Das Hexchen

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Textdaten
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Autor: Rudolf Presber
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Titel: Das Hexchen
Untertitel:
aus: Die zehnte Muse. Dichtungen vom Brettl und fürs Brettl. S. 26–27
Herausgeber: Maximilian Bern
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1904
Verlag: Otto Eisner
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Erscheinungsort: Berlin
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[26]

Das Hexchen.

Endlich – endlich … Sel’ge Stunde!
Goldne Sterne lachten draus –
Und du flohst von meinem Munde,
Und du zogst dich lachend aus.

5
Und als Leibchen, Rock und Bluse

Lag gefaltet, blütenweis,
Sah ich auf dem nackten Fusse
Einen kleinen, braunen Kreis.

Auf das niedlichste Versteckchen

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Vor galanter Späher Blick

Zog ein braunes Leberfleckchen
Sich in holder Scham zurück,
Gleich als hätt’ es nicht vergessen,
Wie man Hexen einst verflucht

15
Und in peinlichen Prozessen

Ihrer Bosheit Mal gesucht.

Wer solch Mal an solcher Stelle
Deckte mit dem Strumpfe zu,
Stand mit Teufel, Hex’ und Hölle

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Zweifellos auf Du und Du;

Seine Seele loszukaufen
Aus des Satans krall’ger Hand,
Ward er auf dem Scheiterhaufen
Unter frommem Sang verbrannt …

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Statt dass strenge Hexenrichter

Dich verdammt zur Folterqual,
Weiss ein einz’ger deutscher Dichter,
Liebchen, um dein Hexenmal.


[27]

Und das runde braune Klexchen,

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Das dir einst den Tod gebracht,

Küsst er glühend, blondes Hexchen,
In verschwieg’ner Liebesnacht.

Auf des Fusses weiches Fellchen
Presst er selig sein Gesicht,

35
Solch ein süsses, braunes Stellchen

Haben andre Frauen nicht!
Dunkler Vorzeit blut’ge Sagen
Reizen seinen krausen Sinn –
Und er wird es mit dir wagen,

40
Blonde, kleine Teufelin!
Rudolf Presber.