Das Meer

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Textdaten
Autor: Johann Jakob Jägle
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Titel: Das Meer
Untertitel:
aus: Friedrich Schiller:
Musen-Almanach für das Jahr 1798, S. 141–143
Herausgeber: Friedrich Schiller
Auflage: 1. Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1798
Verlag: J. G. Cotta
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Erscheinungsort: Tübingen
Übersetzer:
Originaltitel:
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Quelle: HAAB Weimar, Kopie auf Commons
Kurzbeschreibung:
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[141]

Das Meer.


Ergötzend ist und schön das Meer,
Wann seine Silberwellen,
Ums Schiff in gleichem Takte her
Sich mit Gemurmel schwellen.

5
Erquickend, wann im Sommer kühl

Und frisch die Winde säuseln,
Und Porpusse mit ihrem Spiel
Die nasse Fläche kräuseln:

Und herrlich wann der Sonne Licht

10
Sich aus der Tiefe windet

Und vor dem Feuer Angesicht
Die schwarze Nacht verschwindet;

Und wann in einer Sommer Nacht
Der Mond, die Sterne lachen,

15
Wem wird des Meeres stille Pracht

Das Herz nicht größer machen?

[142]

Sieh! jede Welle trägt ein Bild,
Und tanzt im Glanz der Sterne,
Und tausend Monde schwimmen mild

20
Heran aus grauer Ferne!


Doch plötzlich steigt von Ferne her
Ein dichter Wolkenschleyer;
Du siehst des Himmels Blau nicht mehr,
Nicht mehr der Sonne Feuer.

25
Der Sturmwind rast und pfeift und heult

Aus seinen engen Klüften;
Der Donner rollt, der Blitz zertheilt
Die Wolken in den Lüften.

In Berg und Thal kehrt sich das Meer,

30
Die Woge wird zum Thurme,

Und trunken schwankt das Schiff einher
Im grauenvollen Sturme.

[143]

Es krachen Ruder, Bord und Mast,
Es knirren Tau und Stricke;

35
Und was die Wuth des Windes faßt

Zerstiebt in tausend Stücke!

Und jeder Schritt ist ungewiß,
Du taumelst an den Wänden,
Und jeder Stoß und jeder Riß

40
Droht deinen Lauf zu enden.


Ihr welche Lust, Beruf und Stand,
Auf Schiff und Meere zwingen,
Ihr mögt den Pumper in der Hand
Des Meeres Reiz besingen!

45
Trotz euerm Lobe finde ich

Am Meere kein Behagen;
Und nicht um Gold solls wieder mich
Auf seinem Rücken tragen.

JÄGLE.