Beschreibung des Oberamts Saulgau/Kapitel A 6

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VI. Nahrungsstand.

1. Vermögen.


Über den Bestand und die Vertheilung des Vermögens, das hier in Betracht kommen kann, gibt die Tab. IV. Auskunft.

Der Geldwerth desselben beträgt nach dem früher angenommenen Maaßstabe:

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 1) Von dem Grundeigenthum 9.512.248 fl.
 2) Von Gebäuden 2.451.975 fl. [1]
 3) Von Vieh 527.723 fl.
12.491.946 fl.
 Davon kommen auf den Staat:
 Grundeigenthum 35.279 fl.
 Gebäude   35.200 fl.
70.479 fl.
 Das steuerbare Vermögen beträgt an:
 Grundeigenthum 9.391.113 fl.
 Gebäuden   2.101.575 fl.
11.492.688 fl.
 Davon kommen auf die Königl. Hof-Domainenkammer:
  ohne Lehen 299.350 fl.
 Gebäude (ohne Schloßgebäude) 49.810 fl.
Einschließlich dieses und des grundherrschaftlichen Besitzes (s. Tab.) kommen auf 1 Einwohner:
 ohne Vieh 582 fl.
 mit Vieh 609 fl.

Der Vermögensstand der Einzelnen ist im Allgemeinen gut, und das Oberamt kann zu den wohlhabendern Theilen des Königreichs gerechnet werden. Zu den wohlhabendensten Orten gehören die Gräflich Königseggischen und theilweise die der Göge. Als besonders wohlhabend zeichnet sich sowohl in Rücksicht auf Gemeinde- als auf Privatvermögen der Ort Jetkofen aus. Sehr leidend ist dagegen noch von frühern Zeiten die Gemeinde Blönried. Auch gehören die Einwohner der 3 Städte im Durchschnitte nicht zu den wohlhabendern.


2. Wirthschaft.
A. Landbau und Viehzucht.
a. Gewinnung von Mineralien.

Eisenerze wurden sonst in der Gegend von Scheer gegraben und gewaschen, und auf das Sigmaringische Eisenwerk im Lauchartthale geliefert. In neuern Zeiten steht diese Beschäftigung stille.

Steinbrüche befinden sich in dem Jurakalk, zu Blochingen und Scheer. Sie sind bedeutend, und die Steine aus denselben werden weithin geholt, und theils zum Brennen, theils zum Bauen verwendet. Dagegen liegen die Sandsteinlager, | welche bey geeignetem Bau vermuthlich sehr brauchbare Werksteine liefern würden, unbenutzt, und auch die in denselben angelegten herrschaftlichen Steinbrüche zu Sießen und Königseckwald sind wieder eingegangen, ersterer, aus welchem das Kloster Sießen erbaut worden, schon vor langer Zeit aus demselben Grunde, wie der Steinbruch des vormaligen Klosters Heiligkreuzthal zu Binswangen, nämlich wegen Streitigkeiten mit den Schirmsherren.

Sand- und Kiesgruben befinden sich mit Ausnahme der südlichen Gegend von Altshausen fast überall. Die Kiesgruben liefern das Material zum Straßenbau, und größtentheils auch zum Hochbauwesen.

Erden. Der häufig vorkommende Thon wird von den Zieglern und Häfnern gegraben; da aber nirgends ein feuerfester Thon sich findet, so ist sein Gebrauch für letztere nur beschränkt. Dagegen findet die oben erwähnte sogenannte Glasurerde starken Abgang.

Torfstiche sind fast überall angelegt, und es ist bemerkenswerth, daß dieselben, trotz des großen Reichthums an Waldungen, den das Oberamt hat, doch immer bauwürdig erfunden werden. Die Haupttorfstiche sind die zu Mengen, Ölkofen, Saulgau, Pfrungen und der hofkammerliche Torfstich zu Hochberg. Das Tausend Stück hat einen Preis von 1 fl. 30 kr. bis 2 fl.

b. Pflanzenbau.
1) Zustand des Feldbaues im Allgemeinen.

Der Flächenraum des gebauten und ungebauten Landes sowohl im Ganzen, als von den einzelnen Markungen, die Eigenthums- und die Ertragsverhältnisse und das Verhältniß zur Bevölkerung und zum Viehstand ist aus den Tabellen zu ersehen[3].

| Das Verhältniß des ungebauten Landes zum gebauten ohne Einrechnung der Waldungen, ist = 1 : 43, weit das günstigste Verhältniß unter allen bisher beschriebenen Oberämtern, das Verhältniß der Waldungen zum ganzen Areal des Oberamts = 1 : 39/10.

Das Verhältniß nach den verschiedenen Bauarten ist:

Gärten und Länder 1     
Äcker 31,8
Wiesen 16,6
Waldungen 18   

Im Ganzen kommen auf 1 Menschen 59/10 Morgen gebautes und ungebautes Land; das Verhältniß steigt von 21/2 Morgen (Saulgau und Mengen) bis auf 26 Morgen und drüber. S. Tab.

Das Grundeigenthum des Oberamts zerfällt in 49.710 Parzellen; die Vertheilung bey den einzelnen Orten weist die Tabelle nach.

Seit 40 Jahren hat die Landwirthschaft außerordentliche Fortschritte gemacht, und es ist dieselbe insbesondere von der Fürstlich Thurn und Taxischen Herrschaft sehr gefördert worden. Wie sehr sich der Fürstliche Oberamtmann Clavel zu Scheer in und außer seinem Amtsbezirke um die Landwirthschaft, durch Anbau der Riede, Vertheilung der Allmanden, Aufhebung der Weiden, Einführung des Futterkräuterbaues und der Stallfütterung etc. verdient gemacht habe, ist schon bey Riedlingen gerühmt worden. Auf gleiche Weise ist in neuern Zeiten die Landwirthschaft auch in der Standesherrschaft Königseck vervollkommnet worden, und welche Aufmunterung und Unterstützung dieselbe durch die Gnade des Königs neuerlich in dem hofkammerlichen| Bezirke gefunden hat, ist bekannt. Auch einzelne Orte und Landwirthe sind nicht zurückgeblieben. Auf Betrieb des Stadtschultheißen Bollstetter in Saulgau ist vor einiger Zeit das Saulgauer Ried, das vorher ein nutzloser Sumpf war, trocken gelegt und vor der Hand wenigstens für die Gewinnung von Torf und Gras nutzbar gemacht worden. Unter den einzelnen Landwirthen wirkt insbesondere auch der Domänenpächter Stockmaier zu Lichtenfeld, ein Zögling der Hohenheimer Anstalt, dem der König zur Beförderung der Landwirthschaft drey hofkammerliche Höfe bey Altshausen in einem herabgesetzten Pachte überlassen hat, wohlthätig durch Rath und Beyspiel. Im Allgemeinen steht die Landwirthschaft auf einer höheren Stufe, und wird mit mehr Einsicht betrieben, als man gemeiniglich dafür hält. Damit soll jedoch nicht gesagt seyn, daß sie nicht noch mancher Verbesserung fähig wäre. Es steht ihr namentlich in den sumpfigen Niederungen noch ein weites Feld zur Bearbeitung offen. Neben den, jedoch nicht unübersteiglichen, Hindernissen, welche hier die Natur in den Weg legt, besteht ein Haupthinderniß der Cultur in den allzugroßen Lehenshöfen, und in dem Mißverhältnisse der Bevölkerung und des Viehstandes zu der Grundfläche. Unter den Abgaben wirken, wie gewöhnlich, die Theilgebühren, Landgarben am nachtheiligsten. Überall, wo diese abgelöst, oder in ständige Gülten verwandelt sind, zeigt sich die wohlthätige Wirkung, daß der Acker viel besser, als vorher gebaut und nicht mehr als Stiefkind behandelt wird.

