De vulgari eloquentia/I. Buch – Achtes Kapitel

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aus: De vulgari eloquentia
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Achtes Kapitel.
Vertheilung der Mundart über die Welt und besonders in Europa.

Nach der zuvor erwähnten Verwirrung der Sprachen urtheilen wir ohne Leichtsinn, daß die Menschen die verschiedenen Himmelsstriche und Gegenden und Winkel derselben zu bewohnen erst damals zerstreut wurden. Und da die Wurzel des Menschenstammes vornehmlich in den östlichen Gegenden gepflanzt wurde, verbreitete sich von da nach beiden Seiten hin durch vielfach verbreitete Ableger unser Stamm und zog sich endlich bis an die westlichen Grenzen, woraus zuerst damals entweder die Flüsse des ganzen Europa oder wenigstens einige derselben die vernünftigen Kehlen tranken. Aber mochten ursprünglich Ankömmlinge gekommen sein oder Eingeborne nach Europa zurückkehren, eine dreifache Mundart brachten die Menschen mit, und einige der Mitbringenden wählten sich die südliche, andere die mitternächtliche Gegend von Europa, und die Dritten, welche wir jetzt Griechen nennen, nahmen einen Theil von Europa, einen Theil von Asien ein. Von einer und derselben Mundart, die durch eine garstige Verwirrung angenommen war, empfingen nachher verschiedene Volkssprachen ihren Ursprung, wie wir unten zeigen werden. Denn der ganze Strich von den Ausflüssen der Donau oder von den mäotischen Sümpfen bis zu den westlichen Grenzen (welchen von den Grenzen Englands, der Italer und Franken und dem Ocean eingeschlossen werden) erhielt eine Mundart, obgleich sie nachher durch die flavonischen, ungrischen, deutschen, sächsischen, englischen und andere viele Nationen in verschiedene Volkssprachen abgeleitet wurde, indem dies allein fast allen als Zeichen desselben Ursprunges zurückblieb, [107] daß fast alle vorhergenannten bejahend mit Jo antworten. Beginnend von dieser Mundart, nämlich von den Grenzen der Ungarn nach Osten zu, nahm eine andere das Ganze ein, was von da an Europa genannt wird, und erstreckte sich weiter. Das Ganze aber, was in Europa von diesen an übrig bleibt, nahm eine dritte Mundart ein, wenn sie gleich nicht dreifach scheint. Denn Einige sprechen bejahend Oc, Andere Oil, Andere Si, nämlich die Spanier, Franzosen und Lateiner. Ein Zeichen aber, daß von einer und derselben Mundart dieser drei Völker Sprachen abstammen, ist bereit, weil sie Vieles mit denselben Ausdrücken benennen, zum Beispiel Deum, Caelum, Amorem, Mare, Terram und Vivit, Moritur, Amat, fast alles Andere. Von diesen aber nehmen Diejenigen, welche Oc sprachen, den westlichen Theil des südlichen Europas ein, beginnend von den Grenzen der Genueser. Diejenigen aber, welche Si sagen, nehmen den östlichen ein von den obgenannten Grenzen an, nämlich bis an jenes Vorgebirge Italiens, wo der Busen des adriatischen Meeres anfängt, und bis Sicilien. Aber Diejenigen, welche Oil sprechen, sind gewissermaßen die mitternächtlichen mit Hinsicht auf diese; denn östlich haben sie die Alemannen und mitternächtlich, westlich sind sie vom englischen Meere eingeschlossen und von den Bergen Arragoniens begrenzt, mittäglich auch werden sie von den Provenzalen und der Biegung des Appennins eingeschlossen.