Das Löschen – eine brennende Frage

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Autor: Oswald Faber
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Titel: Das Löschen – eine brennende Frage
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 10, S. 154–157
Herausgeber: Ernst Keil
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Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1864
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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[154]
Das Löschen – eine brennende Frage.

Der Gemeinsinn, jener Grundpfeiler einer tüchtigen Selbstregierung, jener Prüfstein freiwilliger Aufopferung, gegenüber dem vornehmen Zurückziehen, der Faulheit und Gleichgültigkeit, wenn es sich darum handelt, das liebe eigene Ich im Dienste der Gemeinde wie des Vaterlandes zu bethätigen, dieser Gemeinsinn hat unstreitig in neuerer Zeit in unserem Volke mächtig Wurzel geschlagen und treffliche Erfolge zu Tage gefördert.

Ohne regen Gemeinsinn kein blühendes Gemeindewesen, und ohne dieses kein starkes, kräftiges Vaterland. Nichts ist daher wohl wichtiger, als allerwegen die Lust und Liebe am allgemeinen Thun anzuregen und zu fördern; denn dadurch wird das Volk zu derjenigen Selbstständigkeit erzogen, deren es bedarf, um mit Muth und Ausdauer der sich gestaltenden neuen Zeit entgegenzugehen und an dieser Neugestaltung selbst den so überaus nöthigen eigenen Antheil zu nehmen.

[155] Zu denjenigen Institutionen, welche, auf wahren, echten Gemeinsinn basirend, Opferwilligkeit, That- und Willenskraft erfordern und gleichzeitig im Dienste der Humanität stehen, gehören unstreitig die freiwilligen Feuerwehren. Diese Genossenschaften, die in der neuern Zeit, besonders in Folge des sich immer mehr und mehr ausbreitenden Turnwesens, in vielen Orten unseres deutschen Vaterlandes entstanden oder im Entstehen begriffen sind, können nicht genug der allgemeinen Beachtung und Nachahmung empfohlen werden. Denn vielleicht auf keinem Gebiete der öffentlichen Wohlfahrt ist eine gründlichere Verbesserung nöthig, als gerade bei dem Feuerlöschwesen, das sich leider in nur wenig Fällen einer besondern Aufmerksamkeit der Bevölkerung wie der Behörden zu erfreuen hat. Indifferentismus, Festhalten am Althergebrachten und die Scheu vor einigen, häufig gar nicht bedeutenden, Geldkosten bilden in der Regel das Trifolium einer geschlossenen Phalanx gegenüber den sich etwa geltend machenden Bestrebungen nach Verbesserung. „Wozu brauchen wir die Neuerungen? Unsere Anstalten genügen vollkommen, und am Ende erleben wir ja nur selten ein Brandunglück. Weshalb sollen wir uns also der Mühe neuer Einrichtungen unterziehen und obendrein Geld dafür verwenden, das wir für andere Zwecke nöthig haben?“

So räsonnirt man beim Bierglase und begiebt sich, eben als der Nachtwächter den stereotypen Vers „Bewahret das Feuer und das Licht“ etc. absingt, zur gewohnten Ruhe. Da, plötzlich, mitten im tiefsten Schlafe ertönt schauerlich die Sturmglocke! Erschreckt stürzen die Einwohner aus ihren Häusern. Ein Schrei des Entsetzens läßt sich überall vernehmen, denn es brennt an der gefährlichsten Stelle. Mit rasender Schnelligkeit verbreitet sich die Flamme und vernichtet Hab und Gut. Jetzt endlich langt die erste Spritze an, ein wahres Ungethüm, welches die Jahreszahl 1763 trägt, andere folgen, und mit einiger Ruhe sieht man nun den Ereignissen entgegen. Aber leider leistet nur eine einzige Spritze gute Dienste, während die andern wegen ihrer Untauglichkeit nach kurzer Zeit ihre Thätigkeit eingestellt haben und sogar theilweise von der Bedienungsmannschaft verlassen sind. Alles rennt durcheinander, Jeder sucht seine Habe in Sicherheit zu bringen, denn schon hat sich die Flamme bis zum Mittelpunkt des Ortes ausgebreitet. Unter solchen Umständen, und weil es leider auch an Wasser und Mannschaft fehlt, muß die einzige Spritze, die der Weiterverbreitung des Feuers einen Damm entgegensetzen könnte, ihre Thätigkeit einstellen und sich schleunigst zurückziehen. So ergreift das Feuer Kirche und Rathhaus, ja selbst die geretteten Gegenstände, welche man an einem sichern Ort wähnte. In wenigen Stunden ist der Ort bis auf einzelne Häuser ein Schutthaufen. Weinend und wehklagend stehen die Einwohner auf dem Platze der Vernichtung, trüben, bekümmerten Blickes in die düstere Zukunft schauend, der allgemeinen Mildthätigkeit anheimgegeben. Und glücklich noch mögen sie sich bei all’ dem Elend schätzen, wenn keiner von ihnen den schrecklichen Tod in den Flammen gefunden hat.

