Das faulste aller Tiere

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Textdaten
Autor: Walther Kabel
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Titel: Das faulste aller Tiere
Untertitel:
aus: Das Buch für Alle, Illustrierte Familienzeitung, Jahrgang 1912, Heft 25, S. 561
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Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1912
Verlag: Union Deutsche Verlagsgesellschaft
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Erscheinungsort: Stuttgart
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Quelle: Commons
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[561] Das faulste aller Tiere ist unzweifelhaft die Tautava, eine Eidechsenart, die lediglich auf Neuseeland vorkommt. Sie wird bis zu 40 Zentimeter lang, hat eine hellgrün und gelbbraun gestreifte Haut und einen schlangenähnlichen Kopf.

Von ihrer unglaublichen Trägheit erzählt der englische Reisende Parker folgendes: Die Tautava sitzen zumeist auf der Sonnenseite der Uferabhänge von Flüssen völlig regungslos. Nur ihre blinkenden Augen beweisen, daß in dem Tier Leben ist. Kein Geräusch, keine Berührung vermag sie aus ihrer Ruhe aufzuscheuchen. Ich habe häufig mit einem spitzen Stäbchen rings um eine dieser Eidechsen ihre Konturen in den Sand gezeichnet, um so feststellen zu können, ob das faule Geschöpf sich vielleicht nach Tagen von der Stelle auch nur ein wenig weiterbewegt hat; aber die meisten Tautava saßen wochenlang auf demselben Fleck, wie ich auf diese Weise einwandfrei nachprüfen konnte. Drei, deren ständige Beobachtung mir besonders bequem war, haben sogar während eines Zeitraums von drei Monaten sich auch nicht einen halben Zentimeter fortbewegt.

Trotz dieser Faulheit gelingt es dieser Eidechsenart aber doch, sich reichlich Nahrung zu verschaffen. Sie suchen ihren Standort nämlich stets in der Nähe der Schlupflöcher einer besonderen Gattung von stachellosen Uferbienen, die sie mit großer Geschicklichkeit wegfangen, indem sie nur mit dem Maul zuschnappen. In der Gefangenschaft halten die Tautava sich nicht lange. Ich hatte mir zwei Exemplare besorgt und sie in einen Glasbehälter getan. Dort lagen sie wie in der Freiheit vollkommen still. Auf die ihnen in ihr Gefängnis hineingeworfenen Insekten Jagd zu machen, fiel ihnen gar nicht ein. Ebensowenig dachten sie daran, die Uferbienen, die doch sonst ihre Hauptnahrung bilden, zu verschlingen, selbst wenn ich diese dicht vor sie hinlegte. Sie verhungerten schließlich infolge ihrer eigenen Faulheit.

W. K.