Christliche Symbolik/Gott

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Gott.

Gott ist ein Geist, Joh. 4, 24. Gott ist gross und unbekannt, Hiob 36, 26. Niemand kann ihn sehen, denn der Sohn, Joh. 1, 18; nur die Engel sehen sein Angesicht, Matth. 18, 10. Auch im alten Testament hüllt er sich in die Wolke, in Feuer, äussert sich im Gewitter, im Sturm oder in sanftem Säuseln. Wenn ihm auch Augen, Hände, Füsse, ein Schwert oder eine Ruthe des Zornes etc. zugeschrieben werden und er einigemal förmlich in menschlicher Gestalt erscheint, und wenn er menschenähnlich schon deshalb seyn muss, weil er die Menschen nach seinem Bilde machte, so kann doch nichts Zeitliches das Ewige genügend ausdrücken, und die Zurückhaltung der heiligen Schrift, die Gott am liebsten in einem heiligen Dunkel hält, muss auch Regel der christlichen Kunst seyn. „Der kühnste Pinsel,“ sagt Gibbon, „muss zittern bei dem verwegenen Gedanken, mit Form und Farben den unendlichen Geist zu malen."

Dadurch ist die Scheu, Gott als Menschen darzustellen, vollkommen gerechtfertigt und die Naivetät entschuldigt, die sich begnügt, nur durch ein einfaches Symbol eine Haupteigenschaft Gottes anzudeuten, z. B. den Geist durch einen Lichtstrahl, die Allmacht durch eine Hand. Vgl. die Art. Licht und Hand. Sobald aber in diese Symbole zu viel Absicht und Bedeutung gelegt wird, verlieren sie den naiven Charakter und werden unhaltbar. So kam der grosse Dante, Paradies 28, 16, auf den unglücklichen Gedanken, aus Gott nur einen einzigen Lichtpunkt zu machen, wenn auch von der stärksten Lichtkraft. Ein Punkt ist nie erhaben. Das unschuldige Lichtsymbol wurde durch Dante’s scholastische Spitzfindigkeit in diesem Fall missbraucht.

Der Name Gottes Jehovah ist symbolisch, weil er alle Vocale umfasst (I E O U A) und insofern Inbegriff der Sprache, des Wortes und in ihm des Geistes ist. Vgl. die Art. A und Jehovah. Seit dem 16ten Jahrhunderte wurde dieser [348] Name in einem Dreieck und Sonnennimbus Symbol Gottes. Vgl. Didron, icon. 237.

In menschlicher Gestalt erscheint Gott in der Offenb. Joh. 1, 13 f. weiss gekleidet, mit weissem Haar, flammenden Augen, sieben Sterne an der Rechten, im Mund ein Schwert und daselbst 19, 11. auf weissem Pferde. Die weisse Farbe bedeutet Licht, die Sterne die sieben Gaben des Geistes oder die Urtugenden. In menschlicher Gestalt kommt Gott auch schon sehr frühzeitig auf christlichen Bildern vor. Die Kunst lebte noch in der Erinnerung und Gewohnheit der heidnischen Bilder und nahm keinen Anstand, auf den Grabbildern der römischen Katakomben Gott in der jugendlichen Gestalt eines Apollo oder Merkur aufzufassen. Vgl. Didron, icon. p. 100. 176. Mit Recht verliess der strengere byzantinische und fränkische Kunststyl diese heidnische Lizenz und begnügte sich ehrfurchtsvoll mit den naiven Symbolen der Hand, des Lichtstrahls, des Kreuznimbus. Allmählig aber konnte man doch nicht umhin, wieder zur menschlichen Gestaltung zurückzukehren; nur malte man Gott jetzt nicht mehr jung, sondern als den Vater im Gegensatz gegen den Sohn älter und langbärtig. Das frühere Mittelalter nahm sich dafür den Kaiser oder Papst zum Vorbilde und gab Gott dem Vater sogar die Ornate der kaiserlichen und päpstlichen Würde. Die griechische Kirche behielt das mittlere Alter des Mannes bei, die römische gerieth immer mehr in das greisenhafte. Im 16ten Jahrhundert aber fingen die Maler an, Gott als eine athletische Figur im fliegenden Mantel nur noch durch den Ausdruck seiner Mienen und Geberden zu charakterisiren. Das Genie der Künstler wollte sich durch den herkömmlichen Typus nicht mehr binden lassen, allein es vermochte in seiner freien Willkühr den göttlichen Charakter niemals zu fassen. Der christliche Gott wurde mehr oder weniger einem heidnischen Saturn, Jupiter oder Neptun ähnlich. Wir unterscheiden hier im Wesentlichen zwei Auffassungen: die mehr plastische, wie Michel Angelo ihr die Richtung gab, und die mehr malerische des Raphael. Die erstere führt den Geist zu [349] sehr in’s Fleisch, die zweite führt das Fleisch zu sehr in’s Gespenstische. Raphaels Mantelgott ist viel zu unruhig. Er stösst die Elemente wie aus Zorn auseinander, er packt Sonne und Mond mit einer Art von Wuth mit hastig greifenden Händen, als wollte er sie in Verhaft nehmen. Da ist nirgends etwas von der Innigkeit und Ruhe des weisesten Schöpfers wahrzunehmen.

