Brief des hl. Cyrillus an Rabulas

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Textdaten
Autor: Kyrill von Alexandria
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Titel: Brief des hl. Cyrillus an Rabulas
Untertitel:
aus: Bibliothek der Kirchenväter, Band 38, S. 246-249.
Herausgeber:
Auflage: 1
Entstehungsdatum: 5. Jh.
Erscheinungsdatum: 1874
Verlag: Jos. Koesel’sche Buchhandlung
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Erscheinungsort: Kempten
Übersetzer: Gustav Bickell
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Faksimile auf den Commons
Kurzbeschreibung:
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Bild
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Bearbeitungsstand
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[246]

Brief des hl. Cyrillus an Rabulas.[1]

An unseren heiligen Herrn, Bruder und Mitdiener Bischof Rabulas der Bischof Cyrillus Gruß in unserm Herren! Mit unbesiegbarer Kraft und unüberwindlichem Vertrauen rüstet der selige Paulus unsere Seelen aus, indem er also schreibt:[2] „Was wird uns trennen von der Liebe Christi? Trübsal, oder Angst, oder Verfolgung, oder Hunger, oder Blöße. oder Gefahr, oder Schwert?“ Denn Nichts ist Denjenigen unerträglich, welche sich entschlossen haben, den guten Kampf des Glaubens auszukämpfen, den Lauf zu vollenden, den Glauben zu bewahren, um die unvergängliche Krone zu erlangen. Denn gleichwie Diejenigen, welche Schiffe geschickt zu lenken verstehen, nicht dann, wenn sie [247] bei ruhiger Witterung fahren, sondern wenn sie ihr Schiff aus stürmischen Wogen erretten, als kundige Steuermänner erkannt werden, so leuchten auch die, welchen die Leitung der heiligen Kirchen übertragen ist, nicht bei ruhigem Bestande der Dinge hervor, sondern ihre Weisheit zeigt sich weit mehr in Prüfungen, in Ausdauer und Starkmuth, und in ihrem kräftigen Widerstand gegen die schändlichen Erfindungen, welche die Häretiker aus ihrem Herzen erdichten. Deine Heiligkeit, Herr, hat also zwar stets hervorgeleuchtet, ganz besonders aber jetzt, wo du für alle Bewohner des Orients eine Säule und eine Grundfeste der Wahrheit geworden bist und die abscheulichen neu aufgesproßten Lästerungen des Nestorius wie eine tödtliche Krankheit vertreibst, welche von einer anderen Wurzel, ich meine aber von Theodorus aus Cilicien, herstammen. Denn von dort nahm diese Gottlosigkeit ihren Anfang. Daß aber Jener hoffte, er werde seine Herrschaft über die ganze Erde ausbreiten, rührte von der Gewalt her, die ihm, ich weiß nicht wie, gegeben wurde. Denn er riß den erhabenen Thron an sich und wurde zum Fraße des vielköpfigen Drachen; er hoffte aber auch die Kirche Gottes zu verschlingen und Alle sich zu unterwerfen. Ja wenn uns nicht der allmächtige Gott errettet hätte, so wäre vielleicht sein Wunsch in Erfüllung gegangen, wie jener Gottlose gehofft hatte, daß die Kirche in seine Hände fallen würde, und nach dem Eifer seiner Helfershelfer. Aber es ging vielmehr, wie der Prophet[3] sagt: „Unser Gott ist mit uns. Wisset Dieß, ihr Heiden, und werdet überwunden, ihr Starken! Denn wenn ihr euch auch noch so stark dünket, so werdet ihr doch überwunden. Jeden Plan, den ihr aussinnet, wird der Herr zu nichte machen, und kein Anschlag, den ihr schmiedet, wird Bestand haben; denn der Herr, unser Gott, ist mit uns.