Beschreibung des Stadtdirections-Bezirkes Stuttgart/I.

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
« [[Beschreibung des Stadtdirections-Bezirkes Stuttgart/|]] Beschreibung des Stadtdirections-Bezirkes Stuttgart II. »
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Für eine seitenweise Ansicht und den Vergleich mit den zugrundegelegten Scans, klicke bitte auf die entsprechende Seitenzahl (in eckigen Klammern).
|
I.


Lage und Umfang; natürliche Beschaffenheit.


A. Lage und Umfang.
1. Lage, Grenzen, Größe.

Der Stadtdirektionsbezirk Stuttgart, unter welchem Namen die Stadt mit den ihr zugehörigen Weilern einen der 64 Oberamtsbezirke des Königreichs bildet, ist innerhalb des Neckarkreises, ziemlich in der Mitte des Landes, zwischen 48° 44′ 51,8″ und 48° 48′ 9,2″ nördlicher Breite, und zwischen 26° 47′ 15,6″ und 26° 53′ 16,0″ östlicher Länge gelegen. Der Bezirk wird südlich, westlich, nordwestlich und östlich (Gaisburg) von dem Amts-Oberamt Stuttgart, nördlich und östlich von dem Oberamt Canstatt begrenzt. Der Flächenraum des Bezirks fällt mit der Größe der Stadtmarkung (welcher auch eine Exclave von 2004/8 Morgen 12,0 Ruthen Wald, zwischen den Markungen von Gerlingen und Vaihingen gelegen, angehört) zusammen und beträgt 0,5405 Q.M. oder 94403/8 Morgen 2,0 Ruthen; er steht nicht nur tief unter der durchschnittlichen Größe eines Oberamtsbezirkes mit 5,626 Q.M., sondern ist auch der kleinste aller Oberamtsbezirke, mehr denn dreimal kleiner als der nächstkleinste (Canstatt mit 33.605 Morgen).

2. Bestandtheile.

Der Bezirk besteht neben der Stadt Stuttgart aus den Weilern Berg, Gablenberg und Heslach, welche mit derselben zu Einer politischen Gemeinde vereinigt, sich in die Gesammtmarkung theilen. Als Mittelpunkt des Stammlandes Württemberg hat der Bezirk durch neuerworbenes Staatsgebiet keinen Zuwachs erhalten.

|
B. Natürliche Beschaffenheit[1].
1. Oberfläche.

Der Bezirk der „Stadtdirektion“ Stuttgart nimmt zunächst die untere oder nördliche Hälfte des Nesenbachthals ein.

Dieses beginnt mit den Quellen des Nesenbachs bei dem Pfarrdorf Vaihingen auf den Fildern als eine schmale, in das Filderplateau scharf eingeschnittene Rinne, und setzt sich in nordöstlicher Richtung, als ein enges und zugleich tiefes Thal (das Kaltenthal), bis zu der Grenze des Stadtdirektionsbezirks, dem Markungstheil des Pfarrweilers Heslach, fort, unterhalb dessen es sich allmälig zu einem weiten Thalbecken erweitert.

Übrigens dürfen wir das Stuttgarter Thalbecken nicht als eine vollständige Ebene, sondern als eine, durch das Zurücktreten der bedeutenderen Hügelzüge veranlaßte Erweiterung betrachten, in welcher sich zwei Ausläufer des Hasenbergs allmälig verflachen. Die zwischen den beiden Ausläufern hinziehenden Thäler des Nesenbachs und des Vogelsangbachs vereinigen sich in dem oberen Schloßgarten, und dort erst erhält die eigentliche Thalebene ihre größte Breite. Die Stadt selbst aber liegt theils auf dem flachen Ausläufer des von der sogenannten Röthe allmälig sich verflachenden, durch die obere Stadt (Bollwerk) hinziehenden Bergrückens, theils auf dem von der Reinsburg auslaufenden, über die Eberhardsstraße sich hinziehenden Flachrücken, theils in der zwischen beiden Flachrücken sich hinziehenden, vom Feuersee herführenden Mulde, in der hauptsächlich die alte (innere) Stadt ihre Stelle gefunden hat. Die tiefste Rinne dieser Mulde zieht über den Marktplatz gegen den Dorotheenplatz und vereinigt sich ebenfalls in dem oberen Schloßgarten mit dem Nesenbach-Thale. Letzteres hat seinen Zug der Hauptstätterstraße etc. entlang, während das Vogelsang-Thälchen an der nördlichen Seite der Stadt vorüber, über die Seewiesen bis zu dem oberen Schloßgarten zieht. Der südliche Stadttheil zieht sich noch an den Ausläufern des Bopsers und der oberen Heusteig hinan und hat daher eine leicht gegen Norden geneigte Lage. Innerhalb des in neuerer Zeit sehr erweiterten Stadt-Etters sind diese Thalzüge durch Auffüllungen und Bauten ziemlich unmerklich geworden.

Die Ausmündung des Nesenbachthals in das Neckarthal bei dem Pfarrweiler Berg wird durch das nahe Zusammentreten der vorgeschobenen| Ausläufer der, das Thal umschließenden, Hügelzüge wiederum so sehr verengt, daß das „Stuttgarter Thal“, sowohl von seiner Sohle, als auch von den umgebenden Höhen aus betrachtet, fast überall den Eindruck einer rings von Hügeln umschlossenen Niederung macht.
a. Hügel.

Diese Hügelzüge sind Ausläufer des großen, vom Neckar zwischen Tübingen und Canstatt in weitem Bogen umflossenen Plateau, das sich südwestlich in den reich bewaldeten Schönbuch, nordöstlich in die fruchtbare Filder-Ebene theilt.

Der nordwestliche Hügelzug des Stuttgarter Thals tritt bei dem Pfaffensee in den westlichen Theil des Bezirks ein und trennt auf seinem weiteren Verlauf das Stuttgarter Thal von dem, zwischen den Pfarrdörfern Bothnang und Feuerbach sich erstreckenden, ziemlich engen „Feuerbachthal“, dessen kleiner Bach (Metzgerbach, später Feuerbach) die Grenze des Stadtdirektions-Bezirks gegen Nordwesten bildet, so daß der bewaldete Nordwest-Abhang dieses Hügelzugs noch größtentheils zum Bezirke der Stadt gehört. Der südöstliche Abhang dieses Hügelzugs ist mit Weinbergen besetzt; der schmale Rücken desselben, die „Bothnanger“- und die „Feuerbacher-Heide“ genannt, verdient diese Bezeichnung nicht mehr, indem sie seit einigen Jahrzehenden fast durchaus in Ackerland umgewandelt ist. Gegen Nordost flacht sich dieser Hügelzug von dem Pfarrdorf Feuerbach an rasch in eine, „die Brag“ genannte, Ebene ab, von welcher sodann gegen Osten sich der, das Königl. Landhaus Rosenstein tragende gleichnamige Hügel abzweigt und, in Verbindung mit der gegen Norden von der Bragebene schnell aufsteigenden, das „Burgholz“ genannten Höhe, welche dem Canstatter Bezirk angehört, die Umbiegung des Neckars aus seiner nordwestlichen Richtung von Plochingen her in die nördliche bei Canstatt vermittelt.

Der südöstliche Hügelzug des Stuttgarter Thals wird gebildet von einem bei Degerloch auslaufenden Absenker der Filderebene, den das südöstlich auslaufende Kerschthal von letzterer abschneidet und von welchem (Absenker) sich sodann ein weiterer zwischen dem Nesenbach- und dem Rohracker-Thal gegen N.-O. abzweigt, der, von der Höhe des „Bopsers“ an sich gleichfalls gegen Nordost allmälig erniedrigend, auf seinem weiteren Verlauf mit einem neuen Rückenausläufer zwischen dem Nesenbach- und dem Gaisburger-Thal die „Eßlinger Berge“ bildet und gegen das Neckarthal mit der, die kronprinzliche Villa oberhalb des Weilers Berg tragenden Anhöhe ausläuft. Von diesem südöstlichen Hügelzug| fällt nahezu das ganze, mit Reben bepflanzte, nordwestliche Gehänge in die Stadtmarkung.

Von dem nordwestlichen Hügelzug zieht sich, getrennt von demselben durch das „Vogelsang-Thal“, ein kurzer, von der Höhe des Hasenbergs steil abfallender Bergrücken in nordöstlicher Richtung gegen das Stuttgarter Thalbecken, und an dem Ende des Rückens erhebt sich, nur durch eine tiefe, schmale Einsattelung mit dem Hasenberg zusammenhängend, ein wohlgerundeter, ziemlich steiler Hügel, die Reinsburg genannt, der mit seinem nordöstlichen Fuß das Weichbild der Stadt selbst erreicht.

b. Wasserscheiden und Thäler.

Der ganze Bezirk gehört dem Stromgebiet des Rheins, und im engeren Sinn dem Flußgebiet des Neckars an; es kann daher von einer größeren Wasserscheide hier nicht die Rede sein. Dagegen berührt die Wasserscheide zwischen Neckar und Enz den westlichen Theil des Bezirks und tritt, von dem Pfaffenwald herkommend, bei dem die Wasserscheide künstlich unterbrechenden Christophsstollen in denselben, zieht weiter durch den Bürgerwald und führt bei der Parkwächterswohnung an der Stuttgart-Leonberger Landstraße in das Amts-Oberamt Stuttgart. Eine noch untergeordnetere Wasserscheide zwischen Neckar und Kersch erreicht 1/4 Stunde nordöstlich von Degerloch den Bezirk und zieht auf der Vicinalstraße von Degerloch nach Ruith fort bis auf den Bopser, wo sie sich an der Ruhebank mit der Straße gegen Südosten wendet und, dieser mit unbedeutenden Abweichungen weiter folgend, den Bezirk bald verläßt.

Die den Bezirk berührenden Thäler sind folgende:

Das Neckarthal, welches den nordöstlichen Theil des Bezirks bei dem Weiler Berg nur auf kurze Strecke berührt; in dasselbe gehen:

1) Das schon angeführte Nesenbach-Thal. Seitenthäler desselben sind

auf der rechten Seite:

a. Eine tiefe, etwa 1/2 Stunde lange Waldschlucht, die sich zwischen dem Viereichenhau und dem Burgstall hinzieht.

b. Ein nördlich von Degerloch mit mehreren zusammenführenden tiefen Schluchten beginnendes Thälchen, das sich bald erweitert und bei Böhmisreute in das Nesenbach-Thal eingeht.

c. In der Nähe von Etzels Denkmal (an der Weinsteige) beginnt eine wilde mit Gesträuch bewachsene Schlucht, die sich bald zu einem anmuthigen Wiesenthälchen ausbildet, das sich bei der Kolb’schen Bierbrauerei mit dem Nesenbach-Thale verbindet.

d. Das Fangelsbach-Thälchen beginnt in dem sogenannten „kalten Loch“ als eine tief eingeschnittene Schlucht, die bald einige Seitenschluchten aufnimmt und entfaltet sich nach kurzem Wege in ein anmuthiges Thälchen, das sich weiter abwärts immer mehr verflacht und bei der Cotta’schen Buchdruckerei in das Nesenbach-Thal einzieht.

| e. Das Dobelbach-Thälchen beginnt mit zwei engen Thälchen, das eine von den Kienlen, das andere am Fuß des Sonnenbergs herziehend; nach ihrer Vereinigung erhält das ziemlich tief eingeschnittene enge Thal die Benennung „romantisches Thälchen“, welches sich bei dem Charlotten-Thor mit dem Nesenbach-Thale vereinigt.
Auf der linken Seite:

a. Die Heidenklinge, eine wildromantische Waldschlucht mit den bekannten Wasserfällen, beginnt unweit des Pfaffensee’s und mündet 1/4 Stunde oberhalb Heslach in das Nesenbach-Thal.

b. In der Nähe des Sophieenbrunnens auf dem Hasenberg furcht sich eine Waldschlucht tief ein, und vereinigt sich als ein stilles Wiesenthälchen oberhalb Heslach mit dem Nesenbach-Thal.

c. An der nördlichen Seite des Hasenbergs beginnt mit einer weit ausgerundeten, bald in eine Schlucht übergehenden, Mulde ein enges, tiefeingeschnittenes Thälchen, das sich in der Nähe des Schießhauses verflacht und gegen den Feuersee allmälig in eine sanfte Mulde ausläuft, die sich durch die Stadt (s. S. 2) bis zu dem oberen Schloßgarten zieht.

d. Das Vogelsang-Thälchen nimmt seinen Anfang bei dem Birkenkopf auf dem Hasenberg und führt zuerst als ein enges, weiterhin sich erweiterndes, ziemlich tiefes Wiesenthälchen durch den Vogelsang bis zur Bothnanger Straße, wo sich die rechten Thalgehänge beinahe ganz verlieren, bis es endlich, an der nördlichen Seite der Stadt vorbeiziehend, sich bei den ehemaligen Seewiesen in eine weite Mulde verflacht und in dem oberen Schloßgarten mit dem Nesenbach-Thal vereinigt. Auf diese Mulde zieht ferner ein im sogenannten Falkert beginnendes Thälchen, sowie das Koppenthal, welches am Gähkopf seinen Anfang nimmt und bei dem Catharinen-Hospital ausläuft.

e. Ein kleines, in der Mönchhalde beginnendes Thälchen führt am Fuß des „Rebenbergs“ in das Nesenbach-Thal ein.

f. Auf der Feuerbacher Heide nimmt ein Thälchen seinen Anfang, das, seine rechten Thalgehänge bald verlierend, südlich der Brag vorüberzieht und am Fuß des Rosensteins einmündet.

2) Das Gablenberger Thal beginnt in vielfältig verzweigten Waldschluchten an dem Frauenkopf und an dem Reichberg, zieht als ein freundliches Thal durch Gablenberg und verläßt unterhalb des Orts den Bezirk, um sich bei Gaisburg mit dem Neckar-Thal zu vereinigen.

3) Das Feuerbach-Thal nimmt seinen Anfang in einer tief eingefurchten Waldschlucht bei dem Schwarzwildpark, bildet sich bald zu einem anmuthigen Wiesenthal aus und zieht als solches an der nordwestlichen Bezirksgrenze hin; verläßt diese oberhalb des Orts Feuerbach und führt durch Feuerbach, Zuffenhausen und Zatzenhausen, bei Mühlhausen in das Neckar-Thal.

In die genannten Thäler ziehen von beiden Seiten mehr oder minder bedeutende Schluchten, mit dem Provinzialnamen „Klingen“ bezeichnet, welche die Thalgehänge vielseitig unterbrechen und mit den schön geformten, wohl gerundeten, zwischen diesen Schluchten sich hinziehenden, Vorsprüngen dem Bezirk so viele Abwechslung und Anmuth verleihen.

|
c. Höhenbestimmungen.
Trigonometrisch bestimmte Höhen.[2]
Höhe üb. dem Meere.
Württ. F. Par. F.
Stuttgart, Hauptthurm der Stiftskirche, Knopf 1084,0 0956,0[s 1]
000" Hauptthurm der Stiftskirche, Erdfläche am Portal 0870,0 0767,3
000" Hospital-Kirchthurm, Knopf 1092,0 0963,0
000" Hospital-Kirchthurm, Erdfläche 0912,0 0804,3
000" St. Leonhards-Kirchthurm, Knopf 1038,0 0915,4
000" St. Leonhards-Kirchthurm, Erdfläche 0863,6 0761,6
000" Gartenstraße, bei dem Wasserbassin 0942,7 0831,4
000" Neues Schloß, Erdfläche am Hauptportal 0860,0 0758,4
000" Jubiläums-Säule auf dem Schloßplatz, obere Fläche 0958,0 0844,9
000" Jubiläums-Säule auf dem Schloßplatz, Erdfläche 0858,0 0756,7
000" Königsstraße, Niveau vor dem Stockgebäude 0882,0 0777,9
000" Neues Postgebäude, Erdfläche am südlichen Thor 0878,5 0774,8
000" Bahnhof, Erdfläche am Haupteingang 0871,5 0768,6
000" Stat.-Topographisches Bureau, Erdfläche am Thor 0910,0 0802,6
000" Marktplatz vor dem Rathhaus 0861,0 0759,3
000" Friedrichsthor, Erdfläche am Wachhäuschen 0856,7 0755,6
000" Königsthor, Erdfläche am Wachhäuschen 0843,8 0744,2
000" Tübingerthor, Erdfläche am Wachhäuschen 0887,2 0782,5
000" Wilhelmsthor, Erdfläche am Wachhäuschen (Keupermergel mit Gyps) 0929,6 0819,8
000" Neue Weinsteige, untere Wendungsplatte (Keupermergel) 1088,6 0960,1
000" Neue Weinsteige, obere Wendungsplatte, (feinkörniger Keupersandstein) 1165,8 1028,2
000" Neue Weinsteige, v. Etzels Denkmal, Erdfläche
(grobkörniger Keupersandstein, Stubensandstein)
1479,0 1304,4
000" Neue Weinsteige, Wegzeiger bei Degerloch (unterer Liassandstein) 1643,2 1449,2
000" Neue Infanterie-Kaserne, Erdfläche am oberen Flügel 0930,4 0820,6
000" Neue Reiter-Kaserne, Haupteingang (Kalktuff, Canstatter Süßwasserkalk) 0845,2 0745,4
000" Catharinen-Hospital, Erdfläche am Thor (unterer Keupermergel) 0901,2 0794,8
000" Pönitentiar-Gebäude, Erdfläche am Thor (Diluviallehm) 0975,0 0860,0
000" Hoppelau-Kirchhof, Kapelle, Kreuz 0951,7 0839,4
000" Hoppelau-Kirchhof, Kapelle, Erdfläche 0911,1 0803,5
000" Feuersee, Niveau desselben 0951,7 0839,4
000" Feuersee, Wasserhaus, Erdfläche am Eingang 0956,0 0843,1
|
Höhe üb. dem Meere.
Württ. F. Par. F.
Stuttgart, Zuckerfabrik, Spitze des Kamins 0988,5 0871,8
000" Zuckerfabrik, Erdfläche am Kamin 0846,7 0746,7
000" Silberburg, Erdfläche am Hauseingang (unterer Keupermergel) 1004,0 0885,5
000" Pulver-Thurm, Erdfläche am östlichen Giebel (mittlerer Keupermergel) 1277,5 1126,7
000" Rebberg-Villa, Erdfläche (unterer Keupermergel) 0918,6 0810,2
000" Weißenhof, Erdfläche, (feinkörniger Keupersandstein) 1330,2 1173,2
000" Unterer Hof, Erdfläche (feink. Keuperwerkstein) 1199,4 1057,8
000" Birkenkopf (untere Liasschichten) 1625,0 1433,2
000" Geis-Eiche, Erdfläche an der Ruhebank
(grobkörniger Keupersandstein, Stubensandstein)
1464,5 1291,6
000" Bothnanger Heide unfern der Geis-Eiche
(Liegendes des grobkörnigen Keupersandsteins, Stubensandsteins)
1456,0 1284,1
000" Bothnanger Steige, Erdfläche an der Ruhebank (Keupermergel) 1375,2 1212,8
000" Steinbruch an dem Bothnanger Weg
(Hangendes des feinkörnigen Keupersandsteins)
1214,0 1070,7
000" Wegweiser oben am Heerdweg (kieslichter Keupersandstein) 1320,0 1164,2
000" Ruhebank oben am Heerdweg (kieslichter Keupersandstein) 1313,4 1158,3
000" Heerdweg, nördlich vom Signal Kornberg
(Hangendes des feinkörnigen Keupersandsteins)
1151,5 1015,5
000" Feuerbacher Heide, Schießbuckel (mittlerer Keupermergel) 1382,0 1218,8
000" Feuerbacher Heide, höchster Punkt westlich vom Gähkopf
(unterste Schichte des Stubensandsteins)
1430,0 1261,2
000" Feuerbacher Heide, Gähkopf, an der Ruhebank (mittlerer Keupermergel) 1403,0 1237,4
000" Birkenwald am Fußweg auf die Feuerbacher Heide
(Hangendes des feinkörnigen Keuperwerksteins)
1247,0 1099,7
000" Auf der Brag, Signal (unterer Keupermergel) 0880,7 0776,7
000" Obere Brag, Signal (Diluviallehm auf unterem Keupermergel) 0937,5 0826,8
000" Untere Brag, Signal (Diluviallehm auf unterem Keupermergel) 0865,7 0763,5
000" Kriegsberg, Signal (feinkörniger Keupersandstein) 1191,8 1051,1
000" Krieger, Signal (kieslichter Keupersandstein) 1274,6 1124,1
000" Hetzen, Signal (feinkörniger Keupersandstein) 1183,2 1043,5
000" Schüle, Signal (feinkörniger Keupersandstein) 1230,8 1085,5
000" Forst, Signal (kieslichter Sandstein) 1472,0 1298,2
000" Hoppenlauäcker, Signal (Diluviallehm auf unterem Keupermergel) 0934,2 0823,9
|
Höhe üb. dem Meere.
Württ. F. Par. F.
Stuttgart, Spitaläcker, Signal (Diluviallehm auf unterem Keupermergel) 1013,0 0893,4[s 2]
000" Pleckethalde, Signal (feinkörniger Keupersandstein) 1167,6 1029,7
000" Steinenhausen, Signal (feinkörniger Keupersandstein) 1207,6 1065,0
000" Vogelsang, Signal (mittlerer Keupermergel) 1425,0 1256,7
000" Röthe, Signal (feinkörniger Keupersandstein) 1201,8 1059,9
000" Reinsburg, I. Signal (feinkörniger Keupersandstein) 1203,9 1061,8
000" Reinsburg, II. Signal (feinkörniger Keupersandstein) 1165,8 1028,2
000" Hofmann’s Villa, Erdfläche 1193,4 1052,5
000" Hasenberg, I. Signal am Belvedere (Stubensandstein) 1558,3 1374,3
000" Hasenberg, II. Signal (kieslichter Keupersandstein) 1296,0 1143,0
000" Neugereuth, Signal (feinkörniger Keupersandstein) 1327,0 1170,3
000" Ziegelstücklen, Signal (unterer Keupermergel) 1249,3 1101,8
000" Spitzwiese, Signal (unterer Keupermergel) 1068,7 0942,5
000" Brandhalde, Burgstall, Signal (Stubensandstein) 1213,3 1070,0
000" Haigst, Signal (Stubensandstein) 1377,6 1215,0
000" Kautzenheck, Signal (Hangendes des Stubensandsteins) 1518,0 1338,8
000" Leierwiesen, Signal (unterer Keupermergel) 1068,8 0942,6
000" Fangelsbach, Signal (Diluviallehm auf unterem Keupermergel) 0989,0 0872,2
000" Oberer Wald, Warre, am Königsweg nach Hohenheim
(unterer Liassandstein), höchster Punkt des Bezirks
1695,0 1494,9
000" Wernershalde, I. Signal 1462,2 1289,6
000" Weißenburg, Signal (Stubensandstein) 1326,0 1169,4
000" Bopser, Signal (Stubensandstein) 1372,3 1210,3
000" Frauenkopf (Liassandstein) 1615,0 1424,3
000" Steingrüben, Signal (Stubensandstein) 1333,7 1176,2
000" Sonnenhalde, Signal (Stubensandstein) 1405,5 1239,6
000" Lausbühl, Signal (mittlerer Keupermergel) 1277,1 1126,3
000" Gänsheide, Signal (kieslichter Sandstein) 1246,1 1099,0
000" Ameisenberg, I. Signal (kieslichter Sandstein) 1200,6 1058,8
000" Ameisenberg, II. Signal (kieslichter Keupersandstein) 1244,0 1097,1
000" Heidlesäcker, Signal (Diluviallehm auf unterem Keupermergel) 0905,1 0798,2
000" Höllischbühl, I. Signal (unterer Keupermergel) 0900,7 0794,4
000" Höllischbühl, II. Signal (unterer Keupermergel) 0894,5 0788,9
000" Werfmershalde, Signal (Diluviallehm auf jüngerem Süßwasserkalk) 0931,4 0821,4
Berg, Villa des Kronprinzen, Knopf auf der Kuppel 1008,1 0889,1
11" Villa des Kronprinzen, Balkon 0944,8 0833,2
11" Villa des Kronprinzen, Erdfläche an der Durchfahrt 0929,0 0819,3
|
Höhe üb. dem Meere.
Württ. F. Par. F.
Berg, Villa des Kronprinzen, Kreuzstraße am Eingang in die Gärtnerei
(unterer Keupermergel)
0895,6 0789,9
Berg, Kirchthurm, oberer Knopf 0967,8 0853,5
Berg, Kirchthurm, Erdfläche (Geschiebbreccie) 0818,8 0722,1
Gablenberg, Kirchthurm, Knopf 1102,3 0972,2
Gablenberg, Kirchthurm, Erdfläche 1009,5 0890,3
Heslach, Kirchthurm, Knopf 1059,0 0934,0
Heslach, Kirchthurm, Erdfläche 0978,0 0862,5
Heslach, Kapelle auf dem Gottesacker, Erdfläche 1035,6 0913,3
Nesenbach, Ursprung desselben in den Honigwiesen bei Vaihingen (Liaskalk) 1596,0 1407,6
Nesenbach, am Feuersee in Vaihingen (Liaskalk) 1533,0 1352,0
Nesenbach, bei der Einmündung des Kohlbachs (mittlerer Keupermergel) 1095,0 0965,7
Nesenbach, obere Brücke, westlich von Heslach, Niveau 0970,8 0856,2
Nesenbach, Niveau am Karlsbad in Stuttgart (Diluviallehm auf unterem Keupermergel) 0874,2 0771,0
Nesenbach, Einmündung in den Mühlkanal in Berg (Geschiebbreccie) 0751,9 0663,1
2. Gewässer.
a. Flüsse und Bäche.

