Beschreibung des Oberamts Weinsberg/Kapitel B 14

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Grantschen,


Gemeinde III. Cl. mit 249 Einwohnern. Filial von Sülzbach.

Der ziemlich kleine Ort liegt 7/8 Std. (geom.) von der Oberamtsstadt entfernt, auf einer leichten Anhöhe, an dessen östlicher Seite ein kleiner Thaleinschnitt mit einem namenlosen Bächlein in das nahe Sulmthal gegen Süden herabzieht.

In Norden bietet der Höhenzug, welcher das Eberstadter- und Sulmthal scheidet, eine schützende Wand, mit leichteren Vorsprüngen in Westen und Osten, so daß das Terrain nur gegen Süden offen liegt. Ein Vicinalsträßchen, das nach Ellhofen 1/4 Std. weit herabzieht, die neuangelegte Eisenbahn durchschneidet und bei den ersten Häusern von Ellhofen in die Weinsberg–Löwensteiner Poststraße ausmündet, vermittelt die Verbindung mit dem Sulmthal und der Oberamtsstadt.

Längs der gepflasterten und gekandelten Hauptstraße liegen die größtentheils ziemlich ansehnlichen, zweistockigen, mit steinernen Unterstöcken versehenen Wohn- und Ökonomiegebäude, wovon mehrere von einer eigenen Hofstätte oder einem Garten umgeben sind.

Vor dem südlichen Eingang des Dorfes an dem obengedachten Vicinalsträßchen liegt der kleine eigene Begräbnißplatz des Dorfes, mit einer niederen Mauer umfriedigt.

| Mitten im Dorfe an der Hauptstraße steht das im Jahr 1840 auf Kosten der Gemeinde neugebaute Schulhaus, das neben einem nicht sehr geräumigen Lehrzimmer für dermalen 43 Kinder die ziemlich beschränkte Wohnung des Lehrers, das Rathszimmer und parterre das Ortsgefängniß enthält. Auf dem Dache ist ein Thürmchen mit Uhr und Glocke.

Die ziemlich große Ortskelter mit 3 Bäumen, früher Eigenthum des Staats, seit dem Jahr 1834 von der Gemeinde käuflich erworben, steht mitten im Orte in der Nähe des Rath- und Schulhauses auf dessen östlicher Seite.

Armen- und Gemeindebackhaus ist nicht vorhanden und ersteres kein Bedürfniß.

Sehr gutes Trinkwasser liefern 2 aus dem obengedachten Höhenzug herkommende, laufende, zureichende Brunnen. Für Feuersgefahr dient ein eigener Weiher, Feuersee genannt, unten am Ort, von Brunnenwasser gespeist.

Zwei sogenannte Hungerbrunnen sind auf der Markung in der Nähe des Orts.

Die klimatischen Verhältnisse sind bei der oben geschilderten Lage recht günstig. Die Luft ist mild und gesund. Frühlingsfröste sind nicht häufig – Hagelschlag kommt selten vor.

Die Einwohner sind im Allgemeinen nicht großgewachsene, aber gesunde, ausdauernde Leute, bei welchen von dem in dem tiefer liegenden Mutterorte vorkommenden Cretinismus keine Spur gefunden wird. Sie zeichnen sich durch unermüdeten Fleiß und Sparsamkeit und durch geordnetes, stilles Wesen aus. Viele Jahre war im ganzen Dorf nicht ein einziges Wirthshaus zu finden. Erst seit wenigen Jahren ist eine Schildwirthschaft vorhanden.

Die Haupterwerbsquellen sind Ackerbau, Weinbau und Viehzucht. Handwerker sind kaum für die nöthigsten örtlichen Bedürfnisse vorhanden. In Vielem müssen sich die Einwohner an die Nachbarorte wenden. Ihre Vermögensverhältnisse gehören zu den besseren des Bezirkes. Der bedeutendste Güterbesitz beträgt 50 Morgen, der mittlere und gewöhnlichere 20–25 Morgen, der geringste 2 Morg.

Ganz Besitzlose, welche nur durch Taglohn sich fortbringen, gibt es keine.

Bettler und auf Gemeindeunterstützung Angewiesene kommen fast gar nicht vor.

Die im Ganzen nur 662 Morgen große Markung enthält nur 9 Morgen Gärten und Länder, 317 Morgen flürlich und 17 Morgen willkührlich gebaute Äcker, 153 Morgen Weinberge, wovon gegen| 3 Morgen zu anderen Culturen verwendet sind, nur 36 Morgen zweimähdige und 7 Morgen einmähdige Wiesen, 4 Morgen Laub-, 44 Morgen Nadel- und 22 Morgen gemischte Waldung, 12 Morgen Weiden, 6 Morgen Öden, etwas über 2 Morgen Steinbruch.

