Burg Rötteln

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Textdaten
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Autor: Unbekannt
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Titel: Burg Rötteln
Untertitel:
aus: Badisches Sagen-Buch I, S. 196–198
Herausgeber: August Schnezler
Auflage: 1. Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1846
Verlag: Creuzbauer und Kasper
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Erscheinungsort: Karlsruhe
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Originaltitel:
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Originalherkunft:
Quelle: Commons und Google
Kurzbeschreibung:
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Bild
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Burg Rötteln.

Am breiten Ausgang des Thals, zwischen der Kander und Wiese, prangt auf waldigem Hügel die Burg Rötteln hervor, weithin die Gegend beherrschend und ihr erster Schmuck. Nur wenige Schlösser am Rheinstrome können sich, was die Schönheit der Lage betrifft, mit dem Rötteler messen. Ehrwürdig durch Alter und Geschichte schaut von seinen Zinnen ein Stück des Mittelalters, wohl ein Jahrtausend groß, herab ins Thal, vergraben an seinem Ursprung im Staub der Documente; die frühere Zeit bis hinauf ins Grau des Alterthums mißt hier kein Auge, ihrer Thaten auch noch so kundig. Wer nur darauf verfallen konnte, dies Schloß, das an jedem Stein den teutschen Ursprung verräth, oder auch nur den wohlerhaltenen äußersten Thurm, der gerade am lautesten gegen das Römerthum zeugt, in die Zeit des beherrschenden Alterthums hinaufrücken zu wollen! An Thürmen und Thoren, an Fensternischen, Einfriedigungen u. s. w. sieht man unschwer, sowie an der unterscheidenden Vorburg, die Wahrzeichen des teutschen Ritterthums, das einst Tage hohen Glanzes hier verlebte. Längst ist die goldene Pracht zerstoben, die Zinnen sind eingefallen, die Säle sind Wohnstätten des kriechenden Gewürms geworden, und im Burghof wächst Gras für meckernde Ziegen. Von hier aus genießt der Beschauer einen reizvollen Ausblick. Durch das Thalgelände zieht sich ein bunter Wechsel von Dörfern und Weilern, von schattigen Höhen und fruchtbaren Feldern hin, ein lachendes Landschaftsbild, von einem engen aber goldenen Rahmen eingefaßt. Links haftet der Blick über Schopfheim hinaus an den Riesen des Schwarzwalds; rechts ab fällt das Auge über Lörrach mit seiner weinhügeligen Umgebung, nachdem die altehrwürdige Schweizerstadt voll Reichthum und aristokratischen Stolzes sich hinter des Thales weitauslaufenden Armen vornehm der Perspective entzogen, auf die Bergreihe des Jura hin, die sich hereinzieht durch die Schweizergefilde, und das nahe baselische Landschaftsgebiet, reich von Burgen behangen und mit lieblichen Thälern geschmückt, quer durchwindet. Dem geschärften Auge liegen selbst die mit ewigem Eise bepanzerten Gletscher, wenn die Strahlen der Sonne den hüllenden Wolkenschleier [198] verdünnen, nicht zu ferne. Wie ein Silberfaden schlängelt sich die Wiese über den bunten Teppich des Thales hin, Namen und Ruf und reiche Nahrungssäfte ihm bietend und stürmisch entgegen schwellend dem prachtvollen Strome, an dessen Ufern der römische Kaiser Probus (reg. 267–282 n. Chr.), siegreich gegen die Teutschen am Rheine, wie gegen deren Stammgenossen – die Perser, durch seine Legionen die ersten Reben pflanzte. Einer der mächtigsten Dynasten im (vormals bekanntlich den schwäbischen Landen zugehörenden) Breisgau war im eilften Jahrhundert der Freiherr von Rötteln, von dessen Geschlecht die Geschichte wenig Kunde gibt. Einer dieses Geschlechts, Dietrich von Rötteln (Rötelein)[1] verwaltete das Schirmamt über die diesseitigen Güter der Kirche St. Alban zu Basel; sein Name vererbte sich, nach der Sitte der damaligen Zeit, bis in’s vierte und fünfte Geschlecht; das ganze Geschlecht aber erlosch schon dritthalbhundert Jahre nach ihm.[2] Nach der Theilung der badischen Lande kam Rötteln unter Markgraf Ernst an die jüngere, oder (wie sie später auch hieß) die protestantische Linie (Baden-Durlach) im Jahr 1535. Unter Ernsts Sohne, Karl II., wurde 1556 die lutherische Confession durch Basler Theologen, insbesondere durch den gelehrten Dr. Sulzer, in der Röttler Herrschaft und der obern Landesgegend eingeführt. Mehrere badische Markgrafen, unter andern der aus dem dreißigjährigen Kriege bekannte Georg Friedrich, wohnten auf dem Schlosse, auch liegen mehrere derselben in der Rötteler Kirche begraben. Ueber das Alter dieser Kirche, geschmückt mit den Rötteln’schen, Badenweilerschen und Badischen Wappen, gibt es keine documentirte Gewißheit. Das Schloß Rötteln war häufig kriegerischen Anfällen ausgesetzt. Sogar die Basler, und diese zuerst, belagerten es 1333, jedoch erfolglos: wie denn die eisernen Waffen Basels bis auf die neueste Zeit herab fast immer unterlegen sind. Im 30jährigen Kriege, wie schon vorher im Bauernkriege, hatte Rötteln viele Drangsale zu überstehen. Im Orleans’schen Successionskrieg ward es nebst den Schlössern zu Badenweiler und Sausenburg von den Franzosen 1678 [199] erobert und zerstört. Seitdem liegt es in Ruinen, die noch Zeugen sind von seiner ehemaligen Größe und Herrlichkeit. Der einst bedeutende Marktflecken Rötteln (eine Stadt ist Rötteln nie gewesen, wie Manche irrthümlich behauptet haben), unweit des Schlosses liegend, ist von der Zeit an zu einem bedeutungslosen Oertchen, durch nichts mehr ausgezeichnet als durch einen reizenden Pfarrsitz, herabgesunken. Dagegen ist aus seinen Trümmern wie eine Colonie die Stadt Lörrach entstanden, die bis dahin nur ein Marktflecken war.


  1. Der Name kommt vom „rothen Leuen“ den er im Wappen führte.
  2. Siehe J. Bader’s „Badische Landesgeschichte“ S. 109.