Bilder aus dem Leben deutscher Dichter/Nr. 2.

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Textdaten
<<< >>>
Autor: August Diezmann
Illustrator: {{{ILLUSTRATOR}}}
Titel: Bilder aus dem Leben deutscher Dichter
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 25, S. 389–391
Herausgeber: Ferdinand Stolle
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1860
Verlag: Verlag von Ernst Keil
Drucker: {{{DRUCKER}}}
Erscheinungsort: Leipzig
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung:
Wikipedia-logo-v2.svg Artikel in der Wikipedia
Eintrag in der GND: {{{GND}}}
Bild
[[Bild:|250px]]
Bearbeitungsstand
korrigiert
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du hier: Hilfe
Indexseite


[389]
Bilder aus dem Leben deutscher Dichter.
Nr. 2.
Die Gartenlaube (1860) b 389.jpg

Mendelssohn,   Lessing   und   Lavater
über Religion disputirend.
Nach dem Originalgemälde des Professor Oppenheim.

Es war im Jahre 1763, kurz nach Beendigung des siebenjährigen Krieges, als ein junger Theolog aus Zürich nach Berlin reiste, um die dortige gelehrte Welt kennen zu lernen. Er selbst war eine hochbegabte Natur voll Poesie, aber auch voll Schwärmerei und Ueberschwänglichkeit, die ihn bei seinem Hange zum Mysticismus und allem Wunderbaren früher oder später auf gefährliche Abwege führen mußte. Schon damals genügte ihm nicht das vorhandene Christenthum, er sehnte sich nach einem unmittelbaren Verkehr mit der überirdischen Welt und schrieb seinem Gebete die Kraft zu, Wunder zu thun. Er war von einem gewissen geistlichen Hochmuth nicht frei zu sprechen, den er freilich unter sanften Formen und einer liebenswürdigen Persönlichkeit geschickt verbarg, In den Nebenstunden beschäftigte er sich mit physiognomischen Studien, denen er eine große Wichtigkeit beilegte. Zu diesem Zwecke verfehlte er selten, die berühmten Männer seiner Zeit in Gesellschaft eines Freundes, des Malers Füßli, aufzusuchen, um ihre Silhouetten aufzunehmen und ihre Züge in oft mehr poetischen, als wahren Ausdrücken zu schildern. Oft verführte ihn dabei seine Freundschaft oder die Vorliebe für sein System, dem gesunden Menschenverstande zu widersprechen. Trotz dieser Schwächen war er aber eine der hervorragendsten Erscheinungen des achtzehnten Jahrhunderts, mit dem er die Liebe zur Menschheit, den Drang nach Freiheit, aber auch die Sucht nach dem Wunderbaren und Abenteuerlichen theilte. Dieser Mann hieß Johann Kaspar Lavater.

In Berlin machte der christliche Theolog die Bekanntschaft des jüdischen Philosophen Moses Mendelssohn, er besuchte ihn [390] in seiner bescheidenen Wohnung in der Spandauerstraße und auf seinem Comptoir, wo er als Fabrikinspector bei seinem reichen Glaubensgenossen Bernhard mit dreihundert Thalern jährlichen Gehalts in Diensten stand. Freundlich aufgenommen brachte Lavater manche genußreiche Stunde in der Gesellschaft des armen, stotternden und verwachsenen Denkers zu, der von seinem Freunde Lessing später als Typus der religiösen Toleranz in seinem unsterblichen „Nathan“ verherrlicht wurde. Bei einem bescheidenen Mahle, durch heiteres und doch tiefes Gespräch gewürzt, oder bei einer Schachpartie entfaltete Mendelssohn, bei dem sich auch Lessing oft einfand, die ganze Fülle seines sokratischen Geistes und entzückte den leicht erregbaren Lavater bis zur enthusiastischen Bewunderung, von der seine Briefe sowohl, wie seine Physiognomiken Fragmente vielfach Zeugnis, geben.