Das Mißverhältniß des Rindviehstandes und der daraus entstehende Mangel an natürlichem Dünger ist Ursache, daß an einzelnen Orten, selbst zu Friedberg, die Felder noch gebrannt werden. Sonst wird fast überall der Gyps viel angewendet, und aus weiter Ferne, von Rottenburg, Rangendingen, Schafhausen etc. hergeholt. Wo es Mergel gibt (s. o.) wird auch dieser benutzt. Zu Saulgau, Herbertingen u. a. O. wurden neuerlich auch Versuche mit Knochenmehl gemacht; sie fanden aber, hauptsächlich wegen der häufigen

| Verfälschung, wenig Beyfall. Der natürliche Dünger wird sorgfältig, und sorgfältiger, als in den benachbarten Oberämtern Riedlingen und Ehingen, behandelt. Fast aller Orten trifft man gut angelegte Dungstätten und Gillen-Einrichtungen an.

Die Güter sind, mit Ausnahme der 3 Städte, fast überall Lehengüter, und in der Regel noch Falllehen. Dadurch erhält sich auch das Vereinödungssystem, das in einem großen Theile des Oberamts, namentlich in den Gemeinden Boms, Eichstegen, Geigelbach, Guggenhausen, Hüttenreute und Schindelbach, auch zu Hochberg und Haid, theils mit theils ohne Vertheilung der Wohnplätze statt findet. Die Vertheilung der letztern besteht größtentheils von alten Zeiten her.

Die Preise der Güter stehen in den Orten, wo freyes Eigenthum ist, noch ziemlich hoch. Zu Saulgau z. B. gilt 1 Morgen Acker 30–300 fl., Wiese 100–400 fl., zu Scheer, Mengen 1 Morgen Acker 100–300 fl., Wiese bis 500 fl.

Der Reinertrag von 1 Morgen Land beträgt nach der 1826 herabgesetzten Kataster-Einschätzung ohne Zehnten 3 fl. 39 kr., und zwar von

Gärten 10 fl. 48 kr. Wiesen 5 fl.  
Äckern                4 fl. 24 kr. Wald 1 fl. 4 kr.
 
Demnach würde, nach den früheren Berechnungen, der Capitalwerth ausmachen, von 1 Morgen
Garten 216 fl. Wiesen 111 fl.
Äcker 112 fl. 40 kr. Wald   21 fl. 20 kr.
Im Durchschnitt 83 fl. 30 kr.

Das Grundkataster des Oberamts, das bey dem Steuerprovisorium zuerst auf 438.216 fl. berechnet wurde, ist nun in Folge der Revision von 1826 auf 392.857 fl. herabgesetzt.


2. Einzelne Culturarten.
a. Ackerbau.
Die Bewirthschaftung ist, der vielen geschlossenen| Güter ungeachtet, die gewöhnliche Dreyfelderwirthschaft. Eine Ausnahme davon macht die Gräflich Königseggische Domäne Watt; auch hat der Domänenpächter Stockmayer in Lichtenfeld neuerlich theilweise einen andern Wechsel eingeführt. Das Brachfeld wird im Ganzen ungefähr zu 2/5 eingebaut, einzelne Orte und Bezirke, wie z. B. Saulgau, die Göge haben wenig oder gar keine Brach, in andern dagegen, wie zu Bierstetten, Renhardsweiler und auf den großen Lehenhöfen bleibt sie fast ganz oder größtentheils ungebaut liegen. Wechselfelder hat nur noch Eratskirch und auch dieses nur 153/4 Morgen; außerdem hat Pfrungen ein Feld von ungefähr 110 Morgen, das nach zweijährigem Anbau wieder 3 Jahre ungebaut liegen bleibt. Das Feld wird mehr mit Pferden, als mit Ochsen gebaut, in den Städten und von den Kleinbauren werden häufig auch Kühe eingespannt. Die Einspannung des Rindviehes geschieht, wie fast in ganz Oberschwaben nicht mit Jochen, sondern mit Kummten. Gemeiniglich ziehen 4 Thiere an dem Pfluge. Der Pflug ist der gewöhnliche, mit Ausnahme der Gegend von Lichtenfeld, wo der durch den Pächter zu Lichtenfeld eingeführte Flammänder (nicht Brabanter) Pflug schon sehr häufig ist, und mit dem günstigsten Erfolge, besonders in Hinsicht auf Ersparniß an der Bespannung gebraucht wird. Er wird in Ebersbach sehr gut verfertigt. Die Frucht wird in der Regel gemäht und nicht geschnitten, und wie der oberschwäbische Bauer überhaupt auf Ersparung von Menschenhänden und von körperlicher Anstrengung bedacht ist, so wird in einem großen, besonders dem südlichen Theile, des Oberamts auch nicht gedroschen, sondern die Frucht durch Pferde oder Ochsen ausgetreten. Die Culturgegenstände sind: Getreide, und zwar Dinkel (Veesen), Gerste, weniger Roggen und Haber; in der nördlichen Hälfte des Oberamts insbesondere wird sehr wenig Haber gebaut, dagegen desto mehr Gerste, Sommer- und Wintergerste, die besonders in der Gegend von Mengen, wo man häufig eine eigene Spielart, Spiegelgerste genannt, findet,| vortrefflich geräth. In der südlichen Hälfte und auf den Bergen wird wieder mehr Haber als Gerste; in der Gegend von Scheer und an einigen andern Orten auch Türkischer Waizen[ws 1] gebaut.

