Der Rekrut auf Philippsburg

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Textdaten
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Autor: Karl Simrock
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Titel: Der Rekrut auf Philippsburg
Untertitel:
aus: Badisches Sagen-Buch II, S. 405–407
Herausgeber: August Schnezler
Auflage: 1. Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1846
Verlag: Creuzbauer und Kasper
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Erscheinungsort: Karlsruhe
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Quelle: Commons und Google
Kurzbeschreibung:
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[405]
Der Rekrut auf Philippsburg.

Vor Philippsburg der Franzmann lag,
Die Reichsarmee darinnen,
Die Feinde meinten Tag für Tag,
Die Festung zu gewinnen.

5
Viel Bomben flogen hin und her,

Und platzten sie, so kracht’ es sehr!
Das mußte man gewohnen.

[406]

Da stand beim Sturm einst ein Rekrut
Abseits auf einem Posten;

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Er dacht in seinem dummen Muth:

„Hier wird’s den Hals dir kosten;
Der d’Asfeld greift dort hinten an,
Hier kann ich ruhig Schildwacht stahn!“
Ist aber anders kommen.

15
Denn just ersahn den schwachen Fleck

Der Franzen sich ein Dutzend,
Und richteten die Leiter keck,
Auf ihre Menge trutzend;
Sie meinten sich schon oben drauf

20
Ha! klommen sacht den Wall herauf,

Der Eine hinterm Andern.

„Ei sieh, ein schwarzgeschnauzt Gesicht
Da drüben auf der Mauer!
Ha! galt mir diese Kugel nicht?

25
Willst du hinab, du Lauer!“

Doch weil von selber Der nicht ging,
So wies er mit der Degenkling’
Ihn höflich in den Graben.

Nun, dacht’ er, wird wohl Fried’ im Land!

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Ging ruhig auf und nieder,

Doch plötzlich vor der Brüstung stand
Der schwarze Schnauzbart wieder.
„Bist du noch einmal da, du Fratz?
Und hast noch Pulver? Platz, mach Platz!

35
Nun aber kommst du nimmer!“


Da hat er doch zuviel gesagt,
Denn vor der Mauer kauzte
Schon wieder, den er zwier (zweimal) verjagt,
Der leid’ge Schwarzgeschnauzte.

40
„Ei, du verwetterter Franzos!

Wann werd’ ich dich wohl einmal los?
Da lieg’ und komm’ mir wieder!“

[407]

So ging es noch zum Viertenmal,
Zum Fünften und so weiter;

45
Er stieß die volle Dutzendzahl

Den Franzmann von der Leiter.
Doch endlich als die Stunde schlug,
Löst’ ihn der Waibel ab und frug:
„Ist nichts zu rapportiren?“

50
„Ja doch, hier hat mir eingeheitzt

Ein schwarzer Bärenhäuter,
Ich hab’ ihm oft den Kopf gebeizt,
Doch ward er nicht gescheuter.
Wohl zwölfmal hat er angesetzt,

55
Doch still im Graben liegt er jetzt.“

Da lagen aber Zwölfe.

Man frug beim Kommandanten an:
„Was soll er Stechgeld haben?
Nur Einen hat er abgethan,

60
Doch liegen Zwölf im Graben!“

Da lachte Der, das war ein Glück,
Und ließ ihm ein Halbguldenstück
Für jedem Schnauzbart reichen.

K. Simrock.