Von ihm schreibt er dem bekannten Kanonikus Breitiger in Zürich: „Den Juden Moses, den Verfasser der philosophischen Briefe über die Empfindungen, fanden wir in seinem Comptoir mit Seide beschäftigt. Eine leutselige, leuchtende Seele im durchdringenden Auge und einer äsopischen Hülle; schnell in der Aussprache, doch plötzlich durch ein Band der Natur im Laufe gehemmt. Ein Mann von scharfen Einsichten, feinem Geschmack und ausgebreiteter Wissenschaft. Ein großer Verehrer denkender Genies und selbst ein metaphysischer Kopf; ein unparteiischer Beurtheiler der Werke des Geistes und Geschmacks; vertraulich und offenherzig im Umgange, bescheidener in seinen Reden als in seinen Schriften und beim Lobe unverändert, ungezwungen in seinen Gebehrden, entfernt von ruhmbegierigen Kunstgriffen niederträchtiger Seelen, freigebig, dienstfertig; ein Bruder seiner Brüder, der Juden, gefällig und ehrerbietig gegen sie, auch von ihnen geehrt und geliebt.“

Je mehr aber Lavater Mendelssohn bewunderte und lieb gewann, desto größer wurde sein Wunsch, den jüdischen Philosophen für das Christenthum zu gewinnen. Zu der aufrichten Ueberzeugung und der Sorge um das Seelenheil des von ihm verehrten Mannes gesellte sich seine natürliche Eitelkeit. Eine solche Bekehrung hätte nothwendigerweise das größte Aufsehn in der gebildeten Welt erregt und dem glücklichen Veranlasser keinen geringen Ruf verschafft. Aber es war dies keine leichte Aufgabe, da Mendelssohn treu an dem Glauben seiner Väter hielt und alle derartige Versuche bald mit tieferen Gründen, bald mit leiser Ironie zurückwies. Der fromme Lavater liest sich jedoch nicht so bald abschrecken, er wartete auf eine passendere Gelegenheit, die sich ihm auch mit der Zeit darbot. Einstweilen verabschiedete er sich mit dem Versprechen, von sich bald hören zu lassen.

Jahre waren seit jenem Besuche vergangen, als Lavater seinen gefaßten Vorsatz endlich ausführte, indem er Bonnet’s Beweise für das Christenthum aus dem Französischen übersetzte und Mendelssohn mit einem offenen Briefe widmete, welcher folgendermaßen lautete:

„Ich kenne Ihre tiefen Einsichten, Ihre standhafte Wahrheitsliebe, Ihre unbestechliche Unparteilichkeit, Ihre zärtliche Achtung für Philosophie überhaupt und die Bennet’schen Schriften besonders, und unvergeßlich ist mir jene sanfte Bescheidenheit, mit welcher Sie, bei aller Ihrer Entferntheit von dem Christenthum, dasselbe beurtheilen, und die philosophische Achtung, die Sie in einer der glücklichsten Stunden meines Lebens über den moralischen Charakter seines Stifters bezeigt haben, so unvergeßlich und dabei so wichtig, daß ich es wagen darf, Sie zu bitten, Sie vor dem Gotte der Wahrheit, Ihrem und meinem Schöpfer und Vater, zu bitten und zu beschwören: nicht, diese Schrift mit philosophischer Unparteilichlkeit zu lesen, denn das werden Sie gewiß ohne mein Bitten selbst thun, sondern dieselbe öffentlich zu widerlegen, wofern Sie die wesentlichen Argumentationen, womit die Thatsachen des Christenthums unterstützt sind, nicht richtig finden; wofern Sie aber dieselben richtig finden, zu thun, was Klugheit, Wahrheitsliebe, Redlichkeit Sie thun heißen – was Sokrates gethan hätte, wenn er diese Schrift gelesen und unwiderleglich gefunden hätte.“