Hülsenfrüchte: wenig, Erbsen fast gar nicht, mehr noch Wicken und Linsen, besonders in dem Bezirke Geigelbach als Gegenstand des Brachbaues.

Welschkorn[ws 2]: selten, etwas weniges wird zu Mengen gebaut.

Kartoffeln: in der Brach überall, ebenso Kraut; Kohlraben und Rüben dagegen wenig. Die Göge pflanzt die sogenannten Stupfelrüben; besonders gut gerathen an vielen Orten, namentlich zu Moosheim, die Rettige.

Räps und zwar meist Rübenräps, Winterrübsen ist ein allgemein verbreiteter Culturzweig.

Mohn im Kleinen zu Scheer, Saulgau, Sießen, Lichtenfeld etc

Flachs und Hanf: gleichfalls in der Brach, in allen Gegenden, Hanf neuerlich mehr, als Flachs; er geräth sehr gut, besonders zu Altshausen und in der Gegend, der Flachs ist dagegen seit einiger Zeit alle Jahr schlechter geworden.

Hopfen wird neuerlich an mehreren Orten, mit dem besten Erfolge zu Saulgau von dem Stadtschultheißen Bollstetter und zu Altshausen von dem Bräumeister Menz gepflanzt, weil er hier die beste Behandlung findet. Letzterer gewinnt bereits seinen ganzen Bedarf für seine ansehnliche Brauerey und behauptet, daß das Erzeugniß dem besten ausländischen Hopfen nicht nachstehe.

Mit Tabak, Wau[ws 3], Waid[ws 4] und Kartendisteln[ws 5] wurden neuerlich in Scheer gelungene Versuche gemacht.

Im Allgemeinen ist der Anbau der sogenannten Handelsgewächse, wenn man den Räps nicht hierher rechnet, noch sehr zurück, und wird es bey dem Stande der Bevölkerung auch wohl noch lange bleiben, da derselbe immer| mehr Geschäft macht, als der Getreidebau, und als der große Bauer liebt.

Der Futterkräuterbau besteht hauptsächlich und fast allein in dem großblättrigen Klee. In der Gegend von Mengen wird statt Klee viel Wickenfutter, weiter hin ein Gemenge von Haber, Gerste und Wicken gebaut. Im Ganzen ist dieser so wesentliche Culturzweig noch nicht sehr hoch getrieben, am weitesten ist er in der Göge vorgerückt.

Aussaat und Ertrag ist so ziemlich den Donaubezirken des Oberamts Riedlingen gleich. S. Riedlingen S. 51. Der Ertrag beym Dinkel läßt sich im Durchschnitte auf 6 Scheffel von 1 Morgen annehmen.

Nach den für die Katastereinschätzung des Ackerfelds gelieferten Angaben beträgt der jährliche Rohertrag derselben,

in Geld 557.231 fl. 19 kr. [4]  
der Productionsaufwand 428.686 fl. 54 kr.
der Reinertrag 128.544 fl. 25 kr.
hiezu der reine Brachertrag   44.489 fl.   8 kr.
thut 173.033 fl. 33 kr.
Die Wirkungen des Katastergesetzes
erhöhen den Reinertrag auf
 
219.239 fl. 49 kr.

Wird zu der Summe von 557.231 fl. 19 kr. 1/12 derselben für den Zehnten, und der Werth von 4 Sch. Frucht (à 2 fl. 45 kr.) für jeden der 6925 Morgen, welche jährlich in der Brache gebaut werden, geschlagen, so erscheint ein roher Geldertrag des Ackerfelds von 679.842 fl. 14 kr.; zieht man nun von diesem Rohertrag ausschließlich des Betreffs für die in der Brache gebauten Äcker, aber einschließlich des Zehentens (= 603.667 fl. 14 kr.) den Betrag des Strohs mit 2/9 ab, so kommt, den Scheffel Frucht zu 2 fl. 45 kr. gerechnet, ein Körnerertrag von 170.734 Scheffeln gerade so viel, wie bey Riedlingen heraus.

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b. Gartenbau

im engern Sinne gibt es wenig im Oberamte; er beschränkt sich auf die eigenen Bedürfnisse an Gemüssen und den nothwendigsten Küchengewächsen, welche auch in den Ländern oder in den willkürlich gebauten Äckern gepflanzt werden. Eine der häufigsten, nicht ganz gewöhnlichen Gemüsegattungen darin ist der Blumenkohl. Eine schöne Gartenanlage ist mit dem Gräflichen Schlosse zu Königseckwald verbunden, auch befinden sich zu Scheer und Altshausen schöne herrschaftliche Gärten, die aber seit längerer Zeit verpachtet sind. Bey den Städten findet man wenig Gartenliebhaberei, einige bübsche Privat-Blumengärtchen hat Altshausen. Der Reinertrag der steuerpflichtigen Gärten und Länder macht nach dem Kataster 13.831 fl. 7 kr.

c. Wiesenbau.

Die Wiesen sind größtentheils und weit über die Hälfte einmähdig. Die Ursache davon liegt theils in den großen sumpfigen Rieden, theils aber auch darin, daß dem Wiesenbau zu wenig Fleiß und Aufmerksamkeit gewidmet ist. Es wird deßwegen nicht nur viel sehr geringes, sondern auch, besonders da der Futterkräuterbau noch nicht überall hinlänglich stark betrieben wird, zu wenig Futter erzeugt, um einen mit der übrigen Grundfläche im Verhältniß stehenden Viehstand zu unterhalten. Das Trocknen des Futters hauptsächlich des Klees an Stangen, oder sogenannten Hainzen ist, besonders in den südlichen Gegenden schon lange üblich.

Der Rohertrag der steuerbaren Wiesen macht nach dem Cataster in Geld 215.063 fl. 32 kr., somit der Centner zu 36 kr. gerechnet, in Natur 358.438 Ctr., dazu 1/20 für den Zehnten gerechnet, macht der ganze Ertrag 225.316 fl. 42 kr. oder 375.528 Ctr. Der Reinertrag läuft im Cataster mit 126.317 fl. 30 kr.; nach den für die Einschätzung gelieferten Angaben betragen aber die Productions-Kosten nur 63.640 fl. 9 kr., mithin jener 25.105 fl. 53 kr. weiter,| und somit 151.423 fl. 23 kr. Umgekehrt wirkt die Berechnung bey Riedlingen.
d. Weinbau und Obstzucht.

