Beschreibung des Oberamts Stuttgart, Amt/Kapitel B 3

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Bonlanden,[1]
Gemeinde II. Kl. mit 1295 Einw., wor. 4 Kath. Evang. Pfarrei mit Filial Harthausen. – Die Kath. sind nach Neuhausen eingepfarrt.
Das ländliche, unregelmäßig gebaute Pfarrdorf liegt 4 Stunden südlich von Stuttgart theils auf der Anhöhe, theils an den Abhängen | des hier beginnenden Bombachthales. Hier beginnt die sonst einförmige Physiognomie der Filder auf einmal malerischer zu werden und bildet einen allmähligen Übergang zu der anmuthigen Neckarthalgegend. Die Ansicht des Orts mit seinem hübschen, alten, wohlgelegenen Kirchlein und dem daneben stehenden Pfarrhaus ist eine äußerst freundliche. Die Luft ist gesund und mild, die rauhen Nord- und Ostwinde, wie die feuchten Westwinde haben hier weniger Zutritt, als die warme Südluft; Hagelschlag kommt selten vor.

Laufende Brunnen sind hinreichend vorhanden und überdieß fließt der Bonbach durch den westlichen Theil des Orts. An dieser Seite lag auch ein im Jahr 1820 vom Staat an einen hiesigen Müller verkaufter See, welcher 16–17 Morgen groß war, Fische, wilde Enten und Wasservögel beherbergte, aber im Jahr 1836 trocken gelegt und in vorzügliches Ackerfeld, welches vom Staate 30jährige Zehentfreiheit erhielt, umgewandelt wurde. Mit dem See verschwanden zugleich die kalten Fieber, welche dessen Ausdünstung häufig verursachte. Der See wurde von mehreren in der Nähe des Orts entspringenden Quellen gespeist und sein Ablauf trieb unterhalb des Dorfes eine Mühle, welche bei seiner Austrocknung einging. Eine im Jahr 1837 neu angelegte Mühle im Wiesthale unterhalb des Ortes, welche von nahe entspringenden Quellen und vom Bonbach nur spärlich Wasser erhielt, ist 1845 abgebrannt und nicht wieder aufgebaut worden. Jetzt dient das Wasser zu einer künstlichen Wiesenwässerung, welche im Jahr 1848 angelegt wurde.

Die ganz aus Quadern erbaute Kirche steht auf der Anhöhe an der östlichen Seite des Dorfs und hat ein ehrwürdiges Ansehen. Der nicht hohe, aber sehr dicke viereckige Thurm aus der spät-gothischen Zeit, ist der schönste im Bezirk. Eigenthümlich ist der spitzbogige Eingang, der sich gegen Innen allmählig verschmälert und durch den Thurm zur Kirche führt. Das Chor mit einem Netzgewölbe und dreispitzbogigen, schmalen, zweitheiligen Fenstern, hat den gleichen Styl wie der Thurm; dagegen scheint das Schiff der Kirche, vermuthlich in Folge von Baufälligkeit, mehrere Veränderungen erlitten zu haben. Die gothischen Fenster mußten hier mit Ausnahme von zwei auf der Südseite, den schmucklosen, oblongen weichen, und in einer spätern Zeit wurden, um mehr Licht in die Kirche zu bringen, sogar noch quer gestellte, rechteckige Fenster angebracht, welche nun vollends die sonst so schöne Kirche verunstalteten. Über dem Eingang in die Kirche steht: 1635, wohl das Jahr, in welchem die erste Veränderung vorgenommen wurde, und die auf der Nordseite über einer vermauerten Thüre stehende Zahl 1750 gibt ohne Zweifel Aufschluß über die Zeit der zweiten Verstümmlung. Die ursprüngliche Erbauung der | Kirche dürfte von 1480–1500 gesetzt werden. An einem Pfeiler zwischen Chor und Schiff ist eine steinerne Figur, ein nacktes Christuskind mit einem Heiligenschein vorstellend, angebracht; die von Walker gefertigte Orgel erwarb die Gemeinde im Jahr 1837. Im Thurme hängen zwei Glocken, von denen die eine die Namen der 4 Evangelisten, die andere größere, welche im J. 1840 gegossen wurde, die Worte: Ich rufe nah und fern zum Lob des Herrn, zur Umschrift trägt. Die Unterhaltung der Kirche liegt der Stiftungspflege ob, deren Activvermögen im Jahre 1849 1060 fl. betrug und deren Deficit die Gemeindepflege deckt. Ein früherer Kirchhof ist 1839 eingegangen; der nördliche Theil desselben wurde zur Erweiterung der vorbeiführenden Straße geschlagen, und der südlich gelegene dient jetzt als Gemeindebaumschule. Der neue, ummauerte Begräbnißplatz ist im Jahr 1838 angelegt und liegt an einer freien Stelle außerhalb des Orts.

