Beschreibung des Oberamts Riedlingen/Kapitel A 2

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II. Geschichtliche Denkwürdigkeiten.


1. Frühere Verhältnisse.

a) Ältere bürgerliche Verhältnisse und Bildung des Oberamts.

Sowohl die allgemeine Geschichte, als die besondern Denkmäler, welche sich, wie wir nachher sehen werden, noch finden, beweisen, daß der Oberamtsbezirk ehemals lange Zeit der römischen Herrschaft unterworfen war und unter dieser einen Theil der Provinz Nieder-Rhätien, Rhaetia Secunda, ausmachte, welche sich, wie schon in der Oberamtsbeschreibung von Münsingen bemerkt worden, auch über das linke Donauufer bis auf die Alp ausdehnte[1]. Allein an nähern Nachrichten fehlt es gänzlich und auch die vorhandenen Denkmäler sind zum Theil zweifelhaften Ursprungs. Minder spärlich und trüb fließen die Quellen in der folgenden Zeit, besonders die der Klöster St. Gallen und Reichenau; durch sie treten allmählig von der Mitte des achten Jahrhunderts an fast alle bedeutenden Orte unsers Bezirks aus dem Dunkel der Vorzeit hervor, und aus nachfolgenden urkundlichen Angaben wird man sich wenigstens einige Vorstellung von den frühern Verhältnissen der Gegend bilden können.

Ums Jahr 758 vergabt Liutger an das Kloster St. Gallen Güter zu Bechingen (Pachinhova) und Wilsingen; er empfängt sie aber wieder gegen eine jährliche Abgabe als Lehen zurück[2]. Im Jahre 776 schenkt Graf Agylolf,| zu Marchthal gesessen, an St. Gallen Güter und Rechte der St. Michaelskirche zu Zwiefaltendorf, wie wenigstens die Lücke der Urkunde nach allen Umständen auszufüllen ist[3]. Im Jahr 790, 17. Nov., vergaben Graf Berthold (Perahtoltus) und seine Gemahlin Gersinda ihre Kirche in Ramesauwa (später Perahtolticella, jetzt Zell genannt), „welchen Ort die Donau umfließt,“ mit allen Gütern, ferner ihren Antheil an Reutlingendorf, Riutilinga, und Güter und die halbe Mühle in Möhringen, Meringa, an das Kloster St. Gallen, unter der Bedingung, daß so lange Gersinda lebe, sie im Besitze der Güter bleiben und nur 1 Solidus (1 fl. 54 kr.) jährlichen Zins an das Kloster bezahlen solle. Die Urkunde ist in villa Rammesauvva ausgestellt, und mitbesiegelt von Bertholds Söhnen, Chadaloch und Paldebert[4]. Im Jahre 805 schenken die Brüder Chadaloch, der obengenannte und Wago dem Kloster St. Gallen die Kirche auf dem Bussen und die Kirche am See (Seekirch) und zu Heistilingauwa, (Hailtingen); insbesondere gibt Wago seinen Antheil an Möhringen, Chadaloch den seinen an Taugendorf, Grüningen (Cruaningum), Asenheim (ein abgegangener Ort), deßgleichen in Unter-Möhringen, Wachingen (Wahhingas), Binswangen (Sembingwanc); überhaupt aber beyde Alles, was sie in dem Gau Folcholtespara besitzen, mit wenigen Ausnahmen. Sie behalten sich jedoch ebenfalls die lebenslängliche Nutznießung gegen einen jährlichen Zins von 4 Solidis vor, so wie das Recht, daß, wenn einer den andern überlebe, er dessen Theil mit 400 Solidis auslösen dürfe[5].| Die Urkunde ist ebenfalls ausgestellt „in loco, qui vocatur Rammesauwa atque Perahtoltescella“[6]. Im J. 817 schenkt ferner Chadaloch, weil „wie das Wasser ein brennend Feuer löscht, also tilget Allmosen die Sünde“ Braunenweiler (?) Perahtramnivilare ad Fedarhaun und sein Besitzthum zu Wachingen, Wahhingun, dem Kl. St. Gallen, unter dem Vorbehalt der Nutznießung gegen einen Zins von 5 Solidis und des Auslösungsrechts für sich und seinen Sohn Berthold, und die Urkunde ist ausgestellt „in ipsa villa, quae dicitur Taukindorf“ (Taugendorf)[7]. In einer Urkunde K. Karls des Großen vom J. 811 über die Befugnisse eines Schirmvogts des Klosters Reichenau, ist der Orte Tirmentingen, Offingen, Unlingen, Altheim etc. gedacht. Es wird in der Urkunde gesagt, daß dem Grafen Berthold von Bussen, Gerolds Sohn (?), die Vogtey über die genannten Orte abgenommen worden sey, weil er übel damit gehaust habe. Dagegen sey sie dem Grafen Adelbert übertragen worden, unter dem eidlichen Versprechen, daß er ein treuer Vogt und Schirmer der Güter seyn wolle, welche „unser lieber Vetter Eginon“ dem Kloster zu Tirmentingen und Offingen geschenkt, so wie der Güter, welche Gerold zu Unlingen, Grüningen und Altheim übergeben habe, wobey zugleich die Vogtgebühren bestimmt worden[8]. Im J. 819 schenkt K. Ludwig der Fromme, nach einer, jedoch nur in Abschrift, in dem Buchauer Archiv vorhandenen Urkunde, an das Kloster zu Buchau | am Phedersee das Dorf Maginga, Mengen in der Zent Kretgow (Eritgau) gelegen und die Kirche zu Sulogon[9]. Im J. 826 bestätigt der jüngere Graf Berthold, Graf Chadalochs Sohn, die Schenkung seines Vaters und des ältern Bertholds und der Gersinda zu Zell, Reutlingen, Asenheim. Die Urkunde ist ausgestellt in der Volks-Versammlung zu Dieterskirch (Actum in villa qui dicitur Deathereskircha coram frequentatione populi[10]. Im J. 832 stiftet K. Ludwig der Fromme zu dem Kloster Reichenau (nach den Annalen des Klosters in der k. Bibliothek zu München) die Orte Altheim, Riedlingen, (Rudelinga, hodie oppidum muro circumdat.) Waldhusen, Ostheim, und K. Ludwig der Deutsche bestätigt 842, was der fromme Vater an das Kloster in dem Gaue Appha, in den genannten Orten vergabt hatte[11]. In der Urkunde K. Ludwigs des Deutschen v. J. 854, wodurch die Streitigkeiten zwischen dem Bischof von Constanz und dem Abt von St. Gallen ausgeglichen werden, tritt der Abt unter Anderem an den Bischof Alles, was er in Antolvinga (Andelfingen) in der Grafschaft des Pfalzgrafen Ruatolds (Rudolphs), in pagello Affa besaß, mit 44 Leibeigenen ab[12]. Eben dieses Antolvinga und das benachbarte Ensilingen erscheinen zu Ende des 9ten Jahrhunderts als Besitzungen der mächtigen Welfen von Altdorf, und 935 kamen beyde Orte durch Tausch von dem Grafen Welf an seinen Bruder Conrad, Bischof von Constanz[13]. Eine Urkunde Cadalochs, eines Enkels des bekannten Grafen Chadalochs, v. J. 889 ist gefertigt in dem Gau Munteriheshuntere (Munderkingen) in dem Dorfe Diethereskiriha | (Dieterskirch) bestätigt und vollzogen in dem Gau Eritgawe, in dem Orte Pusso, (Bussen)[14].

