Das Nebelmännle

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Textdaten
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Autor: Ernst Meier
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Titel: Das Nebelmännle
Untertitel:
aus: Deutsche Volksmärchen aus Schwaben, S. 213-215
Herausgeber:
Auflage: 1. Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1852
Verlag: C. P. Scheitlin
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Erscheinungsort: Stuttgart
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Originalherkunft:
Quelle: Google und Commons
Kurzbeschreibung:
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[213]
61. Das Nebelmännle.

Auf der alten Burg Bodmann, die in der Nähe des Ueberlinger See’s liegt, wohnte einst ein Herr v. Bodmann, der wollte eine große Reise machen bis an’s Ende der Welt, und nahm einen Wagen, einen Kutscher und einen Diener mit, und verabschiedete sich von seiner Frau, indem er sprach: „wenn ich von heut an in sieben Jahren nicht wieder hier bin, so darfst Du auf mich nimmer warten und kannst einen andern heirathen.“ Darauf reiste er fort und kam durch viele Städte und Länder und zuletzt in eine große Wüste, in der gieng er weit weit fort, ohne daß er irgend einen Menschen zu sehen bekam. Endlich gelangte er an einen Platz, der war mit einer hohen Mauer umgeben, und weil er gern gewußt hätte, was dahinter war, so half er seinem Bedienten hinauf. Wie der aber droben war und hinter die Mauer sehen konnte, so winkte er bloß dem Kutscher und sprang hinab. Nach einer Weile, als er immer nicht wieder kam, sagte der Herr zu seinem Kutscher: er solle doch einmal nachsehen, wo der Bediente geblieben sei, und half ihm ebenfalls auf die Mauer. Der Kutscher aber machte es ebenso wie der Bediente und sprang in den Garten, der hinter der Mauer war; denn das war der Paradiesgarten, und darin gefiel es den beiden so gut, daß sie nicht wieder herausmochten und deshalb ihren Herrn im Stich ließen.

Der Herr v. Bodmann konnte allein die Mauer nicht ersteigen, und nachdem er noch längere Zeit vergebens auf seine [214] Diener gewartet hatte, irrte er allein in der Wüste weiter und kam endlich an ein kleines Haus. In das gieng er hinein und traf daselbst ein altes Weib; dem sagte er, wie es ihm ergangen war und wünschte dort zu bleiben. Das Weib aber sagte, ihr Mann sei ein Menschenfreßer und werde ihn gewiß riechen, wenn er hier bliebe. Allein der Herr v. Bodmann mochte nicht weiter mehr in der Welt herumirren und versteckte sich in dem Hause. Doch so wie der Mann des alten Weibes heimkam, sprach er gleich: „ich schmeck (rieche) einen Menschen!“ und entdeckte alsbald auch den Herrn v. Bodmann, war aber nicht unfreundlich gegen ihn und sah auch nicht furchtbar aus, sondern war nur ein kleines Männlein und wurde gewöhnlich das „Nebelmännle“ genannt.

Nachdem nun das Nebelmännle von dem Herrn v. Bodmann erfahren hatte, wie er daher gekommen, so sprach es zu ihm: „ich will Dir nichts zu Leide thun und will Dich sogar noch in dieser Nacht zu deinem Schloße führen (denn sonst hält deine Frau morgen mit einem Andern Hochzeit), wenn Du mir versprichst, daß Du künftig das Läuten mit der Nebelglocke unterlaßen willst.“ Das versprach ihm der Herr v. Bodmann herzlich gern, und darauf nahm ihn das Nebelmännle auf seine Schultern und flog mit ihm, schneller als der Wind, durch die Luft und setzte ihn am Morgen richtig vor seinem Schloße nieder.

Wie der Herr v. Bodmann seine Burg betrat, erkannte ihn Niemand, selbst seine Frau nicht. Diese reichte ihm Waschwaßer, und nachdem er sich gewaschen, zog er seinen [215] Trauring vom Finger und ließ ihn hineinfallen. Als aber seine Frau das Waßer ausgoß und den Ring erblickte, hatte sie eine herzliche Freude und behielt doch lieber ihren alten Mann, als daß sie den neuen genommen hätte, dessen Andringen sie nicht länger hatte ausweichen können, weil die sieben Jahre eben um waren.

Das Läuten mit der Nebelglocke, welches die Nebel verscheuchen sollte, ist seitdem eingestellt worden; die Nebelglocke aber hängt noch immer auf dem alten Schloße Bodmann.

Anmerkung des Herausgebers

[314] 61. Das Nebelmännle. Mündlich aus Engen. In diesem Nebelmännle wie sonst im Graumännle, Graale, ist Wuotan, Odhin, der nur von Wein lebt, nicht zu verkennen. Das christliche Läuten verscheucht die heidnischen Götter. Auch das Entrücken durch die Luft führt auf Wuotan.