Weinbau findet nicht in dem Oberamts-Bezirke statt; man hat aber Spuren, daß er ehemals zu Scheer versucht worden ist. S. Klima. Die Obstzucht ist im Ganzen auch nicht von großer Bedeutung. Das nebliche Klima ist ihr, in den Niederungen wenigstens, nicht sehr zuträglich. Besser kommt es auf den Höhen fort, und in der südlichen Hälfte des Oberamts mehr, als in der nördlichen. Übrigens hat in neuern Zeiten die Obstbaumzucht sehr zugenommen, und es haben insbesondere der Fürstlich Thurn und Taxische Oberforstbeamte Freyherr von Aichner zu Sießen und der Stadtschultheiß Bollstetter in Saulgau Muster von schönen Pflanzungen aufgestellt. Auch die Straßen sind fast überall mit Obstbäumen besetzt, wo sie meist ein schönes Gedeihen verrathen. In wenigen Orten ist es indeß bis jetzt so weit gekommen, daß auch gemostet wird. Dagegen findet man viele auserlesene Obstgattungen sowohl von Kernobst, als von Steinobst, auch die Aprikosen und Pfirsiche fehlen nicht; von letztern findet man namentlich auch zu Sießen die feinsten Arten. Zu Scheer, Mengen, Blochingen, Beizkofen, Hoßkirch, Heudorf, Königseckwald sind seit neuerer Zeit auch Baumschulen, besonders Kinderbaumschulen zum Unterricht der Schuljugend angelegt. In der städtischen Baumschule zu Mengen befindet sich dermalen ein von dem Schullehrer Beizenauer daselbst gepflanzter Vorrath von 8000 veredelten und 20.000 aus dem Kern gezogenen jungen Bäumen beysammen. Diese Pflanzschulen dürften um so mehr zu empfehlen seyn, als der Freyherr von Aichner nach mancherley kostspieligen Versuchen mit französischer und anderer auswärtiger Zucht die Erfahrung gemacht hat, daß nur der auf eigenem Boden aus dem Kern erzogene Baum ein sicheres Gedeihen gewährt.

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e. Waldbau
[5].
Größe und Beschaffenheit.

Das Oberamt enthält nahe an 30.000 Morgen Waldungen. Das Verhältniß der Waldfläche zu dem ganzen Flächenraum ist wie 1 : 39/10, in einem Bezirke, der kein eigentliches Gebirg hat, und wo die Waldungen meist eben liegen, ein sehr starkes Verhältniß. Die Hälfte der Waldungen ist grundherrschaftlich, 1/3 körperschaftlich, ungefähr 4500 Morgen sind Privateigenthum, nur 255 Morgen gehören dem Staat, und auch von diesen sind neuerlich zu Fulgenstadt 75 Morgen verkauft worden. Von den grundherrschaftlichen Waldungen gehören 5918 Morgen der Königl. Hofkammer, Thurn und Taxis und Königsegg-Aulendorf, die übrigen sind unter die beyden Standesherrn vertheilt.

Nahe an 2/3 der Waldungen bestehen in Nadelholz, die übrigen sind Laubholz- und gemischte Waldungen. Sowohl die klimatischen als die Bodenverhältnisse sind im Allgemeinen zuträglich, und im Ganzen nehmen die Waldungen den besten Boden des Oberamtes ein, der sich vor dem Feldboden besonders durch einen reichen Humusgehalt auszeichnet. Es herrscht deßwegen darin auch ein außerordentlich üppiges Wachsthum. S. 41. In klimatischer Beziehung wirken nur die Frühlingsfröste und häufige Sturmwinde öfters nachtheilig auf die Waldungen. Die Sümpfe sind in neuerer Zeit durch Fleiß und Kunst größtentheils entwässert worden. Am wenigsten günstig sind die Bodenverhältnisse dermalen noch in dem zwischen Altshausen und der Schussen liegenden Gemeindebezirke Blönried, wo die Waldungen großen Theils entweder Moorgrund haben, oder an Versumpfung leiden. Der Zustand der Waldungen ist im Allgemeinen gut. Hier und da zeigen sich freilich noch die Folgen einer frühern planlosen Femelwirthschaft, zu deren Nachtheilen sich noch ein| rücksichtlos ausgeübtes Weiderecht gesellte, wie dieß namentlich in dem Weidhardtswalde der Stadt Mengen sich zeigt.
Bewirthschaftung.
Mit Ausnahme der auf dem linken Ufer der Donau bey Scheer und Heudorf gelegenen Waldungen, die zum größern Theil aus Niederwaldungen bestehen, sind fast alle übrigen Hochwaldungen, und der Niederwaldbetrieb findet nur ausnahmsweise statt. Die Waldungen auf dem linken Donauufer bestehen hauptsächlich theils in schönen reinen Buchenbeständen, theils in vorzüglichen Birkenbeständen mit Eichen vermischt. Jenseits der Donau sind Nadelholzbestände von Rothtannen mehr oder weniger mit Kiefern, auch Weißtannen, so wie mit Buchen und Eichen vermischt, vorherrschend. Buchenbestände sind dort selten, die meisten finden sich noch um Altshausen. Indessen liegt es außer Zweifel, daß ein großer Theil der Nadelholzbestände in ältern Zeiten Buchwaldungen waren, und nur durch fehlerhafte Behandlung, die man jetzt theilweise wieder gut zu machen sucht, mit Nadelholz bestockt wurden. Auch scheint die Weiß- oder Edeltanne, die hier ein vorzügliches Gedeihen zeigt, ehemals viel mehr verbreitet gewesen zu seyn, als sie es jetzt ist. Reine Eichenbestände sind ganz selten, der einzige von Bedeutung (230 M.) findet sich zwischen Altshausen und Ebersbach. Aber es fehlt deßwegen nicht an Eichenholz, und fast überall findet man einen schönen Nachwuchs. Die frühern Versuche mit dem Anbau exotischer Holzarten haben im Ganzen wenig entsprochen; selbst der heimathlichere Lerchenbaum gedeiht, nach den Beobachtungen des Freyherrn von Aichner zu Sießen, nur bis zum 30. höchstens 40. Jahre zunehmend; günstigere Erfahrung will man jedoch in den hofkammerlichen Waldungen gemacht haben. Dagegen soll die Weihmuthskiefer und die Burgundereiche ganz vortrefflich gedeihen. In der Absicht, früher Früchte zu erzielen, wurde in den Taxischen Waldungen der Versuch gemacht, mit der Burgundereiche durch Pfropfen, Oculiren| und Copuliren andere junge Eichen zu veredeln. Überhaupt wird in den Fürstlich Thurn und Taxischen Waldungen sehr viel auf künstliche Culturen verwendet.