Der Neckar berührt nur mittelst eines Canals den Bezirk bei Berg. In denselben münden:

a. der Nesenbach, er entspringt, wie schon erwähnt wurde, außerhalb des Bezirks und fließt nach einem Lauf von etwa drei Stunden bei Berg ein.

In den Nesenbach fließen innerhalb des Bezirks, außer kleineren Zuflüssen, folgende Bäche, und zwar:

Auf der rechten Seite:

Ein kleiner Bach, der nördlich von Degerloch entspringt und nach einem Lauf von 1/2 Stunde unterhalb Böhmisreute einmündet.

Der Fangelsbach, beginnt im kalten Loch und vereinigt sich nach halbstündigem Lauf bei der Cotta’schen Buchdruckerei mit dem Nesenbach.

Der Dobelbach entspringt in den Kienlen, wird vor dem Charlottenthor von einer Dohle aufgenommen, und mündet innerhalb der Stadt in den Nesenbach.

Auf der linken Seite:

Der aus dem Pfaffensee künstlich hergeleitete Bach, welcher durch die Heidenklinge führt und nach einem Lauf von beinahe 3/4 Stunden 1/4 Stunde oberhalb Heslach einmündet.

Der etwa 1 Stunde lange Vogelsangbach entspringt bei dem rothen Wald, speist den Vogelsangsee, fließt, häufig unterirdisch geleitet und verschiedenartig benützt an der nördlichen Seite der Stadt vorüber über die Seewiese und in dem oberen Schloßgarten in den Nesenbach.

b. Der Gablenberger Bach entspringt am Fuß des Frauenkopfs, fließt durch Gablenberg und verläßt, nachdem er einen Weg| von einer Stunde im Bezirk zurückgelegt hat, unterhalb des Dorfs denselben, um bei Gaisburg in den Neckar zu münden.

c. Der Metzgerbach, später Feuerbach und endlich Mühlbach, entspringt in der Metzgerklinge südlich von Bothnang und fließt ungefähr 1 Stunde lang an der nordwestlichen Bezirksgrenze hin, bis er ganz in den Amts-Oberamtsbezirk tritt und durch Feuerbach, Zuffenhausen und Zatzenhausen seinen Weg nach Mühlhausen nimmt, wo er sich nach einem Lauf von 31/4 Stunden mit dem Neckar vereinigt.

b. Quellen.

Außer den wenigen und geringen, in den vorhin genannten Einschnitten oder Schluchten entspringenden, oft versiegenden Quellen, sind noch folgende aufzuzählen:

An dem „Birkenkopf“ auf der Hochfläche des Hasenbergs entspringt eine für das „Sophienbrünnele“ an der Straße nach Calw gefaßte Quelle.

Die im „Vogelsang“ entspringenden Quellen sind, wie mehrere im Bothnanger Thale, außerhalb des Bezirks, sorgfältig für eine Trinkwasserleitung zur Stadt gefaßt.

Eine am Fuß der „Falkert“ genannten Weinbergshalde entspringende Quelle ist an dem dortigen Weinbergsweg für einen Röhrbrunnen wegen seiner Einfassung mit steinernen Kugeln „Kugelbrünnle“ genannt, gefaßt, und wird weiter zur Stadt geleitet.

Eine am Fuß der „Gähkopf“ genannten Weinbergshalde im „Koppenthal“ entspringende Quelle ist zu einem Schöpf- und einem Röhr-Brunnen am dortigen Weinbergsweg gefaßt und wird weiter zum Catharinenhospital geleitet

In einem kleinen Einschnitt zwischen der auf die Höhe des Bopsers führenden Fußsteige und der unter diesem liegenden Weissenburg wurde aus Anlaß der Errichtung der „Actienbrauerei“ eine dort entspringende Quelle gefaßt, welche jetzt das „Bopserbrünnele“ speist, das von Hydropathen und Kindern mit ihren Hüterinnen etc. häufig besucht wird. Die Umgebung ist zu diesem Behuf zu einer kleinen Baumanlage umgestaltet worden. Das Wasser dieses Brunnens wird weiter zur Actienbrauerei geleitet.

Noch weitere, zur Stadt geführte Quellen finden sich in den Feld- und Weinbergs-Halden: dem „Burgstall“, „Hahnen“, „Lehen“, der „Wernhalde“, dem „Metzgerhau“, den „Kienlen“, dem „Dobel“, der „Eßlinger Steig“; ihre Wasservorräthe sind in neueren Zeiten sorgfältiger als früher gefaßt und in Röhrenleitungen zur Stadt geführt worden.

Intermittirende, d. h. nur in nassen Jahrgängen oder in regenreichen Zeiten des Jahrs fließende, Quellen finden sich ab und zu am Fuß oder an den Gehängen der umgebenden Hügel; z. B. in einem kleinen Einschnitt zwischen den Weinbergshalden „Kornberg“ und „Falkert“, wie es scheint das Product einiger Wasseransammlungen in verlassenen Steinbrüchen in der Höhe dieser Gehänge. Am Fuß des Abhangs der „mittleren Eßlinger Berge“ zeigten sich im Jahr 1816 in dortigen Güterstücken Wasserausbrüche, welche schon von früheren Zeiten her als „Hungerbrunnen“ bezeichnet wurden.

c. Wasserleitungen.
Der nöthige Vorrath an Trinkwasser für die Brunnen der Stadt wird, außer den bereits erwähnten Quellen in der näheren| Umgebung der Stadt, zumeist aus dem höheren, nicht mehr zum Stadtbezirk gehörigen Theil des Nesenbachthals und seinen Seitenschluchten, dem Zörgel- und Elsenthal, aus Quellen und, seit 1533, aus Schürfwassern gesammelt und zur Stadt geleitet, letztere werden an der Kante des rechten Thalgehänges zwischen Kaltenthal und Vaihingen aus den Schichten des Liasmergels ziemlich reichhaltig gewonnen.

Zu anderen öconomischen und technischen Zwecken wird „Seewasser“ durch die in den dreißiger Jahren erweiterte, schon von Herzog Christoph von Württemberg im Jahr 1566 vom Pfaffensee her angelegte Wasserleitung, der „Christophsstollen“ genannt, zur Stadt geleitet (s. Oberamtsbeschreibung von Stuttgart S. 12.). Es sind zu dem Ende auf der Höhe des Hasenbergs vermehrte Zuflüsse für diese Wasserleitung durch Canäle in einer dem Bedürfnisse nahezu entsprechenden Menge gewonnen worden, und dieses „Seewasser“, das zunächst in den „Feuersee“ und von diesem in das „Wasserbassin“ in der Gartenstraße auf dem „Bollwerk“ geleitet wird, ist auf die Röhrbrunnen der Stadt vertheilt.

Ein schon im Jahr 1818 in’s Auge gefaßtes großartiges Project, entweder durch Anlegung eines bei Neckartenzlingen vom Neckar abzweigenden, unterirdischen, in gerader Linie unter der Filderebene herführenden und oberhalb Stuttgart in das Nesenbachthal einmündenden Canals, in dessen Richtung auf der Filderebene bereits fünf Bohrlöcher bis zu der Tiefe des zu grabenden Canals behufs der Erforschung des Terrains abgeteuft worden waren, oder durch einen von Köngen abzweigenden, am Abhang der Filderebene hingeführten offenen Canal, oder endlich durch ein Pumpwerk zu Berg mittelst eines von dorther geführten Canals, eine bedeutende Masse fließenden Wassers in das Stuttgarter Thal zu führen, das ebensowohl für Zwecke der Salubrität, wie für gewerbliche Zwecke dienen sollte, ist bis jetzt vertagt geblieben.

d. Pumpbrunnen.
Die Stuttgarter Thalsohle macht die Anlage von gegrabenen und ausgemauerten Pumpbrunnen sehr leicht, indem man fast überall bei verhältnißmäßig geringer Tiefe auf Wasser stößt. Man trifft daher in den Hofräumen und in den die Stadt umgebenden Gärten und Gartenanlagen viele solcher Pumpbrunnen, welche meist dem Gartenbau dienstbar sind. Auch in dem Weichbild der Stadt waren in früheren Zeiten, vor Anlegung oder Erweiterung der erwähnten Wasserleitungen, solche zum öffentlichen Gebrauche angelegt. Ob die seit etlichen Jahrzehnden beschlossene Abschaffung des größten| Theils derselben sich aus den für überwiegend gehaltenen Gründen der Verschönerung rechtfertigt und ob nicht Gründe der Zweckmäßigkeit ihre Wiederherstellung in höherem Grade rechtfertigen würden, wobei den Anforderungen der Schönheit immerhin durch angemessene Ausstattung genügt werden könnte, mag hier unentschieden bleiben. Thatsache ist, daß jene Pumpbrunnen stets klares, reines Wasser geliefert haben, während die Röhrenbrunnen nach starken Regengüssen und nach Thauwetter stets trübes, lehmiges Wasser ausgießen und selbst die „Trinkwasser-Röhren“ der öffentlichen und Privat-Röhrenbrunnen auch jetzt noch, nach erfolgter besserer Fassung der Quellen und Anlage der Wasserleitungen, von diesem Einfluß nicht frei bleiben.
e. Mineralwasser.

Natürliche Quellen von Mineralwasser, wie solches in seltener Menge der Thalsohle des benachbarten Neckarthals entquillt, finden sich außer den bei Berg erbohrten Mineralquellen (s. hienach) in dem Stadtbezirk nicht, obgleich der Anzeigen manche andeuten (s. unten geognostische Beschaffenheit), daß in früheren, vorgeschichtlichen Zeiten der Mineralwasser-Reichthum des Canstatter Thals sich mit zahlreichen Seitenquellen weit herauf in das Stuttgarter Thalbecken erstreckt haben müsse.

Ein schwefelwasserstoffhaltiges Wasser findet sich, obwohl nicht in eigentlichen Quellen, als ein den Untergrund des früher moorigen Terrains vom unteren Schloßgarten durchdringendes Erdwasser, dessen Gehalt an Schwefelwasserstoff aus dem in diesem Terrain sich in bedeutender Menge findenden hydrothionsaurem Kalk herzurühren scheint. Bei Anlegung des unteren Schloßgartenparks wurde an dem Alleenwege zum Rosenstein auf höchsten Befehl ein Pumpbrunnen auf dieses Wasser angelegt und es wird derselbe von vielen Bewohnern der Stadt zur Trinkkur benützt. An der Querstraße zwischen dem oberen und dem unteren Schloßgarten, sowie bei der Königl. „Maierei“ finden sich mehrere, wie es scheint, schon in früheren Zeiten gegrabene Vertiefungen, in welchen das gleiche „Schwefelwasser“ ohne sichtbaren Zu- und Abfluß stets in gleichem Niveau steht. Aus einer dieser Vertiefungen wird das Wasser während der Badezeit durch Pumpen gehoben und in die benachbarte Badeanstalt „Königsbad“ durch Röhren geleitet.

f. Bohrungen auf Wasser.
Im Jahr 1830 wurden, behufs der Gewinnung von mehr Trinkwasser, in der Thalsohle des Nesenbachthals an der Grenze des Stadtbezirks gegen die Markung von Kaltenthal, wo das| Seitenthal „Elsenthal“ einmündet, und später innerhalb der Stadt auf dem Dorotheenplatz, zwei Bohrungen auf „artesische Quellen“ unternommen[3]; beide haben zu Erbohrung überströmenden Wassers nicht geführt. Zu bedauern ist, daß keine genauen Bohrregister über die durchsunkene Schichtenfolge geführt wurden, um durch genauere Kenntniß der geognostischen Beschaffenheit der Thalsohle weitere Anhaltspunkte für künftige Bohrungen zu gewinnen. Das Bohrloch im Kaltenthal wurde (a. a. O.) in den „tieferen Schichten des weißen Keupersandsteins“ (dem Formationsglied des kieslichen oder unteren weißen Keupersandsteins) angelegt, und, wie es scheint, mit 489′ Teufe das Hangende des Muschelkalks („Wechsel des Mergelschiefers und des Kalkgebirgs“ a. a. O.) erreicht, also die Formationsgruppen des feinkörnigen Keupersandsteins und des Keupergypses durchsunken, wo vermöge der starken Zerklüftung der Formation und der erhöhten Lage des Bohrlochs im Nesenbachthal immerhin der Mangel an ansteigendem oder überströmendem Wasser erklärlich wird. Auf dem Dorotheenplatz scheint das Bohrloch auf 207′ Teufe in dem Diluvialboden und Schuttland der Thalsohle begonnen und durch Schichtenwechsel von Kalken und Mergeln des Muschelkalks niedergetrieben worden zu sein, ohne daß man auf das Liegende der Formation kam.

1

Weitere Bohrungen auf Wasser wurden angestellt in den „Kienlen“, unfern des Charlottenthors, ohne Erfolg; auf den sogenannten „Ziegelwiesen“ mit bei 40′ Teufe überströmendem Wasser in zwei Bohrlöchern; im Vogelsangthälchen an drei Punkten, wovon an einem Bohrloch von 112′ Teufe Wasser über den Bohrteichel überströmte, an dem zweiten bei 137′ Teufe das Gegentheil sich ergab, nämlich eine Wasser abführende Kluft erbohrt wurde; in einem Privatgarten in der Nähe der „Ziegelhütte“, wo „aus den oberen Schichten“ (?) überströmende Wasser gewonnen wurden (a. a. O.); im „oberen Elsenthal“ mit überströmendem Wasser. Weitere Bohrungen im „Dobel“, im „Hasenberger Thälchen“, in „Steinhausen“, bei dem Catharinenhospital, in den „Kriegsbergen“, im „Falkert“ wurden von den unteren Formationsgliedern des Keupers aus mehr oder weniger tief in den Muschelkalk abgetrieben und, wie es scheint, die Anhydrit-Gruppe des Muschelkalks in einigen dieser Bohrlöcher erreicht, deren Vorkommen nun an und für sich noch keineswegs als ein Kennzeichen für Abwesenheit freier, unterirdischer Wasservorräthe anzusehen ist, wenn gleich bei allen diesen| letztgenannten Bohrversuchen kein überströmendes Wasser erzielt wurde. Auch eine Bohrung, welche der frühere Besitzer des Königsbades in seinem Garten (auf der rechten Seite des Nesenbachs) versuchte, führte zu keinem erwünschten Resultat und ist nur dadurch bemerkenswerth, daß das Bohrloch in dem Mineralwasserkalk (Kalktuff) angelegt wurde.

Desto glänzender waren die Resultate der Bohrungen bei und in dem Weiler Berg. Im Jahr 1832 beschloß der Besitzer der dortigen Baumwollspinnerei einen Bohrversuch etwa 100 Schritte oberhalb der Spinnerei mit der Absicht, Aufschlagwasser für die Wasserräder zu erhalten. Schon ein erster Versuch mit drei Bohrlöchern gelang in der Art, daß überströmendes Wasser, jedoch nicht in hinlänglicher Menge, erzielt wurde. Es wurde daher etwas seitwärts von diesen Bohrlöchern auf einer etwas tieferen Stelle zuerst ein großes viereckiges Bassin ausgegraben und sodann in der Mitte und in den vier Winkeln desselben Bohrlöcher abgetrieben, welche sämmtlich in den Muschelkalk eingeschlagen wurden und sämmtliche bei 130–160′ eine überaus große Menge überströmendes Wasser lieferten (während die drei ersten Bohrlöcher versiegten). Dieses Bohrwasser ist ein Mineralwasser von gleichen Bestandtheilen wie das natürliche Sauerwasser von Berg und Canstatt, und diente bisher vermöge seiner höheren Temperatur, die Räder der Spinnerei selbst in den strengsten Wintern von Eis frei zu halten. Neuerdings ist dieses Etablissement an andere Besitzer übergegangen, welche diesen Reichthum an Mineralwasser zu einer großartigen Badeanstalt zu benützen im Begriff sind.

Im December 1832 wurde in gleicher Absicht in der Radstube der Kunstmühle zu Berg ein Bohrloch von 6″ Durchmesser und 159′ Teufe, zuerst durch den Kalktuff, sodann durch Mergelschichten abgeteuft und lieferte 133/4′ über die Bohrröhre ansteigendes Sauerwasser von gleichem Gehalt, wie das Sauerwasser der Quellen auf der Berger Insel (Markungstheil von Canstatt). Diese artesische Quelle wurde zu einem Brunnen mit vielen Röhren in der Radstube gefaßt und wird, wie die anderen Berger Quellen, zum Trinken, vornehmlich aber für die Wasserräder der Mühle, benützt.

Im Jahr 1852 wurde in dem, unterhalb des Königsbades liegenden, sogenannten landwirthschaftlichen Versuchsgarten, auf dem Grunde eines aus jener Zeit übrig gebliebenen, von dem Abwasser aus den Teichen des Königl. Schloßgartens unterhaltenen kleinen Bassin ein Bohrloch abgeteuft, welches zwar kein überströmendes, jedoch bis zur Pumpentiefe im Bohrloch anstehendes Wasser von einigem mineralischen Gehalt, namentlich an etwas freier Kohlensäure, lieferte.

| Anschließend an diese Bohrversuche darf hier noch eines früheren Vorgangs für dieselben gedacht werden. Im Jahr 1810 wurde bei Anlegung des oberen Königl. Schloßgartens für den dort einmündenden Vogelsangbach ein tiefer Canal bei dem jetzigen Königl. Orangeriehaus angelegt und eine dort anstehende, mehrere Fuß mächtige Bank von Kalktuff durchgesprengt. Bei dem Absprengen eines großen Felsstückes von compactem, aragonithaltigem Mineralwasserkalk sprang ein armsdicker Strahl eines reinen, jedoch ziemlich schwachen Sauerwassers in 6′ hohem Bogen an, der jedoch bald an Stärke nachließ und sich noch jetzt in jenen Canal ergießen mag.
g. Seen und Teiche.
Natürliche Wasseransammlungen finden sich nicht in dem Bezirke. Dagegen sind die an der südwestlichen Grenze des Bezirks durch Herzog Christoph angelegten Seen, der Bären- und der Pfaffen-See, wegen ihrer Bestimmung für die schon oben erwähnten Zwecke der Stadt, hier zu erwähnen, obgleich sie dem Bezirke selbst nicht angehören. Der Feuersee bei der Stadt, welcher, wie bereits erwähnt, sein Wasser durch den Christophsstollen aus dem Pfaffensee erhält, und noch weiteren Vorrath von dem Vogelsangthal zugeleitet empfängt, ist ein angelegtes Wasserbassin von 21/2 Morgen Areal, südwestlich von der Stadt, dicht vor dem nunmehrigen Calwer Thor. Der durch seinen Namen bezeichnete Zweck war ursprünglich der, daß durch einen unterirdischen Canal dessen Wasservorrath bei Feuersbrünsten schnell in die tieferen Theile der Stadt gefördert wurde, um durch Anstauen in den Straßen, die deßwegen früher in der Mitte vertieft angelegt waren, das nöthige Löschwasser zu liefern. Diese Bestimmung ist nun durch die seit einigen Jahrzehnden durchgeführte Aufstellung von zahlreichen Röhrenbrunnen mit geräumigen gußeisernen Wasserkästen, so daß solche über alle Straßen der Stadt gleichförmig vertheilt sind, theilweise weggefallen, wie denn der Zweck auch nur unvollkommen erreicht werden konnte, indem das Wasser des Feuersees nur in die tiefer gelegene „innere Stadt“ in dieser Weise geleitet werden konnte. Zum Behuf besserer Vertheilung des Wassers ist nun seit 1833 das oben erwähnte Bassin auf dem Bollwerk, in der oberen Gartenstraße, damals dem höchsten Punkte der Stadt, angelegt worden, in welches der Feuersee sein Wasser durch eine Wasserleitung abgibt, um von hier aus nicht nur auf die Röhrenbrunnen der Stadt das „Seewasser“ zu vertheilen, sondern auch durch unterirdische, in den Hauptstraßen der „oberen Vorstadt“| sich ausmündende Canäle bei Bränden auch in diesen höher gelegenen Theil der Stadt schnell Löschwasser zu ergießen, während der Feuersee durch seinen noch immer bestehenden unterirdischen Canal solches in die innere Stadt unmittelbar abgeben kann.

