Das Jubiläum eines Redacteurs

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Autor: R.
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Titel: Das Jubiläum eines Redacteurs
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 5, S. 91
Herausgeber: Ernst Keil
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1876
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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[91] Das Jubiläum eines Redacteurs. Am 2. Februar dieses Jahres feiert einer der Matadore der deutschen Presse, einer der hervorragendsten Vertreter der deutschen Zeitungsliteratur, Herr Michael Etienne, Chef-Redacteur und Herausgeber der Wiener „Neuen Freien Presse“, sein fünfundzwanzigjähriges Jubiläum als Journalist. Bei den großen Verdiensten, der seltenen Begabung und Bildung Etienne’s, mit Rücksicht auf die bedeutende Stellung des Jubilars und des von ihm geleiteten Journals inmitten der Verfassungs-Partei und der deutschösterreichischen Bevölkerung und auf die vielfältigen innigen Beziehungen der „Neuen Freien Presse“ zu der gesammten deutschen Schriftstellerwelt, würde es sich wohl von selbst verstanden haben, daß diese Feier den Anlaß zu einer ehrenden Kundgebung der zahlreichen Freunde Etienne’s und des genannten Journals gegeben haben würde. Es geschieht jedoch auf besonderen Wunsch des Gefeierten, daß dem Feste keinerlei größere Dimensionen gegeben werden und dasselbe als ein Familienfest der Redaction des Blattes begangen werden soll. Gleichwohl dürfte dasselbe einen glänzenden Verlauf nehmen und über den engen Kreis der Mitarbeiter hinaus die wärmsten Sympathien für den Jubilar hervorrufen. Der verdienstvolle Mitherausgeber der „Neuen Freien Presse“, Herr Adolf Werthner, veranstaltet zu Ehren seines Collegen und Freundes ein Bankett; die Mitglieder der Redaction bringen eine Festgabe dar (ein silbernes, nach Zeichnungen eines hervorragenden Künstlers und in dem ersten Atelier Wiens gearbeitetes Schreibzeug im Werthe von hundert Gulden, in welchem eine Festnummer, Leitartikel und Feuilleton, beides Etienne’s Thätigkeit und Individualität charakterisirend, photographirt enthalten ist). Der Journalisten- und Schriftsteller-Verein „Concordia“, wiewohl officiell nicht unterrichtet, betheiligt sich mit einer glänzend ausgestatteten und durch eine Deputation zu überreichenden Adresse; die hervorragendsten Vertreter der liberalen Partei des Parlaments werden an dem Feste theilnehmen, und während das Organ Etienne’s den Festtag äußerlich ignorirt, werden voraussichtlich die meisten Journale Oesterreichs und die in deutscher Sprache erscheinenden Ungarns dem verdienstvollen Jubilar warme Worte der Anerkennung widmen. Wir dürfen wohl die Erwartung aussprechen, das aus all’ jenen journalistischen Kreisen des deutschen Reiches, in welche die Kunde von dem am 2. Februar stattfindenden Feste dringen wird, dem wackern Vorkämpfer des Deutschthums und der Freiheit an der Spitze des anerkannt einflußreichsten und literarisch hervorragendsten Zeitungs-Unternehmens in Oesterreich herzliche und aufrichtige Glückwünsche zukommen werden. Michael Etienne, seinem französischen Namen zum Trotze ein kerndeutscher Mann, hat ein wohlbegründetes Anrecht darauf, aus dem Anlasse der Vollendung eines Vierteljahrhunderts journalistischen Schaffens allgemein gefeiert zu werden. Von 1850 bis 1855 als Correspondent deutscher und Wiener Zeitungen von Paris aus thätig, in welcher Stadt er zu Heinrich Heine in nähere Beziehung trat, der seine hohe Begabung würdigte, war er durch acht Jahre der leitende Geist der „Presse“, begründete 1864 mit Friedländer und Werthner die „Neue Freie Presse“ und brachte dieses Unternehmen zur höchsten Blüthe. Seit Langem gilt seine Feder als eine der glänzendsten in Deutschland.

R.