Die zweckmäßigere und aufmerksamere Behandlung der Forste, die theilweise Verminderung des Wildstandes mit Ausnahme des Rehwilds, die Einführung der Stallfütterung und Beseitigung der Waldweiden, die Verbannung der Femelwirthschaft, die Beschränkung der Holzconsumtion durch strengere Ordnung in der Behandlung der Holzberechtigten etc. haben in neuern Zeiten sehr vortheilhaft auf den Zustand der Waldungen gewirkt. So weit es die Folgen der frühern Femelwirthschaft gestatten, und mit Ausnahme der in der Regel kleinen Privatwaldungen, bey denen, wenn die Besitzer ein jährlich gleiches Nutzungsquantum ziehen sollen, wie ihnen von den aufsehenden Forstbehörden aus Mißverstand der Verordnungen, fast überall zugemuthet wird, eine andere Bewirthschaftungsart nicht möglich ist, besteht jetzt überall eine ordentliche Schlagwirthschaft mittelst Führung von Saamenschlägen.

Die Umtriebszeit ist nach Beschaffenheit der Lage und des Bodens und nach der Verschiedenheit der Waldeigenthümer bey den Nadelholz-Hochwaldungen sehr verschieden, von 60 bis auf 100 Jahre; die Fürstlich Thurn und Taxische Forstverwaltung hat für gut gefunden, dieselbe sogar bis auf 120 Jahre zu verlängern. Weniger Verschiedenheit findet bey den übrigen Waldungen statt, deren Umtriebszeit bey Eichwaldungen gemeiniglich zu 130 bis 200 Jahre, bey den Buchen und gemischten Waldungen zu 70 bis 90 Jahren und bey den Niederwaldungen zu 25 bis 30 Jahren angenommen wird.

Der jährliche Holzzuwuchs oder Ertrag von 1 Morgen wird bey den Nadelholzwaldungen zu 2/3 bis 1 Klafter, bey den Eichen- und Buchen-Hochwaldungen zu 1/2 bis 3/4 Klafter und bey den Niederwaldungen (Birken, Erlen etc.) zu 1/3 bis 1/2 Klafter angenommen.

Unter den Forst-Nebennutzungen sind nicht unbedeutend:| die Gewinnung von Nadelholzsaamen, von Harz und Theer, von Eichen-, Erlen- und Fichtenrinde. Das Harzen findet in den Fürstlich Thurn und Taxischen Waldungen, und da, wo, wie in den vormals Kloster Baindtschen Waldungen, in der Schultheißerey Geigelbach, ältere Verträge oder Herkommen ein Recht dazu geben, statt; Theer wird in der Gegend von Altshausen viel bereitet. Auffallend ist dabey daß die in den Rieden aufgewachsenen Forchen viel weniger zur Theerschwellerey taugen, als die von trockenen Plätzen. Berechtigungen auf Forst-Nebennutzungen, als Weide, Laub, Gras etc. finden wenig oder gar keine mehr statt. Dagegen sind die Berechtigungen auf die Hauptnutzung desto bedeutender, und es haben namentlich alle Grundholden bestimmte Brennholzgaben, und der größere Theil der Falllehens-Besitzer auch theils alles benöthigte Bau- und Sägholz, theils nur jenes unentgeldlich zu fordern. Überdieß besitzen viele Gemeinden, namentlich fast alle Thurn und Taxischen, sogenannte Gerechtigkeits-Waldungen; andere dagegen Gemeinde-Waldungen[6].

Unter diesen Umständen sind auch Holz- und andere Forstfrevel sehr selten. Aus demselben Grunde findet auch wenig Verkehr mit Holz im Innern des Oberamts statt. Dagegen wird, besonders aus den der Donau näher gelegenen Waldungen, viel Bau- und Brennholz über die Grenzen, Bauholz besonders auf die benachbarte Alp, und Brennholz verkohlt auf die Fürstlich Sigmaringischen Eisenwerke Lauchartthal und Thiergarten, abgesetzt.

Der Preis eines aufgemachten Klafters Brennholz im Walde, in der Gegend von Altshausen, ist: Tannenholz| 4 fl. 20 kr., Buchenholz 6 fl. 30 kr. Etwas höher stehen die Preise näher an der Donau.

Herr von Aichner schließt den von ihm für diese Beschreibung gefälligst mitgetheilten Aufsatz mit folgenden wesentlichen Bemerkungen.

Die Waldungen des Oberamts Saulgau erzeugen jetzt schon ungleich mehr Holz, als das eigene Bedürfniß erfordert, und dieser Überschuß wird noch in dem Verhältniß zunehmen, als die neuern vollkommenern Holzbestände zur Nutzung kommen. Die zunehmende Bevölkerung wird diesen neuen Überschuß um so weniger aufwägen, je mehr der sonst fast an Verschwendung gränzende Holzverbrauch durch Kunstheerde, verbesserte Feurung etc. und hauptsächlich durch zweckmäßige Benutzung des so häufig vorhandenen Torfs beschränkt werden wird, und auch jetzt schon beschränkt wird.

In einer Gegend, wo, wie in der diesseitigen, der Ertrag und Werth von den besten Wäldern der Nutzung von der gleich geeigneten Acker- und Wiesenfläche nachsteht, ist es weder staats- noch forstwirthschaftlich, der Holzzucht eine größere Fläche, als der eigene Bedarf erfordert, einzuräumen. Darum haben auch in dem diesseitigen Forstverwaltungsbezirke unterstützt von der Regierung, im letzten Jahrzehend mehr Waldausstockungen stattgefunden, als vorher in 50 Jahren. Aber immer ist die Waldfläche des Oberamts (wenigstens) noch um 1/6 zu groß. Nicht eine unbedingte und unverhältnißmäßige Größe, sondern wesentlich der vollkommenere Bestand der Wälder bestimmt ihren wirklichen Werth und Nutzen. Der Forstwirthe wichtigste Aufgabe ist und bleibt immer: auf der nicht im Überfluß gegebenen und keiner bessern Benutzung entzogenen, geeigneten Waldfläche in Quantität und Qualität den höchst möglichen Holzertrag zu erzeugen.

Der Reinertrag von 1 M Wald beträgt nach dem Kataster 1 fl. 4 kr., und von der ganzen steuerbaren Waldfläche 31.301 fl. 20 kr., der Rohertrag 93.904 fl.

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f. Weidewirthschaft.

Seit 1781, wo die Vertheilung der Allmanden und Weideplätze und die Einführung der Stallfütterung in dem diesseitigen Bezirke zuerst begonnen hat, sind die Weiden allmählig fast überall aufgehoben, und auf die Herbstweiden beschränkt worden. Nur Mengen hauptsächlich hat, wie die Tabelle zeigt, noch eine besondere Viehweide, nachdem es sich schon in frühern Zeiten einer bessern Benutzung derselben hartnäckig wiedersetzt hat. S. Mengen. Scheer, Friedberg und einige andere Taxische Orte haben noch Waldweide.