Durch diese Einrichtung ist es nun auch möglich geworden, zugleich für die Salubrität der Stadt in der Art zu sorgen, daß nach und nach durch alle Hauptstraßen unterirdische Abzugscanäle für das Straßenwasser geführt worden sind und noch weiter vermehrt werden, welche das Straßenwasser und das früher bei Regengüssen häufig Überschwemmungen verursachende Regenwasser durch zahlreiche übergitterte Senklöcher in allen Straßen, sowie die Dach- und Wasserstein-Rinnen der Häuser durch Seitencanäle aufnehmen und unterirdisch dem Nesenbach zuführen, während nun die Straßen der Stadt in der Mitte gewölbt und an den Häuserreihen breite, theilweise mit Steinplatten belegte Trottoirs angelegt werden konnten, und das Regenwasser sich bald genug, ohne stark anschwellen zu können, in die Senklöcher abziehen kann, welche an den Kreuzungen der Straßen in den, die Trottoirs von der gewölbten Fahrbahn scheidenden, gepflasterten Wasserrinnen angebracht sind.

In dem Vogelsangthälchen ist, gleichfalls von Herzog Christoph, zu gleichem Zweck wie der Feuersee, ein Wasserbassin angelegt, in welches die dortigen Quellen und kleinen Bäche zusammengeleitet sind, um im Fall des Bedarfs schnell in den Feuersee zur Mehrung seines Wasservorraths unterirdisch abgeleitet zu werden.

Der sogenannte „Spitalsee“ ist ein kleines, durch den Mühlcanal des Nesenbachs von diesem gespeistes Wasserbassin bei der sogenannten „Spitalmühle“ unterhalb Heslach, um das nöthige Wasser für die Räder der dortigen Mahl- und Säge-Mühle zu gewinnen.

Der sogenannte „Postsee“ ist ein über der sogenannten „Galgensteige“ auf der Ebene der unteren Brag im Laufe des vorigen Jahrhunderts angelegtes kleines Wasserbassin in einer früher versumpften Mulde des Terrains, mit dem Zweck, letzteres trocken zu legen.

Ein bei der Anlage des Brager Eisenbahntunnels erzielter Wasserzufluß aus den unteren Mergelschichten der Gruppe des feinkörnigen Keupersandsteins wird zu Speisung eines kleinen Wasserbassins auf dem Königl. Landhaus Rosenstein hergeleitet.

Die Bassins in dem Schloßgarten und auf der kronprinzlichen Villa sind unten beschrieben.

Die früher in der nächsten Umgebung der damals mit Wall, Graben und Stadtmauer befestigten Stadt angelegten Wassergräben und Seen, zu welchen der Nesenbach und der Vogelsangbach| das Wasser lieferten, sind schon längst im Interesse der Gesundheitspolizei trocken gelegt und dienen nun als Ablagerungsplätze für den aus der Stadt abgeführten Schutt, durch den sie mehr und mehr ausgefüllt werden. Die Seen lagen an der Nordwestseite der Stadt an der Stelle der jetzt sogenannten Seewiesen; der eine, der große See, hielt nach dem Landbuch von 1624 30 Morgen 11/2 Viertel und wurde „mit 3000 Kärpflein besetzt“, der andere, der obere See, hielt 8 Morgen 5/8 und wurde „mit 100 Kärpflein besetzt“.

1

3. Naturschönheiten[4].

Das Stuttgarter Thalbecken, obgleich von geringer Ausdehnung und eingeschlossener Lage, bietet doch manche natürliche, wie durch Kunst erhöhte Reize dar.

a. Die nächsten Umgebungen.

Nicht mit Unrecht wird die Umgebung der Stadt „ein Garten“ genannt, denn an das Weichbild derselben schließt sich ein breiter Gürtel von Gärten und Gartenanlagen an, der sich, jemehr die „Gärten am Haus“ im Innern der Stadt durch deren Ausbau verschwinden, sowohl an Ausdehnung wie an innerer Steigerung von Jahr zu Jahr vermehrt und bereichert. An die meist zum Gemüsebau dienenden Gärten der Weingärtner schließen sich die zahlreichen, rings um die Stadt angesiedelten „Kunst- und Handelsgärtner“ an. Die „Gartenanlagen“, von den reicheren Einwohnern mit mehr oder weniger Luxus „zum Nutzen und Vergnügen“ angelegt und mit mehr oder weniger Aufwand von architektonischen Ausstattungen an Garten- und Landhäusern versehen, bilden neuerlich eine stets vermehrte Vorpostenkette zu der gedrängteren Häusermasse der Stadt. In manchen Geländen bilden die auf minder sonnigen Flächen angelegten „Baumgüter“ im Frühjahr einen Blüthenwald, und durch die im In- und Auslande berühmten Parkanlagen des Königl. Schloßgartens und der Kronprinzlichen Villa ist der Steigerung, welche der natürlichen Schönheit einer Gegend durch die Kunst gewährt werden kann, die Krone aufgesetzt.

Die sämmtlichen Gehänge der umgebenden Hügel, selbst die mit nördlicher Exposition, sind mit Reben bepflanzt und bilden einen zweiten Gürtel um die Stadt. Wenn derselbe in der schneelosen| Winter- und ersten Frühjahrszeit in dürrer Kahlheit erscheint, bietet er in der zweiten Hälfte des Frühjahrs mit dem weichen Grün seiner frischen Triebe einen dem Auge ungemein wohlthuenden Anblick und liefert im ersten Sommer dem Geruchssinn einige Entschädigung für die, Jahr aus Jahr ein durch die Emsigkeit der Winzerbevölkerung in- und außerhalb Etters nur allzuhäufig und intensiv verbreiteten „landwirthschaftlichen Düfte“, welche selbst in Sommernächten nach heißen Tagen den Genuß frischer Nachtluft in und außer den Häusern verkümmern.

Auf den Höhen der umgebenden Hügel und in dem oberen Nesenbachthal jenseits Heslach grenzen die Weinbergsanlagen an Wälder, deren Schatten in der heißen Jahreszeit von Vielen aufgesucht wird. Daher sind auch durch die Vorsorge der Stadtbehörde durch den dichten Buchenwald des Hasenbergs von der Geiseiche bis zum Sophienbrünnle angenehme Fußsteige gebahnt, ist am Bopserbrünnle die schon erwähnte schattige Anlage von Nadelhölzern gemacht und die früher beschwerlich, an vielen Stellen sogar gefährlich zu begehende Heidenklinge mit ihren Wasserfällen in den letzten zwanzig Jahren, namentlich in neuester Zeit, nicht nur leicht zugänglich, sondern auch im Einklang mit der hier auftretenden wilden Natur verschönert worden. Ein gut unterhaltener Fußpfad, an dem von Absatz zu Absatz Ruhebänke angebracht und Stege über den wildbrausenden Bach angelegt sind, führt durch die enge Waldschlucht, deren anfänglich milder Charakter sich gegen oben bis zu einem wildromantischen ändert. Der vom Pfaffensee herkommende Waldbach stürzt sich über die in der Schlucht anstehenden Ränder der festeren Keupersandsteinschichten und bildet, im Verein mit der üppigen Waldvegetation und der reichen Flora, äußerst malerische Partieen, die in der sonst so emsig kultivirten Gegend um Stuttgart nicht geahnt werden.

b. Aussichten.
Die umgebenden Höhen und Thalgehänge, zugänglich durch ein Netz von Güterwegen in den Labyrinthen des Weinberggürtels und durch die aus der Thaltiefe aufwärts führenden Steigen, bieten manche Punkte für Aussichten auf das Stuttgarter- oder in das benachbarte Canstatter Thal. Diese Steigen, welche mit jeder Wendung eine veränderte Aussicht gewähren, verdienen deßwegen namhaft gemacht zu werden: die alte und die neue Weinsteige nach Degerloch, letztere mit ihren Serpentinen; die Hasenberg-, die Bothnanger-, die Galgensteige; der Herdweg; die gepflasterte Gaisburger-, die obere Heusteige; die steile, unfahrbare Steige vom Bopserbrünnle auf die Höhe des Bopsers; der| Weg durch das „romantische Thälchen“ nach Sillenbuch; der Weg von Gablenberg zur Höhe des Frauenkopfs; der etwas mühsame, anfangs durch die beste Weinbergshalde in treppenartigem Hohlweg („Stäffelesfurche“) führende Fußweg nach Feuerbach, die Heerstraße der täglichen Milchweiber-Karavanen dieses Pfarrdorfs.

Aber auch Fernsichten: in das nördliche Unterland bis zu den fernen Waldhöhen des nördlichen Schwarzwaldes und des Odenwaldes und auf die Alpkette über den näheren Theil der Filderebene hin, schließen sich auf den Höhen, zu welchen die meisten der eben erwähnten Ansteigungen führen, auf, und es ist angefangen worden, an mehreren solchen Punkten Ruhepunkte für den Wanderer zu bereiten. So das sogenannte Belvedere vor dem Eingang in den Wald des Hasenbergs, durch die Bemühungen des verstorbenen Rechtsconsulenten Walz vor etwa achtzehn Jahren aus Stubensandstein erbaut; die Ruhebank in dem Walde am Birkenkopf mit Fernsicht auf die Alp; die Ruhebänke unter der Geiseiche, auf den Höhen des Herdwegs, der Bothnanger Steige, des Fußwegs nach Feuerbach, der Bopsersteige. Die interessantesten und weitesten gleichzeitigen Ansichten und Fernsichten bieten die Höhen des Königl. Landhauses Rosenstein und der Kronprinzlichen Villa dar, zugleich in das Stuttgarter- und das Neckar-Thal und, letzterem entlang, aufwärts bis zu den in blauer Ferne auftauchenden Kuppen der schwäbischen Alp. Die reizendste Aussicht um Stuttgart, die wohl zu den schönsten in Württemberg gehört, bietet das nur eine Stunde nordöstlich von der Stadt gelegene Burgholz, auf dem in neuerer Zeit die Königl. Hofdomänen-Kammer ein Belvedere errichten ließ. Das Auge überblickt hier nicht nur das Stuttgarterthal mit der Residenzstadt, sondern auch das Neckarthal in seiner vollendetsten Entfaltung von Canstatt bis Eßlingen, und das lachende, rebenreiche Remsthal. Überdieß schweift der Blick über das weitgedehnte Flachland (Strohgäu, langes Feld etc.), aus dem sich der Asberg und der Lemberg frei erheben, bis an die Vorsprünge und Terrassen des Welzheimer Waldes, der Löwensteiner Berge, des Strombergs, des Heuchelbergs etc. Gegen Süden schließt das ausgebreitete Panorama ein Theil der schwäbischen Alp, gegen Norden der Odenwald mit dem frei emporstrebenden Katzenbuckel und gegen Westen ein blauer Streif des Schwarzwaldes.

c. Landschaftlich interessante Partieen
sind dargeboten: durch das obere Nesenbachthal oberhalb Heslach mit seinen bis zur Landstraße hinab bewaldeten Abhängen; durch einen| Gang nach den „Wasserfällen“, von unten her durch die „Heidenklinge“ oder von oben her vom Pfaffensee aus; bei der „Geiseiche“; in dem „romantischen Thälchen“, das jedoch seine Romantik mehr und mehr durch zunehmende Cultur verliert (s. o.); in dem Feuerbach-Bothnanger Thal mit seinen Wechseln von Waldpartieen, angebauten Feldern und Wiesentriften; durch die Waldwege auf der Höhe des Bopsers nach Ruith oder Scharnhausen mit der die Öffnung des Weges als Hintergrund schließenden Alp; durch die malerischen Baumgruppen in dem Schloßpark etc.

1

4. Boden.

Der Boden der Thalsohle ist überall ein mehr oder weniger sandig-thonigter, zumeist aus dem die Thalsohle großentheils ausmachenden Diluviallehm entstanden, der an manchen Stellen eine Mächtigkeit bis an 40′ zeigt und das Material zu Backstein- und Ziegelfabrikation für die noch vorhandenen Ziegeleien bietet. Auf einzelnen Punkten findet man den Diluviallehm auch am oberen Rande der Thalgehänge als Auskeilung seiner Ablagerung auf dem Filderplateau und auf dessen Vorsprüngen angelagert. Unterhalb der Stadt, in größerer oder geringerer Entfernung von dem Rinnsal des Nesenbachs und seiner Zuflüsse ab, spielt Alluvial-Schutt und -Schlamm eine Rolle in der Beschaffenheit des die Thalsohle bildenden Bodens; der moorigen Beschaffenheit des Bodens im unteren Schloßgarten ist bereits erwähnt.

Die Gehänge der umgebenden Hügel enthalten, zunächst in den sie bedeckenden Weinbergsanlagen, entweder durch die natürliche Verwitterung der anstehenden Glieder der Keuperformation, oder durch die Emsigkeit der Weingärtner, welche durchschnittlich alle drei Jahre neuen Mergelboden („Leberkies“ von ihnen genannt) auf die Weinbergterrassen aufschütten, oder alle dreißig Jahre dieselben roden, einen fruchtbaren Keupermergelboden, der, je nachdem die Sandsteine oder die Mergelschichten der Formation den Untergrund bilden, einen bald mehr, bald weniger sandigen Thonboden oder thonigen Sandboden darstellt und, je nach der verschiedenen Zusammensetzung der Keupermergel selbst, mehr oder weniger die Natur des Kalkmergels oder des Thonmergels oder, in der tieferen Region der Keupergypsgruppe, des Gypsmergels hat.

Auf den Höhen der umgebenden Hügel, wo die eine oder die andere der beiden weißen Keupersandsteingruppen den unmittelbaren Untergrund bildet, wird der Boden sandig und ist entweder, wie auf der Höhe des Bopsers, mit Laub- und Nadelholz bestockt,| oder er wird, wie auf der „Haide“ von Bothnang und Feuerbach, durch die Weingärtner, welche den unterlagernden Mergel durch Tagbau fördern und über die Sandsteinschichten ausbreiten, mehr und mehr zur Fruchtbarkeit durch Anbau genöthigt.

1

5. Luft und Witterung.

Nicht mit Unrecht wird der ersten Residenzstadt des Königreichs nachgesagt, daß sie von der Natur in zweien von den „vier Elementen“, dem Wasser und der Luft, gar stiefmütterlich bedacht sei. Denn wie oben schon die Bemühungen geschildert wurden, der Unzulänglichkeit natürlicher Wasserquellen durch die Kunst der Wasserleitung und des Bohrens zu Hülfe zu kommen, so wäre, zumal an Tagen der Windstillen in heißer Sommerzeit und in Nächten, wo die keineswegs „geruchlosen Cabinette“ ihre Geheimnisse erschließen, eine Ventilation für Abkühlung und Reinigung der Luft, wenn sie im Großen ausführbar wäre, ein Gegenstand der sehnlichsten Wünsche der Bewohner, die sich noch überdieß an den so häufigen Tagen drückender Sommerhitze in Betreff des dritten Elementes, des Feuers, zwar nicht verkürzt, vielmehr sehr beschwert fühlen. Daher gedachte man zugleich auch eine solche „Ventilation“ durch die oben erwähnte große Canalführung vom Neckar her zuwege zu bringen.

Die eingeschlossene Lage der Stadt auf dem Grunde des nur gegen NO. offenen, oder vielmehr durch die dort stattfindende Erniedrigung der umgebenden Höhen blos den nordöstlichen Luftströmungen ungehindert zugänglichen Thalbeckens, ist die nächste Ursache dieser Erscheinung. Das oberhalb der Stadt sich schon bei Heslach sehr verengende Nesenbachthal bietet den vorherrschenden südwestlichen Windströmungen nur einen sehr schmalen Zugang in die der Thalsohle unmittelbar auflagernden Luftschichten dar, während die nordwestliche und südöstliche höhere Hügelumgebung die aus diesen Strichen der Windrose wehenden Strömungen zwar nicht geradezu von der Tiefe des Thalkessels abhalten, doch in ihrer Stärke mindern und schwächere Windströmungen wohl in Windstillen verwandeln mögen. Daher fallen die in größeren bewohnten Orten gehäuften Gase und Dämpfe hauswirthschaftlichen und gewerblichen Ursprungs, zu welch’ letzteren in neueren Zeiten noch das Steinkohlen- und Leuchtgas aus Essen und einer nicht sehr luftdichten Gasleitung kommt, zumal in den engen und krummen Straßen der Altstadt, den Geruchsorganen in höherem Grade zur Last und, da seit Jahrzehenten ein ländlicher Viehstand aus der Stadt verbannt ist, so trägt die Emsigkeit der Weingärtner, das ihnen allein übrige Düngungsmaterial| noch keineswegs im Stadium veilchenduftender Poudrette ihren Weinbergen und Gärten zuzuwenden, noch weiter zur Infection selbst der „freien Luft“ das ihrige bei. Der Nesenbach hat, schon wegen seiner geringen Wassermasse, die den fließenden Gewässern sonst zugeschriebene Eigenschaft der Lufterneuerung nicht in dem erforderlichen Grade; überdieß wird er, wegen des Ursprungs seiner Quellen aus den Liasschichten der Filder, schon oberhalb der Stadt eines Antheils an Schwefelwasserstoffgas beschuldigt. Die reichlichen Zugaben, welche ihm die Ausflüsse der Stadt an Materialien für ammoniakalische Gasentwickelungen liefern, in Verbindung mit den, den Moorgründen des unteren Schloßgartens an Sommer- und Herbstabenden entsteigenden riechenden Nebeln, bilden sodann auf seinem weiteren Verlauf unterhalb der Stadt entlang des Schloßgartens keine sehr erwünschte Zugabe zu den Annehmlichkeiten dieser sonst hochgeschätzten und vielbesuchten Promenade, und vollenden die Ungunst der „Stuttgarter Atmosphäre“, der über die Grenze des Thalkessels hinaus zu entfliehen die Einwohner Zeit und Veranlassung zu benützen eifrig beflissen sind. Es ist daher der Gedanke, der cloacinischen Mephitis durch Überwölbung des Baches unterhalb der Stadt bis zu seiner Einmündung in den Neckar ein Denkmal zu errichten, geruchlose Cabinette einzuführen und das über den Nesenbachcanal erbaute Schlachthaus außerhalb der Stadt zu verlegen, der Fürsorge der Behörden wiederholt nahe gelegt worden.

1

Die in den Sommermonaten, besonders vor Gewittern häufig sehr drückende Hitze in dem Stuttgarter Thalkessel erklärt sich durch die Einwirkung der Sonnenstrahlen auf die, durch die Cultur im ganzen Thalbecken entblöste, Erdoberfläche der Straßen, Gärten und Weinberge, in Verbindung mit der erwähnten, den Windströmungen des größeren Theils der Windrose verschlossenen Lage. Nicht leicht wird selbst ein herrschender Sturm, mit Ausnahme der nordöstlichen und südwestlichen Richtungen, in der Stadt und ihren nächsten Umgebungen in seinen verheerenden Wirkungen empfunden. Die durch den Wolkenzug erkennbare, im südwestlichen Deutschland überhaupt vorherrschende, westliche Windrichtung wird stets durch die südwest-nordöstliche Richtung des Nesenbachthals in die südwestliche, an den Windfahnen der Stadt erkennbar, abgelenkt, und nur starke Gewitterstürme lokalen Ursprungs, durch die aus dem erhitzten Thalgrunde aufsteigenden Luftströmungen entstanden, oder Stürme von großer Intensität, vermögen die unteren, auf der Stadt und ihrer nächsten Umgebung lagernden, Luftschichten aufzurühren und haben schon, wiewohl ziemlich selten, mechanische Zerstörungen an Gebäuden und Bäumen angerichtet.

|
6. Climatisch-meteorologische Verhältnisse.

Wir geben nachfolgende Zusammenstellungen der Resultate aus den zu Stuttgart in den letzten dreißig, beziehungsweise sechszig Jahren angestellten meteorologischen Beobachtungen.

A. Lufttemperatur.

Die bereits erwähnte eingeschlossene Lage des Stadtbezirks, in Verbindung mit dem Anbau des Bodens, der den letzteren nirgends auf größeren Strecken der unmittelbaren Einwirkung der Sonnenstrahlen entzieht, bringt es mit sich, daß die mittlere Temperatur Stuttgarts wohl der mittleren Temperatur des gesammten, dem Weinbau gewidmeten Theiles von Württemberg entsprechen wird, obgleich Stuttgart an der Grenze des niedrigeren und daher, wenngleich die nördliche Halbscheid ausmachenden, weinbauenden „Unterlandes“ und des höheren, dem Weinbau (mit Ausnahme der Bodenseegegend) unzugänglichen, „Oberlandes“ liegt.