Vom Jahr 902 gibt Herrmann der Contrakte einige Nachrichten, das Stift Buchau betreffend[15]. In einer Urkunde vom Jahr 961 bestätigt K. Otto I. den Vergleich, wodurch der Bischof Hartpert von Chur[16] für seine Güter im Breisgau unter andern Besitzungen des Klosters Schwarzach Güter in Alzheim (Altheim) in comitatu Affa erhält, ferner Güter in der Grafschaft Ergau (in comitatu Herekewe) in villis Meringa, Tiermuntinga, Cella, Nunnunwilare, Moseheim, sodann in comitatu Munticheshuntere (Grafschaft Munderkingen) in vicis Rutelinga, Reutlingen, Adalharteshova[17], Aderzhofen[18]. K. Otto II. schenkt, kraft einer Urkunde v. J. 980, dem Kloster St. Gallen die Rechte in dem Gau Mundricheshundera in der Grafschaft Hartmanns, in dem Orte Thiethereschiricha[19], so wie anderwärts, welche die K. Missi dem Kloster entzogen hatten.

In Öheims Chronik von Reichenau sind die Vergabungen aus diesseitiger Gegend an Reichenau folgendermaßen aufgeführt:

| S. 35 u. 103. König Ludwig der Milt schenkt Altheim; Walthausen, gehört gen Althen in die Pfarr; Möhringen unter Bussen; Riedlingen (ist kürzlich eine Stadt worden); Ostheim. S. 37. Egino, Bischof (in Constanz 781 bis 811) Tyrmentingen, Burgen unter Bussen; Berthold, Herzog zu Schwaben, begraben in der Ow, in der Kapelle St. Erasmi schenkt[20]: Bussen, Offingen darbey; Wachingen; Pflummern bey Riedlingen; Mehringen; Togindorf; Andelfingen; Grüningen; Geffingen; Oschheim; Tussen.

Zu diesen Nachrichten fügen wir noch die weitere aus einer Urkunde K. Heinrich III. hinzu, wonach derselbe im Jahr 1093 dem Kl. St. Gallen den Ort Touwondorf, Taugendorf, in pago Vuhnalbun, mit dem Beysatze schenkt, daß es ihm von dem Herzog Heinrich von Kärnthen gegeben worden sey[21].

Aus obigen Nachrichten ergibt sich folgende

Gaueintheilung der Orte, wobey wir jedoch nur diejenigen Orte aufnehmen, welche ausdrücklich einem Gaue zugezählt sind[22].

1) Die Folkoltsbar, welche wir früher schon bey Ehingen und Münsingen kennen gelernt haben. Sie kommt mit folgenden Orten aus unserm Oberamtsbezirk vor: Basilica ad See, Seekirch, Cruaningum, Grüningen, Heistilingauwe, Hailtingen, Meringa, Möhringen, Pusso, Bussen, Sembingwanc, Binswangen, Taugindorf, Wahhingas, Wachingen, sämmtlich in der Urkunde der Grafen Chadaloch| und Wago v. J. 805; ferner Rammesauwa, Zell, s. o. Riutilinga, Reutlingendorf, in der Urkunde Bertholds v. J. 790.

2) Ergau, Eritgewe, Herekewe, Erregou pagus, ein Gau, der vielleicht, wie auch Neugart glaubt, seinen Namen von dem Dorfe Ertingen hat, mit folgenden Orten: Buchovia, Buchowa, 819 etc. Cella, Zell 961; wieder Meringa, Möhringen 961: und Pusso, Bussen 889; Nunnunwilare, Nonnenweiler und Tiermuntinga, Dürmentingen 961.

3) Munderkinger Gau. Vergl. Ehingen. In comitatu Munticheshuntere lagen aus unserem Oberamte: nach der Urkunde v. J. 961 Adatharteshova, Aderzhofen am Bussen, (wenn nicht Algershofen) Rutelinga, Reutlingendorf, wenn nicht Riedlingen; nach der Urkunde v. J. 980 lagen in pago Mundricheshundera, in comitatu Hartmanni, Dietereskiriha, Dieterskirch, 889 und 980.

