Damötas und Phyllis

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Textdaten
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Autor: Christian Fürchtegott Gellert
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Titel: Damötas und Phyllis
Untertitel:
aus: Sämmtliche Schriften. 1. Theil: Fabeln und Erzählungen, Erstes Buch. S. 52–54
Herausgeber:
Auflage: 1. Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1769
Verlag: M. G. Weidmanns Erben und Reich und Caspar Fritsch
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Erscheinungsort: Leipzig
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Scans auf Commons
Kurzbeschreibung:
Erstdruck 1746/48
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[52]
Damötas und Phyllis.


Damötas war schon lange Zeit
Der jungen Phyllis nachgegangen;
Noch konnte seine Zärtlichkeit
Nicht Einen Kuß von ihr erlangen.

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Er bat, er gab sich alle Müh;

Doch seine Spröde hört ihn nie.

Er sprach: Zwey Bänder geb ich dir.
Auch soll kein Warten mich verdriessen;
Versprich nur, schöne Phyllis, mir,

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Mich diesen Sommer noch zu küssen.

Sie sieht sie an, er hofft sein Glück;
Sie lobt sie, und giebt sie zurück.

Er bot ein Lamm, noch zwey darauf,
Dann zehn, dann alle seine Heerden.

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So viel? Dieß ist ein theurer Kauf.

Nun wird sie doch gewonnen werden?
Doch nichts nahm unsre Phyllis ein;
Mit finstrer Stirne sprach sie: Nein!

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Wie? rief Damötas ganz erhitzt,

So willst du ewig widerstreben?
Gut, ich verbiete dir anitzt,
Mir jemals einen Kuß zu geben.
O! rief sie, fürchte nichts von mir,

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Ich bin dir ewig gut dafür.


[53]
Die Spröde lacht; der Schäfer geht,

Schleicht ungeküßt zu seinen Schafen.
Am andern Morgen war Damöt
Bey seinen Heerden eingeschlafen;

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Er schlief, und im Vorübergehn

Blieb Phyllis bey dem Schäfer stehn.

Wie roth, spricht Phyllis, ist sein Mund!
Bald dürft ich mich zu was entschliessen.
O! thäte nicht sein böser Hund,

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Ich müßte diesen Schäfer küssen.

Sie geht; doch da sie gehen will,
So steht sie vor Verlangen still.

Sie sieht sich dreymal schüchtern um,
Und sucht die Zeugen, die sie scheute;

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Sie macht den Hund mit Streicheln stumm,

Und lockt ihn freundlich auf die Seite;
Sie sinnt, bis daß sie ganz verzagt
Sich noch zween Schritte näher wagt.

Hier steht nunmehr das gute Kind;

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Allein sie kann sich nicht entschliessen.

Doch nein, itzt bückt sie sich geschwind,
Und wagts, Damöten sanft zu küssen.
Sie giebt ihm drauf noch einen Blick,
Und kehrt nach ihrer Flur zurück.

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Wie süße muß ein Kuß nicht seyn!

Denn Phyllis kömmt noch einmal wieder,
Scheint minder sich, als erst, zu scheun,
Und läßt sich bey dem Schäfer nieder;

[54]
Sie küßt, und nimmt sich nicht in Acht;
55
Sie küßt ihn, und Damöt erwacht.


O! fieng Damöt halb schlafend an,
Misgönnst du mir die sanfte Stunde?
Dir, sprach sie, hab ich nichts gethan,
Ich spielte nur mit deinem Hunde;

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Und überhaupt, es steht nicht fein,

Ein Schäfer und stets schläfrig seyn.

Jedoch, was giebst du mir, Damöt?
So sollst du mich zum Scherze küssen.
Nun, sprach der Schäfer, ists zu spät,

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Du wirst an mich bezahlen müssen.

Drauf gab die gute Schäferinn
Um Einen Kuß zehn Küsse hin.