Die nachfolgenden Zahlenresultate gründen sich auf dreißigjährige (1825–1854) an demselben Orte und mit denselben Instrumenten täglich um 7, 2, 9 Uhr angestellte Beobachtungen, denen noch die weiteren Berechnungen aus den in dem Tagblatt, „schwäbischer Merkur“ mitgetheilten Aufzeichnungen von den Jahren 1795–1824 beigefügt sind, welchen zwar, da sie im Laufe der Zeit an verschiedenen Stellen und mit verschiedenen Instrumenten, auch nicht mit der genauen Einhaltung der Tagesstunden und der nöthigen Abhaltung strahlender Wärme angestellt wurden, nicht derselbe Grad der Genauigkeit zugeschrieben werden kann, die jedoch wegen der dreißigjährigen Dauer ihrer Periode als eine nicht unwichtige und für die Durchschnittsberechnungen immerhin hinlänglich genaue Zugabe zu betrachten sind. Die Scale der Temperatur-Beobachtungen ist die 80theilige.

a) Mitteltemperaturen der Jahreszeiten von den drei täglichen Beobachtungs-Stunden 7, 2, 9 Uhr.

Frühling
März–Mai
Sommer
Juni–August
Herbst
Sept.–Nov.
Winter
Jan., Febr., Dec.
1825–1854 +7,73 +15,33 +7,89 +0,65
1795–1824 +7,49 +14,50 +8,18 +0,89
| b. Die Mitteltemperaturen der Tageszeiten, der Monate und des Jahrs.
1825–54.
Morg. 7 U.
1825–54.
Mitt. 2 U.
1825–54.
Ab. 9 U.
V. d. 3 tägl. Beob. 1825–54.
Wahre
Mitteltemp.[5]
1825–54. 1795–1824.
Januar −1,81 +1,12 −0,93 −0,55 −0,67 −0,55
Februar −0,53 +3,38 +0,60 +1,50 +1,93 +1,01
März +1,71 +6,32 +3,09 +3,71 +3,85 +3,54
April +5,50 +10,66 +6,82 +7,66 +7,68 +7,32
Mai +10,22 +14,83 +10,51 +11,89 +11,82 +11,60
Juni +13,14 +16,99 +12,91 +14,38 +13,39 +14,10
Juli +14,27 +18,60 +14,37 +15,75 +15,16 +15,38
August +13,01 +17,61 +13,62 +14,75 +15,02 +14,53
September +9,29 +15,22 +10,74 +11,75 +12,25 +11,39
October +5,85 +10,86 +7,18 +7,96 +8,10 +7,71
November +2,57 +5,73 +3,45 +3,92 +4,25 +3,75
December −0,02 +2,22 +0,70 +0,96 +1,32 +1,28
Kalender-Jahr +6,09 +10,31 +6,96 +7,85 +7,87 +7,61
Meteorol. Jahr[6] +6,11 +10,34 +6,98 +7,85 +7,68
| c) Die Resultate der Beobachtungen am Thermographen (selbstschreibenden Thermometer), um die täglichen absoluten höchsten und niedrigsten Temperaturen zu erhalten, da diese nicht nothwendig auf eine der drei Beobachtungsstunden fallen, gibt aus den dreißig Jahren (1825–1854) nachfolgende Zusammenstellung:
Größte jährliche Maxima. Größte jährliche Minima.
1825–34 1835–44 1845–54 1825–34 1835–44 1845–54
Januar +13,2
1834
+11,8
1841
+12,3
1852
−19,5
1830
−16,4
1836
−15,0
1850
Februar +12,8
1831
+13,0
1843
+16,0
1846
−21,4
1830
−12,4
1839
−19,5
1845
März +17,7
1830
+17,9
1836
+17,5
1848
−7,8
1825
−8,5
1837
– 14,0
1850
April +23,4
1825
+21,3
1841
+19,0
1854
−3,7
1832
−4,8
1828
−3,2
1852
Mai +24,6
1830
+26,0
1841
+26,1
1847
+0,5
1832
−0,8
1838
+0,7
1850
Juni +26,2
1833
+26,8
1836
+26,0
1853
+3,8
1834
+3,4
1837
+3,4
1847
Juli +29,0
1832
+28,2
1838
+28,8
1845
+4,0
1832
+5,2
1840
+7,0
1848
August +27,5
1830
+26,2
1842
+27,5
1853
+2,0
1829
+3,8
1844
+3,0
1850
September +24,6
1834
+23,9
1839
+24,5
1854
−1,3
1834
−0,4
1837
+1,0
1847
October +19,8
1831
+21,5
1841
+20,6
1854
−3,3
1828
−2,8
1836
−1,0
1850
November +15,6
1834
+15,0
1840
+16,5
1852
−7,7
1827
−10,7
1835
−12,5
1849
December +13,7
1825
+10,3
1837
+12,0
1848
−13,7
1829
−15,8
1840
−15,0
1850
in 10 Jahren Juli
1832
Juli
1838
Juli
1845
Februar
1830
Januar
1836
Februar
1845
Das absolut höchste Maximum in den dreißig Jahren war +29,0 im Juli 1832 (im Jahr 1793 soll nach dem Schwäbischen Merkur am 18. Februar +31,5 beobachtet worden sein); das absolut| tiefste Minimum −21,4 im Februar 1830, wo man außerhalb der Stadt gleichzeitig −25,0° hatte. Die jährlichen Extreme fallen auf Juli oder August und Januar oder Februar.

d) Über die größten täglichen, die größten monatlichen und die jährlichen Temperaturdifferenzen in den dreißig Jahren 1825–1854 gibt nachfolgende Zusammenstellung die Übersicht.

Größte tägliche
Thermometer-Differenzen.
Größte monatliche
Thermometer-Differenzen.
1825–34 1835–44 1845–54 1825–34 1835–44 1845–54
Januar 12,7
1829
14,0
1842
13,1
1848
26,6
1831
25,3
1841
21,5
1848
Februar 13,1
1834
12,4
1840
16,6
1850
30,9
1830
23,5
1839
26,5
1846
März 13,4
1830
14,0
1836
13,8
1849
23,5
1825
24,2
1841
26,8
1851
April 17,1
1834
15,6
1838
16,0
1854
22,5
1834
22,8
1842
21,0
1854
Mai 16,0
1833
19,0
1838
14,4
1850
22,3
1830. 1832
23,3
1838
24,4
1847
Juni 17,2
1834
15,8
1835
14,0
1847
21,5
1834
22,2
1839
20,0
1849
Juli 14,5
1832
16,3
1842
14,8
1846
25,0
1832
22,7
1835
21,2
1845
August 16,0
1828. 1829
15,0
1841
13,7
1853
22,0
1829
20,5
1838
21,2
1850
September 17,2
1834
16,0
1836
15,1
1854
23,0
1834
20,7
1836
23,0
1854
October 15,7
1834
15,0
1842
13,9
1854
21,6
1832
22,6
1836
20,1
1854
Novbr. 10,5
1834
11,7
1841
12,0
1849
20,6
1834
20,0
1840
25,0
1849
December 11,5
1834
13,0
1837
11,9
1846
22,9
1831
20,8
1835
21,0
1848
in 10 Jahren Juni
1834
Mai
1838
Februar
1850
Februar
1830
Januar
1841
März
1851
Die jährlichen Temperaturdifferenzen sind in Stuttgart geringer als zu Wien, größer als zu Paris, bei nicht sehr verschiedenen geographischen Breiten. Die mittlere Sommertemperatur ist in Stuttgart etwas höher als zu Paris, geringer als zu Wien; das Mittel der Wintermonate niedriger als zu Paris, höher als zu Wien.|
Jährliche Temperatur-Differenzen. größte
1825 1826 1827 1828 1829 1830 1831 1832 1833 1834 1830
36,4 39,5 46,2 35,1 44,3 48,9 40,9 36,4 38,6 38,0
1835 1836 1837 1838 1839 1840 1841 1842 1843 1844 1838
39,8 43,2 40,7 47,8 44,5 40,8 39,5 39,1 33,1 35,7
1845 1846 1847 1848 1849 1850 1851 1852 1853 1854 1845
48,3 39,5 37,1 36,2 38,0 35,2 35,3 33,6 40,8 40,5

e) Die Zahl der Sommertage (an denen die Lufttemperatur +20° R. und darüber erreichte), der Eistage (an denen die Temperatur auf oder unter 0 sank) und der Wintertage unter letzteren (an denen die Temperatur nicht über 0 kam), ist von den dreißig Jahren 1825–1854 in nachfolgender Übersicht zusammengestellt:

Zahl der Sommertage. größte
1825 1826 1827 1828 1829 1830 1831 1832 1833 1834 1834
48 57 37 40 26 45 46 36 34 88
1835 1836 1837 1838 1839 1840 1841 1842 1843 1844 1842
61 50 44 47 53 41 60 76 27 20
1845 1846 1847 1848 1849 1850 1851 1852 1853 1854 1847
29 67 46 44 36 25 23 40 30 30
Zahl der Eistage. größte
1825 1826 1827 1828 1829 1830 1831 1832 1833 1834 1829
56 66 70 72 121 96 64 108 76 90
1835 1836 1837 1838 1839 1840 1841 1842 1843 1844 1842
99 72 101 103 81 102 63 107 73 80
1845 1846 1847 1848 1849 1850 1851 1852 1853 1854 1853
94 66 95 74 84 82 94 62 97 77
Zahl der Wintertage. größte
1825 1826 1827 1828 1829 1830 1831 1832 1833 1834 1829
8 33 37 18 68 43 25 24 25 7
1835 1836 1837 1838 1839 1840 1841 1842 1843 1844 1838
25 22 21 50 15 41 21 28 19 41
1845 1846 1847 1848 1849 1850 1851 1852 1853 1854 1847
37 33 40 36 29 33 17 7 39 18
| f) Die Zahl der Schneetage, die Dauer der Schneedecke und die Zahl der Tage, an denen das Erdreich gefroren war, aus den dreißig Jahren 1825–54, gibt folgende übersichtliche Zusammenstellung.
Zahl der
Schneetage
Dauer der
Schneedecke
Tage, an denen
das Erdreich
gefroren war
Zahl der
Schneetage
Dauer der
Schneedecke
Tage, an denen
das Erdreich
gefroren war
1825 28 14 07 1840 18 28 67
1822 22 31 36 1841 32 18 35
1826 35 47 46 1842 27 14 79
1827 20 13 13 1843 18 27 13
1828 40 49 70 1844 30 64 90
1829 27 25 46 1845 34 30 80
1830 30 14 15 1846 20 30 31
1831 13 09 21 1847 27 27 46
1833 17 30 27 1848 21 25 41
1834 24 07 10 1849 25 16 14
1835 24 23 37 1850 33 03 24
1836 30 27 19 1851 27 03 10
1837 40 39 04 1852 17 02 00
1838 38 41 48 1853 37 30 33
1839 25 10 12 1854 32 22 06
Durchschnitt: 26,4 23,5 31,7

Der Winter 1852 war der gelindeste in den 30 Jahren und brachte im Spätjahr gar keinen Schnee; der erste Schnee im Winter 1852/53 fiel erst 13. Jan. 1853. Der Winter 1829/30 war der strengste; in den ersten Tagen Februars war der Bodensee fast ganz zugefroren, was in 100 Jahren kaum zweimal durchschnittlich geschieht.

Rasche Temperaturwechsel sind in den warmen Monaten nach Gewittern häufig; der Herbst hat constantere Witterung, und Nachsommer bis in den November und December hinein sind nicht selten. Auch die Wintermonate zeigen häufigen Wechsel durch häufiges Thauwetter, und anhaltende Frostwitterung ist selten; sie beginnt durchschnittlich erst um Weihnachten. In dreißig Jahren fällt nach den älteren Chroniken etwa ein ungewöhnlich kalter Winter.

g) Die Frost- und Schneegrenzen, d. h. der Eintritt des letzten Frostes und Schnees im Frühjahr und des ersten im Spätjahr, wechseln zwischen März und April einerseits und Oktober und November andererseits; die durchschnittlichen Frostgrenzen aus den dreißig Jahren 1825–1854 sind der 11. April und 27. Oktober, die durchschnittlichen Schneegrenzen der 14. April und 8. November, die durchschnittliche Zeit zwischen dem letzten und ersten Frost 201 Tage, zwischen dem letzten und ersten Schneefall 212 Tage.

| Frühlingsfröste sind nicht selten, doch haben sie selten einen durchgreifend schädlichen Einfluß auf die Vegetation. Im Jahr 1825 erschien am 16. Mai der späteste Frühlingsfrost, welcher die Reben bis zu einem bestimmten Niveau im Thal durchaus zerstörte, doch gaben die Nachtriebe einen an Menge geringen, an Güte vorzüglichen Wein. Die Gabelkhofer’sche Chronik zählt sechsundzwanzig schädliche Frühjahrsfröste in dreihundert Jahren auf.

h) Die Mitteltemperatur der sechs Vegetationsmonate (April bis September) und der auf die Weinreben zunächst einwirkenden fünf Monate (Mai bis September) gibt die nachstehende Übersicht.

1825 1826 1827 1828 1829 1830 1831 1832 1833 1834
April–Septbr. 12,71 13,18 13,00 12,70 11,95 12,75 12,47 11,89 12,13 13,56
Mai–Septbr. 13,34 14,23 13,82 13,58 12,30 13,34 13,13 12,30 13,27 15,10
1835 1836 1837 1838 1839 1840 1841 1842 1843 1844
April–Septbr. 12,37 11,93 11,00 11,93 12,11 12,40 12,69 12,89 11,92 12,60
Mai–Septbr. 13,70 12,94 12,24 13,26 13,54 13,10 13,60 14,06 12,67 13,53
1845 1846 1847 1848 1849 1850 1851 1852 1853 1854
April–Septbr. 11,79 14,07 12,30 12,80 12,25 11,70 11,53 12,45 12,43 12,48
Mai–Septbr. 12,78 15,29 13,60 13,78 13,35 12,43 12,21 13,77 13,65 13,35
B) Brunnentemperatur.
Diese wurde seit dem Jahr 1827 einschließlich an einem Röhrenbrunnen im Garten des Beobachters täglich um zwei Uhr Mittags gemessen. Der Brunnen war bis zum Juli 1835 mit sogenanntem Quellwasser gespeist, das aus den Quellen des Vogelsangthals und einigen anderen, am Abhang der nordwestlichen Hügelreihe (s. oben) entspringenden Quellen gesammelt, in einer früher hölzernen, später thönernen Röhrenleitung 3–4 Fuß tief unter der Erdoberfläche zur Stadt geleitet wurde. Im Jahr 1835 wurde das Wasser allen Privatbrunnen entzogen. Erst im Jahr 1837 war es möglich, das Moment dieser Beobachtungen: die Variationen der Erdtemperatur kennen zu lernen, deren Einfluß| auf die Vegetation wegen ihrer größeren Gleichmäßigkeit mindestens ebenso wichtig ist, als die der Lufttemperatur, zur Anerkennung zu bringen. Zu bedauern ist jedoch, daß nur die Verwilligung von Seewasser (s. oben) erlangt werden konnte, das, unmittelbar von zusammengelaufenen Tagwassern herrührend und noch überdieß durch sein Verweilen im Pfaffensee, dem Feuersee und dem Bassin in der Stadt den Einflüssen der Lufttemperaturwechsel ausgesetzt, keine reine Beobachtung der Variationen der Erdwärme mehr zuläßt.

Es enthält daher die nachfolgende Zusammenstellung die Mitteltemperaturen aus den Beobachtungen der zweierlei Perioden, des Quellwassers und des Seewassers, abgesondert, mit gegenübergestellten Lufttemperaturen.

1827–35
Temperatur des
Quellwassers.
Mittlere
Lufttemperatur
1837–54
Temperatur des
Seewassers.
Mittlere
Lufttemperatur.
Januar 0+3,22 0+1,77 0+3,28 0+0,16
Februar 0+3,05 0+0,91 0+3,35 0+1,31
März 0+4,08 0+3,90 0+4,05 0+3,22
April 0+6,40 0+7,83 0+6,41 0+7,38
Mai 0+9,41 +12,44 0+8,88 +11,07
Juni 0+1,56 +13,65 +11,41 +14,49
Juli +13,15 +15,64 +12,73 +15,44
August +13,20 +14,17 +13,10 +14,85
September +11,81 +11,02 +12,03 +11,85
October 0+9,82 0+7,64 0+9,28 0+7,58
November 0+6,62 0+3,10 0+6,27 0+4,06
December 0+4,51 0+1,33 0+4,00 0+0,70
Jahr 0+8,07 0+7,78 0+7,90 0+7,61
| Es geht hieraus hervor, daß die Curven der Quellen- und Lufttemperatur sich nach beiderlei Beobachtungen im März oder April und im September durchkreuzen; daß jedoch die Jahresdifferenz bei der Beobachtung an Quellwasser größer als beim Seewasser ist, was den oben erwähnten Einfluß der Luftwärme auf das Seewasser bestätigt.

Der tiefste Stand der Brunnentemperatur war im Februar 1830 mit +0,50, wo die Brunnenröhre einfror; die höchste vom Quellwasser mit +14,8 im August 1830; vom Seewasser +18,2 den 7. August 1846.

C. Die barometrischen Verhältnisse.

Das Instrument ist ein Heberbarometer mit Eintheilung nach Zollen und zwölftheiligen Linien par. Maß; die Beobachtungen werden um 7, 2, 9 Uhr angestellt und die Resultate auf +15° R. reducirt. Die dreißigjährigen Durchschnitte von 1825–1854 sind: Morgens 7 Uhr 27″ 4,82‴, Mittags 2 Uhr 27″ 4,54‴, Abends 9 Uhr 27″ 4,74‴; von den Morgen- und Mittag-Beobachtungen zusammen 27″ 4,68‴.

Starke und rasche barometrische Schwankungen sind häufig. Die mittleren monatlichen Barometerdifferenzen aus den dreißig Jahren 1825–1854 sind folgende:

Januar 11,89‴, Februar 11,89‴, März 11,19‴, April 12,13‴, Mai 6,58‴, Juni 7,06‴, Juli 6,28‴, August 7,01‴, September 8,57‴, October 10,86‴, November 11,26‴, December 11,56‴; die größte Jahresdifferenz mit 20,74‴ kam im Jahr 1846 vor.

Die größte Höhe erreichte das Barometer in den genannten dreißig Jahren mit 28″ 1,65‴ am 12. Februar 1849; der tiefste Barometerstand war mit 26″ 4,16‴ den 20. October 1825. Der dreißigjährige Durchschnitt der höchsten Barometerstände ist 27″ 8,88‴ der tiefsten 26″ 3,15‴.

D. Die Windverhältnisse.

Die vorherrschenden Windrichtungen unter den acht Hauptwinden sind nach dreißigjährigem Durchschnitte die südwestliche, nach ihr die nordöstliche und östliche, und zwar ist die südwestliche Richtung die überwiegende in den Monaten Januar bis März, October bis December, während in den übrigen sechs Monaten ein größerer Wechsel stattfindet; am wenigsten häufig weht der SO., S. und W.-Wind. Stärkere Strömungen kommen häufiger in den Gewittermonaten Mai, Juni, Juli vor, eigentliche Stürme von anhaltender Dauer sind dagegen häufiger in den Wintermonaten.

| Die dreißigjährigen Durchschnittszahlen der acht Hauptwinde sind von den drei Tageszeiten Morgens, Mittags und Abends folgende:

N. 123, NO. 172, O. 178, SO. 72, S. 83, SW. 239, W. 88, NW. 118; die übrigen 32 gehen auf Windstillen; die 30jährige Durchschnittszahl der windigen Tage ist 43, der stürmischen 10.

Das durchschnittliche Verhältniß der nördlichen zu den südlichen Windrichtungen aus den dreißig Jahren 1825–1854, die Zahl der nördlichen zu 100 angenommen, ist:

Januar 217, Februar 120, März 122, April 87, Mai 67, Juni 80, Juli 114, August 108, September 107, October 124, November 179, December 194, im Jahr 129.

Das Verhältniß der östlichen zu den westlichen Windrichtungen, die ersteren wieder zu 100 angenommen:

Januar 188, Februar 207, März 178, April 165, Mai 102, Juni 170, Juli 195, August 200, September 113, October 151, November 175, December 451, im Jahr 195.

E) Die wässerichten Niederschläge. Gewitter, Hagel.

Die Gegend Stuttgarts theilt in Beziehung auf wässerichten Niederschlag im Allgemeinen das Klima des flacheren, minder bewaldeten Unterlandes; Überschwemmungen durch starke, anhaltende Regengüsse sind selten, noch seltener durch sogenannte Wolkenbrüche, was sich nun durch die geringe Ausdehnung des dem Nesenbach tributären „Flußgebietes“ erklärt. Doch finden sich in den Chroniken Berichte von einzelnen sehr bedeutenden Überschwemmungen durch Wolkenbrüche, welche in der Stadt und in der Umgebung verheerend wirkten. Winter mit anhaltender Schneedecke sind nicht häufig. Die häufigsten Regenniederschläge kommen vor bei südwestlichen Winden und westlichem Wolkenzug, die ergiebigsten bei nordwestlicher Richtung beider, und bei eben dieser Richtung finden auch die meisten Schnee- und Graupenfälle statt.

a) Die durchschnittliche Menge des meteorischen Wassers in Zeit von vierundzwanzig Stunden aus den dreißig Jahren 1825–1854 in Pariser Cub.-Zoll auf einen Pariser Quadratfuß zeigt folgende Periodicität in den monatlichen Niederschlägen.

Januar 5,84, Februar 6,29, März 6,87, April 8,69, Mai 9,75, Juni 13,17, Juli 11,80, August 12,62, September 10,40, October 7,14, November 8,69, December 6,62, im Jahr 9,03.

Die durchschnittliche Zahl der Tage, an denen meteorisches Wasser fiel, aus den genannten dreißig Jahren, ist folgende; die| unten stehende Zahl bezeichnet die in der oberen begriffene Zahl der Schneetage.

