Das Mümmelchen

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Textdaten
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Autor: Alois Wilhelm Schreiber
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Titel: Das Mümmelchen
Untertitel:
aus: Badisches Sagen-Buch II, S. 121–123
Herausgeber: August Schnezler
Auflage: 1. Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1846
Verlag: Creuzbauer und Kasper
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Erscheinungsort: Karlsruhe
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[121]
Das Mümmelchen.
(In Mundart dieser Gegend.)

Obe uf de Hornesgrinde isch e See, de mer de Mummelsee heißt, denn vor Ziten hen[1] Mümmele oder Seewible [122] drin g’wunht. E junger Hirt het mengmol in der Näh si Küe un Schof g’hüet, un e Liedli g’sunge. ’s isch e sufrer Bue gsi, mit gele, gruse Härle un e me G’sichtle, wie Milch un Bluet. Emol, gege Obed, do kummt e Jungfrau zu em, ime grüne G’wand, un über de Zöpfe het sie en Schleier trage. D’Jungfrau setzt si zuem Hirte und seit: „s’isch do guet lenze[2], ’s Moos isch weich, un ’s weiht e küel Lüftli us de Tanne her.“

Der Hirt het nit ’s Herz, ebbes z’antworte; so e schüns Frauebild het er si lebti nit g’sehne, un ’s wurd em fascht wunderli d’Sinn. Do guckt sie en a mit ihre große, schwarze Aue, und mit ihrem Mündle, wie Griese[3] so roth, und seit: „Mögscht mer nit e Liedle singe? do hobe hört mer niks as d’wilde Waldvögel.“

Em Hirt isch’s just nit singeri gsi, aber er het do ang’fange:

Es schwimmt e Rösli, so wiß wie Schnee,
Gar lusti dört uf em schwarze See,
Doch gückelt numme ne Sternle runter,
So duckt’s au gli si Köpfle unter.

Witer het er nit singe künne; denn ’s Mümmele het en ang’schaut mit eme Paar Aue, der Schnee us de Grinde wär schu[4] im Merze dervun g’schmolze. Wenn mer aber Fir[5] zuem Strau thuet, so brennt’s, un mit em Lösche isch’s so e Sach. Kurz un guet, der Hirt verplempert[6] si in’s Seewibel, und sie isch au nit von Stahl un Ise19 gsi.

Aber alles in Ehre! Sie hen kurzwilt un Narrethei triebe, un am End isch der Hirt keck wore, und het em Mümmele e Schmüzle[7] gen, un sie het em seldrum[8] d’Aue nit uskratzt. Bim Abschied aber het sie zuem g’seit: „Wenn i au emol nit kumm, se blib mer vum See weg, un rief mer nit.“

E Zit lang isch’s so gange, un der Hirt het g’meint, der Himmel wär jetzt allewil klor bliebe, aber hinter em isch e gar [123] schwarze Wolk ufg’stiege. Emol loßt si mi Mümmele zwei Tag mit keim Au mer sehne, und do isch’s em Hirte winne und weh worre; denn mit der Lieb isch’s, wie mit em Heimweh; mer kann debei nit ruege noch raste, un mer sot glaube, böse Lüt hätte’s eim angetun. Z’letscht kann’s der Hirt nimme ushalte, un lauft an de See: do guke en d’Seerösle an, as wenn se Mitlid mit em hätte; er merkt’s aber nit, un rieft d’Jungfrau bim Name. Uf eimol wurd’s Wasser unruebig[9], un us em See kummt e Zeterg’schrei, un er färbt si mit Bluet. De Hirte wandelt e Grusen an – er lauft in d’ Berri[10] ni, wie wenn en e Geischt[11] jage thät, un vun der Zit an het me niks meh vun em g’sehne no g’hört.

Aloys Schreiber.

  1. haben.
  2. hingestreckt ruhen.
  3. Kirschen.
  4. schon.
  5. Feuer.
  6. verliebt.
  7. Küßchen.
  8. deßhalb.
  9. unruhig.
  10. Berge.
  11. Geist, Gespenst.