Beschreibung des Oberamts Riedlingen/Kapitel B 11

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11. Dietelhofen,

ein kath. Pfarrdorf, am nördlichen Fuße des Bussen, 2 St. von Riedlingen mit 202 Einw. C. A. und F. A. Zwiefalten. Grund und Mitpatronatsherr Fürst v. Fürstenberg; die Zehnten beziehen Thurn und Taxis (Herrsch. Dürmentingen) und die Pfarrey (früher Bussen).

Gefälle beziehen: der Staat 4 fl. 22 kr.; Fürstenberg 17 fl. 23 kr.; Taxis 10 fl. 48 kr. und 17 Sch. 71/4 S. D. 13 Sch. 2 V. H. 6 Sch. 31/2 S. Roggen; Pfarrey 7 fl. 56 kr. und 3 Sr. D. 3 Sr. H. Die Pfarrey bezieht auch Landgarben im Betrag von 208 fl. 13 kr. Der Staat (vormals Fürstenberg) bezieht auch Vogtrecht – Maien- und Herbststeuer, und von der Pfarrey Schirmgeld.

Der Ort macht mit Uigendorf einen Theil der Fürstenb. Standesherrschaft Neufra aus, s. Neufra. Er hat 1 Schildw. und liegt in der freyen Pürs. Die Herrschaft hatte bisher| hier und zu Uigendorf das Leibeigenschaftsrecht und den Leibfall auch von solchen Einwohnern, welche keine Fürstenbergischen Güter hatten, die Cornelier ausgenommen. Fürstl. Falllehen sind die 2 Pfarrwiddumgüter. Die Baulast der Kirche hat die Heiligenpflege und die Gemeinde, die des Pfarrhofes der Pfarrer und die Baupflege. Dietelhofen war ehedem Fil. von Bussen, 1497 stiftete der Pfarrer Scheffel eine Caplaney, welche 1798 zur Pfarrey erhoben und 1810 von Einkommenstheilen der Mutterpfarrey verbessert wurde, wogegen der Staat das Mitpatronatrecht in Anspruch nahm, so daß dieses nun zwischen dem Landesherrn und dem Grundherrn wechselt. Der Ort liegt hoch und eben, und hat schöne Obstgärten.

Die älteste Nachricht von D. ist vom Jahr 1189, da K. Friedrich I. dem Kloster Schaffhausen seine Güter und darunter auch ein Gut zu Dietelnhoven bestätigt[1]. Das Kloster wurde von Graf Eberhard von Nellenburg gestiftet, und dessen Stammsverwandte, die Grafen von Veringen, sind später noch im Besitze von Gütern und Zehnten zu D. Die Vogtey Dietelhofen und Uigendorf war in älteren Zeiten Würt., wahrscheinlich von Landau herrührendes, Lehen. In dem Verzeichnisse von Lehen, welche Graf Eberhard von Landau seinem Vetter dem Grafen Ulrich III. von Würt. ums J. 1340, wenn nicht früher, übergibt, heißt es: „Heintz der Vogts-Sohn von Friedingen hat von mir Dietelhofen und Uigendorf mit Zugehörden;“ 1416 verkauften Rudolph und Heinrich von Friedingen die Vogtey (Dietelhofen und Uigendorf) mit Allem, was ußwendig und inwendig dazu gehört und Lehen ist von der gnädigen Herrschaft zu Würtemberg, samt dem Weiher zu Uigendorf für 569 fl. an Hans von Hornstein. S. Betzenweiler.

Wie darauf die Vogtey 1472 an die von Spät bekommen, und 1531 an das Stift Buchau verkauft worden, ist bey Betzenweiler erzählt. Aber schon i. J. 1534 überläßt die| Äbtissinn Elisabeth von Buchau Dietelhofen und Uigendorf ihrem Schwager, Schweikhart von Gundelfingen zu Neufra.

Der Grundbesitz war immer vertheilt. Schon i. J. 1229 erscheint das Stift Buchau mit Gütern zu Dietelhofen und Uigendorf. Diese sog. Corneliergüter wurden aber von dem Stift 1801 an die beyden Gemeinden als freyes Eigenthum für 9300 fl. verkauft[2]. Auch die Grafen von Veringen besaßen einen Maierhof und den Zehnten, und verkauften diese Besitzung mit ihren übrigen Gütern um den Bussen an K. Rudolph von Habsburg. Von Östreich kam der Zehnte als Anhang der Pfandschaft Bussen an die Truchsessen von Waldburg und von diesen 1786 an das Haus Taxis; der Maierhof aber als Zugehör von Heudorf 1790 an ebendasselbe.

An dem Wege nach Reutlingen liegt ein bedeutender Hügel, Gansberg genannt, wo man vor einigen Jahren, bey Erweiterung des Wegs, ein, von großen Feldsteinen gebautes, Grab mit den Gebeinen eines Mannes und mit einer Urne aufgedeckt hat.


  1. Neugart Cod. Dipl. Nro. 887. J. II. p. 117.
  2. Von den Lehensleuten der Corneliergüter waren die Männer Leibeigene der Äbtissinn von Buchau, die Weiber des Fürsten von Fürstenberg, alle aber waren der hohen Obrigkeit des Fürsten unterworfen.