All’ dies Unglück ist zum guten Theil die Folge von Sorglosigkeit und Mangel jeder dem billigsten Verlangen nur einigermaßen entsprechenden Organisation. Deshalb sollte jede Gemeinde darauf bedacht sein, bei guter Zeit die nöthigen Sicherheitsmaßregeln durchzuführen, und nicht erst warten, bis das Sprüchwort: Durch Schaden wird man klug, sich an ihr zu erproben sucht.

Die Hauptbedingungen einer tüchtigen Feuerwehr sind in einer wohlorganisirten, disciplinirten Mannschaft, unter einheitlicher Leitung, zu suchen. Dieser müssen dann brauchbare Geräthe und namentlich hinreichendes Wasser zu Gebote stehen. Daß nur auf diese Weise tüchtige Resultate zu erlangen sind, dürfte jedem Einsichtigen klar sein. Wer aber noch daran zweifeln sollte, der gebe sich nur die Mühe, die Leistungen einer gut organisirten, streng disciplinirten und wohlausgerüsteten Mannschaft mit denen einer zusammengewürfelten Masse zu vergleichen, und er wird sehr bald zur Erkenntniß gelangen.

Hinsichtlich der Löschgeräthe soll man alles Complicirte vermeiden, und sich an das Einfache, Praktische halten. Ebenso einfach sei die Kleidung. Wenn es die Mittel erlauben, daß die Mannschaft, namentlich im Winter, mit einer Tuchjoppe versehen werden kann, dann um so bester. Wo dies nicht thunlich, muß eine Blouse aus derbem Leinenzeug, unter welcher man ein warmes Unterkleid tragen kann, den Dienst verrichten. Als Kopfbedeckung wähle man den Helm. Alle überflüssigen Abzeichen sind entschieden zu vermeiden. Die Mannschaft selbst aber darf nicht aus zu jungen Leuten bestehen. Das 18. oder 20. Lebensjahr muß jeder Eintretende erreicht haben und außerdem die erforderliche körperliche Tüchtigkeit besitzen. Besonders möge man darauf sehen, sich einen Stamm von solchen Leuten zu bilden, die ihren dauernden Wohnsitz im Orte selbst haben. Endlich sollen sich auch die intelligenten und durch ihre Verhältnisse unabhängigen Ortsangehörigen bei der Feuerwehr betheiligen; denn gerade sie sind es, welche in einer derartigen Genossenschaft besonders segensreich wirken können. Leider aber hat man in diesen Kreisen häufig mehr schöne Worte als Thaten. Hat sich nun ein Stamm von Männern zu einer solchen freiwilligen Genossenschaft vereinigt, dann entwerfe man ein aus wenigen Paragraphen zusammengesetztes Grundgesetz nebst den nöthigen Disciplinarbestimmungen und setze sich alsbald mit den Behörden in Verbindung, deren Unterstützung unter allen Verhältnissen nothwendig ist. –

