Das Weidigt bei Gelenau

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Textdaten
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Autor: Friedrich Bernhard Störzner
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Titel: Das Weidigt bei Gelenau
Untertitel:
aus: Was die Heimat erzählt. Sagen, geschichtliche Bilder und denkwürdige Begebenheiten aus Sachsen, S. 247–248
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Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1904
Verlag: Arwed Strauch
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Digitalisat der SLUB Dresden und Commons
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114. Das Weidigt bei Gelenau.

Die Landstraße von Kamenz nach Bischheim und Gersdorf führt durch das Dorf Gelenau und an dem „Wüsten Berge“ vorüber, der dem Golksberge und dem Heiligen Berge gegenüberliegt. Da, wo die Straße hinter Gelenau zum ersten Male die Eisenbahn kreuzt, befindet sich am Ostabhange des „Wüsten Berges“ ein kleines Gebüsch und in dessen Nähe ein kleiner Teich. Diese Gegend nennt man das Gelenauer Weidigt und ist als solches auch auf den Generalstabskarten verzeichnet. Das Gelenauer Weidigt gilt im Volke als ein unheimlicher Ort, und nicht jedermann geht hier, besonders in nächtlicher Stunde, gern vorüber; denn an dieser Stätte soll schon allerlei Geisterspuk sich ereignet haben. Der Wanderer vernimmt zu Zeiten in der Nacht Aechzen und Stöhnen, Seufzen, Zischen, Schnarren und Pfeifen. Aus dem Röhricht hört er kreischende Stimmen. Blaue Flämmchen steigen aus dem Wasser auf, und greuliche Gestalten sind im Wasser zu erblicken. Zuweilen hocken die Spukgeister dem Vorübergehenden sogar auf. –

Diese Geister sollen eine Rotte wüster Gesellen sein. Im Jahre 1537, am Vorabende des heiligen Christfestes, waren aus dem Dorfe Neukirch eine Anzahl Bauernburschen nach Pulsnitz gegangen, um hier Weihnachtseinkäufe zu machen. Hier in Pulsnitz hatten sie aber auch im Trinken etwas zu viel getan und sich einen tüchtigen Rausch geholt. Als sie sich endlich auf den Heimweg machten, war es bereits dunkel geworden, außerdem hatte ein tüchtiges Schneegestöber sich eingestellt. Nachdem die Burschen [248] gegen eine Stunde gewandert waren, merkten sie, daß sie den rechten Weg verloren hatten. Sie gingen in der Irre. Darüber wurden sie gar ärgerlich und fingen an, gräßlich zu schimpfen und zu fluchen. Da begegnete den Lästernden in der Nähe des Gelenauer Weidigts ein Mönch aus Kamenz, der mit seinem Sakristan von Gersdorf kam, um nach dem Kloster zurückzukehren. Der Mönch redete den Fluchenden ernstlich ins Gewissen und ermahnte sie, doch nicht so gottlos zu sein. Doch die rohen Burschen verlachten den Mönch, verhöhnten ihn und verschlossen ihm den Mund mit Schneeballen. Da ergrimmte der fromme Mönch in gerechtem Zorn, er stieß einen Fluch über die Gottlosen aus und bannte sie in jenen Teich im Weidigt. Hier treiben diese seit jener Zeit ihr Wesen und schrecken den nächtlichen Wanderer. Die Stunde der Erlösung scheint ihnen aber noch nicht geschlagen zu haben; denn noch heute machen sie das Gelenauer Weidigt zu einem unheimlichen Orte.