Das Gnadenbild zu Waghäusel

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Textdaten
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Autor: Unbekannt
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Titel: Das Gnadenbild zu Waghäusel
Untertitel:
aus: Badisches Sagen-Buch II, S. 407–408
Herausgeber: August Schnezler
Auflage: 1. Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1846
Verlag: Creuzbauer und Kasper
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Erscheinungsort: Karlsruhe
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[407]
Das Gnadenbild zu Waghäusel.

Vor etlichen hundert Jahren geschah es, daß ein Schäfer, der am Lußhardtwalde seine Heerde weidete, in demselben einen wunderschönen Gesang vernahm. Er gieng den Klängen nach und kam an einen Sumpf, in dessen Mitte ein abgeköpfter Baumstamm und darauf ein feines Muttergottes Bild stand, aus dessen Munde der herrlichste Gesang ertönte. Er bemühte sich, das Bild mit seinem Krumstabe zu erlangen, um es zu sich zu ziehen, war aber zu weit davon entfernt; auf einmal rief es ihm zu: „Wag’ es nur!“ worauf ermuthigt, er durch den Sumpf wadete und dasselbe herabholte. Freudig trug er es in seine Hütte, aber am folgenden Morgen war es verschwunden und [408] wieder an seinem vorigen Platze. Abermals trug er es vom Sumpfe mit sich nach Hause, allein in der nächsten Frühe fand er es wieder auf dem Baumstumpen, und ebenso, nach nochmaligem Heimtragen, am dritten Morgen; worauf er es ruhig dort stehen ließ. In der Folge kamen auf einer ihrer Wanderungen einige Kapuziner an diesen Ort und bauten, nachdem ihnen der Schäfer sein Wunderbegebniß berichtet, eine Kapelle über den Stamm mit dem Bilde, und daneben für sich eine Wohnung. Diese Ansiedlung erhielt, nach dem Zuruf der Madonna „Wag’ es!“ den Namen „Waghäusel“ und bald wurde von nah und fern zu dem Wunderbilde gewallfahrtet.[1]

(S. Mone’s „Anzeiger etc.“ Jahrg. 1839.)

  1. Häufig strebt die Volkssage, Namen zu erklären. Solche Sagen sind meistens jung, weil sie die Namen der Orte gewöhnlich mißverstehen und deren alte Bedeutung nicht mehr kennen, wie obiges Beispiel beweist. Waghäusel hieß ursprünglich Waaghus, d. h. das Haus bei dem stehenden Wasser, von dem noch das nahegelegene Torfmoor zurückgeblieben ist.
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