Das hohe Kreuz bei dem Kloster Mariental

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Textdaten
<<< >>>
Autor: Friedrich Bernhard Störzner
Illustrator: {{{ILLUSTRATOR}}}
Titel: Das hohe Kreuz bei dem Kloster Mariental
Untertitel:
aus: Was die Heimat erzählt. Sagen, geschichtliche Bilder und denkwürdige Begebenheiten aus Sachsen, S. 504
Herausgeber:
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1904
Verlag: Arwed Strauch
Drucker: {{{DRUCKER}}}
Erscheinungsort: Leipzig
Übersetzer: {{{ÜBERSETZER}}}
Originaltitel: {{{ORIGINALTITEL}}}
Originalsubtitel: {{{ORIGINALSUBTITEL}}}
Originalherkunft: {{{ORIGINALHERKUNFT}}}
Quelle: Digitalisat der SLUB Dresden bei Commons
Kurzbeschreibung:
Wikipedia-logo-v2.svg Artikel in der Wikipedia
Eintrag in der GND: {{{GND}}}
Bild
Kloster St. Marienthal.jpg
Bearbeitungsstand
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du hier: Hilfe
Indexseite
[504]
Was die Heimat erzählt (Störzner) 504a.jpg

Kopf des Verräters Prischwitz am Nicolaitor zu Bautzen.

220. Das hohe Kreuz bei dem Kloster Mariental.

Eine Viertelstunde südlich vom Kloster Mariental erhebt sich am linken Ufer der Neiße ein turmhoher Fels, der oben mit einem hohen Kreuze gekrönt wird. Das ist den frommen Umwohnern ein gar heiliger Ort. Hierher wallfahrten diese aus weitester Umgegend, um da oben am Kreuze zu beten. – Es erinnert dieses Kreuz an die wunderbare Rettung einer früheren Aebtissin des Klosters Mariental in schwerer Bedrängnis.

Es war zur Zeit des Hussitenkrieges. Die fanatischen Hussiten nahten am 11. Mai 1427 auch dem Kloster Sankt Mariental, bestürmten und plünderten es. Die meisten Nonnen entkamen glücklich und fanden Aufnahme in der Stadt Görlitz. Man räumte den Flüchtlingen dort eine Gasse zur Wohnung ein, die zur Erinnerung noch heute den Namen Nonnengasse führt. – Die Aebtissin, eine geborene Anna von Gersdorf, verließ zuletzt das Kloster auch, um der Schande und der Marter zu entgehen. Ihr fiel es schwer, die geweihte Stätte zu verlassen. Glücklich rettete die Fliehende sich über die Neiße. Ihre Flucht war aber von den Hussiten beobachtet worden, deshalb folgten sie der Fliehenden auf dem Fuß. Sie verfolgten die Aebtissin bis in den Wald. Auf jenem Felsen, der heute das Kreuz trägt, blieb die Fliehende plötzlich stehen, wandte sich um gegen die Verfolger und richtete sich hoch empor, den Hirtenstab zum Himmel erhoben. Die hehre Gestalt der Aebtissin bannte die Verfolger. Sie blieben erschrocken stehen und bemerkten, wie das Haupt der Verfolgten ein heller Glorienschein umgab. Sie schlugen ein Kreuz und wandten sich zur Flucht. Das ganze Hussitenheer floh, und die Aebtissin war durch ein Wunder gerettet. Glücklich kam auch sie in Görlitz an und fand dort ebenfalls eine freundliche Aufnahme. Zur Erinnerung an ihre wunderbare Errettung wurde auf jenem Felsen in der Nähe des Klosters Mariental später das Kreuz errichtet.

Nach einer anderen Erzählung war die Flucht der Aebtissin nur von einem Hussiten bemerkt worden, der allein der Fliehenden folgte und zwar bis auf jenen Felsen. Als er die hehre Gestalt der Verfolgten hier so unmittelbar vor sich sah und den Glorienschein um ihrem Haupte erblickte, wurde er so erschüttert, daß er niederkniete und die heilige Schwester anbetete. Der Hussit war erblindet, die Verfolgte aber gerettet. –