Januar 12,9 5,7, Februar 12,1 5,8, März 14,2 5,5, April 15,8 2,0, Mai 14,2 0,07, Juni 15,5, Juli 14,0, August 13,9, September 12,9, October 13,5 0,5, November 14,5 3,0, December 13,4 4,4, im Jahre 167,1 27,2.

Die größte Regenmenge in vierundzwanzig Stunden war vom 28.–29. October 1824 mit 664,0 Pariser Cubikzoll, nach dieser vom 14.–15. September 1825 mit 437,5 Cubikzoll, und am 1. August 1851 mit 380,0 Cubikzoll; jedesmal waren Überschwemmungen des Nesenbachs und im benachbarten Neckarthal die Folge.

b. Gewitter. Der herrschende Zug der Gewitter ist von W. In dem Stuttgarter Thal sind sie selten mit Blitzschlägen und Hagelfall begleitet, und treffen meist nur mit ihrem südlichen oder nördlichen Rande das Thal, während der Hauptausbruch entweder auf den Fildern oder im Neckarthal stattfindet. Die Blitzschläge werden in den überwiegend meisten Fällen durch die auf den Häusern zahlreich angebrachten Blitzableiter unschädlich gemacht. Die größte Zahl von Gewittern trifft auf die Nachmittagsstunden 12–6 Uhr, nach diesen auf die Nachtstunden 6–12 Uhr; nach Mitternacht erscheinen selten Gewitter, und Morgens am seltensten. Wintergewitter sind gleichfalls sehr selten.

Die Zahl der Gewittertage in den einzelnen Monaten ist folgende gewesen:

1) Von 1825–1854.

Jan. 3, Februar 2, März 5, April 36, Mai 119, Juni 168, Juli 131, August 125, September 32, October 6, November 5, December 2.

2) Von 1792–1854 (bis 1824 nach den Berichten des Schwäbischen Merkurs).

Januar 3, Februar 3, März 8, April 66, Mai 199, Juni 244, Juli 208, August 186, September 52, October 9, November 5, December 2.

c. Hagelschläge sind nicht häufig im Thal von Stuttgart, sie ziehen mehr den umgebenden Höhen nach; noch seltener sind sie von erheblichem Schaden begleitet. In der nachfolgenden Übersicht der in den Jahren 1825–1854 vorgekommenen Tage mit Hagel sind die auf den Amtsbezirk kommenden mitgezählt.

Februar 2, März 8, April 14, Mai 24, Juni 17, Juli 10, August 6, September 5, October 6, November 2, December 5.

|
F. Wässerichte Ausdünstung und Luftfeuchtigkeit.

a. Die wässerichte Ausdünstung als Maßstab für den relativen Feuchtigkeitsgehalt der Luft und den davon abhängigen Feuchtigkeitsgehalt des Erdbodens wird täglich einmal Abends 9 Uhr an einem calibrirten, mit Regenwasser gefüllten Gefäß aus Messing nach Granen des Medicinal-Gewichts gemessen und auf Pariser Cubikzolle Wasser, welche von einem Pariser Quadratfuß verdunsten, reducirt. Die nachfolgende Übersicht gibt die durchschnittliche Menge des verdunstenden Wassers von den einundzwanzig Jahren 1834–1854 in Pariser Cubikzollen an.

Januar 78,27, Februar 96,95, März 198,19, April 307,56, Mai 410,83, Juni 448,59, Juli 514,60, August 401,85, September 274,44, October 159,57, November 105,90, December 77,90.

b. Die Luftfeuchtigkeit wird an einem Psychrometer täglich dreimal, 7, 2, 9 Uhr, beobachtet. Die hieraus berechneten Momente: mittlerer Thaupunkt, oder derjenige Temperaturgrad, wobei sich das in der Luft dunstförmig enthaltene Wasser tropfbar niederschlagen würde; die mittleren psychometrischen Differenzen oder der Minderbetrag des mittleren Thaupunkts gegen die mittlere Lufttemperatur; und die Wassermenge in einem Cubikfuß Luft, in Granen ausgedrückt, liefert folgende Übersicht aus den zwanzig Jahren 1835–1854.

1) Mittlerer Thaupunkt: Januar −2,21, Februar −0,92, März −1,03, April +1,05, Mai +4,73, Juni +7,88, Juli +9,00, August +9,01, September +6,89, October +4,25, November +1,11, December −1,50.

2) Mittlere Psychrometer-Differenzen: Januar 2,23, Februar 3,02, März 4,36, April 5,89, Mai 6,74, Juni 6,62, Juli 6,52, August 5,87, September 4,95, October 3,65, November 2,97, December 2,13.

3) Mittlere Wassermenge in 1 Cubikfuß Luft: Januar 2,96, Februar 3,08, März 3,31, April 3,87, Mai 5,16, Juni 6,73, Juli 7,21, August 7,29, September 6,08, October 5,10, November 3,82, December 2,25.

G. Allgemeine Witterungserscheinungen.
Die Durchschnittszahlen der klaren (an denen der Himmel nie ganz bedeckt war), der trüben (an denen der Himmel nie eine blaue Stelle zeigte), der gemischten und der neblichten Tage, und die mittlere Bewölkung aus den dreißig Jahren 1825–1854, geben wir in folgender Übersicht. Unter mittlerer Bewölkung wird die arithmetische Durchschnittszahl verstanden, wenn man die| Beobachtung der Bewölkung des Himmels nach folgender Scale in Zahlen ausgedrückt:

Ganz heiterer Himmel = 0, 3/4 des Himmels klar = 1, die Hälfte klar = 2, 1/4 klar = 3, ganz bewölkt = 4.

Januar. Februar. März. April. Mai Juni. Juli.
a) klare Tage 05,23 06,80 07,90 09,00 12,30 11,13 13,23
b) trübe Tage 09,70 06,06 06,40 04,50 02,80 03,10 01,50
c) gemischte Tage 16,00 15,14 16,50 16,50 15,90 15,77 16,27
d) neblichte Tage 18,53 16,13 15,25 10,40 03,30 01,10 01,66
e) mittlere Bewölkung 02,92 02,67 02,65 02,13 02,36 02,50 02,73
August. September. October. November. December. Jahr.
a) klare Tage 12,50 12,63 09,43 04,93 05,37 110,56
b) trübe Tage 02,30 02,94 05,43 08,63 09,63 061,97
c) gemischte Tage 16,20 14,43 16,14 16,44 16,00 192,66
d) neblichte Tage 02,70 08,66 13,96 16,00 18,66 125,03
e) mittlere Bewölkung 02,34 02,20 02,54 02,64 02,66 002,92

Die Zahl der trüben Tage beträgt demnach durchschnittlich nicht ganz die Hälfte der klaren, und diese nicht ganz die Hälfte der gemischten. Die Zahl der neblichten Tage, worunter nun solche zu verstehen sind, an denen ein leichter Nebel die umgebenden Höhen umzieht, bis zu solchen, an denen dichter Nebel auf der Erdoberfläche liegt, beträgt nahezu 1/3 des Jahrs und ist am geringsten in den Sommermonaten, am häufigsten in den Wintermonaten. Letztere, die dichten, auf der Erde lagernden, Nebel haben ihren Ursprung gemeiniglich im Neckarthal und reichen mehr oder weniger weit in das Stuttgarter Thal hinauf, so daß nicht selten die höheren Stadttheile Sonnenschein haben, während die niedrigen vom Nebel bedeckt sind. In den Sommermonaten verkündigt eine dünne neblichte Umziehung der südöstlichen bewaldeten Hügel (Bopser) des Morgens gemeiniglich ein im Laufe des Tages ausbrechendes Gewitter. Höhenrauch wird, jedoch nicht jedes Jahr in merklicher Weise, im Mai und Juni verspürt.

7. Geognostische Verhältnisse, Mineralien, Petrefakten.

Das Stuttgarter Thalbecken, sowie das ihm parallele Bothnang-Feuerbacher Thal, ist durchaus in die Formation des Keupers eingesenkt, welche an den Thalgehängen in seltener Vollständigkeit ihrer Formationsglieder ansteht. Nur die höchsten Punkte der umgebenden Höhen haben aufgesetzte Kuppen der untersten Glieder der Liasformation, gleichsam vereinzelte Vorposten der, die Glieder des „schwarzen Jura“ als nächsten Untergrund der Dammerde enthaltenden, Filderebene.

a. Die Thalsohle.
Daß die Formation des Muschelkalks, welche schon eine halbe Meile von Stuttgart im Neckarthal bei Untertürkheim und| bei Münster, sowie bei Zuffenhausen zu Tage geht und für Straßenbeschläge ausgebrochen wird, unter die Thalsohle des Stuttgarter Thalbeckens einschieße, scheint aus mehreren der oben erwähnten Bohrversuche hervorzugehen; nur wurden bei Letzteren leider weder die Teufen, noch die Schichtenfolgen beachtet, daher hierüber nichts Näheres, noch Gewisses anzugeben ist.

Eine Spur von dem Vorhandensein der Lettenkohlenformation im Stuttgarter Thalgrunde, dieses merkwürdigen, die eigentliche Steinkohlenformation in kleinerem Maßstabe wiederholenden Grenzgebildes zwischen den Meeresablagerungen des Muschelkalks und den Binnengewässer-Ablagerungen der Keuperformation, zeigte sich mit einem blaugrauen Mergelschiefer, auf welchen man vor etwa fünfzehn Jahren durch Abteufen eines Brunnenschachtes bei der Badeanstalt des Dr. König in der Paulinenstraße am Fuß des Reinsburghügels stieß; die nicht seltenen Einschlüsse von Fischschuppen von der Streifung der, Gyrolepis tenuistriatus Ag. benannten, scheinen dieses Gebilde der Kohlenlette anzureihen, welche schon bei Zuffenhausen als Dach des Muschelkalkes zu Tage ansteht, während eine halbe Stunde weiter nördlich die Lettenkohlenformation mit einer (jedoch nicht bauwürdigen) Lettenkohlenschichte in großer Vollständigkeit ihrer Formationsglieder bei Kornwestheim durch Tagbau auf den dort mächtigen Lettenkohlensandstein aufgeschlossen ist. Letzterer wird als vortreffliches Baumaterial zu Quadersteinen und sogar für plastische Arbeiten angewendet. Die Dannecker’schen Nymphen z. B. in dem oberen Schloßgarten, die Distelbarth’sche Vase auf dem Vorplatz des Kunstgebäudes in der Neckarstraße und die württembergischen Ahnenbilder in dem Chor der Stiftskirche zu Stuttgart sind aus diesem Sandstein gefertigt.

Die untersten Glieder der Keuperformation scheinen sich ziemlich gleichförmig unter der Thalsohle des Stuttgarter Thals zu verbreiten und überall die Sohle der Diluvial-Ablagerungen zu bilden. Wenigstens wurden die oben erwähnten Bohrlöcher an den verschiedenen Stellen des Thalbeckens durchgängig von diesen Formationsgliedern des Keupers aus niedergetrieben.

Die Diluvial-Ablagerungen des Stuttgarter Thals sind folgende: a) Der „Canstatter Süßwasserkalk“ (Kalktuff, Mineralwasserkalk) erstreckt sich stellenweise in der Thalsohle bis in das Weichbild der Stadt herauf, und hat auf der südwestlichen Grenze des letzteren in der Tübinger Vorstadt die Grenze seiner Erstreckung. Er bildet mehr oder weniger mächtige Bänke, wechsellagert mit den übrigen Diluvial-Ablagerungen, und scheint sogar an einigen Punkten, wie z. B. bei der neuen Reiterkaserne, den Diluvial-Lehm| und Schutt zu durchsetzen, dem er hier stellenweise als Bindemittel zu einer ziemlich festen Masse dient. Von Berg her, wo der Kalktuff im Bette des Nesenbachs zu Tage ansteht und von der östlichen Ecke des Rosensteinhügels bis zum Fuß der, die Kirche zu Berg tragenden Anhöhe sich erstreckt, zieht sich auf dem rechten Ufer des Nesenbachs bis zu dem Königsbad herauf eine ziemlich mächtige Ablagerung dieses Kalktuffs mit Incrustationen von Sumpf- und anderen Wasser-Pflanzen und Einschlüssen von Land- und Süßwasser-Schalthieren, wie sie die Schichten der Canstatter Tuffsteinbrüche aufweisen. Diese Ablagerung bildet dort den Untergrund der Dammerde, und wurde in früheren Zeiten und noch zu Anfang dieses Jahrhunderts auf eine Schichte gelblichen Kalksandes zwischen den Tuffsteinschichten (wie solcher zu Canstatt gleichfalls vorkommt), ausgebeutet, indem dieser Kalksand, und sogar der zerklopfte Kalktuff selbst, statt des Quarzsandes als Beisatz zum Mörtel für Bauten angewendet wurde, woher auch der Name dieser Gewanne „Sandäcker“ seinen Ursprung haben mag. In diesen „Sandgruben“ fanden sich, außer den schon erwähnten organischen Resten, auch fossile Knochen und Zähne, z. B. vom Mammuth, Pferd, Rind etc., wie sie in dieser Formation zu Canstatt gleichfalls vorkommen; doch fehlen hierüber nähere Angaben; die paläontologischen Forschungen begannen erst in späterer Zeit und seit Jahrzehnten sind die „Sandäcker“ ihrer landwirthschaftlichen Bestimmung zurückgegeben. In nesterartigen Höhlungen dieser Tuffbänke soll sich stellenweise ein dunkler Eisen- und Braunsteinmulm gefunden haben, wie dieses Mineral auch zu Canstatt vorkommt. Bei den oben erwähnten Bohrungen der artesischen Brunnen bei der Berger Baumwollspinnerei wurde diese Mineralwasser-Ablagerung zunächst unter der Dammerde durchsunken, ebenso bei Erbauung des „Königsbades“ und bei den oben erwähnten Bohrversuchen des Besitzers desselben, sowie bei dem neueren Bohrversuch in dem landwirthschaftlichen Versuchsgarten. Von hier aus scheint sich diese Formation weiter auf das linke Ufer des Nesenbachs durch einen Theil des unteren Schloßgartens bis zu dem dortigen Mineralwasserbrunnen zu erstrecken. Einer mächtigen Bank des Mineralwasserkalks bei dem Königl. Orangeriegebäude ist oben gedacht. Bei dem Bau der benachbarten Reiterkaserne stieß man gleichfalls auf Kalktuffablagerungen. Bei Grabung des Kellers unterhalb der Metzler’schen Schriftgießerei in der Calwerstraße vor etwa fünfzehn Jahren stieß man auf eine 8–10′ mächtige, von starken Incrustationen von Arogonit durchsetzte Kalktuffbank, mit eingeschlossenen Backenzähnen vom Pferde u. a. Bei dem Bau des „Bazargebäudes“ und des neuen „Kanzleigebäudes“ in der Königsstraße,| des Eckhauses der Königs- und Schloßstraße, des neuen Pfarrhauses und des Realschulgebäudes in der Kanzleistraße, bei dem Hause des Directors v. Seyffer in der Lindenstraße (137 württ. Fuß über dem Neckarniveau bei der Brücke zu Canstatt, der höchste Punkt, wo bis jetzt im Stuttgarter Thal der Kalktuff gefunden wurde) stieß man auf schwächere Bänke des Kalktuffs und ebenso früher (1821) bei Bauten in der Tübinger Vorstadt.

1

Die Grenzen dieser Kalktuffablagerung im Stuttgarter Thal zeigen eine merkwürdige Übereinstimmung des Niveau mit den mächtigeren Kalktuff-Ablagerungen im Canstatter Thal, wo dieselben in zahlreichen Steinbrüchen zu Bausteinen ausgebeutet werden. Diese liegen: auf dem rechten Neckarufer von der Halbscheid des Weges zwischen Untertürkheim und Canstatt an bis unterhalb des Sulzrains; der Eisenbahneinschnitt unmittelbar oberhalb Canstatt hat eine Bank dieser Ablagerung durchschnitten; auf dem linken Neckarufer am Abhang und Fuß des Rosensteinhügels von dessen östlicher Ecke an bis zum Theater, dann von der sogenannten „Todtenstaig“ (Weg zum Canstatter Friedhof) an über das ganze Altenburger Feld bis unterhalb des Pfarrdorfs Münster, und zwar hier in einer Höhe von etwa 60–80′ über dem jetzigen Neckarspiegel bei der Canstatter Brücke. Diese Übereinstimmung des Niveau in Verbindung mit der bei der Berger Spinnerei und in dem landwirthschaftlichen Garten gelungenen Erbohrung von Mineralwasser des gleichen, nur in den Verhältnissen abweichenden Mineralgehalts, wie die Berger und Canstatter Quellen, sowie mit dem erwähnten Anspringen eines schwachen Sauerwassers bei dem Orangeriegebäude und mit der stellenweisen Durchdringung des Diluvial-Lehms und Diluvial-Schutts mit Kalktuff – sind Erscheinungen, welche die Vermuthung begründen, daß in den Zeiten der Ablagerung dieser Kalktuffbänke das Canstatter und theilweise das Stuttgarter Thalbecken bis zu dem Niveau dieser Tuffbänke oder noch über dasselbe hinaus, einen zusammenhängenden See gebildet haben, bis das Wasser des letzteren den noch heutzutage der Spur nach vorhandenen, unterhalb Münster das Neckarbett durchsetzenden, unter einem Winkel von etwa 15–20° flußaufwärts aufgerichteten Muschelkalkdamm nach und nach durchbrochen hatte. Der durch dieses Seeniveau gesteigerte hydrostatische Druck nöthigte somit die, heutzutage in der Thalsohle bei Canstatt und Berg zu Tage kommenden, reichen Sauerwasserquellen, ihren Ausbruch in höherem Niveau an den Ufern des See’s und somit bis in die angegebenen Erstreckungen seitwärts und aufwärts in dem Canstatter und Stuttgarter Thal zu suchen. Hier mußten sich nun, wie dies noch heutzutage bei den Berger und Canstatter| Quellen der Fall ist, die aufgelösten doppelt-kohlensauren Kalk- und Eisensalze, nachdem sie, durch Entweichen von Kohlensäure unter dem Einfluß höherer Temperatur und dem Aufhören des hydrostatischen Drucks an der Oberfläche, auf einfach kohlensaure Salze reducirt waren, in dem ruhigeren Gewässer an den seichteren Ufern des See’s in Form von Incrustationen und Niederschlägen absetzen. Daß diese Seitenquellen aus dem Canstatter Thermalfocus sehr stark waren, beweisen die mächtigen Ablagerungen zu Canstatt, und daß sie von erhöhterer Temperatur, als heutzutage gewesen sein mögen, geht aus den mächtigen aragonithaltigen Bänken oberhalb des Sulzrains bei Canstatt, bei dem Königl. Orangeriehaus und in der Calwerstraße in Stuttgart hervor.

b) Das mit dem Canstatter Mineralwasserkalk vergesellschaftete und theilweise wechsellagernde Conglomerat (Canstatter Nagelfluhe, Mineralwasserbreccie), bestehend aus Geschieben des Neckars, wie sie heutzutage noch vorkommen, welche durch einen Niederschlag von kohlensaurem Kalk, – offenbar, wie der Kalktuff selbst, aus dem Mineralwasser – cementirt sind, findet sich im Stuttgarter Thalbecken selbst nicht, sondern auf dem Gebiete der Stadt nur an dem Abhang oberhalb des Weilers Berg gegen Gaisburg hin, und an dem Hügel daselbst, welcher die Kirche trägt, gehört also ausschließlich dem Canstatter Thalbecken an. Dieses Gebilde ist, nach seinen Ablagerungsverhältnissen im Canstatter Thal zu schließen – und zwar, auf dem linken Neckarufer vom Rosensteinhügel an auf dem ganzen Abhang dieser Anhöhe bis zu dem Thaleinschnitt, durch welchen die Straße von Canstatt nach Ludwigsburg führt, und noch auf einem Punkte der sogenannten „Halden“ unterhalb dieses Thaleinschnitts, auf dem rechten Neckarufer am Seelberg und am Sulzrain, wo es sich bis zu 80′ Höhe über dem jetzigen Neckarspiegel erhebt, – ein Product der durch die Umbiegung des Neckars bei Canstatt veranlaßten Strömungen zur Zeit des dort bestehenden See’s, in Verbindung mit den an den Ufern des letzteren, wie oben erwähnt, zu jener Zeit zu Tage kommenden Mineralwasserquellen, welche das Bindemittel lieferten.

c) Der rothe Diluvial-Lehm nimmt, wie bereits in dem Abschnitt „Boden“ erwähnt, als unmittelbarer Untergrund der Ackerkrume einen großen Theil des Thalgrundes in verschiedener Mächtigkeit ein; nur in den Rinnsalen der Bäche ist derselbe auf größere oder geringere Erstreckungen entweder durch Abschwemmungen entfernt, oder durch Alluvialschutt ersetzt oder überschüttet, auch reichen die Abflößungen der Thalgehänge mehr oder weniger weit in den Thalgrund herein. Nicht selten ist der Lehm, und zwar| zunächst an den tieferen Stellen der Thalsohle, ersetzt, unterteuft oder durchsetzt von mehr oder weniger mächtigen Bänken von Diluvialschutt, der im Canstatter Thale gänzlich fehlt, bestehend aus Sand, Grus und an den Kanten abgeschliffenen Geschieben verschiedener Größe von Formationsgliedern des Keupers der umgebenden Höhen (deren Sandsteine und feste Mergel oft von mehreren Centnern Gewicht vorkommen), und von Kalk- und Sandsteinen und Mergeln des Lias vom Filderplateau, mehr oder weniger gemengt mit Lehm. Auf manchen Punkten, wie bei der Reiterkaserne, am südlichen Abhang des Rosensteinhügels beim Eingang des Tunnels und im Eisenbahneinschnitt an der „Worfmershalde“ ist dieser Diluvialschutt durch kohlensauren Kalk zu festen Massen cementirt. In dem zum Brager Eisenbahntunnel führenden Eisenbahneinschnitt wurden neben Keuper-Sandstein- und Mergel-Geschieben nicht selten Geschiebe von Liaskalk, Liasmergel und Liassandstein, von Nagelkalk und abgerollte Petrefakte des unteren Lias, wie namentlich Gryphaea arcuata, Belemnites digitalis, Bruchstücke von Lias-Ammoniten u. a. in diesem Diluvialschutt gefunden. An anderen Stellen wechselt derselbe mit einer oft eisenschüssigen, oft blauen bis schwarzgefärbten Diluvial-Lette, oder wird er von ihr unterteuft, durchsetzt oder überlagert, manchmal ist sie mit Torf vergesellschaftet und scheint überhaupt ihre schwarze Färbung diesem zu verdanken. Der Diluvial-Lehm selbst bildet jedoch stets die oberste Ablagerung des Diluviums, indem er nicht nur den Schutt und die Lette, sondern auch den Kalktuff überlagert und diese Gebilde da und dort höchstens durchsetzt, nie aber unterlagert.

