De wilde Mann (1815)

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Textdaten
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Autor: Brüder Grimm
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Titel: De wilde Mann
Untertitel:
aus: Kinder- und Haus-Märchen Band 2, Große Ausgabe.
S. 259–263
Herausgeber:
Auflage: 1. Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1815
Verlag: Realschulbuchhandlung
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Erscheinungsort: Berlin
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Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: old.grimms.de = Commons
Kurzbeschreibung:
1815–1843: KHM 136
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Begriffsklärung Andere Ausgaben unter diesem Titel siehe unter: De wilde Mann.


[259]
50.
De wilde Mann.

Et was emoel en wilden Mann, de was verwünsket un genk bie de Bueren in den Goren (Garten) un in’t Korn un moek alles do Schande. Do klagden se an eeren Gutsheeren, se können eere Pacht nig mehr betalen un do leit de Gutsheer alle Jägers bie ene kummen, we dat Dier fangen könne, de soll ne graute Belohnung hebben. Do kümmt do en ollen Jäger an, de segd, he wüll dat Dier wull fangen; do mött se em ne Pulle met Fusel (Branntwein) un ne Pulle met Wien un ne Pulle met Beer gierwen (geben), de settet he an dat Water, wo sick dat Dier alle Dage wäskt. Un do geit he achter en Baum stohn, do kümmt dat Dier un drinket ut de Pullen, do leckt et alle de Mund un kickt herüm, ov dat auck well süht. Do werd et drunken, un do geit et liegen un schlöpd; do geit de Jäger to un bind et an Händen un Föten, do weckt he et wier up un segd: „du wilde Mann, goh met, sök sast [260] du alle Dage drinken.“ Do nimmt he et mit noh dat adlicke Schloß, do settet se et do in den Thornt un de Heer geit to andre Nobers, de söllt seihn (sehen), wat he för’n Dier fangen hed. Do spierlt ene von de jungen Heerens met’n Ball un let de in den Thornt fallen un dat Kind segd: „wilde Mann, schmiet mie den Ball wier to;“ do segd de wilde Mann: „den Ball most du sölvst wier hahlen.“ „Je, segd dat Kind, ick heve kinen Schlürtel.“ – „Dann mack du, dat du bie dien Moder eere Tasken kümmst un stehl eer den Schlürtel.“ – Do schlüt dat Kind den Thornt orpen un de wilde Mann löpd derut; do fänk dat Kind an to schreien: „o wilde Mann, bliev doch hier, ick kriege süs Schläge.“ Do niermt de wilde Mann dat Kind up de Nacken un lopd darmet de Wildniß herin: de wilde Mann was weg, dat Kind was verloren! De wilde Mann de tüt dat Kind en schlechten Kiel (Kittel) an un schickt et noh den Görner an den Kaisers Hof, do mot et frogen: ov de kinen Görners-Jungen van dohn (nöthig) hed? Do segd de, he wöre so schmeerig antrocken, de annern wullen nig bie em schlopen. Do seg he, he wull in’t Strauh liegen, un geit alltied des Morgens fröh in den Goren, do kümmt em de wilde Mann entgiergen, do seg he: „nu waske die, nu kämme die!“ nu de wilde Mann mäckt de Goren so schön, dat de Görner et sölvst nig so gut kann. Un de [261] Prinzessin süt alle Morgen den schönen Jungen, do seg se to den Görner, de kleine Lehrjunge söll eer en Bust Blomen brengen. Un se frög dat Kind, van wat för Standt dat et wöre; do seg et, ja, dat wüs et nig, do giv se em en broden Hohn vull Ducoeten. Es he in kümmt, giv he dat Geld sinen Heeren un seg: „wat sall ick do met dohn, dat bruckt ji men.“ Un he moste eer noh enen Busk Blomen brengen, do giv se em ne Aant (Ente) vull Ducoeten, de giv he wier ansinen Heeren. Un do noh en moel, do giv se em ne Gans vull Ducoeten, de giv de Junge wier an sinen Heeren. Do ment de Prinzessin, he hev Geld un he hev nix, un do hierothet se em in’t geheem, un do weeret eere Oeldern so beise un setten se in dat Brauhuse, do mot se sick met spinnen ernähren, un he geit in de Kücke un helpt den Kock de Broden dreien un steld manrden (zuweilen) en Stück Fleesk un brengd et an sine Frau.

