Bitte um ein altes abgelegtes Clavier

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Titel: Bitte um ein altes abgelegtes Clavier
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 22, S. 366
Herausgeber: Ernst Keil
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1872
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung:
Blätter und Blüthen
Hierzu auch: „Das ablegte Clavier“, Heft 31, S. 514 und
Am „alten abgelegten“ Claviere, Heft 52, S. 863 u. 864
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[366] Bitte um ein altes abgelegtes Clavier. Es ist wirklich so! Diese Bitte sollen wir aussprechen, und wir thun es gern, denn es geschieht für einen armen Lehrer. Derselbe besitzt eine liebe Frau; er hat sie nicht des Geldes wegen geheirathet, denn dieselbe besitzt so wenig wie er. Aber ihre Liebe war gesegnet, selbst als des Mannes Gehalt erst hundertfünfzig Gulden betrug. Jetzt leben von ihren dreizehn Kindern noch sieben, alle unversorgt; zusammen sitzen also dreimal täglich neun Hungrige am Tisch, und wenn auch die Einnahme der Schulstelle sich bis zu zweihundertachtundvierzig Thalern erhöht hat, so nahm doch in der sehr theuren Gegend, wo er wohnt, im Jahre 1871 das Brod allein hundertzwanzig Thaler davon in Anspruch, – und der Mensch lebt nicht von Brod allein, abgesehen von Kleidung und sonstiger Leibesnothdurft. Kurz, wenn das Jahr herum ist, ist die Lehrerfamilie auch mit herum, – und so ist’s in den vielen Jahren dem Lehrer unmöglich gewesen, seinen höchsten Wunsch zu stillen, sich ein Clavier anzuschaffen. Und doch spielt er es so trefflich und könnte sich manche Herzenserhebung und durch Unterweisung in der lieben Kunst seinen Kindern ein Empfehlungsmittel mehr für ihre Zukunft verschaffen. Muß nicht der Mann ein Clavier haben? Kann wirklich nicht geholfen werden? – Ja, es ist möglich, denn Das unterliegt gar keinem Zweifel, daß in Deutschland viele reiche Familien leben, die bei Seite gestellte Claviere besitzen, deren Entbehrung sie nicht im Geringsten oder nur als Wohlthat spüren würden. An solche reiche Leute wendet sich die obige Bitte. Warum sollte nicht unter den reichen Musikfreunden auch ein so Glücklicher sein, dem das Herz bei dem Gedanken lachte, mit seinem alten abgelegten Clavier eine solche Freude anzurichten? Die Gartenlaube verräth dann herzlich gern dem fröhlichen Geber die Adresse des Beglückten.