An manchen Stellen enthält der Diluvial-Lehm oft in großer Menge die sogenannten „Klapperkugeln“, thonicht-kalkichte Concretionen von 1/2–6 Zoll und noch mehr Durchmesser, von unbestimmt rundlichen, unregelmäßigen Formen, (am meisten den Kartoffelknollen ähnlich), deren innere, durch das Festwerden der ursprünglich schlammichten Masse entstandene, Zerklüftungen häufig Ablosungen eckichter Partieen im Inneren entstehen ließen, welche beim Schütteln wie die Erbsen in einer Kinderklapper wirken. Auf der Höhe der „Sonnenberghalde“ enthält der, die Ackerkrume in den dortigen Güterstücken bildende, Diluvial-Lehm viele Klapperkugeln mit eingeschlossenen calcinirten Heliciten; wie denn der Diluvial-Lehm und die Lette stellenweise häufig Land- und Süßwasser-Schalthiere enthalten, während der Diluvialschutt deren keine zeigt.

Der Diluvial-Lehm und der Tuff hauptsächlich, weniger die Lette und der Schutt, haben bei den vielen Grabungen, welche| aus Anlaß von Bauten seit Jahrzehnten in der Stadt und ihrer nächsten Umgebung vorkamen, eine große Menge fossiler Knochen geliefert. Am häufigsten fanden sich Überreste an Backenzähnen, Knochen, seltener Stoßzähne des Mammuth (Elephas primigenius), Knochen und Zähne – (bei der Reiterkaserne ein vollständiger Schädel) – des Nashorn (Rhinoceros tichorhinus), Knochenreste einer (ausgestorbenen) Ochsenart (Bos fossilis Cuv.), eines Hirsches (Cervus primigenius?), eines Pferdes, Zähne und Knochen vom Höhlenbär (Ursus spelaeus, bei der Reiterkaserne), eines wolf- oder hyänenartigen Raubthiers. Diese Knochenreste fanden sich im Lehm, namentlich bei dem Bau des Museums der bildenden Künste, in den „Kienlen“, auf dem Wilhelmsplatz, bei der neuen Kaserne am früheren Postplatz, in der Kronen-, Schloß-, rothen Straße, bei der Reiterkaserne, am Rosenstein, an der Weinbergshalde „Mühlberg“ u. a. O. Die dem Diluvial-Lehm eigenthümlichen Schalthiere sind: Succinea oblonga, Helix costulata und hispida, Pupa muscorum; sie fehlen in dem Schutt und in der Lette. An den oben erwähnten Stellen, wo man auf den Tuff stieß, fand man gleichfalls Knochenreste und Zähne vom Elephanten, Rhinoceros, Pferd und Ochsen, doch wurden sie allzusehr unter die vorübergehenden Sammler zerstreut, als daß eine sichere Controle über die Funde möglich gewesen wäre.

Ein Süßwasserkalk-Tuff neuester Bildung setzt sich oberhalb Heslach, im „Kaltenthal“ auf dem rechten Ufer des Nesenbachs, entlang des Gehänges der Waldhügel an Stellen ab, wo ihr Fuß, durch die periodischen Anschwellungen des Baches unterwaschen, die Schichten des Keupermergels anstehend zeigt; das in nasser Jahreszeit an diesen entblösten Hügelwänden aus den Schichtflächen und Zerklüftungen aussickernde Wasser setzt den Tuff ab. Ein ziemlich mächtiges Lager solchen Kalktuffs wurde vor etwa zehn Jahren bei den ersten Häusern des Dorfes Kaltenthal etwa 20′ über der dortigen Thalfläche aus Anlaß einer Kellergrabung aufgeschlossen und, gleich dem in den Thälern der schwäbischen Alp gewonnenen Kalktuff, mit Vortheil als Baumaterial benützt, indem er sich mit Steinsägen bearbeiten ließ. Die Einschlüsse zahlreicher, nicht calcinirter Land- und Süßwasserconchylien der jetzigen Fauna beweisen seinen neuesten Ursprung.

Torf-Ansätze finden sich nur in untergeordnetem Verhältniß: in dem Grunde des unteren Schloßgartens, auf der Höhe des Rosensteins und in der Nähe des Postsee’s.

|
b. Die Thalgehänge.

α. In den Thalgehängen des Stuttgarter, wie des Bothnang-Feuerbacher Thals, beginnt die Schichtenfolge der in denselben anstehenden Glieder des Keupers, von unten nach oben, mit der mächtigen Gypsgruppe des Keupers. Die grauen, theilweise in’s Gelbe und Rothe abändernden, schieferigen Gypsmergel, in welchen bis jetzt blos am Fuß des Bopsers, der Reinsburg gegen Heslach zu, und des Ameisenbergs Gypsstöcke in und über dem Niveau der Thalsohle aufgeschlossen sind, unterteufen die letzteren noch mit ihren unteren Schichten. Sie erreichen eine Mächtigkeit von etlichen bis gegen 50′ (am Bopser). Die in dieselben eingekeilten Gypsstöcke, von mehr oder weniger Erstreckung und einer Mächtigkeit von etlichen Zollen bis zu 3 und mehr Fußen, wechsellagern mit den Mergelschichten, welche alsdann mehr oder weniger von Gyps durchdrungen sind. Dieser zeigt sich hier theils derb in flachen Scheiben oder kuchenartigen Knauern, weiß, grau, gelb, roth, violett, theils fasericht in Plattenform bis 1 Zoll mächtig, selten späthig auf den Kluft- und Ablösungs-Flächen, und durchdringt netzartig in dünnen Plättchen die Zerklüftungen der zwischenliegenden Mergelschichten. Die Gypsstöcke selbst sind meist weiß, weißgrau und schwärzlich geadert und gehen da und da in körnigen Alabaster über. Der Gypsmergel am Fuß des Bopsers, in welchem die zwei übereinander angelegten Keller der sogenannten „Actienbrauerei“ ausgegraben wurden, ohne das Liegende desselben zu erreichen, erhebt sich entlang des gepflasterten Weges bis etliche Klafter unter die Höhe des „Bopserbrünnle“ und wurde noch vor dreißig Jahren stark auf Gyps ausgebeutet. Man sieht am Fuß der Weinbergsmauern auf dem nicht gepflasterten Trottoir dieser Ansteigung derbe Gypsschichten in mehrfacher Wiederholung und mehreren Fußen Mächtigkeit anstehen; an den beiden anderen Fundorten wurde die Gypsgruppe bis jetzt nicht auf Gyps abgebaut.

Die ganze Keupergyps- oder untere graue Keupermergel-Gruppe im Stuttgarter Thal wurde bis jetzt versteinerungsleer gefunden, während der dem unteren Keupergyps zugezählte Gypsstock am Fuß des Asbergs mehr oder weniger undeutliche Steinkerne von Schalthieren und Knochenfragmente einschließt, welche als denen des Muschelkalks identisch erkannt werden müssen. Es wird daher dieser Gypsstock eher der Lettenkohlengruppe zuzuzählen sein, in welcher der Gyps theils als unmittelbarer Überzug der Knochenreste, theils als Ausscheidung in größeren oder geringeren Partieen eine nicht ganz untergeordnete Rolle spielt. Hiefür scheint auch der Umstand zu sprechen, daß ein zweiter petrefaktenleerer,| dem Keupergyps des Stuttgarter und Canstatter Thals durchaus analoger Gypsstock am Abhang des Aspergs in einem mehrere Klafter höheren Niveau über dem petrefaktenführenden ansteht.

β. Die Gruppe des feinkörnigen Keupersandsteins erhebt sich mit ziemlich mächtigen Schichten eines bunten, grauen, grünlichen oder rothen Keupermergels über der Gypsgruppe, ohne daß ein bemerklicher Übergang von den grauen, mehr schiefrigen Gypsmergeln in diesen bunten, mehr bröcklichten wahrzunehmen wäre.

Diese Mergelschichten zeigen mitunter (Herdweg, Steige nach dem Hasenberg) netzartige Ausfüllungen ihrer Zerklüftungen mit sinterartigen Kalkspathblättchen, analog den Gypsmergeln; ferner dünne, kaum etliche Linien mächtige, sich auskeilende Schichten eines körnigen bis erdigen, unreinen Kalkes von gelblich-grauer Farbe; anderwärts (untere Serpentine der neuen Weinsteige) Drusenräume von 1/2–6″ Durchmesser, deren dünne und bröcklichte Wände mit dünnen Krusten rhomboidalen Kalkspaths ausgekleidet sind. Am Fuß der Bothnanger Steige enthält eine grünlich-graue Mergelschichte in einem Niveau von etwa 30′ unter den dortigen Werksteinbrüchen Abdrücke von Pflanzenresten, wie Pterophyllen, Equiseten u. a.

Die den feinkörnigen Keupersandstein unterlagernde Bunt-Mergelgruppe wird mitunter von Schichten eines harten, senkrecht (fast prismatisch) zerklüfteten Steinmergels in verschiedenen Wiederholungen (Herdweg) durchsetzt, welcher ab und zu Schnüre derben Baryts einschließt. Auf einer gelblich-grauen Mergelschichte als Sohle lagert der feinkörnige Keupersandstein (Stuttgarter Werkstein, Thonsandstein, mit Unrecht Schilfsandstein genannt, weil er die Calamiten nicht ausschließlich hat) in sehr verschiedener Mächtigkeit, von etlichen Zollen bis zu 40 und mehr Fuß und in einem nicht bedeutend verschiedenen Niveau rings an den Thalgehängen auf, und wird in zahlreichen Steinbrüchen als das gewöhnliche Steinbaumaterial für Hochbauten und Weinbergsmauern zu Tage gefördert. Am mächtigsten zeigt er sich: am südöstlichen Thalgehänge auf den „Eßlinger Bergen“, in den „Steingrüben“ und in den „Kienlen“; am nordwestlichen Thalgehänge auf der Höhe der in das Thal vom Hasenberg her vorspringenden Reinspurg, am Bothnanger Weg, in der Weinbergshalde „Kornberg“, im „Himmelsberg“ am Fußweg nach Feuerbach, in der oberen „Mönchhalde“, auf dem östlichen Abhang der Feuerbacher Heide, und auf dem westlichen Abhang des nordwestlichen Hügelzugs in das Bothnanger Thal im „Kräher-Wald“.

| In verschiedenen Niveaux seiner Mächtigkeit zeigt der feinkörnige Keupersandstein verschiedene Abänderungen, welche bald mehr oder weniger reich an Glimmerblättchen, hauptsächlich in seinen dünnschieferigen Partieen bis zu Ausscheidungen von Katzengold und Katzensilber, bald quarzreicher oder thonreicher sind, während Thon fast durchaus das Bindemittel dieser „Thonsandsteine“ ist. In den tieferen Schichten hat er gemeiniglich den gewöhnlichen, gelblich-grauen Ton, in den mittleren kommen gelbgrünliche, ölgrüne, lilafarbige, violette und bläuliche Abänderungen vor, in den oberen wird er ziemlich eisenschüssig, durchaus röthlich bis in’s Violette, oder grünlich und von horizontalen rothen Adern oder Strichen durchsetzt; oft wird er ganz eisenschüssig und dem Thoneisenstein ähnlich. In den grünen und blauen Abänderungen enthält er nicht selten Anflüge und Einsprengungen von Kupferlasur und Malachit, in den gewöhnlichen gelblich-grauen häufig Knauern von Schwefeleisen, in den oberen rothen zuweilen Knauern und Einsprengungen von Rotheisenstein und häufige Ausfüllungen der Zerklüftungen mit Massen feinstenglichen Kalkspaths (Kienlen). In den obersten Schichten, sowie da, wo sich der Sandstein an und für sich von geringer Mächtigkeit zeigt, wird er plattenförmig bis in’s Schieferige, und enthält häufig Mergelnüsse (Thongallen) eingeschlossen. Diese plattenförmigen Sandsteine zeigen an ihren Ablosungsflächen häufig durch wellenförmige Bildung derselben die Einwirkung des Wellenschlags auf dem Grund seichter Gewässer, wo keine unmittelbare Strömung herrschte.

Zumeist die Bänke von der gewöhnlichen gelbgräulichen Färbung und namentlich deren obere plattenförmige Schichten enthalten die charakteristischen organischen Einschlüsse aus dem Pflanzenreich: Calamites arenaceus; Equisetum columnare; Pterophyllum Jägeri, macropterum, longifolium, pectinatum, brevipenne; Pecopteris Stuttgartiensis, seltener Taeniopteris vittata, noch seltener Voltzia keupeurina; auch finden sich nicht selten Holzfragmente ohne Spur von Jahrringen in mehr oder weniger verkohltem (mulmigen) oder durch Eisenverbindungen versteinertem Zustande in den Sandstein eingebettet.

Aus dem Thierreich wurden in den gelbgrauen Werksteinbrüchen der Feuerbacher Heide und den eisenschüssigen oberen Schichten in den Kienlen gefunden: Schädel, Knochen, Schilder und Koprolithen von den Labyrinthodonten: Capitosaurus robustus und Metopius diagnosticus Herm. v. Meyer[7], und| Reste eines noch nicht bestimmten, lang- und schmalschnauzigen, nicht zu den Labyrinthodonten gehörigen Sauriers, der sich, nach den tief in das Zahnbein eingesenkten und eng von demselben umschlossenen Zahnwurzeln zu urtheilen, wohl dem Geschlechte Belodon anreihen dürfte. Eben diese (mittleren) Sandsteinbänke zeigen auf ihren unteren Schichtflächen, wo sie auf dünnen, grauen Mergelschichten auflagern, Fährtenreliefs in regelmäßigen Doppelschritten (Weg nach Bothnang), welche vielleicht den genannten Sauriergeschlechtern angehörten[8]. Ferner finden sich auf solchen Schichtflächen nicht selten kleine, cylindrisch-köcherförmige, mit dem einen Ende in den Sandstein verlaufende Steinkerne, welche auf mit der Masse des Sandsteins ausgefüllte Röhren im unterlagernden Schlamm, das Product einer mit Tubifex antiquus Pl. bezeichneten Annelide, gedeutet wurden[9]. Auf der unteren Schichtfläche der plattenförmigen, das Ausgehende der Sandsteinablagerungen gegen das Hangende bezeichnenden Abänderung des feinkörnigen Keupersandsteins zeigt sich (Feuerbacher Heide) nicht selten eine Anhäufung mehr oder weniger gekrümmter, bis zur Hufeisenform gestalteter Wülste, die als Ausfüllungen der im Schlamm zurückgebliebenen Eindrücke von schallosen Mollusken gedeutet wurden[10].

γ. Auf die Gruppe des feinkörnigen Keupersandsteins folgt sodann wieder eine Mergelgruppe, in ihren untersten Schichten mit den plattenförmigen oder schieferichten Schichten des ersteren wechsellagernd, oft auch in dieselben mit eingesprengten oder eingeschlossenen rothen, grünen, blauen und schwärzlichen Mergelnüssen eingehend. Sie besteht aus grauen, dann über diesen aus rothen und rothbraunen Schichten von verschiedener (die ganze Gruppe bis an 50′ reichender) Mächtigkeit, häufig mit grünen Abänderungen durchsetzt. Die rothen Abänderungen enthalten nicht selten dichten Rotheisenstein, in Knauern von ein und etlichen Cubikzollen Größe, eingeschlossen (Herdweg).

Auf den Kriegsbergen, angrenzend an den Fußweg nach Feuerbach, steht ein Lager einer schieferigen Braunkohle, eingebettet zwischen den feinkörnigen Keupersandstein und die ihn sonst überlagernden Thonmergel, an, welches von 1611–1617 durch Baumeister Schickhardt bergmännisch abgebaut und dessen Kohle in einem besonders dazu gebauten Ofen zum Kalkbrennen verwendet wurde; der Preis der Steinkohle war 12 kr. per Centner; es lohnte jedoch| der Ertrag den Bau nicht und das Werk wurde verlassen. Heutzutage ist der Bau zerfallen; als Repräsentant der Kohlenschichte findet sich gegenwärtig eine 1/2–2′ mächtige Schichte eines schwarzen, kohlenreichen, sandigen, dünnblätterigen Thonschiefers anstehend, welche zahlreiche, undeutliche Abdrücke von fragmentarischen verkohlten Pflanzenresten enthält. Es zeigt sich hier als Schichtenfolge dieses kleinen Kohlenflözes eine Schichte feinkörnigen plattenförmigen Sandsteins, über dieser der genannte schwarze Schiefer, auf welchem eine weitere 5′ mächtige Schichte gelblich-grauen und gelben Schieferthons auflagert.

An dem nordwestlichen Thalgehänge des Stuttgarter Thals vom Herdweg bis in das Vogelsangthal scheint die erwähnte Kohlenbildung ersetzt zu sein durch eine in die Mergelgruppe eingebettete Ablagerung einer 3–6′ mächtigen, festen Kalk-Mergelbildung, deren blaß- bis goldgelbe und ockerbraune Grundmasse durch zahlreich eingesprengte Kalkspath-Adern und Schnüre und dunkelbraunes Geäder von Umbra den Bruchflächen ein hübsches marmorartig geflammtes Ansehen verleiht; stellenweise enthält dieses Gestein zahlreiche mit rhomboidalem Kalkspath ausgekleidete Drusenräume und, wie z. B. im Vogelsangthälchen, halbfuß mächtige Einbettungen von Umbra, welche mit Vortheil ausgebeutet werden.

δ. Auf diese „Buntmergelgruppe“ folgt eine zweite Keupersandsteingruppe, die des „kieslichten Keupersandsteins“ (auch der erste oder untere weiße Keupersandstein genannt). Während die den feinkörnigen Keupersandstein unmittelbar begleitenden Mergel zunächst die gelbgrauen sind, hat der kieslichte Keupersandstein vorzugsweise grüne Schattirungen seiner begleitenden Mergel. Dieser Sandstein wechselt von 1/2 Zoll Mächtigkeit in Plattenform bis zu 3 und 4′ Mächtigkeit in cubisch zerklüfteten Lagern. Die Plattenform wiederholt sich mehrmals mittelst durchsetzender grüner, theilweise auch violetter Mergellager, und eine dieser Sandsteinschichten zeigt auf ihrer unteren Schichtfläche die bekannten cubischen Sand-(After-)Crystalle, Ausfüllungen der in den unterlagernden Thonschichten gebliebenen Abdrücke, wahrscheinlich von Kochsalz-Crystallen, durch die darüber geworfenen Sandmassen. Dieser „crystallisirte Sandstein“ findet sich häufig auf der Gänseheide und an der Bopsersteige vom Brünnle an aufwärts. Ein dieser Gruppe angehöriger grüner Mergel von etlichen Linien Mächtigkeit enthält ähnliche Aftercrystalle auf der unteren Schichtfläche, (z. B. am Abhang der westlichen Hügelreihe links vom Weg nach Feuerbach).

Diese zweite oder mittlere Keuper-Sandsteingruppe| hat meist gröbere Quarzkörner, als die erste, feinkörnige, wenig oder gar keinen Glimmer, meist weiße bis gelbliche, mitunter auch röthlich-graue Färbung und entweder ein kalkicht-thonichtes oder (häufiger) ein kieslichtes Bindemittel. Wo der Sandstein das letztere hat, ist er sehr hart und splitterig-muschlichen Bruchs und wird in seinen mächtigeren Lagern zu Feldgemäuer und Straßenpflaster unter dem Trivialnamen „Fleinsstein“ ausgebeutet; wo er ein thonig-kalkiges Bindemittel zeigt, wird er weich bis bröcklicht, leicht verwitterbar, und wird theils zu Stuben- und Fegsand, theils als Beisatz zu Baumörtel benützt. Eine 1–2 Fuß mächtige Schichte dieses weicheren Sandsteins unter seinen mehrfachen Wiederholungen ändert ab in einen bald porösen, bald compakten und dann harten sogen. dolomitischen Steinmergel von weißer, weißlich-grauer, in licht meergrüne und lilafarbige Schattirungen übergehender Farbe, dessen cubisch zerklüftete Massen ein gutes Feldgemäuer liefern.

An Mineralien sind diese Keupersandsteine arm; in einer porösen Abänderung des plattenförmigen, härteren Sandsteins, finden sich zahlreiche kugelförmige Einsprengungen von 1–3 Linien Durchmesser von schwarzbraunem Manganoxyd.

Die dieser Gruppe angehörigen Sandsteine zeigen an organischen Einschlüssen, und zwar die kieslichten Abänderungen nur selten, die weicheren, durch kalkicht-thonichtes Bindemittel gebildeten Abänderungen dagegen häufiger: Knochenreste, Schilder und Zähne von Belodon Plieningeri H. v. M.; auch finden sich auf den unteren Schichtflächen einer solchen weicheren plattenförmigen Abänderung fährtenartige Reliefs, welche Sauriern anzugehören scheinen. Eben diese Abänderungen haben auch auf den unteren Schichtflächen netzartige Reliefs (wie die Heßberger Sandsteine), Ausfüllungen der durch Austrocknung entstandenen Schrunden in den unterlagernden Mergel-Schlamm-Schichten, bevor der Sandschlamm darüber geworfen wurde, und verrathen fast durchaus durch wellenförmige Schichtflächen die Eindrücke des Wellenschlags eines über dem Schlamm vor Ablagerung des Sandes gestandenen, nicht strömenden, untiefen Uferwassers.