4) Untergau Affa. Er kommt vor in der Urkunde v. J. 854, als pagellus Affa mit Antolvinga, Andelfingen, und in der Urkunde v. J. 961, als comitatus Affa mit Alzheim, ohne Zweifel Altheim bey Andelfingen, sodann in der oben angeführten Urkunde K. Ludwigs des Deutschen v. J. 842, wo nebst Altheim auch Riedlingen, Waldhausen und Ostheim (ein abgegangener Ort) zum Gau gerechnet werden.

5) Gau Vuhnalbun, nach Neugarts Erklärung: auf der Alb, uv Alb, Alpgau. Er kommt nur ein Mal in der Urkunde K. Heinrichs III. v. J. 1093 mit dem Orte Taugendorf vor, – Villa Touwondorf, quae sita est in pago, nomine Vuhnalbun, in comitatu Manegoldi[23].

| Wie ein und eben derselbe Ort in verschiedenen Gauen erscheinen kann, ist früher schon erklärt worden. Die Gaugrafen der Folkoltsbar haben wir schon bey Ehingen kennen gelernt, wir finden jetzt bey ihnen das Grafenamt so gut als erblich; Vater, Söhne, Enkel und Urenkel: Berthold, Wago und Chadaloch, Berthold der jüngere und Cadaloch sein Sohn folgen in ununterbrochener Reihe aufeinander[24]. Als Grafen des Ergaus lernen wir einen gewissen Atto,| (Otto) kennen. Er war ein Sohn desjenigen Otto, der zwischen 831 und 867 der Bertholdsbar als Graf vorstand. S. Buchau. Ob der Pfalzgraf Ruatold oder Rudolph, zu dessen Grafschaft der Bezirk Affa gehörte[25], ein Ahnherr der Pfalzgrafen von Tübingen gewesen sey, müssen wir dahin gestellt seyn lassen: aber der Graf Mangold in der Urkunde von 1093 war entschieden ein Graf von Veringen. Nach Auflösung der Gauverfassung theilte sich der Oberamtsbezirk unter die Grafschaften Friedberg, Sigmaringen und Veringen und unter und neben diesen unter mehrere Klöster und Edelleute. Die Grafschaft Friedberg lag auf dem rechten Ufer der Donau und Ostrach und begriff auch die Vogteyen Bussen und Dürmentingen in sich[26]. Die Grafschaft Sigmaringen schloß sich einerseits an erstere an der Ostrach und Donau an, anderseits war sie durch eine längs der Biber nach Bilafingen hinauflaufende und von da nach Egelfingen, Hitzkofen etc. hinziehende Linie begränzt. Sie umfaßte die meisten Heiligkreuzthalischen Orte. An Sigmaringen gränzte auf der eben bezeichneten Linie die Grafschaft Veringen, welche sich hauptsächlich über die Alp ausdehnte und als Mittelpunkt die alte Faringer Mark mit Burg und Stadt Veringen (später in Vöhringen verwandelt) in sich faßte[27]. Sämmtliche Grafschaften wurden gegen| das Ende des 13ten Jahrhunderts von K. Rudolph von Habsburg und seinen Söhnen zusammengekauft, und zwar die Grafschaft Friedberg 1282 von Graf Mangold von Nellenburg, (aus dem Veringischen Stamme) für 1280 Mark Silber; Sigmaringen (nach Insbr. Archiv) 1290 von Graf Hugo von Montfort; Veringen (jedoch mit Ausnahme) nach einer Urkunde von K. Rudolph gegeben zu Konstanz 1291, von den Gr. Heinrich, Wolfrad und Mangold von Veringen; die zum Bussen gehörigen Güter theils mit der Grafschaft Veringen, theils 1299 mit Saulgau und der Vogtey diesseits des Buchauer Sees von Walter Truchseß von Warthausen aus dem Hause der Waldburg, an den die Besitzung durch Heirath gekommen zu sein scheint, für 2000 Mark. Neben diesen Grafen kommen noch die Grafen von Grüningen-Landau mit ansehnlichen Besitzungen vor, die jedoch keinen besondern Grafenbezirk bildeten, und allmählig größtentheils von dem Kloster Heiligkreuzthal verschlungen wurden. Das Östr. Haus sah sich bald, besonders durch den Aufwand für die Schweizerkriege, genöthigt, seine Erwerbungen wieder pfandweise wegzugeben, und so kamen 1323 (nicht erst 1344) die Grafschaft Sigmaringen und 1344 die Grafschaft Veringen, letztere aus den Händen des Gr. Heinrichs von Veringen, der sie für den rückständigen Kaufschilling noch inne hatte, an Würtemberg[28]. Die Grafschaft | Friedberg aber, die Donaustädte und die Vogteyen Bussen und Dürmentingen wurden theils 1406, theils vor- und nachher mit andern Besitzungen an die Truchsessen von Waldburg verpfändet. Die Waldburgischen Pfandschaften wurden von Östreich 1680 theils wieder eingelöst, theils den Inhabern als Lehen und Mannsinhabung überlassen. Unter den letztern war namentlich auch die Grafschaft Friedberg mit den Vogteyen Bussen und Dürmentingen, welche von den Truchsessen 1786 an das Fürstl. Haus Thurn und Taxis für die Summe von 2.100.000 fl. verkauft wurden, das damit seinen Besitzstand an der Donau gründete, und 1790 auch die Herrschaften Heudorf und Göffingen dazu kaufte. Riedlingen war unter den ausgelösten Theilen, und stand von 1680 an als Municipalstadt mit seinen Spitalorten unter Östr. Landeshoheit.| Das Städtchen Buchau hatte sich zur Reichsstadt empor geschwungen.