Der Impuls zu Gründung freiwilliger Feuerwehren ist schon vor länger als einem Jahrzehnt von Süddeutschland (besonders von Schwaben) aus gegeben worden. Von dort hat sich die Bewegung nach Mittel- und in jüngerer Zeit nach Norddeutschland verpflanzt. Auch in Oesterreich ist man neuerdings mit Gründung solcher Genossenschaften vorgegangen, deren Beispiel sicherlich Nachahmung finden wird. Vor Allem aber hat die Bewegung in den Turnvereinen Grund und Boden gefaßt und sich mit deren Verallgemeinerung vergrößert. Die Turngenossen eignen sich ganz besonders zu Feuerwehren; denn einmal haben sie Gelegenheit, die auf dem Turnplatze erworbene körperliche Kraft und Gewandtheit, That- und Willenskraft in der Praxis zu bethätigen, und dann ist in dem öfteren gemeinschaftlichen Zusammensein auf dem Turnplatze ein Bindemittel gegeben, welches für die Disciplin wie für das überaus wichtige sich gegenseitig in die Hand Arbeiten eine große Bedeutung hat.

Ueberhaupt muß die Turnerei mit den aus ihr gebildeten Feuerwehren als eine Hauptschule des Gemeinsinns betrachtet und darum ihre immer weitere Verbreitung mit allen Kräften angestrebt werden.

Werfen wir nunmehr einen Blick auf stehende, d. h. bezahlte Feuerwehren. Derartige Einrichtungen, welche bedeutende Geldkosten verursachen, besitzen nur große Städte, wie Berlin, Paris, London, Petersburg, Moskau und viele andere. Eine treffliche Organisation hat die Berliner Feuerwehr, welche, von dem ehemaligen Polizeipräsidenten von Hinckeldey gegründet, heute noch unter dem verdienstvollen Branddirector Herrn Scabell steht. Das ganze Corps hat einen Etat von circa 600 Mann. In verschiedenen Theilen der Stadt befinden sich achtzehn mit den erforderlichen Mannschaften und Geräthen besetzte Feuerwachen, welche mit dem Polizeipräsidium in telegraphischer Verbindung stehen, so daß im Nu und ohne die Bevölkerung zu alarmiren bei einem ausbrechenden Schadenfeuer die erforderlichen Kräfte an den bedrohten Punkt dirigirt werden können. Eine bis in fast alle Theile der Stadt verbreitete Wasserleitung unterstützt die Operationen der Mannschaften, deren Genauigkeit in Ausführung ihrer verschiedenen Verrichtungen ganz besonders hervorzuheben ist. Die freiwilligen Feuerwehren können sich dieses Institut in jeder Beziehung zum Muster nehmen und mancherlei Einrichtungen auf ihre eigenen Verhältnisse übertragen. Vorzugsweise gilt dies von der Disciplin, der Ruhe und Besonnenheit, dem Bewußtsein, welche dort herrschen.

Das Pariser Pompiercorps,[1] das älteste aller stehenden Feuerwachen, denn es wurde schon im Jahre 1716 von Dumourrier Duperrier gegründet, zählt dermalen 800 Mann. Das Corps steht seit 1850 unter dem Commando und der Verwaltung des Kriegsministeriums, während es hinsichtlich des Feuerlöschdienstes den Befehlen des Polizeipräfecten nachzukommen hat.

In ähnlicher Weise sind die Pompiers durch ganz Frankeich, in den Städten wie auf dem Lande, eingeführt. In den kleineren Ortschaften haben die Pompiers nur die Oberleitung (zu jeder Spritze gehören drei Mann) über die aus der Bevölkerung zum Feuerwehrdienst herangezogenen Mannschaften und genießen dafür verschiedene Vergünstigungen, wie z. B. Befreiung vom Nationalgardendienst etc.