In der Abänderung des weicheren Sandsteins in den dolomitischen Steinmergel finden sich gleichfalls Reste des genannten Sauriers; ferner Zähne einer Species des von Agassiz unter die Fische versetzten Genus Ceratodus, welcher Ceratodus concinnus Pl. genannt wurde[11]; außerdem zahlreiche Schuppen, Gräthen, Zähne| und, wiewohl selten, zusammenhängendere Skelettheile eines dem Genus Semionotus sich annähernden Fisches. Ähnliche Schuppen wurden auch in einer sehr weichen Sandsteinschichte dieser Gruppe am Abhang des Hasenbergs gegen Heslach gefunden. In den meergrünen Abänderungen des eben erwähnten Steinmergels finden sich zahlreiche zarte Schalen von Possidonia keuperina Pl. und Steinkerne einer, dem Genus Turritella nahe kommenden Schnecke oft in ganzen Nestern beisammen liegend; eine andere, violette und stark zerklüftete Abänderung dieses Steinmergels zeigte nicht selten Einschlüsse der zarten Lingula tenuissima nebst Fischschuppen und anderen Fischresten. Eine weitere dieser Gruppe angehörige, 2–5″ mächtige, härtere Sandsteinschichte, auf der Höhe der Feuerbacher Heide, welche in senkrechter Richtung stark zerklüftet ist, zeigt deutlich abgesonderte, unregelmäßig cylindrische Sandsteinkerne von 4–6 Linien Durchmesser, welche die Sandsteinschichte meist in senkrechter oder von dieser gering abweichender Richtung durchsetzen, indem sie bald von einer Schichtfläche bis zur entgegengesetzten durchgehen, bald blos auf einer Schichtfläche zu Tage kommen, und innerhalb des Gesteins in ein abgerundetes köcherförmiges Ende ausgehen. Beim Zerschlagen springen sie leicht aus, wittern auch sehr leicht aus und lassen alsdann den Gang, den sie ausfüllen, röhrenförmig hohl. Die Anlagerung der Sandmasse dieser Cylinder ist eine von der des Gesteins schon dem bloßen Auge deutlich unterscheidbare, weit unregelmäßigere. In einer minder zerklüfteten, plattenförmig-schieferigen, weicheren Schichte am Bopser, finden sich ähnliche cylindrische Steinkerne von 2–3 Linien Durchmesser, welche die Gesteinmasse in verschiedenen, doch meist senkrechten Richtungen durchsetzen, auf den Schichtflächen von der einen plattenförmigen Sandsteinschichte in die durch dünne (oft nur 1 oder 1/2 Linie mächtige) grüne Mergellager getrennte nächste Sandsteinschichte übergehen, oft auch auf einer Schichtfläche sich in eine halbkugelförmig hervorstehende Kuppe endigen und, wie die vorhin erwähnten, eine vom Muttergestein sich wesentlich unterscheidende Anlagerung der Sandkörner zeigen, die zuweilen eine den Cylinder senkrecht auf seine Axe durchsetzende, parallele, nach Einer Richtung hin gleichförmig convexe Schichtung verräth. Nach der Analogie der jetzt den Meeressand bevölkernden Anneliden wurden diese Steincylinder auf die Arbeit einer sich durch die Sand- und Thonschichten der Keuperablagerung durcharbeitenden vorweltlichen Annelide gedeutet, für welche die Bezeichnung Arenicola keuperinus Plien. vorgeschlagen wurde[12].

1

| Über der Gruppe des kieslichten Keupersandsteins folgen wiederum mächtige Schichten von bunten, nämlich grauen, grünen, rothen, braunen, blauen und violetten Mergeln, mehr oder weniger sandig oder thonicht, stellenweise (die braunen) auf den Kluftflächen mit Bergmilch überzogen.

Diese Bunt-Mergelgruppe ist mehrfach von 2–8 Zoll mächtigen Schichten eines harten Steinmergels durchsetzt, welcher theilweise muschlichten, theilweise auch körnigen Bruch zeigt, in senkrechter Richtung vielfach (prismatisch) zerklüftet ist und Anflüge oder Überzüge von Rotheisenstein, crystallisirtem und derbem Baryt in Schnüren und Zerklüftungen, kleine Drusenräume mit Quarz-Crystallen und Kalkspathschnüre, niemals aber einen organischen Rest enthält. Die Wiederholung dieser, die Thon-Mergel durchsetzenden Steinmergelschichten zeigt sich in hübschen Profilen oberhalb Gablenberg, auf der Steige über dem Bopserbrünnele, auf der neuen Weinsteige über der dritten Serpentine, oberhalb des Schießhauses auf der Feuerbacher Heide und bei der Gaiseiche.

Über diesen Mergeln lagert sodann die Gruppe des grobkörnigen oder Stubensandsteins, die dritte Keupersandsteingruppe oder die des zweiten oder oberen, weißen Keupersandsteins, an. Die diesen Sandstein unmittelbar begleitenden Mergel sind vorzugsweise roth bis rothbraun und violett.

Dieser Sandstein besteht aus mehr oder weniger mächtigen (er erreicht an 30 und noch mehr Fuß), von Mergelschichten durchsetzten Schichten eines in der Regel weißen, dann aber auch, je nachdem das Färbemittel der zwischenlagernden Mergel in den Sandstein mehr oder weniger tief eingeht, in’s Rothe und Violette abändernden Sandsteins; oft ist derselbe, namentlich von den Schichtflächen her, mehr oder weniger tief farbig geadert. Die tieferen Schichten sind feinkörniger, die oberen werden zusehends grobkörniger und in den obersten Schichten nicht selten breccienartig. Er zeigt fast durchaus ein kalkicht-thoniges, selten ein kieslichtes Bindemittel, enthält häufigere Glimmerblättchen, als der kieslichte Keupersandstein, mit dem er jedoch in einigen Abänderungen beider eine zum Verwechseln große Ähnlichkeit hat. Der Kalkgehalt des Bindemittels sintert häufig in dicken Kalkspath-Rinden auf den Kluft- und Ablosungsflächen der Sandsteinfelsen aus. Häufig kommen nesterweise Thongallen bis zu 1′ Durchmesser von concentrisch-bunter, weiß und roth bis violett wechselnder Zeichnung vor (Hasenberg, Weissenburg am Bopser), sowie Knauern von derbem Schwerspath und Kalkspath. Nicht selten kommen auch Schichten eines weichen, fast mulmigen Sandes vor, in welchen das kalkicht-thonige Bindemittel| vorherrscht; dieser wird als Beischlag zum Bau-Mörtel, jedoch wegen des thonichten Bindemittels nicht mit Vortheil benützt, d. h. er gibt keinen dauerhaften Cement.

Auch diese zweite Gruppe des weißen Keupersandsteins – (im Gegensatz zu dem durchaus gefärbten, feinkörnigen oder unteren Keupersandstein) – zeigt nicht selten Einschlüsse von Knochenresten: Zähne, Rippen etc. von Belodon Plieningeri H. v. M., ferner verkohlte, undeutliche Pflanzenreste, aus denen etwa Wedel von Farren oder Cycadeen erkannt werden können, dann aber auch Anhäufungen solcher Pflanzenreste zu kleinen, stark zerklüfteten Braun- und Pechkohle-Nestern, oder verkohlte Baumstämme, welche jedoch keine Holztextur mehr zeigen, sondern nur aus der Figur ihres Lagers als solche zu erkennen sind, während die Holzmasse in bröcklichte Gagatkohle verwandelt ist. Oft zeigen sich auch nesterweise Ablagerungen eines plattenförmigen Gagats. Die Zerklüftungen der Braunkohle, sowie der Holzstämme, sind nicht selten mit derbem Baryt und Kalkspath netzartig durchsetzt.

Die oberen Glieder dieser Gruppe, welche vorzugsweise die Bezeichnung „grobkörnig“ veranlaßt haben, enthalten vorherrschend groben Quarzsand von unregelmäßig eckiger Form, dann aber auch Körner und größere (bis 1 Zoll und mehr Durchmesser haltende) zerstreute, abgerundete Geschiebe von verschiedenfarbigen Quarzen, Hornstein, Kieselschiefer, Chalcedon, Jaspis u. a. Arten des Kieselgeschlechts, und mehr oder weniger zersetzte Feldspathkörner.

Diese Sandsteingruppe steht an auf den Höhen des Bopsers, auf der Degerlocher Höhe, bei Böhmisreute und auf der Höhe des Hasenbergs, wird dort in den härteren Abänderungen zu Bausteinen, namentlich bei Feldgemäuer, in den weicheren zu Fegsand, zu Mörtelsand und die Mergel, wie die sämmtlichen übrigen Keupermergel, zu Beschüttung der Weinberge ausgebeutet.

Sie wird überlagert von einer meist rothen bis roth-braunen und violetten Mergelgruppe, welche (z. B. bei Degerloch unterhalb der Nagelkalkgrube) bis zu 30′ Mächtigkeit erreicht, von grünen Mergeladern unregelmäßig durchzogen ist, und häufig in den senkrechten Zerklüftungen derbe Kalkspathblättchen von etlichen Linien Dicke und etlichen Quadratzollen Fläche einschließt, welche durch ihre Längsstreifung eine Verwandtschaft mit den sogenannten Stylolithen im Muschelkalk und den weißen Jurakalken verrathen[13]. Diese Mergelgruppe wird mehrmals durchsetzt von Schichten eines| stark zerklüfteten, auf den Schichtflächen unebenen, knauerartigen, harten, fleischrothen, kalkicht-thonigen Steinmergels.

In einer dieser Mergelschichten bei Degerloch und zwar etwa in einem Niveau von 2/3 der Mächtigkeit der ganzen Mergelgruppe von der Sohle an, wurden zwei kolossale Skelette des Belodon Plieningeri H. v. M. in ziemlicher Vollständigkeit – nur die Schädel fehlen – aufgefunden, eines Sauriers, welcher sich durch seine colossalen Grabklauen und seine massigen, relativ sehr hohen Beine als einen Bewohner der Dünen- oder Delta-artigen Sand- und Schlammrücken der Keuperformation ankündigt[14].

Der Lias bildet mit seinen untersten Gliedern die Kuppen der höchsten Punkte in dem Bezirke: des Frauenkopfs, des Bopsers, der Höhe von Degerloch und des Hasenberges (Birkenkopf).

Unmittelbar auf der vorhin erwähnten rothen Keuper-Mergelbank lagert bei Degerloch (wie auch bei Kemnath, Echterdingen, Nellingen, Obertürkheim, Bebenhausen u. a. O.) ohne allen Übergang eine etwa 2–3′ mächtige gelbgraue Mergelschichte auf, welche durch einzelne Cidaritenstacheln und Glieder von Pentacrinites subangularis sich schon als eine Meeresablagerung ankündigt. Auf diesem grauen Liasmergel lagert eine 1–3″ mächtige gold- oder ockergelbe, fette Thonschichte auf, welche die Sohle eines bei Degerloch 1–4″ mächtigen (an den übrigen vorhin genannten Orten etliche Zoll bis 4 Fuß mächtigen) feinkörnigen Sandsteins (Liassandsteins) bildet.

Auf der unteren Schichtfläche dieses bei Degerloch stark (in 1/2 Quadratzoll bis 1/8 Quadratfuß große Stücke) zerklüfteten, sich häufig auskeilenden, plattenförmigen Sandsteins (an den übrigen genannten Fundorten auch innerhalb des mächtigeren Sandsteins) findet sich nesterweise eine Anhäufung von organischen Resten, welche einzeln auch den Sandstein selbst durchdringen und, wiewohl seltener, auch auf der oberen Schichtfläche auflagern. Die Anhäufungen auf der unteren Schichtfläche bilden, wo sie besonders mächtig anlagern, eine lose Masse, in welcher die organischen Reste überwiegen und Sandkörner nur untergeordnet vorkommen; an anderen Stellen sind sie mehr oder weniger, wie auch der plattenförmige, oft schieferig gespaltene Sandstein selbst, durch ein kieslichtes Bindemittel cementirt.

Diese Knochenbreccie (Knochenlager, bone-bed) wurde, da sie die Formations-, wie die Grenze der Flora und Fauna zwischen dem Keuper und dem Lias bezeichnet, „Grenz-Breccie“ genannt[15].| Die organischen Einschlüsse dieses Gebildes nehmen nach der Häufigkeit ihres Vorkommens folgende Rangordnung ein:

1) Von Fischen a) Schuppen von Gyrolepis tenuistriatus und G. Albertii (Agassiz) (nur durch ihre Größe unterschieden); b) Zähne von Saurichthys apicalis Münst. und Mougeoti, Ag., S. longiconus, breviconus, longidens, listroconus, Pl., von Hybodus minor, sublaevis, cuspidatus Ag., H. attenuatus, bimarginatus, orthoconus, aduncus Pl., von Acrodus minimus und acutus Ag., denen sich ähnliche, nur ganz glatte Zahnformen ohne den charakteristischen Grat anreihen, welche daher durch Thectodus glaber, crenatus, tricuspidatus, inflatus Pl. unterschieden wurden; Schneide- und Backenzähne eines, Sargodon tomicus Pl. benannten, Fisches[16]; Pflasterzähne, dem Psammodus porosus Ag. ähnlich; ein mit Ceratodus trapezoides Pl. bezeichneter gefalteter Zahn; c) Flossenstacheln von Nemacanthus filifer und monilifer Ag. d) Hiezu kommt noch eine überaus große Menge Koprolithen von etlichen Linien bis über 1 Zoll Durchmesser.

2) Von Reptilien: Bruchstücke von Knochen, namentlich Rippen; Zähne eigenthümlicher Streifung von Termatosaurus Albertii Pl.; Zähne von entschiedener Form und Streifung des, dem Muschelkalk und der Lettenkohle angehörigen Nothosaurus mirabilis Münst., jedoch sehr selten; ebenso selten zweischneidige Zähne von Form und Kerbung des dem Keuper Angehörigen Belodon Plieningeri H. v. M.

3) Von Säugethieren wurden bis jetzt zwei kleine Backenzähne in der Knochenbreccie bei Degerloch gefunden, welche sich den Zahnformen jetzt lebender kleiner Insekten- oder Fleischfresser am meisten annähern; das Thier oder die beiden Thiere – wenn sich durch weitere Funde eine Verschiedenheit herausstellen sollte, – dem oder denen diese Zähne angehörten, wurde vorerst mit Microlestes antiquus Pl.[17] bezeichnet und es ist dieser Fund die bis jetzt älteste Spur fossiler Säugethiere in der Erdrinde.

4) Von Mollusken enthalten die plattenförmigen Sandsteine bei Degerloch Abdrücke eines Pecten, dem P. tumidus ähnlich, nur kleiner; Steinkerne einer kleinen, dem Genus Trigonia nahe kommenden Muschel; ein einziger zolllanger Belemnit von 2 Linien Durchmesser von der Form des B. digitatis, der jedoch in Staub zerbröckelte, fand sich bis jetzt unter einer losen Anhäufung von Fisch-Zähnen und Fisch-Schuppen.

5) An Pflanzenresten finden sich zerstreute Fragmente| von dünnen Holzstengeln, in Brauneisen versteinert, die keine Spur von Jahrringen aufweisen.

Der gelbe Thon durchdringt die Ablagerung organischer Reste, theilweise auch den Sandstein selbst, der meist weißlich-graue, in’s Röthliche spielende Färbung zeigt, und vermöge des kieslichten Bindemittels sehr hart ist; wo jedoch das thonichte gelbe Bindemittel überwiegt, wird das Gestein weich, oft mulmig. Ab und zu enthält der Sandstein kleine eingesprengte Reste von strahligem Schwefeleisen, sehr selten Spuren von Anflügen erdichten Malachits. Sehr häufig finden sich neben den wirklichen Koprolithen schwarze oder schwarzbraune, unregelmäßig kugelförmige Einschlüsse von 1/2 bis zu 1 Zoll Durchmesser von pechkohlenartigem Ansehen, welche beim Zerschlagen in rhomboedrische Fragmente zerfallen; ab und zu findet sich auch vereinzelt ein kugelförmiges Geschiebe von Milchquarz von 3–6 Linien Durchmesser.

Auf der Höhe von Degerloch, etwa 300 Schritte von den ersten Häusern an einer Stelle, wo die Landstraße, vor etwa einem Jahrzehend durch einen Erdschlipf beschädigt, aus der Böschung der entgegengesetzten Seite wieder aufgefüllt werden mußte, wurde in dieser Böschung, in einem etwa 100–150′ höheren Niveau über dem bone-bed, der Sandstein der Knochenbreccie in ganz gleichem Lagerungsverhältniß, mit dem goldgelben Thon als Sohle und in gleicher Mächtigkeit und Zerklüftung anstehend gefunden; nur zeigten sich hier blos schwache Spuren von den organischen Resten mit etlichen auflagernden Schuppen.

Das Grenzbreccien-Lager wird bei Degerloch überlagert von gelbgrauen bis rauchgrauen Thonmergelschichten. Etwa 1′ über der Breccie wiederholt sich ein gleicher plattenförmiger Sandstein, bis 1 Zoll mächtig, jedoch ohne die organischen Einschlüsse der Knochenbreccie; etliche Fuß darüber durchsetzt den Mergel eine etliche Linien mächtige kalkichte Sandsteinschichte mit Cidaritenstacheln auf der unteren Schichtfläche. In den Zerklüftungen der oberen grauen Mergelschichten, etwa 8–10′ über der Breccie, finden sich Schnüre und Concretionen von stenglichtem und derbem Aragonit. In etwa 20′ höherem Niveau über der Breccie bildet die 11/2–4″ mächtige Nagelkalkschichte die Sohle eines bis 1′ mächtigen Schalthierconglomerats, zusammengehalten von der gelbgrauen Thonmergelmasse, in welchem Plagiostoma punctatum und Pecten glaber in überwiegend größter Zahl, seltener Plagiostoma Hermanni und pectinoides, Corbula cardioides, Modiola hillana und ein kleiner, der Familie der Arieten angehöriger Ammonit, zusammengehäuft liegen. In einem etwa 4′ höheren Niveau wird der gelbgraue| Mergel weiter durchsetzt von einer 2–3 Zoll mächtigen, plattenförmigen, gelblich-grauen Schichte eines thonigen Kalks, welcher zarte Abdrücke von Chondrites filiformis einschließt. In etwa 6′ höherem Niveau folgt ein zweites Muschelconglomerat in einer etwa 1/2′ mächtigen grauröthlichen Kalksteinbank, welche eine Masse mit Kalkspath ausgefüllter Schalthiere einschließt, unter denen Thalassites concinnus, Monotis inaequivalvis und Pecten glaber vorwiegen. Endlich folgt in etwa 4–5′ höherem Niveau der Gryphytenkalk mit Gryphaea arcuata und einem Netz von Stämmen und Verästelungen von Chondrites divaricatus auf der unteren Schichtfläche.

Auf der Höhe des Hasenbergs fand sich die Grenzbreccie bis jetzt nicht, dagegen lagert der gelbgraue Liasmergel in etwa 15′ Mächtigkeit auf dem rothen Keupermergel auf, und bildet die Kuppe des Birkenkopfs. Der Nagelkalk ist durch eine etliche Linien mächtige Schichte vertreten und auf von Pflanzenwuchs entblösten Stellen finden sich ausgewaschen eine kleine Nucula und Bruten von Ammoniten.

Auf der Höhe des Bopsers oberhalb des Brünnele links von dem Waldweg nach Ruith findet man im Walde einen blaugrauen, ziemlich harten Liasmergel in verlassenen Lettengruben der Töpfer anstehend, welcher von Schnüren und Einsprengungen von Schwefelblei durchzogen ist. Ohne Zweifel war es dieselbe Schichte, in welcher 1460 unter Graf Ulrich und später unter Herzog Friedrich I. von Württemberg Schürfungen auf Silber und Blei versucht worden sind.

Auf der Höhe des Frauenkopfs steht ein gelbröthlicher Liassandstein zu Tage, in welchem bis jetzt keine Spur von der Knochenbreccie gefunden wurde.

8. Flora.
Der Markungsbezirk ist allzu wenig ausgedehnt, um besondere, ihm eigenthümliche Pflanzen aufzuweisen. Wird der Umkreis größer, bis über die Grenzen der benachbarten Bezirke angenommen, so ist die Zahl der Phänogamen, welche in der zuletzt erschienenen Localflora[18] aufgeführt sind, etwas mehr als 800 Arten, wovon jedoch sehr viele der Stadtmarkung nicht angehören. Dennoch läßt sich eine Eigenthümlichkeit anführen: daß nämlich die dem wärmeren Theile des Landes (dem Unterlande) angehörigen Pflanzen bei Stuttgart ihre Grenze gegen den höher gelegenen südlichen Theil des Landes finden, wie Andropogon ischaemon, Festuca myurus, Peucedanum officinale, Potentilla argentea, Coronopus depressus, Lepidium ruderale; während manche einer größeren Meereshöhe| angehörige Pflanzen, welche noch auf den umgebenden Höhen vorkommen, hier gleichfalls die Grenze ihrer Verbreitung gegen das Unterland haben, wie Gentiana verna, Parnassia palustris, Digitalis ochroleuca, Ophrys arachnites und myodes, Iris sibirica, Laserpitium latifolium, Cetraria islandica und Lecidea geographica.

Indessen sind diese, sowie die nachfolgend verzeichneten, in dem eigentlichen Stadtbezirke seltener vorkommenden, Pflanzen durch den unersättlichen Sammeleifer besonders der angehenden Botaniker aus Schulen und Officinen, sowie durch die Zunahme des Anbaues nach und nach sehr zusammengeschwunden und manche von dem städtischen Boden wohl gründlich vertilgt worden, so daß diese Aufzählung wohl eher als eine historische Überlieferung von dem gelten kann, was noch vor Jahrzehenden die Stuttgarter Flora aufzuweisen hatte.

