Beschreibung des Oberamts Tuttlingen/Kapitel A 4

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
« Kapitel A 3 Beschreibung des Oberamts Tuttlingen Kapitel A 5 »
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Für eine seitenweise Ansicht und den Vergleich mit den zugrundegelegten Scans, klicke bitte auf die entsprechende Seitenzahl (in eckigen Klammern).
|
Wohnorte.




Orte.
A. Zahl, Gattung und Areal.

Der Oberamtsbezirk zählt im Ganzen 86 Wohnsitze und zwar 3 Städte, 19 Pfarrdörfer, worunter 2 mit Marktgerechtigkeit, 1 Dorf, 1 Pfarrweiler, 8 Weiler, 14 Höfe und 40 einzelne Wohnsitze. Der Flächenraum sämmtlicher Gebäude und Hofstätten beträgt 347 Morgen.


B. Lage, Größe und Beschaffenheit.
Die Wohnorte [1] liegen theils auf den Hochebenen und zwar auf dem Heuberg Kolbingen und Renquishausen, auf der Hardt Irrendorf, auf der Eck Neuhausen ob Eck, auf dem Gebirgsstock zwischen der Elta und dem Hesselbach Hausen o. V., theils in | den, das Flachland durchziehenden Thälchen der Baar, wie Gunningen und Seitingen im Elta-Thal, Durchhausen und Oberflacht im Schönbach-Thal, Trossingen im Trossenbach-Thal, Mühlhausen im Mühlbach-Thal und Thalheim im Kraienbach-Thal; in dem Flachland der Baar liegen Schura, Thuningen und Weigheim; im Donau-Thal liegen: Tuttlingen, Nendingen, Stetten, Mühlheim und Fridingen und endlich im Faulenbach-Thal Rietheim, Weilheim und Wurmlingen.

Die Lage der Orte ist größtentheils gesund, freundlich, zum Theil wirklich schön, und auch die in den rauheren Gegenden auf der Hochebene des Heubergs und der Eck gelegenen, gestatten die herrlichsten Fernsichten, namentlich an die in großer Ausdehnung sichtbaren Schweizeralpen. Die Orte sind durchgängig geschlossen, jedoch theilweise unregelmäßig angelegt und meist mit gut chaussirten, nicht selten gekandelten Straßen versehen.

Von den Orten mit eigener Gemeindeverfassung sind, mit Ausnahme der Oberamtsstadt, Trossingen und Thuningen die größten, Mühlhausen und Rietheim die kleinsten.


Gebäude.
A. Anzahl und Gattung.

Nach dem Brandversicherungs-Kataster vom Jahr 1878 zählt der Oberamtsbezirk: Haupt- und Wohngebäude 4114, Nebengebäude 811, zusammen 4925 Gebäude, im Brandversicherungs-Anschlag von 21.160.940 M. Zu öffentlichen Zwecken dienen 190 Gebäude, worunter 27 Kirchen, 13 Kapellen, 37 Rath- und Schulhäuser, 18 Spital-, Kranken- und Armenhäuser und 95 sonstige Gebäude. Unter den Wohngebäuden befinden sich 2 Schlösser, 76 Amtswohnungen für Staats- und Gemeindediener, darunter 31 für Lehrer und 27 Pfarrhäuser. Auf ein Wohnhaus kommen im Durchschnitt 6,3 Menschen; die meisten in Tuttlingen mit 8,8, die wenigsten in Stetten mit 4,0 (s. auch Tab. I).


B. Bauart und Material.
Die Bauart der Wohnungen in den Landorten ist mit Ausnahme der öffentlichen Gebäude eine ziemlich einfache und besteht meist aus einstockigen, seltener zweistöckigen, meist getünchten, zuweilen auch aus nicht getünchten mit sichtbarem Balkenwerk versehenen | Häusern; sie sind mit Ausnahme des steinernen Unterstocks oder doch des Sockels beinahe durchgängig aus Holz erbaut und nicht selten an den Wetterseiten mit Ziegelplatten oder Schindeln verkleidet. Die Gebäude sind vorherrschend mit Ziegelplatten, seltener mit Hohlziegeln gedeckt; in rauheren Gegenden trifft man auch noch die Schindelbedachung. Haus und Scheune stehen beinahe regelmäßig unter einem Dache. Die Größe der Gebäude ist sehr verschieden und wechselt je nach den Vermögensverhältnissen der Besitzer vom kleinen Söldnerhäuschen bis zum ansehnlichen, Wohlhabenheit verrathenden Bauernhaus. In der Oberamtsstadt ist der städtische Stil allgemein, man trifft denselben auch theilweise in den Städtchen Mühlheim und Fridingen, wie auch, jedoch ganz vereinzelt, in den Landorten.

Im ganzen Oberamtsbezirk ist der Tannenholzbau der weit vorherrschende, während der Eichenholzbau nur noch bei älteren Gebäuden zuweilen, bei neueren aber sehr selten getroffen wird. Bei den steinernen Unterstöcken oder Sockeln trifft man feinkörnigen Keupersandstein (Werkstein), den grobkörnigen weißen Keupersandstein (Stubensandstein), den Liassandstein, den Sandstein des braunen Jura und den weißen Jurakalk verwendet; letzterer, wie auch der Liaskalk wird häufig zu Riegelgemäuer gebraucht.

Gebäude von einigem architektonischen Werth sind: das Bahnhofgebäude, die katholische Kirche und das Kameralamt in Tuttlingen, die Schlösser in Mühlheim und in Rietheim und das neu erbaute Schulhaus in Trossingen.


C. Werth- und Eigenthumsverhältnisse.

Der Werth der steuerbaren Gebäude beträgt nach dem Gebäudekataster vom 1. Juli 1877 bei 3959 Haupt- und 727 Nebengebäuden, zusammen 4686 Gebäuden, 18.640.300 M. Nach dem Brandversicherungskataster vom Jahr 1878 zählt der Oberamtsbezirk 4114 Haupt- und 811 Nebengebäude, zusammen 4925 Gebäude im Brandversicherungsanschlag von 21.160.940 M.; somit beträgt der Werth eines Gebäudes nach dem Steuerkataster durchschnittlich 3977 M., nach dem Brandversicherungsanschlag durchschnittlich 4297 M.



  1. Es sind nur die Wohnorte mit eigener Gemeindeverfassung aufgeführt.


« Kapitel A 3 Beschreibung des Oberamts Tuttlingen Kapitel A 5 »
Für eine seitenweise Ansicht und den Vergleich mit den zugrundegelegten Scans, klicke bitte auf die entsprechende Seitenzahl (in eckigen Klammern).