Blut-Diätetik

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Textdaten
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Autor: Carl Ernst Bock
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Titel: Gesundheits-Regeln. Blut-Diätetik
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 48, S. 527–528
Herausgeber: Ferdinand Stolle
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1853
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung:
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[527]
Gesundheits-Regeln.
IV.
Blut-Diätetik.

Ohne Blut und seinen Lauf kein Leben, ohne die richtige Menge und Mischung des Blutes, sowie ohne die gehörige Circulation desselben keine Gesundheit.

Darum halte man stets auf genug und auf gutes Blut und unterstütze dessen Lauf durch den Körper so gut man kann. Nichts ist aber leichter als dies, sobald man nur ernstlich will und den folgenden Regeln mehr traut, als den Recepten der Aerzte. Denn in der Apotheke findet sich wahrlich kein einziges unentbehrliches Mittel für das Wohl unseres Blutes, trotz allen sogenannten blutreinigenden, blutmachenden und blutstärkenden Arzneien, wohl aber eine sehr große Menge gegen dessen Wohl. – Den Blutlauf besprechen wir zunächst und zwar deshalb, weil das Blut während seines Kreislaufs durch den Körper (s. Gartenlaube Nr. 9 S. 91) nicht blos alle Theile desselben durch Ernährung belebt, sondern weil es auch selbst an verschiedenen Punkten des Körpers zu seinem ordentlichen Bestehen neues gutes Material von außen aufnimmt und dafür alte, unbrauchbare Stoffe auswirft. Demnach muß ein regelmäßiger Blutlauf ebensowohl das Neubilden, sowie das Reinigen des Blutes unterstützen, während Störungen dieses Laufes das Blut arm an guten und reich an schlechten Bestandtheilen machen können.

Der Blutlauf kommt vorzugsweise mit Hülfe folgender Organe und Thätigkeiten zu Stande: 1) durch das Herz und seine Zusammenziehungen; 2) durch das Athmen, wobei sich der Brustkasten einem Blasebalge oder einer Spritze gleich öffnet und schließt; und 3) durch die Muskeln, welche bei ihrer Bewegung das Blut in den Adern vorwärts drücken. – Wenn wir nun auch auf das Herz und seine Thätigkeit keinen direkten Einfluß durch unsern Willen ausüben können, so liegt es doch in unserer Macht, zum Wohle des Blutlaufs durch mäßige Körperbewegungen, besonders mit den Armen, die Herzzusammenziehungen etwas energischer zu machen, sowie durch Vermeidung alles dessen, was sehr heftiges und länger anhaltendes Herzklopfen verursacht, Störungen im Blutlaufe zu vermeiden. – Ganz anders verhält es sich mit dem Athmen; dieses steht im Interesse des Blutlaufes zum Theil in unserer Herrschaft und wir vermögen durch kräftiges tiefes Einathmen das Blut kräftiger in den Brustkasten hinein und von den Nachbartheilen hinwegzuziehen, sowie durch tiefes und starkes Ausathmen gehörig wieder aus der Brust zu entfernen, so daß auf diese Weise die Circulation des Blutes gerade durch den wichtigsten Theil des Körpers, durch die Brust (Herz und Lunge) sehr gut befördert werden kann. – Was die Muskeln betrifft, so sind diese alle durch willkürliche Bewegungen in Thätigkeit zu versetzen und die Unterstützung des Blutlaufs von dieser Seite her leicht möglich gemacht. Es würde demnach von großem Vortheile für die Circulation sein, wenn man öfters alle in den Gelenken nur möglichen Bewegungen regelmäßig nach einander vornehmen und dabei zugleich das kräftige Ein- und Ausathmen nicht vergessen wollte. Wie oft und wie lange derartige gymnastische Uebungen aber zu machen sind, muß sich nach der Constitution eines Jeden richten; durch Zuviel könnte hier recht leicht geschadet werden und deshalb ist stets ein solcher Arzt dabei zu Rathe zu ziehen, der den Körper ordentlich zu untersuchen und etwas vom Turnen versteht. Wenn die Bewegungen (d. h. active) vom Kranken selbst nicht ausgeführt werden können, da lassen sich dieselben durch sogenannte passive Bewegungen zum Theil ersetzen, wobei ein Anderer die Glieder des Kranken beugt, streckt, rollt, klopft u. s. w. – Die Beschaffenheit des Blutes ist insofern nicht ohne Einfluß auf die Circulation desselben, als dickeres Blut träger wie dünnes fließen und leicht zu Stockungen in den Gefäßen Veranlassung geben wird. [528] Deshalb ist stets die gehörige Menge Wassers in das Blut zu schaffen. – Welches sind also die Hauptmittel zur Unterstützung des Blutlaufs? Bewegung, kräftiges Athmen und Wasser.

