Brigitta von Hohinrot

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Textdaten
<<< >>>
Autor: Georg Rapp
Illustrator: {{{ILLUSTRATOR}}}
Titel: Brigitta von Hohinrot
Untertitel:
aus: Badisches Sagen-Buch II, S. 54–55
Herausgeber: August Schnezler
Auflage: 1. Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1846
Verlag: Creuzbauer und Kasper
Drucker: {{{DRUCKER}}}
Erscheinungsort: Karlsruhe
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Commons und Google
Kurzbeschreibung:
Wikipedia-logo.png Artikel in der Wikipedia
Eintrag in der GND: {{{GND}}}
Bild
[[Bild:|250px]]
Bearbeitungsstand
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du hier: Hilfe
Indexseite
[54]
Brigitta von Hohinrot.
(Zweite Sage vom Brigittenschloß.)

Was sinnt das hohe, stolze Weib,
Im Bogengang um Mitternacht?
Sie hebt im Zorn den edlen Leib
Und öffnet eine Pforte sacht.

5
Sie steht vor ihrer Liebe Mann,

Der ruht im Arm der Dirne hold;
Sie winkt der Magd zu sich heran:
„Ich zahle dir den Buhlersold!“

Da kehrt ihr Herr die Schaam in Wuth;

10
Am scharfen Dolche bebt sein Arm,

Ihr hoher Busen sinkt im Blut,
Ihr stolzes Auge bricht im Harm.

Den Frevel schaut die Mondesgluth
Und rührt gelind die Starre an;

15
Sie wascht sich ab ihr klebend Blut

Und wankt hinaus auf öder Bahn.

Sie hüllt die welkende Gestalt
In tiefe Klosterschleier ein,
Und baut im weltverschwiegnen Wald

20
Ein Hüttendach der stummen Pein. –


Der Gattenmord hat keinen Trost
Und Reue wandelt sich in Fluch.
Er flieht, gerichtet und erboßt,
Ihn treibt ihr Blut wie Zauberspruch.

25
Er haut den Feind und schlägt den Freund,

Besäet mit Blut den Räuberlauf;
O Die Flamme steigt, wo er erscheint,
Doch rother steigt ihr Blut ihm auf.

In Trümmer bricht sein stolzes Schloß,

30
Ihm schreit der Fluch des Volkes nach,
[55]

Ihn hetzt der Hunde lauter Troß,
Ihr Blut schreit lauter als die Schmach.

Er stürzt sich von der Felsenwand,
Er stürzt sich in den Strom hinab,

35
Der wirft ihn schaudernd an den Strand,

Die Erde beut ihm auch kein Grab.

Er knirscht zerschellt im öden Wald,
Sein Haupt umrauscht der Raben Flug;
Der Sturm der düstern Wüste hallt,

40
Verschleiert naht ihm, die er schlug.


Und als er stirbt in ihrem Schooß
Enthüllt sie mild ihr Angesicht,
Und sanfte Thränen brechen los,
Da ihm das Herz im Frieden bricht.

Georg Rapp.