Beschreibung des Oberamts Rottenburg/Kapitel B 17

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17. Öschingen,

evang. Pfarrdorf, in einer Thalschlucht, in der der zweyte Ursprung der Steinlach zu suchen ist, ziemlich einsam von Bergen eingeschlossen, von dem erhabenen Roßberge und seinem Vorsprunge, dem Schönberge, beschattet, und mit reichlichen Obstpflanzungen auf Hügeln und Niederungen umgeben, 43/4 St. von dem Oberamtssitze entfernt; Cameralamt Tübingen, Forstamt Urach, mit 785 Einw. Der Ort liegt zerstreut, zum Theil in der Ebene, zum Theil auf einer Anhöhe, wo auch die 1813/14 neu erbaute Kirche und das Pfarrhaus steht. Er hat 1 Mahl- und 1 Ölmühle. Ein Theil des Roßberges gehört in die hiesige Markung.

Der Großzehnte steht dem Staate zu, mit Ausnahme einiger Bezirke und Äcker, wovon die Universität Tübingen und mehrere Öschinger Bürger den Zehnten beziehen, und 23 M. zehentfreyer Äcker. Den Kleinzehnten bezieht der Pfarrer, den Heuzehnten mit geringer Ausnahme der Staat. Zehentfrey sind 153/4 M. Äcker, und 73/4 M. Äcker blos mit den Halmfrüchten, 3 M. geben nur die 30ste Garbe; von den Wiesen sind 7 M., von den Baumäckern 10 M. zehentfrey [1].

| Die ältere Geschichte von Öschingen liegt sehr im Dunkeln, der Ort gehörte denen von Fyrst, von welchen 1399 Ernestus de Fyrst, und Pfaff Rudolph, Kirchherr und Tegen (Dekan) zu Eschingen, in einer Urkunde als Zeugen sich unterschreiben. Der Ort kam an die Grafen von Zollern, deren Wappen in der alten Kirche noch zu sehen war. Auch scheinen die von Ow hier Güter besessen zu haben, und einige hier lebende Familien schreiben sich von Au, und wollen von diesem altadelichen Geschlechte abstammen. 1415 und 1429 kam der Ort von Hohenzollern an Würtemberg. S. Mössingen. 1432 kaufen die beyden Grafen Ludwig und Ulrich von Würtemberg von Heinrich von Sindelfingen und seiner Hausfrau den Zehnten zu Eschingen, wie sie solchen von Fritz Messingen zu Tübingen erkauft hatten, um ein Leibgeding. 1481 schenkte Graf Eberhard d. ä. von Würtemberg, da er die Schloßkirche zu Tübingen in eine Pfarrkirche verwandelte, denselben unter anderm auch die Novalzehnten zu Eschingen, und als Herzog Ulrich 1516 diese Pfarrey wieder aufhob, und eine Sängerkapelle errichtete, wurden diese Zehnten zur neuen Kapelle geschlagen. In wie ferne die Sage begründet sey, daß auf dem Roßberg ein Kloster, von Mönchen mit rothen Kleidern bewohnt, gestanden habe, läßt sich aus Urkunden nicht nachweisen; als einen Beweisgrund will man angeben, daß in Öschingen immer eine Viertelstunde vor der Predigt geläutet wurde, um den Mönchen ein Zeichen zum Gottesdienste zu geben (?). Sollten etwa hier und auch zu Belsen Templer gewohnt haben, und die dasige Kapelle damit in Verbindung zu setzen seyn?? Die Geschichte schweigt; aber wo der Mensch und Menschenwerk vergeht, bleibt sich immer gleich die Natur. Noch stehen nach Jahrhunderten die hohen Berge umher, und noch liegt das Dörfchen verborgen in ihrem Schatten, noch ragt – wie eine ältere Beschreibung von Öschingen durch einen friedlichen Pastor (Ulrich Bollinger) sagt, gleich dem zweyspitzigen Parnassus, der Roßberg, seine Firne bis zum Himmel erhebend, empor, noch bringt die wohl fruchtbare | Erde ihre Früchten im stillen Thale, noch weht die milde Luft, noch weilt die Ruhe des Lebens hier im friedlichen Dörfchen, während der Menschen Geschlechter, und ihrer Hände Werke im Strome der Zeit spurlos hinabgeschwommen sind [2].



  1. Früher hatte der Staat auch den Weinzehnten zu beziehen, die Weinberge sind nun aber ausgerottet. A. d. H.
  2. Nordwestlich von Öschingen liegt der Fürstberg, worauf einst die Herren von Fürst, Fyrst, Virst, ihren Sitz hatten. S. 38. Von ihrem Schlosse, das auf dem jetzt noch davon genannten Schlößlesbuckel stand, sind nur noch Gräben und Wälle übrig, welche mit Gras überwachsen und mit Obstbäumen bedeckt sind, obgleich dasselbe erst im J. 1756 abgebrochen worden ist. Das Geschlecht gehörte zum niedern Adel, viele davon waren in würt. Diensten. Daß sie Öschingen besessen haben, ist wahrscheinlich; gewiß aber ist, daß sie sonst ansehnliche Besitzungen hatten. Ums J. 1075 stiften die Brüder Burkard und Hesso von First Güter zu Schwalldorf an das Kloster Hirschau, Cod. Hirs. Fol. 30 b. Crafft von Fürst steht als Zeuge in der Verkaufsurkunde von Gönningen vom J. 1300. Von dieser Zeit an kommen die Fürst in einer Menge von Urkunden vor. 1473 verkaufte Conrad von Fürst die Burg Hölenstein mit den Dörfern Stetten und Herschwag (im Lauterthal). S. Beschr. d. OA. Reutlingen. S. 147. Im J. 1514 schickte die Stadt Tübingen dem Herzog Ulrich 500 Mann unter der Hauptmannschaft des Ernst von Fürst gegen die Aufrührer im Remsthale zu Hülfe. Sattler Herz. I. S. 169. Dieser Ernst wohnte in seinem eigenen Freyhause zu Tübingen, wo auch schon seine Vorältern die meiste Zeit gewohnt hatten. Steinhofers Chron. IV. 134. Zu Tübingen starb auch 1560 Hans Conrad von Fürst. Von dieser Zeit an verschwindet die Familie. A. d. H.
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