Beschreibung des Oberamts Riedlingen/Kapitel B 47

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
« Kapitel B 46 Beschreibung des Oberamts Riedlingen Kapitel B 48 »
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Für eine seitenweise Ansicht und den Vergleich mit den zugrundegelegten Scans, klicke bitte auf die entsprechende Seitenzahl (in eckigen Klammern).
|
47. Zell mit Bechingen.
a. Zell, ein kath. vorm. Zwiefaltisches Pfarrdorf, an dem rechten Donauufer, 11/2 St. von Riedlingen mit 131 Einw.| und 1 Schildw. C. A. und F. A. Zwiefalten. Zehnten, den großen bezieht der Staat, den kleinen und den Heuzehnten die Pfarrey, Klee und Futterkräuter waren immer zehentfrey.

Gefälle beziehen: Staat 99 fl 13 kr und 8 Sch. 37/8 Sr. H., 3 Sch. 3 Sr. glatte Früchte; die Kirchenpflege 2 fl. 22 kr. und 61/3 Sr. H., 61/3 Sr. Roggen. Dazu kommt ein, in eine ständige Gült verwandeltes Landgarbengefälle des Staats mit 8 Sch. D., und 6 Sch. Gerste, auch Schutz- und Schirmgeld, Vogt- und Leuthaber.

Der Ort liegt sehr freundlich auf einer von der Donau umflossenen Halbinsel. Besonders gefällig stellen sich Kirche und Pfarrhaus dar, welche 1780 neu gebaut worden sind. Die Baulast liegt auf dem Staate. Über die Donau führt bey dem Orte eine Brücke. Es ist S. 14 schon bemerkt worden, daß Zell ehemals Rammesau, Romansau geheißen und daß dieser Name (Römerau) wahrscheinlich auf einen Römischen Ursprung deute. In der Folge wechselte die Benennung zwischen Rammesau und Bertholdszell, wie dieß in der oben angeführten Urkunde v. J. 805 der Fall ist, und endlich blieb Zell allein übrig. Der Name Bertholdszell rührt vermuthlich von einer Zelle her, die ein Glied der Gaugrafen-Familie, in der der Name Berthold gewöhnlich war, entweder gestiftet, oder zum Rückzug aus dem Leben gewählt hatte. Die erwähnte Urkunde ist in Zell selber von Graf Berthold und seinen Söhnen Chadaloch und Paldebert ausgestellt. Als Nachfolger in dem Besitze von Zell findet man später die von Emerkingen. 1292 vergabt und verkauft Rudolph von Emerkingen an das Kloster Zwiefalten Kirche und Kirchensatz mit Gütern, Höfen und Leuten; 1294 verkauft des vorigen Bruder, Hermann von Emerkingen, Kirchherr zu Zell, an das Kloster Güter und die Fischenz, und 1395 verzichten Eglof, Walter und Ulrich von Emerkingen auf die Vogtey zu Mörsingen und zu Zell, den Kirchensatz etc. Auf diese Weise und durch eine Menge einzelner Käufe kam allmählig Zwiefalten in den Besitz von Zell. Die Kirche wurde 1294 dem Kloster einverleibt. Daß in Zell ehemals auch ein Schloß gestanden habe, lassen schon die früheren Verhältnisse vermuthen. Nach den Marchthaler Annalen saß i.J. 1180 Dapifer| quidam in der Burg Zell, und noch in einem Kaufbriefe von 1399 kommt ein Walter Stein, zu Zell gesessen vor. Über Ensenheim s. S. 238
b. Bechingen,

ein kath. vormals Zwiefaltischer Weiler, auf dem linken Donauufer, 5/4 St. von Riedlingen, Zell gegenüber, wovon es Filial ist, mit 160 Einw. C. A. und F. A. Zwiefalten. Die Zehnten bezieht der Staat, mit Ausnahme der Hanfländer und Grasgärten innerhalb Etters, welche der Pfarrey zehnten. Von den Kartoffeln erhält der Staat neben dem Zehnten auch noch den achten Theil.