Die Schafweiden sind unbedeutend, und der regelmäßig verpachteten nur wenige. Abgesehen davon, daß der Boden in der Regel sich nicht sehr dafür eignet, haben die Einwohner schon frühe sich überzeugt, daß die Schafweidewirthschaft mit dem Brachbau und einer gesteigerten Landwirthschaft schwer sich verträgt. Nach dem Kataster sind sämmtliche Weiden mit nicht mehr als 2226 Stück beschlagen, und der Ertrag der Weiden ist darin zu 1796 fl. angeschlagen. Die Weiden beschränken sich lediglich auf das Brach- und Stoppelfeld, das in den meisten Orten von den Gemeinde-Angehörigen selbst benutzt wird. In den Gräflich Königseggischen Orten hat die Grundherrschaft das Schafweiderecht, und übt es mit eigenen Schafen aus; in den hofkammerlichen Orten hat die Königl. Hofkammer das Weiderecht auf eine bestimmte Anzahl von Schafen, und bezieht dafür von den Gemeinden ein jährliches Aversum.

Der ganze Rohertrag von dem steuerbaren Grund und Boden beträgt, von

Äckern       679.842 fl. 14 kr.  
Gärten und Länder              36.882 fl. 56 kr.
Wiesen       225.316 fl. 42 kr.
Wald         93.904 fl.
Weide           1.796 fl.        
     1.037.741 fl. 52 kr.
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c. Viehzucht.

Pferdezucht. Sie ist, wie überhaupt in den Donaugegenden, sehr ansehnlich. Das Oberamt zählt 3271 Stück Pferde, und im Verhältnisse zur Bodenfläche und zur Bevölkerung steht nur Riedlingen noch höher in der Zahl. Die Pferde haben im allgemeinen ein gutes Aussehen, ganz gut und schön geformte Pferde sind jedoch wie fast überall selten, und durch den Mangel an Weiden ist ihre Ausbildung auch sehr erschwert. Indessen zeigen sich die Wirkungen der beabsichtigten Veredlung der Pferdezucht immer mehr.

Rindvieh. Der Rindviehstand gehört unter die zahlreichern des Donaukreises, er zeichnet sich insbesondere auch in der Zahl der Ochsen und Stiere aus, die sich hier auf 2203 Stück beläuft, während z. B. Riedlingen nur 827, und Ehingen sogar nur 209 Stück zählt. Indessen könnte und sollte der Stand im Verhältniß zur Grundfläche doch größer seyn; im Durchschnitt kommen auf 1 Stück Rindvieh 94/10 Morgen Land. Das meiste Rindvieh hat neben den meisten Pferden verhältnißmäßig die Göge, wo meist nur 4 Morgen Land auf 1 Stück kommen, weit das wenigste, und zugleich die wenigsten Pferde hat der Gemeinde-Bezirk Blönried, wo über 37 Morgen auf 1 Stück kommen.

Die Rindvieharten sind sehr verschieden, und fast überall findet sich ein Gemisch von allen Gattungen; ein eigener, einheimischer, reiner Schlag ist bis jetzt so wenig, als in der Pferdezucht irgendwo zu sehen. Im Allgemeinen stellt sich dem Beobachter nur der Unterschied heraus, daß bis Saulgau, und bis an die Wasserscheide, die auch in dieser Beziehung wieder theilt, das rothe, zartgebaute und hochbeinige Unterländer Vieh mit Blässen, von da an aber, in dem südlichen Theile des Oberamts-Bezirks, ein mehr untersetztes grobknochiges Vieh von mittlerer Größe und verschiedener Farbe vorherrschend ist. Das erstere wird von den unterländischen, das letztere von den oberländischen und Schweizer| Käufern vorgezogen. Neuerlich scheint der Montafuner Schlag, der neben dem Allgäuer in der südlichen Hälfte häufig gefunden wird, theils wegen Milchergiebigkeit, theils wegen seiner Mastfähigkeit den Vorzug zu erhalten.

Die Anschaffung und Unterhaltung der Farren geschieht auf verschiedene Weise, größere Bauern halten meist ihre eigene Farren, welche häufig auch von den kleinern benutzt werden.

Den Königl. Hofkammerorten sind in neuerer Zeit durch die Gnade des Königs Zuchtstiere unentgeldlich aus den Königl. Maiereien abgegeben worden, eine Wohlthat, deren Früchte sich von Jahr zu Jahr mehr zeigen. Einzelne schöne Viehhaltungen sieht man in der Gräflich Königseggischen Maierey zu Watt, bey dem Pächter zu Lichtenfeld, bey dem Freyherrn von Aichner zu Sießen etc.

Die Stallfütterung ist mit Ausnahme der 3 Städte überall, und theilweise auch in letztern eingeführt.

Mastung findet in den Gräflich Königseggischen Viehhaltungen zu Watt und Königseckwald, ferner in den Gemeinden Altshausen, Herbertingen, Hohentengen, Mengen, Saulgau und Scheer statt.

Käsereyen werden zu Watt, Hüttenreute und Bernhausen betrieben. Im Ganzen aber ist die Viehwirthschaft hauptsächlich auf die Zucht und auf den Verkauf des jungen Viehes berechnet.

Die Schafzucht ist gering, das Oberamt besitzt im Ganzen nur 1538 Stück Schafe, worunter sich 350 Stück spanische und 546 Stück Bastarde befinden. Zu Königseckwald und Ebenweiler bestehen übrigens noch 2 Gräflich Königseggische, zu Aulendorf gerechnete, Schäfereyen, auf deren Veredlung viel gesetzt wird.

Schweinszucht wird ziemlich stark in der südlichen Hälfte des Oberamts, besonders auf den einzelnen Höfen, wo ausgetrieben werden kann, betrieben. Dagegen findet man in der nördlichen Hälfte meist Baierschweine zur Mastung eingestellt. Eine Ausnahme macht hier hauptsächlich| Mengen, das eine bedeutende Schweinszucht hat, und auch nach außen verkauft[7]. In der Gegend von Altshausen findet man auch schon die Chinesischen Schweine; sie sind aber bey den Metzgern wegen ihrer dicken Häute nicht beliebt; dagegen schlägt die Kreutzung mit dem gewöhnlichen Landschweine sehr gut ein.

Ziegen sind selten in dem Oberamte, ihre Anzahl beläuft sich im Ganzen nur auf 159 Stück. Esel findet man gar keine.