Die Klöster St. Gallen und Reichenau hatten ihre Besitzungen durch Kriege, Gewaltthätigkeit der weltlichen Herrn und häufig durch ihre eigenen Maier – Verwalter und Beamte, welche sich allmählig zu erblichen Gutsherrn aufschwangen, größtentheils wieder verloren, und nur Weniges war ihnen geblieben, dem Kloster Reichenau hauptsächlich einige Lehenhöfe zu Hailtingen, Minderreuti und Erisdorf und Zehnten und Gefälle ebendaselbst und zu Riedlingen, Heudorf, Burgau und Altheim, welche Güter und Rechte 1540 mit dem Kloster an den Bischof von Constanz und von diesem 1803 an Baden kamen. Dagegen verschafften sich die Klöster Marchthal, Zwiefalten und Heiligkreuzthal und das Stift Buchau einen ansehnlichen Theil des Oberamtsbezirks. Ein anderer Theil war im Besitze des Adels, entweder als Lehen oder als freyes Eigenthum: die von Warthausen, Justingen, Emerkingen, Gundelfingen, Steußlingen, Jungingen, Greiffenstein, Rosenau, Habsberg, Büttelschieß, Baumburg, Friedingen, Schatzberg, Hornstein, Stein, Stotzing, Reischach, Spät und viele andere hatten Theil an dem Oberamte. Aber am Ende blieben nur noch die oben genannten adeligen Besitzungen übrig, während die übrigen meist in den Besitz der Klöster gekommen sind. Das Jahr 1803 brachte endlich die Auflösung der Klöster, und Zwiefalten und Heiligkreuzthal kamen unter Würtembergische, Marchthal und Buchau nebst dem Städtchen unter Fürstl. Taxische Herrschaft. Im Jahr 1805 fiel Riedlingen der Krone Würtemberg zu, und 1806 kam der ganze Oberamtsbezirk unter Würtemb. Oberherrschaft.

Aus dem Heiligkreuzthaler Gebiete wurde ein eigenes Oberamt gebildet, Riedlingen mit seinem Gebiet aber eine Zeit lang als Anhang von dem Oberamte Zwiefalten verwaltet. Im J. 1807 wurde aus beyden Gebieten und dem Stabsamte Pflummern nebst den Patrimonialherrschaften| Dürmentingen, Neufra, Grüningen und Wilflingen ein eigenes Oberamt Riedlingen errichtet, 1808 wurden demselben auch das Fürstl. Taxissche Amt Buchau, (früher bey Biberach) so wie 1809 und 1810 die Kl. Marchthalischen Orte, (früher bey Zwiefalten) und 1810 endlich die ehemals Zwiefaltischen und andere Orte von dem aufgelösten Oberamt Zwiefalten zugetheilt. Dagegen wurden im J. 1809 die nachgenannten Orte, welche mit dem Oberamte verbunden worden waren, wieder davon getrennt: Grunzheim, Oggelsbeuren, Rupertshofen, Willenhofen, Eichen, Hagnaufurth, Renhardsweiler.


b. Alte kirchliche Verhältnisse und Bildung der jetzigen.

Die ersten christlichen Kirchen in unserm Oberamte, von welchen man Nachricht hat, sind die zu Buchau, Seekirch, Bussen, Zell und Zwiefaltendorf. Es wird ihrer, wie wir oben gesehen haben, schon in Urkunden des 8ten und 9ten Jahrhunderts gedacht, und wer weiß, wie lange sie schon vorher bestanden haben? Doch sehr weit kann ihr Ursprung nicht zurück liegen, da nach Neugart der Bischofssitz von Vindonissa (Windisch) erst nach der Mitte des 6ten Jahrhunderts nach Constanz verlegt worden ist, um die Ungläubigen und dem Götzendienst ergebenen Allemannen bis Ulm, desto eher zum Christenthum zu bekehren[29].

Zum Bisthum Constanz gehörte in der Folge der ganze Oberamtsbezirk. Unter demselben war er in die Archidiakonate Alp und Illergau und unter diesen in 3 Landkapitel vertheilt, und zwar gehörten nach dem, von Neugart mitgetheilten, zu Ende des 16ten Jahrhunderts verfertigten, Verzeichnisse[30]

1) zum Archidiakonat Alp:
a) das Landkapitel Riedlingen mit folgenden Orten des Oberamts: Altheim, Andelfingen, Binswangen| mit dem alten Schlosse Landau, Dürrenwaldstetten mit dem Fil. Ittenhausen, Egelfingen, als Fil. von Vöhringendorf, Emerfeld, Friedingen, Gröningen mit 2 zerfallenen Schlössern, Hundersingen, Pflummern, Riedlingen und Wilflingen

b) Das Landkapitel Munderkingen mit Dieterskirch nebst Fil. Dietershausen; Hausen, Mörsingen, Reutlingendorf, Saulgart, Taugendorf, Uigendorf, Ohnlingen (Unlingen), Upfelmer als dam. Fil. von Zwiefalten, Uttenweiler, Wachingen mit Fil. Emerkingen; Zell mit Bechingen; Zwiefaltendorf.

c) Das Landkapitel Saulgau mit Betzenweiler, Braunenweiler, Buchau, Bussen mit dem Fil. Arezhofen (Aderzhofen) Kanzach, Kappel, Dietelhofen, Möhringen, Offingen, Dürmentingen mit dem Fil. Bischmannshausen; Dürnau, Ertingen mit dem Fil. Erisdorf und Marbach; Göffingen, Hailtingen mit Burgau und Heudorf, Neufrach, Dissen als Fil. von Moosheim.

2) Zum Archidiakonat Illergau gehörte:

Das Landkapitel Biberach mit Oggelshausen; Seekirch mit den Fil. Aleshausen und Dieffenbach.

Wie die Reformation in dem diesseitigen Oberamtsbezirke, mit Ausnahme von Pflummern, das deßwegen dem evang. Dekanat Blaubeuren zugetheilt wurde, nicht den geringsten Einfluß zu gewinnen vermochte, so wurde eben deßwegen auch in den kirchlichen Verhältnissen nichts geändert; nur sind später mehrere der erwähnten Filialorte zu selbstständigen Pfarreyen erhoben worden. Erst in Folge der neuen politischen Veränderungen gab es auch manche Veränderungen in der kirchlichen Einrichtung. Im Sept. 1810 und im Febr. 1817 wurden sämmtliche, zu auswärtigen Kapiteln gehörigen Orte, wovon ein Theil zu dem im Jahr 1814 errichteten Landkapitel Hayingen eingetheilt worden war, unter das Dekanat Riedlingen gestellt, dagegen wurden die nicht zum Oberamtsbezirke gehörigen Orte davon getrennt.| Pflummern wurde dem neu errichteten Dekanat Münsingen zugetheilt.


