De vulgari eloquentia/I. Buch – Vierzehntes Kapitel

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aus: De vulgari eloquentia
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Vierzehntes Kapitel.
Von der Mundart der Romagna, und von einigen transpadanischen und besonders von der venetianischen.


Jetzt über die waldigen Schultern des Apennins wandelnd wollen wir die ganze linke Seite Italiens durchspähen, wie wir es machten, als wir östlich einhergingen. [119] Die Romagna also beschreitend sagen wir, in Latium zwei Volkssprachen gefunden zu haben, von welchen die eine der andern in gewissen entgegengesetzten Uebereinstimmungen gegenübersteht. Die eine von diesen scheint so weiblich wegen der Weichheit der Wörter und der Aussprache, daß sie einen Mann (wenn er auch männlich spricht) wie eine Frau erscheinen läßt. Diese haben alle Romagnuolen, und besonders die von Forli, deren Stadt, obgleich sie sehr neu ist, die Mitte dennoch der ganzen Landschaft zu sein scheint. Diese sprechen bejahend Deusci, und, wenn sie schmeicheln, sagen sie Oclo meo und Corada mea. Wir haben gehört, daß einige von diesen in ihren Gedichten von der eigenen Sprache abgewichen sind, zum Beispiel Thomas und Ugolino Bucciola, die Faenzer. Es gibt auch eine andre, wie gesagt ist, in Worten und Betonung so rauh und dornicht, daß sie wegen ihrer rohen Rauheit nicht blos eine Frau beim Sprechen misziert, sondern macht, daß man sie für einen Mann hält. Diese haben alle Diejenigen, welche Magara sagen, nämlich die Brescianer, Veronesen, Vicentiner, und auch die Paduaner, welche synkopiren alle Participia in tus, und die abgeleiteten Wörter auf tas, wie mercò und bontè, denen wir auch die Trevisaner zugesellen, welche nach Art der Brescianer und ihren Nachbaren den Konsonaten v wie ein f aussprechen mit Weglassung des letzten Buchstabens, z. B. Rof für Rove, Vif für Vivo, was wir als höchst barbarisch tadeln. Auch die Venetianer werden nicht würdig sein der Ehre der nachgespürten Volkssprache, und wenn einer von diesen von Irrthum befangen hiermit pralte, so bedenke er, ob er je gesagt habe:

Per le plage de Dio tu non venras;

unter welchen Allen wir einen gesehen haben, welcher strebte, sich von der Muttersprache wegzuwenden und der höfischen Volkssprache zu huldigen, nämlich Ildebrando [120] aus Padua. Daher glauben wir, wenn Alle in diesem Kapitel vor Gericht erscheinen, daß weder die aus der Romagna, noch ihr Gegentheil, wie gesagt ist, noch die venetianische die edle Volkssprache sei, welche wir suchen.