Das wohlerhaltene Pfarrhaus steht ganz nahe bei der Kirche auf der Stelle der ehemaligen Burg (s. unten), von der noch Wall und Graben ringsum sichtbar sind; über letzteren führt eine Brücke zu dem stillen Wohnsitze, von dem aus man eine schöne Aussicht auf die Alp genießt und dessen nächste Umgebungen noch überdieß sehr viel Malerisches haben. Die Unterhaltungskosten des Pfarrhauses hat der Staat zu tragen.

Ganz in der Nähe der Kirche steht das unter Herzog Karl erbaute und 1832 bedeutend verbesserte Schulhaus, das zugleich die Wohnung des Schulmeisters enthält. Die vermehrte Kinderzahl machte nöthig, im Jahr 1839 eine weitere Schule einzurichten, wozu ein 2stockiges Häuschen nächst der Kirche gekauft wurde. Alle Ausgaben für diese Schulen, an welchen ein Schulmeister, ein Unterlehrer und ein Lehrgehilfe Unterricht ertheilen, bestreitet die Gemeindepflege. Es besteht auch eine Industrieschule, welche theils durch die Beiträge der Centralleitung des Wohlthätigkeitsvereins, theils aus Gemeindemitteln unterhalten wird. Das alte Rathhaus liegt in der Mitte des Orts und befindet sich in gutem baulichen Zustand, deßgleichen das im Jahr 1843 erbaute Gemeindeback- und Dörrhaus. Eine Stiftung von 50 fl., wovon der Zins jährlich an Arme zu vertheilen ist, rührt von Adam Adam, einem hiesigen, ungemein verdienten Schultheißen 1763–88 († 1791) her.[2]

Die Einwohner sind im Allgemeinen unbemittelt, weil die Markung, welche im Mißverhältnisse zu der Bevölkerung steht, überdies, großentheils unergiebigen Boden hat, dem trotz aller Mühe und Anstrengung nicht so | viel abgewonnen werden kann, als zum Unterhalt der Gemeindeglieder nöthig ist. Viele sind daher veranlaßt, durch Nebenerwerbszweige, von denen manche der Sittlichkeit entschieden nachtheilig, für den Wohlstand aber nur von zweifelhaftem Vortheil sind, ihr Auskommen zu suchen. Zu diesem kommt noch, daß die Gemeinde, welche kein hinreichendes Vermögen besitzt, um die Armen zu unterstützen, diese häufig ihrem Schicksale überläßt; es ziehen aber auch Manche, welche arbeiten könnten, auf den Bettel aus oder fallen durch Waldexcesse der Nachbarschaft beschwerlich. Übrigens ist die Gemüthsart der Einwohner im Durchschnitt freundlich, friedfertig und gefällig; 80 Personen, übrigens mehr Weiber als Männer, halten zu dem religiösen Vereine der sogenannten christlichen Gemeinschaft. Die Summe der auf den Einwohnern ruhenden Passivcapitalien beträgt 136.000 fl., und der Grundbesitz der 6 größten Güterbesitzer bewegt sich zwischen 24–46 Morgen. Durch den östlichen Theil der Markung zieht die Hauptstraße von Stuttgart nach Reutlingen, zu der vom Ort 3 Nebenstraßen führen, von denen die nordöstliche gegen Bernhausen und die östliche gegen Harthausen und Grötzingen vollständig, die südliche nach Aich theilweise chaussirt ist. Eine ebenfalls chaussirte Straße führt nach Plattenhardt; durch weitere Wege steht der Ort in Verbindung mit Echterdingen und mit Neuhausen, von welchen jedoch nur der letztere und auch dieser nur theilweise chaussirt ist. Der Feldbau bildet die Hauptnahrungsquelle der Einwohner. Die Güter der Markung liegen theils ziemlich eben, theils an den sanften Abhängen des Bombachthals und haben einen nicht tief gehenden, meist aus Lehm und Kalkerde bestehenden kalten Boden, dessen Unterlage steinig und thonig ist, daher er bei anhaltendem Regenwetter bald zu naß, bei eintretender Hitze aber schnell trocken wird. Außer dem Obst, das hier sehr gut gedeiht, ist der Ertrag der Felder, mit geringer Ausnahme, mittelmäßig und die Ernte gegen die übrigen Filderorte um 8–10 Tage später. Im üblichen Dreifeldersystem baut man die gewöhnlichen Halmfrüchte und in der Brache Kartoffeln, Kraut, Angersen, Rüben, Futterkräuter, Flachs und Hanf. Die Ackerpreise bewegen sich von 125–400 fl. pr. Morgen. Die meist zweimädigen Wiesen geben gutes und nahrhaftes Futter; der geringste Preis eines Morgens ist 100, der höchste 600 fl. Der Weinbau ist nicht ausgedehnt und wird nur auf ungefähr 36 Morgen am Uhlberg, früher Rottenberg, betrieben.[3] Die ganz südliche Lage und der rothe Mergelboden eignen sich vorzüglich für die Weinkultur; es werden meist Silvaner, weniger Elbener, Gutedel und Welsche gezogen, die einen | guten sogen. Schiller liefern, dessen Preis sich so hoch als der des Stuttgarter Erzeugnisses stellt. Der Werth eines Morgens geht von 300–600 fl. Die Obstzucht ist weit ausgedehnter und im Verhältniß zur Markung kann sich keine Nachbargemeinde (Plattenhardt ausgenommen) in dieser Beziehung mit Bonlanden messen. Das Obst, welches sich besonders auf Mostsorten beschränkt, bildet eine Hauptnahrungsquelle der Einwohner; der Ertrag in mittleren Jahren ist 10–12.000 Simri. Eine im Jahr 1836 angelegte Kirschenpflanzung von ungefähr 1500 Stämmen verspricht in der Folge einen namhaften Ertrag. Einige Bürger haben in neuester Zeit mit dem Hopfenbau Versuche gemacht, die, wie es scheint, nicht unbelohnt bleiben werden.