Davon gehören dem Staate: 21 Morgen Nadelwald (jetzt von der Gemeinde erworben und zu Äckern angelegt); der Gemeinde: 6 Morgen Äcker, 16 Morgen Nadel-, 20 Morgen gemischte Waldung, 12 Morgen Weiden, etwas Öde, 2 Morgen Steinbruch.

Das etwas abhängig gelegene, fast die Hälfte der Markung betragende Ackerfeld hat einen fruchtbaren, etwas strengen Diluviallehmboden. Die Landwirthschaft wird darauf mit großem Fleiße betrieben. Zu den gewöhnlichen Düngungsmitteln kommt auch der Pförch, Gülle, Gyps und Asche. Der deutsche Wendepflug ist dem Brabanter ganz gewichen; die Walze findet immer mehr Eingang.

Die Bespannung geschieht gewöhnlich mit Stieren oder Kühen, bei welchen das Halbjoch das Doppeljoch verdrängt hat.

Das Getreide wird mit der Sichel geschnitten, der Haber theilweise gemäht.

Dinkel, Gerste und Haber sind die gewöhnlich gebauten Getreidearten. Selten sind Roggen und Weizen.

In der fast ganz angeblümten Brache kommen vor: Kartoffeln, bei unzureichender Wiesenfläche viele Futterkräuter, dreiblättriger und ewiger Klee, wenig Esper, Wicken, Angersen, neuerdings auch Zuckerrüben für Viehfutter, Ackerbohnen, Erbsen, Linsen, Welschkorn, wenig Reps, viel Hanf.

Bei einer Aussaat von 6–7 Simri Dinkel, 31/2 Simri Gerste, 4 Simri Haber wird der durchschnittliche Ertrag eines Morgens zu 8–10 Scheffeln Dinkel, 4–5 Scheffeln Gerste, 6 Scheffeln Haber angeschlagen. Die ergiebigsten Felder liegen in der Nähe des Orts.

Die höchsten Preise eines Morgens Acker betragen 5–600 fl., die mittleren 400 fl., die niedersten 300 fl.

Was von Getreide über den eigenen Bedarf erzielt wird, findet seinen Absatz im Ort und auf der Schranne Heilbronn.

Die kleine Wiesenfläche, welche nur den 15. Theil der Markung ausmacht, kann nicht bewässert werden, was sie auch als feucht nicht bedarf, und liefert pr. Morgen durchschnittlich 20–25 Ctr. Heu, 12–15 Ctr. Öhmd, gutes nahrhaftes Futter.

Die Bürger besitzen aber auch Wiesen auf Ellhofer und Weinsberger Markung.

Die Preise eines Morgens Wiesen bewegen sich zwischen 500 und 600 fl.

| Desto bedeutender ist der Weinbau. Die über den vierten Theil der Markung betragenden Weinberge haben eine äußerst günstige, geschützte Lage, zumeist am südlichen Abhange des obgenannten nördlichen Höhenzuges, so wie einen ganz geeigneten Mergelboden, und liefern einen Wein, der bei der obenerwähnten amtlichen Classifikation, wie der Weinsberger, in die erste (höchste) Classe gesetzt wurde. Die Bauart ist die im Sulmthale und überhaupt im Unterlande gewöhnliche mit ca. 2000 Stöcken auf dem Morgen, wobei die gewöhnlichsten Sorten sind: Silvaner, Elblinge, Gutedel, Burgunder, viel Clevner und Trollinger. Der Morgen erträgt durchschnittlich in günstigen Jahren 5–6 Eimer und kostet zwischen 4 bis 500 fl. und 7–800 fl.

Die Preise eines Eimers betragen in der Regel 1–2 fl. weniger, als in der Amtsstadt (s. Weinsberg).

Der Absatz der Weine, welche gern gekauft werden, weil der auf Bau und Lese verwendete Fleiß bekannt ist, geht nach Calw, Stuttgart, Ulm und in’s Hohenlohe’sche.

Der Obstbau kommt erst neuerdings mehr in Aufnahme. Man zählte im Jahr 1854 auf der Markung 3000, meist junge Kern- und 2500 Steinobstbäume mit einem Ertrag von 150 und 200 Simri. Außer den gewöhnlichen Mostsorten kommt auch feineres (Tafel-) Obst vor. Absatz nach Außen findet bis jetzt wenig Statt.

Die der Gemeinde gehörigen 12 Morgen Weiden sind nebst der Herbstweide an einen Schäfer verpachtet, welcher 141 Stück Bastardschafe darauf laufen läßt von Jakobi bis nächst Georgii zur Winterweide. Er bezahlt dafür der Gemeinde einen jährlichen Pacht von 50–60 fl., woneben die Pförchnutzung ungefähr 150 fl. einträgt. Wolle und Schafvieh finden Absatz auf den Märkten des benachbarten Heilbronn.