Die Geflügelzucht ist ebenfalls von geringer Bedeutung; dagegen hat die Bienenzucht in neuerer Zeit zugenommen, so daß das Oberamt dermalen 2500 Bienenstöcke zählt.

Schneckengärten befinden sich keine in dem Oberamts-Bezirke. Aber in der Absicht, die Seidezucht einzuführen, ist im Jahr 1828 auf Betrieb des Amts zu Scheer eine Anzahl von Maulbeerbäumen dahin verschrieben worden.

d. Fischerey und Jagd.

Die Fischerey in den Flüssen und Bächen ist gering, dagegen wird sie in mehreren Weihern, namentlich zu Altshausen und in der dortigen Gegend noch künstlich betrieben. Die vorkommenden Fische sind oben schon genannt.

Die Jagd ist von Bedeutung, das Rehwild insbesondere ist in großer Menge vorhanden. Die Communwildschützen-Anstalt soll an vielen Orten in ziemlich beschränkter Wirksamkeit sich befinden. Das Jagdrecht ist ganz zwischen der Königl. Hof-Domänenkammer, dem Fürsten von Thurn und Taxis, dem Grafen von Königsegg-Aulendorf, dem Fürsten von Hohenzollern-Sigmaringen und der Stadt Saulgau vertheilt; zu Pfrungen gehört es theilweise noch Fürstenberg. Die hofkammerlichen Jagden und die der Stadt Saulgau sind dermalen| verpachtet, erstere zum Theil auch zur unentgeldlichen Nutznießung überlassen.


B. Kunst- und Gewerbsfleiß.
a. Hauptgewerbe.

Fabriken finden sich keine in dem Oberamte; der Betrieb der Handwerker ist, wie schon das Kataster zeigt, gering, und in der Regel auf den gewöhnlichen Bedarf beschränkt. Die Wollenarbeiter  – Tuchmacher, Strumpfstricker und Strumpfweber zu Saulgau und Mengen haben noch einigen Absatz nach Außen, gleichwohl ist der einzelne Gewerbebetrieb auch bey diesen beschränkt. Die Tuchmacher, deren Saulgau allein 17 zählt, liefern hauptsächlich gröbere Wollenzeuge, Flanelle, Boie, Friese u. dergl. Die gemeinsten Bedürfnisse, wie z. B. die runden Strohhüte, deren Gebrauch allgemein ist, werden von Außen aus Vorarlberg und dem badischen Schwarzwalde bezogen.

Im Ganzen zählt das Oberamt:

  M. G.     M. G.
Abdecker 4 M.   Lumpensammler 4  –
Barbierer 19  – 3 G.   Maurer 61  – 25  –
Bäcker 101  –   Melker 1  –
Buchbinder 5  –   Metzger 90  – 5  –
Büchsenmacher 4  –   Musiker 1  –
Büchsenschifter 2  –   Nagelschmiede 10  – 1  –
Bürstenbinder 4  – 1  –   Näherinnen 2  –
Caminfeger 5  – 1  –   Nonnenschneider 2  –
Dreher 11  –   Pfeiffenmacher 2  –
Färber 7  – 1  –   Rechenmacher 20  –
Feldmesser 1  –   Rothgerber 18  – 5  –
Fischer , 2  –   Säckler 11  – 1  –
Frachtfahrer 9  –   Sailer 25  – 6  –
Glaser 19  – 3  –   Sattler 29  – 2  –
Goldarbeiter 3  – 1  –   Scheerenschleifer 1  –
Goldsticker 1  – 1  –   Schirmmacher 1  –
Großuhrenmacher 3  –   Schlosser 27  – 2  –
Gürtler 3  –   Schnallenmacher 4  –
Hafner 14  – 5  –   Schneider 91  – 21  –
Harzbereiter 1  –   Schreiner 62  – 10  –
Hauderer 8  –   Schuhmacher 162  – 31  –
Hufschmiede 57  – 5  –   Seifensieder 5  –
Hutmacher 10  –   Siebmacher 4  –
Keßler 3  –   Steinhauer 1  –
Kiensalbesieder 1  –   Strumpfstricker 22  – 1  –
Kirschner 3  –   Strumpfweber 14  – 1  –
Kleinhändler 143  –   Theerbereiter 1  –
Kleinuhrenmacher           5  –   Tuchmacher 28  –
Knopfmacher 4  – 1  –   Tuchscheerer 2  –
Kohlenbrenner 3  –   Wachszieher 4  –
Korbmacher 2  –   Waffenschmiede 5  – 2  –
Kornmesser 1  –   Wagner 52  – 11  –
Kupferschmiede 3  –   Weißgerber 13  –
Kübler 5  –   Ziegler 10  – 12  –
Küfer 52  – 2  –   Zimmerleute 61  – 11  –
Leineweber 234  – 39  –   Zuckerbäcker 1  –
| Dazu kommen Apotheken 2, in Saulgau und Mengen, und eine Filial-Apotheke in Altshausen.

Wirthschaften: a) Schildwirthschaften 95 , b) Schenken 80.

Getränke-Fabriken: a) Bierbrauereien 47, b) Branntweinbrennereien 184.

Mühlen und Werke: Mahlmühlen 44, mit 156 Gängen, Öhlmühlen 13, Gypsmühlen 6, Sägemühlen 12, Schleifmühlen 2, Lohmühlen 3, Walkmühlen 2, Hanfreibmühlen 5, Hammerschmieden 1, Bleichen 1, Ziegelhütten 9. Eine Harzsiederey befindet sich zu Bolstern, Theerschwellereyen zu Stuben, Hoßkirch und Altshausen, Köhlereyen zu Bolstern, Hoßkirch u. a. O. Zu Altshausen wird auch Kiensalbe bereitet.

b. Nebengewerbe.
Sticken, Spitzenklöppeln und Spinnen sind die Nebenerwerbszweige des weiblichen Geschlechts. Die Stickerey wird stärker, als in irgend einem andern Oberamte, hauptsächlich in der nördlichen Hälfte des Oberamts betrieben. Sie besteht in Musselinstickerey für Schweizer Häuser, welche ihre Commissionäre, s. g. Stickherren in der Gegend, zu| Mengen, Heudorf, Ruelfingen u. a. O. haben. Zu Mengen findet auch Gold- und Seidenstickerey für s. g. Haubenplätze statt. Der Verdienst bey dieser Arbeit ist neuerlich sehr gering, die fleißigste und fertigste Stickerin arbeitet sich täglich kaum auf 8 kr. Aus diesem Grunde suchen die Vorgesetzten zu Scheer neuerlich das Spitzenklöppeln mehr zu vervollkommnen und zu verbreiten.