Die Londoner Feuerbrigade, wie sie genannt wird, zählt circa 150 Mann und ist ein von den Versicherungsgesellschaften besoldetes [156] Privatinstitut. Die Mannschaft bezieht ebenfalls Wachen, die in verschiedenen Gegenden der Stadt vertheilt und, so viel uns bekannt, untereinander telegraphisch verbunden sind. Die Feuerwehrmänner haben bei einem signalisirten Schadenfeuer nur die Oberleitung über das freiwillig zur Hülfeleistung herbeieilende oder nach Umständen auch dazu gepreßte Publicum, welches selbst für geleistete Dienste von dem commandirenden Feuerwehrmannn auf Verlangen mit 1 Schilling pro Mann und Stunde entschädigt wird; in der zweiten Stunde wird dieser Betrag indessen auf 6 Pence reducirt – eine Einrichtung, die uns nichts weniger als praktisch vorkommen will. Seit Kurzem sind auch in London die Dampfspritzen eingeführt, deren Wirkung bei hinreichendem Wasser eine ganz außerordentliche ist. Die Anschaffung dieser in neuester Zeit verbesserten Maschinen ist ziemlich kostspielig. Dasselbe gilt von deren Unterhaltung, so daß sie sich aus diesen Gründen nur für große Städte eignen. In Gemeinschaft mit der Feuerbrigade wirkt noch die im Jahre 1843 durch Privatmittel gegründete „Königl. Gesellschaft zur Rettung von Menschenleben in Feuersgefahr“, die sich vielfach nützlich gemacht hat. Diese Gesellschaft hat jetzt ein Netz von 84 Stationen über London ausgespannt, bei deren jeder die ganze Nacht hindurch ein Chef verweilt, der eintretendenfalls binnen wenigen Minuten mit Mannschaften und Rettungsapparaten in jedem beliebigen Theile seines Districts zur Hülfe steht. Während des verflossenen Jahres waren die Mannschaften der Gesellschaft bei 673 nächtlichen Bränden in Thätigkeit und diese Zahl wird nicht um ein Dutzend hinter der gesammten Zahl nächtlicher Feuer in der Hauptstadt zurückbleiben; und unter Leitung der Chefs wurden 74 Menschen gerettet, welche ohne diese Hülfe dem gewissen Verbrennungstode anheimgegeben waren.

Die Gartenlaube (1864) b 156.jpg

Feuersignalthurm in Moskau.

Als vortrefflich werden die stehenden Feuerwehren in Moskau und Petersburg geschildert, die schon seit vielen Jahren in Wirksamkeit sind. Daß trotzdem in neuester Zeit in beiden Städten große Feuersbrünste stattgefunden haben, welche der angestrengtesten Löschversuche zu spotten schienen, hat seine hier nicht zu erörternden andern Gründe, so daß diese Vorkommnisse keineswegs einen Maßstab für die mindere Tüchtigkeit jener Corps abgeben können. Neben der jetzt eingeführten elektro-magnetisch-telegraphischen Verbindung der verschiedenen Feuerwachen beider Städte sind auch noch die früher allein den Dienst versehenden optischen Telegraphen in Gebrauch, deren eine unsere Abbildung zeigt. Ueber diese, wie über die ganzen Einrichtungen lassen wir unsere Gewährsleute sprechen.

Jede Tschast (Stadttheil) besitzt ein hohes Gebäude mit steinernen Grundmauern, auf welchem ein weit über alle Häuser emporragender hölzerner Thurm, der einer holländischen Windmühle gleicht, aufgeführt ist. An dem höchst möglichen Punkte dieses Thurmes läuft rund herum eine Gallerie, auf welcher fortwährend zwei der wachhabenden Bajarniks (Spritzenleute) ihre Runde machen. So aus dieser Vogelperspektive spähen sie nach etwa verdächtig aufsteigendem Rauch und zu den ihnen stets sichtbaren nächsten Feuerthürmen hinüber. Auf der Spitze des Thurmes erhebt sich eine lange eiserne Stange mit zwei Armen, zu welchen, gleich dem Takelwerk eines Schiffes, Stricke führen, woran die nöthigen Feuersignale aufgezogen werden. Diese Feuerzeichen bestehen bei Tage aus großen, geflochtenen, schwarzen Kugeln und schwarzen Querstäben, des Nachts jedoch aus verschiedenfarbigen Ballons und bilden so eine Art von Telegraphensprache, indem sie, je nach ihrer Zusammenstellung, den Stadttheil der Feuersbrunst angeben (s. unsere Abbildung), welcher dann von sämmtlichen Thürmen signalisirt wird.

