof der Hofener Weiher; bey Buchau der Stadtweiher, der lange Weiher; beym Seelenhof der große Seelenweiher, der Buchweiher; bey Betzingen der Stotzinger Weiher; bey Moosburg der Brackenhofer Weiher; bey Alleshausen der alte Weiher, der kleine Weiher, der Batzeneicher Weiher; am Bussen der Buchaier Weiher; bey Uttenweiler der Eyweiher, der äußere Weiher, der Hermannsbacher Weiher und der Lausweiher.
  7. v. Bohnenbergers trigon. Messung gibt 2364 P. F. Es ist aber davon der Kirchthurm abzuziehen, auf dessen Spitze sie sich bezieht.
  8. Wir schließen diese und die folgenden Bestimmungen hauptsächlich auch wegen des schon bemerkten Versehens bey Ehingen an, wo W. F. für Pariser genommen wurden.
  9. Schätzbare Nachrichten darüber hat Herr Bergrath Hehl in der Abhandlung: Über das Vorkommen des Braunkohlen-Sandsteins oder tertiären Sandsteins in Oberschwaben, gegeben, Corr. Bl. des Würt. Landw. Vereins. Jan. 1821.
  10. Aus einem system. Verzeichnisse des, um die vaterländische Pflanzenkultur verdienten, Herrn Apothekers Balluf in Riedlingen ausgezogen.