2. Alterthümer.
a. Römische.

Auch in dem Oberamt Riedlingen finden sich, sowohl diesseits, als jenseits der Donau, noch verschiedene Spuren und Denkmäler römischen Alterthums und zwar:

1. Straßen. Die von Herrn Kirchenrath Vanotti entdeckte und bey Ehingen und in den Würt. Jahrbüchern (1824. S. 91 u. ff.) beschriebene Römerstraße setzt, nach einiger Unterbrechung, fast durch den ganzen diesseitigen Oberamtsbezirk fort und liegt häufig so offen vor Augen, daß sie, wie dort, in stundenlangen Strecken selbst auf den neuen Katasterkarten erscheint. Sie tritt, in der Richtung nach dem Bussen, bey Oberwachingen herein, verliert sich jedoch hier bald wieder. Desto deutlicher aber kommt sie auf der andern Seite des Bussen wieder zum Vorschein. Hier läuft sie in gerader Linie zwischen Heudorf und Burgau, Erisdorf und Ertingen und von da durch die Donauwiesen nach der Riedmarkung hin, macht dort eine Wendung unter einem stumpfen Winkel, und zieht durch das Ried und auf der Markung von Hundersingen, längs der Donau, bald mehr, bald minder erkennbar, weiter hin, bis sie sich in der jetzigen, nach Mengen führenden, Straße, welche wahrscheinlich darauf liegt, verliert. Am Bussen selbst, in der Markung Offingen, heißt noch ein Bezirk der Heerstraßenösch, und ein von da in gerader Linie ausgehender und in der Richtung nach Uigendorf und Oberwachingen fortlaufender Weg führt noch den Namen Heerstraße; und dieser Name hat sich auch noch auf der entgegengesetzten Seite, bey Hailtingen und weiter hinauf durch das Ried erhalten. Zwischen Offingen und Hailtingen heißt auch noch ein Wäldchen das Heidenholz, und östlich von Hailtingen fallen 15 Hügel in die Augen, die man für Grabhügel halten muß. Eben so führt| auf der Hochfläche bey Erisdorf die Straße an einem auffallenden Hügel, Rauher Leuhen genannt, vorbey, der unstreitig auch von Menschenhänden gemacht ist.

Neuerlich entdeckte Herr Dekan Ströbele in Riedlingen noch die Reste einer wahrscheinlich R. Straße, zwischen Luppenhofen und Reutlingendorf, wovon er folgende Beschreibung macht. „Einige hundert Schritte westlich von Luppenhofen fängt der Munderkinger Wald, Greisgart genannt, an. Durch denselben und die daran stoßende Taxische Waldung läuft eine Erhöhung, im Waldbuche „der Aufwurf“ genannt, und längs derselben der Fußweg fort. Ich ließ den Aufwurf, der mit Holz überwachsen ist, aufgraben und kaum waren einige Zoll Boden weggeräumt, so zeigte sich eine starke Kieslage und unter derselben das ganz gut erhaltene Pflaster von dicht aneinander´gefügten Bruchsteinen. An drey Stellen ließ ich den Versuch wiederholen und erhielt immer dasselbe Ergebniß. Die Straße läuft (nach dem Waldbuche bey Luppenhofen beginnend) den Weg von Oberwachingen nach Marchthal, wo aber keine Spur mehr vorhanden ist, durchschneidend, durch den Pfaffensteighau, Kohlhau, über den Trieb von Reutlingendorf und zwischen diesem Orte und Dietelhofen durch das Schlatthäule, wo sie sich durch das frühe Gelbwerden der Fruchtfelder bemerklich macht, bis an den Hünerbühl hin, wo jede weitere Spur verschwindet.“ Herr Ströbele hält die Straße für dieselbe, von der in der oben angeführten Urkunde v. J. 826 (bey Neugart C. D. Nr. 226) die Rede ist, und glaubt, daß unter dem dort genannten Wolfpoltessiuzza Lupenhofen zu verstehen sey.

Ob die Straße mit der obigen zusammenhing, ist zweifelhaft. Rückwärts weist sie auf Munderkingen, vorwärts in gerader Richtung auf Taugendorf hin, und indem man daselbst auf beyden Seiten noch die Reste von zwey Burgställen wahrnimmt, die wie Brückenköpfe dastehen, auch viele röm. Münzen dort gefunden hat, wird die Vermuthung von| einem Donauübergang auf dieser Stelle sehr begünstigt. Eine weitere Unterstützung findet diese Vermuthung darin, daß man zwischen Taugendorf und Grüningen wieder auf den Namen Heerweg oder Heidenweg stößt, und an diesem abermals wieder einen Hünerbühl findet. Ob aber, wie Buchner annimmt, die große Römerstraße der Peutingerschen Tafel über Grüningen geführt habe? lassen wir dahin gestellt seyn[31]. 2. Ortschaften und Gebäude. Buchner und Prugger setzen das R. Grinario auf die Stelle von Grüningen; Mannert setzte es in der ersten Ausgabe seiner Germania an die Mündung der Kanzach, Leichtlen aber setzt auf seiner Karte in der Gegend von Ertingen das Dracuina des Ptolomäus an. Wir halten uns an das, was sich noch in der Wirklichkeit darbietet. Hier kommen wir denn freilich zuerst wieder auf Grüningen. Auf dem Hünerbühl bey Grüningen, bey einer Kiesgrube, fand man ungefähr 8 bis 10 Fuß tief im Boden Überreste von Gemäuer, welches sich durch die anstoßenden Felder hinzieht, und ein Feldbezirk trägt noch den Namen Mauerösch, der an den Namen Hochmauern bey Rottweil erinnert. Von Zeit zu Zeit hat man hier auch schon römische Münzen gefunden. In Grüningen selber faßt das von Hornsteinische Schloß noch die Überreste eines Thurms von so kolossaler Art in sich, daß man an ihrem römischen Ursprung kaum zweifeln kann. Das Dorf Zell, unterhalb Taugendorf, hieß noch im achten und neunten Jahrhundert Rammesauvva, Romansau, Römau (Römerau). Unter dem Namen Rammesauvva kommt es bey Neugart in der Urkunde vom Jahr 790 vor, und die oben erwähnte Urkunde der Grafen Wago und Chadaloch v. J. 805 ist gegeben: Actum in loco, qui vocatur Rammesauvva| atque Perahtoltescella, Bertholdszell (Zell), so daß also kein Zweifel über die Einheit des Orts Statt finden kann.

