Das Kartenhaus (Gellert)

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Textdaten
<<< >>>
Autor: Christian Fürchtegott Gellert
Illustrator: {{{ILLUSTRATOR}}}
Titel: Das Kartenhaus
Untertitel:
aus: Sämmtliche Schriften. 1. Theil: Fabeln und Erzählungen, Erstes Buch. S. 62–63
Herausgeber:
Auflage: 1. Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1769
Verlag: M. G. Weidmanns Erben und Reich und Caspar Fritsch
Drucker: {{{DRUCKER}}}
Erscheinungsort: Leipzig
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Scans auf Commons
Kurzbeschreibung:
Erstdruck 1746/48
Wikipedia-logo-v2.svg Artikel in der Wikipedia
Eintrag in der GND: {{{GND}}}
Bild
[[Bild:|250px]]
Bearbeitungsstand
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du hier: Hilfe
[[index:|Indexseite]]
[62]
Das Kartenhaus.


Das Kind greift nach den bunten Karten;
Ein Haus zu bauen, fällt ihm ein.
Es baut, und kann es kaum erwarten,
Bis dieses Haus wird fertig seyn.

5
Nun steht der Bau. O welche Freude!

Doch ach! ein ungefährer Stoß
Erschüttert plötzlich das Gebäude,
Und alle Bänder reissen los.

Die Mutter kann im Lomberspielen[1]

10
Wenn sie den letzten Satz verspielt,

Kaum so viel banges Schrecken fühlen,
Als ihr bestürztes Kind itzt fühlt.

Doch wer wird gleich den Muth verlieren?
Das Kind entschließt sich sehnsuchtsvoll,

15
Ein neues Lustschloß aufzuführen,

Das dem zerstörten gleichen soll.

Die Sehnsucht muß den Schmerz besiegen;
Das erste Haus steht wieder da.
Wie lebhaft war des Kinds Vergnügen,

20
Als es sein Haus von neuem sah!


Nun will ich mich wohl besser hüten,
Damit mein Haus nicht mehr zerbricht.
Tisch! ruft das Kind, laß dir gebieten,
Und stehe fest, und wackle nicht!

[63]
25
Das Haus bleibt unerschüttert stehen[2],

Das Kind hört auf, sich zu erfreun;
Es wünscht, es wieder neu zu sehen,
Und reißt es bald mit Willen ein.



Schilt nicht den Unbestand der Güter,

30
Du siehst dein eigen Herz nicht ein;

Veränderlich sind die Gemüther,
So mußten auch die Dinge seyn.

Bey Gütern, die wir stets geniessen,
Wird das Vergnügen endlich matt;

35
Und würden sie uns nicht entrissen,

Wo fänd ein neu Vergnügen Statt?

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Lomberspiel (auch: Lomber) = ein seit dem 15. Jahrhundert populär gewordenes Kartenspiel, vermutlich spanischen Ursprungs. Stichkarte war ein Mann (=span.: hombre), zum Beispiel ein Soldat oder ein Matador.
  2. Vorlage: steheu