Do kümmt so’n gewoltigen Krieg in Engelland, wo de Kaiser hin mott un alle de grauten Heerens, do seg de junge Mann, he wull do auck hen, ov se nig noh en Perd in Stall hedden, un se saden, se hedden noh ent, dat gönk up drei Beenen, dat wör em gut genog. He settet sick up dat Perd, dat Perd dat geit alle: husepus! husepus! Do kümmt em de wilde Mann in de möte (entgegen), do döt sick so’n grauten Berg [262] up, do sind wull dusend Regimenter Soldaten un Offzeers in, do dät he schöne Kleeder an un krigd so’n schön Perd. Do tüt he met alle sin Volk in den Krieg noh Engelland, de Kaiser enfänk en so fröndlick un begerd en, he mög em doh biestoen. He gewinnt de Schlacht un verschleit alles. Do dät sick de Kaiser so bedanken vör em un frägd, wat he för’n Heer wöre, he segd: „dat froget mie men nig, dat kann ick ju nig seggen.“ He ritt met sin Volk wier ut Engelland, do kümmt em de wilde Mann wier entgiergen un döt alle dat Volk wier in den Berg, un he geit wier up sien dreibeenige Perd sitten. Do seget de Luide: „do kümmt usse Hunkepus wier an met dat dreibeenige Perd,“ un se froget: „wo hest du achter de Hierge (Hecke) lägen un hest schlopen?“ „Je, segd he, wenn ick der nig wör west, dann hädde et in Engelland nig gut gohn!“ Se segget: „Junge, schwieg stille, süs giv die de Heer wat upd’ Jack.“ – Un so genk et noh tweenmoel un ton derdenmoel gewient he alles; do kreeg he en Stick in den Arm, do niermt de Kaiser sinen Dock (Tuch) un verbind em de Wunden. Do neidigt (nöthigt) se em, he mög do bliewen, „ni, ick bliewe nig bie ju, un wat ick sin, geit ju nig an.“ Do kümmet em de wilde Mann wier entgiergen un deih alle dat Volk wier in den Berg un he genk wier up sin Perd sitten un genk wier noh Hues. Do lachten [263] de Luide und segden: „do kümmt usse Hunkepus wier an, wo hest du doh lägen un schlopen?“ He seg: „ick heve förwohr nig slopen, nu is ganz Engelland gewunnen un et is en wohren Frerden (Frieden).“ Do segde de Kaiser von den schönen Ritter, de em hev biestohen; do seg de junge Mann to en Kaiser: „wöre ick nig bie ju west, et wöre nig guet gahen.“ Do will de Kaiser em wat upn Buckel gierwen, „ji, seg he, wenn ji dat nig gleiwen willt, will ick ju minen Arm wiesen“ un asse he den Arm wiest un asse de Kaiser de Wunde süt, do wert he gans verwündert un segd: „villicht büst du Gott sölvst ader en Engel, den mie Gott toschickt hev un bat em üm Verzeihnüß, dat he so grov met em handelt hädde, un schenket em sin ganse Kaisers Gut. Un de wilde Mann was erlöset un stund ase en grauten Künig för em un vertelde em de ganse Sacke un de Berg was en gans Künigs-Schloß un he trock met sine Frau derup un lerweten vergnögt bis an eeren Daud.“

Anhang

[XXXIX]
50.
De wilde Mann.

(Aus dem Münsterland.) Merkwürdig ist in dem schönen Märchen, daß hier ganz eigentlich ein männlicher Aschenputtel vorkommt, wie es in den älteren sagen auch scheint gewesen zu seyn. Vgl. B.I. Anhang S. XVI. und die Nachtrage. Der schlechte Kittel, weshalb er wie Allerlei–Rauch (I. 65.) allein schlafen muß, sogar die gemeine Küchenarbeit kommen vor, und eben so kehrt er heimlich nach dem königlichsten Leben in seinen alten Zustand zurück, so daß er nur an einem äußeren Zeichen erkannt wird.