Beschreibung des Oberamts Riedlingen/Kapitel B 12

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12. Dieterskirch mit Dietershausen, Dobel und Herlighof nebst der Herligmühle.

a. Dieterskirch, ein kath. vormals Marchthalisches Pfarrdorf, 23/4 St. nördl. von Riedlingen mit 156 Einw. C. A. Zwiefalten, F. Tax. Amtsbezirk und Rentamt Marchthal, F. V. Buchau. Grund-, Patronats- und Zehentherr: F. Taxis. Von einem kleinen Theile der Markung hat der Staat die Zehnten, die mit dem Antheil zu Dietershausen für 72 fl. an die Gemeinde verpachtet sind.

Gefälle beziehen: der Fürst 145 fl. 55 kr.; der Heilige 5 Sch. 3 S. 31/3 V. H. und eben so viel glatte Früchte. Dazu kommen die Fürstl. Landgarbengefälle mit 999 fl. 38 kr.

| Dieterskirch liegt an einem Bache, der es in 2 Theile theilt. Es hat 1 Schildw. und 1 Brauerey. Kirche und Pfarrhaus stehen auf der Anhöhe. Erstere hat einen schönen Chor. Die Baulast von beyden hat der Fürst. 1803 wurde die, früher dem Kloster Marchthal einverleibte, Pfarrey von dem Fürsten neu dotirt. Zu dem Pfarrsprengel gehören noch Dietershausen, Oberwachingen, Dobel, Herlighof, Herligmühle und Schupfenberg.

Wie schon in den Jahren 826 und 889 zwey Urkunden von den Gaugrafen in Dieterskirch ausgestellt, und 980 von K. Otto gegen St. Gallen auf alle Ansprüche in Dieterskirch Verzicht geleistet worden ist, und der Ort dabey als zum Munderkinger Gau gehörig erscheint, ist S. 9 bemerkt. Von dem Besitzthum des Kl. St. Gallen ist übrigens später nirgends mehr die Rede. Dagegen findet man die von Emerkingen, ohne Zweifel die Nachfolger in dem Grafenamte über den Munderkinger Gau, in dem Besitze, so wie die von Stein zu Emerkingen, und das Kloster Reichenau hat noch 1670 Lehen zu D. Die Hälfte des Orts war jedoch 1358 mit Sauggart in den Händen der von Stadion und kam mit jenem unter gleichem Wechsel der Herrschaft an das Kloster Marchthal. Die andere Hälfte kam 1665 an ebendasselbe durch Tausch gegen den Brühlhof und den Antheil des Klosters an Thalheim und Stein. Unter dieser Hälfte waren auch die Reichenauischen Güter begriffen, deren Lehenschaft 1670 aufgehoben wird; auch gehörten die Kirche und der Kirchensatz dazu, die aber 1367 von Heinrich und Egloff von Emerkingen (ein Beweis, daß ohne Zweifel auch das Übrige früher den Emerkingen gehörte) an die von Nenningen für 210 Pfd. H. verkauft worden waren, jedoch 1419 auch in dem Besitze des Klosters sich befanden.

Auch von Dieterskirch standen nach dem 30jährigen Kriege nur noch 2 Häuser. Die neuern Veränderungen theilte der Ort mit Marchthal.

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b. Dietershausen,

ein kath. vormals Marchth. Weiler 1/4 St. von Dieterskirch, wovon es Filial ist, mit 161 Einw. und 1 Schildw. Sonstige Verhältnisse, wie bey Dieterskirch.

Gefälle beziehen: F. Taxis 159 fl. 54 kr.; Heiligenpflege Dieterskirch 4 fl. 57 kr. 3 Sch. 2 V. und eben so viel glatte Früchte. Dazu kommen Fürstl. Landgarbengefälle, im Betrag von 1006 fl. 6 kr.

Der Ort liegt auf ebenem, aber nassem Felde. Er hat eine Schule, eine ansehnliche Kapelle, worin jeden Samstag eine Messe gelesen wird. Zu Anfang des 15ten Jahrhunderts tragen die von Hornstein-Grüningen den Ort von dem Abte zu St. Gallen zu Lehen, und verkaufen ihn 1420 an Berthold von Stein zu Uttenweiler um 990 Pfd. H. 1702 kam der Ort mit Uttenweiler an Marchthal. S. Uttenweiler. Nach dem Verlangen des Abts von St. Gallen als Lehensherr behielt das Gut die Eigenschaft eines adelichen Mannlehens bey, und der erste Marchthalische Beamte mußte jedesmal das Lehen von St. Gallen empfangen. Als Rittergut steuerte es auch zum Canton Donau. Von dem Lehensverbande waren zwey Höfe ausgenommen, welche Marchthal schon früher besaß, 1614 aber an die von Stein um 6400 fl. verkaufte, und erst 1702 aus den Händen der von Stotzing für 9000 fl. wieder an sich kaufte. Jezt gehört D. wie die übrigen Marchthalischen Orte zu den standesherrlichen Besitzungen des Fürsten v. Taxis.

c. Dobel,

ehemals auch Tobel, ein kath. vormals Marchth. Weiler an einem Bache in einem abgelegenen Wiesthale, 21/2 St. nördl. von Riedlingen, 5/8 St. von Dieterskirch, wovon es Filial ist, mit 53 Einw. Sonstige Verhältnisse wie bey Dieterskirch.

Gefälle bezieht: Taxis 61 fl. 35 kr., 22 Sch. 11/3 Sri. Haber, 21 Sch. 61/3 Sri. Roggen.

Der Ort ist Würt. Lehen. Er hat eine Schule, und eine schöne kleine Kapelle, welche 1794 von den Einwohnern| auf eigene Kosten erbaut wurde, und worin jährlich eine Messe gelesen wird.

Schon 1230 hat der Propst von Marchthal einen Hof in Tobel erkauft, 1283 aber wieder verkauft. 1420 erscheinen „der Hof und die (jezt nicht mehr vorhandene) Mühle Tobel“ als Östr. Lehen, und es wird Conrad von Stein zu Uttenweiler, der solche von Hans von Hornsteins Kindern erkauft hatte, damit belehnt[1]. Später theilte der Ort den Wechsel der Herrschaft mit Uttenweiler, mit dem er auch an Marchthal kam. In dem Östr. Lehensbriefe für Marchthal sind 4 Höfe Tobel bezeichnet. Grundherr eines Theils davon war von 1471 an die Scheffoltische Familie, von Östreich unmittelbar damit belehnt. Sie verkaufte aber schon 1487 ihr Gut „Tobelhof“ und 1590 ein andres um 1200 fl. an die v. Stein.

d. Herlighof,

ein F. Tax. vormals Marchth. Cameralhof, auf einer fruchtbaren Anhöhe, 1/2 St. von Dieterskirch, wovon er Filial ist, mit 6 Einw.. Der Hof ist verpachtet. Durch ein Wasserwerk wird er aus dem Thale mit Wasser versehen.

Herlighof, ehemals Hertelkofen genannt, gehörte den von Emerkingen und mit Sauggart kam er 1365 an das Kloster Blaubeuren und von diesem 1383 an Marchthal, welches das Gut in eigener Bewirthschaftung behielt. S. Sauggart.

e. Herligmühle,

eine zu dem Cameralgut Herlighof gehörige Pacht-Mahlmühle mit 3 G. unten im Thale, 1/4 St. von dem Hof, mit einigen Gütern und 6 Einw.


  1. S. Dietershausen. Die Brüder Berthold und Conrad von Stein hatten damals Uttenweiler getheilt.