“ Deßhalb beschützt Gott die Verkündiger seiner Wahrheit, aber er erschüttert [248] und vernichtet die Macht seiner Feinde und macht ihre Anschläge zu nichte, so daß sie nicht zu dem Ziele ihrer Erwartung gelangen. Deine Vollkommenheit möge sich also nicht beunruhigen lassen durch die Drohungen Derer, welche nach ihrer Gewohnheit einen Jeden leichtfertig und unverständig bedrohen, indem sie sich zu Dienern der Lästerungen des Nestorius machen. Diese Leute haben ja überhaupt gar keine bischöfliche Gewalt mehr, da die heilige Synode[4] alles Das für ungiltig erklärt hat, was sie gegen irgend Jemanden zu unternehmen wagen könnten. Aber alle die heiligen Bischöfe, welche in dem Gebiete der Römer wohnen, sind insgemein in Gesinnung, Willen, Eifer, Übereinstimmung, Gemeinschaft und Glauben mit deiner ruhmreichen Heiligkeit einig und verbunden. Denn also leuchtest du hervor, befestigst in der Wahrheit durch deine weise Belehrung sowohl die unter deiner Leitung Stehenden, als auch die in anderen Städten und Ländern Wohnenden, und ermahnst nicht nur die deiner Heiligkeit Benachbarten, sondern auch die Entfernten. Aber an dem Tadel der Gottlosen, an ihren Schmähungen und sonstigen derartigen Gehässigkeiten ist mir wenig gelegen. Denn wenn sie unsern Herrn Beelzebub genannt haben, so ist es nichts Neues, wenn sie auch uns so nennen; und wenn sie ihn verfolgt haben, wie sollten sie da nicht auch uns verfolgen? Aber in allem Diesen überwinden wir, und unsere Arbeit bewirkt, daß sich die Früchte der Liebe Christi mehren und wir zu der unvergänglichen Herrlichkeit gelangen. Denn deine in Allem weise Vollkommenheit ist im Stande, die dir benachbarten Gegenden auf den rechten Weg zu führen und das Wort des Glaubens rein und bestimmt zu lehren. Aber wegen der Menschen, welche irren und die in unserer Zeit durch Nestorius aufgebrachte Häresie anpreisen, um die Einfältigen einzufangen und irrezuführen, habe auch ich nothgedrungen nach Maß- [249] gabe meiner Fähigkeit diese Abhandlung gegen seine Irrlehre, wie es meine Pflicht war, aufgesetzt und in ein Buch geschrieben, indem ich seine Lästerungen durch die Kraft der Wahrheit widerlege. Dieses habe ich auch deiner Heiligkeit zugesandt, damit du mir die Güte und Herablassung erweisen mögest, das, was unsere Fassungskraft übersteigt, darin zu verbessern, auch, wenn dir Dieß gut und nützlich scheint, es vor den gläubigen Brüdern lesen zu lassen. Ich habe ausserdem noch eine Abhandlung über die Incarnation des Sohnes Gottes für den gläubigen Kaiser geschrieben, welches ich deiner Heiligkeit mitschicke; und wenn es dir angemessen scheint, daß auch Dieß den gläubigen Brüdern vorgelesen werde, so thue, was dir gut dünkt! Denn auch ich habe die mir von deiner Vollkommenheit zugesandten Briefe vor dem ganzen Klerus und vor den Bischöfen, welche in Alexandrien mit mir zusammenkamen, gelesen, indem ich ihnen dadurch zeigte, daß Christus nicht schläft, sondern an allen Orten Lichter hat, welche die Stätte des Lebens ausfüllen. Wenn aber deine Vollkommenheit das in den Büchern Befindliche gelesen hat, so wird sie Diejenigen verachten, welche uns schmähen, als ob wir behauptet hätten, die göttliche Natur sei leidensfähig, oder als ob wir der Ansicht des Apollinaris oder irgend eines anderen Irrlehrers folgten. Denn wenn deine Heiligkeit diese Schriften sorgfältig beachtet, wird sie einsehen, daß in dem ganzen Buche der Inhalt der von uns früher aufgestellten Kapitel[5] genau ausgeführt wird, damit auch auf diese Weise die aus dem weitaufgerissenen Munde der Gegner gegen uns abgeschossenen Pfeile unschädlich gemacht würden. Dieses wird für deine Gottesfurcht genügen.



  1. Dieses bisher nur fragmentarisch bekannte Schreiben hat Overbeck in syrischer Übersetzung vollständig mitgetheilt.
  2. Röm. 8, 35.
  3. Is. 8, 8–10.
  4. Von Ephesus.
  5. Der bekannten zwölf Anathematismen gegen Nestorius, an welchen die orientalischen Bischöfe besonders Anstoß nahmen.