Das war eine schwere und bittere Stunde für den armen Mendelssohn, als er diesen Brief empfing und las. Wohl durchschaute er die zweideutige Falle, welche hinter den anscheinend liebevollen Worten lauerte. Als Jude konnte und durfte er nicht die Schriften Bonnet’s widerlegen, ohne das Christenthum selbst anzugreifen, wogegen sich seine Klugheit nicht minder wie seine Duldung Andersgläubiger sträubte. Mußte ihm nicht die Rücksicht auf die gedrückte Lage seiner Glaubensgenossen die Hände binden? Seine Entgegnung, so mild auch diese ausgefallen wäre, hätte sämmtliche Zeloten aufgebracht, zu neuen Beschuldigungen und Verfolgungen gegen die Juden Veranlassung gegeben. Auf der andern Seite konnte er ebenso wenig auf die öffentliche Ausforme rang Lavaters schweigen; das hieß, ihm oder vielmehr Bonnet Recht geben, seine eigene Religion verdammen, seine innersten Ueberzeugungen verleugnen. Man hatte nichts Geringeres von ihm verlangt, als sich taufen zu lassen, wenn er nicht im Stande wäre, die Beweise für das Christenthum zu widerlegen. Was sollte er thun? – Am meisten aber schmerzte ihn die Indiskretion Lavaters, die jesuitische Schlauheit, womit der Freund ihm nur die Wahl ließ zwischen Abschwörung seines Glaubens oder einem ebenso gefährlichen, als seiner Natur widerstrebenden Angriffe aus die von ihm so hochgeachtete christliche Religion.

Der zudringliche Eifer des Züricher Philosophen versetzte ihn, in die größte Verlegenheit und griff ihn so an, daß er sich dadurch eine schwere Krankheit zuzog, die ihn längere Zeit für jede Arbeit untüchtig machte. Nicht minder erzürnt waren aber die zahlreichen Freunde Mendelssohns, vor Allen der herrliche Lessing, welcher sich, damals in Wolfenbüttel befand. Er schrieb ihn, in Folge dieser Angelegenheit die charakteristischen Zeilen: „Was ist das für ein neuer Angriff, der in der Jenaischen Zeitung von Lavater auf Sie geschehen? Ich lese diese Zeitung nicht und habe sie auch in ganz Braunschweig nicht auftreiben können. Haben Sie doch ja die Güte, mir das Blatt mit der ersten Post zu senden. Noch mehr aber bitte ich Sie, wenn Sie darauf antworten, es mit aller möglichen Freiheit, mit allem nur ersinnlichen Nachdrucke zu thun. Sie allein dürfen und können in dieser Sache so sprechen und schreiben, und sind daher unendlich glücklicher als andere ehrliche Leute, die den Umsturz eines abscheulichen Gebäudes nicht anders, als unter dem Vorwande, es neu zu unterbauen, befördern können. – Ich sende Ihnen auch hierbei Ihre Briefe von Bonnet zurück. Der Narr ist mir so ekel geworden, daß ich auch nicht einmal die Wahrheit von ihn, lernen möchte.“

Ermuthigt durch die vielfachen Beweise der Theilnahme von Seiten aller Aufgeklärten und der Freunde wahrer Toleranz, entschloß sich endlich Mendelssohn zu einer Antwort, die von der zarten Feinheit seiner wahrhaft humanen Bildung, von seinem Verstande und seinem Herzen ein gleich ehrenvolles Zeugniß gab. „Sicherlich,“ schrieb er an Lavater, „wenn ich auch sonst kriechend genug dächte, die Klugheit der Wahrheitsliebe und Redlichkeit das Gegengewicht halten zu lassen, so würde ich doch hier in diesem Falle alle drei in derselben Schale antreffen. Ich bin völlig überzeugt, daß Ihre Handlungen aus einer reinen Quelle fließen, und kann Ihnen keine andern, als liebreiche und menschenfreundliche Absichten zuschreiben.