Ein Tempel, dem Sonnengotte geweiht, wovon die noch zu Zwiefalten vorhandene Innschrift schon in der Beschreibung des Oberamts Münsingen (S. 17) mitgetheilt worden ist, soll nach einer Überlieferung auf der Höhe zwischen Zell und Zwiefalten, nach einer andern Nachricht aber bey Reichenstein, wo am Wege auch noch eine unförmliche Figur, der Götzenstein genannt steht, auf jeden Fall also nicht weit weg, gestanden haben.

Römische Castelle und Wachtthürme. Mitten unter den Ruinen der Burgen auf dem Bussen steht noch der Überrest eine Thurms, der sichtbar römische Abkunft verräth, und mit den Thürmen zu Emerkingen, Berg, Erbach in Beziehung war[32]. Des Thurmes in Grüningen ist schon gedacht worden. Der Sage nach soll Riedlingen selbst ein römisches Castrum gewesen seyn; aber Beweise hat man keine dafür. Merkwürdige Schanzen und andere Befestigungswerke beobachtet man über dem linken Donauufer bey Hundersingen und Binswangen, wo sich noch drey auffallende Hügel befinden, Lichtenbühl, Baumburg und Heineburg genannt. Von den Hügeln trug zwar der eine wenigstens eine deutsche Ritterburg, und die Schanzen werden von dem Volke den Schweden zugeschrieben, und mögen allerdings aus dem sogenannten Schwedenkriege herrühren; aber dieß widerspricht der Meinung nicht, daß die ursprünglichen Anlagen auch hier römisches Werk seyen, und diese Meinung wird um so wahrscheinlicher, wenn man bedenkt, daß die zurückgedrängten Deutschen auf dem benachbarten Teutschbuch (Saltus teutonicus) und weiter herauf auf der Alp sich festgesetzt, die Römer dagegen wahrscheinlich längs der Donau hin, von Taugendorf, Riedlingen und Grüningen| herauf, sich befestigt haben. Auf jeden Fall bleibt der Name Heineburg merkwürdig, der sich auch auf der Alp bey Upflamör wiederholt und entweder an Heideburg oder nach der verschiedenen Aussprache und in Verbindung mit Hünerbühl bey Grüningen und bey Reutlingendorf an Hünenburg, beydes auch sonst vorkommende Benennungen für römische, wenn nicht noch ältere Werke, erinnert[33]. Grabhügel. In dem Walde zwischen Heiligkreuzthal und Beuren findet man einen Hügel Hochmichele genannt, der kegelförmig gestaltet, ungefähr 100′ hoch ist und 300 Schritte im Umfang hat. Um denselben herum liegen mehrere ähnliche kleinere Hügel, wovon der größte, ganz nahe an dem Hochmichele, ungefähr 20′ hoch ist und 60 Schritte im Umfang hat. Die Hügel sind bewaldet, alle aber sind, nach der Beobachtung des Herrn Trigonometers Diezel, auf ihrer Spitze eingesunken und Alles zeigt an, daß sie nicht natürlich, sondern Menschenwerk und wahrscheinlich dieselben Grabhügel sind, wie man sie an vielen andern Orten gefunden hat[34]. Ähnliche Hügel findet man auch weiter hinab, bey Heiligkreuzthal, Daugendorf, noch mehr aber jenseits der Donau an den oben bezeichneten Straßen, zwischen Grunzheim und Herlighofen und, wie schon bemerkt worden ist, bey Hailtingen. In dem erstern Bezirke zählte Herr Kirchenrath Vanotti, der sie demnächst näher untersuchen wird, nicht weniger als 43 solcher Hügel, welche sich auf dem dortigen Höhenrücken theils durch den Wald, theils durch das freye Feld hinziehen und 5 bis 6, die größern 11 bis 12 Fuß hoch sind. In einem der Hügel bey Hailtingen fand man beym Umgraben vor einigen Jahren| ein zerbrochenes Schwert, einen Spieß, Hufeisen u. A., jedoch nichts, was entschieden auf römische Abkunft hinweist. In einem andern, dem größten, der zunächst bey dem Dorfe liegt und 400′ im Umkreise hatte, fand man von Zeit zu Zeit Gebeine, Kohlen, Sporen, Waffen und Gefäße mit Kohlen.

Römische Münzen wurden häufig schon zu Taugendorf und zu Grüningen gefunden, eine Goldmünze vom K. Vespasian neuerlich auf dem obengenannten Schlatthau bey Reutlingendorf, 9 röm. Münzen wurden allmählig von dem letztverstorbenen Pfarrer in Friedingen aus den Opferpfenningen gesammelt.

b. Deutsche Alterthümer.
1. Burgen und Burgruinen.
a. Noch bestehende Burgen und Schlösser.