Circaea latifolia (Bothnanger Wald), Veronica anagallis (Kienlen), V. scutellata (Feuerbacher Heide, Postsee), V. Buxbaumii (Heslach), Iris pseudacorus (Pfaffensee), Phleum asperum (Gänsheide), Polycnemum arvense (Park Rosenstein), Cyperus fuscus (Degerloch), Scirpus setaceus (Bopser), Sc. compressus (Gablenberg), Eriophorum vaginatum (Degerloch), Nardus stricta (Feuerbacher Heide), Vulpia myurus (das.), Poa sudetica (Heslach), Festuca heterophylla (Hasenberg), F. gigantea (Degerloch); Bromus racemosus (Vogelsang), B. asper (Degerloch), Brachypodium sylvaticum (Bopser), Lolium tenue (Böhmisreute), Triticum caninum (Feuerbacher Thal), Holosteum umbellatum (Feuerbacher Heide), Scabiosa sylvatica (Weg nach Rohracker), Asperula odorata (Degerlocher Wald), Galium uliginosum (Postsee), G. boreale (Degerlocher Höhe), G. rotundifolium (Bopser), Majanthemum bifolium (Böhmisreute), Convallaria majalis (in den Laubwäldern), C. multiflora (Degerlocher Wald, Wasserfälle), C. polygonatum (Hasenberg), C. verticillata (beim äußeren Wald), Cuscuta europaea (Böhmisreute), Myosotis lappula (Degerlocher Wald), Lycopsis arvensis (Hoppelauäcker), Symphytum pratense (bei Gaisburg), Lysimachia nemorum (Bopser), Campanula cervicaria (oberes Nesenbachthal), C. speculum (Spitaläcker), Impatiens noli tangere (oberes Nesenbachthal und bei der kleinen Schweiz), Thesium linophyllum (Feuerbacher Wald), Th. montanum (Degerloch), Gentiana verna (früher auf dem Hasenberg), G. ciliata und pneumonanthe (Feuerbacher Heide), G. cruciata (Gablenberg), G. germanica (Degerlocher Wald), Eryngium campestre (Park des Rosensteins), Sanicula europaea (Feuerbacher Wald), Bupleurum falcatum (oberer Kriegsberg),| Scandix pecten (auf Äckern), Drepanophyllum agreste (Brag), Ligusticum cervaria (Bothnang), Selinum oreoselinum (Hasenberg), Laserpitium pruthenicum (Wasserfälle), L. latifolium (das.), Chenopodium urbicum (auf Schutt), Ch. opulifolium (alte Weinsteige), Herniaria glabra (auf Äckern), Sambucus racemosa (oberes Nesenbachthal), Linum tenuifolium (Reinsburg); Lilium martagon (Böhmisreute), Ornithogalum minimum (Brag), Phalangium ramosum (Bopser), Ph. liliago (oberhalb Heslach), Muscari bothryoides (Weinberge), Luzula sylvatica (Böhmisreute), Peplis portula (Degerloch), Toffieldia calyculata (Heslach), Oenothera biennis (verwildert aus Gärten), Epilobium roseum (Heslach), E. angustifolium (Hasenberg, Burgstall), Vaccinium vitis idaea (in den Laubwäldern), Passerina annua (Weinberge), Elatine alsinastrum (Feuerbacher Heide), Pyrola rotundifolia (Böhmisreute, Hasenberg), P. secunda (das.), Monotropa hypopithys (das.), Gypsophila muralis (Feuerbacher Heide), Saponaria vaccaria (Bothnang), Dianthus prolifer (Eßlinger Berge), D. deltoides (Hasenberg), D. superbus (Kräherwald), Oxalis stricta (verwildert als Unkraut in Gärten, südlich vom Burgstall auf einzelnen Äckern häufig), Reseda luteola (Gänsheide), Euphorbia dulcis (Degerloch), E. sylvatica (Böhmisreute), Rosa rubiginosa (Bothnang, Bopser, Hasenberg), R. gallica (Bopser, Hasenberg), Rubus fruticosus var. tomentosus (Hasenberg), Potentilla argentea (Feuerbacher Heide), P. fragariastrum (Heslach), Anemone ranunculoides (oberhalb Heslach, Bothnang), A. sylvestris (Hasenberg), A. pulsatilla (das.), Ranunculus flammula (Postsee), R. falcatus (Degerloch), R. polyanthemos (Degerlocher Wald), R. lanuginosus (Heslach), Trollius europaeus (Bothnang), Nepeta cataria (im Dobel), Stachys germanica (im Stöckach), St. annua (Brag), Lamium amplexicaule (Brag), Galeobdolon luteum (Heslach), Scutellaria galericulata (Postsee), Lathraea squamaria (Feuerbacher Thal), Pedicularis palustris und sylvatica (Hasenberg, Heslach), Linaria spuria (Stöckach), L. cymbalaria (Weinbergmauern), Antirrhinum orontium (Spitaläcker), A. majus (an Mauern), Digitalis ochroleuca (nördlicher Abhang gegen das Nesenbachthal oberhalb Heslach), Myagrum perfoliatum (Park am Rosenstein), Isatis tinctoria (Gänsheide), Lepidium ruderale (alte Weinsteige), L. draba (im Schloßgarten, wohl mit fremden Samen dahingebracht), Comelina dentata (Feuerbacher Thal), Sisymbrium obtusangulum (Feuerbacher Heide), Cardamine impatiens (Heslach), C. amara (das.), Jasione montana (Bopser), Geranium pusillum (das.), Malva alcea (Degerloch), Genista pilosa| (Wald das.), Ononis arvensis (untere Brag), Trifolium rubens (Hasenberg), Tr. ochroleucum und montanum (Bothnanger Heide), Tr. alpestre (Hasenberg), Orobus vernus (Bothnang), O. niger (Degerloch), Ulex europaeus (Degerlocher Wald), Cytisus nigricans (Feuerbacher Wald, Burgstall), Astragalus glycyphyllos (Bopser), Lathyrus aphaca (Feuerbacher Heide), L. tuberosus (Bopser), Vicia sylvatica (das.), V. pisiformis (Feuerbach), Farsetia incana (Postsee), Scorzonera laciniata (Feuerbacher Heide), Sc. humilis (Gablenberg), Rhinanthus purpurea (Bopser), Barkhausia foetida (Eßlinger Berg), Hieracium sabaudum (Feuerbacher Wald), Cirsium eriophorum (Feuerbacher Heide), Senecio viscosus (das.), S. sylvaticus (Degerlocher Wald), S. tenuifolius (Gablenberg), Diplopappus annuus (Hasenberg), Aster amellus (Hasenberg), Centaurea jacea (Bothnang), C. pratensis (Vogelsang), C. solstitialis (Heslach u. a. O., an Wegböschungen, wohl mit Medicago sativa dahin gebracht) C. montana (Wasserfälle), Platanthera bifolia (Wald gegen das Feuerbacher Thal), Gymnadenia conopsea (Hasenberg), Orchis militaris (Feuerbacher Wald), O. maculata (Hasenberg), Spiranthes autumnalis (Feuerbacher Heide), Sp. aestivalis (Hasenberg), Ophrys myodes und arachnites (das.), Goodiera repens (das.), Cephalanthera rubra und pallens (das.), Neottia nidus avis (Degerlocher Wald), Listera ovata (Schlucht am Anfang der alten Weinsteige), Epipactis latifolia (Vogelsang), E. palustris (das. und Bopser), Aristolochia clematitis (Weinberge), Lemna gibba (in Gräben), L. trisulca (Postsee), Typha latifolia (das.), Sparganium ramosum (das.), Vignea intermedia und remota (Vogelsang), V. acuta (Postsee), V. brizoides (Feuerbacher Heide), Carex ornithopoda (alte Weinsteige), C. tomentosa (Hasenberg), C. paludosa (Postsee), C. kochiana (Heslach), C. elongata (Degerloch), Salix acuminata (Heslach), S. triandra (das.), Humulus lupulus (in Hecken).

Polypodium vulgare (Wasserfälle), Osmunda lunaria; Asplenium adianthum nigrum, A. septentrionale; Ceterach officinarum; Cetraria islandica; Lecidea geographica (diese auf der Feuerbacher Haide); Fontinalis juliana (in Brunnen); Polycistis aeruginosa (Seen des Schloßgartens).

Seltener vorkommende officinelle Pflanzen: Sanguisorba officinalis (Bothnang), Physalis Alkekengi (Feuerbacher Heide), Atropa belladonna (Hasenberg), Peucedanum officinale (Feuerbacher Thal), Hyoscyamus niger (alte Weinsteige), Datura stramonium (auf Schutthaufen), Solanum dulcamara (neue Steige), S. nigrum (Hasenberg), Conium maculatum (Feuerbacher Heide),| Angelica sylvestris (Kienlen), Sambucus ebulus (das.), Acorus calamus (Gablenberg), Daphne mezereum (Feuerbacher Wald), Paris quadrifolia (Wasserfälle), Lythrum salicaria (Heslach), Asarum europaeum (oberhalb Heslach), Aquilegia vulgaris (Wasserfälle), Helleborus foetidus (Kaltenthal), Marrubium vulgare (Feuerbacher Heide), Betonica officinalis (Feuerbacher Wald), Polygala amara (Degerloch), Lactuca scariola (Weinbergmauern), L. virosa (soll früher verwildert gefunden worden seyn), Carlina acaulis (Hasenberg), Artemisia pontica (Weinbergmauern), Tanacetum vulgare (Weg nach Rohracker), Pyrethrum parthenium (verwildert im Schloßpark), P. corymbosum (alte Weinsteige), Inula salicina (Heslach), I. helenium (verwildert am Postsee), Arum maculatum (Degerlocher Wald), Bryonia alba und dioica (im Dobelthal), Salix caprea (allgemein), Viscum album (häufig, und am Königsweg seltener Weise auf Sorbus aucuparia).

Nitella capitata (Kräherheide), Chara foetida (Feuersee), Equisetum telmateja (Heslacher Thal), E. hiemale (Ende des Heslacher Thals).

Als Beispiele gelungener Acclimatisirung dürfen aufgezählt werden: ein hochstämmiges, bis an 40′ hohes, im Stamm 1′ dickes Exemplar von Bignonia catalpa, das, vielleicht mit der Anlegung der sogenannten Allee dorthin gepflanzt, in dem geschlossenen Bestand der Linden- und Kastanien-Anlage diese seltene Entwickelung zu höherem Alter, als dieser Baum sonst in Gärten findet, erreicht hatte, bis er bei Anlegung des Turnplatzes aus Unwissenheit umgehauen wurde; die zu seltener Entwickelung und seltenem Alter gediehenen Exemplare von Crataegus coccineus in dem Garten bei dem Königl. Residenzschloß auf der Planie; die Verpflanzung von Trapa natans und Nymphaea alba in den Postsee; eine mehrere Jahre hindurch dauernde Selbstbesamung von Asclepias syriaca auf der Höhe der Feuerbacher Heide von einem früheren Anpflanzungsversuch her, jetzt anderweitiger Cultur zum Opfer gefallen; einige Exemplare von Scirpus mucronatus auf der Höhe des Bopsers; die wiewohl nur in Parken und Gärten gelungene Acclimatisirung der Paulownia imperialis, welcher sich die Acclimatisirungsversuche exotischer Nadelhölzer und anderer Pflanzen des Buchhändlers Roth in seinem Weingarten an der Reinsburg anreihen, wo z. B. Campanula pyramidalis sich in den Weinbergsmauern selbst fortpflanzt.

9. Fauna.

Von der Fauna des Bezirks gilt dasselbe, wie von der Flora: sie bietet nichts Eigenthümliches dar.

| Der schon früher mit Beginn der jetzigen Regierung auf Parke beschränkte Hoch- und Schwarzwildstand hat seine außerhalb der Letzteren gebliebenen Überreste, wie im ganzen Lande, so auch in der nächsten Umgebung der Residenz, in den Jahren 1848 und 1849 gründlich verloren, und auch von anderen jagdbaren Thieren bietet sich in Wald und Feld nur selten noch der gewöhnliche Hase und ab und zu ein Kitt Feldhühner dem Geschosse eines glücklichen Jagdpächters dar. Wie geschont der Wildstand ehemals war, kann daraus abgenommen werden, daß im März 1721 am hellen Tage ein Hirsch von zwölf Enden zum Büchsenthor herein und bis zum Rothenbildthor hinauf lief, während jetzt ein lebender Hirsch nur noch in den Wildparken zu sehen ist.

Von fleischfressenden Säugethieren finden sich ab und zu: Mustela erminea und vulgaris; M. foina und putorius (Marder und Iltis) scheinen so ziemlich vertilgt zu sein, in früheren Zeiten wagten sie sich nicht selten in die Hühnerställe der Stadt; von Insektenfressern ist Erinaceus europaeus nicht selten; Sorex araneus, fodiens, cunicularis wurden einigemal gefunden; von Fledermäusen kommen vor: Vespertilio murinus, noctula, pipistrellus; Plecotus auritus; Rhinolophus ferrum equinum und hipposideros; Lutra vulgaris wurde schon in den Teichen des Schloßparks angetroffen; Felis catus ist ausgerottet. Von Nagern sind zu nennen: Sciurus vulgaris im Schloßpark und den Wäldern, Arvicola arvalis und amphibius; Mus decumanus, sylvaticus, musculus; Mus rattus, welcher sich früher nur noch in dem Theatergebäude gegen den Vertilgungskrieg von Mus decumanus gehalten haben soll, wird seit dessen Umbau auch dort verdrängt sein.

Neben dem heimischen Sperling und der wandernden Schwalbe finden sich nur selten einzelne gefiederte Bewohner von Wald und Flur in dem Weichbild der Stadt ein, wie manchmal im Frühjahr die einsiedlerische Fringilla coelebs, im Winter Parus major oder coerulea, und Winters hungernde Flüge von Corvus frugilegus, cornix oder monedula etc. Im Frühling und Sommer hört man in manchen Jahren den Gesang der zuweilen in den Gärten um die Stadt nistenden Schwarzamsel und der schwarzköpfigen Grasmücke. Indessen sind die Vögel überhaupt in den nächsten Umgebungen der Stadt nicht häufig: wie wenn das Geräusch und die Beschäftigungen der Menschen, besonders aber die Liebhaberei für gefangene Sänger und Nichtsänger, zu deren Schutz in neuester Zeit die Eingebung eines Besteuerungsgesetzes bei der Ständeversammlung versucht wurde, die Vogelfauna entfernt hielte. So ist z. B. auch in dem Königl. Schloßgarten die hier sonst gegen Nachstellungen| vogelgesangfreundlicher Verfolger geschützte Nachtigall, vielleicht durch das Geräusch der Eisenbahnzüge, seltener geworden.

Die dem Bezirk angehörigen Waldungen dagegen beherbergen die meisten der in der Beschreibung des Oberamts Stuttgart (S. 30 ff.) bereits aufgezählten, hier zu Lande brütenden Vögel, daher wir sie nicht besonders aufführen; von Zug- und Strichvögeln dagegen wird nur selten ein Fremdling in der Nähe der Stadt angetroffen.

Von Reptilien sind es Rana viridis Rös. und temporaria, Pelobates fuscus und Bombinator igneus, welche die Wasseransammlungen in Weinbergsgruben und verlassenen Steinbrüchen bevölkern. Triton cristatus und palustris finden sich in eben solchen Cisternen auf den umgebenden Höhen und – früher wenigstens – ab und zu im Trinkwasser der Brunnen in der Stadt; Bufo vulgaris, portentosa und Salamandra maculosa an feuchten Orten; Bufo viridis hat sich schon einzeln in Gärten innerhalb der Stadt gezeigt, sowie Hyla viridis; letzterer wahrscheinlich als ein dem Glas entsprungener Wetterprophet. Lacerta agilis ist häufig in Weinbergen, Anguis fragilis auf feuchten Wiesen; Tropidonotus natrix und Coronella austriaca sind, namentlich letztere, in den Laubwaldschlägen seltener geworden.

Von Fischen kann, mit Ausnahme etwa von Gasterosteus aculeatus, in den fließenden Gewässern des Bezirks kaum die Rede sein, dazu sind sie zu gering und unrein. Die Wasserbassins sind mit eingesetzten Fischen bevölkert; künstliche Fischzucht hat sich noch nicht zu den in der Residenz cultivirten Künsten gereiht.

Von Crustazeen kommen Steinkrebse in den Wasserfällen ziemlich häufig vor, während der Nesenbach seine Krebse verloren hat; dagegen bevölkert Gammarus pulex die stehenden Wasser und die Brunnen und Monoculus apus wurde schon in großer Zahl, jedoch vorübergehend, in Wasseransammlungen auf den östlichen Hügeln gefunden.

Von Arachniden läßt sich nichts Besonderes erwähnen.

Von Insekten tritt Anthonomus pomorum manchmal verwüstend auf; die gemeine Wespe und die Horniß wird in heißen Sommern zur Plage, daher im Jahr 1854 von Gemeindewegen Preise auf Ablieferung der Nester, unglücklicher Weise nach der Brutzeit, ausgesetzt, jedoch wegen allzugroßen Andrangs der Lieferanten bald wieder zurückgezogen wurden. Gasteropacha neustria und Bombyx chrysorrhoea sind, trotz der jährlichen Polizei-Edicte zu „Sammlung des alten Laubs“ und der „Raupennester“, jährlich da, Acidalia brumata und Fidonia defoliaria richten periodische Verheerungen an, ebenso Tinea padella und evonymella. Tortrix| Roserana (Traubenwickler, Sauerwurm) scheint in den Weinpflanzungen das Indigenat erhalten zu haben; Pyralis vitis kommt nicht selten vor und Trypeta signata verdirbt nicht selten die Kirschen.

Von Anneliden kommt Gordius aquaticus zuweilen in’s Trinkwasser, Nais tubifex ist häufig im Schlamm des Nesenbachs; ein früherer Versuch zur Blutegelzucht ist durch die Mißgunst Unbekannter an hineingeworfenem Ätzsublimat mißlungen; Filaria truncata wurde schon (1811) in überaus großer Menge als Parasit in den Raupen von B. chrysorrhoea beobachtet, von denen ein Exemplar deren 40 beherbergte, andere 1–6; die Belege dazu sind neuerdings in der Sammlung des Vereins für vaterländische Naturkunde – in Ein Glas zusammengeschüttet worden!

Von Weichthieren sind zu nennen: Der rothe und graue Limax und die nur allzuhäufige Ackerschnecke; von schaligen: Ancylus fluviatilis; Vitrina elongata, beryllina; Succinea amphibia, Pfeifferi, oblonga; Helix pomatia, arbustorum, nemoralis, hortensis, personata, obvoluta, pulchella, rotundata, pygmaea, ruderata, cellaria, nitens, lucida, fulva, aculeata, incurvata, fruticum, circinata, hispida, candidula, ericetorum; Carocolla lapicida; Bulimus montanus, obscurus, radiatus; Achatina avicula, lubrica; Clausilia bidens, similis, ventricosa, obtusa, plicatula; Pupa frumentum, secale, muscorum, tridens; Vertigo pygmaea, pusilla, septemdentata; Larychium minimum; Planorbis carinatus, marginatus, spirorbis, albus, contortus, nitidus, complanatus, imbricatus, cristatus; Lymnaeus auricularius, vulgaris, pereger, minutus; Paludina nitida, impura; Valvata cristata; Anodonta cellensis, cygnea; Unio tumidus, batavus; Pisidium fontinale; Cyclas calyculata.

Von Polypen kommen in stehenden Gewässern: Vorticella rotatoria und stentoria, Hydra viridis und fusca vor; von Zoophyten ebenso Spongia lacustris.



  1. Von Professor Dr. Plieninger.
  2. Die Höhen sind von Trigonometer Rieth bestimmt; die Angabe der geognostischen Verhältnisse derselben hat Finanz-Assessor Paulus geliefert.
  3. S. württ. Jahrbücher 1853 II. S. 177.
  4. Der Reichthum an Naturschönheiten ist dargestellt in J. E. Hartmann, Stuttgarts romantische Umgebungen, mit Karte und 6 Stahlstichen. Stuttg. 1846.
  5. Die wahre Mitteltemperatur wird gefunden, wenn man aus der Morgen-, der Mittags- und der doppelten Abend-Beobachtung (um dadurch die fehlende Beobachtung von der Nacht zu ergänzen) das arithmetische Mittel zieht.
  6. Unter Kalenderjahr ist die Periode vom 1. Januar bis 31. December desselben Jahres, unter meteorol. Jahr die Periode vom 1. December des nächstvorhergehenden Jahres bis 30. November des in Rede stehenden Jahres verstanden.
  7. Beschrieben und abgebildet in den Beiträgen zur Paläontologie Württembergs von H. v. Meyer und Prof. Dr. Th. Plieninger, S. 6, 21, 73.
  8. Vergl. Beiträge zur Paläontologie Württembergs v. Hermann v. Meyer und Professor Dr. Th. Plieninger S. 79.
  9. Vergl. Jahreshefte des württ. naturhistor. Vereins. 1. Jahrg. S. 159.
  10. Jahreshefte des württ. naturhistor. Vereins. 8. Jahrg. S. 52.
  11. Beitr. z. Pal. Württ. von H. v. Meyer und Prof. Dr. Th. Plieninger S. 20.
  12. Beitr. z. Pal. Württ., von Herm. v. Meyer und Prof. Dr. Plieninger S. 89.
  13. Vergl. württ. naturwiss. Jahreshefte Jahrg. 8, Seite 114.
  14. Vergl. württemb. naturwiss. Jahreshefte, Jahrg. 8, Heft 3.
  15. Vergl. Beiträge zur Paläontologie Württembergs, S. 103 fg.
  16. Vgl. württemb. naturwiss. Jahreshefte, Jahrg. 3, S. 165.
  17. Das. S. 164.
  18. Stuttgarter Floren erschienen: von Simon Kerner 1786, Prof. Zenneck 1822, Ed. Schmidlin 1832.
Anmerkungen Wikisource
  1. Die letzte Ziffer ist im Scan teilweise abgeschnitten, Werte dann errechnet.
  2. Die letzte Ziffer ist im Scan abgeschnitten, Werte dann errechnet.


« [[Beschreibung des Stadtdirections-Bezirkes Stuttgart/|]] Beschreibung des Stadtdirections-Bezirkes Stuttgart II. »
Für eine seitenweise Ansicht und den Vergleich mit den zugrundegelegten Scans, klicke bitte auf die entsprechende Seitenzahl (in eckigen Klammern).