Die der Gemeinde gehörigen 36 Morgen Nadel- und gemischte Waldung liefern alle Jahre ein Quantum Wellen und Klafterholz, das zu sogenannten Bürgergaben verwendet wird und der Gemeindekasse keinen besondern Ertrag gewährt.

Die obengenannten 2 Morgen Steinbruch liefern Sandsteine zum Bauen und sind theilweise verpachtet mit einem jährlichen Ertrag für die Gemeindekasse von 4–5 fl.

Pferdezucht wird gewöhnlich nicht getrieben. Es fand sich bei der letzten Aufnahme, unter nur 7 vorhandenen Pferden, eine einzige Stute mit einem Füllen.

Bedeutender ist verhältnißmäßig die Rindviehzucht. Man zählte bei der letzten Aufnahme 143 Stücke, worunter 1 Farren,| 24 Ochsen und Stiere, 82 Kühe, 31 Stück Schmalvieh, 6 Kälber. Vorherrschend ist der rothbraune sogen. Neckarschlag, welcher durch einen tüchtigen Landfarren nachgezüchtet wird. Die Farrenhaltung ist einem Ortsbürger gegen Nutznießung von 31/2 Morgen Gütern und 20 fl. Geld aus der Gemeindekasse übertragen.

Viehmastung kommt bei Einzelnen vor. Auch wird nicht unbedeutender Handel mit Stieren, Kühen und Schmalvieh auf den benachbarten, und besonders auf den Heilbronner Viehmärkten getrieben.

Schweinszucht kommt nicht vor. Ferkel werden von Außen eingeführt und theils zu eigenem häuslichem Bedürfniß, theils zum Verkauf gemästet. Es fanden sich bei der jüngsten Aufnahme 24 Mast- und 31 Milchschweine und Läufer, zus. 55 Stücke, vor.

An Ziegen wurde nur ein einziges Stück gefunden.

Die Bienenzucht, die von Einzelnen auch nach neuerer Weise betrieben wird, ist nicht von Belang, aber im Zunehmen. Es waren bei der letzten Zählung 37 Stöcke vorhanden.

Geflügel wird häufig gezogen, auch von Einzelnen ein kleiner Handel damit und mit Eiern – wie auch mit Butter – auf dem Heilbronner Wochenmarkt getrieben.

Eine eigene Stiftung hat die Gemeinde im Betrag von circa 4000 fl.

Der Ortsschulfonds besitzt ein Vermögen von ca. 150 fl.

Gefällberechtiget war hier zur Zeit der Ablösungsgesetze von 1848/49 nur die Staatsfinanzverwaltung.

Die älteste Benennung ist Granzesheim (1037); später wird es Gransheim geschrieben. Aus diesem wurde im Munde des Volkes Grantschen.

Gegen das Jahr 1037 verwandten Bischof Gebhard von Regensburg und dessen Sippschaft Grantschen (Granzesheim totam) mit zur Bewidmung des Öhringer Stiftes (Würt. Urk.-Buch 1, 264), dessen hiesiger Besitz übrigens in späterer Zeit wieder verschwindet.

Grantschen gehörte zur Herrschaft Weinsberg, deren Schicksale es nachmals theilte. Die Herren von Weinsberg belehnen andere Personen mit dem Zehnten in Gransheim. Im Jahr 1357 verkaufen Heinrich Wiegmann, praetor, Bürger in Heilbronn, und seine Gattin dem Kloster Schönthal 1/4 großen und kleinen Zehnten. 1408: Anna, Konrad Adelmanns Wittwe, verkauft mit Willen ihrer Kinder an dasselbe Kloster alle ihre Güter in Gransheim; eod. anno (1408) freien Engelhard von Weinsberg und sein Sohn Konrad dem gleichen Kloster 1/30 Zehnten in Gransheim und Wimmenthal, welche † Konrad Adelmann von ihnen zu Lehen trug und| seine Wittwe dem Kloster verkauft hatte. Weitere Zehnterwerbungen machte das Kloster im Jahr 1425 und 1447.

Unter Kurpfalz waren unter den Weingärten Erblehen, welche genannter Herrschaft fünf Prozent des Ertrags gaben (Mone Zeitschrift 3, 261).

Die Schicksale der Herrschaft Weinsberg (s. VII, 1) theilend, kam Grantschen hälftig 1412 (Hugo Mediatisirung 417), vollends 1450 an Kurpfalz, 1504 an Württemberg. 1525 wurde es im Bauernkriege mit der Stadt Weinsberg verbrannt.


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