Gott steht zwar als der Ewige über aller Zeit und ist der Jüngste, wie der Aelteste; für unsere Auffassung aber kommt ihm alles Ehrwürdige des Alters wie der Macht zu. Daher wird er schon bei Daniel 7, 9. der Alte genannt. „Ich war, spricht der Herr, ehe denn der Tag war,“ Jesaias 43, 13. In seinem Zustande vor der Schöpfung scheint Gott der Vater durch die bläuliche Krystallkugel, die er häufig auf altdeutschen Bildern in der Hand hält (z. B. auf einem berühmten Bilde des van Eyck), bezeichnet zu werden. Ich vermuthe, diese Kugel bedeutet theils den Spiegel der göttlichen Contemplation, theils die noch unfertige Weltkugel im ersten Umriss.

Vor der Schöpfung der niedern Welt müssen wir uns Gott auch noch denken, wenn er ausschliesslich mit Engeln umgeben ist und noch weder Sohn, noch Geist, noch Heilige bei sich hat. Eine schöne Mantelfigur des dahinfliegenden Gottes, von unzähligen Kinderengeln umgeben, malte Melozzo da Forli schon im 14ten Jahrhundert. d’Agincourt, sculpt. pl. 142. Auch Fiesole malte Gott den Vater allein unter musicirenden Engeln. Das Bild befindet sich in der Münchner Pinakothek.

Gott Vater als heiterer Greis von Engeln umgeben auf einem Bilde von Perugino (Vasari II. 2. 373.), von Guido Reni im Quirinal (Beschreibung von Rom III. 2. 419.), von Schiavone zu Venedig. Viele kleine Engel umgeben den Vater auf einem Bilde von Pordenone (Vasari III. 2. 44.). Auf einem Hautrelief von Puget in Toulon schmiegen sich die Engel in den Mantel Gottes, Wessenberg, christliche [350] Bilder II. 552. Gott im Centrum der Geister- oder Engelwelt darzustellen versucht ein griechisches Bild bei Didron, annales I. 165. Gott ist thronend und segnend dargestellt, die linke Hand und der linke Fuss sind durchbohrt, die rechten nicht, es ist also Vater und Sohn in Einer Gestalt. Er thront in einem aus zwei Quadraten gebildeten Stern (Achtort), welcher umgeben ist von einem Kreise oder Rade, an welchem sich vier Engel (jeder ein Kopf mit vier Flügeln) drehen. Diese ganze Umgebung soll den zum Vater und Sohne noch fehlenden heiligen Geist, aber auch die ganze Geisterwelt bedeuten.

