Beschreibung des Oberamts Riedlingen/Kapitel B 40

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40. Sauggart,

auch Saulgart geschrieben, ein kath. vormals Marchthalisches Pfarrdorf, 31/2 St. östlich von Riedlingen mit 298 Einw. C. A. Ochsenhausen; F. Tax. Standesh. Amtsbezirk und R. A. Marchthal, F. V. Buchau. Grund-, Patronats- und Zehentherr: Taxis.

Gefälle beziehen: der Fürst 265 fl. 53 kr., 75 Sch. 31/5 Sr. H., 92 Sch. 3 Sr. Roggen, 12 Sch. 6 Sr. Mühlfrucht; der Heilige 6 fl. 25 kr., 151/2 Sch. H., 181/8 Sch. Roggen.

Der Ort liegt still und romantisch in einem engen Wiesenthälchen, von Obstbäumen beschattet und dem klaren Reutibache (hier von einem Einflusse auch Weiherbach genannt) bewässert. Er hat 1 Schildw. und 1 Mahlm. mit 4 G. Die früher dem Kloster einverleibte Pfarrey wurde 1803 von dem Fürsten neu und reichlich dotirt. Pfarrhof und Kirche werden von dem Fürsten gebaut. Die Einwohner leben in einem glücklichen Wohlstande. Wo jetzt das Pfarrhaus steht, stand einst eine Burg. 1338 wurde der Ort von Conrad| von Stadegun (Stadion) an Walter von Emerkingen um 500 Pf. H., 1365 von letzterm an das Kloster Blaubeuren um 2600 Pf. H.[1] und 1382 von diesem – „Burg und Dorf Sauggart mit Vogtrecht, Kirche und Kirchensatz“ an das Kloster Marchthal verkauft. Jakob von Stein besaß 1520 noch den Maierhof, und verkaufte ihn jetzt auch an Marchthal um 435 Pf. Der Abt von Marchthal hat 1517 die Landgarben in eine mäßige jährliche Gült verwandelt, und diese Maßregel beförderte zusehends den Wohlstand der Bauern. Der Ort kam mit Marchthal 1803 an Taxis, und 1806 unter Würt. Oberherrschaft. Nach dem dreyßigjähringen Kriege hatte S. nur noch 4 Häuser und 3 Bauern.

Zu der Burg Sauggart gehörten in frühern Zeiten auch die Höfe: Weiler, Parchdorf, Hertelkofen (Herlighofen) und Ernsthof. Die beyden erstern sind jetzt verschwunden. Parchdorf kommt schon in den Urkunden K. Otto I. und II. von 961 und 980, als im Munderkinger Gau gelegen, vor. In ersterer wird es von dem Kloster Schwarzach an den Bischof Hartbert von Chur vertauscht, in letzterer erscheint es als Besitzung von St. Gallen.



  1. Nach den Kaufsummen zu schließen, hatte Walter wahrscheinlich schon vor 1357 Theil an dem Ort.