„Aber leugnen kann ich es nicht, ich hätte Alles eher erwartet, als von einem Lavater eine öffentliche Aufforderung. – Sie erinnern sich der vertraulichen Unterredung, die ich mit Ihnen auf meiner Stube zu halten das Vergnügen hatte; – wenn ich nicht irre, so sind Versicherungen vorhergegangen, daß von den Worten, die bei der Gelegenheit vorfallen würden, niemals öffentlicher Gebrauch gemacht werden sollte. Jedoch, ich will mich lieber irren, als Ihnen eine Uebertretung dieses Verbrechens Schuld geben. – Die Bedenklichkeit, mich in eine Religionsstreitigkeit einzulassen, ist von meiner Seite nie Furcht oder Blödigkeit gewesen. Ich darf sagen, daß ich meine Religion nicht erst seit gestern zu untersuchen angefangen.

„Wäre nach meinem vieljährigen Forschen die Entscheidung nicht völlig zum Vortheile meiner Religion ausgefallen, so hätte sie nothwendig durch eine öffentliche Handlung bekannt werden müssen. Wäre ich gegen beide Religionen gleichgültig und verlachte oder verachtete in meinem Sinne alle Offenbarung, so wüßte ich gar wohl, was die Klugheit räth, wenn das Gewissen schweigt. – Von dem Wesentlichen meiner Religion bin ich so fest, so unwiderleglich versichert, als Sie oder Herr Bonnet nur immer von der Ihrigen sein können. Sie hätten die Bedingung der Hochachtung für den moralischen Charakter des Stifters Ihrer Religion nicht verschweigen sollen, die ich ausdrücklich in jenem Gespräche beifügte.

„Nach den Grundsätzen meiner Religion soll ich Niemand, der nicht nach unserem Gesetze geboren ist, zu bekehren suchen. Moses hat uns das Gesetz geboten, es ist ein Erbtheil der Gemeine Jakob. Alle andern Völker auf Erden, glauben wir, seien von Gott angewiesen worden, sich an das Gesetz der Natur und an die Religion der Patriarchen zu halten, – die es thun, werden tugendhafte Männer von andern Nationen genannt, und diese sind Kinder der ewigen Seligkeit. [391] Ich habe das Glück, so manchen trefflichen Mann, der nicht meines Glaubens ist, zum Freunde zu haben. Ich genieße die Wollust ihres Umganges, der mich bessert und ergötzt. Niemals hat mir mein Herz heimlich zugerufen: Schade für die schöne Seele!

„Nur die feierliche Beschwörung eines Lavater nöthigt mich, wenigstens meine Gesinnungen öffentlich an den Tag zu legen, damit Niemand ein zu weit getriebenes Stillschweigen für Verachtung oder Geständniß halten möge. Herr Bonnet kann vielleicht nur für solche Leser geschrieben haben, die, wie er, überzeugt sind und nur lesen, um sich in ihrem Glauben zu bestärken. Seine innere Ueberzeugung und ein löblicher Eifer für die Religion scheinen seinen Beweisgründen ein Gewicht zugelegt zu haben, das ein Anderer nicht darin finden kann.“

Die ausweichende Antwort Mendelssohns fand die allgemeinste Billigung und Anerkennung; selbst der berühmte Mirabeau hielt sie für werth, in’s Französische übersetzt zu werden, was er auch selbst, wenn auch nur im Auszuge, that. Lavater’s Benehmen wurde dagegen von seinen eigenen Freunden und zunächst von Bonnet getadelt, der seine Dedication mißbilligte und ihm seine Indiscretion vorwarf. Von allen Seiten angegriffen, sah er wohl sein Unrecht ein und suchte sich durch einen Brief zu entschuldigen, den er Mendelssohn durch den ehrwürdigen Spalding übergeben ließ.

Das Schreiben lautete: „Verehrungswürdiger Herr! Diesen Namen geb’ ich Ihnen mit vieler Ueberzeugung. Die redlichste Absicht hat mich gezwungen, Ihnen Bonnet’s Untersuchung zuzueignen. Bonnet selbst meint, ich sei indiscret gegen Sie gewesen, Freunde in Berlin meinen es auch. Wenn Sie es auch so ansehen, so dürfen Sie nur sagen, nur einen Wink mir oder einem meiner Freunde geben, ob und wie ich diese Indiscretion, die doch wahrlich im Grunde das nicht sein sollte, wieder gut machen soll. Ich werde zufrieden sein, wenn Sie die Sache sonst Ihrer Untersuchung würdigen werden.