Die Macht Gottes wird im alten Testament in der Regel auf naive Weise durch Donner und Blitz bezeichnet. Siehe Gewitter. Auf altdeutschen Bildern wählte man eben so naiv die Tracht des deutschen Kaisers für Gott den Vater aus, den kaiserlichen schweren Goldmantel, die oben durch den Reif geschlossene schöne Blätterkrone. Auf dem berühmten Genter Altar und auch sonst ist Gott dem Vater als Kaiser ein Scepter von durchsichtigem Krystall zugegeben. Kugler, Gesch. der Mal. II. 49. Der Krystall soll wohl die Herrschaft des Lichts und der Wahrheit ausdrücken. In Frankreich gab man Gott dem Vater königliche Tracht mit der französischen Lilienkrone. Didron, icon. p. 229. Indem der Papst sich über den deutschen Kaiser erhob, hielten auch die Maler für schicklich, Gott den Vater als Papst darzustellen mit der dreifachen Krone. So van Eyck, Amberger etc. Vergl. Waagen, Paris 355. Didron, icon. p. 224. 232. Kreuser, Kirchenbau II. 38. Es ist interessant, wahrzunehmen, wie die kriegerische deutsche Nation anfangs die kaiserliche Tracht für Gott passender fand, als die päpstliche, ausgehend von dem Gedanken, der Priester habe nur zu dienen, nicht zu herrschen. Gleichwohl erscheint Gott in der Offenb. Joh. 19, 12. mit vielen Kronen, was man zur Noth auf die drei Kronen des Papstes beziehen konnte. Aber sein Name ist „Gottes Wort“ und sein Kleid blutbesprengt, er ist also der Sohn, nicht der Vater. Auch die weisse [351] priesterliche Tracht, Offenb. Joh. l, 12, bezieht sich nicht auf den Vater, sondern auf den Sohn.

Dagegen thront der Vater als „der Alte“ bei Daniel 7, 9. auf einem Stuhl mit Rädern voll Feuerflammen (siehe Cherubim) und mit weissem Kleide, während tausendmal Tausend (Engel) ihm dienen und zehntausendmal Zehntausend um ihn stehen. Sehr ähnlich in der Offenb. Joh. 4, 2 f. Hier sitzt Gott, glänzend wie der Stein Jaspis oder Sardis, auf dem Stuhl, umgeben von einem Regenbogen. Vom Stuhl gehen Blitze aus; vor dem Stuhl aber breitet sich ein gläsernes Meer aus. Schon 2. Mos. 24, 10. kommt Gott thronend vor, über sich einen grossen Saphir (das Himmelsblau). Wiederholt bei Ezechiel 1, 26, wo auch der Regenbogen und das Leuchten Gottes wiederkehrt. Ganz feurig erscheint Gott noch einmal bei Ezechiel 8, 2. Ein rothes Ober- und Untergewand trägt er mit der Papstkrone und dem Krystallscepter auf einem Bilde von Cocxie im Berliner Museum. Ein rothes Gewand hat er auch, nebst blauem Mantel, in einem Gothaer Breviarium. Rathgeber, Annalen S. 63. In dem merkwürdigen Dreieinigkeitsbilde von A. Dürer hat Gott ein blaues Untergewand, ist aber mit einem goldnen Mantel so bedeckt, dass man selbst seine Hände nicht sieht, wodurch der schöne alte Kopf um so bedeutender hervorgehoben wird. Kunstbl. 1823, S. 187. Auch hierin liegt etwas Gespenstisches, aber mit viel mehr Majestät gepaart, als bei Raphael.

Zu den Machtattributen Gottes gehört die Weltkugel, die, wie Gott als Kaiser erscheint, zum Reichsapfel wird. Siehe Kugel. Didron, icon. p. 228, bemerkt, auf Kirchenbildern vor dem 15ten und 16ten Jahrhundert trage auch der Sohn öfters die Kugel, der Vater dagegen ein Buch; später immer umgekehrt. Das Buch in Gottes Hand kommt auf ältern Bildern öfter vor und bedeutet vielleicht das Gesetz oder das Buch des Schicksals und Gerichts, daselbst p. 113. Jedoch sollte man zunächst das Unerforschliche darunter verstehen, das Gott sich vorbehält, weshalb Durandus, rat. offic. I. 3, 12, von den Malern verlangt, sie sollen Gott dem [352] Vater nie ein offenes, immer nur ein geschlossenes Buch beilegen.