Das Blutleben ist nach drei Richtungen hin in Obacht zu nehmen, nämlich hinsichtlich der Neubildung, der Reinigung und der Verunreinigung des Blutes. – Die Neubildung des Blutes kommt einestheils dadurch zu Stande, daß ihm fortwährend die Stoffe von Außen zugeführt werden, aus welchen das Blut selbst und überhaupt der menschliche Körper besteht, und dies geschieht durch die Speisen und Getränke. Anderntheils hängt sie vom Eintritte eines luftförmigen Stoffes in das Blut ab, mit dessen Hülfe erst die dem Blute zugeführten Nahrungsstoffe (unter Wärme-Entwickelung) dem Blute auch wirklich ähnlich gemacht werden und dieser Stoff ist das Sauerstoffgas der atmosphärischen Luft, welches durch das Athmen in das Blut geschafft wird. Sonach sind Nahrung und Luft die durchaus erforderlichen Bedingungen zur Blutneubildung. Die erstere ist aber nur dann zweckentsprechend, wenn sie die richtige Menge von Wasser, eiweißartiger Substanz, Fett oder fettbildenden Stoffen, Salzen (besonders Kochsalz und phosphorsaurem Kalk) und Eisen enthält (s. Gartenlaube Nr. 39, S. 423); die letztere muß dagegen die richtige Menge von Sauerstoff besitzen und auch gehörig in die Brust eingezogen werden. Sehr oft wird darin gefehlt, daß eine Nahrung genossen wird, in welcher einer der genannten Stoffe in zu großer oder zu geringer Menge vorhanden ist oder wohl gar ganz fehlt, das Zuwenig ist vorzugsweise mit dem Wasser und Kochsalze der Fall. Das Athmen befindet sich aber deshalb gar nicht selten in schlechtem Zustande, weil zu wenig zur Ausbildung des Brustkastens, der Athmungsmuskeln und der Lungen gethan, die Brust sogar noch durch die Kleidung im Athmen gehindert wird (s. Gartenlaube Nr. 16 und 17.)

Die Blutreinigung ist ein zweites Haupterforderniß zum gesunden Blutleben. Fortwährend treten nämlich alte abgestorbene Partikelchen der Körpersubstanzen in das Blut ein, werden hier von dem eingeathmeten Sauerstoffe unter Wärme-Entwickelung verbrannt und dann, der Asche und dem Rauche im Ofen vergleichbar, an verschiedenen Punkten des Körpers mit Wasser oder Wasserdunst versetzt aus dem Blute und aus dem Körper hinausgeworfen. Die Organe, welche diese sogenannten Auswurfsstoffe aus dem Blute entfernen, sind: die Lungen, die Nieren, die Haut und die Leber. Es wäre sonach das erste Erforderniß zur Aufrechthaltung der Blutreinigung, daß das Blut auch ordentlich durch seine Reinigungsorgane hindurchfließt, und dies ist recht wohl durch Beförderung des Kreislaufes auf die vorher angegebene Weise zu ermöglichen. Sodann ist aber auch noch nach gesunden und thätigen Reinigungsorganen zu trachten. Die Lungen sind deshalb durch zweckentsprechendes Athmen, die Haut durch Waschungen und Bäder, die Leber durch Unterstützung des Unterleibsblutlaufes (mittelst Bewegung, kräftiges Athmen und reichliches Wassertrinken), die Nieren durch den Genuß reizloser Getränke in ihrer Thätigkeit zu unterstützen. Wenn der Heilkünstler durch Arzneimittel diese Ausscheidungen befördern will, da sieht’s schlimm um den Kranken aus.

Eine Verunreinigung des Blutes, welche übrigens sehr leicht zu Stande kommen kann, ist auf doppelte Weise möglich. Zunächst dadurch, daß die schlechten Bestandtheile, von denen sich das Blut, wie vorher gesagt wurde, fortwährend reinigen muß, in demselben zurückgehalten werden; sodann durch Eintritt neuer schädlicher Stoffe in den Blutstrom. Auf diese Weise entwickeln sich Krankheiten, welche man als Blutkrankheiten bezeichnet und bei denen es natürlich die Hauptaufgabe des Kranken ist, sein entartetes Blut wieder in die gehörige Ordnung zu bringen. Noch besser thut man freilich, wenn man solche Blutkrankheiten zu verhüten strebt, und darüber, lieber Leser, soll Dir in einem nächstfolgenden Aufsatze Belehrung werden.

(B.)