Ihre Zahl ist minder groß, als in dem Oberamt Ehingen; es sind ihrer noch 9 und zwar zu:

Buchau, Heudorf, Neufra, Grüningen 2, Pflummern, Uttenweiler, Wilflingen, Zwiefaltendorf.
b. Burgruinen.
Bussen, Göffingen, Habsburg bey Warmthal, Schatzberg bey Egelfingen, Zwiefaltendorf.
c. Ganz, oder fast ganz abgegangene Burgen.
Aderzhofen, Alleshausen, Andelfingen, Aßenheim b. Unlingen, Alteburg b. Warmthal, Altheim, Baumburg, Beuren, Betzenweiler, Binswangen, Dietenburg bey Erisdorf, Ertingen, Friedingen, Grüningen, Hailtingen, Heineburg bey Binswangen, Kanzach, Landau, Marbach, Moosburg, Möhringen, Neufra, Neuveringen, Oggelshausen, Reutlingendorf, Rueßegg bey Kanzach, Saugart, Seekirch, Siegeburg bey Upflamör, Streitberg, Taugendorf 2, Tiefenbach, Uttenweiler, Upflamör, Weiler bey Taugendorf, Zell etc.

Im Ganzen war fast kein Ort, der nicht irgend zu einer Zeit einen adelichen Sitz hatte.

2. Abgegangene Orte.
Amelhausen, Bibrugg, Binhausen und Zollhausen b. Riedlingen; Ensenheim b. Unlingen; Hausen b. Bechingen, Hegheim,| Weiler und Holstetten b. Ertingen; Huseberg b. Binswangen; Membratsweiler b. Braunenweiler; Ostheim b. Riedlingen; Parchdorf b. Sauggart; Ummenhofen b. Uttenweiler.

Mehrere unbedeutendere Wohnsitze, deren Namen sich häufig noch in Feldmarken erhalten haben, übergehen wir. Von den meisten der obengenannten Schlösser schrieben sich ehemals auch adeliche Familien, die nun fast alle ausgestorben, oder auch unter dem Bürgerstande in den Städten Biberach, Mengen, Riedlingen, verschwunden sind, in deren Bürgerrecht sie Schutz gegen die Ungunst der Zeit gesucht hatten, wie die von Andelfingen, Aderzhofen, Ertingen, Pflummern zu Biberach. Wir bemerken noch, daß der so oft sich wiederholende Bergname Hungerberg auch in dem diesseitigen Oberamte bey Alleshausen vorkommt.


