Billige Postämter

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Textdaten
Autor: Walther Kabel
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Titel: Billige Postämter
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aus: Bibliothek für Alle, 4. Jahrgang, 13. Bd., S. 166–168
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Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1912
Verlag: Union Deutsche Verlagsgesellschaft
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Erscheinungsort: Stuttgart
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Quelle: Commons
Kurzbeschreibung:
Der Beitrag erschien auch als Einfache Postämter unter der Verfasserangabe W. Kabel in: Die Burg. Illustrierte Zeitschrift für die studierende Jugend. 1. Jahrgang 1912/13, Heft 23, S. 360–361.
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[166] Billige Postämter.

Die an der Ostspitze von Afrika gegenüber dem Kap Guardafui gelegene kleine Insel Sokotra ist infolge ihrer besonderen Lage inmitten der meistbenutzten Seefahrtsstraßen nach Indien, Ostasien und der Ostküste Afrikas vor ungefähr [167] fünfzehn Jahren auf ihrer südlichsten Landzunge von dem englischen Gouverneur (Sokotra gehört zum englischen Kolonialbesitz) mit einem Postamt ausgestattet worden, das weder eines besonderen Gebäudes noch eines Postbeamten bedarf. Es besteht aus einem großen, eisernen, mit wasserdicht schließendem Deckel versehenen Kasten, der auf einem weithin sichtbaren, gemauerten Pfeiler befestigt ist, und wird hauptsächlich von den Besatzungen der Segelschiffe zur Beförderung von Briefen benutzt. Als der amerikanische Milliardär Vanderbilt auf seiner letzten Weltreise bei Sokotra vorüberkam, wurde er von einem ortskundigen Bekannten auf die merkwürdige Postanstalt aufmerksam gemacht. Vanderbilt ließ sofort ein Boot aussetzen und sich nach der Landzunge hinüberrudern. In dem eisernen Kasten fand er, wie er in seinem kürzlich veröffentlichten Tagebuche schreibt, nicht weniger als 16 Briefe an die verschiedensten Adressen. Wie dies durch eine stillschweigende Übereinkunft unter den Seefahrern aller Nationen stets getan wird, nahm Vanderbilt die nach indischen und ostasiatischen Hafenplätzen bestimmten Schreiben mit, da er sich gerade auf der Reise nach Kalkutta befand, und beförderte sie dann weiter. Um aber festzustellen, inwieweit man sich auf die Sicherheit dieses einsamen Postamtes verlassen könne, übergab er dem eisernen Kasten ein an einen Londoner Freund adressiertes Päckchen, in dem außer dem mit Blei geschriebenen Briefe noch 300 Dollars in Papiergeld lagen. Einen Monat später – Vanderbilt weilte gerade in Peking – erhielt er dann aus London eine Depesche, in der ihm der Freund das pünktliche und unversehrte Eintreffen der auf so einfache Art beförderten Geldsendung bestätigte.

Ein zweites, ebenso selbsttätiges Postamt befindet sich in der Magelhaenstraße, zwischen der Südspitze Amerikas und Feuerland. Dort ist an dem vorspringendsten Kap gegenüber Terra del Fuego eine einsame Tonne angekettet. Jedes vorüberfahrende Schiff schickt ein Boot, um die Tonne aufzumachen und die Briefe herauszunehmen und zu befördernde hineinzulegen.

[168] Das dritte, an einer ebenso abgelegenen Stelle der Erde errichtete, dafür aber sehr viel benutzte Postamt einfachster Art besitzt die im Norden von Island gelegene kleine Insel Grimsey. Hauptsächlich sind es die Besatzungen der Fischereifahrzeuge, welche die auf der nördlichsten Spitze von Grimsey angebrachte ausrangierte eiserne Leuchtboje, die hier die Postanstalt vertritt, zur Beförderung und zum Empfang von Briefen und Paketen nach der Heimat gebrauchen. Bei diesen selbsttätigen Postämtern, die unter dem Schutze aller Nationen stehen, ist noch nie ein Fall von Vertrauensmißbrauch oder Unterschlagung bekannt geworden.