Die Lösch-, Rettungs- und sonstigen Apparate gleichen denen anderer Länder. Einen herrlichen Anblick bietet eine zur Brandstätte eilende Bajarne (Feuerspritze). Vorauf galoppirt der Führer des Zuges, bei Tage eine blutrothe Fahne, Nachts eine Stocklaterne in der Hand, und ihm nach rasselt der lange Zug der stets sehr sauber gehaltenen, grüngestrichenen Gefährte, auf jedem die nöthige Mannschaft in kurzen grauen Waffenröcken und Beinkleidern von gleicher Farbe, welche in hohen Juchtenstiefeln verschwinden. Den Kopf bedeckt ein schützender Messinghelm. Die Pferde dieser Züge sind bei jeder Tschast stets von ganz gleicher Farbe und von so guter Race, als stammten sie direct aus Arabiens Wüsten. Sie sind bei den schweren Fuhren zu drei, bei den Wasserfässern zu zwei nebeneinander geschirrt. Das mittlere Pferd läuft zwischen einer Scheere mit dem hier stets gebräuchlichen hohen Bügel über dem Kummet, in sehr gestrecktem Trab, und die Seitenpferde galoppiren mit tief, aber graciös nach außen gesenktem Kopfe frei daneben, durch Separatleinen regiert. Das Geschirr, aus zahlreichen feinen, aber starken Riemen bestehend, gleicht fast einem Schmuck und trägt nicht wenig zum Ausputz der herrlichen Thiere bei.

In Petersburg besitzt die Feuerwehr außer den gewöhnlichen noch zwei in England gefertigte Dampfspritzen, die während des Transportes zur Brandstätte geheizt werden und so in der Regel fix und fertig zur Stelle kommen. Diese Maschinen haben sich außerordentlich gut bewährt; denn ganz abgesehen von der Kraft des in die Höhe und Weite geworfenen Wasserstrahls, speisen sie noch, falls es nothwendig, die gewöhnlichen Spritzen mit Wasser, welches die zahlreichen Canäle und Wasserleitungen in hinreichender Fülle liefern.

Schließlich wollen wir noch erwähnen, daß die Feuerspritze schon von dem Griechen Ktesibios und dessen Schüler Heron, dem Erfinder des Heronsballes, 150 Jahre vor Christo erfunden wurde. Diese Maschinen, Stoßspritzen, denen der Windkessel fehlte, kamen indessen nicht in Aufnahme. Erst viel späteren Zeiten war es vorbehalten, die Erfindung wieder aufzunehmen und durch Verbesserungen für ihre Zwecke tüchtig zu machen.

In Deutschland datirt die erste Nachricht über Feuerspritzen aus Augsburg und aus dem Jahre 1518, wo eine solche, angefertigt vom Goldschmied Anton Platner, in Gebrauch war.

Nach und nach wurden diese Maschinen namentlich in deutschen und holländischen Städten immer häufiger. Das bewegliche Wenderohr (Schwanenhals) ward im Jahre 1655 von A. Hantsch [157] in Nürnberg und Schläuche sowohl als Wasserzubringer 1672 von den Gebrüdern Jan van der Heide erfunden. Endlich erfand im Jahre 1720 der Mechaniker Jakob Leupold aus Planitz bei Zwickau den Windkessel, jenen Hauptbestandtheil der Feuerspritze, durch den allein ein ununterbrochener Wasserstrahl erzielt wird. Das Princip in der Bauart der Feuerspritzen war nunmehr entschieden, und es kann seitdem lediglich von Verbesserungen dieses Princips, nicht aber von neuen Erfindungen die Rede sein. Die Erbauung der Dampffeuerspritzen stammt aus Nordamerika, wo der Mechaniker Ericson, ein Schwede, 1840 in Newyork die erste verfertigte.

Die Feuerwehrfrage ist gewissermaßen auch eine brennende geworden, mit der sich Publicum wie Behörden weit eingehender und vorsorglicher beschäftigen sollten, als es leider bisher geschehen. Sollten diese schlichten Zeilen einigermaßen dazu beitragen, so ist ihr Zweck erreicht.
O. Faber. 



  1. Näheres in „Die deutsche Feuerwehr“ von Carl Weiser, Chef der Feuerwehr in Mainz und „Handbuch der Pariser Feuerwehr“ von Richard Schunk.