Der Zorn Gottes ist im alten Testament durch die reinmenschliche Auffassung des seine Kinder liebenden, aber auch eifrigen Vaters motivirt. Am schrecklichsten erscheint er bei dem Propheten Habakuk im Streitwagen, alle Feinde vor sich niederschmetternd. Bei Jesaias 27, 1. erwürgt er den Leviathan mit dem Schwert. Vgl. die Art. Gewitter, Ruthe und Schwert. Gott mit Schwert, Pfeil und Bogen auf einem italienischen Miniaturbild, Didron, icon. p. 171. Auch im neuen Testament ist noch seines Zornes gedacht, Römer 1, 18.

Auf alten Bildern hält Gott Vater häufig die Arme ausgebreitet, was wohl seine Liebe bezeichnen soll, vielleicht in Verbindung mit seiner allumfassenden Allmacht. Didron, icon. p. 33. Oder er erhebt segnend seine Hand, daselbst p. 111.

Die Liebe und Huld Gottes ist am schönsten bezeichnet 1. Könige 19, 11. Gott erscheint dem Elias nicht im Winde, nicht im Erdbeben, nur im sanften Säuseln. Jesaias 49, 15. wird Gott dem Vater die ganze Zärtlichkeit einer Mutter für ihre Kinder zugeschrieben. Im Buch der Weisheit 15, 1. heisst es gar zutraulich von Gott: „Du bist freundlich und treu.“ Viele Psalmen beginnen mit den Worten: „Danket dem Herrn, denn er ist freundlich.“ Doch hat die Kunst fast immer die Liebe nur im Sohne, im Vater dagegen vorzugsweise die Gerechtigkeit auszudrücken getrachtet. Es ist auch gefährlich, einen zu lieblichen und weichen Gott Vater darzustellen. Selbst die heilige Naivetät eines Perugino schweifte aus, indem er Gott, die Flöte blasend, unter heiter tanzenden Engeln malte (im Hospital zu Fulignano). Noch minder schicklich sind die Vertraulichkeiten, in welche sich die einzelne menschliche Seele mit Gott einzulassen erdreistet, indem sie, bei ihm eine eben so heftige Gegenliebe voraussetzend, sich mit glühender Zärtlichkeit an ihn wendet und einen förmlichen Roman mit ihm spielt, z. B. in den mystischen [353] Versen des Angelus Silesius, worin unser Ich als für Gott eben so begehrungswürdig und unentbehrlich aufgefasst wird, als er für uns.

Innerhalb der heiligen Dreieinigkeit wird Gott Vater sehr oft vollkommen gleich mit dem Sohn und Geist dargestellt, bald alt, so dass alle Väter, bald jung, so dass alle Söhne scheinen, einmal sogar als Adler, so dass alle heilige Geiste scheinen. Vgl. den Art. Dreieinigkeit. In der Regel aber ist der Vater älter aufgefasst. Auch zeichnete man ihn durch den dreieckigen Nimbus um’s Haupt aus, Didron, icon. p. 33. 228. Sonst hat er mit Sohn und Geist den gewöhnlichen Kreuznimbus (das Kreuz innerhalb eines Kreises) zum gemeinschaftlichen Symbol. Ein sehr interessantes und geistreiches Sinnbild kommt vor auf einem italienischen Miniaturbild des 13ten Jahrhunderts. Gott mit dem Kreuznimbus hält in des Sohnes jugendlicher Gestalt in einer Hand als Schöpfer den Zirkel (womit er das Weltall und die Zeit ausmisst), in der andern als Richter über die Menschen die Waage und hat sieben Flammenkreise um sich her, die sieben Geister Gottes oder vielleicht auch die sieben Planetensphären. Didron, icon. p. 600.

Alle Bilder Gott des Vaters sind unvollkommen, denn er bleibt der Unbekannte und Unerforschliche, wie klar er uns auch erscheint, soweit er sich uns offenbart hat. Deshalb ist es eine traditionelle Lehre, dass keine Seligkeit im Himmel derjenigen gleich kommt, die im Schauen Gottes bestehen wird, und wiederum keine Strafe der Verdammten härter, als die, Gott nicht sehen zu können.