Das singende Buch

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Titel: Das singende Buch
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aus: Die Gartenlaube, Heft 26, S. 444
Herausgeber: Ernst Ziel
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1879
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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[444] Das singende Buch. „Sie spricht wie ein Buch“ ist eine Redensart, die man alle Tage hinsichtlich einer Person gebrauchen hört, während Niemand sagen kann: „sie singt wie ein Buch“, und doch könnte man jetzt viel eher Gelegenheit bekommen, ein Buch singen, als ein Buch sprechen zu hören. Der Physiker Varley hat nämlich ein von Pollard und Garnier verbessertes musikalisches Telephon erfunden, bei welchem kein Magnet mitwirkt, vielmehr ein eigenthümliches Gesangbuch die Töne wiedergiebt. Dieses Buch besteht aus dreißig Blatt Papier von Taschenformat, zwischen denen achtundzwanzig Blatt Stanniol von etwas kleinerem Format so eingeschaltet sind, daß immer auf ein Blatt Papier ein Stanniolblatt folgt. Von den letzteren sind die geraden Nummern auf der einen Seite und die ungeraden auf der andern mit einander verbunden, und die eine Hälfte steht durch eine Klemmschraube mit dem einen Pol der secundären Rolle eines Inductionsapparates, die andere mit dem andern Pole in Zusammenhang. Wenn nun in der primären Rolle die den Tonschwingungen entsprechenden elektrischen Schwingungen circuliren, die durch ein gewöhnliches Kohlentelephon (vergl. „Gartenlaube“ 1877, S. 799) aus beliebiger Ferne hergesandt werden, so singen die durch ein einfaches Papierband zusammengehaltenen Buchblätter die Melodie in einem sanften Hoboe- oder Violoncelltone mit, indem sich die Stanniolblätter bei jeder Schwingung nähern und wieder von einander entfernen. Der Ton des Gesangbuches ist zwar nicht ganz rein, aber bei einiger Geschicklichkeit des in das Telephon hineinflötenden Sängers doch sehr angenehm, und ein Kirchenchor aus lauter derartigen Gesangbüchern, deren Eigenthümer in einem entfernten Nebensaale wären, müßte eine eigenthümliche gespenstige Wirkung ausüben.