Die Verpflichtung zu Haltung des Faselviehs ist 1836–37 von der Gemeinde den Besitzern des Widdumshofes durch Vertrag abgenommen worden. Die Rindvieh- und Pferdezucht ist unbedeutend. Die Gewerbe dienen, mit Ausnahme der Weberei, nur den nöthigsten örtlichen Bedürfnissen; viele Leinen- und Baumwollenweber arbeiten auf Bestellung, namentlich für die Plieninger Unternehmer, oder verkaufen im Ort gesponnenes und gewobenes Tuch in der Umgegend. Der Handel beschränkt sich auf Vieh, Flachs, Hanf und Kleesamen. In dem Orte bestehen 5 Schildwirthschaften.

Die Gemeinde besitzt einen 1876/8 Morgen großen Laubwald, wovon ihr 180 Morgen für ihre Schönbuchsgerechtigkeit im Jahr 1820 vom Staat abgetreten wurden, das Übrige hat sie von Privaten angekauft. Diese Waldungen werden in 30jährigem Umtrieb bewirthschaftet und ertragen jährlich 3–400 fl., welche über Abzug der Schutz- und Kulturkosten zu Gemeindezwecken verwendet werden. Der Allmandbesitz der Gemeinde beträgt 83 Morgen. Ihr Geldvermögen betrug 1849 in Aktiven 13.110 fl., in Passiven 11.746 fl. An Gemeindeschaden werden durchschnittlich 1200 fl. umgelegt, während die Staatssteuer nur 1000 fl. ausmacht. Nach dem Ableben einiger älteren Bürger, welche Allmandbäume im Genusse haben, werden keine Gemeindenutzungen mehr stattfinden; dagegen werden 55 Allmandtheile, durchschnittlich 1/8 Morgen groß an Arme unentgeldlich abgegeben. Die nicht unbedeutenden Grundgefälle an Theilgebühren u. s. w. sind von der Gemeinde seit 1836 gegenüber von der Staatsfinanzverwaltung mit einem Kapital von 16.634 fl. abgelöst worden. Das große Zehentrecht steht mit Ausnahme eines besonders versteinten, dem Hospital Nürtingen zehentbaren Districts, dem Staate zu; den kleinen Zehenten bezieht in Folge der Verwandlung des Pfarreinkommens ebenfalls der Staat. Heu- und Öhmdzehenten sind abgelöst, das Weinzehentrecht besitzt der Staat.