Gefälle beziehen: der Staat 55 fl. 40 kr., und 107 Sch. 43/4 Sr. D., 43 Sch. 33/8 V. Haber, 34 Sch. 53/4 Sr. Gerste, 2 Sch. 23/8 V. Hanfsamen; die Heiligenpflege 1 fl. 52 kr., Kapellenpflege 1 fl. 55 kr. 25/8 V. H. 13/8 V. Roggen; die Pfarrey Zell 11 fl. 27 kr.; die Heiligenpflegen Mörsingen 1 fl., Zwiefaltendorf 24 kr., Dazu kommen Schutz- und Bürgergeld des Staats, Vogthaber, Sitzgeld.

Bechingen ist einer der wohlhabendsten und fruchtbarsten Orte des Oberamts. Die Schule ist zu Zell. Der Ort kommt schon 758 vor. S. 6. Er gehörte ohne Zweifel ebenfalls zu den Besitzungen der Bertholdischen Gaugrafenfamilie; in der Folge findet man ihn unter den Grafen von Burgau, Emerkingen, Wartstein, Landau und Veringen vertheilt. 1292 eignet Heinrich von Burgau dem Kloster Zwiefalten die von des Markgrafen Lehensmann „Berchthold dem Dax zu Daksberg“ für 451/2 M. S. zu Bächingen und Emerkingen gekauften Güter; 1293 eignen Walther und Rudolph von Emerkingen demselben Kloster Güter zu B., 1342 verkauft Heinrich von Rechtenstein alle seine Güter und Gerechtsame zu B. an ebendasselbe, und Graf Hartmann von Warstein (Wartstein s. Münsingen) bestätigt diesen Kauf und eignet die Güter; 1293 eignen die Grafen Eberhard und Conrad von Landau, und 1202 Graf Heinrich von Veringen dem Kloster die von denselben erkauften Güter, und 1307 stellt Graf Heinrich einen Consens- und Eignungsbrief aus, da der Ritter Otto von Grüningen alle seine Güter und Rechte| zu B. insbesondere aber seinen Frucht- und Heuzehnten für 212 Pf. an das Kloster Salem verkaufte. Auf gleiche Weise verzichtet ein Graf Heinrich von Veringen 1359 auf die Eigenschaft, da Götz von Burladingen 1/3 des Groß- und Kleinzehnten für 133 Pf. ebenfalls an Salem verkauft. Durch diese und andere Käufe und Schenkungen kam einer Seits das Kloster Zwiefalten in den Besitz der Güter und Rechte zu B., anderer Seits das Kloster Salem zu dem der Zehnten und einiger Güter daselbst. Zwiefalten kaufte insbesondere noch 1476 von Ludwig von Spät dessen Vogtey über B. für 750 fl. Einige Zehnten, welche das Kloster zu B. erworben hatte, tauschte es 1530 gegen die des Klosters Salem zu Taugendorf ein, i. J. 1645 verkaufte aber Salem den ganzen Groß- und Kleinzehnten zu B. nebst einem Leiblehenhof daselbst und einem Erblehenhof zu Taugendorf für 6500 fl. an Zwiefalten, und dieses war nun im völligen Besitze des Orts. 1294 kommt in einer Urkunde unter andern Edelleuten auch ein Ulricus de Bechingen als Zeuge vor [1]. Zwischen Bechingen und Zwiefalten lag ehemals

Hausen, ein abgegangener Weiler oder Hof, der in Zwiefalter Urkunden häufig vorkommt. 1336 schenkt Conrad Schädwin (von Schaiblishausen, s. Ehingen) dem Kloster die Vogtey und alle Rechte über seine Güter zu Hausen; später kaufte das Kloster einzelne Güter daselbst; 1427 verkaufte Heinrich der Bose seine Lehengüter zu Hausen, „bey der Kapell gelegen,“ und noch 1475 kommen Käufe daselbst vor.



  1. Sulger Annal. Zwif. I. p. 250.