Beschreibung des Oberamts Riedlingen/Kapitel B 8

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8. Braunenweiler mit Michelshof und Ziegelhof.

a. Braunenweiler, ein kath. Pfarrd., an der Poststraße von Buchau nach Saulgau, in hoher Lage, 41/4 St. von Riedlingen, 1 St. von Saulgau, mit 291 Einw. C. A. Heiligkreuzthal. Standes- Grund- u. Patronatsherr Fst. v. Th. und Taxis, F. Amtsbezirk Buchau, F. V. Sießen, R. A. Dürmentingen. Die Zehnten bezieht die Pfarrey, mit Ausnahme von 136 M. wo sie der Fürst Taxis, der Graf Sternberg (Schussenried) die Stadtpfarrey und der Spital Saulgau, jeder auf eigenem Bezirke, haben.

Gefälle bestehen zu Braunenweiler und auf dem Michels- u. dem Ziegelhof: Staat 4 fl. Taxis 189 fl. 27 kr., 542/8 Sch. D. 54 Sch. H. 181/2 Sch. R. und 51/8 Sch. Gerste; Pfarrey 13 fl. 6 kr. 115/8 Sch. D. 76/8 Sch. H. 27/8 Sch. 1 V. R. und 17/8Sch. 2 V. Gerste. Der Staat bezieht auch an Vogtrecht 7 Sch. 22/3 S. Roggen.

Braunenweiler liegt auf einem fast rund um freyen Hügel mit weiter Aussicht. Es hat eine hübsche Kirche, mit einem stattlichen alten Thurme und ein hübsches Pfarrhaus. In die Pfarrey gehören der Michelshof und Ziegelhof. Der Ort hat 1 Schildw. 1 Mahlmühle, mit 3 G. von einem Weiherwasser getrieben und 1 Öhlmühle. Der i. J. 1819 vorgenommenen Vereinödung ist schon S. 66 gedacht.

Braunenweiler kommt schon 817 vor, wo Graf Chadaloch ein Gut daselbst an St. Gallen verschenkt. S. 8. Von dieser Zeit an aber erfährt man nichts mehr von dem Orte, bis Östreich 1299 mit der Vogtey Sulgen auch das Vogtrecht der Kirche zu Br. von den Truchsessen von Warthausen erkauft.

Die Vogtey über den Ort mit Gütern daselbst und zu Membratsweiler verkaufte 1371 Friedrich von Reichenbach an Burkh. von Ellerbach für 122 Pfd. H., von den von Ellerbach kaufte 1387 das Kloster Schussenried die beyden Vogteyen Braunenweiler und Obernweiler nebst Gütern daselbst und zu Membratsweiler und Lampertsweiler, verkaufte aber Alles wieder 1390 an das Stift Buchau. Dieses verlieh von nun| an die Vogtey nebst Zugehör als Schildlehen an Wappengenossen gegen ein Pr. Handschuhe. So trugen dieselbe auch die von Königsegg und von Schad zu Lehen. Erstere, Erhart und Eggen von Kunßegg zum Kunßeggerberg, verkauften ihre Hälfte 1481 an Hans von Stuben für 250 fl., leztere, die Schad zu Biberach, die ihrige 1483 an Ebendenselben für 820 fl. Bald darauf aber befindet sich Sixt von Scheinen zu Gamerschwang im Besitze des ganzen Lehens und verkauft dasselbe 1502 an den Truchsessen, Grafen Andreas von Sonnenberg, in dessen Grafschaft Friedberg es ohnehin lag. Mit dieser Grafschaft kam die Besitzung dann auch 1786 an Taxis und durch Vertrag von 1789 wurde endlich auch die Buchauische Lehenschaft aufgehoben und dem Fürsten zugleich das Patronatrecht überlassen, welches das Stift bisher besessen hatte. S. Buchau.

Das oben erwähnte Membratsweiler ist ein abgegangener Ort, wovon noch ein Ösch der Markung Br. den Namen Hinter-Memmetsweiler hat. In der Nähe von Braunenweiler, aber schon innerhalb der Grenzen des Oberamts Waldsee, stand auch eine Burg Brunsperg, Braunsberg, wovon noch bey jenem Oberamt nähere Nachricht gegeben werden wird.

b. Michelshof, 1/4 St. westlich von Braunenweiler, ein F. Tax. Lehenhof, der erst 1808 dahin gebaut wurde. Zehnten und Gefälle s. Braunenweiler. In Folge der Vereinödung entstand auch noch ein weiterer Hof der Eichbaumshof, bey dem Burgstock, wovon bey Waldsee noch die Rede seyn wird.

c. Der Ziegelhof, ein F. Tax. Lehenhof nebst einem Söldnerhäuschen, 1/2 St. südlich von Braunenweiler, wovon er Filial ist. Die Zehnten bezieht ebenfalls die Pfarrey. Die Gefälle sind in denen von Braunenweiler enthalten.