„Vergeben Sie mir – was? – daß ich Sie liebe, hochschätze – Ihr Glück in der gegenwärtigen und zukünftigen Welt wünsche. Vergeben Sie mir, wenn ich den unrechten Weg eingeschlagen habe, Ihnen dieses zu bezeugen.“

Zugleich mußte Lavater eingestehen, daß er das Vertrauen seines Freundes gemißbraucht. „Ich weiß mich,“ sagte er in einem späteren Briefe, „so deutlich als möglich zu erinnern, daß ich die Versicherung an Sie ergehen ließ, Sie möchten wider das Christenthum sagen, was sie wollten, so werde ich niemals einen indiscreten, Ihnen nachtheiligen Gebrauch davon machen. Glauben Sie mir, damals war es mir genau so wie jetzt – ich möchte Alles wissen, was sich wider das Christenthum von redlichen, unparteiischen Philosophen sagen läßt. In allen Dingen, die von Menschen herrühren, kann man Nachsicht haben, aber Gott bedarf keiner Nachsicht.“

Der eben so kluge als gute Mendelssohn begnügte sich mit diesen Entschuldigungen, denen er selbst noch folgende für die Öffentlichkeit bestimmte Worte hinzufügte: „Ich erkenne,“ sagte er, „in Lavater’s Betragen seine gute Gesinnung und Freundschaft für mich, der Inhalt seiner Antwort aber zeigt, meines Erachtens, seinen moralischen Charakter von der vortrefflichsten Seite. Man findet in derselben die untrüglichsten Merkmale der wahren Menschenliebe und echten Gottesfurcht, brennenden Eifer für das Gute und Wahre, ungeschminkte Rechtschaffenheit und eine Bescheidenheit, die der Demuth nahe kommt. Es freut mich ungemein, daß ich den Werth der edelmüthigen Seele nie verkannt habe. – Ueberschwängliche Gütigkeit ist es, wenn Herr Lavater mich öffentlich um Verzeihung bittet.“

So triumphirte der jüdische Philosoph über den christlichen Geistlichen durch den Geist der Liebe, Duldung und Sanftmuth, wie ihn Jesus selbst seinen Jüngern und Nachfolgern gelehrt. Was Mendelssohn aber aus weiser Rücksicht unterlassen, that vielleicht in Folge jenes Streites mit Lavater der kühnere Lessing. Er ließ die bekannten „Wolfenbüttel’schen Fragmente eines Unbekannten“ erscheinen und züchtigte den gleißnerischen Hochmuth des Pfaffenthums, wenn auch nicht in der Person Lavater’s, so doch wenigstens an dem Ehrenpastor Götze, dessen Unduldsamkeit, Lieblosigkeit und Verdammungssucht Andersgläubiger er für immer an den Pranger stellte, so wie er der Toleranz und Humanität seines Freundes Mendelssohn ein ewiges Denkmal in seinem „Nathan“ stiftete, dessen „Geschichte von den drei Ringen“ zu dem Herrlichsten gehört, was nicht nur die deutsche Literatur, sondern die Menschheit überhaupt aufzuweisen hat.

Der bekannte Maler Professor Oppenheim in Frankfurt benutzte das kurze Zusammenleben Mendelssohns, Lessings und Lavaters zu einem vortrefflichen Gemälde, das sich jetzt in der Carlsruher Gemäldegallerie befindet und dessen Nachbildung uns von dem Künstler freundlichst gestattet wurde. Wenn auch der Holzschnitt die vielen Schönheiten des Oelgemäldes nicht wiedergeben kann, so zeigt schon die geistvolle Composition und die charakteristische Auffassung der Persönlichkeiten, wie hochbegabt der Künstler für diese Richtung der Kunst ist.