  1. Vergl. Leichtlen Schwaben unter den Römern, Freiburg 1825. S. 56 u. f.
  2. Neugart Cod. Dipl. Nr. 23.
  3. Neugart Cod. Dipl. Nr. 66
  4. I. c. Nr. 112. von Arx. Geschichte von St. Gallen I. S. 56.
  5. Theils in Folge dieses sehr gewöhnlichen Vorbehalts, theils durch Gewalt und Kriege kamen die Klöster in der Folge wieder um viele Besitzungen. S. Taugendorf.
  6. Neugart Cod. Dipl. Nr. 155.
  7. Ibid. Nr. 193.
  8. Urk. in Öheims Chronik der Reichenau Mscr. S. 90. Cleß Kirchl. polit. Landes- und Kulturgeschichte von Würtemb. 1806. B. 1. S. 180. Hermann. contr. ad a. 799. Die Ächtheit der Urkunde wird zwar, wiewohl ohne hinreichenden Grund, bezweifelt; allein die angeführten Thatsachen, insbesondere die Besitzaufzeichnungen können deßwegen doch vollkommen richtig seyn.
  9. Neug. Nr. 204. Vergl. Würt. Jahrb. 1825. S. 435.
  10. Neugart I. c. Nr. 226.
  11. Annal. Aug. in der Münchner Bibliothek.
  12. Neugart Cod. Dipl. Nr. 356.
  13. Hess Monum. Guelfica p. 9..
  14. Neugart. I. c. Nr. 585. und Herrgott Geneal. Dipl. Cod. prob. Nr. 89. „In loco qui dicitur Pusso, in atrio Sancti Laudegarii puplice“, heißt es in der Urkunde.
  15. Chron. Herm. contr. ad a 902.
  16. S. Beschr. des Oberamts Reutlingen. S. 122.
  17. Neugart C. D. Nr. 745: Nunnunwilare erklärt Neugart für Braunenweiler und vermuthet, daß in der Urschrift Brunwilare gestanden habe. Wahrscheinlich ist ihm entgangen, daß innerhalb des Oberamtsbezirks auch ein Ort Nonnenweiler liegt.
  18. Das Kloster Schwarzach im Elsaß kam zu seinen diesseitigen Gütern wahrscheinlich durch seinen ersten Stifter Ruthart, der nach Neugart Ep. Const. S. 55 u.f. zu der Familie der Halahof, Agylolf und Asulf gehört zu haben scheint, die wir als die Stifter von Marchthal kennen gelernt haben.
  19. Ib. Nr. 775.
  20. Es ist Graf Berthold, Vater der Grafen Chadaloch und Wago, gest. 802. Vergl. Neugart Episc. Const. p. 67.
  21. Neugart. C. D. Nr. 829.
  22. Den Umfang, die Gränzen und den Zusammenhang der Gaue zu bezeichnen, wird erst dann Zeit seyn, wenn wir einmal in der Aufführung der einzelnen Thatsachen weiter vorgerückt sind.
  23. Wir haben früher, bey Münsingen, das Daseyn eines Albgaus bestritten, und können auch jetzt noch, trotz obiger Stelle, nicht daran glauben. Es gab einen Albgewe, der das noch so genannte Algau umfaßte, einen Albegowa, der sich über den Schwarzwald an dem Flüßchen Alb ausbreitete; nirgends aber findet man einen Alpgau, der die rauhe Alp umfaßt hätte, beurkundet, und obige Stelle läßt allzuverschiedene Deutungen zu, als daß sie einen Beweis geben könnte. Neugart selber, ob er gleich Vuhnalbun mit pagus alpensis übersetzt, gebraucht doch in seiner Abhandlung über die Gaue (Episc. Const. pag. XXVII) diese Stelle keineswegs zum Beweis für einen Alpgau der rauhen Alp, sondern beruft sich dort bloß auf die unerwiesene Behauptung des Crusius, und darauf, was Bessel in seinem Chron. Gottw.. davon sagt, aber ebenfalls dem Crusius wörtlich nachgeschrieben ist. In neuern Zeiten hat auch der gelehrte Herr Dir. von Raiser das Daseyn eines Albgaus behauptet, und denselben in seiner Geschichte von Elchingen (Zeitschrift für Bayern 1817. B. 1. S. 131 u. ff.) abgehandelt. Allein Alles was er darüber sagt, insbesondere aber die Bestimmungen der Gränzen des Gaues vom Rieß bis Blaubeuren (pagus Pleonungethal) beweist nur für einen Alpgau, der unserm Albuch entspricht. Taugendorf selbst wird überdieß, wie wir gesehen haben, urkundlich in die Folkoltsbar und die, mitten auf der rauhen Alp gelegene, Hayinger Mark in die Albuinsbar, Herrschaft des Albuins, gesetzt. Immerhin mögen in späterer Zeit durch Wechsel und Theilung in der Benennung und dem Umfange der Gaue mancherley Veränderungen vorgegangen seyn und so mag auch ein Gaubezirk den Namen Vuhnalbun erhalten haben; aber das beweist noch keinen förmlichen Alpgau; eher möchten wir noch den Namen Vuhnalbun von der Domäne Unhilben (Ohnhülben) auf der Alp, einem schon in alten Zeiten bekannten Orte, ungefähr 2 Stunden von Taugendorf, oder von der Bar Albuins ableiten. Übrigens scheint es in obiger, zu Pavia ausgefertigten, Urkunde, wie schon die Schreibart Touwondorf beweist, mit der Rechtschreibung der Namen nicht so genau genommen worden zu seyn.
  24. Über ihre Familie vergl. Neugart Episc. Const. p. 66 u. ff.
  25. Ein Ruadoltshuntre in der Albunespar gelegen, kommt mit dem Orte Bettighofen bey Munderkingen in einer Urkunde v. J. 838 vor. Neugart Cod. Dipl. Nr. 253.
  26. Innerhalb der Gränzen der Grafschaft hatten die Besitzer derselben immer alle Hoheitsrechte – Steuer, Geleit, Wildbann, so daß z. B. das Stift Buchau in seinem Bezirke dieselben erst 1789 durch Vertrag von Thurn und Taxis erworben hat.
  27. Die Grafen von Veringen, auf die wir bey Saulgau wieder zurückkommen werden, stammten höchst wahrscheinlich von dem obigen Gaugrafengeschlechte der Berthold, Chadaloch und Wago ab, in deren Besitzungen man sie auch findet. Sie waren eines der mächtigsten Geschlechter ihrer Zeit und ihre Herrschaft erstreckte sich nicht blos über die eigentliche Grafschaft Veringen, wozu auch Burg und Stadt Langenenslingen gehörte, sondern auch über den obengenannten Gaubezirk Affa mit Riedlingen, Altheim, Andelfingen, über die Güter um den Bussen und allmählig über die Grafschaften Friedberg, Nellenburg und bis in die Gegend von Isny, dessen Kloster die Grafen stifteten.
  28. Die Grafschaft Sigmaringen wurde 1326 von Würtemberg, kraft früherer Bestimmungen, als verfallenes Eigenthum in Besitz genommen, i. J. 1399 aber mit der Pfandschaft Veringen von Graf Eberhard dem Milden an seinen Oheim, den Grafen Eberhard von Werdenberg für 7212 fl., mit Vorbehalt der geistlichen und weltlichen Lehen, verpfändet. Graf Eberhard von Werdenberg hatte einen Sohn, Namens Hans; dieser entführte und heirathete die Gräfin Elisabeth, Tochter Graf Eberhards des Milden von Würtemberg und Verlobte des Herzogs Albrecht von Baiern, der durch seine Liebesgeschichte mit Agnes Bernauerin bekannt ist. Eine Folge davon waren langwierige Händel wegen der Aussteuer und Erbschaft der Elisabeth, welche endlich damit endeten, daß Würtemberg 1459 (nicht 1430; denn 1449 erlaubten die Grafen Ludwig und Ulrich von Würtemberg der Stadt Sigmaringen noch, ein Umgeld auf den Wein zu legen) dem Grafen Hans die Grafschaft eigenthümlich und die Pfandschaft Veringen mit dem Versprechen, sie nicht zu lösen, überließ. Da indeß nachher auch Östreich wieder Ansprüche an Sigmaringen machte, so wurde durch einen Vertrag von 1482 festgesetzt, daß nach dem Aussterben des Werdenbergischen Hauses die Grafschaft an Östreich zurückfallen sollte. Dieser Fall trat 1534 ein, und 1535 wurde Graf Karl von Hohenzollern von König Ferdinand, unter Vorbehalt der Östreichischen Landeshoheit, mit den Grafschaften Sigmaringen und Veringen belehnt, die von dieser Zeit an bey dem Hohenzollerschen Hause verblieben. Vergl. Sattler Grafen I. S. 95, 99 u. f. 145. II. S. 54, 93, 94, 162, 168 u. ff. Steinhofers Chronik II. S. 552.
  29. Neugart Episc. Const. p. CXLVI.
  30. I. c. p. XCVI. CVIII u. f.
  31. Buchners Reise auf der Teufelsmauer. Regensburg 1821. H. II. s. 105. Vergl. insbesondere Schwaben unter den Römern von Julius Leichtlen. Freiburg 1825.
  32. Vergl. die Beschr. des OA. Ehingen S. 9.
  33. Man vergleiche die kleine Schrift: die neuentdeckten Hünengräber im Breisgau. Von Dr. Heinrich Schreiber, Freiburg 1826.
  34. Vergl. Würt. Jahrbücher 1823. 1s H. S. 30 u. ff. 1825. 1s H. S. 59 u. ff.