| Im Jahr 1269 erscheint Wolfram Ritter von Bonlanden (Bolanden), welchem Kl. Bebenhausen einen Hof abkauft.[4] Im 14ten Jahrhundert gehörte der Ort den Herren von Stöffeln unter der Lehensoberherrlichkeit der Besitzer der Fildergrafschaft (s. allg. Theil VII., 1) – im Jahr 1346 namentlich der Pfalzgrafen von Tübingen (Gabelk.), – gegen das Jahr 1390 bereits den Grafen von Württemberg (Sattler, Topogr. 84). Im Jahr 1334 verpflichteten sich Konrad, Ernst, Eberhard Gebrüder, Eberhard und Strub, Eberhard’s sel. Söhne, die in der Burg zu Bonlanden wohnen, eidlich, nichts an Württemberg zu verkaufen oder zu verpfänden, sondern nur an einander selbst, in Kriegen einander beizustehen, die Festungswerke auf gemeinsame Kosten zu erhalten u. s. w., und diesen Vertrag sollten auch ihre Kinder beschwören. Die Burg dieser Herren von Stöffeln, von denen mehrere in hiesiger Kirche begraben sind, stund an der Stelle des Pfarrhauses (s. unten).

Durch Heirath kam Bonlanden von den Herren von Stöffeln an die von Stammheim und Sachsenheim. Guta von Stöffeln gab im Jahr 1390 Güter in Bonlanden ihren Söhnen Hans, Konrad und Wolf von Stammheim, Elisabeth von Stöffeln brachte halb Bonlanden ihrem Gemahl Hermann von Sachsenheim zu, 1391.

Württemberg erwarb dieses Dorf von 1395–1403 nach und nach; im Jahr 1395 (nicht 1390) vertauschte Graf Eberhard der Milde einen Theil von denen von Stammheim, seinen Vasallen, gegen den halben Flecken Beihingen (Gabelk.), im Jahr 1402 September 20 erkaufte er eine Hälfte von Hermann von Sachsenheim und dessen oben erwähnter Gattin, im Jahr 1403 Juli 19 ein Viertel des Orts von Katharina Speth zum Neuenhaus, vermuthlich auch einer gebornen von Stöffeln (Scheffer 38). Im Jahr 1450 übergab Graf Ulrich von Württemberg dem Schultheißen in Bonlanden als Erbzinsgut die Burg hier (so viel der Graben in sich begriff), welche bisher lange Zeit wüste lag, für 1 Scheffel Haber jährlich; hierauf kaufte der hiesige Pfarrer Nicolaus mit des Grafen Bewilligung im Jahr 1470 diesen Burgstadel und baute darauf ein neues Pfarrhaus, das alte aber mit Scheune und Graben verkaufte er und übergab mit derselben Genehmigung den 17. April 1477 dem Stift Stuttgart Kirche, Widdumshof und Kirchensatz sammt Zugehör für die Kirche in Grunbach, worauf im Jahr 1532 das Stift auch die Frühmesse in Bonlanden für die in Uffkirch von Württemberg (K. Ferdinand) eintauschte, {Besold Doc. eccl. colleg. Stuteg. S. 32. 33. Cleß 3, 266. Scheffer 67.)

| Im Jahr 1838 Oktober 7 kam Harthausen, welches früher Filial von Sielmingen war, kirchlich nach Bonlanden.



  1. Nach Alb. Schott für Baumlanden. In der jetzigen Schreibung des hier fließenden Bombaches hat sich noch das m erhalten.
  2. S. Beispiele des Guten 5. Aufl. Stuttg. 1821. II. S. 188. Der gegenwärtige Schultheiß, der gleichfalls den Namen Adam Adam führt, ist, wie es scheint, auch der Erbe der Eigenschaften desselben, und berufen, zu vollführen, was sein Vorfahr begonnen.
  3. Die 36 Morgen Weinberge am Uhlberg wurden 1832 von der Markung Neuenhaus, Oberamts Nürtingen, gegen Entschädigung zu der Markung Bonlanden gezogen.
  4. Steinhofer 2. 151. Im Siegel heißt er von Bernhausen (Mscr. archiv. 48b), gehört also zur Familie der Herrn von Bernhausen.
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