Das Spinnen ist, wie der Flachsbau, von geringer Bedeutung, es beschränkt sich in der Regel auf den Hausbedarf. Etwas mehr, als der eigene Bedarf erfordert, wird in der südlichen Hälfte des Oberamts, wo dagegen die Stickerey weniger stark betrieben wird, gesponnen. Es geschieht gemeiniglich auf eigene Rechnung. Das Gespinnste wird entweder gewoben, und als Leinwand, oder aber als Schneller verkauft. Das letztere ist das gewöhnliche.

Einzelne Personen finden auch einen kleinen Nebenerwerb in dem Einsammeln von Kräutern, Samen etc. Seitdem der Freyschütz und ähnliche Stücke auf den Bühnen an der Tagesordnung sind, findet insbesondere das Bärlappenmehl[ws 6] starken Absatz. Andere Nebenerwerbszweige sind aus der obigen Liste zu ersehen.

c. Handel.
Wie das Gewerbe, so ist auch der Handel, d. h. der kaufmännische oder zunftmäßige Handel von geringem Umfang. Auch der unmittelbare Handel der Producenten mit veredelten oder verarbeiteten Erzeugnissen ist gering; er besteht in Wollenwaaren, etwas Leinwand und mehr noch in Schnellern, welche hauptsächlich von Schweizern aufgekauft werden. Dagegen ist der Frucht- und Viehhandel von Bedeutung. Auch ist der Absatz von Holz und Kohlen, wie oben schon gezeigt worden, aus den nördlichen Bezirken nicht unbedeutend. Ebenso geht auch viel Öl, welches Händler schlagen lassen, in die Schweiz. Der Frucht- und Viehhandel wird, soweit er nach Außen geht, gewerbsmäßig von Händlern betrieben, deren es mehrere in dem Oberamtsbezirke,| zu Saulgau, Mengen, Ebersbach, Ebenweiler etc. gibt. Die Frucht wird von ihnen auf den Märkten aufgekauft, und in die Schweiz verführt, eben dahin geht größtentheils auch das Vieh, das aber von den Händlern gemeiniglich in dem Stalle gekauft wird. Die Hauptmärkte für die Frucht in der Schweiz sind Rorschach und neuerlich fast noch mehr, Zürich, wohin der Zug hauptsächlich von Mengen aus über Stockach geht. Von Mengen aus geht auch viele Gerste auf den Badischen Schwarzwald. Wöchentliche Fruchtmärkte in dem Oberamte selber befinden sich zu Saulgau und Mengen, jene sind bedeutend durch den Verkehr mit Korn, diese durch den mit Gerste. Jahrmärkte haben die 3 Städte Saulgau, Mengen und Scheer und die 2 Dörfer Altshausen und Herbertingen.

Die Anzahl sämmtlicher Kaufleute des Oberamts beläuft sich auf 29, in Mengen 11, in Altshausen 6, in Saulgau und Königseckwald je 4. Dazu kommen noch 143 Krämer und Kleinhändler, ferner 22 Korn- und Viehhändler, von welchen Saulgau 8 hat. Die Summe der gewerbsmäßig betriebenen Beschäftigungen und deren Steuerkataster macht, ohne das Cataster der Grundherrschaften:

Handwerker und Kleinhändler 1599  M.   229  G. 1991 fl. 12 kr.  
Handlungen und Apotheker 53   —   —   —   178 fl. 48 kr.  
Wirthschaften 175   —   —   —   420 fl. 55 kr.  
Getränke-Fariken 231   —   —   —   273 fl. 36 kr.  
Müller   84   —   —   —   414 fl. 24 kr.  
2142   —  229  —   3278 fl. 55 kr.

Diese Katastersumme wurde jedoch im J. 1826 noch um 219 fl. 35 kr. vermindert, so daß sie jetzt nur noch 3059 fl. 20 kr. beträgt.



  1. Dabei sind aber die Schlösser zu Altshausen, Scheer, Königseckwald auch nur als Gebäude erster Klasse zu 1600 fl. angeschlagen. S. Beschr. des OA. Münsingen, S. 64. – Die Zahl der steuerfreyen Gebäude ist in Tab. I. angegeben. Das steuerfreye Grundeigenthum, außer dem des Staats, würde nach frühern, aus Gelegenheit des Provisorium angestellten Berechnungen, noch 1028 M. betragen. Das Besitzthum des Staats in dem Oberamte ist, wie die Tab. II. zeigt, äußerst gering.
  2. Es besteht in 7852 Morgen und zwar: Gärten und Länder 801/8 M., Äcker 5596/8 M., Wiesen 7725/8 M., Waldungen 5918 M., Weiden 1214/8 M., Seen 3274/8 M., sodann Orte, Straßen etc. 723/8 M.
  3. Der Unterschied des Flächenraums zwischen dem Ergebnisse der Landesvermessung und zwischen den frühern Angaben, wie sie in Memmingers Beschr. des Königreichs, 2te Ausg. 1823 Tab. II. und in den Würt. Jahrbüchern 1824 2tes Heft enthalten sind, beträgt im Ganzen, wenn man Areal der Orte, Straßen und Gewässer dazu rechnet, nur noch ein Mehr von 3422 M., bey dem steuerbaren Grund und Boden aber von ungefähr 4700 M.; Es ist aber zu bemerken, daß diese Angaben und das bey dem Steuerprovisorium angenommene Flächenmaaß größtentheils schon auf die Landesvermessung sich stützen.
  4. Beynahe dieselbe Schätzung hat das Oberamt Riedlingen, das zwar 10.000 Morgen Äcker mehr, darunter aber viele auf der Alp und Wechselfelder hat.
  5. Dieser Abschnitt ist größtentheils aus zwey sehr schätzbaren Mittheilungen von den Forst-Verwaltungen Sießen und Altshausen gezogen.
  6. Die Gerechtigkeits-Waldungen waren ursprünglich Gemeindewaldungen, wovon jeder Bürger seinen Antheil an dem Ertrage hatte. Mit der Zeit wurde dieser Antheil wie Privat-Eigenthum betrachtet und vererbt. Die spätern Bürger blieben aber von der Theilnahme ausgeschlossen, und es entsprang daraus eine Quelle noch fortdauernder Streitigkeiten.
  7. Bedeutender als in dem diesseitigen Oberamtsbezirke ist neuerlich die Schweinszucht in dem angränzenden Fürstenthum Hohenzollern-Sigmaringen, wo sie durch Preise für diejenigen, welche die meiste Nachzucht nachweisen können, unterstützt wird.

Anmerkungen Wikisource